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Das in der vorigen Folge – bezüglich der Doktorarbeit Spilkers – genannte und in Teilen angeführte Buch der Ludendorffs

Das große Entsetzen – die Bibel nicht Gottes Wort

Erich Ludendorff

befaßt sich nicht nur mit der Entstehungsgeschichte des Alten Testamentes, sondern auch mit der des Neuen Testamentes. Hierüber berichtet Erich Ludendorff in dem Buch in seiner Abhandlung

Das „fabrizierte“ neue Testament

Bände sind über das Entstehen des neuen Testamentes geschrieben. Sie geben Wahrheiten zu, um dafür noch mehr zu verschleiern und sich noch schärfer auf den christlichen Standpunkt zu stellen.

In einer Anmerkung dazu schreibt Ludendorff:

Als gewisse Ausnahme nenne ich das Werk des Professors des Kirchenrechts Friedrich Thudichum an der Universität Tübingen, Kirchliche Fälschungen

Ludendorff führt weitere Fachwissenschaftler an wie den ehemaligen katholischen Priester Professor Franz Griese, der in seinem Buch Der große Irrtum des Christentums schreibt:

Überdies ist noch zu erwähnen, daß die in profanen Büchern gefundenen Anspielungen auf Christus, wie die französische Richtung feststellte …, allesamt Fälschungen einer späteren Zeit sind.

Desweiteren zitiert Ludendorff den Lic. theol. Dr. phil. Johannes Leipoldt, der im 1. Band seines Buches Geschichte des neutestamentlichen Kanons, Leipzig 1907, schreibt:

Die Urschriften der Evangelien sind uns nicht erhalten; sie galten nach allem was wir wissen, den ersten Christen nicht als Schätze von besonderem Werte; sie sind alsbald verschollen.

Verschollen!

Das kommt uns doch schon aus den Berichten über die immer wieder verloren gegangenen „Urschriften“ des Alten Testamentes bekannt vor. Noch bemerkenswerter ist, daß diese Urschriften den Christen „keine Schätze von besonderem Werte“ gewesen sein sollen.

Am bemerkenswertesten ist, daß derselbe Professor der Theologie Leipoldt glaubt, die damaligen Christen hätten zwar die Urschriften nicht als „Schätze von besonderem Werte“, aber trotzdem für „Goldbarren“ gehalten:

Man hielt diese Worte vielmehr sozusagen für Goldbarren, deren äußere Form man ohne Schaden verändern durfte, wenn nur der Goldwert derselbe blieb. Wir erkennen diesen Tatbestand sehr deutlich schon daraus, daß man sich zunächst mit einer rein mündlichen Überlieferung der Herrenworte begnügte.

Da kann ich Ludendorff nur zustimmen, wenn er meint:

Meines Erachtens hätten also die Christen doch recht begierig nach Urschriften der Evangelien greifen müssen, die ihnen den „Goldwert“ der „Herrenworte“ sicher übermittelten.

Ludendorff hält fest:

Die Urschriften der Evangelien, d. h. der Schriften über das Leben und die Lehre Jesu – und das ist heute Gemeingut der christlichen Priesterschaft auf Erden -, sind nicht vorhanden. Was hier Dr. Leipoldt von den Evangelien sagt, bezieht sich im übrigen in gleicher Weise auf sämtliche sonstigen Bestandteile des neuen Testamentes, auch keine der „Episteln“ ist etwa in der Urschrift vorhanden.

Dem Christenglauben fehlt die unantastbare Grundlage, die er zu besitzen wähnt.

Erst frühestens 120-130 Jahre nach Christi Geburt

könnten – nach der Bibelforschung – die Evangelien aufgeschrieben worden sein. Doch wer kann sich nach so langer Zeit noch an alles genau erinnern. Ludendorff bemerkt:

Ich erlebe ja schon bei meinen Lebzeiten, wie mein Handeln und meine Worte von Wohlmeinenden und erst recht von Mißgünstigen und Widersachern verdreht werden, und wie ist es erst bei meiner Frau!

Aber wir sorgen für die Zukunft, daß unser Handeln und Denken in von uns selbst aufgezeichneten Worten festgehalten werden, ein Geschichteschreiber hat es also einfach, falls er wirklich Wahrheit geben will.

