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Thomas Engelhardt:

Bevölkerungsgeschichte Deutschlands nach 1945 

Das Kriegsende 1945 stellt in der Geschichte Deutschlands in mehrfacher Hinsicht eine Zäsur dar.

Nicht nur wurden die deutschen Neustämme der Schlesier, der Ostpreußen und der Pom-mern ausgelöscht. Grundlegend verändert haben sich auch die Bevölkerungsstruktur und die demographische Situation in den Aufnahmegebieten Restdeutschlands.

Die Aufnahme von Flüchtlingen und Ver-triebenen nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu einer der größten demographischen Ver-schiebungen in der deutschen Geschichte und zu einem massiven Anstieg der Einwoh-nerzahl in den Besatzungszonen.

Die Länder, die im Verhältnis zur Einwoh-nerzahl die meisten Vertriebenen aufnahmen, waren damals Bayern, Schleswig-Holstein und das heutige Niedersachsen. Die Bevölkerung Schleswig-Holsteins beispielsweise verdop-pelte sich infolge der Aufnahme der Flücht-linge und Vertriebenen nahezu.

Das Land war bedingt durch seine geogra-fische Lage 1945 ein Hauptaufnahmeland für die Vertriebenen. Nach dem Zweiten Welt-krieg nahm Schleswig-Holstein rund eine Million Vertriebene auf, was die Bevölkerung um ca. 70 % steigerte. Im Gebiet des heutigen Niedersachsen wurden ca. 1,8 Millionen Ostvertriebene aufgenommen, was ca. 27 % der damaligen Bevölkerung entsprach.

Von den etwa 14 Mill. deutschen Staats-bürgern und Angehörigen vertriebener deutschsprachiger Minderheiten, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mußten, kamen allein 1,9 Mio. (1950) nach Bayern. In Thüringen, bis 1945 etwa 2,1 Mill. Einwohner, wurden 600.000 Vertriebene aufgenommen und 2,5 Millionen deutsche Vertriebene und Flüchtlinge aus den deut-schen Ostgebieten kamen nach Nordrhein-Westfalen.

Bei der Volkszählung vom 13.09.1950 wurden im Bundesgebiet insgesamt 7.977.000 Vertriebene gezählt, d. h. fast jeder Sechste war ein Ostflüchtling bzw. Vertriebener (Gesamteinwohnerzahl in Westdeutschland 1950: 51 Mill. Einw.).[1]

Man kann den 8. Mai 1945  als das brutale Ende eines fast anderthalb Jahrhunderte tobenden immer erbitterter geführten Nationalitätenkampfes in der östlichen Völkermischzone interpretieren, eines Kampfes, den die Deutschen schließlich verloren.

Die von den deutschen Kriegsgegnern bereits in Jalta und in Teheran festgelegte „Aussied-lung“ der Ostdeutschen und der deutschen Minderheiten in Ungarn, in Rumänien, in der Slowakei, in Böhmen und Mähren (ab 1945 Tschechei bzw. Tschecho-Slowakei), in Jugoslawien, in der Sowjetukraine und im Gebiet des heutigen Polen weitete sich in den Jahren 1944 bis 1947 und zum Teil noch darüber hinaus aus zu einer brutal und erbarmungslos durchgeführten Vertreibung der gesamten deutschen Bevölkerung, heute ethnische Säuberung genannt.

Der Totalzusammenbruch Deutschlands 1945 ist aber zugleich auch der Schluß einer mehr als 800 Jahre währenden Entwicklung, die mit der deutschen Ostkolonisation und Ostsie-delbewegung ihren Anfang genommen hatte.

Diese Vertreibungen von etwa 16 bis 18 Millionen Deutschen, von denen jedoch 2,5 bis 3 Millionen als Opfer zu beklagen sind, stellen in der Gesamtschau ein Ereignis dar, dessen volle geschichtliche Tragweite sich heute noch einem sicheren Urteil entzieht, weil uns die geläufigen Maßstäbe der euopäischen Geschichte dabei im Stich lassen!

Jedoch stellen wir fest, daß diese mit den Massenaustreibungen im Zusammenhang stehenden Geschehnisse und Abläufe heute, drei Generationen danach, bereits verblassen und weitestgehend vergessen sind.

Die sich im einstigen Osten Deutschlands abspielenden Katastrophen sind aus aus dem kollektiven Gedächtnis der Bundesdeutschen getilgt. Mehr noch: Niemand gedenkt der Millionen Opfer. Es waren nur Deutsche!

Der von den Kriegsgegnern bereits lange vor Kriegsende geplante „Bevölkerungstransfer“ war ein von verschiedenen Phasen und Ab-schnitten gekennzeichneter Prozeß. Das heute mit „Flucht und Vertreibung“ be-zeichnete Gesamtgeschehen des Vertrei-bungsvorgangs erweist sich bei genauerer Betrachtung als ein vielschichtig und sich über mehrere Jahre erstreckender Vorgang.[2]

Einzelelemente waren die zuerst 1944 im Memelland und in den östlichen Kreisen Ospreußens und dann in den übrigen Ge-bieten Ostdeutschlands einsetzenden Fluchtbewegungen, dann die Maßnahmen, Ereignisverläufe und Zustände unter der sowjetischen Militärverwaltung und der beginnenden polnischen Herrschaft, die bis zur Potsdamer Konferenz vorgenommenen sog. „kalten Vertreibungen“, danach die Räumungsbefehle und Ausweisungsanord-nungen in den vom Feind besetzten Gebieten und als Schluß- und Endpunkt die Transporte der Vertriebenen in die Aufnahmegebiete der SBZ und der Westzonen.

