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Kann es wirklich sein, daß Abraham Foxman – zwar vor einer Auswahl von Männern seiner jüdischen Glaubensgemeinschaft – laut und deutlich verkündet hat, was wir in dem Video oben hören können?

Zwar ist, was er darlegt, längst bekannt – jedenfalls denen, die lesen und mitdenken können und sich anschauen, was Erich und Mathilde Ludendorff während ihres umfangreichen geistigen Aufklärungskampfes vor 80 bis 90 Jahren gegen die Völkermordpläne biblischer Glaubensmächte veröffentlicht und was wir am eigenen Leibe erfahren haben und heute in der „Corona-Krise“ in aller Deutlichkeit vorgeführt bekommen.

Vor der ADL in New York am 25.8.1998 soll er gesagt haben:

Wir (Juden) haben alle Ziele erreicht, die auf unserer ersten Sitzung vor 100 Jahren zum Ausdruck kamen:

  • Wir kontrollieren Regierungen.

  • Wir haben Uneinigkeit zwischen unseren Feinden geschaffen und sie dazu gebracht, sich gegenseitig umzubringen.

  • Wir haben die Kritik an unseren Angelegenheiten effektiv zum Schweigen gebracht und sind die reichste Rasse der Menschen auf dieser Erde.

  • Als Meister der Wirtschaft, der Politik, des Rechts und vor allem der Medien sind wir bereit, unser wichtigstes und ehrgeizigstes Programm umzusetzen.

  • Eins, das die Hindernisse unserer absoluten Kontrolle über die Erde endgültig und vollständig aus dem Leben räumen wird.

  • Ich spreche vom Tod der weißen Rasse.

  • Die vollständige Entfernung aller Reproduktionsmittel der sogenannten arischen Rasse.

  • Männer, wir kontrollieren jetzt das Schicksal dieser Rasse.

  • Es ist jetzt an der Zeit sicherzustellen, daß die weiße Rasse durch Inzest und eine Geburtenrate von nahezu Null aussterben wird.

  • Wir haben alle die Vision genossen, die sich auf der ganzen Welt wiederholt, wenn die letzten weißen Kinder mit kleinen dunklen Kindern spielen und wissen, daß sie für ihre spätere Zerstörung vorbereitet werden.

  • Wir müssen die Rassenmischung der städtischen Zentren den Vororten und ländlichen Gebieten offenbaren.

  • Mit dem HUD werden derzeit aggressivere Programme zur Integration dieser Bereiche durchgeführt.

  • Es ist jeden Preis wert, die nächste Generation weißer Kinder zu vernichten.

  • Wir möchten, daß jeder weiße Vater das Gefühl hat, daß seine Kinder farbige Partner heiraten und gemischtrassige Kinder hervorbringen.

  • Wir müssen unsere Macht nutzen, um weiße Männer und Frauen zu entmutigen, die immer noch darauf bestehen, mehr reine weiße Kinder zu zeugen.

  • Sie werden geächtet, indem sie nicht Teil der Neuen Gesellschaft aller Rassen werden.

  • Die meisten werden davon Abstand halten.

  • Wir werden mit den weniger kooperativen Gojim (Nichtjuden) durch Mord und Inhaftierung vorgehen.

  • Schließlich werden wir das Ende dieser weißen Rasse sehen.

  • Eindrucksvolle weiße Kinder, deren Verstand in die Agenten der eigenen Zerstörung geformt wird.

  • Schon jetzt ist es unseren Bemühungen gelungen, die Männer dieser Rasse uns zu Füßen zu legen.

  • Männer, Sie und Ihre Vorfahren haben hart gearbeitet, um sicherzustellen, daß wir das Schicksal dieser Rasse in unseren Händen halten können. Jetzt haben wir es.

  • Verderben Sie arische Gojim!

Aber natürlich wird es sich wie bei den ebenso mit der Wirklichkeit übereinstimmenden „Protokollen der Weisen von Zion“ um eine „antisemitische Fälschung“ handeln!

Und die entsprechenden Ankündigungen und Befehle des jüdischen „Gottes“ Jahweh in Thora und Talmud muß man bestimmt ganz anders verstehen und auslegen wie z.B.

5. Mose 7:16 Luther Bibel 1545:

Du wirst alle Völker verzehren, die der HERR, dein Gott, dir geben wird. Du sollst ihrer nicht schonen …

Unwillkürlich fällt mir bei solchem Erfolg, solcher „Tüchtigkeit“ eines Volkes der Begriff Charles Darwins ein:

Survival of the fittest. Der Tüchtigste überlebt.

Charles Darwin führte diesen Gedanken noch genauer aus:

Bild: Pinterest

Es ist nicht die stärkste der Arten, die überlebt, noch die intelligenteste, sondern diejenige, die am meisten auf Veränderungen reagiert.

Wie gut paßt das auf den Erfolg jenes jahwehgeführten Volkes und auf die „Unterlegenheit“ der Gojim!

Und dennoch hat das alles nichts mit der wahren Art und Weise zu tun, in der die Entwicklungsgeschichte ihren Lauf nahm.

 

Mathilde Ludendorff

Mathilde Ludendorff

bedauert in ihrem Erstwerk „Triumph des Unsterblichkeitwillens“ den gottlosen Materialismus, mit dem von Charles Darwin die Entwicklung der Arten erklärt wird, und zitiert den Großvater des Charles,

Erasmus Darwin,

der in dem Werdegang der Schöpfung eine überwältigende göttliche Kraft erkennt:

Die Welt ist entwickelt, nicht erschaffen; sie ist nach und nach aus einem kleinen Anfang entstanden, hat sich durch die Tätigkeit der ihr einverleibten Grundkräfte vergrößert und ist eher gewachsen, als durch ein allmächtiges Werde plötzlich geworden.

Welch eine erhabene Idee von der unendlichen Macht des großen Architekten der Ursache aller Ursachen … Denn wenn wir das Unendliche vergleichen wollen, so möchte wohl ein größeres Unendliches der Kraft dazu erforderlich sein, die Ursachen der Wirkungen zu verursachen, als wie die Wirkungen selbst.

Das biblische „Schöpfungsbild“ eines als Macher gedachten „Schöpfers“ ist überwunden, eines Bildes, nach dem auch Adam erst aus einem Lehmkloß gemacht und dann mit göttlichem Hauch belebt wurde.

So dualistisch wie im Falle der Erschaffung des Menschen ist die gesamte biblische Sichtweise auf die Schöpfung: Die Natur wird nicht beseelt, nicht gottdurchdrungen erlebt und gedacht, sie steht nach dieser Sicht „Gott“ Jahweh ebenso fern wie die Seele dem Leib, der „gottlosen“„Materie“.

Ist nicht Charles Darwin bei seinen Darstellungen der Entwicklungsgeschichte den Weg von seinem gottahnenden Großvater Erasmus weg zum Materialismus seines Jahrhunderts zurückgegangen, indem er die Abwandlungen der Arten rein mechanistisch erklärte und dadurch in seiner Zeit so erfolgreich war? Mathilde Ludendorff:

Sein Werk bewegte ein ganzes Jahrhundert! Das Charakteristische aber ist, daß weit weniger die Tatsache der Abwandlung selbst interessierte als die willkommene materialistische, rein mechanistische Erklärung. Man stelle sich vor, daß nicht einmal der Kampf ums Dasein selbst die Macht ist, der wir nach Darwin die Entstehung der Arten zu danken haben, sondern das Nüchternste, das sich nur denken läßt:

Der „Konkurrenzkampf“ ist letzten Endes der Schöpfer der unendlich mannigfaltigen Fülle von Formen der unübersehbaren Zahl verschiedener Arten von Pflanzen und Tieren!

… Die mangelhaft Gearteten aber werden ausgeschaltet, ehe sie Ahnen kommender Geschlechter werden. So wurden bei jedem Geschlechte die Tüchtigsten oder – was bei dieser Theorie gleichbedeutend ist – die am praktischsten ausgerüsteten Lebewesen zu den Erzeugern der kommenden Geschlechterfolge, und so wurden sie bestimmend für die Beschaffenheit der Art …

Eine nüchternere Erklärung für die Entstehung der vielgestal-tigen Lebensformen konnte man sich kaum denken,

also war sie für seine Zeit die denkbar köstlichste Erkenntnis, und in der großen Freude hierüber wurde aller Widersinn, wurde die Unmöglichkeit, sie für die meisten Tatsachen anzuwenden, zunächst ganz vergessen.

