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Papst Benedikt XVI. besitzt keinen gültigen Organspendeausweis mehr,

lesen wir bei den InteressenGemeinschaften kritische Bioethik Deutschland und weiter:

Dies hat der Privatsekretär des Papstes, Prälat Dr. Georg Gänswein, klargestellt. In einem jetzt bekannt gewordenen Antwortschreiben vom 05.01.11 auf eine Anfrage des Münchner Arztes Dr. Gero Winkelmann, das uns vorliegt, heißt es wörtlich:

“Es trifft zu, dass der Heilige Vater einen Organspende-Ausweis besitzt. Aber entgegen mancher öffentlicher Behauptung ist der aus den 70er Jahren stammende Organspende-Ausweis mit der Wahl Kardinal Ratzingers zum Oberhaupt der Katholischen Kirche ipso facto hinfällig geworden. Jede Berufung auf das ungültig gewordene Dokument ist deshalb verfehlt”, so Gänswein.

Doch die Gründe, aus denen heraus wir beide ablehnen, unsere Organe zu spenden, sind grundverschieden.

Der Papst sieht sich als – in des Wortes wirklicher Bedeutung – Gegenstand der Katholischen Kirche verantwortlich und offenbart seine archaische, dogmengebundene Weltanschauung trotz angeblicher Verbundenheit mit der “Aufklärung”. Der polnische Erzbischof Zygmunt Zimowski erklärte der italienischen Zeitung „La Repubblica“ laut ap:

die Leiche des Papstes müsse intakt bleiben, da sie der gesamten Kirche gehöre. Man müsse dies auch im Zusammenhang mit einer möglichen künftigen Verehrung sehen, erklärte Zimowski. Wobei er sich auf eine etwaige Heiligsprechung bezog. Das ändere aber nichts an dem Wert oder der Schönheit einer Organspende. Bis zum vergangenen Jahrhundert wurden päpstliche Organe entnommen, dadurch hielt die Einbalsamierung länger.

Wenn ich das richtig verstehe, gilt somit die Entscheidung des “Heiligen Vaters” nicht für normale Sterbliche und hätte auch für ihn bis zu seiner Wahl zum Papst nicht gegolten. Wenn “normale Sterbliche” ihre nicht so heiligen, der Kirche nicht unmittelbar zugehörigen Organe spenden – erfahren wir also durch den polnischen Erzbischof -, so hat dieser Vorgang etwas mit Schönheit zu tun. Unglaublich!

Ich dagegen lehne eine Organentnahme aus gänzlich anderen Gründen ab:

  • Für mich sind wir Lebewesen Individuen in des Wortes wahrster Bedeutung, nämlich unteilbare Einheiten der Schöpfung.

Das zeigt sich sehr deutlich an den Körpern der Organ-Empfänger: Sie stoßen das fremde Organ ab. Es gehört nicht zu ihrer Individualität, ihrer Ganzheit, so wie die Schöpfung sie hervorgebracht hat und erhalten wissen will. Doch der Materialist als Macher hört nicht auf die Stimme der Schöpfung.

  • Und so ist mit der Organverpflanzungs-Praxis eine global agierende Banden-Kriminalität nie dagewesenen Ausmaßes entstanden,

zu der Ärzte, Klinik-Konzerne und Pharma-Industrie als Handlanger und Nutznießer gemeinsame, überaus lukrative Sache machen auf Kosten der angeblich Hirn-“Toten” und der Organ-Empfänger.

Eine eiskalte, ich möchte sagen: gottferne, Mentalität hat sich weltweit ausgebreitet. So berichtet Ursula Seiler in ihrer ZeitenSchrift 74/2013:

CHINA:

US-Chirurg Rothmann (so die Salzburger Nachrichten am 10.1.2000) war nach China eingeladen. Auf seine Frage, ob zum Termin ein Spenderherz verfügbar sein werde, bekam er die Antwort, man werde eine passende Hinrichtung organisieren. So werden denn im Reich der Mitte Todesstrafen schon für Lappalien verhängt – alles mit dem Ziel, die Zahl der Körper, aus denen man Organe “ernten” kann, zu erhöhen. Sogenannte Todes-Vans fahren die Gefängnisse ab, um zum Tode Verurteilte in diesen Fahrzeugen bei sanfter Musik zu töten und ihnen die Organe zu entnehmen. Höhere Stellen in China geben zu, daß Gefängnisse als menschliche Ersatzteillager dienen, in denen sich die Behörden ganz nach Bedarf bedienen würden. (ZeitenSchrift, a. a. O., S. 18-19)

Der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas brachte 2006 – nach Zeiten-Schrift – gemeinsam mit dem ehemaligen kanadischen Parlamentsabgeordneten und Staatssekretär für Asien David Kilgur einen 50-seitigen Untersuchungsbericht zu den Anschuldigungen der Organentnahmen an Falun-Gong-Praktizierenden in China heraus, einer gesundheitsbewußten Gruppe, die 1999 noch 17 Millionen Menschen umfaßte, zahlenmäßig somit die chinesische KP um eine Million übertraf, und die staatlicherseits massiv verfolgt und in Gefängnissen zwecks Entnahme ihrer Organe festgehalten werde:

