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In seiner „Ersten Erwiderung“ auf den Adelinde-Eintrag „Gott und Begriffe von Gott“ heißt es bei

Horst Mahler:

Gott (das Schicksal) wurde nicht als Person gewußt, sondern als eine anonyme Macht gedeutet. Diese Deutung erhält sich über Jahrtausende und ist in der Gegenwart bei den Ludendorffern, dem NATIONALJOURNAL und vielen ideologischen Einzelkämpfern nachzuweisen. Sie setzen alle in gewisser Weise den Atheismus der Katholischen Kirche fort, den „deus absconditus“ (lateinisch, „verborgener Gott“)

Mit „den Ludendorffern“ – nehme ich an – meint er in Wirklichkeit die

Philosophie Mathilde Ludendorffs, die „Gotterkenntnis“.

Wodurch genau er zu seinem oben ausgesprochenen Fehlurteil gekommen ist, weiß ich nicht, bestimmt aber nicht durch Studium der Werke M. Ludendorffs. Sonst wüßte er:

  1. Mathilde Ludendorff setzt nirgends Gott und „das Schicksal“ in eins. Das Schicksal ergibt sich aus den Naturgesetzen einerseits und den menschlichen Willensäußerungen andererseits.

  2. Gott wird nicht als eine „anonyme Macht“ „ge-deutet“. Über Gott „deutet“ die Gotterkenntnis überhaupt nichts. Sie erfährt durch Gotterle-ben in der eigenen Seele das Göttliche und er-kennt Wesenszüge des Göttlichen.

  3. Was eine „Anonymität“ Gottes anbelangt, so ist sie – nach der Philosophie Kants und M. Lu-dendorffs – wohl für die reine Vernunft gege-ben: Der Vernunft ist das Erkennen der Er-scheinungswelt möglich, nicht aber das Erken-nen des Göttlichen, das raum-, zeit- und ur-sachlos das All durchwaltet. Das Gotterleben und -erkennen geschieht spontan, d. h. un-verursacht, von selbst, bleibt dem Erlebenden also nicht „anonym“.

  4. Somit kann irgendeine „Deutung“ in der Phi-losophie M. Ludendorffs nicht gefunden wer-den.

  5. Schon gar nicht setzt Mathilde Ludendorff „den Atheismus der Katholischen Kirche“ fort, ganz im Gegenteil. Sie erledigt ihn, indem sie ihn als Konstruktion des Logos, eines Übergriffes der reinen Vernunft auf ein Gebiet aufzeigt, das ihr nicht zugänglich ist, über das sie also nur spe-kulieren und phantasieren, aber nicht erken-nen kann.

  6. Einen „deus absconditus“ gibt es in der Gotter-kenntnis nicht, wohl aber wird die Vorstellung von einer jenseits des Alls herrschenden, die Geschicke der Menschen leitenden männlichen Gestalt, genannt „Gott“, Jahweh, Zeus, Jupiter, als das erkannt, was sie sind: Ausgeburten menschlicher, vernunftgeleiteter Phantasie, die mit einem innerseelischen Erleben des Göttli-chen nichts gemein hat. Wenn man einen sol-chen „deus“ als einen in der Gotterkenntnis „absconditus“ – oder besser nicht vorhandenen – meint, dann hätte man allerdings recht. Hirn-gespinste liegen der Philosophie Mathilde Ludendorffs fern.

Der Mensch, in dessen Seele das Göttliche lebt, kann zum Bewußtsein Gottes werden. Er erlebt – wie auch Schleiermacher sagt – „mitten in der Endlichkeit das Unendliche“, Gott. Und wie Schiller sagt: „Es ist nicht außen, da sucht es der Tor, es ist in dir, du bringst es ewig hervor.“

Über Kant hinaus, der die menschliche Vernunft als das „Bewußtsein der Erscheinungswelt“ feststellte, erkennt Mathilde Ludendorff die gottwache Men-schenseele als das „Bewußtsein Gottes“, als das in fast unendlichen Zeiten des Schöpfungsgeschehens erreichte Ziel des göttlichen

„Willens zur Bewußtheit“.

 

Mathilde Ludendorff 1926 (Wolfgang Willrich)

Die dem Menschen in die Wiege gelegte Unvollkom-menheit sichert ihm die Freiheit, sich dem Göttlichen „spontan wie Gott selbst [M.L.]“ aufzuschließen und endlich ganz zu vereinen. So ist dem Menschen ein hohes Amt anvertraut, das wahrzunehmen höchste Moral bedeutet. Mathilde Ludendorff endet ihr erstes philosophisches Werk „Triumph des Unsterblichkeit-willens“ (erschienen vor 100 Jahren, 1921) mit den Worten:

Die Moral des Lebens, geboren aus unserer Erkenntnis vom heiligen Menschenamte, wird die Menschen kampflos zu jenen lichten Hö-hen führen, auf denen die Seltnen aller Jahr-tausende weilten, wenn sie auch freilich ihre Gotterhabenheit nur dunkel ahnten.

