Pommernland ist abgebrannt.
Dienstag, 15. September 2026 von Adelinde |
Friedrich der Große empfahl seinen Nachfolgern,
sich vorzugsweise auf „seine Pommern“ zu verlassen.
Maikäfer flieg.
Der Vater ist im Krieg,
die Mutter ist in Pommerland,
Pommerland ist abgebrannt –
Maikäfer flieg.
Thomas Engelhardt
schildert seine Eindrücke von einer Fahrt durch Pommern und schließt seine Betrachtungen über die ehemalige Provinz am 11.09.2026 an:
Pommerland ist abgebrannt.
Vor mehr als hundert Jahren entstand um 1915 der nachstehend genannte sein Heimatland lobpreisender Versreim eines unbekannt gebliebenen pommernschen Landsmannes:
Mein Pommern.
„Jüngst hört’ ich, wie von meinem Heimatlande, von meinem Pommern man verächtlich sprach:
„Ein häßlich Land, arm, voll von Sumpf und Sande, und Pommerns Volk, den andern noch weit nach.“
Da sagte ich: „Verzeiht, ich möchte fragen, habt ihr mein Pommern denn schon recht gesehen? Schon Rügen, wo der Stubbnitz Höhen ragen und wo der Stubbenkammer Felsen stehn? Seid von Stettin ihr schon zu Strand gefahren und von Stettin hinauf den Oderstrom?
Saht Pommerns Seen ihr, die spiegelklaren, und schrittet ihr durch Pommerns Waldesdom?
Zogt ihr entlang schon den Forellenbächen in unsrer Schweiz beim lieblichen Polzin?
Sah’t ihr die körnerschweren Weizenflächen bei Pyritz, Rügenwalde und Demmin?
Habt Rügenwalder Spickbrust ihr gegessen, Stralsunder Flundern und Kösliner Wurst?
Habt ihr in Pommern irgendwo gesessen. Mit Pommernbräu zu stillen euern Durst?
Sah’t in Stettin ihr schon die vielen Masten, wie sie geschäftig ziehen ihre Bahn
und Tag und Nacht nicht ruhen oder rasten? Und sah’t ihr schon den mächtigen „Vulkan“? (1)Und lerntet ihr schon Pommerns Frauen kennen, so treu, so lieb, das Herz am rechten Fleck?
Und hörtet ihr schon Pommerns Männer nennen? Ernst Moritz Arndt, Joachim Nettelbeck?
Und wißt ihr, wie sich jetzt im Völkerringen die alte Pommerntreue neu bewährt?
Wie sie daheim in Pommern Opfer bringen und wie da draußen kämpft das Pommernschwert?So fragte ich und alle, alle schwiegen. Sie schwiegen, da mein Wort sie überwand.
Und dieses Wort soll jeden gleich besiegen, der dich verachten will, mein Pommernland.“ (2)Fährt man heute durch die alte preußische Provinz Pommern, kommt dem Betrachter die Verszeile aus dem alten deutschen Volkslied „Maikäfer flieg“ in den Sinn. (3) Aber mehr noch. Pommern existiert nurmehr in der Erinnerung. Die Landschaften Pommerns sind freilich unvergänglich. Und die Polen nennen Pommern wie in deutscher Zeit Pomorze (= Pommern).
Das frühere deutsche Hinterpommern ist heute auf die zwei polnischen Woiwodschaf-ten Westpommern und Pommern aufgeteilt. (4) Die Woiwodschaft Westpommern umfaßt den östlichen Teil des früheren deutschen Regierungsbezirks Stettin und große Teile des ehemaligen Regierungsbezirks Köslin.
Die östlich sich anschließende Woiwodschaft Pommern umfaßt dagegen lediglich den öst-lichen Teil der ehemaligen Provinz Pommern und besteht darüber hinaus jedoch insbe-sondere aus Gebieten des ehemaligen West-preußen (einschl. des sog. Korridorgebietes der Zwischenkriegszeit, in Polen Pommerellen (5) genannt).
Pommern aber erscheint heute nicht nur ab-gebrannt. Nein, das einst deutsche Pommern existiert nurmehr in der Rückschau. Es er-scheint ausgelöscht. Auch und insbesondere in der kollektiven Erinnerung der Bundes-deutschen. Staat und Gesellschaft hatten und haben kein Interesse an der Bewahrung wenigstens des kulturellen Erbes.
Der Lehrstuhl für pommersche Geschichte und Landeskunde an der Universität Greifs-wald beispielsweise wurde zum 31. März 2013 aufgelöst.
Historische For-schung über Pom-mern wird heute insbesondere im polnischen Stettin betrieben, nicht in der Bundesrepublik.(6) Hier fand in den vergangenen achtzig Jahren gewissermaßen eine kulturelle Aneig-nung durch die Polen statt, die Stettin heute als Teil ihrer Nationalgeschichte verein-nahmen.
Jahrzehntelang wurde Stettin nach 1945 dogmatisch als „urpolnische“ Stadt deklariert, die lediglich in die Arme des Mutterlandes „zurückgekehrt“ sei. Stettin wurde von den Kommunisten offiziell als „wiedergewonnenes Gebiet“ deklariert.
Die deutschen Spuren wurden systematisch getilgt, Straßennamen geändert, Denkmäler geschleift und die Geschichte auf die frühen slawischen Wurzeln reduziert, um die polni-sche Präsenz historisch zu rechtfertigen.
Am 2. April 1993 besuchte der damalige polnische Staatspräsident Lech Wałęsa die Stadt anläßlich der Feierlichkeiten zum 750. Stadtjubiläum Stettins (750 Jahre Verleihung des Magdeburger Stadtrechts im Jahr 1243 durch Herzog Barnim I.).
Zwar verwies er in seiner Jubiläumsrede auf das reiche und vielschichtige historische Fundament, das maßgeblich von deutscher Kultur, Architektur und Wirtschaft geprägt gewesen sei. Auch betonte er, daß die Iden-tität Stettins ohne seine deutsche Vergan-genheit unvollständig sei.
Aber Wałęsa betonte in seiner Rede die Zu-gehörigkeit Stettins zu Polen. Dies entspricht der allgemeinen Sicht der heutigen polni-schen Eliten. Stettin wird heute im kollektiven Bewußtsein der Polen als urpolnische Metropole verankert.
In der offiziellen Lesart wurde betont, daß die Wurzeln der Stadt in der slawisch-pommer-schen Geschichte liegen, wodurch die jahr-hundertelange deutsche Geschichte der Stadt politisch überdeckt und uminterpretiert wird.
Heute, im neunten Nachkriegsjahrzehnt, gilt Stettin völlig selbstverständlich als Teil des eigenen polnischen Kulturraums.
Daher sei an dieser Stelle noch einmal an die frühere Bedeutung Stettins erinnert.
Bis 1945 belegte Stettin in der Liste der größten Städte des Deutschen Reiches nach Wuppertal und vor Königsberg /Ostpreußen mit 383.000 Einwohnern (Stand 1939) den 17. Platz (!).
Bezüglich der Stadtfläche (461 km²) war Stettin nach Berlin und Hamburg durch die Einbeziehung der Städte Altdamm (auf der östlichen Oderseite) und Pölitz (7) sogar die drittgrößte Stadt Deutschlands. (8)
Nicht unerwähnt bleiben kann die Tatsache, daß Stettin nach Hamburg und Bremerhaven einer der bedeutendsten Überseehäfen des Deutschen Reiches war. Überragende Bedeu-tung hatte Stettin aufgrund des See- und Oderhafens auch für die Versorgung der Reichshauptstadt.
