Der jüdische Landraub in Palästina
Dienstag, 28. Juli 2026 von Adelinde |
Thomas Engelhard
am 24.07.2026 über den jüdischen Landraub in Palästina und den Peel-Plan aus dem Jahr 1937. Mit einem Exkurs über die Palästinadeutschen
Erklärungen zur anhängenden Landkarte.
Diese aufschlußreiche Kartendarstellung ist dem von Leopold von Mildenstein[1] im Jahr 1934 veröffentlichten Reisebericht[2] ent-nommen, der darin die im Jahr 1933 unter-nommene Fahrt durch das britische Mandats-gebiet Palästina und die Nachbarterritorien Revue passieren ließ.
Dabei handelt es sich um ein überaus wichtiges und einzigartiges zeitgeschicht-liches Dokument. Der Reisebericht erschien wenige Jahre später, 1938, auch in Buchform.[3]
Die künftigen Grenzen des in Planung befindlichen und absehbaren jüdischen Teilstaates auf dem Territorium Palästinas zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung des Berichtes v. Mildensteins (1934) waren nur ungefähr bekannt und noch nicht veröffentlicht.[4]
Diese als Teilungsgrenze Palästinas ins Auge gefaßte Grenzlinie zwischen dem arabischen und dem jüdischen Teilstaat wurde in der Kartendarstellung mit einer roten Linie kenntlich gemacht.
Die entsprechend dem Teilungsplan vor-gesehene britische Zone (einschließlich Jerusalems und Bethlehems), die weiterhin unter Mandatsverwaltung verbleiben sollte, wurde hier gelb markiert.[5]
In diesem britischen Korridor hätten nahezu alle den drei Offenbarungsreligionen bedeutsamen heiligen Stätten gelegen.
Für die arabische Stadt Jaffa (jetzt Stadtteil von Tel Aviv) war eine Sonderregelung in-sofern vorgesehen, daß die Hafenstadt, eingeschlossen von dem britischen Korri-dorgebiet und dem zum geplanten jüdischen Teilstaat gehörenden Territorium eine arabische Enklave geworden wäre. Jaffa war als Hafen für den arabischen Teilstaat vorgesehen.[6]
Beachtenswert ist, daß dieser Peel-Teilungs-plan für den jüdischen Teilstaat ein Territo-rium von ca. 2.100 km² vorsah.[7] Das ent-sprach weniger als 10 % des Gesamtter-ritoriums Palästinas (in den Grenzen von 1937). Damit entsprach die von William Peel geleitete Untersuchungskommission tatsächlich nur annähernd dem Bevölkerungsproporz.
Zum Zeitpunkt der Einsetzung der im Auftrag der Mandatsverwaltung eingesetzten Kom-mission (August 1936) lebten bereits 470.000 Juden in Palästina. Diese machten etwa 30 % der damaligen Gesamtbevölkerung aus.
Jedoch wies die Kommission den Juden die fruchtbarsten und für die Landwirtschaft geeignetsten Ländereien zu, darunter die fruchtbare Küstenebene von der bereits damals rein jüdischen Stadt Tel Aviv bis zu einem Punkt nördlich von Haifa bzw. südlich bis Jaffa/Be’er Tuvia.[8]
Darüber hinaus wurden dem geplanten Ju-denstaat Teile des palästinensischen Nordens und der Region um den See Genezareth und damit das Gros der jüdisch-zionistischen Agrar- und Genossenschaftssiedlungsgebiete zugewiesen.
Tul Karem (jetzt Tulkarm)[9], eine der ersten und ältesten jüdischen Genossenschaftsdör-fer in Palästina, lag aber beispielsweise außerhalb des Territoriums des geplanten jüdischen Staatswesens und wurde von den Juden noch vor der Staatsgründung Israels geräumt und aufgegeben.[10]
Der Peel-Plan kann in der Gesamtschau, insbesondere aber in der Nachbetrachtung, als ausgewogener Versuch zur Lösung des ekalierenden palästinensisch-jüdischen Konflikts gesehen werden.
Keine der beiden Seiten wurde bevorteilt. Vergleicht man die von der Peel-Kommission in Aussicht genommene Grenzziehung zwi-schen den arabischen und den jüdischen Gebieten mit dem Teilungsplan der Ver-einten Nationen aus dem Jahr 1947[11], der die Grundlage für die Unabhängigkeitser-klärung des Staates Israel war, fällt der gewaltige Unterschied ins Auge.[12]
Der UNO-Teilungsplan war (nicht allein aus arabisch-palästinensischer Sicht) in hohem Maße ungerecht. Der jüdische Staat sollte 56% der Fläche Palästinas umfassen (die 600.000 Juden machten aber lediglich etwa 30 % der Gesamtbevölkerung Palästinas aus!), darunter 84 % des gesamten für Ackerbau geeigneten Landes Palästinas, zu dem alle Anbauflächen für Zitrusfrüchte (diese befan-den sich zur Hälfte in palästinensischem Besitz) und die meisten für Getreide (größ-tenteils in palästinensischem Besitz) gehörten.
80 % der als „kultivierbar“ eingeschätzten Flächen im jüdischen Staat befanden sich zum Zeitpunkt der Teilung noch in arabisch-palästinensischem Besitz.
Die neue Staatsgrenze sollte so nahe an den Stadtgrenzen der arabischen Grenzstädte Tulkarm, Qalqilia, Lydda, Ramla Gaza und Beerscheba verlaufen, daß alle einen großen Teil ihres alten Landkreises und des agrari-schen Hinterlands verloren hätten; Jaffa sollte als künftige arabische Hafenstadt ganz auf sein Stadtgebiet beschränkt werden.
Anstatt daß 30,8 % der Bevölkerung (Juden) eine Minderheit in einem eige-nen Staat wären, sollten nun mit den 434.500 Palästinensern im geplanten jüdischen Staat 47,1% der Bevölkerung dauerhaft eine Minderheit in demselben bleiben (heute sind 20 % der israeli-schen Staatsbürger Araber, insgesamt etwa 2,1 Mill., die die israelische Staatsbürgerschaft besitzen (diese gelten als israelische Araber, nicht als Palästinenser).