Fand der Gesamtvorgang der Vertreibung damit seinen Abschluß? Mitnichten. Denn bis zum Jahr 1950 folgte die Auflösung und Entsiedelung der deutschen Siedlungsgebiete in den ost- und südosteuropäischen Staaten.

Darüber hinaus befanden sich noch im Jahr 1948, drei Jahre nach Kriegsende, mehr als 3,4 Millionen Deutsche in Straf-, Haft- und Zwangsarbeitslagern in Frankreich, der Sowjetunion, in Jugoslawien, Polen und der Tschechoslowakei.[3]

Deutlich gemacht werden muß infolgedessen, daß der heute vereinfachend mit „Flucht und Vertreibung“ umschriebene Gesamtvorgang vielschichtig war, ein über mehrere Jahre verlaufender Prozeß und gekennzeichnet von Millionen Einzelschicksalen geschlagener, gedemütigter, ausgeraubter, heimatloser, hoffnungsloser Deutscher, die alles verloren hatten, Besitz und Eigentum, die Heimat, das Dach über dem Kopf, Sicherheit und Lebens-mut und immer auch Angehörige, Eltern, Söhne und Töchter, Ehemänner und Brüder.

Die bereits im Oktober 1944 einsetzenden Flucht- und Absetzbewegungen aus dem ostpreußischen Memelland sowie den öst-lichen Landkreisen Ostpreußens[4] waren der Auftakt zu einer Massenvertreibung bisher ungeahnten Ausmaßes.

In den Folgemonaten flüchteten Millionen Deutsche aus den preußischen Ostprovinzen, die 1945 eine Bevölkerung von 9,75 Millionen Menschen umfaßten.[5]

Die Massenfluchten aus dem Osten hielten bis in die Wintermonate 1945 an. Mit Beginn der sowjetischen Oder-Weichsel-Operation am 12. Januar wurde die gesamte Bevölke-rung östlich der Oder von der Kriegsfurie erfaßt und in den Mahlstrom gerissen.

Zuerst betroffen waren die 1,1 Millionen Deutschen im Wartheland[6], im Netzedistrikt und die Ostpreußen, dann in kurzer Zeit die die Ostbrandenburger und die Bevölkerung Danzig-Westpreußens sowie die Ober- und Niederschlesier.

Mit dem Angriff der Roten Armee auf den Kessel von Danzig, in dem sich Millionen Flüchtlinge befanden, erreichte die Kata-strophe im März 1945 ihren Höhepunkt.

Im Februar und März flüchteten die Bewohner Hinterpommerns und des Regierungsbezirks Schneidemühl, der brandenburgischen Neumark sowie Niederschlesiens, Auf die „wilden“ Vertreibungen folgten ab Sommer 1945, nach der Potsdamer Konferenz, bis 1950 sog. geregelte Aussiedlungen (wörtlich: „ordnungsmäßige Überführung deutscher Bevölkerungsteile“) der Deutschen aus den Ostgebieten, aus Polen, Ungarn und dem Sudetenland und aus der Tschechoslowakei. Diese wurden von den Kriegssiegern auf der Potsdamer Konferenz (17.07. – 2.08.1945) beschlossen.

Insgesamt zwischen 16 bis 18 Millionen Deutsche waren am Ende des II. Weltkrieges vor den Truppen der Roten Armee geflohen oder unmittelbar bei Kriegsende aufgrund der Vereinbarungen zwischen der UdSSR und Polen aus den Heimatgebieten ausgesiedelt.[7]

Diese erste Phase wird als die sog. „kalte Vertreibung“ bezeichnet.[8] Die gemäß Artikel 13 des Abschlußdokuments der Potsdamer Konferenz[9] durchgeführten Vertreibungen aus den Ostgebieten Deutschlands erfolgten in mehreren Phasen und unterschiedlichen Schritten.

Hierbei muß berücksichtigt werden, daß sich bei Kriegsende nur etwa 5,5 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene in der SBZ aufhielten (hauptsächlich in Vorpommern, Brandenburg und Sachsen), etwa 3 bis 4 Millionen aber noch in den Heimatgebieten ausharrten.

1,5 bis 2 Millionen sind zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits ums Leben gekommen. Da nach der Kapitulation der deutschen Streit-kräfte ungeordnete Rückwanderungen in die Heimatgebiete erfolgten, veränderten sich die Bevölkerungszahlen.

Nachstehend die entsprechenden Zahlen zum jeweiligen Bevölkerungsstand[10]:

Ostpreußen[11] Ende 1944 :  2,65 Mill., April/Mai 1945:  600.000, Sommer 1945:  800.000[12]

Hinterpommern[13] 1944 : 1,86 Mill., April/Mai 1945: 1,0 Mill., Sommer 1945 1,0 Mill.[14]

Ostbrandenburg[15] 1944 : 660.000, April/Mai 1945: 300.000, Sommer 1945: 350.000

Schlesien 1944 : 4,7 Millionen, April/Mai 1945:  1,5 Mill., Sommer 1945: 2,5 Mill.

Westpreußen 1944 : 1,6 Mill., April/Mai 1945: 800.000, Sommer 1945: 800.000

Danzig (Stadt und Freistaat)[16] 1944: 420.000, April/Mai 1945: 200.000, Sommer 1945: 200.000

Bis zur Bekanntmachung der Beschlüsse der Kriegssieger auf der Potsdamer Konferenz gingen die Flüchtlinge von einer möglichen Rückkehr in die Heimatorte aus. Mehrere Hunderttausend Deutsche zogen zurück in die ostdeutschen Heimatgebiete.

Allein aus dem nördlichen Sudetenland (genauer aus dem Raum zwischen Rei-chenberg und Troppau) bewegten sich mehr als 800.000 Flüchtlinge zurück nach Schlesien, 150.000 Pommern zogen aus Mecklenburg und Vorpommern nach Hinterpommern.

