Gedanken zu Begriffen von „Nation“ und „Imperialismus“
Mittwoch, 27. Mai 2026 von Adelinde |
Der Sturmzeichen-Verlag
veröffentlichte kürzlich in seiner „Kolumne von Gottfried Küssel“ dessen Gedanken um Nation und Imperialismus, die mit freundlicher Genehmigung des Verlages auch hier bei Adelinde zu Wort kom-men sollen. Sie werden durch ungewohnte Be-griffsbestimmung u.U. zu Widerspruch heraus-fordern:
Wissen um die eigene Herkunft und Leben in gegenseitigem Vertrauen widersprechen einander nicht. Warum muß so ein Satz am Anfang stehen? Damit wir uns nicht im Begriffswirrwarr verirren.
Die Grundlage des menschlichen Überlebens liegt seit Jahrmillionen in der Familie. Nicht in der Familie, wie wir sie von den Kirchen seit Jahrhunderten eingeredet bekommen, im Vater-Mutter-Kind-System, sondern in der Familie, die das Zusammenleben mehrerer Generationen ermöglicht.
Es ist nicht der Hobbes‘sche Wahn, daß der Mensche als einsamer Wilder durch die Ge-gend streift und das stärkere Individuum sich gewalttätig durchsetzt, der die Geschichte der Art Mensch beschreibt. Das wußte (be-hauptete!) schon Darwin, der vom Überleben der Fittesten schrieb.
Die Grundlage ist die Familie, die Sippe, oder wie auch immer man diese Großgruppe be-schreiben will, die – so wir an unsere Art an-gepaßt leben – unser Überleben garantiert.
Diese ist der Ursprung (weil schon in vor-menschlichen Gemeinschaften bestehend), und an diese sind wir adaptiert, diese ist unsere „natio“!
Und die innere Ordnung, die nicht festge-schrieben war und ist, sondern die sich im-mer an Zeit und Situation anpaßte, muß um das gemeinschaftliche Überleben, also das Überleben der Einzelnen in der Familie und der Familie in der Welt ermöglichte und ga-rantierte, bestand durch Jahrmillionen.
Im lateinischen Wortstamm „parare“ (berei-ten, vorbereiten, ordnen) sehen wir die Ordnung.
Die Familie bedarf der Ordnung, um zu überleben, sie will „in parare“ sein, geordnet und vorbereitet auf Unannehmlichkeiten. Sei es schlechtes Wetter, sei es ein harter Winter, oder sei es eine Gruppe böser Spitzbuben, die auf das Eigentum gewalttätig zugreifen möchte.
Durch die Zeiten ent- und verwickelten sich die Worte und Begriffe, und so entstand be-grifflich aus der „Geburt“ und „Herkunft“, also aus der „natio“ die „Nation“, und das „in para-re“ wurde zum „Imperium“.
Der eigene Urspung und das Leben, geordnet in der Gemeinschaft, sowie die Bezüglichkeit darauf widersprechen einander wohl nicht, sondern ergänzen einander doch eher wun-derbar.
Es waren die jeweils aktuellen machtpoli-tischen Verhältnisse, die den Begriffen immer neue Bedeutungen zuwiesen und uns so in das eingangs erwähnte Begriffswirrwarr stürzten. Und wir konnten es uns leisten, über Dinge nachzudenken – hurra!
Doch jene, die das Nachdenken zu ihrem Lebenssinn machten, trennten die Begriffe von ihrem Ursinn. Sie abstrahierten sie. Die „ismen“ waren in der Welt!
So wurde die Eigenschaft, auf die natio be-dacht zu sein, als „national“ bezeichnet, und der abstrahierte Begriff nannte sich „Nationa-lismus“. Und die Ordnung wurde zur „Herr-schaft“, wurde zum „Herrschaftsgebiet“, wur-de als gedankliches Konstrukt der „Imperia-lismus“.
Aber jetzt ging es erst richtig los.
Gefühle wurden zu Gedanken, Gedanken zu Worten, und nun ließ es sich prächtig strei-ten. Theorien und Überlegungen wurden hin- und hergewälzt. Allein, verloren ging der Ursinn! Und damit nicht genug, war man nicht nur mehr anderer Meinung, anderes Wissens, sondern gründete eine theoretische Gegnerschaft. Es wurde dem bekämpften Begriff noch das -anti vorangesetzt.
Und auch wenn keiner mehr die Wurzeln kannte, eigentlich nicht mehr klar war, worüber gestritten wurde, man hatte ein „anti“ und einen „ismus“, an dem man sich herrlich abarbeiten konnte und dem eigenen Denken einen Begriff gab! Das „ego“ war befriedigt. Und wie!
Steht Nationalismus also in Gegensatz zum Imperialismus? Nach dem vorher Gesagten sollte so manchem bei dieser Frage das Grauen über den Rücken laufen.
Die Familie- bzw. Sippengemeinschaften erarbeiten ihre Ordnung stetig neu, können sich gegenwärtigen Notwendigkeiten spontan anpassen. Dadurch, daß sie sich unterein-ander kennen und wissen, wie sie sich ge-genseitig einzuschätzen haben, werden auch Ethik und Moral nicht beiseitegelassen.
In der nächsthöheren Ebene der Landschaft, dem Bezirk wird es schwieriger. Auch wenn es noch persönliche Bekanntschaften gibt, die persönlichen Loyalitäten schwächen sich ab, und Ordnngsstrukturen werden wichtiger.
Und je größer Strukturen werden, desto wichtiger wird die Ordnung, auf die sich verlassen werden kann. Ja, die verdammte „Ordnung“ als abstraktes Regelwerk!
Worin besteht nun das Risiko im Nationa-lismus? Darin, daß er seine funktionierende Ordnung als alleinig richtige betrachtet, ungeachtet wo und wann.
Worin besteht das Risiko des Imperialismus? Darin, daß er seine funktionierende Ordnung andern auszwingen will.
Sind also Nation und Imperium Gegensätze? Natürlich nicht, vielmehr sollten sie sich zu einem gemeinschaftlichen Ganzen finden.
Und auf dem Weg dorthin ist es – auch – unsere Aufgabe, pingelig darauf zu achten, daß wir nicht „falsch abbiegen“. Zum Wohle unserer Nation und zur Sicherung einer Ordnung, die angenommen werden kann und dienlich ist.