Schreiber über Jesus hatten es ungleich schwerer, er hat selbst nichts geschrieben und seine Apostel auch nicht, die Evangelienschreiber hatten also keine authentische Quelle. Sie hatten günstigstensfalls Erzählungen, falls Jesus überhaupt gelebt hat, einige lange nach seinem Tode gemachte Aufzeichnungen, die, von Gunst und Mißgunst verzerrt, vielleicht auch geschrieben als Streitschriften gegen klar blickende Heiden, alles andere als Wahrheit enthielten.

An der Herstellung der Figur Christi habe der jüdisch-hellenistische Philosoph Philon von Alexandrien einen Hauptanteil,

berichtet Ludendorff, wobei er sich auf den schon erwähnten Professor Griese bezieht, der zeige,

daß der Franzose Bréhier in einem Vergleich des Johannesevangeliums und der Ideen Philons von Alexandrien zu dem Ergebnis kommt, daß der Logos des Philon genau die gleichen Eigenschaften besitzt wie jener des (jüngeren) Johannesevangeliums. Ev. Joh. 1,1

Die Redakteure waren samt und sonders jüdischer Herkunft. Ludendorff fragt,

in welcher Sprache denn diese Juden geschrieben haben sollen:

  • Hebräisch war verschwunden,
  • in Palästina wurde Aramäisch gesprochen,
  • aramäische Urschriften sind nicht da,
  • man spricht nur von griechischen Urschriften,
  • es müssen also Übersetzungen stattgefunden haben aus einer Sprache in eine andere, in der Begriffe für Worte gefehlt haben werden, die die erste Sprache hatte.

Setzt man also aramäische Schriften voraus, so müssen die griechischen Übersetzungen schon erhebliche Verunstaltungen aufweisen, selbst wenn sie mit möglichster Genauigkeit vorgenommen sein sollten.

Es sind nun, und daran ist nicht zu zweifeln, im zweiten und dritten Jahrhundert eine Unzahl von „heiligen Schriften“ entstanden. Es handelt sich nicht nur um die vier bekannten Evangelien und die bekannten Briefe, die heute im neuen Testament stehen.

Wir kennen z. B. ein Hebräerevangelium, nicht zu verwechseln mit dem fabrizierten Hebräerbrief, ein Petrusevangelium, eine Evangelien-Harmonie, ein Ägypterevangelium, Clemensbriefe, einen Barnabasbrief usw., die in Ägypten, Palästina und Kleinasien, wo Juden, jüdischblütige und „heidnische“ Christen zunächst einmal besonders heimisch waren, angefertigt sind.

Jesus sollte wie Krischna und Buddha als eine Verkörperung des jeweiligen „Gottes“ erscheinen

Professor Thudichum bestätigt dies in seinem o. a. Buch, Band 2, S. 26:

Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts fing die allmählich sich bildende christliche Priester-Partei an, sich auf die Jüdischen Religionsschriften als auf geltendes Wort Gottes zu berufen, und zwar auf das Gesetz Moses, um ihr Priestertum, ihre Opfermessen und Zehnt-Ansprüche damit zu begründen, desgleichen auf die Propheten, Psalmen usw., um glaubhaft zu machen, daß diese bereits 500 oder 1000 Jahre vor Christus dessen übernatürliche Geburt und Göttlichkeit geweissagt hätten.

Es wurden jetzt allmählich in die Evangelien zahlreiche Bezugnahmen auf solche angebliche Weissagungen eingefügt, auch Erzählungen, wonach Jesus selbst sich mehrfach auf solche berufen habe.

Nun haben wir ja schon im vorigen Adelinde-Eintrag erfahren, was Stewart Roß in seinem Buch God’s Book ausführte:

… schon der gelehrte Bischof Faustus … erklärte: es sei positiv gewiß, daß das Neue Testament nicht nur nicht von Christus selbst, ja nicht einmal von seinen Aposteln geschrieben sei, sondern erst lange Zeit nach deren Tode von unbekannten Personen niedergeschrieben wurde, welche die Namen der Apostel oder deren Epigonen als ihr Aushängeschild benutzten, weil ihnen selber niemand gelaubt hätte, wenn sie unter eigenem Namen über Dinge geschrieben hätten, mit denen sie selbst nicht vertraut waren.

Die Evangelienfälscherei scheint in der Tat ein oder zwei Jahrhunderte lang ein blühender Industriezweig gewesen zu sein. Die Welt der frommen Leichtgläubigkeit wurde mit einer großen Anzahl Evangelien und Episteln überschwemmt, von deren letzteren eine sogar mit dem Namen des Jesus selber gefälscht wurde, die „Epistel an Abgarus“ nämlich.