Im palästinensischen Staat dagegen hätten gemäß dem Peel-Plan lediglich 20.000 Juden gelebt (!).
Die Konflikte um Land und vor allem um Wasser und die damit verbundenen Wasser-rechte setzen sich bis heute fort. In den vergangenen Jahrzehnten sind die israeli-schen Besatzer dabei immer rigoroser und brutaler vorgegangen.
Der Jordan ist aufgrund der rücksichtslosen und exzessiven Wasserentnahme zu einem Rinnsal geworden, und der Wasserzufluß ins Tote Meer geht heute faktisch gegen Null. Der Wasserzufluß zum Toten Meer hat sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte drastisch verringert:
Während vor hundert Jahren noch ein natür-licher, intakter Wasserkreislauf mit dem Jordan als starkem Hauptzufluß existierte, werden heute rund 95 Prozent des Fluß-wassers künstlich abgezweigt, was zu einem jährlich sinkenden Wasserspiegel des Toten Meeres von etwa einem Meter führt.
Der Kampf um die Wasserrechte der arabi-schen Palästinenser ist von enormer Un-gleichheit geprägt. Hinzu kommt die Ver-waltungskontrolle durch die israelischen Besatzer. Sowohl im Westjordanland, mehr noch aber im Gaza-Streifen herrscht chronischer Mangel an Trink- und Brauchwasser.
Kernprobleme sind die ungleiche Verteilung des zur Verfügung stehenden Wassers im Westjor–danland, die strengen Genehmi-gungspflichten für neue Brunnen sowie die katastrophale Zerstörung der gesamten Infrastruktur im Gazastreifen.
Große Grundwasserleiter unter dem West-jordanland werden heute maßgeblich von der israelischen Wassergesellschaft kontrolliert. Israelis und die jüdischen Siedler verbrauchen pro Kopf ein Vielfaches mehr an Wasser als die palästinensisch-arabische Bevölkerung.
Wasserprojekte der einheimischen arabischen Bevölkerung müssen von einem gemeinsa-men Ausschuß (Joint Water Committee) genehmigt werden, in dem Israel das Veto innehat. Viele palästinensische Brunnen- oder Leitungsanträge werden bewußt jahrelang verzögert oder ganz abgelehnt.
Ein Großteil des Westjordanlands leidet zu-dem unter veralteten Versorgungsnetzen und nur ein geringer Teil des Abwassers wird ge-reinigt, was die knappen Grundwasserre-serven zusätzlich belastet. Soweit zur heutigen Lage. Doch kehren wir zurück zur Vorgeschichte, die alle diese heutigen Gegebenheiten erst ermöglichte (bzw. sogar gezielt vorbereitete!):
Im Gesamtzusammenhang wichtig erscheint der Hinweis, daß von der sechsköpfigen Peel-Kommission[13] 1936 und 1937 mehrere Teilungsvarianten geprüft und vorgestellt wurden.
Die Mitglieder der Kommission, die im Je-rusalemer King David Hotel residierte, ihre Büros und Arbeitsräume aber im nahen Palace-Hotel unterhielt, hörte britische, arabische und jüdische Sprecher und Vortragende.
Die Sitzungen waren in der Regel nichtöf-fentlich. Die Kommission hatte die einzelnen Interessen abzuwägen und sich auf einen Beschluß zu einigen.
Der im mehr als 400 Seiten umfassenden Abschlußbericht vorgeschlagene Teilungsplan berücksichtigte annähernd die zu diesem Zeitpunkte gegebene Situation.[14]
Das britische Mandatsgebiet Palästina (ara-bisch Filistin, hebräisch Erez Jisrael) umfaßte zum Zeitpunkt der Abfassung des Berichts (1937) 26.305 km² und hatte damals 1,38 Millionen Einwohner[15], mehrheitlich Araber (Palästinenser). Der jüdische Bevölkerungs-anteil machte 28 % aus.
Im Jahr 1939 lag der arabische Bevölke-rungsanteil bei 1,15 Millionen Einwohnern. Darüber hinaus lebten zu diesem Zeitpunkt bereits 477.500 Juden in Palästina (= 30 %).[16]
Infolge der forcierten und von den palästi-nensischen Arabern bekämpften Einwan-derung wuchs der jüdische Bevölkerungs-anteil seit 1920 von 9 % auf 29 % der Gesamtbevölkerung.
In einem Bericht stellte 1947 der US-ameri-kanische Geheimdienst CIA hierzu fest:
„Ein erheblicher Teil des Weltjudentums bevorzugt aus verschiedenen Gründen die Teilung nicht als Lösung des Palä-stina-Problems. Die extremen Zionisten lehnen die Teilung ab und fordern ganz Palästina und Transjordanien für einen jüdischen Staat. […]
Die nicht-zionistischen Juden, die zahl-reich sind, aber nicht entschieden Stel-lung beziehen, lehnen die Teilung ab. Sie argumentieren, der Versuch einer mili-tanten Minderheit, einen Nationalstaat auf der Basis eines religiösen Glaubens zu errichten, gefährde die primären Interessen des Weltjudentums (insbeson-dere fürchten die meisten Juden in den arabischen Staaten, außer in Palästina, daß der Zionismus die Araber verärgern und somit die langjährige und relativ sichere Minderheitenposition der Juden gefährden könnte). […]
Die moderaten Zionisten, hauptsächlich vertreten durch die World Zionist Orga-nization und die Jewish Agency, befür-worten den Teilungsplan der UNSCOP, allerdings mit gewissen Vorbehalten.
Die Agency, die sich keine Sorgen wegen der Aussicht auf einen Bürgerkrieg in Palästina macht, hat wiederholt behaup-tet, daß sie über ausreichend bewaffnete Kräfte verfügt, um einen jüdischen Staat gegen die Araber zu verteidgen.
Die Agency denkt, daß sie […] den jüdi-schen Staat möglicherweise auf ganz Palästina und vielleicht auch Transjor-danien ausweiten könnte. Demnach sehen selbst die moderaten Zionisten die Teilung nicht als endgültige Lösung des Palästina-Problems an.“[17]
Über Palästina
Die Nord-Süd-Ausdehnung des seinerzei-tigen Mandatsgebietes (einschl. eines bereits damals sich bis zum Golf von Akaba erstrek-kenden sich territorial verjüngenden Korri-dors) betrug 420 Kilometer. Die Küstenlinie (Seegrenze) erstreckte sich nördlich vom Kap Nakura (Ras en-Nakura)[18] bis zur ägyptischen Grenze im Süden.
