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Souveränität – im 20. Jahrhundert durch die beiden Weltkriege “ad absurdum” geführt?

Vor hundert Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Deutschland verlor den Krieg gegen eine Übermacht von Feinden. Die Sieger gaben Deutschland die Alleinschuld am Krieg und Zusammenbruch der alten Ordnung und brauten 1919 in Versailles ein wohl einzig in der Welt dastehendes Konstrukt von einem monströsen “Friedens”-Diktat zusammen, das niemals Frieden nach sich ziehen konnte, sondern den Keim eines Zweiten Durchgangs in sich barg, nicht ohne entscheidende Mitwirkung von US-Banken, die die Welt zwischen den beiden Kriegen in schlimmste Wirtschaftskrisen stürzten.

Winston Churchill faßte die Zeit zwischen 1914 bis 1945 treffend als 30-jährigen Krieg des 20. Jahrhunderts zusammen.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht 1945 waren es wieder die Siegermächte, die dem Besiegten ihre Bedingungen diktierten. Diesmal gab es keinen Friedensvertrag, bis heute ist er nicht geschaffen, 69 Jahre nach Kriegsende. Feindstaatenklauseln sichern dem Sieger militärisches Einschreiten gegen den einstigen Besiegten, wenn er nicht spurt. Deutschland ist bis heute besetztes Land.

Edward Snowden hat es verraten: Deutschland wird von den USA, dem “Großen Bruder”, vollständig überwacht. Seltenheitswert hat daher unter den Sprechblasen der genormten Politiker in Deutschland eine Äußerung des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble, die er auf dem European Banking Congress in Frankfürt am Main am 18.11.2011 ausführte:

Wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.

Schäuble findet das völlig in Ordnung, im Gegenteil: Souveränität – wie sie im Völkerrecht für die Nationen festgeschrieben ist – will er für Deutschland nicht mehr. Für ihn ist sie ein alter Hut, der durch die beiden Weltkriege im vorigen Jahrhundert “ad absurdum” geführt sei. Freie, selbständige Nationen müssen – nach seiner schlichten Ansicht – notwendig zu Kriegen führen. Besser sei dagegen

der Versuch in der europäischen Einigung, eine neue Form von Government zu schaffen …

Government = verwaltende Statthalterschaft! Welch Fortschritt! Deutschland gebändigt, wie es die Mächte der Feindstaaten erstrebten, so wünscht es nun auch der Vertreter des unterworfenen Volkes. Denn die vor den Weltkriegen losgetretene unsägliche Feindpropaganda gegen die Deutschen als Untermenschen hat auf allen Seiten Wirkung gezeigt.

Besonders seines angeblichen Hauptmerkmals “Militarismus” wurde Deutschland vom Ausland mit bestialischen Karikaturen lange Jahrzehnte des 19. und 20. Jahrhunderts hindurch verleumdet, mit schlimmsten Folgen für Deutschland und ganz Europa.

Die sich mit Schuld beladen fühlenden Deutschen haben ihre Lektion gelernt. Vor allem Israel profitiert davon, das vornehmlich von deutschem Geld und deutschen Sachwerten in Höhe von mehr als 100 Milliarden DM bzw. Euro aufgebaut wurde. Nahum Goldman selbst berichtet in seinem Buch “Das jüdische Paradox” nicht ohne Stolz davon, wie er diese riesigen Transaktionen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Wege leitete.

Nun reist die deutsche Kanzlerin mit dem gesamten Kabinett nach Jerusalem, um einen Vertrag der besonderen Art zu unterzeichnen:

Deutschland übernimmt künftig die konsularische Vertretung von Israelis in allen Ländern, in denen der jüdische Staat keine Botschaften unterhält.

Darauf einigten sich beide Regierungen nach Angaben der israelischen Botschaft in Berlin. Unterzeichnet werden soll das Abkommen bei den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen am Montag und Dienstag in Jerusalem.

