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Totensonntag in Bretzenheim

Ernst Cran hält am geschändeten Mahnmal in Bretzenheim seine Rede zum Volkstrauertag:

Hinwendung zur Wahrheit der Rheinwiesenlager

Totensonntag ist einer jener Tage im Brauchtums-Jahreskreis, an dem die Lebenden sich den Toten zuwenden.

Dieses Zuwenden geschieht in wohlwollender, re-spektvoller, liebevoller Weise.

Mancherorts auf dem Erdenkreis vollziehen Men-schen dies, indem sie Speis‘ und Trank mit zu den Toten bringen und sie dann dort vor Ort verzehren; eine Feier des Lebens im Angesicht seiner Vergänglichkeit.

Andernorts auf dem Erdenkreis graben die Menschen ihre Toten an diesem Tage auch aus: Sie holen Gebeine und Schädel aus den Gräbern, reinigen und schmücken sie – und legen sie wieder zurück.

Nichts von alledem geschieht heute hier in Bret-zenheim. Wir bringen keine Lebensmittel hierher, um im Angesicht des hier geschehenen Elends zu schmausen und zu feiern.

Wir legen hier auch keine Lebensmittel ab. Wie kämen wir denn dazu, kiloweise Brot und literweise Getränke an diesem Mahnmal wie als Opfergabe dem Verderben preiszugeben.

 

Deutsche Soldaten als Gefangene im Rheinwiesenlager – bewacht von einem bewaffneten “GI” (Bild: Wikipedia)

Dieser Ort braucht keine Opfer; hier wurde bereits genug geopfert! Und wie kämen wir dazu, hier Tote auszugraben! Wobei: Eigentlich ist es genau das, was hier zu tun wäre – und genau deshalb ist es auch gerichtlich untersagt.

Hier liegen ja Tote! Doch diese Toten liegen hier nicht auf einem Friedhof – nicht gebettet und bestattet, sondern verscharrt und versteckt – auf einem Unfried-Hof.

Sie sind auch nicht am Ende ihrer von der Natur gesetzten Lebensspanne ver-schieden. Sie sind verreckt, verendet, in ihren eigenen Exkrementen ersoffen, an ihnen erstickt, in ihrem selbst gegrabenen Erdloch von schwerem Gerät zermalmt.

Sie wurden in einen geplanten Tod hineingepfercht, während ihre Bewacher sich die Bäuche vollschlugen und ab und zu – aus einer Laune heraus – in die Menge schossen.

Hier liegen Tote. Und ja – das Eine tun wir an diesem Totensonntag: Wir wenden uns unseren Toten zu. Den Toten und all denen, die hier gedemütigt und geschunden wurden, entehrt und entmenscht.

Wir wenden uns ihnen zu, weil es die Unseren sind! Wir sind ihre Stimme. Wir sind ihr Rufen. Wir sind ihr Schrei nach Heilung und nach Wahrheit.

 

Eisenhowers Völkermord (Bild: WELT)

Totensonntag in Bretzenheim bedeutet: Hinwendung zur Wahrheit der Rheinwiesenlager, Benennung der Lügen, Aufdeckung der Täuschungen, Offenlegung des hier Geschehenen und seiner Bedeutung für unser Dasein im Hier und Jetzt.

All das geschieht bereits seit Jahrzehnten und muß doch immer wieder neu benannt und ausgesprochen werden. Die Namen der Bekenner sind bekannt, ihre Entwirrungsarbeit der Zahlen und Begebenheiten ist literarisch ausgiebig dokumentiert.

Ein Name nur – und nur eine einzige kleine Zahlenportion. Der Name: James Bacque. Die Zahlen: 0,5% pro Jahr habe laut Auskunft der Alliierten die Sterberate unter den in VS-amerikanischem Ge-wahrsam befindlichen deutschen Gefangenen – und ich sage hier bewußt nicht „Kriegsgefangenen“ – bis zum 15.12.1946 betragen.*

0,5% pro Jahr! Das liegt unterhalb der Sterberate der Zivilbevölkerung in Europa 1945 – und das liegt nur um 0,1% höher als die Sterberate unter den VS-Soldaten im Basislager; wohlgemerkt außerhalb jeglicher Kampfhandlungen!

Die andere Zahl – die am Ende aller vertu-schungsevaluierenden Entwirrungen: 43% Todesrate pro Jahr in den 6 Verendungs-Lagern von Bret-zenheim (a.a.O., S. 272). Zusammen mit den Toten aus den Lazaretteinheiten erhöht sich diese Rate auf 45 bis 57,5% Tote pro Jahr für die Zeit von April bis Juli 1945.**

Halten wir inne: Über 50% und 0,5% – so weit sind geschichtliche Wahrheit und verordnete Geschichte voneinander entfernt. Über 50%: Das klingt nach einer effektiven Maßnahme.

Das klingt nach einem Plan – nach einem Plan, der viele Väter hat: Kalergi, Hooton, Morgenthau. Und ein Schelm, wer dabei an den Kampf gegen Amalek denkt …

Was bedeuten all diese Feststellungen für uns Heutige? In welcher Situation befinden wir uns? In welcher Realität leben wir? Ich blättere zurück in das Jahr 1832 – und in ein Buch. Der preußische General Carl von Clausewitz hat sich darin ausführlich und differenziert mit dem Wesen und allen Aspekten des Krieges beschäftigt. Zwei Gedanken daraus:

Der erste Gedanke: Wann ist der Sieg in einer Schlacht wirklich vollkommen? Er ist erst nach er-folgter Verfolgung des bereits geschlagenen Geg-ners vollkommen. Erst in dieser Verfolgung wird der Gegner vollends demoralisiert, werden ihm auch noch die letzten Güter und Kräfte abgenommen. Alle eigene Kraft muß in diese Verfolgung gesteckt werden. Ihre Grenze findet sie in den Stunden nach der Schlacht lediglich im Dunkel der Nacht.