Palästina ist ein ungemein vielgliedriges Land und wird sowohl von Ebenen (Saron-/Scha-ron-Ebene) als auch von Gebirgen (Hebron-Gebirge) und Bergländern (Judäisches Bergland)[19] gekenn-zeichnet.
Das relativ kleine Land läßt sich geographisch in vier Regionen unterteilen: die Mittelmeer-küste, das Zentrale Bergland[20], die Negev-Wüste und das Jordan-Tal.
Östlich des Judäischen Berglandes erstreckt sich bis zum Jordan die Judäische Wüste.[21] Nördlich der Judäischen Wüste schließt sich die Negev-Wüste[22] an. Der überwiegende Teil des Landes besteht aus Berg- und Hügelland.
Das Land weist aber auch abgesehen vom Jordan-Fluß auch mehrere ganzjährig wasserführende kleine Flüsse auf.[23] Das aus der mitteleuropäischen Perspektive wüstenhafte und aride Land erweist sich bei genauerer Betrachtung als weitaus vielfältiger.
In Galiläa fällt das Land nach Osten zum Graben des Toten Meeres steil ab. Ebenso in Samaria. Hier fällt die Landschaft mit dem stark zerfurchten Wadi Fara steil zum Jordan-Graben hin ab. Die Landschaft in Ober-Gali-läa ist ein Plateau-Gebirge, Unter-Galiläa dagegen wird durch mehrere Ost-West-Brüche in überaus fruchtbare Talungen erlegt.
Hier ist besonders die Sebulon-Ebene zu nennen. Die Bruchsenke der Jesrael-Ebene (arabisch Merdsch ibn-Amir) stellt den ein-zigen Durchlaß zum Jordan-Tal dar und trennt Ober-Galiläa vom niedrigeren Bergland Samaria (hebräisch Schamon).[24]
Dieses Bergland in Samaria setzt sich südlich im zerklüfteten kuppeligen Hochland fort, gipfelnd im Tell Asur (arabisch El-Asur 1.011 m.). Diese vielgestaltigen Landschaften laufen im Süden in der judäischen Bergwüste von Birscheba[25] aus. In der kahlen Fels- und Gebirgswüste Sinn (mit dem Dschebel Lussan, 1.205 m) steigt das schwellige Hochland dann wieder an.
Der Osten des Landes wird durch den unter dem Meeresspiegel liegenden Jordan-Graben gekenn-zeichnet. Im Norden des Jordantals liegt die sumpfige Niederung des 2 m über dem Meeresspiegel liegenden Merom-Sees (jetzt Chula-See)[26] (ara-bisch Bahr-el-Hulke, in der Antike Semachonites).
Der flußabwärts gelegene Tiberias-See (See Genezareth; arabisch Bahr el-Tabarije bzw. Kineret)[27] liegt in der Guwer genannten Landschaft der Graben-Senke des Jordan. Von dort fließt der Jordan bis ins 387 m unter dem Meerespiegel liegende Tote Meer (arabiasch Bahr e-Lut).[28]
Im sich anschließenden wüstenhaften und während des Sommers vollkommen trocke-nen, teilweise auch versumpften Wadi el-Araba steigt der Jordangraben dann bis zum Golf von Akaba an.
So vielgestaltig das flächenmäßig relativ kleine Land ist, so unterschiedlich sind auch die klimatischen Verhältnisse. In der Jordan-senke steigen die Temperaturen im Sommer bis auf 45 °C. In Jerusalem sind im Frühjahr oft Schneefälle zu verzeichnen. Die Küsten-ebene ist erträglich, es herrscht maritimes Klima. Für die Landwirtschaft wichtiger Regen fällt dort im März und April und im Oktober und November.
In der Karte ersichtlich sind die deutschen (schwäbischen) Kolonien Bethlehem (nicht mit der von Christen bewohnten und 1934 noch nahezu vollständig christlichen Stadt Bethle-hem südlich von Jerusalem zu verwechseln!), Waldheim[29] und Neuhardtsdorf östlich von Haifa.[30]
Bei Tel Aviv, ebenfalls in der Karte zu sehen, lagen die Templer-Siedlungen Wilhelma und Sarona[31].Es handelte sich um Musterkolo-nien der ursprünglich württembergisch-schwäbischen Templer-Sekte.
Ab 1869 wanderten Mitglieder der württem-bergische Tempelgesellschaft unter der Leitung von Christoph Hoffmann und Paulus Hardegg nach Palästina aus, um dort zu leben und das Kommen Christi vorzubereiten.
Die deutschen Templer-Kolonien in Palästina waren sieben Hauptsiedlungen, die ab 1869 von der württembergischen Tempelgesell-schaft in bzw. bei Haifa, Jaffa und Jerusalem gegründet wurden. Diese pietistischen Kolo-nien prägten die gesamte Region seinerzeit nicht unwesentlich.
Die Kolonien modernisierten die Region durch Einführung europäischer Land-wirtschaftsmethoden, durch Handwerk und Verkehrsbauten nicht unerheblich. Zu den bekanntesten Siedlungen der deutschen Templer zählten Haifa, Jaffa, Jerusalem, Sarona (jetzt zu Tel Aviv) und Wilhelma.
Nach Kriegsbeginn 1939 wandelte die Mandatsregierung die vier landwirtschaft-lichen Kolonien Sarona, Wilhelma, Bethlehem und Waldheim in britische Internierungslager um und wies dort die im Lande verbliebenen Deutschen ein.
Die wehrfähigen Männer wurden in einem Lager bei Akko (Akkon) interniert. 1941 erfolgte die Deportation von 665 deutschen Internierten mit dem britischen Truppenschiff „Queen Elizabeth“ in das Lager Tatura (Camp 3) im australischen Staat Victoria.
Im Gegenzug dafür, daß weitere 1.000 Temp-ler aus Palästina nach Deutschland ausreisen durften, wurde zwischen 1941 und 1944 insgesamt 550 jüdischen Familien die Aus-reise aus dem Deutschen Reich gestattet.
