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Besatzerwillkür 1945: Bardowick, Haren (Ems), Swinemünde, Stettin –

zusammengestellt von

Thomas Engelhardt

Kalenderblatt 25. April: Am 25. April 1945 wird Stettin von der Roten Armee erobert und besetzt. Damit wird das Ende der deutschen Stadt eingeleitet.

Zeugnisse für die „Befreiung“ 1945:

Bardowick (bei Lüneburg, früher: Bardowieck), Landkreis Lüneburg

Im Mai 1945 mußten die Einwohner von Bardowick auf Befehl der britischen Besat-zungsmacht ihren vom Krieg verschonten Flecken bei Lüneburg verlassen.

Am späten Abend des 18. Mai 1945 befahl die britische Militärregierung in Lüneburg die Räumung des Bardowicker Altdorfes bis zum 20. Mai 1945 um 16 Uhr.

Am anderen Tag, dem 19. Mai 1945, wurde vom örtlichen Ausrufer das sogenannte „Polnische Pfingsten“ eingeläutet. Bis zum Folgetag, Pfingstsonntag, 20. Mai, 13 Uhr, hatten alle etwa 2.600 Bewohner den Flecken Bardowick zu verlassen.

Der Ort wurde von 5.000 Polen, bei denen es sich um  polnische „Displaced Persons“, ehe-malige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter handelte, bezogen. Dieses sogenannte Polen-jahr endete erst am 29. März 1946 mit der Wiedereinführung von Bürgermeister Kuchel in seine Amtsgeschäfte.

Haren (Ems) und die polnische Besatzungs-zone im Emsland

Darüber hinaus existierte in der Zeit von 1945 bis 1948 auch eine kleine polnische Besatzungszone im äußerten Westen Deutschlands, die rund  6.500 km² umfaßte.

Dieses polnische Besatzungsgebiet stellte innerhalb der britischen Besatzungszone ein Sonderterritorium im besetzten Emsland dar, zu der auch die Grafschaft Bentheim und Teile des Kreises Cloppenburg gehörten.

Das gesamte Besatzungsgebiet stand unter polnischer Militärverwaltung der 1. Polni-schen Panzerdivision, die Teil der westalli-ierten Invasionsstreitmacht gewesen war.

Das Besatzungsgebiet wurde von polnischen Truppen besetzt. Verwaltungssitz war Haren (Ems), das in Maczków umbenannt wurde.

Das Besatzungsgebilde bestand vom 3. Juni 1945 bis zum 3. August 1948. Es umfaßte Teile des Emslands, der Grafschaft Bentheim und Teile des Kreises Osnabrück (Samtge-meinden Fürstenau, Artland, Bersenbrück, Neuenkirchen und der Gemeinde Bramsche), am 20. Mai 1946 noch erweitert um den ostfriesischen Landkreis Leer und am 3. August 1946 um den Landkreis Aurich sowie die Stadt Emden und die heutige Samtge-meinde Holtriem und die westlichen Ort-schaften der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund.

Haren wurde vollständig geräumt, die deutschen Bewohner ausgewiesen. Mit-genommen werden durften lediglich Wertsachen, Kleidung, Lebensmittel und Haustiere.

Möbel, Einrichtungsgegenstände, Matratzen und Hausstand bis hin zu Tellern und Besteck mußten in den Wohnungen verbleiben und den polnischen Besatzern zur Verfügung gestellt werden.

Zwischen dem 21. und 28. Mai 1945 mußten 514 Häuser geräumt werden. Polnisch ver-waltet unterstand das Territorium de jure  jedoch auch weiterhin der britischen  Militärregierung.

4000 Polen nahmen Besitz von Haren. Die Gemeinde bekam einen polnischen Bürger-meister und Gemeinderat, polnische Stra-ßennamen, Schulen, ein Kino sowie zwei Theater und wurde Sitz des polnischen Lehrerverbandes, der von hier aus das Schulwesen in den westlichen Besat-zungszonen organisierte.

Einen neuen Namen bekam die Gemeinde auch. Kurze Zeit lautete er Lwów. Dann er-folgte im Juni 1945 die Umbenennung des Ortes in Maczków. 1948 endete die polnische Besatzungsherrschaft.

Swinemünde

Im gegebenen Zusammenhang muß auch an die Inbesitznahme der Städte Swinemünde und Stettins durch die Polen erinnert werden.

Swinemünde, bis zum Zweiten Weltkrieg ne-ben Kühlungsborn und Kolberg das dritt-größte deutsche Ostseebad, wurde am 5. Mai 1945 von der Roten Armee besetzt. Stadt und Hafen wurden den Polen nicht zur Verwaltung übergeben, sondern blieben aufgrund der Bedeutung des Hafens als Sperrzone unter sowjetischer Militärverwaltung.

Erst am  6. Oktober 1945 wurde die Stadt den Polen übergeben. Jedoch verblieb  eine starke sowjetische Garnison bis 1958 in der Stadt bzw. bis 1961 in der Festung am westlichen Ufer der Swine, einem der drei Oder-Mün-dungsarme.