In der Zeit zwischen Juli/August 1945 (Potsdamer Konferenz) und 1951 wurden insgesamt 3,5 Mill. Deutsche aus Ost-deutschland mittels Ausweisung vertrieben. Betroffen waren in den Heimatgebieten verbliebene oder nach der Flucht zurück-gekehrte Deutsche.[17]

Juni/Juli 1945:  250.000  (aus Ostbrandenburg, Hinterpommern, Niederschlesien)

Sommer bis Spätherbst 1945:  400.000 (aus Pommern, Schlesien, Ostbrandenburg)

1946:  2 Mill. (aus Hinterpommern, Schlesien, südliches, polnisch verwaltetes Ostpreußen)

1947:  500.000  (aus dem sowjetisch besetzten Nord-Ostpreußen und allen Ostprovinzen)

1948:  150.000  (vornehmlich aus Nord-Ostpreußen)

1949:  150.000  (Nord-Ostpreußen und polnisch verwaltete Ostprovinzen)

1950/1951: 50.000

Nachdem 1950/1951 mit den letzten grö-ßeren Ausweisungstransporten aus den polnisch verwalteten Gebieten (Ost)-Deutschlands die Vertreibung zum Stillstand gekommen war und Hunderttausende Deut-sche bereits vorher infolge der Drangsale, gewaltsamer Übergriffe und an den kata-strophalen Lebensverhältnissen zugrunden gegangen waren, blieben noch etwa 1 Million Deutsche in den Vertreibungsgebieten zurück.

Es handelte sich um deutsche Staatsange-hörige, die bis 1945 in den ehemaligen Reichsgebieten (in den Grenzen von 1937), darunter in Masuren, oder im Gebiet der ehem. Freien Stadt Danzig (Freistaat Danzig) oder in (Ost-)Oberschlesien wohnten. Polen definierte diesen Personenkreis als sog. „Autochthone“.

Gesamtzahl und Herkunftsgebiete der Flüchtlinge und Vertriebenen:

Danzig und Freistaat Danzig: 290.000

Ostpreußen: 1,984 Mill. (Ostpreußen 1944: 2,52 Millionen Einw.)

Pommern (Hinterpommern östlich der Oder): 1,646 Mill. (1944: 1,89 Mill. Einw.)

Ostbrandenburg/Neumark: 430.000 (von 660.000 Einwohnern in Ostbrandenburg, Stand 1944))

Wartheland: 688.000 (von 1,1 Mill. Deutschen im Reichsgau Wartheland)

Ober- und Niederschlesien: 3,228 Mill. (von 4,7 Millionen Einwohnern Schlesiens)

Sudetenland: ca. 3 Mill. (von urspr. 3,2 Mill. Sudetenländern)

Böhmen und Mähren (Prag[18], Schönhengstgau[19], Brünn[20], Iglau[21], Zwittau):  ca. 200.000

Rumänien:  253.000

Ungarn:  213.000

Jugoslawien: 297.500

Bei der ersten auf Anordnung des Alliierten Kontrollrats durchgeführten Volkszählung in den Be-satzungszonen im Oktober 1946 werden 9,6 Millionen Flüchtlinge gezählt. Allein in Schleswig-Holstein steigt die Bevölkerungszahl um 33 %, in Mecklenburg und Vorpommern um 44,3 %. Im Jahr 1950 leben 8 Millionen Flüchtlinge im Bundesge-biet (BRD) und 4 Millionen in der Ostzone (DDR).

Die oben genannte Zahl von 18 Millionen Vertriebenen setzt sich folgendermaßen zusammen:

9,7 Millionen Einwohner Ostdeutschlands (Ostpreußen, Pommern, Ostbrandenburg, Oberschlesien, Niederschlesien)

3  Millionen Einwohner Sudetenlands (und Böhmen und Mähren bzw. Tschechoslowakei)

3,2 Mill. in den bis 1939 zu Polen gehörigen Gebieten (Westpreußen, Wartheland, Ober-schlesien)

750.000  Auslandsdeutsche

Schätzungen gehen davon aus, daß bis zu zwei Millionen Menschen bei der Flucht aus den Ostprovinzen (im Gebietsstand der Grenzen von 1937) umgekommen sind.[22]

Die Gesamtzahl von ca.3 Mill. Todesopfern ergibt sich aus der deutschen Gesamtbe-völkerung, die Ende 1944 östlich der Oder-Neiße-Linie dauerhaft wohnhaft bzw. ansässig war. 

Die Schwierigkeiten einer genauen Zah-lenangabe ergeben sich aus mehreren Aspekten. In der Regel beziehen sich die Angaben zur Zahl der deutschen Opfer infolge der Vertreibungsmaßnahmen ausschließlich auf die Einwohnerzahlen in den Grenzen Deutschlands von 1937.

Das bedeutet jedoch, daß in der Regel die deutsche Bevölkerung des Gebiets Danzig- Westpreußens[23] (insges. ca. 1 Million Deutsche)[24], des Warthelandes[25] (ca. 1 Million Deutsche)[26] und Ost-Oberschle-siens (1939 ca. 200.000) unberücksichtigt bleibt.[27]

Ebenso bleiben die etwa 950.000 in den Jahren 1943/1944 aus dem westlichen Reichsgebiet nach Ostdeutschland Evaku-ierten in der Gesamtstatistik unberück-sichtigt. Diese wurden jedoch im Zuge der Eroberung Ostdeutschlands durch die Sowjets ebenso von der Wucht er Ereignisse getroffen.