Darüber hinaus wurden 281 holländische Juden aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen entlassen und die Ausreise genehmigt.
Das australische Internierungslager Tatura wurde 1947 aufgelöst. Die dort internierten Templer nahmen das Angebot der australi-schen Regierung an und blieben im Land.
Am 17. April 1948, einen Monat vor der israelischen Unabhängigkeitserklärung, besetzten bewaffnete jüdische Trupps die ehemalige Templer-Kolonie Waldheim. Die dort noch verbliebenen Internierten wurden durch die britischen Behörden in ein Camp (Zeltlager) für deutsche Displaced Persons nach Famagusta auf Zypern deportiert.
Von Britisch-Zypern aus wanderten die Mehrzahl der Palästina-Deutschen nach Australien aus; eine Minderheit kehrte nach 1949 jedoch nach Württemberg zurück.
Die jüdische Kolonisation in Palästina hatte Mitte der 1930er-Jahre durch Kauf, Verdrän-gung der ursprünglich dort siedelnden ara-bischen Beduinen und Ersitzen von Grund und Boden bereits die besten für die Land-wirtschaft geeigneten Gebiete in der Scharon-Ebene, in der Jisrael-Ebene, am Tiberias-See ud am Hula-See[32] in ihren Besitz gebracht und ging dazu über, die arabischen Bauern (Fellachen) gewaltsam zu verdrängen und deren Ländereien widerrechtlich oder auch durch Kauf in Besitz zu nehmen.
All das geschah vor den Augen und mit Dul-dung der britischen Mandats-behörden. Im Jahr 1935 betrug der jüdische Landbesitz in Palästina bereits 2,31 Millionen Dunam (= 2.317 Quadratkilometer). Das entsprach 8,8 % des Territoriums des britischen Mandats-gebiets, aber mehr als 25 % der gesamten zur Verfügung stehenden landwirtschaft-lichen Nutzfläche[33] (!).
Der jüdische Landbesitz setzte sich 1935 folgendermaßen zusammen:
Jüdischer Nationalfonds (JNF): 836.000 km²
Palestine Land Development Company: 579.000 km²
Palestine Jewish Colonization Association (PICA): 430.000 km
Privater jüdischer Besitz: 432.000 km
Mehr als die Hälfte dieses jüdischen Landbe-sitzes in Palästina (52,6%) wurde von nicht-palästinensischen Großgrundbesitzern (in der Regel im Ausland lebend) erworben.
24,6 % der Landflächen wurden von ansäs-sigen palästinensisch-arabischen Grundbe-sitzern aufgekauft. Etwa 13,4 % der Lände-reien befanden sich in der Hand von Insti-tutionen (örtliche Verwaltungen, Kirchen, Klöster und nicht-jüdische Glaubensge-meinschaften, ausländische Unternehmen) und gingen durch Kauf oder Übertragung in jüdischen Besitz über. Rund 9,4 % der Bodenflächen stammten aus dem vorherigen Besitz der alteingesessenen arabischen Bauern (Fellachen).
Bewirtschaftet wurden die aufgekauften und in jüdischen Besitz übergegangenen Flächen hauptsächlich von jüdisch-zionistischen Genossenschaften, den Kibuzzim[34] u. Moschawin[35].
Die größten Städte Palästinas waren (Stand 1938):
Jerusalem, 126.000 Einwohner (überwiegend arabisch)
Tel Aviv, 146.000 Einw. (rein jüdisch)
Haifa (überwiegend arabisch), 100.000 Einw.
Jaffa (rein arabisch), 69.000 Einw.
Zum Vergleich die heutige Situation (nur Israel, Stand 2025):
Jerusalem: 1.050.000 Einwohner
Tel Aviv-Jaffa: 605.000 Einwohner
Haifa: 300.000 Einwohner
Petah Tikva: 270.000 Einwohner
Rishon LeZion: 260.000 Einwohner
Ashdod: 225.000 Einwohner
Netanya: 225.000 Einwohner
Beersheba: 210.000 Einwohner
Holon: 195.000 Einwohner
Ramat Gan: 170.000 Einwohner
Die arabischen Großstädte im palästinen-sischen Autonomiegebiet (israelisch besetzt bzw. kontrolliert) (nach dem Zensus aus dem Jahr 2017):
Gaza 631.000 al-Quds[36] (Ostjerusalem) 281.000[37] (360.000 palästinensische Araber u. 250.000 jüdische Siedler)[38]
Chan Junis 246.000
Dschabaliya 222.000
Rafah 210.000
Al-Chalil (= Hebron) 200.000
Nablus 160.000
Ersichtlich ist anhand dieser Zahlenangaben, welche gewaltigen Bevölkerungsverschie-bungen in den vergangenen nahezu 100 Jahren innerhalb Palästinas stattgefunden haben.
Um nur dieses Beispiel zu nennen. Gaza-Stadt ist heute Synonym für das Leid der vertriebenen und unter dem verbrecherischen Besatzungsterror der Israelis leidenden Palästinenser.
Das schon in der Antike bekannte Gaza (Gasa) aber war ursprünglich phönizisch, in der römischen und byzantinischen Zeit jüdisch, später arabisch besiedelt. Die Ge-schichte dieses Gemeinwesens war zu allen Zeiten von Leid, Zerstörung und Gewalt geprägt.
Alexander der Große eroberte und besetzte 332 v. Z. die Stadt, die gesamte Bevölkerung wurde massakriert. Vierhundert Jahre später, im Jahr 98 n. Z. eroberte Alexander Jannäus, der König des jüdischen Königreichs Juda (aus dem noch heute existierenden Ge-schlecht der Hasmonäer) Gasa und metzelte die Bevölkerung nieder.
Bis zum I. Weltkrieg und noch in den 1920er/1930er-Jahren war das Land verkehrsmäßig wenig erschlossen. Die Eisenbahnlinien (heute mit den alten Streckenverläufen nicht mehr existent)[39] umfassten ein Liniennetz von etwa 1.000 km (Eisenbahnverbindungen Jaffa-Jerusalem[40], Haifa-Gaza-Stadt-Suez-Kanal[41], Haifa-Dera[42] (mit Anschluß an die heute ebenfalls nicht mehr existierende Hedschas-Bahn), Haifa-Tel Aviv/Jaffa[43] und Haifa-Akka (jetzt Akkon).