Danach würden – je nach Anforderungen – den Gefangenen die Organe entnommen, während sie noch lebten. Zudem stellten sie ideale Spender dar: Sie seien eher jung und würden weder rauchen noch trinken. Die toten Körper würden anschließend verbrannt, um Beweise zu vernichten. (Wolfgang Weirauch im Flensburger Heft Nr. 116)

BEDUINEN:

Die ZeitenSchrift berichtet weiter, was der Nachrichtensender CNN aufdeckte:

Angehörige des Sawarka-Stammes überfallen Flüchtlinge auf ihrem Weg von Eritrea, Äthiopien oder dem Sudan nach Israel. Kurz vor der Grenze nehmen sie sie in Gewahrsam und fordern von ihnen um die 2’000 Dollar Wegzoll. Die Geiseln haben jedoch meist ihr ganzes Geld schon zu Beginn der Flucht an Schlepper bezahlt. Kein Problem: die Beduinen nehmen gerne auch eine andere Währung, nämlich Lebendfleisch in Form von Nieren, Lebern und Ähnlichem. Mobile Ärzte aus Kairo tauchen gleichsam aus dem Nichts auf, operieren die Flüchtlinge und bringen die entnommenen Organe in Kühlfahrzeugen nach Kairo oder anderswohin. Meist werden die Opfer einfach wieder zugeflickt und in der Wüste abgelegt, wo sie buchstäblich elend verrecken. Pro Organ nimmt der Stamm dann zwischen 1’000 und 20’000 Dollar ein.

Wer die wirklichen Drahtzieher seien, so Polizeikräfte im Grenzgebiet zu Israel auf Fragen des CNN, wüßten sie nicht und stünden dem Treiben machtlos gegenüber.

ISRAEL:

Laut ZeitenSchrift sieht die Professorin für medizinische Anthropologie an der Berleley-Universität und Gründerin der Organisation Organ Watch Nancy Scheper-Hughes

“Israel an der Spitze” des weltweiten Organhandels. “Seine Tentakel reichen über die ganze Welt.” Israelische Organhändler seien die bestorganisierten der Welt – mit Vermittlern, Bankkonten, Anwerbern, Übersetzern und Reisebüros, welche die Visa besorgten. Die Wissenschaftlerin recherchierte nach den Motiven der irsaelischen Organhändler.

“Zum einen ist es die Gier”, sagt sie; das andere Motiv mag etwas befremdlich erscheinen: “Rache, Entschädigung – Wiedergutmachung für den Holocaust.”

Sie beschreibt ein Gespräch, das sie mit einem israelischen Händler führte und welcher ihr sagte, es handle sich “um eine Art von Auge für Auge, Zahn für Zahn. Wir sind hinter jeder einzelnen Niere und Leber und jedem Herz her, die wir kriegen können. Die Welt schuldet sie uns.” Auch israelische Ärzte hätten sich in gleicher Weise geäußert.

Welch bodenloser Wahnsinn, welche Gottferne hält die Menschheit mit der “Schönheit” der Organverpflanzungspraxis im Zangengriff!

Israelische Organe werden wohl kaum an Gojim vergeben werden. Ich wundere mich nur, daß Israelis sich nicht zu schade dafür sind, sich Organe der verachteten Gojim einzuverleiben. Darin ziehen sie mit den Moslems gleich. Die sind mehrheitlich nicht bereit, ihre Organe “Ungläubigen” zu spenden, wohl aber sind sie bereit, sich deren Organe einpflanzen zu lassen.

In den “zivilisierten” westlichen Staaten versucht man dieser Praxis das “ethische” Mäntelchen von “Nächstenliebe” umzuhängen und das Gewissen mit der Behauptung vom “Hirntod” des Spenders zu beruhigen, der ihr Handeln zu berechtigen scheint. Doch:

Wir müssen anerkennen, daß hirntote Menschen eben noch nicht tot sind,

schreibt selbst Prof. Dr. Dieter Birnbacher, Mitglied der Bundesärztekammer laut ZeitenSchrift, der trotz der neuerdings entflammten Kritik an der gesamten Organverpflanzungs-Praxis durchsetzen möchte,

daß wir sie (die Hirn-“Toten”, die jedoch seiner Meinung nach gar nicht tot sind) aber dennoch als Organspender heranziehen können.

Da kann ich dem logischen Schluß der Autorin Ursula Seiler von der ZeitenSchrift nur zustimmen, wenn sie folgert:

Mit anderen Worten:

Es soll offiziell erlaubt werden, Organspender in einem bestimmten Stadium ihrer Gehirn- und Körperfunktionen zu töten.

