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Bevölkerungsentwicklung – 5. und 6. Teil

Thomas Engelhardt

Die Bevölkerungsentwicklung im sog. Anschlußgebiet (ehemalige DDR) nach 1990 ist regelrecht dramatisch:

1988 wies die DDR (einschl. Ostberlin) eine Bevölkerungszahl von 16,2 Millionen auf.

Wie sehr sich die Einwohnerzahlen in Mitteldeutschland veränderten, soll anhand der folgenden Zahlen aufgezeigt werden:

Sachsen 1944:     5,1 Mill.

Sachsen 1990:     4,5 Mill.

Sachsen 2022:     4,1 Mill.

Thüringen 1944:  1,6 Mill. zuzüglich des infolge der Auflösung der Provinz Sachsen an Thüringen angegliederten Regierungsbe-zirkes Erfurt mit 680.000 Einwohnern = 2,3 Mill. Einwohner (1944)

Thüringen 1950:  2,93 Millionen (Zunahme infolge der Flüchtlinge und Vertriebenen)

Thüringen 1960:  2,73 Mill.

Thüringen 1975:  2,73 Mill.

Thüringen 1990:  2,61 Mill.

Thüringen 2000:  2,43 Mill.

Thüringen 2020:  2,1 Mill.

Gegenüber den 21 Millionen Einwohnern (einschließlich Berlin), die noch 1944 in Mitteldeutschland lebten verringerte sich diese Zahl infolge Krieg und Nachkrieg (siehe oben) bis auf 19 Millionen im Jahr 1946/1947 (einschließlich Ostberlin).

Bis Mitte der 1980er-Jahre sank diese Zahl noch einmal bis auf 16,5 Mill.

Die Einwohner Ostberlins nicht eingerechnet hatte Mitteldeutschland im Jahr 1985 15,5 Mill. Einwohner und heute beträgt  die Einwohnerzahl 12,4 Mill. (!!!):

Das heißt, Mitteldeutschland hatte innerhalb weniger Jahrzehnte bis 1989/90 etwa ein Fünftel oder 20 % der Bevölkerung verloren.

Heute leben in Mitteldeutschland (den sog. neuen Ländern) einschließlich Berlins ins-gesamt 16 Mill. Einwohner,  davon in Berlin 3,6 Mill. (in Mitteldeutschland abzüglich Berlins also 12,4 Millionen). Abzüglich der Einwohner in Berlin (von den dortigen 3,3 Mill. sind allerdings nur noch etwa drei Viertel Deutsche (August 2023: 23,9 % Ausländeranteil) weist Mitteldeutschland (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg und Vorpommern) heute noch 12,4 Millionen Einwohner auf (zuzüglich der etwa 1 Mill. Ostberliner).

D.h. in Mitteldeutschland leben heute im Vergleich zum Jahr 1944 ein Drittel weniger Menschen als damals (in dieser Zahl ohne Berlin: Berlin damals 4,4 Millionen Einwohner; demzufolge wies Berlin damals 1 Million Einwohner mehr als heute auf!!!).

Mitteldeutschland (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg und Vorpommern):

1944:  18,0 Mill.  (ohne Berlin)

1990:  15,5 Mill.  (ohne Ostberlin)

2023:  12,4 Mill.  (ohne Berlin)

Deutlich gemacht werden sollte, daß Demo-graphie ein komplexes Thema darstellt. Einfache Lösungen wie die Ansiedlung von deutschstämmigen Minderheitengruppen scheiden als Lösungsansatz daher aus.

Zuerst einmal muss das Ziel sein, die deutsche Staatlichkeit wieder herzustellen. Das wird nur möglich sein, wenn die Bun-desrepublik liquidiert wird.

Hieraus folgen alle anderen Aufgaben und Lösungsansätze. So lange aber die Bundes-deutschen meinen, diese „BRD“ wäre ihr Staat, der Staat der Deutschen, sind alle Überlegun-gen über demographische Probleme hinfällig.

Dazu zwei Zitate:

Renate Schmidt (geborene Pokorny, * 12. Dezember 1943 in Hanau) war eine bekannte SPD-Politikerin.

Sie amtierte von 1990 bis 1994 als Vizeprä-sidentin des Deutschen Bundestages und war im Kabinett Schröder II von 2002 bis 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Frage, [ob die Deutschen ausster-ben], das ist für mich eine, die ich an allerletzter Stelle stelle, weil, dieses ist mir, also so wie sie hier gestellt wird, verhältnismäßig wurscht.