Bei der Volkszählung vom 13. September 1950 wurden in der BRD 7.977.000 Vertriebene gezählt. Davon stammten:

4.541.000 oder 56,9 % aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten,

1.918.000 oder 24,0 % aus der Tschechoslowakei,

650.000 oder 8,2 % aus der ehemaligen Republik Polen und der Freien Stadt Danzig,

639.000 oder 8,0 % aus Ost- und Südosteuropa,

229.000 oder 2,9 % aus westlichen Ländern oder aus Übersee.

1970 waren es 9.598.000, 1985 (inkl. der Aussiedler vornehmlich aus Polen und Rumänien) 10.750.000.[28]

Die Sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR taucht in solchen Zahlenwerken norma-lerweise nicht auf, war jedoch die Zone bzw. der Teil Deutschlands mit der höchsten Aufnahmequote.[29]

10,72 Mio. Umsiedler gab es Anfang Januar 1948 nach einer Statistik der sowjetischen Militäradministration in den vier Besat-zungszonen insgesamt, davon

4,38 Mio. in der SBZ (= 40,9 %, am 1.1.1949: 37,2 %),

3,32 Mio. (= 31 %, 1949: 32,8 %) in der britischen,

2,96 Mio. (= 27 %, 1949: 28,2 %) in der amerikanischen,

0,06 Mio. (= 0,6 %, 1949: 1,4 %) in der französischen Besatzungszone.

Der Anteil der Umsiedler an der Gesamtbevölkerung betrug

24,3 % in der sowjetischen (am 1.1.1949: 24,2 %),

17,7 % in der amerikanischen (1949: 18,1 %),

14,5 % in der britischen (1949: 15,9) und

1,0 % in der französischen Besatzungszone (1949: 3 %)[30]

In einigen Ländern der SBZ/DDR betrug der Anteil der dort offiziell Umsiedler genannten Vertriebenen an der Gesamtbevölkerung über 40 %, in Mecklenburg 42 %. In den Westzonen waren es vor allem Schleswig-Holstein (ca. 33 %), Niedersachsen und Bayern, die die mei-sten Flüchtlinge aufnahmen. In einige Gebiete kamen sie erst spät, weil dort Zuzugsbe-schränkungen bestanden, wie z. B. im Ruhrgebiet.

Alfred M. de Zayas schätzt für das Jahr 1966 die Gesamtzahl der Vertriebenen in der BRD auf 10,6 Millionen, in der SBZ/DDR auf 3,5 Millionen[31], in Österreich und anderen westlichen Ländern auf 500.000, zusammen also 14.6 Millionen.

Die Zahl der Toten und Vermißten bei Flucht und Vertreibung wird mit 2,111 Millionen angegeben. Demnach hätte es 16,711 Milli-onen Flüchtlinge und Vertriebe-ne, Vermißte und Todesopfer insgesamt gegeben.

Flüchtlinge und Einheimische im Vergleich

Diese Millionen Menschen strömten auf Befehl der nationalsozialistischen Verwal-tungen entweder chaotisch-zufällig oder wegen zuvor ausgemachter Treffpunkte in die vier Besatzungszonen ein oder wurden von Flüchtlings- oder Umsiedlerämtern verteilt.

Sie wurden zumeist in ländliche Gegenden verschickt, wo die Versorgungssituation nicht ganz so schlimm war wie in den Großstädten.

Die Flüchtlinge verschärften in allen Besat-zungszonen die ohnehin katastrophalen Versorgungsbedingungen und waren selbst Hauptleidtragende: von der Basisversorgung über die Wohnungs- und Arbeitsbedingungen bis hin zur Ausbildung der Kinder. In allen wichtigen Lebensfragen waren die Flüchtlinge über Jahre die „Letzten in der Schlange”.

In den vier Besatzungszonen inkl. Berlin lebten 

1939    59,794 Mio. Einw.

1946    65,930 Mio. Einw.

Bis zum Oktober 1948 hatte die Bevölkerung in der Bizone, also der seit dem 1.1.1947 zusammengeschlossenen amerikanischen und britischen Zone, gegenüber dem Jahr 1936 um 25 % zugenommen.[32]

4.379.000 Flüchtlinge und Vertriebene wur-den zwischen 1945 und 1947 allein in der Sowjetischen Besatzungszone aufgenommen, 12,1 Millionen in den Westzonen.

Nach Abschluß der Vertreibungsmaßnahmen wurden bei der Volkszählung vom 13.09.1950 in der BRD  7, 9 Millionen Vertriebene erfaßt. In der DDR wurden 4, 065 Millionen und in Österreich etwa 400 000 Vertriebene registriert.

Bevölkerungsentwicklung Deutschland (ab 1950 Westdeutschland/BRD)

Die Gesamteinwohnerzahl Deutschlands wird im Jahre 1943 mit 70,4 Millionen angegeben, 1946 mit 64,2 Millionen[33], davon lebten etwa 45 Millionen Menschen in den drei Westzonen (bis 1951 wuchs diese Zahl durch den weiteren Zustrom von Millionen Flücht-lingen aus der SBZ/DDR sowie von Vertriebenen und Ausgesiedelten auf 51 Millionen an).

1944    69 Mill.

1946    64,26 Mill.  (45 Millionen in den drei Westzonen)

1947    65,84 Mill.

1948    67,36 Mill.

1949    68 Mill.

1950    68,37 Mill.  (50,96 Mill.)

1951    68,88 Mill   (51,43 Mill.)

1952    69,17 Mill.  (51,86 Mill.)

1953    69,56 Mill.  (52,45 Mill.)

1954    69,93 Mill.  (52,94 Mill.)

1955    70,3 Mill.    (53,52 Mill.)

1956    70,7 Mill.    (53,34 Mill.)

1957    71,15 Mill.  (54,06 Mill.)