Diese Art Literatur wuchs zu einem solchen verworrenen Wust heran, daß man im Jahre 325 nach Chr. ein Konzil von 318 Bischöfen nach Nicäa berief, welche unter sich beraten sollten, welche von der Menge Evangelien und Episteln als „kanonisch“ zu betrachten seien und welche als „unecht“ zu verwerfen seien. Mit anderen Worten:

Menschen sollten bestimmen, welche Bücher göttlichen und welche Bücher menschlichen Ursprungs seien.

Dazu Ludendorff:

Wie „milde“ protestantische Pastoren Fabrikate, die hier entstanden, betrachten, geht aus der Stellungnahme hervor, die der sehr bekannte christliche Theologe Harnack gegenüber dem gefälschten Briefwechsel zwischen dem König Abgar von Edessa und Jesus Christus einnahm, aus dem die geschichtliche Persönlichkeit des Jesus und sein Gottsein bewiesen sein sollte. Harnack nennt sie „eine übrigens harmlose und in schlichten Worten konzipierte Fälschung“.

Dazu Prof. Thudichum:

Als Jurist muß ich entschiedene Verwahrung dagegen einlegen.

Fälschungen sind allenfalls harmlos, wenn sie zu einem Scherz dienen sollen und z. B. am 1. April erlaubt; im Übrigen greift man zu ihnen, wenn man auf ehrliche Weise einen Beweis nicht führen kann, und Fälschungen, die bezwecken, einen Menschen im Lichte eines Gottes erscheinen zu lassen, die Welt also über wichtigste Fragen der Religion zu betrügen, und auf diesem Betrug eine Priesterherrlichkeit aufzubauen, bleiben Gottlosigkeiten schlimmster Art.

Das Konzil von Nicäa

Darüber sagt Ludendorff:

Das Konzil von Nicäa war von Kaiser Konstantin berufen. Nicäa selbst liegt in dem Nordwestteil Kleinasiens am Isnik-See, wo heute der Ort Isnik liegt. Schon die Wahl dieses Ortes zeigt, daß der Schwerpunkt der christlichen Kirche scharf im Osten lag.

Wenn auch bei der Auswahl der Teilnehmer recht einseitig vorgegangen war, so ist doch bezeichnend, daß von den 318 Bischöfen, die dort versammelt waren, 310 aus Ägypten, Syrien, Palästina und Kleinasien, vielleicht auch noch von der Balkanhalbinsel stammten, daß 6 bis 8 aus dem „Westen“ waren, darunter 2 Vertreter des römischen Papstes.

Ich führe das an, um zu zeigen, wo damals das Schwergewicht der Christenheit lag, daß der Bischof in Rom noch nicht der römische Papst war, der er mit Beginn des 5. Jahrhunderts nach und nach wurde, vor allen Dingen erst dann, als ihm die Christianisierung der Franken, Englands und von dort aus der germanischen Stämme gelang.

Kaiser Konstantin hatte das Konzil berufen, weil der Zwist innerhalb der Christenheit die Einheit des Reiches gefährdete.

Ludendorff zitiert den Historiker Johannes Haller, der in seinem Buch Das Papsttum, Stuttgart 1934, schreibt:

Wohin man blickte, Uneinigkeit, Streit und Zwist. Die Kirche, kaum in ihrem äußeren Dasein gesichert, drohte sich von innen her aufzulösen. Dem konnte der Kaiser nicht zusehen, ihm nützte eine gespaltene Kirche nichts, sie schadete nur: anstatt die Einheit des Reiches zu festigen, hätte sie es vollends gesprengt …

Noch kannte sie weder Recht noch Verfassung, und das, was sie einen sollte, der Glaube, war seit jeher der strittigste von allem.

Konstantin mußte eingreifen, und er tat es sofort … Er beschloß, der Kirche zu geben, was ihr bisher gefehlt hatte, eine Verfassung und ein Glaubensbekenntnis. Beide sind sein Werk.

