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Gott weiß zu trösten

Unfaßliches Leid

Ich höre gerade „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms:

Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.

Hannah

"Sie war so ein besonders starkes, stolzes Mädchen" - aus Emma März/April 2008

Ungeheures Leid hat der homosexuelle tschechische Vergewaltiger Zdenek H. nicht nur seinem Opfer Hannah angetan, sondern auch deren Hinterbliebenen. Alice Schwarzer sprach mit den Eltern, wohlwissend, daß deren Leid an der Grenze des Tragbaren liegt und das Sprechen darüber schwerfallen muß.

Doch begrüßten die Eltern von Hannah das Gespräch mit Schwarzer. Besonders dem Vater ist es ein Bedürfnis, zur Tat zu schreiten. Er möchte eine Stiftung ins Leben rufen zur Verhinderung und Bekämpfung von Sexualgewalt. Die Familienangehörigen von Hannah haben aus ihrem Umfeld Hilfe und Trost erfahren. Solche Hilfe, die staatlichen Möglichkeiten dazu, wenn das Schreckliche geschehen ist, sollen mit der Stiftung ausgebaut werden.

Wie sie trösteten, all die guten Menschen

  • Hannah wurde noch gesucht, da riegelte die Polizei „unsere Straße“ ab, um die Angehörigen vor allem vor der rücksichtslosen Boulevard-Presse zu schützen. „Die (Polizisten) haben uns überhaupt wirklich beschützt und sehr geholfen.“
  • „Der Leiter der Mordkommission hat den Opferschutzbeauftragten ganz abgestellt für die Kommunikation mit uns.“ Der Opferschutzbeauftragte ist eine „Einrichtung“ der Polizei, „und Bonn scheint da vorbildlich zu sein.“
  • Als Hannahs Leiche gefunden war, überbrachte der Opferschutzbeauftragte, begleitet von einem Notfallseelsorger, die Nachricht. Die Mutter fiel in eine Starre. „Ich konnte mich gar nicht mehr bewegen.“
  • „Lauter Frauen aus unserem Umfeld kamen und sagten: Mir ist auch schon so was passiert. Mißbrauch. Gewalt. Vergewaltigung. Auf unseren Notfallseelsorger sind nach der Tat so viele Frauen zugekommen, daß der das gar nicht mehr bewältigen konnte.“
  • Vorher hatte niemand darüber geredet. „Da war anscheinend total der Deckel drauf. Aber dann ist es hochgegangen. In einem unglaublichen Ausmaß.“ Die Mutter: „Zu mir ist eine Frau gekommen, die auch eine Vergewaltigung erlebt hat. Und die hat mir gesagt, wie sie den Moment erlebt hat. Daß sie das Gefühl hatte, sie tritt aus ihrem eigenen Körper heraus. Und daß sie so das Geschehen quasi nicht selbst, sondern neben sich erlebt hat. Und darum auch keine Schmerzen gespürt hat. Das war für mich wirklich tröstlich. Das ist für mich das einzige, woran ich mich immer wieder klammere. Daß das bei Hannah vielleicht genau so war.“
  • „Wir haben gehört, daß eine Frau aus dem Dorf, bei der der Mörder nach der Tat nachmittags Kaffee getrunken hatte, zwei, drei Tage nach seiner Entdeckung zusammengebrochen ist.“ Die das den Eltern erzählten, wußten, daß die Schilderung solchen Mitgefühls Trost bringen kann.
  • Die meisten Nachbarn und MitschülerInnen waren „eine riesige Hilfe!“ Die Letzteren „haben tagelang Flugblätter verteilt, als Hannah noch gesucht wurde. Sie waren ein, zwei Tage lang sogar vom Unterricht befreit, um uns zu helfen.“
  • Die Hilfen gingen „vom Nachbarn, der Kuchen gebracht hat, über Briefe bis hin zur ganz konkreten Unterstützung.“

Woher hatten all diese Menschen das Wissen, wie sie helfen konnten? Aus ihrem eigenen Inneren, dem Göttlichen in ihnen, das sie sicher führte.

Da brauchen wir keinen Koran und keine Bibel. Da horchen wir nur in uns hinein. Gott in uns weiß zu trösten.

„Ihr habt nun Traurigkeit“, singt der Sopran im „Deutschen Requiem“ von Brahms, und der Chor unterlegt ihren wundervollen Gesang mit dem ergreifenden:

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Spendenkonto: CJD Königswinter, WGZ Bank, Konto-Nr. 1100 392 817, BLZ 300 600 10, Kennwort „Hannah“

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