Am 7. Oktober 1945 erfolgte die Umbenen-nung der Stadt in Świnoujście. Das Datum gilt als Gründungstag der „polnischen“ Stadt Swinemünde, die von den einsickernden Polen in Raubrittermanier besetzt und in das polnische Verwaltungsgebiet eingegliedert wurde.

Zu diesem Zeitpunkt lebten noch etwa 30.000 Deutsche in der Stadt, die bis 1950 vertrieben wurden (1950 lebten noch 600 Deutsche in Swinemünde). 1950 hatte Swinemünde 5.500 Einwohner (aus Ost- und Zentralpolen stam-mende Polen), 1960 knapp 18.000 Einwoh-ner, 1980 aber bereits 47.000. Demgegenü-ber lebten 1939 27.000 Deutsche in Swinemünde.

Stettin 1945

Noch grotesker mutet die gewaltsame Einverleibung Stettins an. Die Besetzung Stettins durch die Polen widersprach der Formulierung des Abschlußprotokolls der Potsdamer Konferenz. Alliierte Vereinba-rungen sahen noch Anfang August 1945 einen Grenzverlauf

„unmittelbar westlich von Swinemünde und von dort die Oder entlang bis zur Einmündung der westlichen Neiße“ vor.[1]

„Die Häupter der drei Regierungen stimmen darin überein, daß bis zur endgültigen Festlegung der Westgrenze Polens, die früher deutschen Gebiete östlich der Linie, die von der Ostsee unmittelbar westlich von Swinemünde und von dort die Oder entlang bis zur Einmündung der westlichen Neiße und die westliche Neiße entlang bis zur tschechoslowakischen Grenze verläuft, einschließlich des Teiles Ostpreußens, der nicht unter die Verwaltung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in Übereinstimmung mit den auf dieser Konferenz erzielten Vereinbarungen ge-stellt wird und einschließlich des Gebie-tes der früheren Freien Stadt Danzig, unter die Verwaltung des polnischen Staates kommen und in dieser Hinsicht nicht als Teil der sowjetischen Besat-zungszone in Deutschland betrachtet werden sollen.“[2]

So sehr man den Inhalt der Potsdamer Beschlüsse dreht und wendet, der Wortlaut besagt eindeutig, daß das westwärts der Oder gelegene Stettin und das Stettiner Gebiet (bis 1939 Landkreis Randow) im Bereich der sow-jetischen Besatzungszone verbleibt und nicht in den provisorischen polnischen Verwal-tungsbereich gehört, welcher sich nur über die deutschen Gebiete ostwärts der Oder und der Lausitzer Neiße sowie über den Südteil von Ostpreußen erstreckt.

Allenfalls hätte demzufolge der östlich der Oder gelegene Teil Stettins mit einem Teil der für die Stadt allerdings wichtigen Hafen- und Industrieanlagen sowie die nahebei gelegene Stadt Altdamm (1939 16.000 Einwohner) unter polnische Verwaltung gestellt werden können.

Unter dem Drängen der provisorischen polnischen Regierung bemühten sich die Sowjets bereits auf der Potsdamer Sie-gerkonferenz, im Sinne der weiteren polnischen Expansionswünsche und Gebietsforderungen auch Stettin in die pol-nischen Hände zu spielen, doch setzten die Westmächte den von den US-Amerikanern noch am 30. Juli 1945 auf der Konferenz eingebrachten Vorschlag zumindest in Bezug auf Stettin durch, der die vorläufige polnische Westgrenze „east of a line running from the Baltic Sea through Swinemünde, and thence along the Oder“ vorsah.

Dieser vertraglich fixierten vorläufigen Grenzregelung entsprechend unterblieb zunächst die Besetzung Stettins durch die Polen, obwohl diese seit April 1945 bereits mehrere, aber immer wieder gescheiterte Versuche unternommen hatten, die Ver-waltung der Stadt Stettin in die Hand zu bekommen.

Ein Blick also zurück in die Geschichte:

Anders als in Breslau zogen sich die Verbän-de der Deutschen Wehrmacht angesichts der feindlichen Übermacht am 25. April 1945 weitestgehend kampflos aus dem zur Festung erklärten Stettin zurück. Die Brücken über die Oder wurden gesprengt.

Da die Rote Armee schon eine Woche zuvor südlich von Stettin die Oder überschritten hatte, lag die Stadt bereits im Zugriffsbereich der feindlichen Truppen, die im Vormarschs auf die Reichshauptstadt begriffen waren.

Als am 26.  April Truppenverbände der Zweiten Belorussi­schen Armee auf das westliche Oder-Ufer in die weitgehend ver-lassene und kriegszerstörte Stadt einrückten, harrten nur noch wenige tausend deutsche Zivilisten aus, der Rest war geflohen.

Nachdem eine Militärverwaltung unter dem Stadtkommandanten Aleksander Fedotow eingesetzt worden war, rückte der Großteil der sowjetischen Truppen rasch weiter Richtung Westen vor.

Die sowjetische Stadtkommandantur war an der Sicherung der Stadt interessiert und langfristig vor allem an der Nutzung des Hafens als Umschlagplatz für die Repara-tionen, Beutegüter und Kriegstrophäen.