Die Studie Revival der Hirntod-Debatte, erschienen im Fachblatt Ethik in der Medizin von dipl. phys. Sabine Müller vom Berliner Universitätsklinikum Charité, kommt zu dem Schluß, daß

das Konzept vom Hirntod “empierisch widerlegt”

sei, wie die ZeitenSchrift berichtet. Müller beruft sich auf die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse des Neurologen Alan Shewmon nach Beobachtungen an 170 Hirn-“Toten”:

  • 10 hirn”tote” Frauen gebaren noch ihr Kind,
  • Hirn”tote” regulieren ihre Körpertemperatur,
  • bekämpfen ihre Infektionen und Verletzungen,
  • reagieren auf Schmerzreize,
  • verdauen und scheiden aus,
  • hirn”tote” Kinder wachsen und setzen ihre Geschlechtsentwicklung fort.

Bekannt wurden etliche Fälle von Hirn-“Toten”, die in ein aktives Leben zurückfanden, weil sie, nachdem die Apparate abgestellt waren und kurz bevor bei ihnen das Messer angesetzt wurde, wieder selbständig atmeten und ihr Herz schlug.

Neuerdings scheint sich bei der Suche nach Organen eine Lockerung des Zugangs zu Organspendern anzubahnen bzw. bereits durchzusetzen: Organentnahmen sollen auch bei Herzstillstand erlaubt werden, frühestens nach 60 Sekunden, doch spätestens nach 10 Minuten wegen der Unterversorgung des Gewebes, das dann unbrauchbar geworden wäre.

Wie leicht kann ein Herz einmal für eine kurze Zeit zu schlagen aussetzen und dann von selbst wieder weiterschlagen. Noch einen Schritt tiefer in den Sumpf will die Transplantationsmedizin hinabsteigen, scheint es.

Bewegend die Erinnerungen einer Mutter, die den drängenden Ärzten nachgegeben und ihren verunglückten, als hirn-“tot” diagnostizierten Sohn zur Organentnahme freigegeben hat:

Wir waren bereit gewesen, ein Organ zu spenden, jetzt erfuhr ich, daß die Mediziner meinem Sohn Herz, Leber, Nieren und die Augen entnommen hatten; man hatte ihm sogar die Beckenkammknochen aus dem Körper gesägt. Zerlegt in Einzelteile war er dann über Europa verteilt worden. Er war zum Recyclinggut geworden …

Die Mütter (von Organspendern) erzählen von nächtlichen Albträumen, in denen ihre Kinder schreien und ihnen vorwerfen, sie verlassen zu haben. Und das genau haben wir getan … es ist nicht zum Aushalten! Wir finden keinen Weg aus der Schuld …

Angesichts der Leiden sowohl der “freiwilligen” Organ-Spender wie der bedauernswerten lebenden Hirn-“Toten”, der der organisierten Kriminalität zum Opfer Gefallenen wie auch der mit den fremden Organen in ihrem Leib nicht glücklichen Empfänger schließe ich mich voll und ganz dem Schlußwort jener Mutter an:

Die einzige Alternative zur Transplantationsmedizin für Spender und Empfänger von Organen, für jeden von uns, ist die

Akzeptanz des Sterbens.

Die Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam waren sich einstmals einig darin, daß der Leichnam unversehrt der Erde übergeben werde. Erst Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts bekannten sich alle drei zur “Nächstenliebe”, die auch darin liege, andern mit einer Organspende zu helfen. Die fürchterlichen Folgen ihrer Beschlüsse hatten ihre Vertreter damals wohl nicht vorausgesehen.

Schlimmer als die Leichenschändung scheint mir jedoch die Schändung Lebender und der Seelenselbstmord der Täter.

Doch wenn die Sohle des Abgrundes erreicht ist, ist der Aufstieg nicht fern. Die Organspende-Bereitschaft ist stark zurückgegangen. In zahlreichen Organisationen haben sich Menschen zusammengeschlossen, die Wahn, Lüge und Betrug des Organspende-Geschäftes durch Aufklärung bekämpfen.

Noch sind wir frei in der Entscheidung, uns einer Organentnahme zu verweigern. Diese Freiheit wird sich – zumindest hierzulande – so leicht niemand nehmen lassen. Aufklärung und breite Verweigerung werden sicher in nicht ferner Zukunft zur Ächtung der Transplantationspraxis und zur Erkenntnis des sie nährenden “Nächstenliebe”-Irrtums führen.

Eine Frage bewegt mich noch:

Benedikt XVI. hat abgedankt

Er werde zwar weiter Weiß tragen – teilte sein Bruder Georg Ratzinger dem Südkurier mit -, aber nicht mehr “Heiliger Vater” sein.

Wird er dann wieder seine Organe spenden dürfen, um der “Schönheit” solcher Tätigkeit willen? – Da ist der Kurie ja eine harte Nuß zu knacken aufgetragen!

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archelys
archelys
10 Jahre zuvor

Leben und Sterben

Was hat das winzige Wesen,
noch ungeboren, empfunden,
als es, zum Menschsein genesen,
von seiner Mutter entbunden?

Hinaus aus der sicheren Hülle
in eine ganz andere Welt,
die mit betörender Fülle
vieles verspricht und weniger hält.