Hüpfende Evangelien

Die Auswahl von Büchern, die von der Versammlung als „göttlichen“ Ursprungs befunden werden sollten, war gewiß nicht ganz einfach. Stewart Roß schreibt:

… das erste, was aber die Bischöfe untereinander taten, war, daß sie sich gegenseitig mit grimmigen, erbitterten Vorwürfen überhäuften … Man schlug vor, diejenigen Bücher für kanonisch zu erklären, zu deren Gunsten die meisten Stimmen abgegeben waren …

Torheit führt selten zum Guten, eher – wie hier – zu einer weiteren Torheit. Stewart Roß bezieht sich auf Pappus, der sein Werk Synodikon bald nach dem Konzil verfaßt hatte, und schreibt:

Die unvermeidliche, von den boshaftesten Schmähungen begleitete Zänkerei der Herren Bischöfe untereinander scheint aber doch nicht zum gewünschten Resultat geführt zu haben, denn Pappus erzählt uns in seinem Synodikon, daß die endliche Feststellung des Kanon in ganz anderer Weise geschah.

Er sagt, man habe die verschiedenen schon sehr zahlreichen Bücher, welche Anspruch darauf erhoben, kanonische Bücher zu sein, miteinander unter den Altar gelegt. Darauf habe man gebetet, daß diejenigen Bücher, welche wirklich göttlichen Ursprungs wären, sich gefälligst selber auf den Altar legen möchten, während diejenigen menschlichen Ursprungs unter dem Tisch des Herrn zu verbleiben die Gewogenheit haben möchten – und siehe so geschah es …

Seinen englischen Landsleuten ruft Roß augenzwinkernd zu:

Mögen wir … unseren Trost darin finden, daß hüpfende Evangelien die Quelle unserer nationalen Größe und Wohlfahrt sind!

Ludendorff bemerkt dazu:

Das waren fürwahr vortreffliche und unantastbare Grundlagen für das Leben und die Lehre eines Religionstifters.

Wir fragen nun zur Belehrung von Christen weiter, wo sind denn eigentlich diese Schriften geblieben, denen so der Charakter wichtigster göttlicher Urkunden gegeben war?

Auch sie sind verschwunden.

Ebensowenig wie von den vermeintlichen Urschriften der Evangelien ist auch von diesen etwas vorhanden. Aber auch alle nicht als kanonisch, d. h. göttlichen Ursprungs erklärten Schriften … sind vernichtet.

Dazu Prof. Thudichum:

Die Bücher, welche an die Bischöfe abgeliefert und natürlich verbrannt wurden, waren nicht vorzugsweise Streitschriften, sondern religiöse Lehrbücher für Alt und Jung, so dann namentlich Evangelien und Briefe, die anders lauteten als diejenigen der Priesterkirche.

Das Aufspüren und Vernichten dieser Quellen ist noch Jahrhunderte lang fortgesetzt worden, und es ist den Priestern geglückt, die ihnen unbequemen Berichte vollständig aus der Welt zu schaffen.

Wieviele Evangelien hierbei zu Grunde gingen, erhellt aus dem Schicksal der Evangelien-Harmonie des Tatianus und seines Überarbeiters Ammonius: in der Diözese Cyrus in Antiochien verbrannte der Bischof Theodoret (gest. 457) 200 solche Bibeln und in der benachbarten Diözese Edessa der Bischof Rabulas um diesselbe Zeit ebenfalls eine große Zahl.

Es ist nicht ein einziges Exemplar davon übrig geblieben; denn daß die im 8. Jahrhundert vom Papst nach Fulda geschenkte lateinische Evangelien-Harmonie diejenige des Tatianus sei, kann nur glauben, wer in den Inhalt derselben und in die Künste Roms nicht eingeweiht ist.

66 Jahre nach den Bibel-Fabrikationen von Nicäa brennt die Alexandrinische Bibliothek ab

Sehr aufschlußreich ist, was Ludendorff berichtet:

In diese Zeit … nach dem Konzil von Konstantinopel, und zwar in das Jahr 391, fällt auch die Zerstörung der Alexandrinischen Bibliothek, die Ptolomäus II. Philadelphus (285-247 v. Beg. u. Ztrchg.) gegründet hatte. Ihr Bestand hatte sich auf 500 000 bis 700 000 Buchrollen vermehrt. Mögen auch frühere Brände ihn bereits verringert haben, die wesentlichen Bestandteile fielen christlicher Zerstörungswut zum Opfer.

Was Griechisch war, sollte vernichtet, jüdisch-christliches Denken an Stelle griechischer Kultur gesetzt und die Vergangenheit für Millionen Menschen des Mittelalters ausgetilgt werden, ein beliebtes Mittel von Priestern. … Es waren nun auch alle persischen und indischen Schriften, aus denen die Septuaginta und die Evangelien ihre Anleihen gemacht hatten, verschwunden!