Am 11. Juni 1945 wurde Stettin dem Kom-mando des Sowjetmarschall Schukow in Berlin unterstellt und damit faktisch Teil der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).  Ein großer Teil der geflüchteten deutschen Einwohner kehrte zurück (Stettin hatte Ende 1944 noch 300.000 Einwohner).

Das seinerzeit in Stettin herrschende Wirrwarr wird deutlich, wenn die Abfolge der einge-setzten „Bürgermeister“ und Verwaltungs-organe betrachtet wird.

Nach der Einnahme der Stadt hatte sich zu-nächst der Kommunist Ernst Rusch bei der Roten Armee gemeldet und begonnen, eine Zivilverwaltung aufzubauen.

Er wurde allerdings schon nach wenigen Tagen durch den parteilosen Erich Spiegel ersetzt, der sich dem Nationalkomitee Freies Deutschland angeschlossen hatte und mit der Roten Armee in die Stadt gekommen war.

Spiegel sollte eine Schutzzone für die deutsche Bevölkerung einrichten, wurde jedoch um den 23. Mai durch den KPD-Funktionär Erich Wiesner abgelöst, der sich von 1927 bis 1930 in Moskau aufgehalten hatte.

Die Vorstellung Wiesners und seiner Mit-streiter war es, wie in anderen Teilen der SBZ eine kommunistische Stadtverwaltung auf-zubauen, wohlgemerkt aber eine deutsche. Sie gingen davon aus, daß Stettin ein Teil der SBZ bleiben werde und wandten sich wieder-holt an die sowjetische Militärverwaltung, die »Polenfrage« zu klären.

Die dritte Gruppe von Akteuren im Stettiner Drama waren die Polen, die Stettin verein-nahmen und in eine polnische Stadt umge-stalten wollten. Repräsentanten der geplan-ten polnischen Verwaltung waren der zum Woiwoden von Pommern neu ernannte Leonid Borkowicz sowie Piotr Zaremba, ein junger Bauingenieur aus Posen, der polnischerseits als vorläufiger Stadtpräsident Stettins vorgesehen war.

Zaremba, der den Krieg in Posen überstanden hatte, war seine Aufgabe kurzfristig übertra-gen worden. Als er am 27.  April, einen Tag nach der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee, den Auftrag erhielt, die Stadt zu inspizieren, mußte er sich zunächst aus einem Brockhaus-Lexikon einen Stadtplan heraustrennen.

Bei der Besichtigung entschied sich Zaremba für die unzerstörte Hakenterrasse als Sitz der zukünftigen polnischen Woiwodschaft. Ohne jeden Zweifel waren Borkowicz, Zaremba und die »polnischen Pioniere«, die sich dem Auf-bau eines polnischen Stettin verschrieben hatten, davon überzeugt, daß die Stadt Polen zugeschlagen werde.

Da in Stettin vor 1939 keine Polen gelebt hatten, mußte es das vorrangige Ziel der polnischen Verwaltung sein, möglichst schnell polnische Zuzügler in die Stadt zu bringen.

Am 27. April ordnete Leonid Borkowicz die Übernahme der Zivilverwaltung in Stettin durch Polen an und schickte Piotr Zaremba von Schneidemühl (ab 1945 Piła) nach Stettin.

Zarembas Erklärung gegenüber dem sowje-tischen Stadtkommandanten Fedotow, daß er nun die Zivilverwaltung leiten werde, beein-druckte diesen nicht. Eher sah der Stadt-kommandant in dem Posener Woiwoden Feliks Widy-Wirski einen Ansprechpartner, von dem er an demselben Tag Hilfe bei der Brandbekämpfung anforderte.

Schon am 28. April, zwei Tage nach der Eroberung der Stadt durch die Sowjets, traf Zaremba als Vertreter einer einzurichtenden künftigen polnischen Stadtverwaltung in Stettin ein und wurde prompt schon am nächsten Tage von der Warschauer provi-sorischen Regierung zum Stadtpräsidenten von Stettin ernannt.

Seine Aufgabe war in erster Linie darauf gerichtet, polnische „Ansiedler“ nach Stettin hereinzubringen, ein Bemühen, das insofern Erfolg hatte, als am 4. und 5. Mai auch tat-sächlich bereits einige Hundert aus Posen eigens übergeführter Polen als erste polni-sche Bewohner nach Stettin eingeschleust wurden.

Gleichzeitig gestattete Fedotow aber eine deutsche Zivilverwaltung. Die deutsche und die polnische Stadtverwaltung ignorierten einander in der Folgezeit wechselseitig und wollten der jeweiligen Gegenseite nur eine Kompetenz für die eigenen Landsleute zu-sprechen, während man selbst die Gesamt-verantwortung für die Stadt für sich in Anspruch nahm.

Nachdem Zaremba die (geplant polnische) Stadt Stettin zum Sitz der neu gegründeten Woiwodschaft Pommern erklärt hatte, traf Borkowicz in der Funktion des Woiwoden am 10. Mai in Stettin ein.

Kurz darauf verfaßte dieser einen kritischen, aber zutreffenden Bericht an den Vorsitzen-den des Polnischen Nationalrats Bolesław Bierut über die katastrophale Situation hinsichtlich Versorgungsschwierigkeiten, Brandlegung und ausufernder Kriminalität in der Stadt.