Irgendwann ist das zu Ende,
der Körper wird alt und zerfällt.
Ist Sterben wieder die Wende
in eine ganz andere Welt?/HM

archelys
archelys
10 Jahre zuvor
Mithus
Mithus
10 Jahre zuvor

Der Artikel gibt Anlass, noch auf einige Aspekte hinzuweisen:

1. Uns läßt man nicht einmal die Zeit zum natürlichen Sterben! Die Ökonomie steht hier gegen jede Ethik, die den Menschen nach seinem natürlichen Tode in seiner Ganzheit vor seinen Schöpfer treten lassen will. Wer, wie viele Christen, an irgendeine Art des “ewigen Lebens” und die Wiederauferstehung glaubt, möchte dies in seiner Ganzheit zumindest insoweit, als er dann vorher als Ganzheit wieder zu Staub und Asche geworden sein muß. Ironischerweise könnte für Fundamentalchristen mit ihrem Glauben an die Hölle der Fall eintreten, dass der ausgeplünderte Leib selbst schon deswegen im Paradies landet, während seine Spenderorgane noch in der Hölle schmoren. Und dies, weil sie das Schicksal des Organempfängers teilen müssten. Gott sei Dank ist dieser Teil des Mittelalters größtenteils schon durch die Aufklärung überwunden.

2. Ich fand folgenden Beitrag als Leserbrief zum Thema bei Publik Forum, Nr. 4/2013, S.79:

“Weil man nur lebend entnommene Organe zur Transplantation gebrauchen kann, dies aber einer Tötung des schwer verletzten Menschen gleichkommt, mußte das irreversible Hirnversagen zum (quasi Voll-)Tod uminterpretiert werden. Diese erschlichene Erlaubnis zur Tötung eines sterbenden Menschen zum Zwecke der (auch ökonomisch genutzten) Verwendung seiner Organe ist eine moralische Hypothek, die die Transplantationsmedizin wohl nie abtragen kann.” (Klammereinfügungen von mir).

In der Praxis läuft das so ab: “der sogenannte Hirntote wird solange am Sterben gehindert (also sein Sterbevorgang verzögert oder aufgehalten), bis die Verteilung seiner Organe (zumindest europaweit) geklärt und alles zu deren Entnahme (zeitlich, organisatorisch, bürokratisch) vorbereitet ist.” Erst danach wird der Hirntote – dann natürlich ganz rasch – zu Tode gebracht. Diese Aufklärung sollte jedem Organspender bitte vorher gesagt werden. (Klammereinfügungen von mir).

3. Ich selbst bin seit 14 Jahren dialysepflichtig und hänge alle 2 Tage an der Blutwäsche für 5 Stunden. Für An- und Abfahrt gehen weitere 2 Stunden drauf. Ein Freund von mir macht das schon 30 Jahre. Grund: wir wollen nicht transplantiert werden, weil einerseits damit (bei unentdecktem Krebs) erhebliche Lebensgefahr verbunden sein kann und andererseits die dauernde Immunsuppression bei schweren Infektionskrankheiten auch nicht “ohne große Risiken” ist. Man kann in der Regel mit dem Schicksal ganz gut fertig werden, zumal, wenn man “Ja” zu seinem eigenen Schicksal sagen kann. Mein Glauben an die ewige Geborgenheit erlaubt mir das. Wir sagen uns auch: wir gehen wie andere zur Arbeit, haben aber den großen Vorteil, nur halbtags arbeiten zu müssen.

Dies gilt natürlich nicht allgemein für alle Dialysepatienten und muß von Fall zu Fall aus Sicht einer objektiven potentiellen Lebensverlängerung differenziert beurteilt werden. Ich selbst bin 75 Jahre alt und habe meine Zeit.

4. Zum Schluß noch ein Bericht aus dem kriminellen Sektor des Organhandels: Ich wurde vor ca. 10 Jahren auf der Insel Madeira im Hotel von einem wildfremden Mann angesprochen mit der Frage, ob ich an einer Niere interessiert sei, er habe da was. Ich antwortete spontan voller Empörung, “nein danke, ich bin an derartigen Geschäften nicht interessiert.” Ich hab noch nie so schnell einen Menschen aus meinen Augen verschwinden sehen wie damals. Hintergrund: derartige Angebote gibt es weltweit und die Organe werden meist Kindern geraubt bzw. unter Ausnutzung ihrer Unerfahrenheit gegen ein Almosen abgeluchst. Geld aber scheut in der Regel vor nichts zurück. Und diese stille Förderung einer Art Organhandels ist mit den besten Regelungen in der Transplantations-Gesetzgebung nicht zu bekämpfen. Die Welt ist eben so.