1958    71,64 Mill.  (54,72 Mill.)

1959    72,2 Mill.    (55,26 Mill.)

1960    72,66 Mill.  (55,96 Mill.)

1961    73,35 Mill.  (56,59 Mill.)

1962    74 Mill.       (57,25 Mill.)

1963    75 Mill.       (57,86 Mill.)

1965    76 Mill.       (59,3 Mill.)

1970    77,8 Mill.    (61 Mill.)

1975    78,86 Mill.  (61,6 Mill.)

1980    78,3 Mill.    (61,66 Mill.)

1985    77,62 Mill.  (61 Mill.)

Die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland (Westdeutschland) wuchs zwischen 1950 und 1989 von rund 50 auf ca. 62,7 Millionen Einwohner.

Während die Bevölkerung im Westen Deutschlands zwischen 1990 und 2024 um 10 % auf 67,5 Millionen gewachsen ist, nahm sie im gleichen Zeitraum im Osten um 16 % ab.

Im Jahr 1950 lebten insgesamt 12,2 Millionen deutscheVertriebene in den ehemaligen Westzonen (ab 1949 BRD) und 4,1 Millionen der deutschen Vertriebenen in der SBZ/DDR.

Mit den Vertreibungen aus den Siedlungs-gebieten endete das Kapitel der Auslandsdeutschen.

Opfer der Vertreibungen wurden insgesamt 16,3 Millionen Deutsche, davon waren etwa 3 Millionen frühere Grenzland- und Auslands-deutsche bzw. vor 1945 rückgesiedelte Volksdeutsche.[34]

Qu.:   Demographie Deutschlands [https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_Deutschlands]

Bevölkerung – Zahl der Einwohner in Deutschland im früheren Bundesgebiet von 1950 bis 1989.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/696696/umfrage/zahl-der-einwohner-in-deutschland-im-frueheren-bundesgebiet/

Anhang

Potsdamer Abschlußprotokoll. Erklärung der drei alliierten Großmächte [1] v. 2. August 1945 (Vertreibungsbeschluß)

Artikel XIII: Ordnungsgemäße Überführung (transfer) deutscher Bevölkerungsteile 

Die Konferenz erzielte folgendes Abkommen über die Entfernung (removal) Deutscher aus Polen [2], der Tschechoslowakei und Ungarn [3]:

Die drei Regierungen haben die Frage unter allen Gesichtspunkten beraten und erkennen an, daß die Überführung der deutschen Be-völkerung oder Bestandteile derselben, die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben sind, nach Deutschland durchgeführt werden muß.

Sie stimmen darin überein, daß jede derartige Überführung, die stattfinden wird, in ord-nungsgemäßer und humaner Weise erfolgen soll.

Da der Zustrom einer großen Zahl Deutscher nach Deutschland die Lasten vergrößern würde, die bereits auf den Besatzungsbe-hörden ruhen, halten sie es für wünschens-wert, daß der Alliierte Kontrollrat in Deutschland zunächst das Problem unter besonderer Berücksichtigung der Frage einer gerechten Verteilung dieser Deutschen auf die einzelnen Besatzungszonen prüfen soll.

Sie beauftragen demgemäß ihre jeweiligen Vertreter beim Kontrollrat, ihren Regierungen sobald wie möglich über den Umfang zu berichten, in dem derartige Personen schon aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn nach Deutschland gekommen sind, und eine Schätzung über Zeitpunkt und Ausmaß vor-zulegen, zu dem die weiteren Überführungen durchgeführt werden könnten, wobei die gegenwärtige Lage in Deutschland zu berücksichtigen ist.

Die Tschechoslowakische Regierung, die Polnische Provisorische Regierung und der <Alliierte> Kontrollrat in Ungarn werden gleichzeitig von obigem in Kenntnis gesetzt und ersucht, inzwischen weitere Vertrei-bungen (expulsions) der deutschen Bevöl-kerung einzustellen, bis die betroffenen Regierungen die Berichte ihrer Vertreter an den Kontrollausschuß geprüft haben.

______________

Anmerkungen

[1] Großbritannien (vertreten durch Winston Churchill, ab 29. 7. Clement Attlee), die UdSSR (Josef W. Stalin) und die USA (Harry S. Truman). Die französische Regierung erklärte am 7. 8. 1945 u.a.: „Bei der Komplexität des Problems ist die französische Regierung, der die wesentlichen Tatsachen noch nicht zur Kenntnis gebracht worden sind, gegenwärtig nicht in der Lage, zu dieser Frage eine endgültige Stellungnahme abzugeben.“

[2] Die Ausweisung sollte auch die Deutschen der Ostprovinzen des Deutschen Reichs und Danzigs, d. h. der sog. Oder-Neiße-Gebiete betreffen, die Polen bzw. der UdSSR lt. gleichem Potsdamer Protokoll (Ziff. VI, IX-B) nur zur Verwaltung übergeben wurden.

[3 a] Die Ausweisung umfaßte (neben zahlreichen Deutschen aus Jugoslawien) rd. 200.000 der über 600.000 Ungarndeutschen.

[3b] Im Gegensatz zur Regierung der Tschechoslowakei, welche die Vertreibung der Deutschen bei den Alliierten verlangte und aktiv betrieb, kam die ungarische Regierung nur zögerlich dem Druck der sowjetischen Besatzungsmacht nach, Deutsche zu vertreiben.

[3c] Die ungarische moralische Position wird auch durch andere Vorgänge charakterisiert, die auf tschechischer und polnischer Seite keine Parallele fanden: Laut FAZ vom 10. 4. 1996, S. 6: Am 8.01.1946 protestierte der katholische Bischof von Székesfehérvár (Stuhlweißenburg), Lajos Shvoj, bei der ungarischen und der US-Regierung gegen die gewaltsame Aussiedlung von Deutschen aus seiner Diözese. Qu.: Habel, Fritz Peter: Dokumente zur Sudetenfrage. München 2003.