Waren so alle christlichen Dokumente vernichtet und Reste nur in spärlicher Zahl vorhanden, so konnte die Priesterpartei, immer mehr verkörpert in Rom, nun auf der Grundlage weiterbauen, die sie auf dem Konzil von Nicäa 325 und von Konstantinopel 381 gelegt hatte.

Evangelien und sonstige Episteln konnten so zurecht gemacht werden, wie es die Priesterherrschaft unter römischer Führung, das apostolische Glaubensbekenntnis sowie die ihm entsprechende Absicht erforderten, aus Jesus vom Stamme des Judenkönigs David den Sohn der Jungfrau Maria zu machen und so seine jüdische Herkunft und seinen Zusammenhang mit dem Judentum immer mehr zu verwischen …

„Berichtigungen“ des doch nun anerkannten Gotteswortes wurden bedenkenlos vorgenommen.

Das Vaterunser und andere „Berichtigungen“

So war auch zum Beispiel das „Vaterunser“ ein zum Plagiat „berichtigtes“ Gebet, von dem Stewart Roß – etwas „scharf“, wie Ludendorff findet – schreibt:

Das Vaterunser ist nichts weiter als die nur wenig umgewandelte Wiedergabe eines alten jüdischen Gebetes, bekannt unter dem Namen „Der Kadisch“, und ist seiner Gänze nach direkt aus dem Talmud gestohlen.

Doch Ludendorff kann weitere Beispiele von „Berichtigungen“ anführen:

Rom war hier besonders tätig. Ich weise nur auf die „Berichtigung“ von Matthäus 16, 18 und 19 von dem „Felsen Petrus, auf den die Kirche zu gründen wäre“, usw. hin.

Die Texte der griechischen „Urschriften“ der Evangelien und der Briefe des neuen Testamentes waren im 11. Jahrhundert im wesentlichen fertiggestellt. Es war die gleiche Zeit, in der auch die erste hebräische Bibel vollendet war.

Seit dem Konzil von Nicäa bis zur Fertigstellung des Neuen Testamentes im 11. Jahrhundert stand für die Arbeit der „Berichtigungen“ immerhin eine Zeit von etwa 700 Jahren zur Verfügung.

Stewart Roß hebt noch einmal deutlich hervor:

Man muß im Auge behalten, daß die Griechischen Neuen Testamente der Reformationszeit von Manuskripten abgedruckt wurden, von denen keines älter als das elfte Jahrhundert war.

Dazu Ludendorff:

Die im 11. Jahrhundert „fertigen“ griechischen „Urschriften“ waren es also, die Luther zu seiner Bibelübersetzung vorgelegen haben.

Als nun im 15. Jahrhundert Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern angewandt hatte, und die hebräische „Urschrift“ des alten Testamentes endlich fertiggestellt war, konnte Luther samt dieser auch diese griechischen Vorlagen übersetzen.

Damit war aber die Bibel auch noch nicht fertig. Luther kannte noch keine Verse.

Die Bibeltexte werden in Verse eingeteilt

Stewart Roß weiß zu berichten:

Die Zerstückelung des Neuen Testamentes wurde im Jahre 1551 von einem Buchdrucker Robert Stephens ausgeführt. Einen bedeutenden Teil dieser Arbeit bewältigte der Genannte als Zeitvertreib auf einer Reise … zwischen Paris und Lyon.

… Es wird allgemein zugegeben, daß, mit einem alten Theologen zu reden, Stephens Arbeit „mit Hast“ ausgeführt wurde und daß er manchmal Dinge trennte, die besser vereinigt geblieben wären oder Dinge zusammenschweißte, die er lieber hätte trennen sollen. …

Allgemein wird zugegeben, daß die Einteilung schlecht sei, und doch ist sie so allgemein angenommen worden, daß es unmöglich geworden ist, sie zu verbessern. Kurz, das Buch Gottes ist verhunzt …

150 000 Lesarten

1592 wurde die römische Bibel in lateinischer Sprache, die Vulgata, gedruckt. Hyronimus hatte schon im 4. Jahrhundert die Übersetzungen geliefert, die dann in der Vulgata zahlreichen Fälschungen unterzogen wurden, wie Roß darlegt und dann sagt:

Christliche Gelehrte geben zu, daß die verschiedenen Lesarten in den Manuskripten zum Neuen Testament so zahlreich sind, daß man sie kaum übersehen kann. Erst hörten wir von 20 000 verschiedenen Lesarten, dann von 50 000 und jetzt hat man beim Vergleich der Manuskripte für Griesbachs Ausgabe gar 150 000 verschiedene Lesarten entdeckt, wahrlich, es ist doch ein höchst vertrauenswürdiges Buch …