[Renate Schmidt, SPD und spätere Bundesfamilienministerin, am 14.3. 1987 im Bayerischen Rundfunk]

Helmut Quaritsch, bundesdeutscher Rechts-wissenschaftler, urteilte, daß er davon überzeugt sei,

daß ‚die Bundesrepublik […] sich seit ihrer Gründung im ideologischen Kriegszustand mit dem Dritten Reich [befände]. Darum würden alle damaligen Werte zu Unwerten erklärt und ihr Gegenteil zum Wert‘.

Helmut Quaritsch (* 20.04.1930 Hamburg, † 19.08.2011 Speyer), in: Positionen und Begriffe Carl Schmitts, 3. Aufl., Duncker & Humblot, Berlin 1995.

Zusammenfassung:

Um die Dramatik der heute gegebenen Situation noch einmal darzustellen:

Auf dem Gebiet der alten Bundesländer (BRD-Territorium bis 1990) lebten im Jahr 1944 etwa 38 Millionen Menschen, heute aber 67 Millionen.

Die Einwohnerzahl in den bis 1949 als Westzonen bezeichneten Gebieten (und danach das Territorium des deutschen Teilstaates „BRD“, genannt Bundesrepublik bildend) wuchs bis 1989 infolge Zuwan-derungen aus Ost- und Mitteldeutschland und den Vertreibungsgebieten in Osteuropa (Rumänien, Ungarn, Jugoslawien, Tschecho-slowakei, Sowjetunion) bis auf 62,68 Millionen (Stand 1989)!

Aktuell leben auf dem Gebiet der Altbundes-länder etwa 67,5 Millionen Menschen, Berlin hat 3,8 Millionen Einwohner und die neuen Bundesländern haben eine Bevölkerung von 12,55 Millionen (1989: 16,4 Millionen ein-schließlich Berlin und Ostberlin).

Berlin hat heute eine Einwohnerzahl von 3,8 Millionen (im Jahr 1938 wurden bis 1970, nach Abschluß des geplanten Umbaus der Reichshauptstadt, 10 Millionen Einwohner geplant, die innerhalb des Reichsautobahn-ringes leben sollten; in den Vor- und Satel-litenstädten außerhalb der Ringautobahn sollten noch einmal 1,5 bis 2 Millionen Menschen angesiedelt werden).

D.h. im Osten des heutigen Deutschland (BRD-Gebiet) leben (einschl. Berlin) heute insgesamt 16,3 Millionen Einwohner, in West-, Nord- und Süddeutschland (= Alt-BRD) dagegen 67 Millionen:

Mitteldeutschland (einschl. Berlin) : 108.580 km², 16,35 Mill. Einw.

Altbundesländer : 248.800 km², 67,14 Millionen Einw. (2022).

Besonders berücksichtigt werden muß darüber hinaus (abgesehen von der an sich schon fatalen Bevölkerungsverteilung in der Fläche) die Tatsache, daß etwa 77,5 % der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik heute in Städten lebt (Stand 2020).[1]

In den 81 Großstädten (> 100.000 Ein-wohner) der BRD leben aktuell (Stand 2024) etwa 30 % der Gesamtbevölkerung, d. h. ca. 25 Millionen, davon allein 5,1 Millionen im Ruhrgebiet (= Stadt-zusammenballung von 15 Städten im heutigen Regionalverband Ruhrgebiet).

Im Falle einer Nahrungsmittel- und Versor-gungskrise sind die möglichen Folgen nicht auszudenken.

[1]Qu.: https://de.statista.com/

Thomas Engelhardt

zieht hier im gleich anschließenden Teil 6 das Fazit aus seinen 5 vorherigen Teil-Abhandlungen zum selben Thema:

Im Falle eines anderen Kriegsausganges würden wir heute drei Generationen später hinsichtlich der deutschen Bevölkerung eine völlig andere Situation vorfinden:

Die Bevölkerungsverteilung wäre ausgewo-gener, Süd- und Westdeutschland würden eine Bevölkerungszahl von etwa 40-45 Millionen Einwohnern aufweisen, Mittel-deutschland (ohne Berlin) etwa 20-25 Millionen (Sachsen beispielsweise hat heute 1 Million weniger Einwohner als 1944, Thüringen hat gemessen am Stand 1945/46 etwa ein Drittel der Einwohner verloren).[1]

Als jahrzehntelange Zuzugsgebiete hätten Ostdeutschland (die preußischen Ostpro-vinzen) und die 1939 gebildeten „Neuen deutschen Ostgebiete“ bis heute erhebliche Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen. Die Gewinner dort insbesondere die Städte.