[1]  Davon stammten: 4.541.000 oder 56,9 % aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, 1.918.000 oder 24,0 % aus der Tschechoslowakei bzw. dem ehem.Sudetenland, 650.000 oder 8,2 % aus der ehemaligen Republik Polen und der Freien Stadt Danzig, 639.000 oder 8,0 % aus Ost- und Südosteuropa.

[2]  Juni/Juli 1945:  250.000  (aus Ostbrandenburg, Hinterpommern, Niederschlesien) Sommer bis Spätherbst 1945:  400.000 (aus Pommern, Schlesien, Ostbrandenburg)

1946:  2 Mill. (aus Hinterpommern, Schlesien, südliches, polnisch verwaltetes Ostpreußen)
1947:  500.000  (aus dem sowjetisch besetzten Nord-Ostpreußen und allen Ostprovinzen)
1948:  150.000  (vornehmlich aus Nord-Ostpreußen)
1949:  150.000  (Nord-Ostpreußen und polnisch verwaltete Ostprovinzen)
1950/1951: 50.000

[3]Qu.: Gerhard Reichling: Die deutschen Vertriebenen in Zahlen. Teil I: Umsiedler, Verschleppte, Vertriebene, Aussiedler 1940–1985. 40 Jahre Eingliederung. Selbstverlag Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen Bonn 1986, S. 17 ff.]. –  Ab 1941 hatte die Sowjetunion 700.000 Russlanddeutsche nach Sibirien und Zentralasien verschleppt und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Weitere 310.000 sog. „Reparationsverschleppte“ folgten nach Kriegsende. Von den etwa 1 Mio. Zwangsarbeiternund Deportierten kehrten bis 1950 nur 30 % zurück. [Qu.: Heinz Nawratil: Die deutschen Nachkriegsverluste. Vertreibung. Zwangsarbeit. Kriegsgefangenschaft, Stalins deutsche Kzs (über-arbeitete und erweiterte Neuauflage). Graz: Ares-Verlag, 2008].

[4]Der erste sowjetische Angriff auf  Ostpreußen begann am 5.10.1944 mit der Schlacht um Memel und das Memel-land (Memeler Angriffsopration) und setzte sich am 16.10.1944 mit Vormarsch auf Gumbinnen fort (Gumbinnen-Goldaper Operation). Die Flucht im Kreis Memel beginnt am 8.10.1944. Im Süden bricht die Rote Armee am 09.10.1944 bei Heydekrug durch. Damit setzten auch die ersten Evakuierungen der Zivilbevölkerung ein. Betroffen waren zunächst das ostpreußische Memelland und die ostpreußischen Kreise Schloßberg (bis 1938 Pillkallen), Gumbinnen, Goldap u. Ebenrode (bis 1938 Stallupönen). Das Evakuierungsgebiet wurde noch im Okt. 1944  erweitert und erstreckte sich auf das gesamte Gebiet des Regierungsbezirks Gumbinnen, etwa 30 % der Fläche Ostpreußens. 600.000 Einw.  (25 % der Bevölkerung der Provinz) verließen ihre Heimat für immer. Am 18. Oktober überschritten Truppen der sowj. 11. Garde-Armee die deutsche Reichsgrenze im Raum südlich von Eydtkuhnen.   Am linken Flügel der 11. Gardearmee überquerte das 36. Garde-Schützenkorps der Roten Armee die Rominte und begann den Angriff auf Goldap. Am 23. Okt. wurden Goldap und Ebenrode von den Sowjets besetzt (Goldap konnte am 5. Nov. zurückerobert werden). Die sowjetischen Truppen setzten sich östlich einer Linie von Treuburg über Goldap und Darkehmen bis Schirwindt im deutschen Grenzgebiet fest. Nicht nur aus den im vom Feind besetzten Gebieten sondern auch aus den Kreisen Lyck, Treuburg, Angerburg, Angerapp, Insterburg, Tilsit-Ragnit und Elch-niederung flüchtete die Bevölkerung Richtung Westen, vornehmlich nach Pommern und Ostbrandenburg.

[5]Ostpreußen 2,5 Mill. Ostpommern (Hinterpommern) 1,8 Mill, Ostbrandenburg 660.000, Schlesien 4,7 Mill. (Stand 1944; Qu.:  59. Zuteilungsperiode der deutschen Lebensmittelversorgung).

[6]Die Zahl der deutschen Einwohner im Reichsgau Wartheland wird in der Lit. unterschiedlich angegeben. Die Zahlenangaben bewegen sich je nach Statistik zwischen 700.000 bis 1,1 Mill. Deutschen.Im Jahr 1944 lebten etwa 750.000-900.000 Deutsche im Warthegau (die eindeutschen bzw. rückgedeutschten Polen nicht mitgerechnet), nach anderen Angaben 900.000 bis 1,1 Million. Aus dem Altreichsgebiet siedelten sich nach 1939 fast 200.000 Deutsche neu im Wartheland an. Hinzu kamen 232.000 aus ihren Heimatgebieten ausgesiedelte Deutsche aus Osteuropa (u. a. Deutschbalten, deutsche Kolonisten aus der Sowjetunion sowie aus Südosteuropa). Die in der Deutschen Volksliste III und IV im Warteheland eingetragenen Personen flüchteten beim Vordringen der Roten Armee in der Regel nicht, wurden dann aber ebenso Opfer des sowjetischen Terrors wie auch polnischer Vergeltung und Rache.