Als Fedotow feststellte, daß es keine offizielle Erklärung der polnischen Regierung zur Ver-waltungsübernahme Stettins vorlag, ent-schied Stalin persönlich, eigenmächtige Aktivitäten der polnischen Verwaltung in Stettin zu unterbinden.

Daraufhin erhielten Borkowicz und Zaremba sowie ihre Mitstreiter am 17. Mai den Befehl des sowjetischen Militärkommandanten, sich aus der Stadt zurückzuziehen.

Von da ab gab es in Stettin nur noch eine deutsche zivile Verwaltung, in der wenige Tage später der bereits oben genannte Erich Wiesner die Leitung übernahm.

In den folgenden Tagen sickerten dennoch noch viele Polen über die Oder nach Stettin ein, denn als kurz darauf, für die Polen sicher völlig unerwartet, von sowjetischer Seite der Befehl erging, daß alle Polen bis zum 19. Mai 1945 die Stadt Stettin zu verlassen und sich wieder ostwärts über die Oder zu begeben haben, verließen mit dem polnischen Stadt-präsidenten etwa 4.500 Polen (!) die deutsche Hafenstadt und Hauptstadt Pommerns, in deren von den Sowjets freigegebene Stadt-teile nun Zehntausende vorübergehend ge-flüchtete bzw. evakuierte Deutsche zurückkehrten.

Erich Wiesner wandte sich mit einer Petition Mitte Juni 1945 direkt an Marschall Schukow in Berlin zu und schildert die katastrophale Situation in der Stadt, in der inzwischen be-reits mehrere Tausend Polen hausten, die die in der Stadt verbliebenen Deutschen drang-salierten, gezielt Brände legten, raubten und auch vor Vergewaltigung und Mord nicht zurückschreckten.

Der deutschen Stadtverwaltung wurde es zunehmend unmöglich, des herrschenden Chaos Herr zu werden, zumal die Hand-lungsspielräume angesichts der unter sowjetischer Militärverwaltung stehenden Stadt in hohem Maße eingeschränkt waren!

Am 9. Juni 1945 zog die polnische „Opera-tionsgruppe Stettin“ nach einer Entscheidung Stalins wieder in der pommerschen Provinz-hauptstadt ein, doch kam es bald zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen deutschen Einwohnern und Polen, da letztere die Arbeit der seit einiger Zeit wieder bestehenden und sogar unter einem deutschen Oberbürger-meister arbeitenden deutschen Stadtver-waltung zu sabotieren und immer weiter einzuschränken versuchten.

Die Rolle der sowjetischen Militärverwaltung bleibt im gegebenen Zusammenhang un-durchsichtig, auch mit Rücksicht auf die zu erwartenden Rückwirkungen seitens der Westmächte, von denen die Amerikaner in offiziellen Noten an die Sowjetregierung vom 8. April und vom 8. Mai 1945 Anfragen we-gen der eigenmächtigen Übergabe ostdeut-scher Kreise in polnische Verwaltung gestellt und um Aufklärung gebeten hatten.

Auf die amerikanische Note vom 8. April und die zunehmende Verschlechterung des Ver-hältnisses zwischen den Westmächten und der Sowjetunion war auch das Zentralkomitee der Polnischen kommunistischen Arbeiter-partei auf seiner Vollsitzung vom 3. bis zum 5. Mai 1945 eingegangen, auf der Wladislaw Gomulka mahnend seine Stimme erhob, freilich in einem umgekehrten Sinne, als es der Absicht der Westmächte entsprach:

Wenn wir nicht die früheren deutschen Gebiete so rasch wie möglich poloni-sieren, werden wir keine Begründung für die Erhebung von Ansprüchen haben, die sie uns bereits verweigern!“

Die polnische Publizistin Krystina Kersten bemerkte hierzu völlig unverblümt, daß es wegen des ständig wachsenden Konflikts zwischen den Westmächten und den Sowjets für die Polen notwendig gewesen sei, so rasch wie möglich, wenn schon nicht de jure, so doch zumindest de facto vollzogene Tatsachen zu schaffen und die deutsche Bevölkerung in einer breiten Zone von der Oder-Neiße-Linie völlig zu vertreiben!

Aus diesem Grunde wurde bereits am 3. Juni 1945, kurz vor dem Erlaß der vier Kapitula-tions-Deklarationen der vier Siegermächte, in denen Deutschland in den Grenzen von 1937 als eine fortbestehende staatliche Einheit betrachtet und ausdrücklich anerkannt wird, das polnisch-kommunistische Militärsied-lungswesen entlang der Oder-Neiße und der pommerschen Ostseeküste mit der Aufgabe gegründet, das gesamte von Polen wider-rechtlich besetzte und angeeignete neue Grenzgebiet[3] von der deutschen Bevölke-rung in kürzester Frist vollständig zu räumen, um danach den Anspruch auf die gesamten deutschen Ostgebiete mit bereits vollzogenen Tatsachen begründen zu können.

Aber auch das zweite Mal blieb die neuerlich in Stettin eingerichtete polnische Stadtver-waltung infolge des zögernden und un-schlüssigen Verhaltens der Sowjets nur eine Episode. Schon acht Tage nach dem Wieder-einzug der Polen in Stettin wurden sie von den Sowjets angewiesen, binnen zwei Tagen Stettin wieder zu verlassen.