Das Abkommen ist nach Angaben des israelischen Botschafters Yakov Hadas-Handelsman «eine besondere Botschaft». Deutschland besitze sehr viele konsularische Vertretungen in der Welt. Zum anderen sei die Bundesrepublik international hoch angesehen. «Drittens aber unterstreicht dies die besondere Bedeutung der deutsch-israelischen Beziehung», sagte der Botschafter. (news.ch v. 21.2.14)

Für ihr eigenes Volk und Land zu denken und zu handeln, schämen sich die meisten Deutschen. Wenn sie nicht aller Welt helfen, dann leben sie heute lieber ichbezogen. Jeder sieht zu, wie er zu einem angenehmen Leben, zu möglichst viel Geld kommt, koste es die deutsche Allgemeinheit, was es wolle. Heute wird daher in Deutschland von eher konservativer Seite vielfach der ausufernde „Individualismus“ beklagt.

Eine sehr erhellende Schrift zum Thema Militarismus und Individualismus in Deutschland brachte die Deutsche Verlags-Anstalt 1915 heraus unter dem Titel: Der Geist des Militarismus (heute auch als Faksimile-Nachdruck in der Buchwerkstatt Wieland Körner, Bremen, erhältlich). Der Autor ist kein Geringerer als Nahum Goldmann, der schon damals als junger Mann fähig war, tiefer als die feindlichen Propagandisten zu schauen, und der dem heutigen Leser ein anschauliches Bild der damaligen Lage vermittelt, in der sich Deutschland und Europa im Ersten Weltkrieg 1915 befanden, und was er als Zionist davon hielt.

Wer war Nahum Goldmann?

Dazu siehe auch den Adelinde-Eintrag Nahum Goldmann – genialer Lehrmeister und Gestalter der Geschichte des 20. Jahunderts.

Goldmann wurde 1894 in Litauen geboren, studierte an deutschen Universitäten Philosophie und Rechtswissenschaft und versuchte – während er im 1. Weltkrieg in der jüdischen Abteilung des deutschen Auswärtigen Amtes arbeitete –, den Kaiser für die zionistische Idee zu gewinnen. Später wurde er der erste Präsident des Jüdischen Weltkongresses. In seinem Todesjahr klagte er in einem Gespräch mit dem SPIEGEL am 23.8.1982:

De facto ist Israel heute ein Satellit Amerikas, was meiner Ansicht nach eine Travestie der jüdischen Geschichte darstellt. Wir haben nicht die Propheten, die Bibel und die ganze Kultur gehabt, damit wir nach 2000 Jahren ein Satellit Amerikas im Nahen Osten sind…1

Lebte er heute noch, könnte er in dieser Hinsicht beruhigt sein: Die „Travestie“ ist überwunden, Amerika ist heute Satellit Israels. Wir sehen jedoch, Goldmann war volksbewußter Jude.

Goldmanns Hoheslied des deutschen Militarismus

Dennoch singt er 1915 in der genannten Schrift das Hohelied auf den deutschen Militarismus:

Was verstehen die Gegner Deutschlands darunter? Hier muß von vornherein eins betont werden, um Mißverständnisse auszuschließen: unter militaristischem Geist wird nicht kriegerischer Geist verstanden. Es wäre absurd, dem deutschen Volke einen besonders kriegerischen Geist zuzusprechen, was auch in der Tat nicht geschehen ist…

Der Begriff Militarismus

bedeutet, daß der militärische Geist das deutsche Volk auch in seinem nichtmilitärischen Teile beherrsche, daß die Grundsätze, auf denen das Heer aufgebaut ist, auch die leitenden Prinzipien des allgemeinen deutschen Volkslebens, des deutschen Geistes und der deutschen Kultur darstellen. Will man daher den tieferen Inhalt dieses also verstandenen Militarismus erfassen, so muß man die Prinzipien, auf denen das moderne Heerwesen beruht, erkennen; nur vom militärischen Geiste aus läßt sich der militaristische Geist verstehen.

Goldmann zeigt nun auf, wie der Geist des Militarismus gekennzeichnet sei durch die Uniformierung einerseits und den Gehorsam andererseits, beides Begriffe, die, was das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit betrifft, nichts Gutes erwarten lassen. Er meint aber, die Uniform sei

Ausdrucksform der großen demokratischen Idee … in der Uniform ist niemand Adliger oder Bürgerlicher, Millionär oder Bettler, Künstler oder Philister, Orthodoxer oder Atheist, sind vielmehr alle nur eins: Soldaten, Glieder der Armee…

In der Tertia des Gymnasiums aber werde (1915 wohlgemerkt!) bereits gelehrt, daß

alle übertriebene Demokratie

zur Demagogie und Anarchie führe und schließlich in Despotie umschlage. Daher müsse das zweite Kennzeichen des Heeres, der Gehorsam, den Gleichheitsgrundsatz ergänzen.