Der zweite Gedanke: Wie ernährt sich ein Heer im fremden Lande? Ernährt es sich aus eigenen Mitteln, so wird der Troß groß und das Heer unbeweglich. Ernährt es sich aus dem Lande, so bleibt es mobil und wendig – und kann lange bleiben.

Beide Gedankenstränge haben in den letzten beiden Jahrhunderten eine militärreale Weiterentwicklung erfahren – und treten uns Heutigen doch nach wie vor in voller Schärfe entgegen:

Für die Verfolgung eines geschlagenen Gegners gibt es keine natürlichen Grenzen mehr.

So hält auch die Verfolgung von uns Deutschen weiterhin an. Wir sind nach wie vor nichts Anderes als „disarmed enemy forces“, „entwaffnete feindliche Streitkräfte“ – und zwar als gesamtes Volk. Besetzt und entmündigt, ausgeliefert und zur Verendung freigegeben.

Und das Zweite: Wir als Volk bezahlen dieses Verfolgtsein auch noch; ich verweise auf Art. 120 „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“. Wir als Volk werden ausgenommen, ausgeweidet, geplündert, gepeinigt bis ins Mark. Persönlich wie gesamtwirtschaftlich, gesundheitlich wie umweltbe-zogen läuft das Programm unserer völligen Elimi-nierung auf Hochtouren.

 

Und das i-Tüpfelchen: Die propagandistisch Ver-blendeten unseres Volkes tragen mit Wollust zu ihrer eigenen Verendung bei. Wäre es nicht zu zynisch, könnte man sagen:

Unser Land ist zu einem einzigen großen Veren-dungs-Lager verkommen – und seine Insassen beju-beln das auch noch!

Totensonntag in Bretzenheim ist das Gedenken einer Schicksalsgemeinschaft über die Generationen und über die Grenze des Todes hinweg. Wir gehören zusammen: Die Toten und Geschundenen der Rheinwiesen – und wir Lebenden, die wir uns heute zu ihnen und ihrem Leid bekennen.

Ihr Leid ist unser Leid. – Und auch das gilt: Unser Leben ist ihr Leben. – Unser Dasein hält sie im Dasein. – In unseren Herzen schlägt all das weiter, wofür ihre Herzen geschlagen haben.

Wofür also stehen wir hier letztlich? Wir stehen hier für das deutsche Volk in seiner Gesamtheit – für die Toten wie für die Lebenden. Für die, die waren, für die, die sind – und für die, die sein werden.

Ich schließe mit lyrischen Zeilen, deren Verfasser – wie auch so Viele hier in den Rheinwiesen – in den ersten Maitagen des Jahres 1945 ums Leben kam:

Das Lied vom Volke: Worte: Wolfram Brockmeier (1903 – 1945), Weise: Axel Schlimper***

Du bist die Kette ohne Ende,
ich bin nur deiner Glieder eins.
Was ich beginne, was vollende,
ist nur Vollendung deines Seins.

Du hast uns längst, die wir geboren,
genährt mit deinem heil’gen Blut.
So sind wir ewig dir verschworen
als deines Lebens sterblich‘ Gut.

Wer für dich fällt, stirbt nicht vergebens –
du trägst ihn in die Ewigkeit.
So sind wir Pfänder deines Lebens
und Bürgen deiner Herrlichkeit.

Du bist die Kette ohne Ende,
ich bin nur deiner Glieder eins.
Was ich beginne, was vollende,
ist nur Vollendung deines Seins.

In den Rheinwiesenlagern wurden die Gefangenen nicht nur einem geplanten Tod überantwortet, indem man ihnen die äußeren Lebensgrundlagen entzog, sondern sie wurden auch aktiv getötet, wie das folgende Beispiel aus dem Lager Remagen zeigt:

Der ehemalige Remagener Gefangene Franz-Josef Plemper beschreibt, wie eines Nachts die Amerikaner mit ihren Bulldozern die Menschen in ihren Erd-löchern lebendig begruben. Zitiert wird seine Schilderung bei James Bacque, Der geplante Tod****:

„In einer Nacht im riesigen Kriegsgefangenen-lager der US-Armee auf den Rheinwiesen bei Re-magen im April 1945 wurde ich aus dem Da-hindämmern in Regen und Schlamm durch gel-lende Schreie und lautes Stöhnen aufge-schreckt. Ich sprang auf und sah in einiger Ent-fernung (ungefähr 30 bis 50 Meter) die Scheinwerfer eines Bulldozers.

Dann sah ich, wie dieser Bulldozer sich vorwärts durch die dicht liegenden Gefangenen bewegte. Vorn hatte er eine Planierschaufel. Der Bulldozer bahnte sich einen Weg. Wie viele der Gefangenen dabei in ihren Erdlöchern lebendig begraben wurden, weiß ich nicht. Das läßt sich auch nicht mehr feststellen. Deutlich hörte ich Schreie: ‘Ihr Mörder‘ …“

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Anmerkungen

*) Der geplante Tod, 2008, Unveränderte Neuauflage 2000, S. 243

**) a.a.O., S. 278, S. 370f., Anm. 42.

***) https://www.youtube.com/watch?v=Rz-57IVRwOk

****) 2008, Unveränderte Neuauflage der Ausgabe von 2000, S. 313

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