Am 9. Juni war in Moskau die Entscheidung getroffen worden, daß die polnische Ver-waltung nach Stettin zurückkehren könne, zehn Tage später, am 19. Juni, wurde diese bereits wieder abgezogen.

Der Hintergrund war offensichtlich derselbe wie im Mai: Es sollte der Eindruck vermieden werden, daß die polnische Regierung Stettin bereits übernommen habe, wenngleich genau dies offenbar geplant war.

Jetzt im Juni ging es allerdings im Gegensatz zu den im Mai getroffenen Entscheidungen weniger um die direkt in Stettin selbst ge-troffenen Maßnahmen und die Handlungen vor Ort,  als vielmehr um die anstehenden Verhandlungen mit den Westalliierten über die Bildung einer polnischen „Regierung der nationalen Einheit“.

Zu diesem Zeitpunkt war den polnischen und sowjetischen Akteuren in Stettin bereits klar, daß eine endgültige Entscheidung zugunsten der Polen fallen würde.

In den letzten Junitagen war es soweit. Die Entscheidung fiel was Wunder nicht in Berlin, sondern in Moskau. Zunächst wurde Wiesner eröffnet, daß die deutsche Verwaltung, die gerade beginnen sollte, die Lebensmittel-versorgung für die mittlerweile wieder 80.000 in Stettin lebenden Deutschen zu organi-sieren, ihre Aktivitäten einstellen müsse.

Am 3. Juli teilte Schukow Borkowicz und Zaremba in seinem Amtssitz in Berlin die Entscheidung Stalins mit, daß Stettin endgültig unter polnische Verwaltung komme.

Nichts beweist die Hartnäckigkeit der Polen bei ihren expansionistischen Absichten so sehr wie die Tatsache, daß die wieder in eine „Operationsgruppe Stettin“ zurückverwan-delte polnische Stadtverwaltung Stettins nach der Ausweisung Mitte Juni 1945 nur in War-testellung ging, jetzt nach Köslin, um die nächstbeste Gelegenheit zur Wiederbeset-zung Stettins abzuwarten.

Diese Gelegenheit stellte sich freilich sehr bald ein. Sie stand, was bemerkenswert ist, in unmittelbarem Zusammenhang mit dem allgemeinen Rückzug der amerikanischen Truppen aus Sachsen und Thüringen in den letzten Junitagen 1945 sowie mit dem Abzug der britischen Truppen aus dem westlichen Mecklenburg und der auf diese Weise weit nach Westen erweiterten sowjetischen Be-satzungszone, die es wiederum den Sowjets gestattete, die Polen nachzuziehen und nach Stettin hereinzulassen.[4]

Drei Tage nach dem Abzug der Briten und der Amerikaner, am 3. Juli 1945, erging die nun wohl schon fast risikolos erscheinende sow-jetische Entscheidung, die dann nicht mehr rückgängig gemacht wurde, entgegen den Beschlüssen von Potsdam, welche die Ein-beziehung von Stettin in den provisorischen polnischen Verwaltungsbereich nicht erwäh-nen und auch nicht vorsehen.

Die Übergabe Stettins fand am 5. Juli mit klar verteilten Rollen statt. Die deutsche Stadt-verwaltung kam nicht mehr zu Wort und ihre Mitglieder mußten die Stadt verlassen. Wies-ners Abschlußbericht läßt  unverhohlene Abneigung gegenüber den  Polen erkennen:

»Hundertmal lieber eine Besetzung durch die Rote Armee als Polenherrschaft«,

sei die allgemeine Stimmung in der Stadt gewesen. Zunächst änderte sich jedoch wenig:

Weiterhin herrschten Hunger, Plünderungen, Vergewaltigungen und Morde prägten den Alltag. Wechselseitige Schuldzuweisungen waren die Regel. Mal wurden Sabotageakte des »Werwolfs« verantwortlich gemacht (sic.), dann wieder marodierende russische Solda-ten oder polnische Banditen.

Summa summarum herrschten allgemeine Willkür, Rechtlosigkeit, Anarchie. Die Hauptleidtragenden waren die Angehörigen des besiegten Volkes.

Ein zentrales Problem Stettins blieb jedoch der künftige Verlauf der deutsch-polnischen Grenzlinie. Zunächst umfaßte das polnisch kontrollierte Gebiet nur das eigentliche Stadtgebiet, jedoch nicht die Vororte.

Dies führte zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Lebensmitteln, zumal eine Verbindung zu den östlich der Oder gelegenen Gebieten in Pommern nur durch Behelfsbrücken über die Oder möglich war.

Die Orte im westlichen Umland Stettins ver-blieben dagegen unter deutscher Verwal-tung. Zu einer Lösung kam es erst im September 1945, nachdem die Potsdamer Konferenz nur den Status quo des Grenz-verlaufs bestätigt, nicht aber die Abtretung weiterer Gebiete an Polen beschlossen hatte.

Allerdings hatte Stalin bereits im Januar 1944 in Verhandlungen mit den polnischen Kom-munisten einen Grenzverlauf westlich der Oder von Swinemünde/Świnoujście bis Greifenhagen/Gryfino auf einer Landkarte markiert.