Das 2001 eingeweihte Pommernzentrum in Lübeck-Travemünde, getragen von der Pommerschen Landsmannschaft (9), dem Pommerschen Zentralverband (10) und anderen Vereinen wie dem Pommerschen Greif e.V. mußte 2017 wegen Zahlungsun-fähigkeit aufgegeben werden. (11)
Die Sammlungsbestände der Einrichtung, darunter die Archive und Bibliotheken der beteiligten Träger, wurden zum größten Teil zerfleddert und verramscht. Mit dem Ende dieser in der BRD einzig-artigen Einrichtung endete jedoch auch die Herausgabe der bis dahin wöchentlich erscheinenden „Pommerschen Zeitung“.
Die Herausgabe der Quartalsschrift „Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte“ konnte dagegen gesichert werden. Alle Bemühungen aber, das Pommernzentrum zu erhalten und die Insolvenz abzuwenden schlugen fehl – vornehmlich aufgrund mangelnden politischen Interesses auf kommunaler, Landes- und Bundesebene.
Der Staat BRD und seine politischen Spitzen sahen die Bewahrung des kulturellen Erbes Pommerns als mindestens lästig, wenn nicht rückwärtsgewandt und nutzlos an. Das Pom-mernzentrum wurde im Interesse und im Sinne des Ausgleichs mit Polen als Störfaktor wahrgenommen und ihm ausschließlich aus diesem Grund jedwede finanzielle Unter-stützung versagt.
Bedenkt man, daß eine einzelne bundesdeut-sche Kommune tagtäglich Millionensummen für Transfer- und Sozialleistungen für Asylanten, Migranten, „Flüchtlinge“ und andere Zuwanderer aufzubringen haben, wird das Mißverhältnis deutlich.
Hinterpommern ist ein Land der Weite, mit großen Feldern, einsamen Laub- und Kie-fernwäldern, mit Birken, Erlen und Wacholder bestandenen Heideflächen und Mooren. Die mehr als 300 km lange Ostseeküste ist wenig gegliedert. Steilküsten und flache Strandab-schnitte wechseln sich ab.
An mehreren Stellen ent-lang der pommerschen Küste finden sich von der Ostsee abgetrennte Strand- und Küstenseen (12) sowie Dünen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die etwa 10 Kilome-ter lange Lonske-Düne bei Leba im ehemaligen Kreis Lauenburg in Pommern, die dort eine Höhe von 42 Metern erreicht.
Nur wenige Flüsse unterbrechen diese Aus-gleichsküste an der Ostsee. (13). Einige Er-hebungen wie der Gollen (133 m) oder der Revekol (117 m) als Teil von End- und Staumoränen ragen aus der flachen Küstenebene hervor.
Nach Süden hin geht die Landschaft in den Pommerschen Höhenrücken (14) über. Im östlichen Hinterpommern erreichen diese Höhenzüge immerhin eine Höhe von bis zu 256 m (Schimmritzberg im ehem. Kreis Bütow).
Die zahlreichen Seen im Binnenland haben die Bezeichnung „Pommersche Schweiz“ herbeigeführt.
Im südöstlichen Teil der Altprovinz, insge-samt eine wenig fruchtbare und für den Ackerbau kaum geeignete Landschaft, erstrecken sich weite kiefernbestandene Sandergebiete. Die ausgedehnten Kiefern-waldungen wurden auf Veranlassung von Friedrich dem Großen angelegt.
Der hier Berichtende bewegt sich in der Vergangenheit. Das sei unumwunden zu-gegeben. Jede Fahrt in den ehemaligen deutschen Osten ist von Wehmut geprägt. Denn Pommern – wie es einst war – existiert nicht mehr. Nurmehr in der Erinnerung. Die Kriegsfurie des Jahres 1945 vernichtete größtenteils die jahrhundertealten Städte Pommerns.
Stettin etwa war im Frühjahr 1945 eine schwer zerstörte Trümmerwüste, in der zwei Drittel aller Gebäude und rund 90 % der hi-storischen Altstadt und 70 % des übrigen Stadtgebietes in Trümmern lagen.
Alliierte Bomberverbände der Briten und US-Amerikanischer flogen über zwanzig Angriffe auf die für Deutschland überaus wichtige Industrie- und Hafenstadt. (15) Besonders verheerend waren die Angriffe ab 1944.
Köslin, Sitz des gleichnamigen Regierungs-bezirks, wurde am 4. und 5. März 1945 bei der Einnahme durch die Rote Armee zu etwa 50 % zerstört. (16) Kolberg wurde 1945 zu 80 bis 90 % zerstört. Vom 4. bis 18. März 1945 kämpften Einheiten der Roten Armee und polnische Verbände gegen deutsche Truppen, die Kolberg hartnäckig verteidigten (die Stadt war zur „Festung“ erklärt worden). (17)
Infolge des heftigen feindlichen Artillerie-beschusses fielen der größte Teil der histo-rischen Altstadt Kolbergs in Schutt und Asche. Am 18. März 1945 wurde Kolberg vom Feind erobert und das gesamte Stadt- und Kreisgebiet besetzt. (18)
Die Überbauung und Neugestaltung der pommerschen Städte in den vergangenen acht Jahrzehnten hatte zur Folge, daß der deutsche Charakter weitestgehend verloren gegangen ist. Wo Innenstädte wie beispiels-weise in Belgard im Krieg wenig zerstört worden und erhalten geblieben waren, wurden sie überformt und erscheinen heute als polnische Provinzstädte. Nur wenig erinnert noch an die deutsche Vergangenheit.
Die kleinen Landstädte Hinterpommerns (19) sind von der Vergangenheit schwer gezeich-net. Die Brandfackel des Krieges, die Bau-sünden der Nachkriegszeit, die Verwahr-losung in fünf Jahrzehnten der kommuni-stischen Herrschaft sorgen bis heute teils für bedrückende Ansichten.
Auffällig jedoch ist, daß die ehemaligen kleinen deutschen Provinz- und Landstädte heute eine höhere Bevölkerungszahl aufwei-sen als zu deutscher Zeit, während das platte Land, die Dörfer, in der Regel weniger Einwohner haben. (20)
Die an der Ostseeküste liegenden Ortschaften dagegen sind teils überproportional gewach-sen. Frühere kleinere Fischer- und Bauern-dörfer sind heute von großen Ferienhaus-siedlungen, Appartementhäusern und Hotel-bauten gekennzeichnet und haben ihren einstigen Charakter in der Regel vollständig eingebüßt. (21)
Die auch in der deutschen Zeit existierenden Seebäder und Kurorte erfuhren eine beträcht-liche Erweiterung (22), die früheren kleineren Badeorte wurden in der Regel erheblich aus-gebaut und sind heute große saisonal genutzte Ferienwohnsiedlungen. (23)
Deutsche Spuren und Hinterlassenschaften sind an der ge-samten etwa 330 km langen heute zu Polen gehörenden pommerschen Ostseeküste (24) und im Binnenland kaum noch auszumachen, die Spurensuche ge-staltet sich deshalb meist enttäuschend.
In ehemaligen deutschen Badeorten wie beispielsweise in Groß Möllen (Mielno) bei Köslin (25) sind Stadthäuser und Villen aus der deutschen Zeit noch erhalten. Jedoch wirken diese heute nicht mehr stadtprägend, weil das heutige Mielno im Ganzen gesehen polnisch wirkt und auch dieser alte deutsche Badeort, heute mit kleinstädtischem Charak-ter, in den vergangenen Jahrzehnten baulich erheblich verändert wurde.
Die aus der deutschen Zeit stammenden Leuchttürme an der Ostseeküste gehören zu den wenigen Zeugnissen, die erhalten sind und von früheren Zeiten künden. (26)
Summa summarum ist feststellbar, daß Pommern heute vollständig verändert erscheint.