Darwin hat uns in seiner Begeisterung für seine Idee ungeheuer wertvolles Tatsachenmaterial gesammelt;

aber nicht nur das, er hat den Sinn vieler Eigenschaften von Pflanzen und Tieren (Schutzfärbungen, Mimikry usw.) als Nutzeinrichtungen erklärt und damit eine Fülle interessanter Zusammenhänge entdeckt, welche die Christen, in ihren Irrtümern befangen, nicht erblickt hatten.

Von dem Kulturwert der Entwicklungsgeschichte selbst aber hat er die Menschen in so nachdrücklicher Weise abgelenkt, daß sein Lebenswerk ein recht verhängnisvolles Geschenk wurde.

Mathilde Ludendorff dagegen weist auf die „überwältigende Fülle an Schönheit der Formgebung“ und Farbenpracht der Lebewesen hin:

Warum [z. B.] … entsprechen die Gestalt der Blüte und ihre Farben und Formverteilung so vollkommen unserm menschlichen Schönheitswillen, obwohl das Facettenauge des Insektes, das angelockt werden soll, diese Schönheit gar nicht genießen kann?

Wie würde wohl ein Darwinist es uns erklären wollen, daß die ältesten pflanzlichen und tierischen Vorfahren, die Einzeller, oft in wunderbarsten Kunstformen ihren Protoplasmaleib gestalten, obwohl sie selbst gar keine Sinnesorgane haben, um die Schönheit ihres Artgenossen wahrnehmen zu können, und obwohl alle die wunderbaren Kunstformen (z. B. der Radiolarien) das Protoplasmaklümpchen gar nicht etwa tüchtiger im Kampf ums Dasein machen können? …

Ernst Haeckel, Kunstformen der Natur, Tafel 91 (Bild: BioLib.de)

Wir sind wissenschaftlich berechtigt zu behaupten, daß jedes Lebewesen so schön ist, als es ihm die Todesgefahr, als es ihm der Kampf um das nackte Leben nur eben gestattet …

Die oben erwähnte Gruppe von machtvollen Hassern einer anderen Menschenrasse aber wäre doch ein schlagendes Beispiel für Darwins Selektionstheorie: Die Tüchtigsten im Konkurrenzkampf setzen sich gegen die im Konkurenzkampf weniger Tüchtigen durch.

Doch dieser an sich sehr anschauliche Vergleich hinkt!

Mathilde Ludendorff zeigt – besonders in ihrem Werk „Schöpfunggeschichte“ – den Willen Gottes zur Bewußtheit, der mit der Menschwerdung nach Jahrmilliarden der Schöpfungsgeschichte in Erfüllung ging.

In allen Menschen – gleich welcher Rasse – kann sich dieser Wille zur Bewußtheit des Göttlichen verwirklichen.

Da sich dies aber nur in aller Freiheit im Ich einer Einzelmenschenseele ereignen kann, ist der Mensch fähig, sich für das Gute, Wahre und Schöne zu öffnen oder auch zu verschließen, ja auch Schuld gegenüber eigenem moralischem Versagen zu empfinden.

Er hat ein Gewissen.

Wie sicher aber zeigt uns unser Gewissen Schuld und Unschuld an?

Ist das Gewissen wirklich – wie Christen glauben – die Stimme Gottes?

Zeigen sich die Menschen im o. a. Beispiel nicht als Seelen mit bestem Gewissen? Sind sie nicht geradezu stolz auf ihre Tüchtigkeit, ihre Ziele der Völkervernichtung schon fast erreicht zu haben?

Haben diese Ziele denn überhaupt etwas mit Moral zu tun? Nach Darwin haben die tüchtigen Völkerhasser doch eigentlich recht. Ihre Art setzt sich im „Konkurrenzkampf“ durch. Von Moral ist dabei nicht die Rede.

Wir sehen, wie bei solcher Willens-richtung, im Konkurrenzkampf zu siegen, eine so überaus artenreiche, vom göttlichen Wunsch zur  Schönheit erfüllte Schöpfung, wie wir sie in der Natur vorfinden, überhaupt nicht möglich wäre.

Der Konkurrenzkampf wirkt eher artenverarmend.

Die Völkerhasser sind somit erkannt als dem Göttlichen entgegenstrebende und handelnde Menschen, die ihre ihnen von der Schöpfung gegebene Freiheit dazu verwenden, sich vom Guten, Wahren und Schönen abzuwenden, und das

ohne den geringsten Gewissensbiß!

Das Gewissen – Jahrhunderte als göttliche Kontrolle über die Moral menschlichen Handelns angesehen – zeigt sich als ungeeignet, Gradmesser eigenen Handelns in moralischer Hinsicht zu sein.

Der seelisch Hochstehende, der das Gute, Wahre und Schöne anstrebt, hat einen Seismographen als Gewissen in seinem Innern. Bei ihm schlägt das Gewissen schon bei geringsten Versäumnissen.

Die dem Göttlichen gegenüber Stumpfen, die aus fragwürdigem Eigennutz daran gehen, dem Willen der Schöpfung zur Mannigfaltigkeit der Formen entgegenzuhandeln, die Schöpfung zu veröden, ja zu verwüsten, indem sie ganze Teile der Natur, ganze Rassen auszurotten versuchen, werden durch eine moralische Regung, ein Gewissen, in ihrem widergöttlichen Handeln nicht gestört, schon gar nicht wenn sie glauben, damit ihrem sog. Gott zu dienen.

Klarheit nun auch auf diesem Gebiet geschaffen zu haben, verdanken wir Mathilde Ludendorff.

 

Agnes Miegel

überlebte die Vertreibung aus ihrer Heimat Ostpreußen. In diesen Tagen gedenken wir ihrer mit einer Lebensbeschreibung aus der Feder von

Gisela Stiller.

Dunkle Ahnungen

Stille Jahre waren es, immer wieder überschattet von dunklen Ahnungen und Gesichten, über
die sie vor allem der Freundin Ina Seidel berichtete.

1936 wurde ihr der Herder-Preis der Goethe-Stiftung verliehen und 1940 der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt.

Zu ihrem 60. Geburtstag erhielt sie das Ehrenbürgerrecht der Stadt Königsberg.

Zu jener Zeit schreibt sie in einem Brief u. a.:

… auf einmal überkommt mich bei aller Vorfreude auf das Reisen ein sonderbares Gefühl – als ob ich nicht mehr wiederkommen werde …

Diese Ahnung von einer bevorstehenden Katastrophe hat sie nie mehr verlassen – trotz aller Siegesmeldungen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Sie war nun über 60 Jahre alt und viel auf Lesefahrten unterwegs. Sie schrieb eine Reihe von Gedichten, die den Menschen Trost geben sollten in der harten Zeit.

Der Kriegsband „Mein Bernsteinland und meine Stadt“, 1944 im Königsberger Verlag Gräfe und Unzer erschienen, war bereits nach wenigen Tagen vergriffen.

Es heißt dort gegen Ende der Dichtung:

Wir gehen fort. Und jeder Weg in dir ist heute schon für mich ein Abschiednehmen …

Agnes Miegel sah ihre Vaterstadt leiden und sterben unter furchtbaren Bombenangriffen, die die Stätten ihrer Kinderzeit auslöschten.

Bitterkalt war es zur Adventszeit, als sie im Neuen Schauspielhaus, das dicht besetzt war von Zuhörern in Mänteln und dicken Jacken, zum letzten Mal eine Lesung in ihrer Stadt hielt. Sie schloß mit den Worten:

… daß noch in dir, o Mutter, Leben ist und daß du, Königsberg, nicht sterblich bist …

Die Flucht über See

Als die Bevölkerung Ostpreußens nach 700-jähriger Geschichte deutscher Besiedelung am Ende des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben wurde, befand sich auch die Dichterin unter den Flüchtlingen.

Noch ehe der Morgen graut, wandern Agnes Miegel und ihre Gefährtin Elise, die ihr in allem wie eine Tochter zur Seite stand, am 27. Februar 1945 mit vielen anderen Leidensgenossen durch Trümmer und Schutt zum Hafen.