Mitte September brachte Schukow diese Karte mit der Eintragung Stalins aus Moskau mit. Dementsprechend wurden dann in Greifswald Details des Grenzverlaufs festgelegt.

Unterzeichnet wurde das Abkommen durch Piotr  Zaremba und dem Sowjet-General Iwan Chabarow im Namen von Marschall Georgij Schukow, dem Chef der sowje­tischen Mili-täradministration (SMAD), am 21. September 1945 in Schwerin. 

Das im heutigen Deutschland kaum bekannte Abkommen wird deshalb auch als Schweriner Vertrag oder Schweriner Abkommen bezeich-net.[5]

Völkerrechtlich ist es ohne Wert, da das geltende Völkerrecht zwischenstaatliche Verträge zu Lasten Dritter nicht kennt und auch nicht anerkennt. Aber Recht und Gesetz gelten für Besiegte nicht.

Die normative Kraft des Faktischen entschied anders, zu Lasten Deutschlands und des deutschen Volkes. 1990 hätte die Möglichkeit bestanden, wenigstens Stettin zurückzuge-winnen (wobei der auf dem östlichen Oder-Ufer liegende Teil der Stadt bei Polen ver-blieben wäre). Keiner der seinerzeit Beteilig-ten unternahm auch nur den leisesten Versuch!

Nach der Übergabe des »Stettiner Zipfel« genannten Gebietes[6] Anfang Oktober 1945 blieben Pölitz (polnisch Police) mit seinen chemischen Werken und ebenso große Teile des Stettiner Hafens weiterhin unter sowje-tischer Kontrolle und Verwaltung.

Die Begehrlichkeiten der Polen gingen 1945 aber noch über den Erwerb Swinemündes und Stettins hinaus. Sie forderten Gebiete auch westlich der Oder-Neiße-Linie, die ihnen auch nach sowjetischer Auffassung in keiner Hinsicht zustanden.

Am 19. September 1945 wurde in Vorberei-tung des Schweriner Grenzvertrages dem Bevollmächtigten der Volksrepublik Polen, dem im April 1945 ernannten Woiwoden Leonard Borkowicz und dem Präsidenten der Stadt Stettin, Piotr Zaremba in Berlin durch Georgij Schukow eine eigens für dieses Treffen aus Moskau herbeigeschaffte Land-karte im Maßstab 1:500.000 übergeben, die den Stettiner Zipfel nach Polen verschob.

Um das ganze Stettin an sich zu bringen, zogen die Polen die Oder-Neiße-Linie westlich Stettins! (reddit)

Die Landkarte trug die russische Überschrift „Die Grenze Polens gemäß der Potsdamer Konferenz“, 3. August 1945. An der rechten unteren Ecke der Karte war eine Beglaubigung vermerkt: Moskau, 14. September 1945.

Am 20. September 1945 wurde der Grenz-verlauf von sowjetischen Topographen der sowjetischen Delegation in Anwesenheit polnischer Delegierter in Greifswald in eine Stabskarte 1:100.000 übertragen. Bei einer Ortsbesichtigung am Nachmittag wurden nur geringe Korrekturen des Grenzverlaufes durchgeführt.

Die polnische Seite versuchte jedoch ver-geblich, die gesamte Insel Usedom unter ihre Verwaltung zu bringen, scheiterte aber an der kategorischen Weigerung von sowjetischer Seite, von dem aus Moskau genehmigten Plan abzuweichen.

Um ihre handfesten Expansionsbestrebungen durchzusetzen, wagten militärische Verbände und Milizen 1947 einen Vorstoß auf das Gebiet der SBZ westlich der Oder.

Handstreichartig besetzten Polen am 5. November 1947 einen etwa 50 Kilometer langen und bis zu 10 Kilometer breiten Gebietsstreifen bei Schwedt (Oder) mit der unverkennbaren Absicht, auch die westlich der Oder verlaufende Hohensaaten-Fried-richsthaler Wasserstraße in ihre Hand und damit unter polnische Kontrolle zu bekommen.

Der Vorstoß wurde von Truppen der sowjetischen Besatzungsstreitkräfte abgewehrt und die Polen über die Oder zurückgedrängt.

Daß 1945 die territorialen Forderungen der Polen noch über die Oder-Neiße-Linie hinaus gingen, wird heute nachrichtlich unterdrückt und bleibt in der zeitgeschichtlichen Literatur unberücksichtigt.

Polen erstrebte eine festzulegende Demar-kationslinie (Westgrenze der unter polnische Verwaltung zu fallenden Gebiete) an der Peene (westlichster Mündungsarm der Oder) und beanspruchte die Stadt Wolgast als Brückenkopf (ebenso wie 1945/1946 bereits mit Swinemünde verfahren wurde), dazu einen breiten Gebietsstreifen bis Schwedt an der Oder, der auch die Stadt Anklam umfaßt hätte.

Darüber hinaus forderte der polnische Staat u. a. die gesamte Insel Usedom für eine Arrondierung der sog. „polnischen West-gebiete“ (polnischerseits „wiedergewonnene Gebiete“ genannt).