Herausragend war die damals sehr gut aus-gebaute und überregional bedeutende Überlandstraße von Haifa, zugleich wichtig-ster Hafen Palästinas, nach Bagdad.
Verwaltet wurde Palästina von einem briti-schen Oberkommissar (High Commissioner) und einem aus drei Mitgliedern bestehenden Ausführenden Rat (Exekutive Council). Der vorgesehene Gesetzgebende Rat wurde nie gebildet, weil die arabische Bevölkerung Palästinas die Wahlen als fremdbestimmt blockierte. An Stelle dieses Gesetzgebenden Rats übte ein vom britischen Oberkommissar eingesetzter und ernannter Rat (Advisory Council) die gesetzgebende Gewalt aus.
Administrativ bestand Palästina aus vier Verwaltungseinheiten (Distrikte): Süd, Jerusalem, Haifa-Samaria, Akka-Galiläa.
Das zum osmanischen Reich gehörende Palästina wurde 1917 von den Briten erobert und besetzt und unter britische Verwaltung gestellt. Gemäß der Balfour-Deklaration v. 2.11.1917 wurde die jüdische Einwanderung nach Palästina massiv forciert und so eine schleichende Judaisierung des arabischen Palästina vorgenommen.
Die als Gegenreaktion organisierten Auf-stände der arabischen Bevölkerung wurden durch die Briten gnadenlos und brutal nie-dergeschlagen. Ziel war von Beginn an die Schaffung einer jüdischen „Nationalen Heimstätte“ in Palästina.
Diese Entwicklungen führten jedoch zum Entstehen einer arabischen National- und Befreiungsbewegung, an der sich auch die arabischsprachige christliche Bevölkerung Palästinas beteiligte (die Juden differen-zierten nicht zwischen moslemischen und christlichen Arabern).[44]
Seit 1919 tagten alljährlich die arabischen Nationalkongresse und Nationalversamm-lungen, die gegen die jüdische Landnahme in Palästina intervenierten und die britische Mandatsverwaltung aufforderten, diese zu unterbinden.
Allein in den eineinhalb Jahrzehnten zwischen 1920 bis 1935 floß die damals enorme Sum-me von 120 Millionen britischen Pfund[45], finanziert von der jüdischen Plutokratie an der US-amerikanischen Ostküste und jüdischen Finanziers in der City of London, nach Palästina, um jüdische Landkäufe zu ermöglichen.
Die jüdische Landnahme und Bevölkerungs-zunahme (die Gesamtzahl der in Palästina siedelnden Juden hatte sich seit Ende des I. Weltkrieges bis Mitte der 1930er-Jahre verdoppelt) führte britischerseits zu dem Vorhaben, Palästina zum Nachteil der alt-eingesessen arabischen Bevölkerung (Beduinen und Fellachen) in einen jüdischen und einen arabischen Teil aufzuspalten. Ein kleinerer Teil sollte unter britischem Mandat verbleiben. Eine Alternativlösung sah vor, Jerusalem unter internationale Verwaltung zu stellen.
Die britischen Pläne führten, nachdem diese bekannt geworden waren, zu verstärkten Widerstandshandlungen der arabischen Bevölkerung.
Die Engländer beantworteten diesen arabischen Widerstand, der 1936 in einen großen und allgemeinen Aufstand der palästinensischen Araber mündete[46], mit brutalem Terror (Festnahme von Geißeln, Besetzung arabischer „Widerstandsnester“, Niederbrennung arabischer Fellachendörfer, Einrichtung von Haftlagern, Folterzentren und schlußendlich Konzentrationslagern).
Nach Beginn der thawra, dem „Großen Arabischen Aufstand“, setzte die britische Mandatsregierung im August 1936 eine aus sechs Personen bestehende Untersuchungs-kommission[47] unter dem Vorsitz von Sir Wiliam Peel[48] ein.
Am 12. Oktober 1936 endete in der ersten Phase der Peel-Kommission auf Druck Ägyptens, des Irak, Transjordaniens und Saudi-Arabiens ein palästinensischer Gene-ralstreik, der 176 Tage gedauert hatte. Die Mandatsverwaltung ging auf die arabischen Forderungen in keiner Weise ein.
Der von der Peel-Kommission entwickelte und 1937 vorgelegte Plan sah erstmals die Teilung Palästinas in einen jüdischen Teil und einen arabischen Teil vor.[49] Ersterer sollte die Küstenebene, die Jesre’el-Ebene und einen großen Teil Galiläas umfassen, während letzterer die übrigen Gebiete (Judäa, Samaria, Negev) umfaßte.
Zudem war ein besonderes britisch kontrol-liertes Gebiet („Corpus seperatum“)[50] von Jerusalem bis Jaffa vorgesehen, in dem sich der Großteil der religiösen Stätten befunden hätte. Die Briten behielten sich zudem das Recht vor, die Kontrolle in den Häfen von Haifa, Jaffa, Akkon und im transjordanischen Akaba weiter auszuüben.[51]
Im britischen Korridor wäre auch der Flug-hafen Lydda (heute Lod) und die britische Militärbasis Sarafand (jetzt Tzrifin, zu Rischon) verblieben.
Der weiter entwickelte und leicht abgewan-delte und 1938 vorgestellte Teilungsplan wurde ebenfalls nach seinem damaligen Bearbeiter William Peel benannt.
Alle diese Pläne wurden jedoch von den Arabern verständlicherweise abgelehnt. Die Juden lehnten den nach dem Vorsitzenden der Königlichen Palästina-Kommission (Palestine Royal Commission) benannten Peel-Plan ebenfalls ab, weil dieser der eigentlichen jüdischen Zielstellung, ganz Palästina unter die Kontrolle zu bringen, zuwiderlief.
1938 wurden die Grundzüge des Teilungs-plans offiziell bekannt. Dem Vorsitzenden der Kommission, William Peel, zufolge sollten im Zuge der Teilung Palästinas 225.000 palästi-nensische Araber innerhalb Palästinas umge-siedelt werden (damals waren das 25 % der arabischen Gesamtbevölkerung).