Ludendorff faßt die Ergebnisse seiner Abhandlung zusammen:

  • Wir haben keine Urschriften der Jünger Jesu irgendwelcher Art.
  • Die Schriften, die auf dem Konzil von Nicäa als kanonisch bezeichnet sind, sind im Original verschwunden.
  • Weit zurückliegende Dokumente fehlen im allgemeinen.
  • Was da ist, ist mehr als apokryph, d. h. fragwürdig.
  • Die Schriften, auf die sich Luthers Bibelübersetzung stützt, sind in gleicher Zeit entstanden, in der das alte Testament von Juden fertiggestellt wurde, nämlich im 11. Jahrhundert, und wurden den Bedürfnissen der Priesterschaft und namentlich der Romkirche angepaßt.
  • Eine später einsetzende Bibelkritik fand zurückliegende Dokumente, über deren Entstehen ein dichter Schleier liegt, und die zusammengestellt mit den Dokumenten, nach denen Luther übersetzt hat, 150 000 verschiedene Lesarten enthalten.
  • Die Grundlagen der in Latein erschienenen Vulgata sind älter. Sie stammen aus einer Zeit, für die das Wort kennzeichnend ist, das Bischof Gregor von Nazianz (gest. 389) an den Bibelübersetzer, den „heiligen“ Hieronymus, schrieb:

Nämlich:

Unsere Kirchenväter und Kirchenlehrer haben oft Dinge gesagt, an die sie selbst nicht glaubten, aber die Umstände und die Not sie sagen ließen.

Wer diese Geschichte der Fälschungen und Lügen nicht glaubt, ja sich gegen sie wohlbegründet verwahrt und darüber aufklärt, wie es Erich und Mathilde Ludendorff getan haben, wird von ahnungslosen Geistern wie die Doktorandin der Geschichte Annika Spilker, die sichtbar wenig von ihrem Spezialgebiet, dem der Geschichte, und von wissenschaftlichem Anstand weiß, mal so eben mit linker Hand als „antichristlich“ verleumdet.

Erich und Mathilde Ludendorff war der Spruch Robert Reinicks aus der Seele gesprochen:

Vor allem eins, mein Kind: Sei treu und wahr,
laß nie die Lüge deinen Mund entweihn!
Von alters her im deutschen Volke war
der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein.

Lesen Sie in der nächsten Folge noch einige Ausführungen Mathilde Ludendorffs zu Lehre und Moral der Bibel!

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Dr. Walter Stolber
9 Jahre zuvor

Sehr geehrte Adelinde,

nur auf “Aufklärung” als Bollwerk gegen den aggressiv einwandernden Islamismus zu setzen, wäre auch für mich erste Wahl, wenn, ja, wenn die Gesellschaft rational funktionieren würde. Die Schlachten werden jedoch nicht rational, sondern primär auf emotionaler Propaganda Ebene geschlagen.

Auf absehbare Zeit halten nicht gelehrte Aufklärer die Geschicke in Händen, schon gar nicht in Deutschland, dessen Nachkriegselite als Gutmenschen schwächlich daherkommt. Aufgeklärte christlichen Kirchen, die Volksmassen führen und indoktrinieren, besitzen, wie gesagt auf absehbare Zeit, wohl als einzige Institutionen das zu mobilisierende geistige Schutzpotential vor morgenländischen Eiferern.

Nennen wir es Placebo Pille, die dringend solange verabreicht werden muss bis, in ferner Zukunft, die echte Arznei von der breiten Öffentlichkeit geschluckt wird. Selbst dann ist fraglich, ob der aufgeklärte, freie Mensch völkisch im Sinne von Mathilde Ludendorff effektiv sein will, um die selbstmörderischen Idealisten in die Schranken zu weisen. Dank seines uneinholbaren, technologischen Vorsprungs und Organisation kann dies die westliche Zivilisation bis in fernste Zukunft immer, wenn sie nur will, wenn sie die Kultur hierzu aufbringt!

Bewunderung und Dank Ihren Beiträgen. Die Uni Mainz wäre wohl gut beraten über einen Ehrendoktor für Sie nachzudenken, nicht zuletzt wie es scheint, um Balsam auf deren hausgemachte, widerliche Scharte zu streichen.

Freundliche Grüsse,
Dr. Walter Stolber

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