Berlin wäre heute bezüglich der Zahl der Einwohner mindestens doppelt so groß wie 1944[2], Dresden, Breslau, Posen und Königsberg/Ostpr. neue Millionenstädte.

In Ostdeutschland (114.000 km²) würden heute etwa 15-20 Millionen Menschen leben (davon allein in Schlesien etwa 9-12 Milli-onen), in den Neuen deutschen Ostgebieten (etwa 100.000 km²) ebenfalls mindestens 10 Millionen.

Die Gesamtbevölkerung Alt-Deutschlands hätte sich, legt man die Geburtenzahlen der 1940er-Jahre zugrunde, in siebzig Jahren auf etwa 110-120 Millionen Einwohner erhöht.[3]

Rechnet man Österreich und das Sudetenland hinzu, würden heute etwa 130-140 Millionen Deutsche in Großdeutschland leben.

Der deutsche Osten, d. h. Ostdeutschland und die Anschluß- und Eingliederungsgebiete (Wartheland, Zichenau, Sudauen, Bjelostok/Bialystok, Neuostpreußen), würde heute eine völlig andere Struktur aufweisen als noch 1944/45, sowohl hinsichtlich der Siedlungs- als auch der Wirtschafts- und Infrastruktur, mehr noch hinsichtlich der Bevölkerung.

Alle damit in Zusammenhang stehenden Betrachtungen erweisen sich naturgemäß jedoch als in hohem Maße spekulativ.

Nachtrag

Auszug aus: FOCUS Magazin | Nr. 38 (2001)

ZWANGSARBEITERINNEN. Gefangen, gepeinigt, vergessen (09.08.2018)

Am Ende des Zweiten Weltkriegs verschleppte die Rote Armee fast eine Million deutsche Frauen und Kinder zur Fronarbeit in die Sowjetunion. Mit Kolbenhieben trieben Soldaten die jungen Frauen und Mädchen in Viehwaggons zusammen.

40 und mehr pferchten sie auf engstem Raum. Vergewaltigungen durch Rotarmisten vor dem Abtransport gerieten zum lebens-langen Trauma.

„Ich war doch so erzogen worden, daß ein Mädchen unberührt in eine Ehe gehen soll“, sagt Charlotte Kaufmann, 73.

Die Eroberer kannten keine Gnade.

Es waren deutsche Frauen, Mädchen, Kinder, die die Häscher unter dem Sowjetstern zur Zwangsarbeit verschleppten. Junge Frauen aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien; Volksdeutsche aus dem Sudetenland und aus Polen; Donauschwaben aus dem ungarischen Banat und aus Rumänien.

Zwischen Januar und Mai 1945 erging an die vorrückende Rote Armee der Befehl, deutsche Zivilisten zusammenzutreiben. Sowjetsol-daten verschleppten mehr als eine Million Zivilisten in die Sowjetunion. Unter ihnen 864 000 Frauen, Mädchen und Kinder sowie einige Tausend weibliche Bedienstete der Wehrmacht und des Roten Kreuzes.

Ihre Zwangsarbeit galt den Siegern als Re-parationsleistung zum Wiederaufbau der durch die Wehrmacht verwüsteten Sowjet-republiken. Weitere Hunderttausende dieser „Reparationsgefangenen“ litten unter dem Joch in Polen, in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien.

In der öffentlichen Diskussion über aus-ländische Zwangsarbeiter kommen sie nicht vor. So wenig wie ihre Fron in den Wäldern Sibiriens, in Tundra und Taiga, in Bergwer-ken, Fabriken und Kolchosen Rußlands.

„Man hat die Opfer von uns Frauen einfach vergessen“, klagt Charlotte Kaufmann an.

Auf dem Höllenmarsch in die Lager des sowjetischen Gulag hungerten die Ver-schleppten, Durst peinigte sie.

„Wenn die Posten gute Laune hatten“, erinnert sich Irmgard Reimann, 77, „gabs mal einen Eimer mit Wasser. Viele starben auf dem Transport.“

Die damals 21-Jährige war den Soldaten, die sie zur Zwangsarbeit deportierten, am 14. Februar 1945 in die Hände gefallen.

Wie bei allen Kriegen, die Männer beginnen, trugen auch nach dem Zweiten Weltkrieg Frauen die bitterste Last.