Denn alles Gesetzliche beruht auf dem Prinzip des Gehorsams, der Unterordnung, der Herrschaft; unter sich völlig Gleichen ist aber Herrschaft und Gehorsam undenkbar.

Der Gehorsam sei das

aristokratische Prinzip … Sagt das eine: die Menschen sind gleich, so lehrt das andere: sie zerfallen in Herrschende und Beherrschte; offenbart uns das eine unsere Rechte, so predigt uns das andere unsere Pflichten; das eine ermahnt: fordere, das andere befiehlt: gehorche!

Am Beispiel der Französischen Revolution zeigt Goldmann, wie das einseitige Einfordern der „Menschenrechte“, geboren aus der allen Menschen gleichermaßen von Geburt an eingegebenen

Gewißheit, ein Recht auf Freiheit zu haben, 2

drei Elemente beinhalte, die die erstrebte Freiheit in ihr Gegenteil verkehren:

  • ein „utilitaristisches“ Element („ein Recht ist etwas, was mir zugute kommt, was mir nützlich ist“),
  • ein „rebellisches, revolutionäres“ Element („ein Recht ist etwas, was ich mir erfordern und gegebenenfalls erkämpfen muß“) und
  • ein „entwürdigendes, plebejisches“ Element („ihm ist die … Geste des Bittens eigentümlich“).

Die Französische Revolution sei, wie ihr Name schon sagt, revolutionär gewesen, das brauche daher

nicht gesagt zu werden: wie rasch sie ihren ursprünglichen Idealismus verlor und banal-utilitaristisch wurde, ist bekannt; und daß es nie eine plebejischere Zeit gegeben hat als jene Jahre, in denen die Marat und Robespierre die Herrschaft innehatten, ist nicht minder bekannt.

Leite sich die Idee von der Gleichheit aller Menschen aber nicht von den gemeinsamen Rechten allein, sondern vor allem von den gemeinsamen Pflichten ab, werde also der Gedanke der Freiheitsrechte durch den des Gehorsams vervollständigt wie im deutschen Heer, gewinne

die demokratische Idee … statt des utilitaristischen einen ethischen, statt des revolutionären einen konservativen, statt des plebejischen einen aristokratischen

Charakter. Da der Gedanke der Soldatenpflichten aus der deutschen idealistischen Philosophie entstanden sei, werde deutlich, worauf die Parole

Nieder mit dem Militarismus!

hinziele. Die Verkünder wollten in Wirklichkeit sagen:

der Geist, der im Militär herrscht, sei spezifisch deutscher Geist,

und Goldmann gibt ihnen darin Recht.

… die Erfüllung seiner Pflichten verleiht dem Menschen Würdegefühl und Stolzbewußtsein.

Der „militaristische Geist“ erfahre seine Krönung

in der Idee des Organismus … Zugleich aber ist diese Idee eine der bedeutsamsten und folgereichsten der gesamten deutschen Philosophie, des gesamten deutschen Geistes. Ob man Kant nennt oder Goethe, Fichte oder Schiller, Schelling oder Lessing, Hegel oder Herder, Novalis oder Marx …, bei allen ist die Idee des Organismus diejenige, die ihr gesamtes Denken leitet und beherrscht.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Der Begriff der Pflicht sei daher nur eine “Ableitung aus dieser fundamentalen Idee des Organismus”. Daher seien

nicht die Rechte, die der Einzelne von der Gesamtheit fordern kann, das Primäre, sondern die Pflichten, die er ihr gegenüber erfüllen muß …

Die Idee des Organismus in all ihren Ausgestaltungen erkannt und verkündet zu haben, bildet die größte Tat des deutschen Geistes; die Idee des Organismus vollkommener als alle anderen realen Gesellschaftsgebilde verwirklicht zu haben, macht die größte Leistung des militaristischen Geistes aus. Militaristischer und deutscher Geist sind im Grunde identisch.

Was uns bei diesen geistvollen Darlegungen nun allerdings fehlt, ist ein Bezug auf die Moral, unter der ein „Organismus“ steht.

