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Clara Schumann – Schluß (7)

Fortsetzung von Teil 6

Die Lehrerin

Clara Schumann war – inzwischen nach Frankfurt am Main übersiedelt – eine gesuchte Klavierlehrerin. Sie nahm nur Fortgeschrittene an. Wie schwierig es war, in ihren Unterricht aufgenommen zu werden, geht aus dem Brief eines überglücklichen englischen Schülers hervor, der 1889 bei ihr zugelassen worden war:

Zuhause überschüttet mit Glückwünschen … Telegramm nach London. Es ist erreicht, bin endlich am Ziel. Hurrah! lang lebe täglich sieben Stunden Üben!!!

und wenige Tage später meldet er:

Ich bin stolz darauf, jetzt Schumann-Schüler zu sein. Ich hatte mir ja früher nicht träumen lassen, wie schwer die Aufnahme in ihre Klasse sei. Jeder in meiner Generation ist drum bemüht. Ich glaube, das Glück war mir wirklich hold, aber ich habe auch sicherlich schwer genug gearbeitet, um es zu verdienen.

Eine Schülerin rühmt ihre Lehrmeisterin:

Für sie bedeutet jede Schülerin, jeder Schüler ein anvertrautes Gut, nicht nur musikalisch, sondern als Mensch, und sie beeinflußte uns in jeder Weise für den Rest unsres Lebens.

Clara Schumann starb am 20. Mai 1896

an den Folgen eines Schlaganfalles. Ihr Klavierspiel ist unwiederholbar verklungen. Sie hatte gewußt, daß man sich mit der Wiedergabe von Musik nicht unsterblich macht wie die Komponisten.

Als Lehrende aber wurde sie gewissermaßen unsterblich: ihr Einfluß ist noch heute lebendig. Die Schumann-Tradition prägte das Spiel von Pianistinnen und Pianisten,

die sie dann wieder an ihre Studierenden weitergaben. (Reich a. a. O.)

Mangelndes Selbstvertrauen als Komponistin

Clara Schumann im Alter von 59 Jahren. Porträt von Franz von Lenbach, 1878, Robert-Schumann-Haus Zwickau (Reich)

Clara Schumann hat ihre eigenen Werke herabgesetzt und gemeint,

ein Frauenzimmer muß nicht  componieren wollen – es konnte es noch Keine, sollte ich dazu bestimmt seyn? das zu glauben wäre eine Arroganz, zu der mich blos der Vater einmal in früherer Zeit verleidete, ich kam aber bald von diesem Glauben zurück. Möge Robert nur immerhin schaffen, das soll mich immer beglücken.

Hierin irrte sie, wie die Beispiele zahlreicher Komponistinnen vor, während und nach ihrer Zeit ebenso wie sie selbst beweisen. Ihr Vater hat sie mit Recht „in früherer Zeit verleitet“ zu komponieren.

Hätte sie das zum Schaffen notwendige Selbstvertrauen und nicht die große Familie zu versorgen gehabt, sie hätte eine bedeutende Komponistin werden können.

Ich lege mir jedenfalls jetzt ihr wunderschönes Notturno aus der Suite op. 6 auf, das sie 1836 im Alter von 17 Jahren komponiert hat, und werde von dieser Musik nicht wegkommen, ehe ich nicht alle Sätze der Suite gehört habe.

Schrifttum:

1.   Arnfried Edler, Robert Schumann und seine Zeit, Laaber-Verlag 2008
2.   Karla Höcker, Clara Schumann, dtv, 3. Auflage 1981
3.   Nancy B. Reich, Clara Schumann, rororo 1997
4.   Clara Schumann/Johannes Brahms Briefe, Im Auftrage von Marie Schumann herausgegeben von Berthold Litzmann, Leipzig 1927
5.   Eugenie Schumann, Erinnerungen, Stuttgart 1927
6.   Robert und Clara Schumann, Ehetagebücher, herausgegeben von Gerd Nauhaus und Ingrid Bodsch, Bonn 2007

 

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Elke
Elke
11 Jahre zuvor

Eine knappe, auf das Wesentliche konzentrierte Lebensbeschreibung mit Herz, die uns die große, starke Clara Schumann nahe brachte: Noch viel zu selten wird sie gewürdigt. Schön aber, dass wir ihre Kompositionen heute auf CD wieder hören können.
Ein herzliches Danke für diesen Anstoß zum Kunstgenuss!

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