Die neue deutsch-polnische Grenze sollte gemäß polnischer Forderungen ausgehend von der Peene die Städte Wolgast und Anklam sowie den östlichen Teil des Kreises Anklam umfassen und dann bis zur Oder bei Schwedt verlaufen.

Die deutschen Kreise Pasewalk und Ücker-münde wären damit nahezu vollständig polnisch geworden. Der Plan scheiterte an den Realitäten und sowjetischen Interessen.

Aus Stettin und dem Stettiner Gebiet wurde die gesamte Bevölkerung 1945 westwärts vertrieben. Ab Juni 1945 wurden die deut-schen Einwohner (nur noch etwa 6.000 von ursprünglich 300.000) unter Androhung von Gewalt zum Verlassen der Stadt gezwungen.

180.000 Stettiner lebten später allein in der Bundesrepublik Deutschland, wie aus der Bundesstatistik der Vertriebenen hervorgeht.

Die Kriegs- und Nachkriegsschäden, die in der ehemaligen Provinzhauptstadt und im gesamten Stettiner Gebiet und in den dor-tigen Hafenanlagen kriegsbedingt zu ver-zeichnen waren (auch nach dem Abzug der Sowjets blieben ganze Stadtviertel völlig unbewohnt, wurden ausgeschlachtet, das Baumaterial verwendet[7] und im übrigen aber dem Zahn der Zeit überlassen), wurden und werden bis heute zynischerweise als „polnische Kriegsschäden“ deklariert und im Ausgleich Reparationen von der BRD bzw. den Bundesdeutschen verlangt!

Nachtrag: Stettin mit 382.000 Einwohnern (Stand 1942) gehörte zu den größten Städten Altdeutschlands.[8] Stettin gehörte Ende 1939 zu den zwanzig größten Städten im Deutschen Reich.

In der Liste aller Großstädte rangierte die Provinzhauptstadt auf Rang 18. Flächenmäßig war Stettin ab 1939 mit 461 km² die viert-größte Stadt im Deutschen Reich.[9]

Infolge der  polnischen Annexionen fielen 82 % der Provinz Pommern (Gebietsstand 1939) an Polen.

Nach der Vertreibung der Deutschen aus Stettin wuchs die Einwohnerzahl auf 180.000, heute leben etwa 400.000 Einwohner in der Stadt. Damit gehört Stettin zu den sechs größten Städten Polens.

Erwähnt werden muß bei der Betrachtung der Geschehnisse 1945 in Stettin noch folgende Tatsache: Hoch interessant und aufschluß-reich ist aus mehreren Gründen der Zustrom polnischer Juden nach Stettin in der 2. Jahreshälfte 1945 und noch 1946. Juden, die es nach  allgemeiner Auffassung gar nicht mehr geben sollte, weil sie alle umgebracht, ermordet worden waren.

Nachdem die Aussiedlung der Deutschen aus Stettin begonnen hatte, kamen ab Ende 1945 knapp 30.000 jüdische Zuwanderer aus Ost-polen und Zentralpolen in die Stadt, von denen aber der größte Teil bis 1951 Stettin wieder verließ. 

Für die Juden war Stettin aufgrund der neuen Grenzlage sowie durch seinen Hafen als Zwi-schenstation für die Emigration nach Palä-stina oder Übersee interessant. Der Leser möge sich hierzu seinen eigenen Reim drauf machen.

_________________

Literatur und Quellen:

Eissner: Die Annexion Stettins durch Polen, in: Außenpolitik, Bd. 17 (1966), S. 438-444.

Bernd Aischmann: Mecklenburg-Vorpommern, die Stadt Stettin ausgenommen. Eine zeitgeschichtliche Betrachtung. 2. Auflage. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2009.

Wie wurde Stettin polnisch? Die Wirren in der Oderstadt 1945

https://www.kulturforum.info/de/kk-magazin/8297-wie-wurde-stettin-polnisch-die-wirren-in-der-oderstadt-im-jahr-1945

[1]  Im engl. Original: „east of a line running from the Baltic Sea through Swinemünde, and thence along the Oder“.

[2]  Kommuniqué und Abschlußprotokoll der „Großen Drei“ (Vereinigte Staaten, UdSSR, Vereinigtes Königreich) 2.08.1945.

[3]  Die im Gefolge der Roten Armee nachrückenden polnischen Insurgenten schufen unmittelbar nach der Eroberung der deutschen Gebiete neue Verwaltungseinheiten, polnische Woijwodschaften.

[4]Der Besatzungswechsel in Westsachsen und in Thüringen sowie in Westmecklenburg erfolgte in der Zeit zwischen dem 2. bis 6.07.1945. In dieser Zeit rückte die Rote Armee in die von den US-Streitkräften bis zum 30.06. in Thüringen und Sachsen und von den Briten in Mecklenburg geräumte Gebiete ein.