Der einzige wieder frei gewordene Weg aus der umzingelten und belagerten Stadt führt auf dem Pregel ins vereiste Haff und dann durch das Pillauer Tief in die Ostsee.

Über die schneeverwehte Nehrung ziehen noch immer die endlosen Trecks ostpreußischer Flüchtlinge „Wagen an Wagen“, wie Agnes Miegel später in einem ergreifenden Gedicht schreibt. Fast zwei Millionen Menschen nahmen diesen einzigen noch möglichen Weg nach Westen. Viele, viele erreichten den rettenden Hafen nicht mehr.

Durch das Vorstoßen der sowjetischen Truppen wurde Ost- und Westpreußen vom Rest des Deutschen Reiches abgeschnitten.

Eine vorherige Evakuierung war durch Berlin und vor allem durch die Gauleitung verboten worden. Dadurch blieb nur noch die Flucht über See.

Das Oberkommando der Marine unter Großadmiral Dönitz verlegte bereits in der zweiten Jahreshälfte 1944 die Mehrzahl der noch verfügbaren Schiffe der Kriegmarine an die Ostsee.

Der Kampf im Osten gegen die auf deutsches Gebiet vorrückende Rote Armee wurde immer verzweifelter. Erste Seerettungsaktionen begannen 1944 mit der Räumung der Stadt Memel.

Die Evakuierung im großen Stil wurde am 21. Januar 1945 durch Großadmiral Dönitz eingeleitet.

Auch alle verfügbaren Schiffe der Handelsmarine, die so weit wie möglich Schutz durch Kriegsschiffe erhielten, wurden für diese Flüchtlingstransporte eingesetzt.

In den vier Ostseehäfen Hela, Pillau, Gotenhafen und Danzig wurden die verzweifelten Flüchtlinge an Bord genommen.

Bei der größten Evakuierungsaktion der Geschichte über See gelang es, ungefähr zwei ein halb Millionen Menschen aus dem Kriegsgebiet herauszubringen.

Trotz Geleitschutz wurden immer wieder Schiffe durch Torpedobeschuß der sowjetischen Marine versenkt. Die bekannteste Schiffskatastrophe des Unternehmens – aber nicht die einzige – ist der Untergang der „Wilhelm Gustloff“.

Agnes Miegel und ihre Freundin gehören zu den Geretteten.

Kopenhagen, dann das Lager Grindstedt und schließlich die Baracken von Oksboel nehmen
die Flüchtlinge auf – „arme Pracher“, wie die Dichterin später berichtet.

Hier in dieser riesigen Flüchtlingsbarackenstadt werden etwa 40.000 Heimatvertriebene lange Zeit interniert. Sie leben wie Gefangene, hinter Stacheldraht in einer engen, eingeschlossenen Umwelt dürfen sie nicht über ihr Bleiben oder Gehen bestimmen.

Für ein Jahr gibt es für die Flüchtlinge keine Postverbindung zu den Freunden im Nachkriegsdeutschland. Die Behandlung ist alles andere als gut.

Aber Agnes Miegel klagt nicht. Sie trägt ihr Schicksal mit einer Würde, daß auch andere sich daran aufrichten können.

Dabei hat sie nicht nur ihre Heimat, Wohnung und persönliche Habe verloren, sondern auch alles, was sie an handschriftlichen Aufzeichnungen aus Jahren der Arbeit besaß.

Ein Koffer mit Manuskripten, den sie einer Bekannten anvertraut hatte, – darunter der einzige Roman aus ihrer Feder – ging auf der Flucht verloren.

Sie hat ihre äußere Heimat verloren, aber ihre Heimat im geistigen Sinne gerettet und in ihrer Dichtung zum unverlierbaren Besitz erhoben.

Und sie beginnt wieder zu schreiben – Gedichte, Märchen und Spiele. Es entsteht u.a. die Erzählung : „Fischtag im Lager“, oder Heimweh-Gedichte, wie die eindringlichen Verse „Es war ein Land“, aus denen das ganze Leid um die verlorene Heimat spricht, sowie das ergreifende Gedicht: „O Erde Dänemarks“, das sie im Sommer 1945 über die mehr als viertausend kleinen Flüchtlingskinder schrieb, die schon vor dem 5. Mai in Dänemark starben.

An Ina Seidel schrieb sie 1946 in einem Brief:

Ein Teil meines Herzens starb, als ich von Ostpreußen ging …

Im Nachkriegswinter 1946/47 findet die Dichterin – jetzt 67 Jahre alt – mit Elise Asyl auf dem alten Wasserschloß Apelern, das der Familie ihres inzwischen verstorbenen Dichter-Freundes Böries von Münchhausen gehörte.

Es sind harte Zeiten, nicht nur wegen des Mangels an Heizmaterial und Lebensmitteln.

In der sehr umfangreichen Schloßbibliothek findet die Dichterin genügend Lesestoff, so neben englischen und amerikanischen Klassikern vor allem Homer.

Ich lese jeden Tag als Seelenstärkung einen Gesang der Odyssee,

schrieb sie.

Und schließlich gab es einen Menschen, der sich den beiden Frauen anschloß. Das war die junge Gutssekretärin Heimgart von Hingst, ein Flüchtlingsmädchen, das jetzt für die notwendigen Dinge des täglichen Bedarfs sorgte. Später in Bad Nenndorf schlossen sich die drei Frauen noch enger zusammen.

Man schrieb das Jahr 1948. Wer diese Zeit selbst noch bewußt erlebt hat, weiß, wie hart und entbehrungsreich das Leben in dieser Notzeit für die meisten Menschen war, ob sie nun ihre Habe behalten hatten oder aus dem Nichts eine neue Existenz aufbauen mußten.

Bereits Weihnachten 1949 erschien wieder ein Gedichtbändchen mit dem Titel: „Du aber
bleibst bei mir“.

Zur gleichen Zeit erschien bei Diederichs ein Prosaband: „Die Blume der Götter“, und 1951 die Erzählungen „Der Federball“.

Für fünf Jahre waren zwei möblierte Zimmer das Zuhause für Agnes Miegel und ihre Gefährtin. Erst im Jahre 1953, im Alter von 74 Jahren, wurde der Dichterin eine kleine Mietwohnung von der Gemeinde zugewiesen. In den drei Räumen richteten sich die drei Frauen ein, glücklich, nach aller Unruhe und Unsicherheit der vergangenen Jahre, wieder ein Heim zu haben.

Ein großer Freundeskreis, Menschen aller gesellschaftlichen Schichten, jeden Alters und verschiedenster Herkunft – standen jetzt mit ihr im Briefwechsel. Viele Stunden hat Agnes Miegel an ihrem Schreibtisch zugebracht, hat mit ihrer schönen Schrift Briefe und Karten beantwortet. Sie fand für jeden, der an sie schrieb, ein persönliches Wort.

Die Gewohnheit, Menschen im Rahmen einer Großfamilie zu sehen, wo jeder sich um den anderen kümmert und vom anderen weiß, war bei ihr in starkem Maße zu finden.

Verehrung, Liebe und Zuneigung unzähliger Menschen auf der einen Seite, Verleumdung und hämische Kritik auf der anderen Seite – zwischen diesen beiden Richtungen spielte sich nun das Leben der Dichterin ab.

Was ist geblieben?

Über die große Balladendichterin Agnes Miegel, über die leidenschaftlich–verhaltenen Gedichte der frühen Zeit, über ihre Prosa ist viel Kluges und viel Dummes gesagt und geschrieben worden.

In den letzten Jahren ihres Lebens hat sie sich immer wieder darum bemüht, die Sprache der jüngeren Schriftsteller unserer Zeit und ihr Werk zu verstehen. Sie litt zwar darunter, aber sie nahm es mit Schweigen hin, daß alles, was sie in einem langen Leben geschaffen, von der „großen Kritik“ einfach totgeschwiegen wurde, ja, daß bei besonderem Anlaß sie und ihr Werk das Ziel bösartiger Polemik wurden.

Daran konnten auch die vielen Beweise der Liebe und Verehrung, die ihr im Alter zuteil wurden, nichts ändern. Sie wurde Ehrenbürgerin von Bad Nenndorf, erhielt die Kulturpreise der Ost- und Westpreußen, erlebte die Stiftung einer Agnes-Miegel-Plakette und erhielt zum 80. Geburtstag den Literaturpreis der „Bayrischen Akademie der Schönen Künste“ als Auszeichnung für ihr dichterisches Werk.