In den pommerschen Dörfern stehen noch die alten, meist in Backstein, seltener in Fach-werk (27) ausgeführten Dorfkirchen. (28) Viele hinterpommersche Dörfer überraschen den Besucher mit ihren mächtigen, in Back-stein gebauten und oft wuchtig wirkenden Kirchen. (29)
Die oft kriegszerstörten städtischen Back-steinkirchen sind wiederaufgebaut oder auch, heute katholisiert, unzerstört erhalten. (30)
Die Landstraßen und ebenso die ehemaligen Reichsstraßen sind noch immer von den meist erhaltenen Baumalleen gesäumt. In den Orten ist zuweilen auch noch die alte Kopf-stein-Pflasterung oder das altbekannte quadratische helle Granitpflaster erhalten.
Die aus deutscher Zeit erhaltenen Bahn-strecken, insbesondere die großen über-regional bedeutsamen Bahnlinien, werden überwiegend weiter betrieben. Die örtlichen Bahnhöfe dagegen sind, abgesehen von den großen Stadtbahnhöfen, nicht mehr in Betrieb und verfallen ebenso wie in der BRD.
Hinterpommern war von Gutslandschaft ge-prägt. Die landwirtschaftlichen Großbetriebe der pommerschen Junker dominierten bis 1945 die Erzeugerwirtschaft.
Die Böden Pommerns waren jedoch anders als in Ostpreußen, weil überwiegend sandig, re-lativ arm und wenig ertragreich. Am frucht-barsten ist die leicht wellige Grundmorän-enebene, die sich an die flache Küstenebene anschließt.
Die großen adligen Gutsbetriebe konnten sich aufgrund der großen zur Verfügung stehen-den Flächen dennoch halten und erfolgreich wirtschaften und befanden sich oft über Jahrhunderte im Besitz ein und derselben Familie.
Wichtigste Feldfrucht auf den moränen-lehmig-sandigen Böden war die Kartoffel. Im südwestlichen Hinterpommern wurde im sog. Weizackergebiet im Kreis Pyritz auch erfolg-reich und mit großen Erträgen Weizen angebaut.
Die Altprovinz Pommern insgesamt und insbesondere jedoch Hinterpommern war dünn besiedelt.
In dieser flächenmäßig großen preußischen Provinz (1905 30.120 km², ab 1938 38.400 km²) gab es nur relativ wenige Städte, die pommerschen Dörfer lagen oft weit ausein-ander. Nur vier Städte in Pommern wiesen vor dem II. Weltkrieg mehr als 20.000 Einwohner auf (31) und nur Stolp hatte 50.000 Einwohner.
Die dünn besiedelten Landstriche zwischen Cammin im Westen und dem Zarnowitzer See im Osten des (östlichsten pommerschen) Kreises Lauenburg (32) sowie dem Südab-hang des Pommerschen Höhenrückens im Süden wiesen 1939 lediglich eine Bevöl-kerungsdichte zwischen 33-53 Einwohnern pro Quadratkilometer auf. (33)
Die Größe der früheren Provinz Pommern erschließt sich erst dem durch das Land Reisenden. Jedes Kartenstudium erfaßt zwar Straßenentfernungen oder auch die Streckenlängen von Eisenbahnlinien.
Einen Eindruck von den 320 Straßenkilo-metern, die von Stettin bis an die östliche Grenze Pommerns bei Lauenburg i. P. zurückzulegen sind, erhält jedoch nur der Reisende vor Ort. (34)
In der Ausdehnung von Nordwest nach Südost bzw. von Norden nach Süden sind die Entfernungen geringer: Rügenwalde–Rummelsburg 70 km, Köslin–Neustettin 75 km, Kolberg–Dramburg 81 km, Cammin–Pyritz 105 km.
Nachstehend einige historische Betrachtungen.
Wie – wohl zu Recht – Pommern als geraubtes deutsches Land gesehen werden muß, ist je-doch festzuhalten, daß das Gebiet der spä-teren Provinz erst seit Ende des Dreißig-jährigen Krieges zu Preußen gehörte.
1529 hatte der Kurfürst Joachim I. von Bran-denburg im Vertrag von Grimnitz endlich und endgültig auf die Lehnshoheit über Pommern verzichtet, behielt sich aber das Recht der Nachfolge vor, wenn das Greifenhaus der pommerschen Herzöge im Mannesstamm erlöschen sollte.
1530 empfingen die beiden pommerschen Herzöge auf dem Reichstag zu Augsburg von Kaiser Karl V. ihr Territorium zur gesamten Hand als reichsunmittelbares Herzogtum zu Lehen.
1556 wurde das Bistum Cammin säkularisiert und zu einer Sekundogenitur des evangeli-schen Greifenhauses, was allerdings einer weiteren Landesteilung gleichkam.
Ganz Pommern aber war nunmehr ein lutherisches Land im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Dennoch stellte Pommern ein Konglomerat von politischen Einzelterritorien dar, von denen das säkularisierte Hochstift Cammin das bedeutendste war.
1637 starb der pommersche Herzog Bogislaw XIV., damit erlosch das Greifengeschlecht im Mannesstamme.
Im Dreißigjährigen Krieg verlor Pommern zwei Drittel seiner Einwohner. Der Frieden von Osnabrück als Teil des Westfälischen Doppelfriedens von 1648 bestimmte, daß Vorpommern mit Rügen, Stettin, Gartz, der Odermündung, Usedom und Wollin sowie einem Streifen auf dem rechten Oder-Ufer mit Damm, Gollnow und Greifenhagen an Schweden fielen.
Der schwedische König nahm als Reichsstand auch Sitz und Stimme der pommerschen Herzöge sowie auf den Reichstagen ein. Er war seither auch Herzog von Pommern.
Das Kurfürstentum Brandenburg unter Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten (regierte 1640–1666), erhielt den verblei-benden Teil Hinterpommerns und das Camminer Stiftsland.
Lauenburg und Bütow dagegen waren 1637 mit dem Tod des letzten Greifen als polni-sches Lehen an Polen zurückgefallen und fielen erst 1657 als erbliche Lehen an Brandenburg.
Im Vertrag von Stettin (Stettiner Grenzrezeß) vom 4. Mai 1653 war der Streit zwischen Brandenburg-Preußen und Schweden beige-legt worden. Beide Mächte hatten nach dem Aussterben des pommerschen Greifenhauses während des Dreißigjährigen Krieges die Nachfolge im Herzogtum Pommern beansprucht.
Ganz Hinterpommern (östlich einer ostwärts der Oder verlaufenden Linie!) wurde 1657 somit ein Teil Kurbrandenburgs.
Vorpommern (einschl. eines Landstreifens östlich der Oder mit Cammin und Greifen-hagen) dagegen fiel an Schweden (= Schwedisch-Pommern), während Hinter-pommern an Brandenburg-Preußen überging (Brandenburgisch-Pommern).
Eine Ausnahme bildete auch damals die Region um Stettin, das trotz seiner Lage an der Oder westlich des Hauptstroms in Teilen Sonderregelungen unterlag. (35)
Ebenfalls 1653 wurden in Kolberg die neue Regierung mit Präsident und Kanzler, ein Hofgericht und ein Konsistorium mit einem Generalsuperintendenten eingerichtet.
Infolge des Friedens von Oliva (1660) fielen die kurbrandenburgischen Eroberungen in Pommern zurück an Schweden. Der Große Kurfürst erhielt jedoch endgültig die ihm bereits 1657 von Polen überlassenen pom-merschen Länder Lauenburg, Bütow und Draheim. Brandenburg mußte sich zwar aus den besetzten schwedischen Gebieten zurückziehen, erlangte aber gleichzeitig die endgültige Souveränität über das Herzogtum Preußen. (36)
Im Frieden von Saint-Germain vom 29. Juni 1679 wurde der Schwedisch-Brandenbur-gische Krieg beendet, in dem Brandenburg-Preußen unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm gegen Schweden gekämpft hatte.
Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm mußte zwar das von ihm eroberte Schwedisch-Pommern an Schweden ausliefern, da ihn seine Verbündeten, die Vereinigten Nieder-lande und der Kaiser, nicht unterstützten und er mit Dänemark allein dem übermächtigen Frankreich gegenüberstand.
Mit diesem Friedensvertrag von Saint-Germain erwarb Preußen jedoch den östlich der Oder gelegenen Landstreifen mit den Orten Cammin, Greifenhagen und Bahn.
1713 räumten die Schweden Stettin. Im Frieden von Stockholm (1720), nach dem Nordischen Krieg, erwarb Preußen gegen die Zahlung von 2 Millionen Talern Alt-Vorpom-mern (37) bis zur Peene sowie Usedom, Wollin, Stettin und Gollnow. Stettin wurde Seehafen Preußens.
Nach diesem Frieden von Stockholm gewann Preußen 1721 mit dem südlich der Peene gelegenen Teil Schwedisch-Pommerns auch die Herrschaft über die gesamte Odermün-dung.
Zwischen 1740–1786 werden auf Veranlas-sung Friedrich des Großen nach der Trocken-legung von Sümpfen und Ödland 159 neue Dörfer in Pommern gegründet.
1815 fallen die noch zu Schweden gehören-den Teile Pommerns (Neu-Vorpommern mit Regierungsbezirk Stralsund) an Preußen. Die Einrichtung Pommerns als Provinz des Königreichs Preußen zog sich bis 1818 hin. Ganz Pommern war nun Teil des modernen und straff verwalteten Einheitsstaates Preußen.
Das historische Gebiet Pommern wurde um die bisher zur Neumark gehörenden Kreise Dramburg und Schivelbein erweitert und war 30.000 km² groß. Die Provinz zählte etwas mehr als 680.000 Einwohner.
Es wurden drei Regierungsbezirke gebildet: Stettin, Köslin und Stralsund. Darunter wurden 1818 die Land- und Stadtkreise eingerichtet, die 1825 eine eigene Ordnung erhielten. Zunächst gab es 2.668 Landge-meinden, deren Zahl bis 1850 auf 3.405 und bis 1910 auf 4.473 anstieg. Die Landgemein-deordnung von 1856 wurde 1891 und 1928 durch neue Bestimmungen ersetzt und reformiert.
Die Einwohnerzahl Pommern wuchs bis 1855 auf etwa 300.000 an.
Infolge des Versailler Zwangsvertrages (Ab-tretung der Provinzen Westpreußen und Posen) wurde Pommern zum deutschen Grenzland. Die Grenze der Provinz Pommern (= Reichsgrenze zu Polen) hatte im Jahr 1938 (nach Eingliederung des grenzmärkischen Regierungsbezirks Schneidemühl als dritter pommerscher Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen) eine Länge von 392 Kilometer. (38)
Infolge einer preußischen Verwaltungsreform werden 1932 pommersche Kreise aufgelöst (Schivelbein und Bublitz) (39) und die Regierungsbezirke Stralsund und Stettin vereinigt.
1938 wird die seit 1922 bestehende preußische Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen (7.695 km²) aufgelöst. Der bisherige Regierungsbezirk Schneidemühl wird am 1.10.1938 als dritter Regierungs-bezirk Grenzmark Posen-Westpreußen in die Provinz Pommern eingegliedert. (40)
An diesen neuen pommerschen Regierungs-bezirk angegliedert wurden zwei ostbran-denburgische Kreise (Arnswalde und Friedeberg/Neumark) sowie die beiden bisher zum Regierungsbezirk Köslin gehörenden Kreise Dramburg (41) und Neustettin. Er umfaßte nach der Neugliederung 11.456 km².
Statistische Angaben:
Pommern 1905: 30.120,54 km² (ohne Stettiner Haff und Greifswalder Bodden sowie weitere Bodden u. Wieke, insges. 1.538, 6 km²), 1,6 Mill. Einw. (156.000 Wohnhäu-ser), 2,15 Mill. ha. Landwirtschaftliche Nutzfläche (zum Vergleich BRD: 18 Mill. ha).
Anm: Im Osten der Provinz, in den Kreisen Lauenburg i.P. und Bütow lebte eine kleine Minderheit von etwa 6.000 Polen (Stand 1935) (42) sowie zu Beginn des 20. Jh. bereits weitestgehend assimilierte evan-gelisch-gläubige Kaschuben (Leba-Kaschuben) (43) und Slowinzen. (44)
Mit der Eingliederung der grenzmärkischen Kreise Deutsch Krone, Flatow, Netzekreis (45) und Schlochau (bis 1938 Grenzmark Posen-Westpreußen, Regierungsbezirks Schneide-mühl) in die Provinz Pommern im Jahr 1938 erhöhte sich der polnische Bevölkerung-anteil Pommerns. (46)
Zur Territorialgeschichte der Provinz
Nach dem Ende des I. Weltkrieges fiel aufgrund der Bestimmungen des Versailler Zwangsvertrages der größte Teil der preußischen Provinz Westpreußen. Bereits 1919 erfolgte die Auflösung des west-preußischen Kreises Neustadt i. W.
Die westlich des Zarnowitzer Sees gelegenen Ortschaften und Gutsbezirke des bisherigen Neustädter Kreises Burgsdorf, Forst, Fred-richsrode, Kniewenbruch, Kolkau, Nadolle, Ockalitz, Oppalin, Prüssau, Rauschendorf (47), Reckendorf und Rieben verblieben jedoch beim Deutschen Reich, wurden nach der förmlichen Abtretung des Kreises Neu-stadt i. W. am 10. Jan. 1920 der vorläufigen Verwaltung des Kreises Lauenburg in Pom-mern übertragen und 1922 in den pommer-schen Kreis Lauenburg in Pommern eingegliedert.
Die Zuweisung betraf im Wesentlichen die Restgebiete des aufgelösten westpreußischen Kreises Neustadt in Westpreußen sowie klei-nere Gebietsteile des bis 1920 bestehenden Kreis Putzig. (48) Durch den Gebietszuwachs vergrößerte sich die Fläche des Kreises Lauenburg in Pommern auf 1.289 km².
Im Jahr 1938 erfolgte eine weitere jedoch entscheidende territoriale Erweiterung der Provinz. Mit der Auflösung der 1922 aus den bei Deutschland verbliebenen Restgebieten der preußischen Provinzen Westpreußen und Posen gebildeten neuen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen (49) wurde am 1.10.1938 der bisherige Regierungsbezirk Schneidemühl als neuer nunmehr dritter Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen an Pommern angegliedert.
Bewußt wurde der neue Regierungsbezirk nicht wie sonst in Preußen üblich nach seinem Verwaltungssitz Schneidemühl benannt. Die Bezeichnung Grenzmark Posen-Westpreußen sollte auch weiterhin an den Verlust der früheren Provinzen Westpreußen und Posen erinnern und die Tradition der aufgelösten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen wahren.
In diesen nunmehr pommerschen Regie-rungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert wurden zwecks Arrondierung des neuen Regierungsbezirks darüber hinaus die brandenburgischen Kreise Arnswalde und Friedeberg/Neumark sowie die bisher zum Regierungsbezirk Köslin gehörenden pom-merschen Kreise Dramburg (50) und Neustettin. (51)
Der Provinz Pommern erwuchs mittels dieser administrativen Veränderungen sieben neue Kreise (52), insgesamt eine Fläche von ca. 8.300 km².
Pommern 1938: 38.400 km², 2,4 Mill. Einw. (Stand 1939)
Davon fielen im Jahr 31.300 km² (82 % der Fläche der Provinz) an den polnischen Staat.
Das Jahr 1945. Der Untergang der Provinz und die Vertreibung der Deutschen
1945 wies die Provinz Pommern eine Ge-samtbevölkerung von 2,4 Millionen Einwohnern auf, davon lebten 1,86 Millionen in Hinterpommern. Mehreren Hunderttausend Einwohnern (53) gelang die Flucht aus diesem Teil der Provinz.