„Wir waren wohl die Unschuldigsten an diesem furchtbaren Krieg, mußten aber die Kriegsschulden für das ganze deut-sche Vaterland bezahlen“,

meint Kaufmann, als Kind nach Karelien verschleppt. So zahlten eine Million Frauen und Mädchen für den verlorenen Krieg:

„Als mir im Sommer 1948 eine Ver-dienstbescheinigung vorgelesen wurde, stand da, daß uns allen 20 Prozent unseres Lohnes als Kriegsschulden abgezogen wurden“,

berichtet die alte Dame. Resümee Kaufmanns:

„Als Hitler an die Macht kam, war ich fünf Jahre alt, als der Krieg ausbrach, noch keine zehn. Mit 16 Jahren ging ich in Ge-fangenschaft. Wo war meine persönliche Schuld?“

Mit vielen Ortsnamen der Straf- und Ar-beitslager verbindet sich aller Schrecken, der nachwirkt bis heute: Kopeske und Tschelja-binsk östlich des Ural, Kemerowo in Sibirien, Petrosawodsk/Karelien und Tausende andere. Dort lebten sie, hungerten, malochten, und dort starben sie. Junge Frauen, Kinder – die jüngste unter 1000 Frauen und minder-jährigen Mädchen im Straflager 517/Padosero war zwölf.

Zwangsarbeit bedeutete Schinderei. Die Frauen quälten sich mit Rodungsarbeiten, beim Straßenbau, in Sägewerken. Am One-gasee verlegten sie Gleise, erfroren beim Kanalbau am Eismeer und bei minus 40 Grad Celsius.

Beim Betongießen rissen sie sich die Hände blutig, ätzten ihre Lungen in Kalkbrenne-reien. Im Donezbecken und jenseits des Ural zwang man sie unter Tage in die Kohlengru-ben.

Andere Arbeitslager erreichten die Gefange-nen auf offenen Waggons. Die 73-jährige Berta Sczepan erzählt:

„Die Bewacher tauschten unsere Essensrationen für Wodka ein.“

„Ich war all die Jahre im sibirischen Kohlenbergwerk unter Tage, acht bis zehn Stunden am Tag, und hatte kaum etwas zu essen“,

erinnert sich Margot Gerhard, 72, an ihr fünfjähriges Martyrium. Rotarmisten hatten die 16-Jährige Ende Januar 1945 im ost-preußischen Elbing gefangen.

Die Sowjets zwangen Frauen zu härtester Holzfällerarbeit:

„Schon der Fußmarsch zum Rodungsplatz bedeutete für uns eine unsagbare Stra-paze; die absolute Mangelernährung und die Ruhr haben uns sehr geschwächt“,

blickt Ursula Seiring, 76, zurück.

Durchfall und Seuchen waren die Folgen. Anna Schlemminger, 80, als 24-Jährige an Ostern 1945 von Rotarmisten aus Ostpreußen verschleppt:

„Erst im Winter bekamen wir richtige Kleidung, wenn wir Schnee schippen und Holz sägen mußten.“

Meist zahlten die Peiniger den Lohn willkür-lich, regellos, vielfach gar nicht – und meist erst ab dem dritten Jahr der Gefangenschaft. Irmgard Reimann berichtet von

„mitunter für vier Wochen nur 200 Rubel“,

für die Arbeit im Bergwerk. Davon wurde allerdings

„ein Betrag für die Unterkunft einbehalten“.

Obendrein mußten die Frauen ihre Verpfle-gung davon bezahlen, bei Preisen von zehn Rubel für einen Eimer Kartoffeln, für ein Marmeladeglas voller Milch vier Rubel, 1200 Gramm Brot für drei Rubel – und auch das noch gegen karg zugeteilte Brotmarken.

„Einmal haben wir nachts Kohlen aus einem Waggon geladen“,

entsinnt sich Martha Grüner, 73,

„dafür gabs 20 Rubel.“

Auch in Naturalien wurde entlohnt. „Bei erfüllter Norm“ für Bäumefällen am Eismeer erhielten Anna Schlemminger und ihre Mit-gefangenen 700 Gramm Brot. Blieben sie unter der vorgegebenen Leistung, mußten sie sich mit einem Pfund Brot und Wassersuppe begnügen.