Gerade der Blick auf Karl Marx zeigt uns Heutigen, die wir auf die Jahrzehnte der Herrschaft marxistisch-leninistischer Ideologie und ihrer Auswirkungen zurückschauen können, was ein „Organismus“ wert ist, wenn seine „Moral“ am Sinn des Lebens vorbeizielt. Sinn des Menschenlebens kann es niemals sein, daß der Einzelne lediglich als Rädchen in einer Maschinerie funktioniert, deren Sinn und Ziel zu beeinflussen ihm verwehrt ist.

Wird ein Organismus gar dazu mißbraucht, mit seelischer und körperlicher Gewalt gegen Menschen eine – meist angeblich menschheitsbeglückende – Ideologie durchzusetzen, hat er als verbrecherische Einrichtung sein Daseinsrecht verloren. Die Menschheitsgeschichte und -gegenwart ist angefüllt mit leidvollen Beispielen dafür.

Der Sinn des Lebens wurde von Mathilde Ludendorff erkannt in der im Laufe der Schöpfungsgeschichte im Menschen erlangten Fähigkeit, sich in freiem Entscheide mit dem Göttlichen, dem Wesen der Erscheinung, seelisch zu vereinen, Gotterleben zur Gotterkenntnis zu führen, Bewußtsein Gottes zu werden. Das Wesen des Göttlichen ist Freiheit, und so ist jedem Menschen der „Gottesstolz“ eingeboren, der die Unantastbarkeit der eigenen Persönlichkeit, der Menschenwürde, der Freiheit will.

Sich einzuordnen in ein Ganzes ist ein von diesem Würdebewußtsein beseelter Mensch nur dann innerlich bereit, wenn er den Sinn, die Ziele und die Moral dieses Ganzen voll mittragen kann.

Wenn es der Menschenseele gegeben ist, sich zum Gottesbewußtsein umzuschaffen, dann ist die Erhaltung des Menschen und seiner Freiheit, seiner Geborgenheit, seiner Verwurzelung in einer ihm gemäßen Umwelt der Sinn, der allem Denken und Handeln der Menschen zu Grunde liegen sollte. Wird das Dasein der Menschen eines Volkes bedroht, dann geschieht etwas, wie es die Deutschen am 31. Juli 1914 erlebten, hier in einer Schilderung aus Stuttgart wiedergegeben:

Der spontan erwachende Wille, die Heimat vor drohender Gefahr zu verteidigen

Die Semesterferien hatten bereits begonnen. Mein Bruder und ich waren … in der Stadt und ausgerechnet auch am Schloßplatz, als die Extrablattverkäufer ausriefen: “Drohende Kriegsgefahr!” Alles griff nach den Extrablättern. Die Menschenmenge wuchs. Wo die Menschen plötzlich alle herkamen? Im Nu war der ganze Schloßplatz schwarz von Menschen. Langsam wälzte sich die Masse auf die Planie zu. Warum? Es wurde gesungen “Die Wacht am Rhein”, “Oh, Deutschland hoch in Ehren”. Der Menschen wurden immer mehr. Wieviel Tausend waren es? Die Masse wälzte sich zum Wilhelmspalast. Schließlich war vom Charlottenplatz bis zum Schloßplatz alles voll von Menschen, die sangen.

Der König trat auf den Balkon seines Palastes und grüßte die Menge. Einstimmig ertönte der Hurrah-Ruf! Langsam ging die Menge auseinander. Die Menschen waren alle sehr ernst geworden. Sie redeten miteinander, ob sie sich kannten oder nicht, ob Arbeiter oder Händler, ob Beamter oder Fabrikherr, danach wurde nicht mehr gefragt.

Auch mein Bruder und ich gingen langsam nach Hause. Es war uns beiden selbstverständlich, daß wir nunmehr Soldat werden würden … Die Mutter bremste etwas, wir sollten vorher alles zusammenrichten. Nachdem aber am 1. August die Mobilmachung befohlen und der 2. August als erster Mobilmachungstag festgelegt worden war, gab es kein Halten mehr. Wir … hatten Glück, wir wurden … als Kriegsfreiwillige angenommen.3

Die Kunstschaffende Käthe Kollwitz schildert in ihren Lebenserinnerungen die gleichen Formen des Erlebens (siehe Adelinde-Eintrag):

Die Jungen sind in ihrem Herzen ungeteilt. Sie geben sich mit Jauchzen, sie geben sich wie eine reine schlackenlose Flamme, die steil zum Himmel steigt. – Diese an diesem Abend zu sehn, … ist mir sehr weh und auch wunder-wunderschön.