In dem hektischen Literaturbetrieb unserer Tage ist von einer Dichterin dieser Richtung kaum mehr die Rede.

Um so stärker lebt sie aber in ihrem Werk fort, bei Menschen, die abseits des lauten Marktes sich einen Sinn bewahrt haben für das, was bleibt.

Es war für sie selbst immer wieder beglückend zu erleben, wie viele junge Menschen sich von ihrem Werk angesprochen fühlten. Vielleicht liegt das Geheimnis dieser Anziehungskraft darin, daß sie hinter dem stand, was sie schrieb, daß sie nie vergessen hat, wo ihre Wurzeln waren.

Wie bei vielen einst berühmten deutschen Persönlichkeiten, so gibt es auch bei Agnes Miegel Umbenennungsbestrebungen bei Straßen, die nach ihr benannt wurden.

Viele Menschen fühlen sich von der unsachlichen Propaganda gegen Agnes Miegel, wie sie von extremen Gruppierungen verbreitet wird, verunsichert. Immer geht es um Miegels vermeintliche Nähe zur NS-Ideologie. Eine „politisch korrekte“ Presse-Öffentlichkeit beschimpft Agnes Miegel als Nazidichterin und reißt sie aus der differenzierten Lebenswirklichkeit heraus.

Im damaligen Entnazifizierungsverfahren wurde Agnes Miegel vollständig entlastet. Das nimmt
man heute gar nicht mehr zur Kenntnis.

Wer sich intensiv mit Leben und Werk Agnes Miegels befaßt hat, und viele ihrer unveröffentlichten Briefe studiert hat, der weiß, daß sie für Rechtsextremismus ebenso wenig übrig hatte wie für Linksextremismus. Der weiß, daß sie sich mit ihrem Bekenntnis zu einer umfassenden Menschlichkeit und „nichts als den Haß zu hassen“ ganz vehement und konsequent von jeder Parteipolitik distanzierte.

Doch immer wieder versuchen linke Scharfmacher mit Kampagnen den Ruf von Persönlichkeiten früherer Generationen zu zerstören, die nicht in ihr eigenes Weltbild passen. Und immer wieder lassen sich demokratische Bürger in diesen schmutzigen Strom hineinziehen.

Aber es gibt auch Lichtblicke:

Im heutigen Königsberg gibt es einen Zweig der deutschen Agnes-Miegel-Gesellschaft, einer anerkannten und von gebildeten Persönlichkeiten aus aller Welt geförderten literarischen Gesellschaft.

Russen und Deutsche pflegen einen Umgang auf hohem Niveau. Im heutigen Kaliningrad werden Werke von Agnes Miegel in russischer Übersetzung publiziert, sowie Ausstellungen organisiert.

Im Alter von 84 Jahren starb Agnes Miegel 1964 in Bad Salzuflen, ihr Grab befindet sich in Bad Nenndorf.

Die Agnes–Miegel–Gesellschaft hält zahlreiches Schrifttum von und über Agnes Miegel bereit und bringt immer wieder neue Publikationen heraus.

Sorgen auch wir dafür, daß diese große Dichterin nicht vergessen wird.

Unter hellem Himmel lag mein Jugendland,
Doch es ist versunken, wie ein Bernsteinstück im Sand.

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Literaturhinweise

  • Agnes Miegel, Arbeitshilfe 29/1985 von Ruth Maria Wagner, Als wir uns fanden, Schwester, wie waren wir jung, Hrsg. Marianne Kopp/Ulf Diederichs

  • Briefwechsel zwischen Agnes Miegel und Lulu von Strauß und Torney

  • Agnes Miegel, Ihr Leben und ihre Dichtung, von Anni Piorreck

  • Agnes Miegel, Es war ein Land – Gedichte und Geschichten aus Ostpreußen

  • Marianne Kopp, Agnes Miegel – Leben und Werk

Agnes Miegel

überlebte die Vertreibung aus ihrer Heimat Ostpreußen. In diesen Tagen gedenken wir ihrer mit einer Lebensbeschreibung aus der Feder von

Gisela Stiller.

Eine weitere bedeutsame Station auf dem Weg der Agnes Miegel war der

Aufenthalt auf der Wasserburg der Familie von Münchhausen,

der Eltern ihres Dichterfreundes Böries in Apelern. Hier sollte sie viele Jahre später, nach dem Krieg und Lageraufenthalt in Dänemark, eine erste Bleibe finden.

Doch zunächst zurück :

Am meisten lernte ich von der Mutter Münchhausens, der alten, damals schon sehr leidenden Baronin,

berichtet Agnes Miegel später.

Die künstlerisch hochbegabte Frau konnte geradezu hinreißend erzählen, hatte ein ungeheuerliches Wissen, beherrschte viele Sprachen und war nebenbei hochmusikalisch und besaß Humor!

Die reichhaltige Bibliothek in diesem Hause faszinierte die junge Königsbergerin. Sie ist sicher eine der Quellen für das umfassende literarische Wissen und die historischen Kenntnisse der Agnes Miegel, die in ihrem späteren Werk eine so bedeutende Rolle spielen sollten.

Die Atmosphäre um das alte Wasserschloß, das schon den Dreißigjährigen Krieg überstanden hatte, regte ja geradezu zu einem Studium der Geschichte an.

Schließlich kam auch Lulu, v. Strauß, und die gemeinsamen Ferien, in denen sie ganz füreinander da sein konnten, ließen sie ebenso die Wesensverwandtschaft spüren, wie auch die Unterschiede ihrer dichterischen Kraft. Nebenbei waren sie jung und ausgelassen, sie lachten gern und viel miteinander.

Zum Jahreswechsel schrieb Agnes Miegel ihrer Freundin eine Karte mit folgenden Zeilen:

Adieu kleine Lulu. Zum Jahre 1910 wünsche ich Dir Gesundheit, Geld, Glück und einen
guten Mann. Anbei sein Konterfätt, so soll er klopfen an Deine Tür. Ich finde ihn so schön, daß ich ihn am liebsten selber nähme.

Es grüßt und küßt Dich, liebes Luluchen, und freut sich aufs Wiedersehn
Dein altes Tutt vergnügt und fett wie immer.

Mit gekonnten Strichen zeichnete sie ein Bild des gewünschten Mannes.

Die Italienreise

Für Agnes Miegel ging im Frühjahr 1911, also vor mehr als hundert Jahren, ein jahrelang sehnsüchtig gehegter Traum endlich in Erfüllung: Sie konnte mit ihrer Freundin Elisabeth Wiehler und deren Nichte Maria von Böckmann etliche Wochen lang Italien bereisen. Dank ihrer Lese-Ersparnisse und einer Zuwendung von 1000 Mark aus der Fastenrath – Stiftung konnte sie „ganz in Seelenruhe und ohne Gewissensbisse zu haben, alles genießen“, wie sie schreibt.

Was sie zuvor nur durch Lektüre von Goethes „Italienischen Aufzeichnungen“, Aufsätzen von Hermann Hesse und kunsthistorischen Werken erleben konnte, sah sie nun selbst mit wachem Interesse und warmer Anteilnahme.

„Sehr kunstlüstern im Gemüte“ wie sie schreibt, durchzog sie mit ihren Freundinnen die Galerien, Kirchen, Städte und Landschaften. So erlebte sie u.a. Rom, Frascati, Gubbio und Perugia sowie Siena, Florenz, Pisa, Genua und Mailand. Sie sah die Appeninen, die Toskana, Umbrien und die Mittelmeerküste.

Begeistert berichtet sie nach ihrer Rückkehr der mütterlichen Freundin Clementine von
Münchhausen von ihrer Reise.