Die Notwendigkeit, bei der Ausführung eines solchen Vorhabens Gewalt anwenden zu müssen, wurde angesprochen und veranlaßte den Völkerbund zur Einsetzung einer „tech-nischen Kommission“ unter dem Vorsitz von John Woodhead, Woodhead-Kommission genannt.[52], die Palästina vom 27. April bis 3. August 1938 aufsuchte und mit ihrem am 9. November 1938 vorgelegten Bericht der britischen Regierung eine ablehnende Ein-schätzung nahelegte. Diese Kommission war von der arabischen Seite boykottiert worden, während die Jewish Agency ihr ihre eigenen Berichte zuarbeitete.
Als einziges Zugeständnis an die arabische Bevölkerung sollten bis zur Ausführung bzw. Vollendung der Teilung Palästinas lediglich die Landverkäufe an die zionistischen Orga-nisationen eingeschränkt (wohlgemerkt nicht behindert oder verhindert) werden. Andere Einschränkungen in Vorbereitung und hin-sichtlich einer Unterstützung einer jüdischen Staatsgründung gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr!
Chaim Weizmann[53], der fünf Mal eingela-den wurde, um vor der Peel-Kommission die jüdischen Ansichten und Anliegen vorzutra-gen(!), verneinte auf Nachfrage der Kommis-sionmitglieder, daß die Absicht bestehe, in Palästina einen jüdischen Staat zu gründen.[54]
Nach mehreren Wochen des Zögerns brachte die arabische Seite ihre Klage vor, daß sie sich als einst vollwertige Bürger des Osmani-schen Reiches und dann folgend als Alliierte der Entente-Mächte im Widerspruch zu den Erklärungen der Hussein-McMahon-Korres-pondenz[55] und des Völkerbundes nun in einer Lage befänden, von den einstigen Ver-bündeten kolonial unterworfen und zudem durch die Jewish Agency schleichend und schrittweise enteignet zu werden.
Im Frühjahr 1939 führte die Eskalation der Ereignisse schließlich zu Verhandlungen mit einer arabischen und einer zionistischen Abordnung in London, die jedoch ergebnislos abgebrochen wurden.
So nahm eine Entwicklung ihren Anfang, die 1948 in der Gründung des Judenstaates mün-dete und die Vertreibung von Hunderttausen-den, in der Folge von Millionen Palästinen-sern, zur Folge hatte. Deren Leid begegnet die Weltgemeinschaft heute wie vor 100 Jahren mit Gleichgültigkeit und Untätigkeit.
Und während Bundesdeutsche ans Rote Meer fliegen, um dort ihren Urlaub zu verbringen, werden wenige Hundert Kilometer entfernt Millionen Araber brutalem Terror ausgesetzt und Zehntausende Palästinenser massakriert. Das geht bis heute täglich vor sich!
Anmerkung und Nachtrag. Die Geschichte der Palästina-Deutschen ist eines gesonderten Beitrags und einer ausführlicheren Zusammenfassung wert. Diese wird zu einem späteren Zeitpunkt dargestellt.
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Literatur:
Giselher Wirsing: Engländer, Juden, Araber in Palästina. Jena: Eugen Diederichs, 1938.[56]
Leopold von Mildenstein: Rings um das brennende Land am Jordan. Berlin: Verlag Otto Stollberg, 1938.
Die Palästinafrage. Ein kurzer historischer Überblick. New York: Vereinte Nationen, 1980 (im Auftrag und unter Anleitung des Ausschusses für die Ausübung der unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes).
Oren Kessler: Palästina 1936. Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts. München: Hanser Verlag, 2025.
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Anmerkungen
[1] Leopold von Mildenstein, Dipl.-Ingenieur, Nahostexperte, Journalist, Publizist, Autor, Herausgeber, * 30.11.1902 Prag, † 1968, 1932 Mitglied der Schutzstaffel (SS), 1933 sechsmonatiger Aufenthalt in Palästina, 1935 Mitglied des Sicherheitsdienstes der SS (SD), Leiter der Abt. II/112: Juden im SD-Hauptamt, Unterscharführer der SS, ab 1938
Mitarbeiter im Ministerium für Propaganda und Volksaufklärung, Referent, Abteilungsleiter der Nahostabteilung, ebd. zuständig für die proarabische Propaganda.[2] 12-teiliger Reisebericht „Ein Nazi fährt nach Palästina“, veröff. in: Der Angriff (hrsg. von Dr. Joseph Goebbels) (Artikelfolge 26. September bis zum 9. Oktober 1934).
[3] Leopold von Mildenstein: Rings um das brennende Land am Jordan. Berlin: Verlag Otto Stollberg, 1938.
[4] Die i. J. 1936 von der britischen Mandatsverwaltung Palästinas eingesetzte Peel-Kommission (offiziell Palestine Royal Commission unter dem Vorsitz von William Peel) wurde erst im August 1936 berufen und beauftragt, für das Mandatsgebiet Palästina einen Teilungsplan zu erarbeiten.
[5] Entsprechend späteren Teilungsplänen (UNO-Teilungsplan v. 29. November 1947, beschlossen von der UN-Generalversammlung) sollte Jerusalem unter internationale Kontrolle gestellt werden und eine „Neutrale Zone“ bilden.
[6] Der bedeutendere Hafen Haifa sollte gemäß dem Teilungsplan jüdisch werden.
[7] Zum Vergleich: Berlin umfaßt 892 km², das Saarland 2.572 km², der Bodensee 540 km².
[8] Jaffa (jetzt zu Tel Aviv) war allerdings eine rein arabische Stadt und hätte zu einer arabischen Enklave im jüdischen Territorium werden sollen (Jaffa war als Hafenstadt für den arabischen Teilstaat vorgesehen).
[9] Heute ist Tulkarm, die eigtl. zum palästinensisch verwalteten Westjordanland gehört, eine überwiegend arabischpalästinensische Stadt (58.000 Einw.)., die unmittelbar an der Grünen Linie liegend jedoch außerhalb des von der israelischen Sperranlage (Grenzmauer) abgeriegelten palästinensischen Autonomiegebietes (Westjordanland) liegt.