Mithus

Steffen
Steffen
10 Jahre zuvor

Liebe Adelnde,
Du brauchst den Papst nicht, um den Gehalt Deines Beitrages aufzuwerten!!! Seine grossflächige Darstellung und die Inanspruchnahme seiner Person zu diesem Thema, ist nahezu unredlich.
Nix für ungut, Steffen

Steffen
Steffen
10 Jahre zuvor

Liebe Adelinde,
ich habe den Mithusbeitrag anders gelesen und erkenne die von Dir erwähnten Zusammenhänge so nicht. Es ist doch bekannt, dass die kath. Kirche den Leib als Hülle betrachtet in der die Seele wohnt, diese sich beim Sterben löst und gen Himmel fährt. Konsequenter Weise ergibt sich doch aus dieser Annahme, dass das Verschenken von Organe an Leidenden ein Akt der Nächstenliebe ist. Sollte der Papst wirklich der Mutter eines sterbenden Kindes sagen: Wir treten für das Leben ein, Sie jedoch müssen akzeptieren, dass ihr Kind stirbt-es gibt zwar medizinische Möglichkeiten, diese sind aber abzulehnen?! Das darf nicht Dein Ernst sein.
Auch ich lehne die Organtransplantationen aus Gründen der Missbrauchsgefahr ab. Kirche jedoch darf sich dem nicht verschließen, will sie als lebensbejahende Institution wahrgenommen werden.
Steffen

Steffen
Steffen
10 Jahre zuvor

Liebe Adelinde, noch ein paar Anmerkungen. Du beschreibst auch in diesem Beitrag in gewohnt eindrucksvoller Weise Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft. Ich empfinde die Kritik an Kirche und Papst zu diesem Thema trotzdem verfehlt und möchte Dir hierzu einige Fragen stellen.

• Ist Kirche nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen angewiesen wenn es darum geht: wann beginnt, wann endet Leben?
• Ist der Wunsch vieler Christen, in „Gänze“ vor den Schöpfer zu treten nicht eher egoistischer Natur? (übrig. ist dieser Egoismus aus meiner Sicht nicht zu kritisieren)
• Sind es nicht hauptsächlich die Kirchen, die vor der Umsetzung von allem technisch Machbaren in der Medizin warnen?
• Ist es wirklich realistisch zu glauben, dass Kirchenvertreter die Gefahr des Missbrauchs nicht erkannten?
• Kann das „Sterben akzeptieren“ wirklich angeordnet werden? (vor allem ohne Lehre/Religion)

Ja, ich denke tatsächlich, es gibt keinen größeren Akt von Nächstenliebe, als Teile seines Körpers für Kranke und Leidende zu opfern. Ob die moralinsauren Appelle von Chirurgen und „Transplantationsspezialisten“ wirklich von Nächstenliebe oder Hippokratischem Eid geprägt sind, ist dagegen mehr als zweifelhaft!
Der Papst sprach von der Diktatur des Relativismus in eines seiner Reden. „Es ist erlaubt, was machbar ist, was gefällt, was mehrheitsfähig ist“-Dogmatik, Nein Danke! Dieser Relativismus zeigt besonders in der Medizin seine widerliche Fratze und trägt wohl Hauptschuld an der von Dir beschriebenen Negativentwicklung. Ich denke dieser Relativismus hat seine Wurzeln in einer aus dem Ruder gelaufenen Individualisierung unserer Gesellschaft, in der Handeln aus altruistischen Motiven belächelt, ja sogar bestraft wird. Ist es nicht erstaunlich, dass im Fall der ang. Vergewaltigung in Köln, kaum einer nach der Verantwortung jener Ärztin fragt? Es wird als völlig normal hingenommen, dass eine Medizinerin aus Angst ihre Karriere zu gefährden, eine Patientin weiterschickt! Das nenn ich skandalös!! Natürlich wird aber ausschließlich die Kirche und der Papst in diesem Zusammenhang durch die Medien getrieben. Weltanschauliche Feindbildpflege wohin man sieht!

Herzliche Grüße, Steffen

Steffen
Steffen
10 Jahre zuvor

Liebe Adelinde,
klar, direkt greifst Du den Papst nicht an. Du schmückst aber Aussagen eines polnischen Erzbischofs mit seinen Bildern. Jede Aussage eines Bischofs als hochoffizielle Meinung der katholischen Kirche zu deklarieren halte ich für problematisch.
Wir sollten uns klar sein, worüber wir diskutieren und worüber nicht! Ich diskutiere über Organspende-nicht über Organraub. Diese kriminellen Machenschaften gibt es immer, unabhängig von der Position der Kirchen. Mir, und ich denke auch diesen poln. Bischof geht es um den AKT DER SPENDE zu Gunsten Leidender. Bereits der Prozess des Abwägens, ob man selbst zum Spender wird-unabhängig vom Ergebnis-ist einer von Barmherzigkeit und Nächstenliebe gekennzeichneter Vorgang. Er zeugt von Tiefe und Mitmenschlichkeit, ja vielleicht von Schönheit!
Die von Dir angesprochenen Schönheitsfehler, ergeben sich aus der praktischen Umsetzung, wissenschaftlich medizinischer Erkenntnisse. Wann ein Mensch als tot gilt, gehört zur Definitionshoheit der Medizin!! Wir sind uns beide sicher darüber einig, dass es töricht wäre, wenn Kirche sich auf medizinische Diskussionen einließe. Es gibt offizielle wissenschaftliche Aussagen über den Hirntod (http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.45.3252), die auch die Kirche zu akzeptieren hat. Erfreulicher Weise gibt es aber auf Seiten der Medizin immer mehr Vertreter, die dieser „Transplantationsindustrie“ sehr kritisch gegenüber stehen. Diese Auseinandersetzung ist aber vorerst innerhalb der Medizin zu führen. Kirche kann hier nur flankierend mitwirken.
Die Thematik Organtransplantation ist von Ambivalenz geprägt und verbietet deshalb moralische Schnellschüsse in jede Richtung. Hierzu ein kleines Beispiel:
Wenn es denn ethisch Vertretbar ist, das Baby einer schwangeren, hirntoten Frau durch lebensverlängernde Maßnahmen zu retten, drängt sich die Frage auf, warum die gleiche Lebensverlängerung zum Retten anderer Kinder, die evtl. ein Organ dieser Frau zum Überleben benötigen, moralisch verwerflich sei?!
Wir sollten uns im Klaren darüber sein, daß das Ablehnen von Sterbebehinderung (um in Deinem Sprachduktus zu bleiben) eventuell einer Lebensbehinderung gleichkommt, ein Zugeständnis zum „natürlichen“ Sterben auch ein Todesurteil anderer Menschen bedeuten kann. Aus dieser Perspektive ist vielleicht die Sicht einer lebensbejahenden Kirche verständlicher. Ich wünschte mir, würde von feministischer Seite mit ähnlicher Vehemenz um den Anfang menschlichen Lebens gestritten wie um das Ende!!!