Die Flucht nach Westen wurde jedoch durch den schnellen Vorstoß der sowjetischen Kampfverbände, die Ende Februar 1945 in zwei Hauptstößen aus dem Raum Arnswalde-Friedeberg zur Odermündung und zur Ost-seeküste bei Cammin und andererseits aus dem Raum Schneidemühl/Deutsch-Krone über Neustettin und Bublitz an die Ostsee-küste östlich von Köslin vorstießen, unmöglich gemacht.
Beide Vormarschziele wurden in kürzester Zeit erreicht und damit entstand für die Bevölkerung Hinterpommerns und die im Gebiet der Provinz festsitzenden Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen eine aussichtslose Lage.
Am 1. März 1945 erreichte die Rote Armee östlich von Köslin die Küste. Hinterpommern wurde dadurch in zwei Teile gespalten, der Fluchtweg nach Westen war gesperrt. Am 3. März 1945 erreichten sowjetische Truppen die Odermündung bei Stettin, so daß die Flucht aus Hinterpommern für das Gros der Bevölkerung unmöglich wurde.
Etwa 500.000 Menschen sind auf der Flucht und infolge direkter Waffenwirkung im Gebiet der Provinz ums Leben gekommen. (54)
In der westlichen Hälfte Hinterpommern erreichte die Fluchtwelle der deutschen Bevölkerung, die in den Kreisen Neustettin und Köslin bereits in den letzten Februar-tagen einsetzte, ihren Höhepunkt in den Tagen vom 3.–7. März.
Ein Teil der Bevölkerung aus den Kreisen Köslin, Belgard und Dramburg flüchtete zunächst nach Kolberg, um von dort aus per Schiffstransport oder zu Fuß die Ostseeküste entlang nach Westen zu gelangen.
Am 3. März erfolgte der Vorstoß der Roten Armee in Richtung Kolberg. Ebenfalls am 3. März waren die Sowjets in die Kreise Cammin, Regenwalde und Greifenberg eingebrochen und am 4. März wurde Treptow an der Rega besetzt.
Am 7. März erreichten sowjetische und pol-nische Verbände östlich und westlich von Kolberg die Ostseeküste. 80.000 Einwohner und Flüchtlinge waren eingeschlossen (davon mehr als 40.000 Flüchtlinge aus den Kreisen Belgard und Köslin).
Kolberg konnte von den deutschen Vertei-digern jedoch bis zum 18. März gehalten und 70.000 Menschen aus dem Einschließungs-ring über See abtransportiert werden.
„Seit Februar 1945 sind auch die Pommern auf der Flucht. Die Häfen von Stolpmünde und Rügenwalde und Kolberg sind bis für Tausende die Rettung. Auf Schiffen geht es nach Westen bis Swinemünde.
Am 7. und 8. März gelingt den letzten Flüchtlingen von Stolpmünde und Rügenwalde aus die Flucht über die Ostsee, am 18. März besetzen sowjeti-sche und polnische Truppen nach schweren Kämpfen auch Kolberg.
Seit dem Vorstoß der sowjetischen Truppen bis an die Oder vor Stettin in den ersten Märztagen bleibt den langen Trecks aus Hinterpommern nur noch der Weg entlang der Küste über die Inseln Wollin und Usedom nach Westen.“ (55)
Die in der Provinz Pommern verbliebene deutsche Bevölkerung, insgesamt etwa 1 Million (56), davon etwa 150.000 Rückkehrer aus Vorpommern und Mecklenburg wurde 1945 und 1946 zwangsausgesiedelt.
Jedoch erfordern und verdienen die Vorgänge und Ereignisse im Zusammenhang mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Provinz Pommern eine genauere Betrachtung.
Der Anteil der unter sowjetischer Besatzung befindlichen Einwohner im Gebiet der Provinz Pommern bei Kriegsende (deren Territorium allerdings bereits unter polnischer Verwal-tung stand) war relativ hoch.
Neben den nicht nach Westen geflüchteten mehreren Hunderttausend Einwohnern (57) waren im Mai und Juni 1945 auch 150.000 Flüchtlinge aus Mecklenburg und Vorpom-mern in das Gebiet östlich der Oder zu-rückgekehrt, bevor die Polen die Grenze absperrten und militärisch sicherten.
Unmittelbar nach dem Einmarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 wurden die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie zunächst als sogenannte „Wiedergewonnene Gebiete“ (Ziemie Odzyskane) unter polnische Verwal-tung gestellt.
Die Bestätigung dieses Status (vorbehaltlich einer endgültigen Friedensregelung) erfolgte im Sommer durch die Beschlüsse der Kriegs-sieger auf der Potsdamer Konferenz. Die polnische Interimsregierung schuf bereits im März 1945 erste Verwaltungsbezirke (Okregy), aus denen noch im selben Jahr reguläre Woiwodschaften hervorgingen.
Das Territorium der Provinz Pommern wurde 1945 administrativ im Wesentlichen auf zwei Woiwodschaften verteilt: Woiwodschaft Stettin (58) (Województwo szczecińskie) und Woiwodschaft Danzig (59) (Województwo gdańskie).
Die Woiwodschaft Stettin (Województwo szczecińskie) umfaßte den Großteil des nunmehr zu Polen gehörigen Hinter-pommern (den vormaligen preußischen Regierungsbezirk Köslin sowie Teile des Regierungsbezirks Stettin).
Der östlichste Teil Hinterpommerns (um die Stadt Stolp/Słupsk) wurde 1945 der neu errichteten Woiwodschaft Danzig angegliedert, die zudem das Gebiet der ehemaligen Freien Stadt Danzig und Teile Westpreußens umfaßte.
Am 25. September 1945 wurden die südöstlichen Gebiete der ehemaligen preußischen Provinz Pommern der Woiwodschaft Pommerellen angegliedert.
Hinsichtlich der Flächengröße ist die ehemalige Provinz Pommern mit dem heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen vergleichbar. Pommern hatte 38.400 km² (Gebietsstand ab 1.10.1938), NRW weist eine Fläche von 34.100 km² auf. In Pommern lebten 2,4 Mill. Einwohner (Stand 1939), in Nordrhein-Westfalen leben heute 18 Millionen Einwohner.
Während die Einwohnerdichte Pommerns 1939 bei 59,1 Einw./km² lag, in Hinter-pommern in den einzelnen Kreisen sogar nur zwischen 33–53 Einw./km², erreicht diese in Nordrhein-Westfalen heute die Zahl von 528 Einw./km².
Nachtrag. Entfernungsangaben:
Stettin–Köslin 162 km
Stettin–Danzig 370 km
Stettin–Elbing (Westpreußen) 415–430 km (je nach Fahrtstrecke)
Stettin–Königsberg i.O. 520 km (geplante Reichsautobahn)
Stettin–Tilsit 640 km (geplante Reichsautobahn u. Reichsstraße)
Stettin–Memel 740 km
Stettin–Eydtkuhnen (ab 1938 Eydtkau) (Ostgrenze des Deutschen Reiches) 675 km____________
Literatur (Auswahl):
– Fritz R. Barran: Städte-Atlas Pommern. Leer: Rautenberg, 1989.
– Wilfried Dallmann: Geflohen, geblieben, vertrieben. Pommern 1945. Leverkusen: Kremer, 1995.
– Gerhard Doliesen: Die deutschen Ostgebiete im Jahre 1945 als Ziel von Siedlern aus Zentralpolen.
– Quellen aus Lodz und Krakau (hrsg. Nordost-Institut, Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V., Lüneburg), Lüneburg 2014.
– Hans Joachim Kürtz: Pommern. Entdeckunsgreise in Bildern. Leer: Rautenberg, 1991.