Dies „Wunder-Wunderschöne“, das sie alle erfüllt und emporhebt, ist, wie sie schreibt, dies

ganz Geheimnisvolle, Andere, was durch Peter sprach und das eben das eine einzige Mal in meinem Leben war.

Es war dies Einheitserleben, das das ganze deutsche Volk im Angesichte der Gefahr – urplötzlich wie aus dem Nichts erscheinend – erfaßte. Dieses Geschehen, das sich ähnlich in ganz Deutschland abgespielt hat, wird heute herabsetzend mit törichter „Kriegsbegeisterung“ erklärt, mit dem als kriegslüstern und gewalttätig verstandenen Geist des „Militarismus“ der Deutschen.

Deutscher “Militarismus” gegenüber englischem und französischem “Individualismus”

Goldmann schrieb seine Gedanken zu diesem Thema 1915 nieder, also mitten im 1. Weltkrieg. Da war zweifellos die deutsche

Idee des Organismus, der Pflicht

offenkundig und beeindruckend, ja, begeisternd. Er war sich zum damaligen Zeitpunkt sicher, daß Deutschland den Krieg gewinnen werde. Denn der „Geist des Militarismus“, die „Idee der Pflicht“ in Deutschland sei dem

antimilitaristischen, individualistischen, atomistischen Geist

Englands und Frankreichs überlegen. Das habe sich bereits im Wirtschaftsleben gezeigt, in dem Deutschland die beiden Länder überflügelt habe.

England hat den Krieg gegen Deutschland herbeigeführt, weil es im friedlichen Wettstreite von Tag zu Tag immer mehr der deutschen Konkurrenz weichen mußte,

meinte Goldmann damals. Zwar habe England sein Weltreich, seine Kolonien gerade durch seinen Individualismus erworben,

überall war es nicht der englische Staat, die englische Gesamtheit, welche das Land eroberte, sondern Private: entweder private Korporationen, wie die Ostindische Kompanie, oder gar Privatpersonen wie Cecil Rhodes. Der Staat tat eigentlich nichts anderes, als das, was die Privaten erworben hatten, für die Gesamtheit zu übernehmen. Die Geschichte der englischen Expansion … ist die Geschichte der Erfolge und Triumphe nicht Englands, sondern des Engländers, der Erfolge und Triumphe des englischen atomistischen Geistes samt all den Vorzügen, die er bedingt.

Aber den Krieg werde Deutschland wegen der

Überlegenheit des militaristischen Geistes (gewinnen). Um dies zu behaupten, ist es gar nicht mehr nötig, das definitive Endresultat des Krieges abzuwarten.

Doch scharfsichtig beobachtet Goldmann den sich anbahnenden Wandel in der Einstellung der Engländer,

auch die Weltgeschichte hat ihre Witze. England, das diesen Krieg unter der Parole des Nieder mit dem Militarismus entfesselt hat, will die allgemeine Wehrpflicht einführen, d.h. den ersten Schritt tun, um den Militarismus auch bei sich zur Herrschaft zu bringen.

Nur handelt es sich hier weniger um einen weltgeschichtlichen Witz als vielmehr um leichtfertige, aus Neid und Habsucht geborene Kriegstreiberei der britischen Führung einerseits und um das Raunen der britischen Volksseele in der Gefahr andererseits. Im Laufe der 4 Kriegsjahre wendete sich das Schicksal der beiden Gegner:

Es war ein gleiches Wettrennen bis zum Ende. Aber am Ende sind wir sicher durchgekommen, weil die ganze Nation unverwandelt zusammenarbeitete,4

stellte Winston Churchill fest. Das Umgekehrte hatte sich in Deutschland ereignet. Erich Ludendorff, der deutsche Feldherr des 1. Weltkrieges, berichtet in seinen “Kriegserinnerungen”5:

Die Regierung hatte unseren Eintritt in die Oberste Heeresleitung begrüßt. Wir kamen ihr mit offenem Vertrauen entgegen. Bald aber begannen zwei Gedankenwelten miteinander zu ringen, vertreten durch die Anschauungen der Regierung und die unsrigen. Dieser Gegensatz war für uns eine schwere Enttäuschung und zugleich eine ungeheure Belastung.