Steffen

Mithus
Mithus
10 Jahre zuvor

Steffen schreibt: “Wann ein Mensch als tot gilt, gehört zur Definitionshoheit der Medizin!! Wir sind uns beide sicher darüber einig, dass es töricht wäre, wenn Kirche sich auf medizinische Diskussionen einließe. Es gibt offizielle wissenschaftliche Aussagen über den Hirntod (http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.45.3252), die auch die Kirche zu akzeptieren hat.”

Obgleich ich den meisten sehr abgewogenen Argumenten von Steffen zustimme, insbesondere was er zur Nächstenliebe in praktischer Art sagt, so bekomme ich bei dem obigen Zitat in Bezug auf “Hoheit” heftige Bauschschmerzen:
Begründung: Da es nur relative Wahrheiten gibt (das ist seit Kant unbestritten) kann und darf es keine absolute Definitionshoheit der mehr und mehr ökonomisierten Medizin in diesen hier diskutierten Fragen geben. Bewußt oder unbewußt spricht Steffen deswegen auch vom “gilt als tot” und nicht von “ist schon tot.” Was morgen gelten wird, kann schon ganz anders aussehen. Es kann auch vor dem edlen Gedanken der Nächstenliebe nicht erlaubt sein, dass allein in einem kleinen Wissenschaftssektor der gesamte inhaltliche Bereich des “Tod-Geltens” apodiktisch zum Gesetz gemacht wird, schon deswegen nicht, weil dieser Inhalt auch humanistisch und/oder religiös hinterfragbar bleibt und das auch stets so bleiben sollte.

Kirche kann hier möglicherweise eine korrektive, mahnende Haltung einnehmen, aber auch ihr steht es nicht zu, absolute Hoheits-Diktate qua dogmatischer Glaubenssätze auszusprechen. Diese Mahnungen wird sie auf dem Spezialgebiet der Transplantationsmedizin weniger, auf dem der von Kapitalinteressen gesteuerten Transplantationsindustrie um so mehr aussprechen müssen. Auch wenn die Kirchenlehre behauptet, wir hätten unhinterfragbar “konstitutiv letzte Wahrheiten” hinzunehmen, so ist sie nicht – worauf ja auch der Papst mit seiner Relativismuskritik hinaus wollte – berechtigt, ihre sog. konstitutiven Wahrheiten an die Stelle der Wissenschaft zu setzen. Wir müssen das unlösbare Spannungsverhältnis zwischen erkentnistheorisch fundiertem Verstand und durchaus empfundener Rückkopplung (re-ligio) an das undurchschaubare Göttliche ihn der Welt schon auszuhalten lernen und unsere Entscheidung für das pro und contra danach frei (vor oder ohne Gott) entscheiden.
Ein einzlener Zweig der Wissenschaft oder einer Religion kann hier nicht zum Einzelrichter werden, weil es um Ganzheitliches geht.
Mithus

Steffen
Steffen
10 Jahre zuvor

Sehr geehrter Mithus,
ich möchte mal etwas flapsig Ihre Bauchschmerzen als Phantomschmerz bezeichnen, denn ich kann ihren Ausführungen nur zustimmen und sehe keinen Dissens! Einzig bei der Beurteilung der Stellung der Kirche in der Gesellschaft unterscheiden wir uns, was zu einer unterschiedlichen Erwartungshaltung hinsichtlich der Auswirkung von kirchlichen Statements und Aussagen des Ethikrates auf die Gesellschaft führt.
Die alleinige Definitionshoheit der Medizin über Leben und Tod entspricht wirklich nicht meinen Wunschvorstellungen. Die Kirche ist jedoch derzeit kaum in der Lage, diese „weißgöttliche“ Vormachtstellung zu beschneiden. Sie schafft es ja derzeit kaum im eigenen Kompetenzbereich gesellschaftliche Akzeptanz zu finden-leider!
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich für Ihre gehaltvollen Beiträge zu bedanken. Adelindes Seite, gespickt mit tollen Beiträgen wie z.B. von archelys, Lars und natürlich Adelinde selbst, ist für mich zu einem wichtigen Inputlieferanten geworden.