– Ders.: Reise durch Pommern. Leer: Rautenberg, 1993.
– Helmut Lindenblatt: Pommern 1945. Die letzten Tage, die letzten Kämpfe.
– Leer: Oldenburg: Paape, 1981.
– Ders.: Pommern 1945. Leer: Rautenberg, 1984.
– Johannes Schultz-Tesmar: Reiseführer Pommern. Leer: Rautenberg, 1989.Das Lied der Pommern (Pommernlied) (60) [Adolf POMPE, 1851] (61)
Wenn in stiller Stunde Träume mich umwehn,
bringen frohe Kunde Geister ungesehn,
reden von dem Lande meiner Heimat mir,
hellem Meeresstrande, düsterm Waldrevier.Weiße Segel fliegen auf der blauen See,
weiße Möwen wiegen sich in blauer Höh’,
blaue Wälder krönen weißer Dünen Sand;
Pommerland, mein Sehnen ist dir zugewandt!Aus der Ferne wendet sich zu dir mein Sinn,
aus der Ferne sendet trauten Gruß er hin;
traget, laue Winde, meinen Gruß und Sang,
wehet leis und linde treuer Liebe Klang!Bist ja doch das eine in der ganzen Welt,
bist ja mein, ich deine, treu dir zugesellt;
kannst ja doch von allen, die ich je gesehn,
mir allein gefallen, Pommerland, so schön!Jetzt bin ich im Wandern, bin bald hier, bald dort,
doch aus allen andern treibt’s mich immer fort:
Bis in dir ich wieder finde meine Ruh,
send ich meine Lieder dir, o Heimat, zu!__________________
Anmerkungen
1 Die Stettiner Maschinenbau Actien-Gesellschaft Vulcan war eine 1857 gegründete, weltbekannte deutsche Schiff- und Maschinenbaufirma mit Sitz im Stettiner Ortsteil Bredow. Die Werft war führend im zivilen und militärischen Schiffbau sowie beim Bau von Dampflokomotiven (über 4.000 Lokomotiven gebaut). Dort wurden seinerzeit die größten und schnellsten Passagierschiffe der Welt, darunter der berühmte Ozeandampfer Kaiser Wilhelm der Große gebaut.2 Der Verfasser ist unbekannt. Das Gedicht soll um 1915 auf einer Zugfahrt nach einem Gespräch entstanden sein. Erstabdruck in KÜRTZ, Hans Joachim, Reise nach Pommern, Leer 1993, S. 5.
3 „Maikäfer, flieg! Dein Vater ist im Krieg. Die Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt. Maikäfer, flieg!“
4 Nur 18 % der Provinz Pommern verblieben nach 1945 bei Deutschland, 82 % fielen an Polen (das gesamte Hinter-pommern und 930 km² des Stettiner Zipfels Vorpommerns einschließl. der Stadt Stettin. Dieses Gebiet westlich der Oder wurde im September 1945 durch den Schweriner Grenzvertrag durch die Sowjets an Polen übertragen. Es umfasst mit Pölitz und Neuwarp zwei Städte und insgesamt 81 Ortschaften.
5 Pommerellen = Kleinpommern, früher Weichselpommern oder Danziger Pommern genannt.
6 Historische Kommission für Pommern e.V., gegründet 1911 im Stettiner Schloß, erforscht die Geschichte Pommerns und gibt die renommierten Baltic Studies heraus. Staatliches Archiv in Stettin (Archiwum Państwowe w Szczecinie): Verwahrt umfangreiche historische Bestände, Kirchenbücher und Standesamtsregister, von denen viele auch digitalisiert zugänglich sind. Universität Szczecin (Historisches Institut): forscht zur Regionalgeschichte Pommerns.
7 Pölitz (seit 1939 zu Groß-Stettin), 6.500 Einw. (1939), jetzt Police, heute (eigenständig), 41.700 Einw. (2015). Pölitz war Standort der bis 1937 gebauten Hydierwerke Pölitz AG (1945/1946 demontiert), des reichsweit bedeutendsten Produzenten synthetischen Benzins im Deutschen Reich.
8 Stettin (heute 390.000 Einw.) hatte 1939 383.000 Einw. (infolge der Bildung von Groß-Stettin und der Auflösung des Kreises Randow am 15.10.1939 und der Eingemeindung der Städte Altdamm und Pölitz und weiterer bis zu diesem Zeitpunkt zum Kreis Randow gehörenden 36 Dörfer und Gemeinden).
9 Seit 1995 Pommersche Landsmannschaft – Zentralverband e. V.; im Jahr 2008 erfolgte die Aufspaltung in die Pommersche Landsmannschaft und den Pommerschen Zentralverband.
10 Der Pommersche Zentralverband stellte seine Tätigkeit ein und beantragte am 26. Oktober 2017 beim Amtsgericht Lübeck die Einleitung des Insolvenzverfahrens. Damit endete auch die Tätigkeit der Ostsee-Akademie.
11 Das Pommernzentrum wurde 1987 erbaut. Es diente danach als Begegnungs-, Tagungs- und Kulturzentrum, unter anderem für die Ostsee-Akademie des Pommerschen Zentralverbandes und der Pommerschen Landsmannschaft (Bundesverband der Pommern. Landsmannschaft e.V. ). 2025 erfolgte der Abriß der Gesamtanlage.
12 Kamper See, Jamunder See, Buckower See, Vitter See, Vietzker See, Garder See, Leba-See, Sarbsker See.
13 Rega, Persante, Grabow, Wipper, Stolpe, Lupow, Leba.
14 Auch Pommerscher Landrücken genannt.
15 Stettin (ab 1939 mit den eingemeindeten Vorstädten Altdamm und Pölitz und weiteren 36 Gemeinden) war mit 466 km² bis 1945 neben Berlin, Wien und Hamburg die flächengrößte Stadt des Deutschen Reiches. Stettin, bis 1938 268.000 Einw., nach 1939 380.000 Einw., war wichtige Industrie- und zugleich Hafenstadt (internationaler Seehafen), Sitz mehrerer großer Werften, darunter die Vulkan AG, einer Lokomotivfabrik, einer Automobilfabrik (Stoewer-Werke AG), sieben Chemie-Werken (darunter die Hydrierwerke Pölitz, damals Deutschlands größter Hersteller synthetischen Benzins), mehrerer Metallwaren-Fabriken usw. Darüber hinaus waren mehrere Reedereien in Stettin ansässig.
16 Köslin hatte 1944/1945 32.000 Einwohner. Das heutige polnische Koszalin weist 106.000 Einwohner auf.
17 Als am 4. März 1945 die Truppen der Roten Armee vor den Toren Kolbergs standen, begann ein an Härte kaum zu übertreffender Verzweiflungskampf der nur rund 3.300 deutschen Soldaten unter Führung des Festungskomman-danten Oberst Fritz Fullriede gegen eine vielfache Übermacht der sowjetischen und polnischen Angreifer.
18 Kolberg – diese seit 700 Jahren deutsche Hafenstadt in Hinterpommern – war im März 1945 von Flüchtlingen insbesondere aus West- und Ostpreußen überfüllt. Nur eine zähe und aufopferungsvolle militärische Verteidigung der Stadt und des Hafen bot den zurückgebliebenen und eingeschlossenen Einwohnern, Flüchtlingen, Verwundeten und kämpfenden Soldaten die Aussicht, über See zu entkommen und dem Schicksal von Gefangenschaft, Deportation und der Willkür unbarmherziger Sieger zu entgehen. Während der vierzehntägigen Belagerung und der erbarmungslosen Kämpfe um jeden Stadtteil und jeden Straßenzug gelang die Rettung von 70.000 Zivilisten. 2.000 überlebende Verteidiger Kolbergs konnten schließlich in den frühen Morgenstunden des 18. März eingeschifft und in Richtung Westen abtransportiert werden. Zurück blieb eine völlig niedergebrannte und verwüstete Stadt. Bereits ab dem Ab dem 10. März 1945 kontrollierten die Truppen der sowjetischen 1. Weißrussischen Front die Ostsee-küste von Köslin bis zur Odermündung.