[7]Es war der erste Präsident der DDR und frühere KP-Chef Wilhelm Pieck, der diese erstaunlich hohe Zahl von 18 Millionen Umgesiedelten in einem Redemanuskript erwähnte (Bundesarchiv, Nachlass Pieck, NY 4036-726, Bl. 1–2). Die höchste Schätzung von 18,1 Mio. stammt vom Schweizerischen Roten Kreuz aus dem Jahre 1949, zitiert nach De Zayas, Alfred M.: Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen, München 1977, S. 199. Diese Zahlen sind heute allerdings umstritten, vgl. Křen, Jan: Tschechisch-deutsche Beziehungen in der Geschichte. Von Böhmen aus betrachtet, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 28/96 5. Juli 1996, S. 21–27.

[8]Die „kalte“ Vertreibung setzte sehr oft sofort nach Eroberung und Besetzung der Heimatorte durch die Rote Armee ein. Diesen Kampftruppen folgten polnische Milizen und paramilitärisch organisierte Banden polnischer Nicht- kombattanten, die sowohl auf Raub als auch die Inbesitznahmder deutschen Wohnorte, Häuser, Bauernhöfe aus waren. Der Gesamtprozeß der „kalten“ Vertreibung verlief dabei durchaus planmäßig und organisiert. Ziel war die Vertreibung der Deutschen, um bis zur Siegerkonferenz in Potsdam vollendete Tatsachen zu schaffen.

[9]Potsdamer Konferenz 17.07. – 2.08.1945.

[10]Qu.:  Veränderungen des deutschen Bevölkerungsstandes östlich der Oder-Neiße-Linie infolge der Flucht und der Rückkehr im Jahre 1945. In: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen. Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße, Bd. 1, München 1984, S. 78 E (Einleitung).

[11]Nach dem Gebietsstand von 1937, mit Memelland (134.000 Einw.) u. Regierungsbez. Westpreußen (310.000 Einw.)

[12]Etwa 600.000 in den Regierungsbezirken Königsberg, Gumbinnen u. Allenstein, ca. 100.000 im ehemaligen (bis 1939 existierenden) Regierungsbezirk Westpreußen (Marienwerder) (dieser fiel 1939 an Danzig-Westpreußen). Etwa 200.000 Deutsche in Ostpreußen waren Rückwanderer. (Oatpreußen Juni 1945: 550.000 Deutsche im Süden der Provinz, 300.000 im Norden).

[13]Hinterpommern östlich der Oder.

[14]Die zahlenmäßige Übereinstimmung bedeutet nicht, daß dort keine Rückkehrer gewesen sind. Die 1 Mill. Deutschen in Hinterpommern waren im April/Mai zu einem großen Teil geflüchtete Deutsche aus Ost- und Westpreußen, die im Sommer 1945 bereits wieder in ihren dortigen Heimatorten waren. Entsprechend rückten die nach Vorpommern geflüchteten Deutschen wieder ein.

[15]Mit Neumark und der östlichen Niederlausitz.

[16]Danzig (Freistaat) im Gebietsstand 1937/1939.

[17]Qu.: Theodor Schieder: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten der östlich der Oder-Neiße, Bonn 1954, S. 155 E (Die einzelnen Etappen der Ausweisung).

[18]In Prag lebten 1945 ca.140.000 Deutsche, davon 80.000 urspr. Prager Deutscheu. 60.000 zugezogene Reichs-deutsche.

[19]Kreise Landskron, Zwittau, Mährisch Trübau und Hohenstadt, 1938 an das Sudetenland angegliedert.

[20]Brünn 1930: ca. 50.000 Dt.

[21]Sprachinsel, ca. 45.000 Dt.

[22]  Qu.: Theodor Schieder: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa, Bonn 1954.

[23]Danzig-Westpreußen: Im Dezember 1939 hatte Danzig-Westpreußen etwa 2,3 Millionen Einwohner, von denen etwa 1,5 Millionen im bis 1939 polnischen Gebietsteil, 302.000 in den früher ostpreußischen Kreisen (Regierungsbezirk Westpreußen) und 408.000 in der ehemaligen Freien Stadt Danzig lebten. Ende 1942 waren insgesamt 1.153.000 Personen in die vier Gruppen der Deutschen Volksliste warenaufgenommen, davon 870.000 in Gruppe 3, in die vor allem eingedeutschte Polen (d.h. deutschstämmige ehemals polnische Bürger) eingetragen wurden. Hinzu kamen etwa 50.000 „Reichsdeutsche“, die 1939 ff. in den Reichsgau zugezogen waren sowie 51.000 deutschbaltische Umsiedler. Polen machten 1942 weniger als ein Drittel der Gesamtbevölkerung des annektierten Teils aus.

Qu.: https://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/regionen/reichsgau-danzig-westpreussen

[24]Davon 302.000 im ehem. Regierungsbezirk Westpreußen (ab 1939 Marienwerder), 150.000 im Raum Bromberg u. Wirsitz (Netzedistrikt), 408.000 in Danzig und im Gebiet des fr. Freistaats, 50.000 zugezogene Reichsdeutsche u. 51.000 Ostumsiedler (Baltendeutsche).