Vor allem aus einem ihrer ausführlichen Briefe wissen wir heute die Reisestationen und
einige Details. Sie schreibt:

Dort ist das Meer dunkelblau und hat ganz tiefe Buchten. Es ist gar nicht wie die See hier, es ist verlockend schön und unsicher wie ein griechischer Gott. Ich fand es entzückend, schwor mir aber bei seinem Anblick beständig unserer graugrünen Ostsee ewige Treue. So ging es mir immer. Jedes mal wenn ich verliebt und bezaubert in die schöne italienische Landschaft sah, sagte ich innerlich zu Ostpreußen: „Sei man still, Du bist doch meine Beste!“

Literarisch hat Agnes Miegel diese großen, bewegenden Eindrücke nur wenig verarbeitet. Zum ersten machte sie eine schwere Krankheit durch, denn in Siena bekam sie die Ruhr und erholte sich nur langsam davon. Zum anderen wurde sie in Königsberg von der Pflege ihres alten Vaters übermäßig beansprucht, so dass sie kaum zum Schreiben kam.

Die unvergeßlichen Eindrücke des Südens aber blieben ihr lebenslang ein tiefes Erlebnis, das auch Jahre später immer wieder gegenwärtig war.

Der Jugendfreundin Friederike Klein entgegnet sie in einem Brief 1925 auf deren Italien-Erfahrungen:

ach es war so hübsch und ein Land für uns Drei bis zum Tod und ein ewiger Jungbrunnen, dessen Lebenswasser nie versiegt!

Bei allem Sehen und Erleben des Fremden und Neuen in Italien wurde ihr jedoch das eigene
Heimatgefühl zutiefst bewßt – der Genuß Italien geht unmittelbar über in ein Lob der
ostpreußischen Landschaften.

Und als sie auf der Heimreise

das erste schwarzbunte Vieh wiedersah, ging ich vor Freude doch beinah` durchs Coupefenster,

berichtet sie in einem Brief an Clementine von Münchhausen.

Auch zwei Jahre später thematisiert sie in einem Brief an Prof. Eduard Heyck

diese Spannung zwischen dem Sehnsuchtsland Italien und ihrer innig geliebten Heimat.

Im Frühling hab` ich mit großer Sehnsucht an Rom gedacht,

erzählt sie, schildert die Schönheit von Rapallo, aber schließt gleich an:

aber unsere See hier oben und unser Haff sind doch tausendmal schöner, und werden einem in tausend Jahren nicht über!

Und so ist diese Erfahrung schließlich doch in einem der großen Themen ihrer Gedichte, Balladen und Erzählungen eingeschmolzen worden.

Immer wieder geht es bei Agnes Miegel nämlich um den Bezug zur Heimat eines Menschen, um Fortgehen und Wiederkommen, um Fernweh und Heimweh, schließlich um Heimkehr und das wachsende Bewusstsein, was Heimat bedeutet.

So ist Agnes Miegel mit ihrem Werk keineswegs mit dem Begriff „Heimatdichterin“ zu fassen, sondern sie ist vielmehr eine Dichterin der Heimat, die das universale Thema „Heimat“ aus den verschiedensten Blickrichtungen beleuchtet und gestaltet hat.

Frauenfreundschaften

Agnes Miegel hatte schon in ihrer Jugendzeit viele Freundinnen, aber eine ganz besondere Freundschaft entwickelte sich zu ihrer Dichter-Kollegin Lulu von Strauß und Torney. Die Frauen lernten sich um die Jahrhundertwende kennen. Es entwickelte sich eine tiefe und reiche Freundschaft dieser beiden Balladendichterinnen, die das ganze Leben lang anhalten sollte.

Eine besondere Freundschaft verband sie ebenfalls mit der wesentlich jüngeren niederdeutschen Dichterin Dr. Alma Rogge, die in der Wesermarsch aufwuchs.

Beide Dichterinnen gelten als Verkörperung ihrer Heimatlandschaft. Der Briefwechsel ab den 1955er Jahren befindet sich im Literarturmuseum in Marbach.

Nach einem Aufenthalt bei Alma Rogge schreibt Agnes Miegel:

Und dann die Stunden bei Dir mit dem einzig schönen Blick auf Fluß und Ebene und das für mich als Ostseekind immer gleich überwältigende Wunder von Ebbe und Flut und das ebenso große des Wunderspiels von Silber und Blau und allen Fischschuppenfarben des lebendigen Wassers und dem Silbergefunkel der Sonnenblitze darauf – immer noch der gleiche Sternschnuppenfall wie in ersten Kindheitstagen! … Ach, es war wunderschön und ich danke Dir sehr!

Und in einem anderen Brief:

Ich danke Dir für Deine Freundschaft, liebe Wesermarschtochter!

Das Besondere an dieser Freundschaft zwischen Agnes Miegel und Alma Rogge waren sicherlich die gemeinsamen Aufenthalte im Naturschutzpark Lüneburger Heide, wohin der Mäzen Dr. Alfred Töpfer die beiden Dichterinnen seit 1957 alljährlich in das „Landrat-Ecker-Haus“ in Wilsede einlud.

In dem Haus bot er Dichtern und Künstlern eine Begegnungsstätte und Erholung. Diese Landschaft ist beiden Freundinnen neu, so daß sie diese miteinander entdecken können.

Alma Rogge schildert diese Aufenthalte in ihrer kleinen Prosaskizze „Mit Agnes Miegel in der Lüneburger Heide“ und breitet dabei nicht nur die Schönheiten der Heide aus, sondern zitiert auch Agnes Miegels Äußerungen darüber:

Nie hätte ich gedacht, daß mir eine Landschaft nach meinem Ostpreußen noch mal so gefallen könnte!!

Die Landschaft, die Luft – wie auf der Kurischen Nehrung sind sie, wie in Masuren … hier kann ich atmen wie in meiner Heimat.

Und an Ina Seidel schreibt sie 1957 von Wilsede aus:

Die Heide ist noch viel schöner als ich erwartete … Seit den letzten Sommern in Ostpreußen bin  ich nicht mehr so glücklich gewesen wie hier, war mir keine Luft und Landschaft so vertraut und lieb.

Doch zunächst zurück nach Königsberg!

Das Gefühl der Enge des Elternhauses lastete auf ihr, so schreibt sie in einem Brief an Lulu:

Mutter versorgt meinen Küchenschrank, Vater meinen Geldbeutel und dadurch meinen Bücherspind, aber die sogenannte Seele, die ist ihnen ganz fremd an mir und braucht doch Nahrung.

In ihrem Bericht: „Meine ersten Verse“ beschreibt sie ein Schlüsselerlebnis aus der Schulzeit: Die Deutschlehrerin hatte zur Hausaufgabe gemacht, ein Gedicht zu schreiben. Sie glaubte es Agnes nicht, daß sie das Gedicht ohne fremde Hilfe verfaßt habe. Agnes riß die Seite aus dem Schulheft und verbrannte das Gedicht. Als die Mutter es erfuhr, war deren Reaktion:

Ein Gedicht? Erbarmung. Und das solltest du machen? Vergiß es Kind!

Wahrscheinlich hat das Erlebnis dazu geführt, daß sie alle Briefe von Menschen, die ihr nahe standen, verbrannte. Sogar ihr lyrisches Tagebuch, das sie in Weimar führte, hat sie eines Tages in den Ofen gesteckt.

In ihrem dichterischen Schaffen trat ab 1906 eine längere Pause ein. Sie wird nach Hause gerufen – die kranke Seele der Mutter bewirkte, daß diese wegen eines Nervenleidens den Rest ihres Lebens in einer Heil- und Pflegeanstalt verbringen mußte. Das hatte zur Folge, daß
Agnes alle beruflichen Pläne zurückstellen mußte. Die Tochter übernimmt die Pflege des alten Vaters, dem die Erblindung droht.

Ihr Leben ist von nun an nüchtern, hart, ohne Romantik.

Sie führte für den einsamen, oft kränkelnden Vater den Haushalt und umsorgte ihn. Das
schaffte zwar eine neue Nähe, aber auch Bitterkeit. So schreibt sie einmal.

Ich glaube, er ist nie darauf gekommen, daß ich – mit noch nicht einmal 30, noch ein Recht auf ein eigenes Leben hatte.

Finanzielle Sorgen drückten.

Ich lebe sehr still. Es ist, als hätte ich die Tür zwischen mir und dem sogenannten Leben schon lange zugemacht. Ich weiß nicht, ob es kurz oder sehr lange her ist, es ist auch ganz gleich,

sagt sie in einem Brief. Zehn Jahre sollte diese Zeit dauern.