Die Überlebten vergaßen nie. Ursula Seiring:

„Morgens 125 Gramm Brot und Tee, abends Wassersuppe. Danach suchen wir uns gegenseitig die Köpfe nach Läusen ab. Die Wanzen quälen uns alle sehr. Nachts ist täglich Antreten und Abzählen. Bei der hohen Todesziffer – 30 bis 40 Tote pro Tag bei etwa 3000 Gefangenen pro Lager – stimmen die Zahlen fast niemals überein.“

Manche vollends Verzweifelte nahmen sich selbst das Leben; vereinzelt ertränkten sich Frauen in Latrinen. Sie hausten in Erdlöchern unter unsäglichen hygienischen Bedingun-gen, in Baracken hinter elektrischen Zäunen mit schußbereiten Posten.

Ende 1950 kehrten gerade mal 300.000 Zwangsarbeiterinnen über Frankfurt an der Oder im Osten und das niedersächsische Friedland im Westen heim. Hunderttausende waren gestorben, verschollen. Genaue Zahlen kennt niemand.

Entschädigung vom Vaterland? „Geltungs-kriegsgefangene“ nannte das Kriegsgefan-genen-Entschädigungsgesetz die ver-schleppten Zivilisten. Im Dezember 1992 kappte der Bundestag das Gesetz, ersetzte es durch ein „Heimkehrerstiftungsgesetz“. Der Drei-Millionen-Mark-Etat dieser Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Bonn finanziert sich aus Steuergeldern.

Olga Hahn, heute 74, als 18-Jährige ver-schleppt, erhielt nach dem alten Kriegs-gefangenen-Entschädigungsgesetz 570 Mark für ihr Martyrium von März 1945 bis Juli 1948. Zuständige Ämter legten das Gesetz aber nicht selten nach Gutdünken aus. So zahlten sie an Elfriede Klimmeck für vier Jahre Lager rund 1000 Mark.

Andere Frauen erhielten 1320 Mark. Martha Grüner erhielt nach ihrer Heimkehr im No-vember 1949 vom Ausgleichsamt Wiesbaden mit 131 Mark „Überbrückungsgeld“. Und Eva Martensson schob man nach über vier Jahren Zwangsarbeit im Einwohnermeldeamt Ham-burg-Bergedorf 300 Mark zu – und eine Dose Kondensmilch.

Parallelen zu sehen zwischen Zwangsarbeit, die Ausländer in Deutschland leisteten, und Zwangsarbeit von Deutschen in Lagern des späteren Ostblocks beweist – aus Sicht des Bundeskanzlers Gerhard Schröder – eine falsche Geschichtsauffassung.

Die Frauen, die heute berichten, tun dies nicht, um Haß zu säen. Sie reden, um weiße Flecken der Geschichte mit Leben und mit Wirklichkeit auszufüllen.

ZAHLEN DES GRAUENS

Nach dem Zweiten Weltkrieg leisteten über eine Million deutsche Frauen Zwangsarbeit hinter dem Eisernen Vorhang.

Die Sowjets allein verschleppten 864 000 FRAUEN und Kinder.

Bei der Deportation und in den Arbeitslagern starben 322 000 FRAUEN und Kinder an Hunger, Erschöpfung.

____________

Anmerkungen

[1]Beim Vergleich der Einwohnerzahlen Thüringens ist zu berücksichtigen, daß bis 1944 der preußische Regierungsbezirk Erfurt nicht zum Land Thüringen gehörte.  Durch den „Erlaß des Führers über die Aufgliederung der Provinz Sachsen“ vom 1. April 1944 wurde die preußische Provinz Sachsen zum 1. Juli 1944 aufgelöst und der Regierungsbezirk Erfurt dem Reichsstatthalter in Thüringen unterstellt.

[2]Berlin 1.01.1944:   4,43 Mill. Einw. (2022: 3,75 Mill. Einw.)

[3]Hier sei auf die Entwicklung der Bevölkerungszahl (Zahl der geborenen Kinder und Bevölkerungswachstum) verwiesen (in den Zahlenangaben sind die Bevölkerungszahlen Österreichs und des Sudetenlandes nicht enthalten).

1934:   66,41 Mill.  725.000 Geburten, Bevölkerungswachstum   473.000

1935    66,87 Mill.  792.000 Geburten, Bevölkerungswachstum   471.960

1936    67,34 Mill.  795.000 Geburten, Bevölkerungswachstum   482.800

1937    67,83 Mill.  794.400 Geburten, Bevölkerungswachstum   482.680

1938    68,42 Mill.  799.200 Geburten, Bevölkerungswachstum   549.300

1939    69,31 Mill.   854.350 Geburten, Bevölkerungswachstum  559.000

1940    69,83 Mill.   885.600 Geburten, Bevölkerungswachstum  517.000

1941    70,24 Mill.   844.500 Geburten, Bevölkerungswachstum  464.000

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