[10] Tulkarm (früher Tul Karem) ist heute eine formal zum Palästinensischen Autonomiegebiet gehörende, jedoch jenseits der das Autonomiegebiet abriegelnden israelischen Sperrmauer gelegene arabische Stadt.
[11] Der UN-Teilungsplan für Palästina wurde am 29. November 1947 von der Generalversammlung als Resolution 181 (II) angenommen. Die Resolution sollte den Konflikt zwischen arabischen und jüdischen Bewohnern des britischen Mandatsgebiets Palästina ösen. Die Resolution beinhaltete die Beendigung des britischen Mandats und sah vor, Palästina in einen Staat für Juden und einen für Araber aufzuteilen, wobei Jerusalem (einschließlich Bethlehem) als „Corpus separatum“ (vgl. Anm. 50) unter internationale Kontrolle gestellt werden sollte.
[12]Die UNO stellte nach Gesprächen mit den Konfliktparteien einen neuen Teilungsplan auf: Am 29. November 1947 beschlossen sie einen jüdischen und einen palästinensischen Staat. Jerusalem sollte international verwaltet werden.
- Laut Plan waren 43 % des Landes für die 1,3 Mio. palästinensischen Araber, 56 % für die zu diesem Zeitpunkt000 in Palästina lebenden Juden vorgesehen.
[13] Mitglieder waren: William Peel sein Stellvertreter, der Diplomat Horace Rumbold, der Indien-Beamte Laurie Hammond, die Juristen William Morris Carter und Harold Morris und als einflussreichstes Mitglied der Oxford-Professor Reginal Coupland.
[14] Der jüdische Bevölkerungsanteil betrug 1937 ca. 30 % der Gesamtbevölkerung Palästinas.
[15] Zum Vergleich: Israel, 22.380 km², 10 Millionen Einw. (2025), besetzte Gebiete (Palästina) (Westjordanland, Ostjerusalem, Gazastreifen, Golanhöhen; diese sind ein Teil Syriens) 6.831 km². Im Westjordanland leben 2,8 Mill. Palästinenser u. etwa 470.000 Juden (jüdische Siedler), im Gazastreifen 2,2 Millionen (vertriebene) Palästinenser. In Ostjerusalem leben 360.000 palästinensische Araber und 250.000 israelische Juden (Siedler) (Stand 2026).
[16] Meyers Lexikon, Leipzig: Bibliographisches Institut, 1940, Bd. 8, S. 811.
[17] Qu.: Dokument der CIA [Weekly Summary, 3.10.1947].
[18] Kap Nakura (auch Ras al-Naqoura oder Rosh HaNikra) ist ein steiles Felskap am Mittelmeer an der Grenze zwischen dem Libanon und dem heutigen Staat Israel.
[19] Das Judäische Bergland erstreckt sich in nord-südlicher Richtung über eine Länge von 60 bis 80 km von nördlich von Ramallah bis südlich zum Hebron-Gebirge.
[20] Das Zentrale Bergland umfaßt das hügelige Bergland von Galiläa im Norden bis zu den Bergen Judäas (Judäisches Bergland). Das Zentrale Bergland ist eines der landwirtschaftlichen Hauptanbaugebiet (Oliven, Zitrusfrüche, Mangos, Kakis, Granatäpfel usw.).
[21] Die Wüste ist durch Terrassen und Steilhänge geprägt und endet steil abfallend im Tal des Jordan. Zahlreiche Wadis, die sich bis zu bis zu 500-600 Meter in die Landschaft einkerben, durchschneiden sie von West nach Ost. In der Judäischen Wüste befinden sich mehrere Klöster christlicher Glaubensgemeinchaften. Die bekanntesten sind das 20 km östlich von Jerusalem gelegene griechisch-orthodoxe St. Georgs-Kloster im Wadi Oelt und das ebenfalls
griechisch-orthodoxe Kloster Mar Saba im Kidron-Tal bei Bethlehem.[22] Der Negev bedeckt rund 60 Prozent der Landfläche im Süden Israels und ist von Felswüsten, gebirgigen Kratern (Makhteshim) und trockenen Flussbetten (Wadis) geprägt..
[23] Lerka, Iskem-derune.
[24] Die bedeutendsten Erhebungen sind der Ebal (938 m) und der Garizim (arabisch el-Turs) (868 m ).
[25] Historisch Idumäa (hebräisch Nedschero), 1935 Ber Scheba, jetzt Beʾer Scheva (übersetzt „Brunnen des Schwurs“ (oder „Brunnen der Sieben“; arabisch Biʾr as-Sabʿ, osmanisch-türkisch: Birüssebi, englisch Beersheba, teilweise auch Beerscheba), israelische Großstadt (220.000 Einw.) in derBe’er Scheva-Ara-Senke nahe an den Ausläufern des
Hebron-Gebirges (Judäisches Bergland).[26]Ein See im Norden Palästinas, durch den der Jordan fließt. Er grenzt an der Nordseite an einen großen Sumpf, in welchem es eine Fülle hoch gewachsenen Papyrus gibt. Die Zuflüsse des Jordan (Banyas, Dan, Hasbani) im nördlichen Teil des Chula-Tales speisen als Quellflüsse den Jordan, ehe dieser die Chula-Ebene in Südrichtung durchfließt, in einen Sumpf mündet und von dort in den Merom-See (Hula-See, Chula-See). Der See erstreckt sich über ca. 7,2 km von Norden nach Süden und ist an seiner breitesten Stelle ca. 5,6 km breit. Er liegt ca. 2 m über dem Meeresspiegel. Der Chula-See (auch: Hula-See) wurde 1950 trockengelegt. In den 1990er Jahren wurde ein Teil der Chula-Ebene wieder in einen See und in Marschland umgewandelt. Im Bereich der Chula-Ebene existieren mehrere landwirtschaftlicher jüdische Siedlungen und Genossenschaften (Kibuzzim u. Moschawin), die seit den 1940er-Jahren gegründet wurden. Durch den fruchtbaren Boden und den Wasserreichtum ist eine intensive land-wirtschaftliche Nutzung möglich; das Becken gehört zu den fruchtbarsten Landstrichen in Israel.
[27]See Genezareth, 166 km² (21 km lang, 13 km breit, 25 m tief).