Steffen

Mithus
Mithus
10 Jahre zuvor

Seh geehrter Steffen,
vielen Dank für die Anerkennung im zustimmenden wie gegensätzlichen Austausch der Argumente. Auch Ihre ausführlich begründeten Beiträge führen zu einem anspruchsvollerem Umgang mit der oft schwierigen Materie bei Adelinde. Also auch Ihnen bei dieser Gelegenheit herzklichen Dank. Wir werden ja nicht immer so verwöhnt mit dem, dass es bei uns die Anstrengung des eigenen Nachdenkenwollens abfordert. Nebenbei ist das gleichzeitig ein Brain-Training im Alter, das zudem Spass macht. Wenn nur immer die Zeit dazu da wäre.
Adelinde ist für mich ein sich nie selbstaufzehrender Katalysator; sie setzt etwas in Gang, und schon laufen die interessanten Gespräche an.
Ich wollte mit meinen “Bauchschmerzen” nur auf Ihre doch etwas zu sehr apodiktisch klingende Aussage hinweisen, die von der Definitionshoheit der Medizin spricht und die ich ihr nicht zubillige. Es gibt neben dem wissenschaftlichen Alleinstellungsanspruch schließlich auch noch die philosophische Ebene, die derartige Hoheitsanprüche immer in Frage stellt und stellen muß. Diese sektiererische Hoheit maßt sich die Medizin inzwischen im rein ökonomischen, betriebswirtchaftlichen Bereich auch mehr und mehr an, vergißt ihren hippokratischen Eid ganz, in dem sie sagt (Ironie!): “Wer gesund ist, ist nur noch nicht hinreichend untersucht.” Das meinen viele Ärzte fast ernst und die IGeL-Leistungen schießen ins Kraut! In der Tat bestimmt die Medizin für sich, z.B. in Form der Pharmazie, über die vielen Büttel in der Ärzteschaft qua Definition, “was” und “wer” gesund ist, durch Festlegung immer neuer, die Ökonomie stützender Grenzwerte (z. B. pars pro toto: Cholesterinwert). Dies geschieht – ernsthaft nachgewiesen – nicht immer, um zu heilen, sondern um Kasse zu machen. (Das soll aber bitte keine Verallgemeinerung sein, es gibt noch Ärzte mit echter empathicher Zuwendung und den darin liegenden Heilungschancen, aber es werden langsam Ausnahmen). Heute zeigt sich eine klare Tendenz in die Richtung der zunehmenden Ökonomisierung der Medizin. Das ist Zeitgeist des Neoliberalismus. Da muß man vor dem Anspruch auf Definitionshoheit der Medizin wirklich den Finger erheben und zur Frage aufrufen, wie das Problem ethisch besser zu lösen ist. Eine einzig gültige und letzte Wahrheit dazu gibt es nicht, auch in der Kirche nicht, auch ethisch-philosophisch nicht. Es gilt wohl als hinnehmbar, wenn wir wie die Juristen sagen: “es kommt von Fall zu Fall drauf an.” Worauf? Auf unsere innere, eigenverantwortlich – meinetwegen gern vor Gott – und frei gefundene Stimme, sofern sie vom eigenen, geschulten Gewissen ernsthaft bestimmt ist. Objektivität in der ethischen Wertefrage wäre schon wieder zuviel verlangt, denn die hat keiner. Insofern gebe ich Ihnen gern Recht, dass auch die Kirche das nicht bestimmen kann. Schließlich hat das Christentum die Ethik nicht erfunden und auch sie ist den zeitbedingten Schwankungen unterworfen. Die kritischen Geister in der Kirche (vermutlich eine verschwindende Minderheit) können aber doch der Allgemeinheit wie die Politiker Anstöße für die Entscheidungsfindung geben, sofern sie noch ernsthaft zu reflektieren wissen. Das Handwerkzeug haben sie jedenfalls dazu, um noch ernst- und wahrgenommen zu werden.

Mithus
Mithus
10 Jahre zuvor

Um einem Missverständnis in meinem vorstehenden Beitrag vorzubeugen, möchte ich im Zusammenhang mit der “von Fall-zu-Fall”-Entscheidungsmethode klarstellen: Im Einzelfall ist die freiwillige Lebensspende (z.B. einer Niere, Knochenmarks etc.) zu unterscheiden von dem qua fiktiver Todeserklärung möglichen Transplantationshandel der ökonomisierten Transplantationsindustrie. Hier spielt immer die Wachstumsideologie eine entscheidende Rolle mit und macht sie anrüchig. Dies wird wohl mancher Chef- oder Oberarzt unter dem Druck der ausschließlich beriebswirtschaftlichen denkenden Klinikdirektion bestätigen können. Anders bei der Einzelfall(organ)-Transplantation (=praktizierte Nächstenliebe) durch einen freiwilligen Spender: diese ist akzeptabel bei wissenschaftlich abgesicherter Prognose, dass ein gesundes Weiterlebenkönnen des Spenders im Rahmen der Transplantationsmedizin gewährleistet ist. Hier wird nichts durch den Tod – wie auch immer definiert – ermöglicht.