19 Bärwalde, Bütow, Bublitz, Freienwalde, Gollnow, Greifenberg, Greifenhagen, Körlin, Labes, Naugard, Nörenberg, Regenwalde, Rummelsburg, Schlawe usw.
20 Belgard (jetzt Białogard) 1939 14.800, 2024 22.500, Bütow (jetzt Bytów) 1939 9.700, 2024 17.000, Dramburg (jetzt Drawsko Pomorskie) 1939 8.000, 2024 11.200, Falkenburg (jetzt Złocieniec) 1939 8.600, 2024 12.000 Gollnow (jetzt Goleniów) 1939 13.740, 2024 21.500, Greifenberg (jetzt Gryfice) 1939 10.500, 2005 17.000, Kolberg (jetzt Kołobrzeg) 1939 35.000, 2024 43.000, Köslin (jetzt Koszalin) 1939 32.000, 2024 106.000, Lauenburg i. P. (jetzt Lębork) 1939 19.000, 2024 34.000, Naugard (jetzt Nowogard) 1939 8.200, 2024 15.700, Neustettin (jetzt Szczecinek) 1939 18.700, 2024 37.500, Pyritz (jetzt Pyrzyce) 1939 11.300, 2024 13.000, Rügenwalde (jetzt Darłowo) 1939 8.500, 2024 12.500, Schlawe (jetzt Sławno) 1939 9.700, 2024 11.800, Schivelbein (jetzt Świdwin ) 1939 9.700, 2024 14.500, Stargard: 1939 37.800, 2024 66.000, Stolp (jetzt Słupsk) 1939 48.000, 2024 85.500.
21 Beispiele sind Kolberger Deep (Dźwirzyno), Rewahl (Rewal) im fr. Krs. Greifenberg, Henkenhagen (Ustronie Morskie) im fr. Krs. Kolberg, Funkenhagen im fr. Krs. Köslin.
22 Misdroy (Międzyzdroje), Leba (Łeba), Stolpmünde (Ustka), Kolberg, Groß Möllen (Mielno), Rügenwalde.
23 Dievenow (Dziwnów), Deep (Treptower Deep/Mrzeżyno), Horst ((Niechorze), Jershöft (Jarosławiec), Sorenbohm (Sarbinowo).
24 Zum Vergleich: Die Küstenlinie von Lübeck-Travemünde bis nach Ahlbeck/Heringsdorf auf Usedom ist ebenfalls (ohne Boddenküste und Insel Rügen) 330 km lang.
25 Groß Möllen, ca. 13 km vom landeinwärts gelegenen Köslin entfernt und mit der Regierungsbezirkshauptstadt durch die Kösliner Stadt- und Strandbahn verbunden, war eines der größeren deutschen Ostseebäder in Pommern.
26 Leuchttürme stehen in Swinemünde, Neuendorf (Wisełka) (Insel Wollin), im früheren dt. Seebad Horst (Niechorze), in Funkenhagen (jetzt Gąski ), Rügenwalde (Darłowo), Jershöft (Jarosławiec), Scholpin (Czołpino), Stolpmünde (Ustka) u. in Stilo-Kathen (Osetnik ), früher zu Sassin (jetzt Sasino), ca. 13 km östlich von Leba. gehörig.
27 Beispiele einer (erhaltenen) Fachwerkkirche sind die Dorfkirchen in Schwirsen (jetzt Świerzno im Kreis Cammin oder etwa in Grupenhagen/Krs. Schlawe (jetzt Krupy). Diese Fachwerkkirchen meist aus dem 17. u. 18. Jh. waren in Holzrahmenbauweise ausgeführt und wurden mit Lehm- oder Ziegelausfachung errichtet. Siehe auch: Kirchengebäude der Kirchenprovinz Pommern https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Kirchengeb%C3%A4ude_der_Kirchenprovinz_Pommern
28 In der preußischen Provinz Pommern (Vorpommern und Hinterpommern) gab es in 52 Kirchenkreisen 708 Kirchspiele (Parochien) mit jeweils jeweils mehreren Filialkirchen u. eingepfarrten Dörfern (insgesamt 600 – 640 Pfarr-stellen einschl. Filial- und Tochterkirchen). Qu.: H. Glaeser-Swantow: Das evangelische Pommern, II. Teil, Stettin, 1940.
29 Als Beispiel sei Bast (jetzt Łekno) im fr. Krs. Köslin genannt.
30 Stettin St. Jakobi (Vorpommern), Gollnow (Goleniów) Katharinenkirche, Rügenwalde (Darłowo) Marienkirche, Köslin (Koszalin) Marienkirche, Stolp (Słupsk) St. Marien, Kolberg St. Marien-Domkirche, Treptow an der Rega (Trzebiatów) Marienkirche, Belgard (Białogard) Marienkirche, Stargard St.Marien, Stargard St. Johannis, Cammin (Kamień Pomorski) Domkirche St. Johannes.
31 Köslin, Kolberg, Stolp u. Schneidemühl (Schneidemühl, bis 1914 zum Landkreis Kolmar in Posen, bildete ab 1914 einen eigenen Stadtkreis in der Provinz Posen, war ab 1922 Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Schneidemühl in der Prov. Grenzmark Posen-Westpreußen und wurde 1938 Teil der Prov. Pommern. Die Stadt hatte 1939 44.000 Einw.).
32 Die Entfernung Cammin (jetzt Kamień Pomorski) bis zur Ostgrenze Pommerns beträgt etwa 280 km.
33 Das benannte Gebiet (Hinterpommern) bestand hauptsächlich aus dem Regierungsbezirk Köslin (1905: 14.000 km²). Nach Eingliederung des Regierungsbezirks Schneidemühl (bis 1938 Grenzmark Posen-Westpreußen) als drittem pommerschem Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen (Hauptstadt Schneidemühl) im Jahr 1938 erhöhte sich die durchschnittliche Bevölkerungsdichte der Gesamtprovinz auf 59,1 Einw./km². Die Bevölkerungsdichte Ostpreußens betrug zeitgleich 66,5 Einw./km² (Stand 1939). In der BRD liegt die Bevölkerungsdichte heute bei 235 Einw./km², in NRW sogar bei 528 Einw./km².
34 Die Eisenbahnentfernung von Stettin bis nach Lauenburg (Pommern) (über Stargard, Schivelbein, Belgard, Köslin und Stolp) beträgt etwa 290 km.
35 Der genaue Grenzverlauf wurde 1653 im Vertrag von Stettin festgelegt, der das Herzogtum Pommern entlang einer Linie östlich der Oder (!) teilte. Die Gebiete westlich dieser Linie (Vorpommern, einschl. Stettin) verblieben bei Schweden und wurden als Schwedisch-Pommern bezeichnet. Die Gebiete östlich der Linie (Hinterpommern) fielen an Brandenburg.
36 Kurfürst Friedrich Wilhelm wurde nach dem Ende der polnischen Lehenshoheit über das Herzogtum Preußen der mächtigste Fürst im Deutschen Reich nach dem Kaiser.
37 Altvorpommern (auch Alt-Vorpommern) wurde jener Teil Vorpommerns genannt, der mit dem Frieden von Stockholm 1720 von Schweden zu Preußen kam. Das Territorium umfasst den südlichen Teil Vorpommerns (das Gebiet um Stettin sowie die Insel Usedom), der im Gegensatz zu Schwedisch-Pommern früh an Preußen kam. Der nördliche Teil Vorpommerns mit Stralsund, Greifswald und Rügen verblieb zunächst bei Schweden und wurde Neu- Vorpommern genannt.