Höhepunkt und Ausgleich für vieles Schwere in diesen „stillen Jahren“ war das Erscheinen ihres zweiten Buches,

Balladen und Lieder“,

das bereits im Eugen Diederichs Verlag aufgelegt wurde.

Hier sind die großen Balladen vereint, die ihren Ruhm als „Meisterin der Ballade“ begründeten.

Die erzählenden Gedichte wie die lyrischen Verse, zeigen die Bandbreite der Dichterin. Mit diesem Buch, so stellt die Biographin fest, befreite sich Agnes Miegel von dem Einfluß
ihrer beiden „Lehrmeister“ Carl Busse und Böries von Münchhausen, über die sie inzwischen
hinausgewachsen war.

Sie wurde zu Lesungen eingeladen, doch dem Ruf folgte sie nur ungern:

ich habe so ein gräuliches Jahrmarktsbuden-Gefühle dabei …

schreibt sie einmal. Aber Werbung für Bücher muß sein, und darüber hinaus benötigt Agnes Miegel jeden Taler.

Die Bekanntschaft mit Ina Seidel und deren Mann Heinrich Seidel, aus der eine lebenslange, bereichernde Freundschaft erwuchs, gaben tröstliche Akzente.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg starb die Mutter, die Krankheit des Vaters verschlimmerte sich und band Agnes Miegel mehr denn je ans Haus.

Sie erlebte das Sturmläuten der Glocken des Domes und aller anderen Kirchen bei der Kriegserklärung 1914,

klage rufend über Stadt und Land,

wie sie später in einem Gedicht sagt.

Harte Jahre folgten, in denen sie wieder schreibt, aber anders als vorher und ohne daß eine Veröffentlichung denkbar wäre.

Mit 79 Jahren stirbt der geliebte Vater im Kriegsjahr 1917, blind und taub, aber wie sie später in ihrem Büchlein Der Vater schreibt:

Was man nicht im Buch sagen kann, wie er war an Güte, kindlicher Heiterkeit und einer Klugheit, die in Alter, Leiden und Blindheit sich zu wahrer Weisheit verklärte …

Mit dem Tod der Eltern, mit dem Ende des Krieges begann ein neuer Abschnitt im Leben der Dichterin – wie auch in ihrem Schaffen. In ihrer Einsamkeit fand sie einen Menschen, die junge Elise Schmidt aus Neukuhren, die fortan ein Leben lang ihr zur Seite stehen sollte in
guten wie in bösen Tagen – nicht nur als Haushälterin, sondern als Gefährtin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Elise von Agnes Miegel adoptiert und trug deren Namen. In einem Brief aus der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges schreibt sie:

nur mit Schrecken denke ich, daß ich von meiner Heimat fort müßte, wie so viele schon. Ich bin hier mit jeder Faser verwachsen, zu alt und zu wenig frisch zum Wechsel … aber ich hoffe, daß meine Heimat doch noch irgendwo Platz und Brot für mich finden wird …

Beides findet sich 1920 – nämlich ein Arbeitsplatz als Reporterin, später als Redakteurin an der „Ostpreußischen Zeitung“.

Im gleichen Jahr erscheint das Buch „Gedichte und Spiele“ bei Diederichs. Darunter befinden sich auch Kriegsgedichte, die eigentlich gegen den Krieg geschrieben wurden, wie der „Psalm der Elemente“.

In der Ostpreußischen Zeitung schreibt sie von 1923 bis 1926 nach anfänglichem Tasten und Suchen in einer Weise, die bei den Lesern gut ankommt. Es ist vor allem die Serie Spaziergänge einer Ostpreußin“, die sehr gut aufgenommen wird, sowie Beobachtungen, Erlebnisse und Nachdenkliches.

Sie beobachtet scharf und genau, weiß auch zwischen den Zeilen manchen Denkanstoß zu geben.

Es gibt noch vergilbte Zeitungsseiten aus dieser Zeit, ausgeschnitten und gesammelt – das Spiegelbild einer versunkenen Welt.

Die 284 Zeitungsbeiträge, die sie von 1920 bis 1926 schreibt, werden von ihr selbst als Fingerübungen angesehen. Thematisch umfassen sie alle Gebiete des Lebens. Es geht vom Marktbericht über das Kulturleben Königsbergs bis zu historischen Studien.

Bis ins hohe Alter geht dieser journalistische Nebenweg weiter. Pressearbeit als Handwerkskunst und notwendiger Broterwerb! Ein umfassendes Wissen hat sie in den Jahren durch ihre Lektüre zusammengetragen, eine hohe Bildung eigenständig erworben, besonders auf archäologischem, historischem und literarischem Gebiet. Englische und französische Literatur liest sie nun am liebsten im Original, obwohl ihr in der Schulzeit die Fremdsprachen so schwer gefallen sind.

In jener Zeit, als 97,7 % der Bevölkerung bei der Volksabstimmung in den masurischen Kreisen für die Zugehörigkeit des südlichen Ostpreußens zu Deutschland stimmte – unter Aufsicht der Alliierten – entstanden Gedichte, die jungen Menschen heute vielleicht irreal erscheinen mögen, aber ältere Menschen, die sich noch an die Not und Unruhe jener Jahre erinnern, wissen was gemeint ist mit Versen wie diesen:

Über die Weichsel drüben, Vaterland, höre uns an!
Wir sinken wie Pferd und Wagen, versinken im mahlenden Sand,
Recke aus deine Hand,
daß sie uns hält, die allein uns noch halten kann …

Geschichten aus Altpreußen

Ein weiterer Wendepunkt im Leben der Agnes Miegel der für ihre schriftstellerische Arbeit von großer Bedeutung wurde, war das Jahr 1926.

Sie verließ ihren Platz in der Redaktion der „Ostpreußischen Zeitung“ und wurde freie Mitarbeiterin der „Königsberger Allgemeinen Zeitung“. Jetzt konnte sie sich die Termine selbst aussuchen.

Im selben Jahr erschien ihr erster Prosaband unter dem Titel „Geschichten aus Altpreußen“. Zwei Jahre hat sie an den Erzählungen dieses Bandes gearbeitet. Bilder aus den verschiedenen Entwicklungsstadien ihres Volkes schwebten ihr vor.

Die Erzählung „Die Fahrt der sieben Ordensbrüder“ ist vergleichbar mit ihren großen Balladen. Es ist die Geschichte von der Begegnung zweier Welten: der heidnischen Prußen mit den Ordensbrüdern, die ausgezogen sind, dem fernen Land im Osten die Botschaft des Christentums zu bringen.

Wie Agnes Miegel dieses schwierige Thema angeht, wie sie die historische Wahrheit lebendig werden läßt, ist mitreißend.

Es gibt keine stärkere Dichtung der Grundlagen des preußischen Ostens als diese Erzählung,

schrieb Paul Fechter und stellte sie gleichbedeutend neben die „Judenbuche“ von Annette v. Droste-Hülshoff.

Vor der Herausgabe des Bandes schreibt sie in einem Brief:

Mit den Ordensrittern werde ich in ein Wespennest stechen. Es ist leider üblich, sie als Lohengrine anzusehen, in einem von A bis Z mißverstandenen und ganz unkatholisch muckrigen Eunuchen-Dasein. Was sie für Kerls waren, spürt man auf Schritt und Tritt.

Es folgt die Herausgabe der „Gesammelten Gedichte“ und „Herbstgesänge“.

Ich fange an, in meiner Heimat als Dichter populär zu werden,

schrieb sie nach den Ehrungen zum 50. Geburtstag.

Allerdings lebte sie weiterhin sehr zurückgezogen, denn nur so konnte sie sich ihrem Schaffen
widmen.

Fortsetzung folgt mit

„Dunkle Ahnungen“

Vor 75 Jahren, am 23. Mai 1945, starb das „Dritte Reich“.

12 Millionen wehrlose Deutsche hatten das Grauen der alliierten Bombenangriffe auf die deutschen Städte, das Grauen des Einmarsches feindlicher mord- und vergewaltigungsgieriger Truppen vor allem im Osten Deutschlands sowie Flucht und Vertreibung aus der Heimat nicht überlebt. Die Dichterin

Agnes Miegel

überlebte die Vertreibung aus ihrer Heimat Ostpreußen. In diesen Tagen gedenken wir ihrer mit einer Lebensbeschreibung aus der Feder von

Gisela Stiller.