Helmut Wild
Helmut Wild
10 Jahre zuvor

Ich bin Organ-Empfaenger. Im Oktober letzten Jahres wurde meine rechte Lunge ausgetauscht. Ich litt an weit fortgeschrittener Lungen-Fibrosis. Der Tod war absehbar.
Meine persoenliche Einstellung war zunaechhst gegen eine Transplantation. Sterben ist fuer den Sterbenden relativ einfach, wenn man Zeit hat, sich darauf vorzubereiten. Aber das Draengen meiner Frau und meiner beiden Toechter machte mir klar, wie beinahe unmenschlich es gegenueber liebenden Menschen waere, von der Moeglichkeit einer Transplantation NICHT Gebrauch zu machen. Ich willigte ein und bereue es nicht.
Die Operation war problemlos. Die Schwierigkeiten beginnen danach, wegen der notwendigen Unterdrueckung des Immunsystems durch Steroids. Ich bin noch nicht ueberm Berg und waere ohne die Hilfe meiner Frau noch nicht lebensfaehig.

Steffen
Steffen
10 Jahre zuvor

Möge Gott Ihnen, ihrer Familie und der Seele des Spenders gnädig sein!
Steffen

archelys
archelys
9 Jahre zuvor

Aus dem 16.Jhdt:
“Der Körper ohne Seele wird nicht mehr ein Opfer (der Vergänglichkeit) sein,
Der Todestag wird in einen Geburtstag verwandelt:
Der göttliche Geist läßt die glückliche Seele
Das Wort (den Logos) in seiner ewigen Bedeutung erschauen.”

Übersetzt aus dem Altfranzösischen von N.Alexander Centurio (Pseudon.)

Fannie I. Villarreal
9 Jahre zuvor

2.7. – Eine 59jährige US-Amerikanerin, der man ein neues Herz eingepflanzt hatte, verspürte plötzlich einen vorher unbekannten Appetit auf Hühnerkeulen und Bier. Außerdem wechselte sie ihre Lieblingsfarbe unvermittelt zu Grün. Die Frau hatte weiterhin Träume von einem Mann mit den Anfangsbuchstaben T. L., dessen Körper sie im Schlaf förmlich “einsog”. Später fand sie tatsächlich die Todesanzeige eines 18-Jährigen, auf den, wie Nachforschungen ergaben, sowohl die Anfangsbuchstaben als auch die Vorlieben für bestimmte Speisen und Farben genau zutrafen. Und er war Organspender (Bild am Sonntag, 26.5.1996). Zwei Jahre nach dieser Meldung, im Jahr 1998, erschien der Erlebnisbericht der Frau in deutscher Sprache im Verlag Hoffmann und Campe unter dem Titel Herzensfremd – Wie ein Spenderherz mein Selbst veränderte, Hamburg 1998. Dort erfährt man mehr über die Geschichte von Claire Sylvia. Es war fünf Monate nach der Operation, als sie in ihren Träumen den Organspender mit Namen “Tim” spürt. Sie fühlt, dass Tims Seele in ihr weiterlebt. Bald darauf träumt sie wieder von ihm, und im Traum kommt es zwischen ihr und ihrem Organspender zur Versöhnung. Sie schreibt: “Dann küssen wir uns. Und während wir uns küssen, atme ich ihn in mich ein. Es fühlt sich an wie der tiefste Atemzug, den ich je getan habe. Und in diesem Augenblick weiß ich, dass Tim für immer bei mir bleibt.” Es sei, als hätte sie ein neues Leben eingeatmet. Sie hatte das Gefühl, dass sie die neuen Organe endgültig als ihre angenommen hatte. Doch auch die Seele Tims blieb ganz offensichtlich bei seinen früheren Organen. Die Situation kann an siamesische Zwillinge erinnern, die sich von Geburt an bestimmte Organe teilen. Seitdem fror Claire Sylvia nicht mehr, schwitzte häufiger und spürte eine Rastlosigkeit in sich. Sie fühlt die Kraft und die Unruhe des 18-jährigen Tim in sich und hat außerdem keine Lust mehr zu kochen, was sie früher gern getan hat.

Margaret Burnett
9 Jahre zuvor

Obwohl sowohl die Benelux-Staaten, Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien historisch sehr unterschiedliche Spendenpraktiken implementiert haben und damit verbunden ein sehr unterschiedliches Spendenaufkommen aufweisen, verteilen diese Länder, die in ihren Grenzen explantierten Spenderorgane gemeinsam über die Organisation Eurotransplant.

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