[25]1944 lebten etwa 750.000-900.000 Deutsche im Warthegau (die eingedeutschen bzw. rückgedeutschten Polen nicht mitgerechnet), nach anderen Angaben 900.000-1,1 Million. Davon waren fast 200.000 Deutsche aus dem Altreichsgebiet zugezogen, hinzu kamen 232.000 aus ihren Heimatgebieten umgesiedelte deutsche Kolonisten aus Osteuropa (u. a. Deutschbalten, Rußlanddeutsche sowie Angehörige deutscher Minderheitengruppen aus Südosteuropa). Neben der Rücksiedlung der als Vertragsumsiedler bezeichneten Volksdeutschen wurden ab Sommer 1941 aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion 228.000 Volksdeutsche (vornehmlich Schwarzmeerdeutsche aus Transnistrien und der Südukraine sowie Wolhyniendeutsche aus Ost-Wolhynien) als sog. Administrativumsiedler in das Deutsche Reich umgesiedelt. Hauptaufnahmegebiet war der 1939 gebildete Reichsgau Wartheland. Bei Kriegsende wies der Warthegau eine deutsche Wohnbevölkerung von etwa 1,2 Millionen auf, die in der Regel nicht in der Statistik der deutschen Vertriebenen berücksichtigt werden. – Als Administrativumsiedler wurden die 228.000 Volksdeutschen bezeichnet, die nach einer Anordnung der Militär- und Zivilverwaltung des Dritten Reiches in den besetzten Gebieten der UdSSR (Reichskommissariat Ukraine, rumänisches Transnistrien) ohne einen zwischenstaatlichen Vertrag in den Jahren 1942-44 in den Warthegau oder ins Altreich umgesiedelt wurden. Fast alle von ihnen hatten bis Kriegsende die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen bekommen.

[26]Diese Zahl setzte sich folgendermaßen zusammen: 327.000 Alteinwohner, 200.000 zugezogene Deutsche aus dem Altreichsgebiet, 232.000 volksdeutsche Vertragsum-siedler, 232.000 volksdeutsche Administrativumsiedler, ca. 200.000 Deutsche u. Deutschstämmige gemäß der Deutschen Volksliste I – III.

[27]Die Gesamtzahl der alteingesessenen Deutschen in den bis 1939 polnischen Gebieten wird im Jahr 1939 mit 789.000 angegeben. Hinzu kamen die 169.000 aus Ostpolen in den Warthegau umgesiedelten Wolhyniendeutschen, Cholmerdeutschen u. Narewdeutschen sowie die nach 1939 in die „Neuen Deutschen Ostgebiete“ zugezogenen etwa 800.000 Reichsdeutschen sowie die 230.000 deutschen Umsiedler (Vertragsumsiedler) aus den auslandsdeutschen Siedlungsgebieten. Umgesiedelt wurden 1939/1941 insgesamt mehr als 650.000 Volksdeutsche: 64.000 Baltendeutsche (Lettland und Estland), 54.000 Galiziendeutsche (bis 1939 polnisches Ostgalizien), 74.000 Wolhyniendeutsche (Westwolhynien; bis 1939 Polnisch-Wolhynien), 11.900 Narewdeutsche (heutiges Ostpolen), 24.000 Cholmer und Lubliner Deutsche (bis 1939 zu Polen), 43.700 Bukowinadeutsche (sowjetische Nord-Bukowina), 93.500 Bessarabiendeutsche, 14.500 Dobrudschadeutsche (Rumänien) (nach anderen Angaben: 15.600), 53.000 Bukowinadeutsche (rumänische Südbukowina), 51.000 Litauendeutsche, 44.600 Ost-Wolhyniendeutsche, 104.000 Weichsel-Warthe-Deutsche (= Deutsche aus dem Territorium des 1939 gebildeten Generalgouvernement), 11.500 Gottscheer (Gottschee-Deutsche).

[28]  Qu.:  Reichling, Gerhard: Die deutschen Vertriebenen in Zahlen. Teil II: 40 Jahre Eingliederung in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1989, S. 14.

[29]  Allgemein zur SBZ/DDR-Flüchtlingsproblematik Plato, Alexander von und Wolfgang Meinicke: Alte Heimat – neue Zeit. Flüchtlinge, Vertriebene, Umgesiedelte in der SBZ und DDR, Berlin 1991, a. a. O.

[30]  Die Zahlen für 1948 stammen vom Umsiedleramt in Sachsen aus dem Jahre 1948, das sich seinerseits auf eine Statistik der sowjetischen Militäradministration stützte. Zitiert nach dem Aufsatz der DDR-Historikerin Just, Regine: Zur Lösung des Umsiedlerproblems auf dem Gebiet der DDR 1945 bis Anfang der 50er Jahre, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (der DDR), 35. Jahrgang 1987, H. 11, S. 971–984. Regine Just schrieb auch ihre Dissertation zu diesem Thema: Just, Regine: Die Lösung der Umsiedlerfrage auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Dargestellt am Beispiel des Landes Sachsen (1945–1952), Dissertation A, Magdeburg 1985. In beiden Arbeiten stützt sie sich vor allem auf das Staatsarchiv Dresden und das Bezirksparteiarchiv der SED Dresden. Die Zahlen für 1949 sind zitiert nach Meinicke, Wolfgang: Zur Integration der Umsiedler in die Gesellschaft 1945–1952, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (der DDR), 26. Jahrgang 1988, H. 10, S. 868.

[31]  Seit 1948 waren viele Umgesiedelte aus der SBZ/DDR geflohen oder nach einigen Jahren weiter gezogen, vermutlich um die 1 Million; seit 1945 bis 1961 vermutlich 2,7 Mio. Personen insgesamt, also nicht nur Vertriebene.

[32]Kleßmann, Christoph: Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945–1955, Bonn 1991, S. 41.

[33]Qu.: https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_Deutschlands

[34]Im Jahr 1950 war es 70.000 Deutschen aus Rußland (von insgesamt 12,2 Millionen deutschen Vertriebenen in den Westzonen) gelungen, in die BRD zu gelangen; 5.000 Rusßlanddeutsche (von insgesamt 4,1 Millionen deutschen Vertriebenen in der SBZ) lebten zu diesem Zeitpunkt in der DDR.

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