Frühling im Osten

Braune Erde der Heimat, noch stehst du kahl!
Schon blühen an Main und Donau Hügel und Tal,
Lind kommt der Frühling im Westen, zögernd und sacht,
Süß unter den Bergen die warme Frühlingsnacht!

Aber deine Mainacht, Mutter, ist klar und kalt.
Kristallen steht der Himmel über knospendem Wald.
Weiter mit jedem Abend wandert nach Norden der Schein,
Erde der Heimat, du Strenge, – wann wird es Sommer sein?

Masuren/Ostpreußen (Bild: brylla reisen)

Wer sich an Ostpreußen erinnert oder wer es von seinen Landschaften und Städten und vom Lebensgefühl her kennenlernen will, kommt an der großen Dichterin Agnes Miegel nicht vorbei.

In zauberhaften Erzählungen und Gedichten läßt sie ihre ostpreußische Heimat wiedererstehen, an die sie sich – mit Abstand und Trauer – erinnert.

Agnes Miegel (Bild: kulturportal-west-ost.eu)

Menschenkenntnis und Menschenliebe haben sie geprägt, und so verschmilzt das persönliche Geschick der großen Dichterin mit der Biographie und Naturgeschichte ihres Landes auf ergreifende Weise.

Besonders in ihren Dichtungen ist das spürbar. Das Land Ostpreußen mit seinen Dünen und Gärten, seinen Menschen und seiner Geschichte wurde durch sie und in ihr lebendig:

„Es war ein Land“, „Mein Bernsteinland“, „Hinter der Hohen Düne Vergangenheit“, „Die Frauen von Nidden“, um nur einige bekannte Beispiele zu nennen.

Ina Seidel, mit der sie sehr gut befreundet war und in lebhaftem Briefwechsel stand, drückte es einmal so aus:

Agnes Miegel hat alles ausgeschöpft, was uns östliche Menschen erfüllte und bewegte.

Und Paul Fechter, Schriftsteller, Journalist und Kritiker, der ebenfalls aus dem Osten stammte, schrieb:

Das Entscheidende an Agnes Miegel war für die Menschen des Ostens der Klang des Ostens, die Wirklichkeit des Osten in ihrem Werk. Diese Frau besitzt so beglückend die Kraft der Verzauberung, die nur die wirklichen Dichter haben, deren Worte mehr als Worte, nämlich verdichtetes, geformtes Leben, Klang gewordene Seele sind.

Wenn der Name Agnes Miegel fällt, entsteht sofort eine gedankliche Verbindung zu Ostpreußen.

Ostpreußen ist Agnes Miegel, und Agnes Miegel ist Ostpreußen.

Doch wer war nun Agnes Miegel? Was weiß die Jugend, was wissen wir heute noch von ihr? Von der Germanistik ist sie in den letzten Jahren sehr vernachlässigt worden, und auch in neueren Lexika findet sie keine angemessene Darstellung mehr.

Geboren wurde sie 1879 in Königsberg, im Herzen der Stadt, auf der alten Kaufmannsinsel des Kneiphofs, der von beiden Armen des Pregel eingeschlossen wird.

Kneiphöfische Langgasse – Grünes Tor in Königsberg – alte Postkarte

Hier wuchs sie in einem christlich geprägten Elternhaus auf im Schatten des Ordensdomes, nahe der Alten Universität, an der einst Immanuel Kant lehrte, nahe dem Hafen mit seinen Schiffen aus aller Herren Länder, nahe auch dem bunten Treiben der Märkte zu Füßen des Krönungsschlosses der preußischen Könige.

Diese Umwelt, dazu die Spaziergänge mit dem geliebten Vater, der dem Kind die wechselvolle Geschichte der Stadt Königsberg in fast sieben Jahrhunderten nahe zu bringen wußte, haben ihr dichterisches Werk später nachhaltig beeinflußt.

Das Haus, in dem Agnes Miegel aufwuchs, war behaglich eingerichtet mit Möbeln des Biedermeier, schmalen Spiegeln, Stahlstichen an den Wänden und vielen Büchern. Zeichnungen und Reproduktionen berühmter Gemälde wurden sorgfältig in Schubladen aufbewahrt und in Feierstunden zum Betrachten hervorgeholt.

Liebevoll verwahrt wurde auch das handgewebte Leinen aus der Aussteuer der Mutter, die aus einer Salzburger Familie stammte. Die Vorfahren mußten wegen ihres Glaubens ihre Heimat verlassen und siedelten sich 1732 in Ostpreußen an.

Die Vorfahren des Vaters stammten ebenfalls teilweise aus dem Salzburger Land, aber auch aus dem Elsaß, vom Rhein, aus Schweden und aus dem Oderbruch.

Bücher wurden zu vertrauten Gefährten für das heranwachsende Mädchen. Oft hat die Muter ihr aus Werken vorgelesen, die diese selbst liebte. So lernte sie – als Einzelkind aufgewachsen – schon früh die Lektüre der Klassiker, aber auch historische Werke kennen.

Lange wirkte die Begegnung mit den Dichtungen von Annette von Droste-Hülshoff nach, die sie sich heimlich aus dem mütterlichen Bücherspind ausgeliehen hatte. Ein Mädchen, das Gedichte geschrieben hatte!

Agnes Miegel berichtet später, sie sei ihren Eltern dankbar dafür, daß sie ihr als literarische Kost keinen „Säuglingsbrei“ vorgesetzt hätten –

sie ließen mich allein lesen und redeten später mit mir darüber wie mit einem Erwachsenden.

Im Alter von 15 Jahren kommt Agnes nach Weimar in die Pension Koch, wo sie mit 50 bis 60 Gleichaltrigen lebt und lernt. Sie schließt neue Freundschaften und erlebt eine besonders glückliche Zeit.

Und immer wieder schreibt sie Gedichte. Bereits 1896 erhält sie ihr erstes Honorar für ein Gedicht. Die Familie sieht ihre Dichtkunst zunächst einmal schweigend an und meint, daß sei wie eine Krankheit, Röteln z.B. und werde wieder vorübergehen.

Für ein Mädchen kommt als Beruf nach den Gegebenheiten der damaligen Zeit eigentlich nur Lehrerin oder Krankenschwester in Frage. So lernt Agnes als erwachsende Haustochter zunächst einmal in Königsberg kochen, malen und tanzen.

In Berlin absolviert sie dann eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester, kann den Beruf aber wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit nicht ausüben.

Von 1902 bis 1904 folgt sie der Schulfreundin Lise nach England, um Englisch zu lernen und im Internat Clifton bei Bristol eine Stelle als Erzieherin junger Engländerinnen anzunehmen.

Die schöne Landschaft Westenglands, die große Geschichte des Landes, alles stürmte auf mich ein wie etwas immer Ersehntes, endlich Wiedergefundenes, das etwas in mir aus einem Bann befreite,

schreibt sie später über diese Zeit. So entstehen hier die großen Balladen, die 1907 in dem Band „Balladen und Lieder“ erscheinen und die junge Dichterin zum Ruhm führen sollten. Ebenso wie lyrische Gedichte, darunter das Gedicht „Heimweh“, das in späteren Jahren vertont wurde.

Frühe Balladen und Gedichte

Agnes Miegel war eine Lyrikerin und Erzählerin mit Vorliebe für die Ballade, schwermütige Stimmungen und bedeutungsvoll Unheimliches.

Die Geschichten sind aus unbekannten Tiefen meines Wesens gespeist …

äußerte sie einmal, und damit deutete sich etwas an, was sie später ihre „Gabe“ nannte. 

Ich habe soviel, woran mein Herz hängt, daß der Tag nicht lang genug ist, um an alles zu denken,

sagte sie einmal als junges Mädchen.

Obwohl in dem späteren Werk Agnes Miegels, in den Balladen und Gedichten wie in den Prosastücken, die Schauplätze wie die zeitlichen Räume wechseln und nur ein Teil ihrer
Dichtung sich unmittelbar mit ihrer Heimat im Osten befaßt, wäre ihr Schaffen ohne den Urgrund des in jungen Jahren – besonders im Elternhaus – Erlebten und Geschauten nicht denkbar.

Sie lernte schon als Kind scharf zu beobachten und die bunten Bilder des Tages zu bewahren.