In Berlin konnte man sich nicht zu unserer Auffassung über die Kriegsnotwendigkeiten bekennen und nicht den eisernen Willen finden, der das ganze Volk erfaßt und dessen Leben und Denken auf den einen Gedanken: Krieg und Sieg einstellt. Die großen Demokratien der Entente haben dies vermocht. Gambetta 1870/71, Clemenceau und Lloyd George in diesem Kriege stellten mit harter Willenskraft ihre Völker in den Dienst des Sieges.

Dieses zielbewußte Streben, der machtvolle Vernichtungswille der Entente, wurden von der Regierung nicht in voller Schärfe erkannt. Nie war daran zu zweifeln gewesen. Statt alle vorhandenen Kräfte für den Krieg zu sammeln und im Höchstmaße anzuspannen, um zum Frieden auf dem Schlachtfelde zu kommen, wie dies das Wesen des Krieges bedingte, schlug man in Berlin einen anderen Weg ein; man sprach immer mehr von Versöhnung und Verständigung, ohne gleichzeitig dem eigenen Volk einen starken kriegerischen Impuls zu geben.

Man glaubte in Berlin oder täuschte sich dies vor: die feindlichen Völker müßten den Versöhnung verkündenden Worten sehnsüchtig lauschen und würden ihre Regierungen zum Frieden drängen.

So wenig kannte man dort die Geistesrichtung der feindlichen Völker und deren Regierungen mit ihrem starken nationalen Denken und stahlharten Wollen. Berlin hatte aus der Geschichte früherer Zeiten nichts gelernt. Man fühlte hier nur das eigene Unvermögen gegenüber der Psyche des Feindes, man verlor die Hoffnung auf den Sieg und ließ sich treiben … Man versäumte darüber, das Volk den schweren Weg des Sieges zu führen …

Reichstag und Volk sahen sich ohne solche Führung, die sie zum großen Teil heiß ersehnten, und glitten mit der Regierung auf der abschüssigen Bahn … Innenpolitisches Denken und das Denken an das eigene Ich überwucherten sie. Das wurde zum Unglück für das Vaterland.

Innerhalb von 4 Kriegsjahren hatte die Entente vom Individualismus zum Militarismus gefunden

und Deutschland umgekehrt vom Militarismus zum Individualismus! Den Zeitpunkt für ihren Weg hatte die Entente richtig, Deutschland wahnhaft gewählt.

Dies konnte Nahum Goldmann 1915 noch nicht voraussehen; dennoch bestätigen die Entwicklungen der kriegführenden Staaten in diesen 4 Jahren seine Thesen: Im Krieg war der „Geist des Militarismus“ dem des Individualismus überlegen.

Doch auch im Frieden hat er – recht verstanden – seine Berechtigung und wirkt sich segensreich auf den “Organismus” Gemeinschaft aus, zu deren Gedeihen jedes Einzelwesen seinen sinnvollen Beitrag leistet.

Er hat jedoch nichts gemein mit dem “europäischen Government” Wolfgang Schäubles, das gewachsene Gemeinwesen wie die Völker Europas vernichtet dadurch, daß es sie mit einer ideologisch gegen sie gerichteten Diktatur überdeckelt und unumkehrbar zur Schafherde aus aller Welt Zusammengewürfelter verdirbt.

Die Schweiz hat mit ihrem Volksentscheid für sich anders entschieden. Vielleicht macht ihr Verhalten Schule. Denn überall regen sich die Kräfte des Selbsterhaltungswillens und des Freiheitsstolzes der Völker, allen Beschimpfungen des Schweizer Souveräns durch Eurokraten aller Färbungen zum Trotz!

______________________________________

1 zitiert in: NEUE POLITIK, 9/1982, S. 7
2 Mathilde Ludendorff
3 Eberhard Beißwenger, Ein Leben unter 4 Regierungsformen, Brünkendorf 1976
4 Zitat bei Erich Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914-1918, Berlin 1919
5 Erich Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen, a.a.O.

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Steffen
Steffen
9 Jahre zuvor

Liebe Adelinde, ich habe diesen Beitrag in Facebook gepostet, und er wurde dort sofort von den Verantwortlichen ohne Begründung gelöscht.

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