… Das „tausendjährige Reich“, das die Men-schen in fantastischen Mythen vorausahnten, diese höhere Daseinsform, sie kann erst be-ginnen, wenn die Menschen den tiefen Sinn ihres Daseins erfaßt haben [sich zum Bewußt-sein Gottes innerlich entfalten zu können (Adelinde)].

… Der unermeßliche Kosmos seit undenkli-chen Zeiten und auf undenkliche Zeiten hin stumm kreisender Welten aber erfüllt den Sinn seines Werdens und Seins jeweils in der Vollendung, wenn der sterbliche Mensch, der einzige, der schuldig werden kann, im Dasein den Weg der Heiligung schreitet, göttliche, unsterbliche Worte, Taten und Werke auf Mit- und Nachwelt ausstrahlt und am Abende sei-nes Lebens so vollkommen ist wie alle nicht-bewußte Erscheinung des Alls und diese Vollkommenheit, diesen dauernden Einklang mit dem Göttlichen bewußt erleben darf.

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Markwart Cochius
2 Jahre zuvor

Manchmal helfen Kleinigkeiten, um etwas zu verstehen. Ich las “Botschaften der Urvölker”. Wohlgemerkt Fragmente dieser, die heute noch so angesehen werden können. Frau Wilson-Scharf stellt heraus, daß diese (Ur-) Völker eine ganzheitliche Lebensphilosophie haben/hatten. Diese Weltanschauung (Religion?) äüßert sich insbesondere in einem Wort: “Aber…” Ich dachte weiter und fand, daß heute darin der Dualismus zu erkennen ist; und noch weiter: die sächliche Gottvorstellung. Und diese Art macht uns z.Z. das Leben so schwer, wieder zurück zu finden und die fürchterliche Technisierung wieder einzubinden in die Gesamtschau der Natur, also in die Schöpfung. Und da gibt es keinen Gott. Das Erkennen dieser Gesamtschau ist viel größer als “Gott”.

Schachspieler
Schachspieler
2 Jahre zuvor

Schach matt Horst. Besser hättest Dus nicht selber schreiben können, schon gar nicht, wenn Du immer eine gewisse Würze (j) in die Suppe reinhauen willst, (und Dir nicht bewußt ist, daß die Würze, wie Du sie verwendest [besser: Fehl-Verwendest], Millionen von Scoville hat und einfach nicht paßt) – (soll bedeuten: guter Text von Adelinde).

Matthias Köpke
2 Jahre zuvor

Sehr guter Eintrag, Adelinde. Mathilde Ludendorff hat zum Thema “Schicksal” ca. 1934 einen – für mich sehr aufschlußreichen – Aufsatz mit dem Titel “Wahn über die Ursachen des Schicksals” geschrieben, den ich in meinem Buch “Gibt es eine metaphysische Kriegführung?” auf den Seiten 81-93 neu veröffentlicht habe. Man kann dieses Buch hier aufrufen: https://archive.org/details/koepke-matthias-gibt-es-eine-metaphysische-kriegfuehrung-2.-auflage_202007/mode/2up und als pdf-Datei kostenlos herunterladen.

Gerhard Bracke
Gerhard Bracke
2 Jahre zuvor

Adelinde gebührt große Dankbarkeit und Anerkennung für die unantastbare Klarstellung inmitten wabernder Nebel unterschiedlichster Formen des Irrtums, des Wahnes und der törichten Aussagen.

Juri Brüker
Juri Brüker
2 Jahre zuvor

Adelinde, auch ich bedanke mich.
der liebe Markwart-Nr1 bewog mich hier auch zu schreiben aus einfacherer Sicht, meiner Unvollkommenheit geschuldet,
Eine ganzheitliche Weltanschauung kann sich nicht in einem ►Aber◄ äußern, da diese dem Dogma der Wahrheit unterworfen ist, die kein Aber zulässt.
Hilf dir selbst, so hilft dir Gott,,, bedeutet,,, Gott ist in mir bzw. in jedem Würdigen . . .
Lügner mit ihren Halbwahrheiten sind die Ursache des meisten Übels weltweit . . .
das ist schon alles,,, mehr nicht . . .
Lügner tasten die Würde eines Würdigen an, und sind somit logisch erkennbar, eklatant Würdelose.
Eklatant Würdelose haben Würdenträger-Stühle von Deutschen unverzüglich zu räumen, um Würdigen Platz zu machen . . .
und an dieser guten Beispiel-Wirkung kann die Welt genesen.

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