[28]Der Pegel des Jordan lag 1935 noch bei 387 m unter Normal-Null. Infolge der fortschreitenden Dezimierung des Wasserzuflusses (Wasserentnahme aus dem Jordan-Fluß) liegt die Oberfläche des Toten Meeres heute bei 420 m unter dem Meeresspiegel.
[29]Wilhelma jetzt: Bnei Atarot.
[30]Die Templer-Kolonie Neuhardtsdorf ist nicht eingezeichnet.
[31]Sarona jetzt zu Tel Aviv.
[32]Vgl. Anm. 26.
[33]Die (geschätzte) landwirtschaftlich nutzbare (kultivierbare) Fläche im britischen Mandatsgebiet Palästina lag in den 1930er Jahren bei etwa 8 bis 8,5 Millionen Dunam (ca. 8.000 bis 8.500 km²), wie offizielle Angaben und Berichte wie der Peel Commission Report der britischen Mandatsverwaltung in Vorbereitung der geplanten Teilung des Mandatsgebietes dokumentierte. [Qu.: Peel Commission Report. London 1938. – Die Palästinafrage. Ein kurzer historischer Überblick. New York 1980].
[34]Genossenschaftssiedlung mit gemeinsamem Eigentum (kein privates Eigentum an Grund und Boden).
[35]Genossenschaftlich organisierte ländliche Siedlung. Der Moschav ist die jüngste und häufigste Form israelisch-jüdischer Dörfer. Heute existieren 451 israelische Moschavim, in denen 142.000 Menschen leben, das sind 4,6 % der jüdischen Bevölkerung Israels. Anders als in den Kibbuzim war Privatbesitz im Moschav von Anfang an Teil der Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft.
[36]Deutsch: „die ehrenwerte [Stadt]“.
[37]Einwohnerzahl ohne die arabischen Vorstädte.
[38]Der politische Status Ostjerusalems (von Israel im Sechstagekrieg 1967 besetzt und 1980 durch das Jerusalem-Gesetz annektiert) ist umstritten. Die Gesamteinwohnerzahl Ostjerusalems einschl. der zur Stadt gehörenden Vorstädte (Silwan, Scheich Dscharrah (Sheikh Jarrah) und Wadi Joz) beträgt heute mehr als 600.000 Einwohner davon 250.000 illegale jüdische Siedlern im Stadtgebiet (in den nach 1967 entstandenen jüdischen Stadtteilen Ramat Schlomo, Gilo, Pisgat Ze’ev u. Har Homa). Die arabischen Vorstädte Ostjerusalems wurden de facto ebenfalls ein Bestandteil des Staates Israel und stehen infolge des Jerusalem-Gesetzes unter israelischer Souveränität. In den palästinensischen Wohngebieten Stadtteilen Silwan, Sheikh Jarrah, Beit Hanina u. Schu’afat hat die arabische Bevölkerung in der Regel lediglich den Status „ständiger Einwohner“ inne.
[39]Die christlichen Araber machten einen Anteil von 10 % an der gesamten arabischsprachigen Bevölkerung aus.
[40]87 km. Erst 1998 stillgelegt, inzwischen saniert und neueröffnet.
[41]Teilstrecke der Bahn Haifa-Tul Karem-El Quantara-(Kairo), Ägypten). Eisenbahnentfernung Haifa-El Quantara 412 km.
[42]161 km. Die Schmalspurbahn (1.050 mm) gehörte zum Bahnsystem der Hedschas-Bahn.
[43]81 km. Die Strecke wurde infolge der sog. Grünen Linie (Waffenstillstandslinie von 1949) mehrfach durchschnitten und der internationale Reiseverkehr deshalb aufgegeben.
[44]Die arabischstämmige Bevölkerung wuchs in den 1930er Jahren stark an (von ca. 1,03 Millionen im Jahr 1931 auf rund 1,3 bis 1,4 Millionen Mitte der 1930er Jahre). 10 % der Araber waren Christen.
[45]Umgerechnet wären das heute ca. 13 Milliarden €.
[46]Oren Kessler: Palästina 1936 – Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts. München: Hanser Verlag, 2025.
[47]Die Peel-Kommission, offiziell Palestine Royal Commission, war eine Kommission, welche die Briten während ihrer Mandatsherrschaft in Palästina einrichteten. Ihr 404-seitiger Bericht schlug am 7. Juli 1937[erstmals die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vor.
[48]William Peel, 1867–1937.
[49]Der Bericht der Peel-Kommission v. 7. Juli 1937 umfasste 404 S. Im Bericht wurde die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorgeschlagen.
[50]Ein Corpus separatum (deutsch: „abgesonderter Körper“) ist ein Gebiet, dem ein von seinem Umland abweichender staatsrechtlicher Status verliehen wird, ohne daß es dadurch volle Souveränität erlangt. Anlaß für die Einrichtung eines Corpus Separatum sind z. B. ethnische Konflikte, Grenzstreitigkeiten oder andere kollidierende Interessen von Anrainer- oder auch „Schutz“staaten.
[51]Vgl. Fußn. 5 u. 8.
[52]Auch bekannt als Palestine Partition Commission.
[53]Chaim Weizmann, * 27.11.1874 Motal bei Pinsk, jetzt Weißrußland., Präsident der Zionistischen Weltorganisation, 1949 erster israelischer Staatspräsident.
[54]Vgl. hierzu den CIA-Bericht vom 3.10.1947 : „ […] Die extremen Zionisten lehnen die Teilung [Palästinas] ab und fordern ganz Palästina und [darüber hinaus] Transjordanien für einen jüdischen Staat. […]“ (siehe auch Anm. 17).
[55]Die Hussein-McMahon-Korrespondenz bezeichnet einen Briefwechsel zwischen dem Großscherif des Königreichs Hedschas, Hussein ibn Ali, Scherif von Mekka, und Sir Henry McMahon. Britischer Hochkommissar von Agypten, in den Jahren 1915–1916. Gegenstand dieser Korrespondenz war die politische Zukunft der arabischen Länder des Nahen Ostens sowie das Bestreben Großbritanniens, einen Aufstand gegen die osmanische Herrschaft anzufachen.
[56]Das Buch umfasst 278 S. mit 6 Karten u. 12 Bildtafeln.