Agnes Miegel gehörte zu den Dichtern unserer Zeit, die den Menschen in der Einheit mit sich selbst und mit der Natur begriffen.

Damit suchte sie den zerstörenden Kräften der Gegenwart zu begegnen.

Zugleich war ihr dichterisches Werk von gläubiger Gewißheit und fröhlicher Weltoffenheit erfüllt, die ihm einen weiten Horizont gaben.

Wie Annette von Droste-Hülshoff, ihr großes Vorbild seit Jugendtagen, oder der von ihr verehrte Theodor Fontane es verstand, einer Landschaft und ihren Menschen Stimme und Gestalt zu verleihen, ohne darüber zu „Heimatdichtern“ zu werden, so verwandelte Agnes Miegel alles, was sie darstellte – Ferne und Nähe, Helles und Dämonisches, Alltag und Feiertag – in Bilder von allgemeiner Gültigkeit.

Als Beispiel, wie sie Stimmungen einzufangen verstand, möchte ich den Anfang der Erzählung
„Herbstfahrt“ vortragen:

Es war im Reich Nirgendwo, im Land Nimmermehr. Von den Wiesen, goldgrün im Spätnachmittagslicht, trieb der warme Wind den Duft des Grummets. Von den Birken am Chausseerand, deren Stämme rosig vor der Vergißmeinnichtbläue des Septemberhimmels glänzten, taumelten erste gelbe Blätterherzen in unseren Wagen. Rote Quitschen leuchteten von den Feldwegen zwischen glänzenden Stoppeln, zwischen dem Saum goldgelben Rainfarns, am Rand des braunvioletten Ackers.

Ein feines leichtes Sausen wehte um unsere Stirnen beim Fahren, der Dunst der Goldfüchse, der kräftige Geruch des Ledergeschirrs. Und über allem der wilde herbe Duft des Blumenstraußes, den du im Schoß hieltest. Letzte Kornblumen, Maßliebchen, Skabiosen, helle Glockenblumen, gelbe Katzenpfötchen, eine Nachtkerze, die sich licht und selig öffnete, hell wie ein Zitronenfalter. Und in all die Blumen hingen die großen, runden, rotflammenden Perlen deiner Bernsteinkette.

Der Wagen knarrte leise, fuhr langsamer, bergauf in einen weißgoldenen Abendweg. Kühler wehte der Wind, ein großes Glänzen unten zwischen den Wiesenhängen spiegelte Himmelsbläue und zarten Wolkenduft perlmuttern wider.

O wie schön war der See!

Dann hielt der Wagen, und wir blickten über das leuchtende Wasser, in das feuchte Grün der Erlensäume nach den rotglühenden Kieferstämmen am anderen Ufer, auf den geheimnisvollen Urwaldfrieden des Inselchens, das unerreichbar in dem lichten Frieden schwamm.

Der „Göttinger Musenalmanach“

Im Jahre 1898 durfte Agnes Miegel mit ihrer Freundin Lise ein Vierteljahr in Paris sein – ein Fest im Frühling, das sie nie vergessen konnte.

Auf der Rückfahrt nach Königsberg machten die beiden Station in Berlin. Hier war ein Treffen mit Carl Busse, dem damals sehr bekannten Kritiker und Schriftsteller geplant, aber nicht Busse erschien, sondern Börries von Münchhausen.

Es war eine der Schicksalsstunden im Leben zweier Menschen. Der Freiherr, nur fünf Jahre älter, stammte aus dem Geschlecht des sogenannten „Lügenbarons“.

Von 1897 bis 1923 war er der Herausgeber des „Göttinger Musenalmanachs“, der – mit
Unterbrechungen – jährlich erschien. In der Literaturgeschichte wird er häufig als der
bedeutendste deutsche Balladendichter des 20. Jahrhunderts und als Erneuerer und
Theoretiker der Ballade bezeichnet. Um so bedeutsamer ist es, was er zu Beginn der
zwanziger Jahre über Agnes Miegel schrieb:

Von allen lebenden Balladendichterinnen und Balladendichtern ist Agnes Miegel ohne jede Frage die genialste, die größte! Das habe ich 1897 gewußt, als zuerst auf meinem Berliner Studentenschreibtisch eine Auslese dieser ganz unvergleichlichen Gedichte lag, und das weiß ich heute nach einem Vierteljahrhundert, in dem ich wahrhaftig mancherlei gute Verse der Zeitgenossen sah, ..sie ist zweifellos der größte lebende Balladendichter…

Das Treffen im Jahre 1898 war wohl bestimmend für den Lebensweg der Dichterin. Die beiden vereinbarten den Abdruck einer Reihe von Gedichten und Balladen im dem „Göttinger Musenalmanach für 1901“. Und Münchhausen wurde ihr zweiter Lehrmeister im Bereich der Dichtkunst – wohl der bedeutendste, denn sie sprachen die gleiche Sprache, spürten gleichermaßen hinter dem realen Geschehen einen mystischen Urgrund allen Seins. Eine Liebesbeziehung der beiden war allerdings nicht von Dauer.

Mit dem Namen Agnes Miegel tief verbunden ist in der Geschichte der Literatur die Ballade, die sie zu einer klassischen Höhe geführt hat. Ihre Balladen und Lieder machten sie mit einem Schlag berühmt.

Darüber hinaus enthält ihr Werk eine Einheit von Landschafts- und Sprachbildern von menschlichen und geschichtlichen Schicksalen Ostpreußens, aber auch von Wesen und Kultur eines Landes, wie sie in ähnlicher Glaubwürdigkeit etwa Gottfried Keller für die Schweiz oder Theodor Storm für Schleswig-Holstein zugeschrieben werden.

Auch wenn sie später für ihre Landsleute zum Symbol und Inbegriff der Heimat, zur „Mutter Ostpreußen“ wurde, ist ihr Wirken und Schaffen weit tiefer und umfassender, als daß Begriffe wie „Heimatkunst“ oder Heimatdichter ausreichten.

Bereits 1913 erhielt sie den angesehenen Kleistpreis, 1924 den Ehrendoktor der Universität Königsberg und 1959 den Literaturpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste.

Das erste Buch

Korrekturen lesen ist gräßlich!

schrieb Agnes Miegel an ihre Freundin Lulu von Strauß und Torney, als ihr erstes Buch, allen Zweifeln zum Trotz, im Jahre 1901 bei dem angesehenen Verlag Cotta in Stuttgart erschien.

In der Biographie von Anni Piorreck lesen wir darüber:

Es ist unverkennbar das Buch eines jungen Menschen, voller Freude am Dasein und zugleich voller Melancholie und Trauer, wie sie zu einer sensiblen Jugend gehören. Es finden sich mitunter Sätze, als ob hier dichterische Intuition einem sehr jungen Menschen eine Summe von Lebenserfahrungen lange vor dem selbst gelebten Leben gegeben hätten …

Einen besonderen Raum nehmen in dem ersten Buch die Liebesgedichte ein, die lange Zeit eine starke Wirkung ausüben sollten. Ein sehr junges Mädchen besingt hier mit großer Kraft das Verhängnisvolle der Liebe, ihren Todeskeim, die unumschränkte Verherrlichung der Leidenschaft.

Die Verse galten als kühn, ja als verwegen. In der bürgerlichen Umgebung ihrer Vaterstadt erregte der Gedichtband zunächst Befremden und Ablehnung. Diese Verse erschienen den Königsbergern zu modern, zu revolutionär, zu „sinnlich“, wie man damals sagte …

Die Mutter wird auf der Straße von einer Bekannten angehalten, die ihr im Ton höchster Entrüstung die Verkommenheit der Tochter, die „solche“ Dinge schreibt, vor Augen hält …

Damals sprach man nicht über seine Gefühle, das gehörte sich nicht,

schrieb eine Gleichaltrige zu jener Zeit.

Aus den Briefen, die Agnes Miegel an die sechs Jahre ältere Freundin Lulu v. Strauß schrieb
und die getreulich aufbewahrt wurden, wissen wir mehr aus diesen Jahren des Werdens und
Reifens. Zahlreiche Briefe wurden in dem Buch „Als wir uns fanden, Schwester, wie waren
wir jung …“, von Marianne Kopp veröffentlicht.

Fortsetzung folgt

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