38 Zum Vergleich: Die Demarkationslinie an der Oder-Neiße (Grenze der BRD zu Polen) hat heute 460 Kilometer.
39 Schivelbein wird mit dem Kreis Belgard vereinigt, Bublitz in den Kreis Köslin eingegliedert.
40 In der Lit. findet sich zum Teil die Angabe, die Grenzmark hätte eine Flächengröße von 8.300 km² umfasst. Diese Zahl findet sich auch in älteren bzw. abweichenden Statistiken sowie in Lexikoneinträgen, weicht jedoch von amtlichen Angaben in der Zeit der Weimarer Republik ab.
41 Dramburg gehörte bis 1816 noch zur brandenburgischen Neumark (Dramburgischer Kreis, einer der neumärkischen Hinterkreise). Ab 1818 ist Dramburg Kreisstadt des neuen pommerschen Kreises Dramburg.
42 Bei der Volkszählung von 1905 gaben 14.162 Einw. (0,84 % der damaligen Gesamtbevölkerung) Polnisch als Muttersprache an.
43 Im Gegensatz zu diesen pommerschen Leba-Kaschuben waren die in Westpreußen ansässigen Kaschuben mehrheitlich katholisch.
44 Das Siedlungsgebiet der Slowinzen erstreckte sich hauptsächlich auf das Gebiet südlich des Garda- und des Leba-Sees. Die Leba-Kaschuben siedelten östlich davon bis zum Zarnowitzer See (Krs. Stolp und Krs. Lauenburg i. P.)
45 Der Netzekreis entstand erst 1919. Seit dem 2. August 1919 wurden die beim Deutschen Reich verbleibenden Teile der preußischen Kreise Czarnikau, Filehne (jetzt Wieleń) und Kolmar (Kolmar in Posen, jetzt Chodzież) zusammen-gefasst und von Schönlanke (bis 1919 Landkreis Czarnikau) aus verwaltet. Am 20. November 1919 wurde das Gebiet dem neuen Verwaltungsbezirk Grenzmark Westpreußen-Posen mit Sitz in Schneidemühl unterstellt. Der formale Zusammenschluß zum neuen Netzekreis erfolgte am 15. Dezember 1919.
46 In der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen lebten 1925 insgesamt 13.284 Polen, was einem Anteil von 4,3 % an der Gesamtbevölkerung von 332.443 Einwohnern dieser kleinsten preußischen Provinz entsprach.
47 Rauschendorf früher Czimmanau (Umbenennung am 10. Juni 1873).
48 Nach dem I. Weltkrieg wurde der Kreis Putzig aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 vom Deutschen Reich an Polen abgetreten.
49 Mit der Abtretung der bisherigen preußischen Provinzen Westpreußen und Posen am 10. Jan .1920 wurde als provisorisches Verwaltungsgebilde für die beim Deutschen Reichen verbleibenden Restgebiete beider Provinzen der Verwaltungsbezirk Grenzmark Westpreußen-Posen gebildet. Verwaltungssitz wurde Schneidemühl. Zum 11. Jan. 1921 wurde dieser Verwaltungsbezirk umbenannt in Grenzmark Posen-Westpreußen. Am 1. Juli 1922 wurde aus dem bisherigen Verwaltungsbezirk die neue gleichnamige Provinz gebildet (durch Gesetz der Preußischen Staats-regierung vom 21. Juli 1922 wurde die Verwaltungseinheit rückwirkend zum 1. Juli 1922 als neue preußische Provinz etabliert). Die Bezeichnung Grenzmark Posen-Westpreußen für diese Provinz, die die beim preußischen Staat verbliebenen Gebiete westlich der Weichsel umfaßte, wurde gewählt, um an die Verluste der Provinzen Westpreußen und Posen zu erinnern. Die Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen umfaßte 7.695 km². Der 1938 gebildete neue Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen umfaßte dagegen 11.456 km². Siehe auch Anm. 39.
50 Vgl. Anm. 41.
51 Gesetz über die Gebietsbereinigungen in den östlichen preußischen Provinzen v. 21. März 1938 (Preußische Gesetzsammlung, Nr. 6, S. 29–31).
52 Arnswalde, Friedeberg, Deutsch Krone, Flatow, Netzekreis, Schlochau und Stadtkreis Schneidemühl.
53 Hochrechungen, Schätzungen und Erhebungen nach Kriegsende ergeben eine Zahl von 800.000 Flüchtlingen aus Hinterpommern. Von den 2,4 Mill. Einwohnern Pommerns kamen im Zuge des sowjetischen Vormarsches sowie infolge der massiven militärischen Gewaltausübung der Roten Armee auch gegenüber Zivilisten sowie während der Flucht etwa 400.000–500.000 ums Leben.
54 Ein Kapitel dieser unzähligen Tragödien spielte sich in Schwirsen (jetzt Sierzno) im Kreis Cammin ab: Bei Schwirsen überrollten am 6. März 1945 Kampfverbände der Roten Armee die aus der Kreisstadt Greifenberg und ihrem Umland geflüchteten 20.000 Einwohner. Die Folge war ein grauenhaftes Morden, massenhaftes Vergewaltigen und eine Metzelei der Zivilbevölkerung ohnegleichen. Die wenigen Überlebenden wurden erbarmungslos ausgeplündert. Teil der sog. „Befreiung“ des deutschen Volkes.
55 Qu.: Flucht aus Pommern (Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung) . Online-Ressource: https://www.flucht-vertreibung-versoehnung.de/de/flucht-aus-pommern
56 Qu.: Veränderungen des deutschen Bevölkerungsstandes östlich der Oder-Neiße-Linie infolge der Flucht und der Rückkehr im Jahre 1945. In: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße, Bd. 1, München: DTV, 1984, S. 78 E.
57 Im April/Mai 1945 lebten noch 1 Million Deutsche in Hinterpommern. Im Mai und Juni kehrten 150.000 Flüchtlinge nach Hinterpommern zurück, zugleich wanderten sich in Hinterpommern aufhaltende Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen in ihre Heimatgebiete zurück.
58 Die erste Woiwodschaft Stettin nach dem Zweiten Weltkrieg wurde formal nicht direkt i. J. 1945, sondern per Verordnung vom 29. Mai 1946 (mit Wirkung bzw. Errichtung am 28.06.1946) aus dem zuvor verwalteten Bezirk Okreg III (= Pomorze Zachodnie/Westpommern) gebildet. Nach Kriegsende 1945 stand das Gebiet zunächst unter provisorischer sowjetischer und ab Juli 1945 polnischer Verwaltung.
59 Die Woiwodschaft Danzig (Gdańsk) wurde bereits am 7.04.1945 gegründet und am 28.06.1946 territorial erweitert.
Qu.: Verwaltungsgliederung Polens 1945 (Podziały administracyjne Polski po 1945).
60 Der Titel des Pommernliedes lautete in der handschriftlichen Fassung „Heimath!“, wurde jedoch bei der ersten Drucklegung geändert in die heute noch gebräuchliche Bezeichnung „Pommernlied“. Die Zeilen „… reden von dem Lande meiner Heimat mir, hellem Meeresstrande, düsterm Waldrevier“ in der ersten Strophe beschreiben die charakteristischen Landschaftsgegebenheiten Pommerns – die weißen, langen Strände der Ostseeküste und die ausgedehnten Wälder im Landesinneren (Hinterpommern). Der Text der zweiten Strophe bezieht sich auf die blau-weißen Landesfarben Pommerns.
61 Das Pommernlied, auch das Lied der Pommern genannt, ist ein Lied, das sich in der ehemaligen preußischen Provinz Pommern als Landeshymne fest etabliert hatte. Es entstand 1851 und geht auf den Theologen und Dichter Adolf Pompe (* 12. Januar 1831 Stettin, 23. Dezember 1889 Demmin) zurück.