[5]Der Schweriner Grenzvertrag ist ein sowjetisch-polnisches Abkommen über die Festlegung der Westgrenze Polens im Abschnitt Swinemünde – Greifenhagen und als solches ein bilateraler Vertrag zu Lasten Dritter. Das Abkommen wurde am 21. September 1945 in Schwerin von Vertretern der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland und Vertretern des Lubliner Komitees unterzeichnet. Dadurch kam es „zu einer räumlichen Präzisierung der Abgrenzung zwischen sowjetischem Besatzungsgebiet einerseits und polnischem Verwaltungsgebiet andererseits, welche die Demarkationslinie nunmehr, den gesamten sogenannten ‚Stettiner Zipfel‘ umfassend – etwa 930 Quadratkilometer – weit nach Westen vorschob. Durch diesen Vertrag wurde der Verlauf des nördlichen Teiles der Oder-Neiße-Linie festgelegt.

[6]Tatsächlich greift die Oder-Neiße-Linie am Unterlauf der Oder bis zu der Tiefe eines Tagesmarsches auf mitteldeutsches Gebiet über und schließt mit der alten deutschen Großstadt und Wirtschaftsmetropole Stettin, die sich westlich der beiden Mündungsarme der Oder ausbreitet, noch die Stadt Neuwarp und sechs Landgemeinden mit 62 Dörfern ein. Das gesamte deutsche Territorium, das sich gleich den deutschen Gebieten östlich von Oder und Lausitzer Neiße und dem südlichen Teil der Provinz Ostpreußen seit nunmehr 81 Jahren unter polnischer Verwaltung befindet, ist etwa 800 Quadratkilometer groß und wies bei der letzten reichsdeutschen Volkszählung am 17. Mai 1939 rund 440.000 deutsche Bewohner auf, 383.000 allein in Stettin, dessen Stadtkreis sich damals auch über die nordwärts davon gelegene, heute wieder selbständige Stadtgemeinde Pölitz erstreckte.

[7]Die Ruinen Stettins dienten als Bausteinspender für den Wiederaufbau Warschaus.

[8]Der Stadtkreis umfasste bis 1939 82 km² und hatte 272.000 Einwohner. Infolge der Auflösung des Kreises Randow und der Eingliederung eines Teils desselben in den Stadtkreis Stettin wuchs die Fläche der Stadt und die Zahl der Einwohner. In den Stadtkreis Stettin wurden eingegliedert die Städte Altdamm und Pölitz, die Gemeinden Alt Leese, Brunn, Buchholz, Finkenwalde, Frauendorf, Gotzlow, Güstow, Hohenzahden, Karow, Klein Reinkendorf, Kreckow, Kurow, Mandelkow, Messenthin, Möhringen, Neuendorf, Niederzahden, Odermünde, Podejuch, Polchow, Pommerensdorf, Pritzlow, Scheune, Stöven, Stolzenhagen, Völschendorf, Warsow, Wussow, Zedlitzfelde und Züllchow sowie die Gutsbezirke Forst Buchheide und Dammscher See.

[9]Vgl. Fußn. 7.

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4 Kommentare
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Marco (Heimkehr)
Marco (Heimkehr)
14 Tage zuvor

Die „Befreier“ haben sich an allem Deutschen gütlich getan. Nicht nur durch ihre Grausamkeiten und ihrem satanischen Treiben gegenüber den wehrlosen Frauen und Kindern.

Nein, auch sonst gab es wenig Hemmungen, wie es sich eben für echte Gentleman gehört.

Trump sprach ja immer davon, die VSA wieder „great“ zu machen. Die Frage sei erlaubt, ob die Amerikaner jemals groß waren? Am Ende profitierten sie vom Zusammenbruch Europas durch die Weltkriege und klauten alles in der Welt, was ihnen in die Hände fiel.

Am deutschen Geist haben sie sich vollgesoffen. Man spricht heute von gut einer Millionen Patenten die den Deutschen 1945 gestohlen wurden, davon entfielen 500.000 alleine auf die Amerikaner. Von der
Kunstfaser bis zum Düsenantrieb und dem Nurflügler Horten 229 als Tarnkappe wurde alles amerikanisch. Sie brauchten Jahre, um die Tonnen von Papier mit Erfindungen zu sichten, und begriffen vieles überhaupt nicht. Das zwang sie dazu, Jahre später wieder von vorne zu sichten, weil man sich ja ein Stück weiter entwickelt hatte.

Ein gutes Buch zum Thema ist „Unternehmen Patentraub“ von Friedrich Georg im Archive und als PDf im Netz.

Wer sich für deutsche Hochtechnologie interessiert und für die unterirdischen Produktionsanlagen, kann sich mal beim Youtubekanal Auftrag Geschichte (Klappspaten Tv) umsehen.

Rüdiger Lack
Rüdiger Lack
14 Tage zuvor

Die Polen hätten am liebsten die Elbe als ihre Westgrenze und im Osten den Dnjepr oder gar den Don.

Und warum wollen die Polen die Elbe, weil es deutsche gab (Schlözer, Herder) und gibt, die die Slawenlegende erfunden haben und verbreiten. Mit den Tschechen streiten sich die Polen um Schlesien und das östliche Sachsen.

Die Tschechen sehen die Hofer Saale, die Naab und Donau, als ihre West- und Südgrenze an, und wieder muß die Slawenlegende dafür herhalten.

Aber wie schrieb schon Madame de Stael (1766-1817): „Wenn den Deutschen noch so großes Unrecht angetan wird, findet sich doch immer ein obskurer deutscher Professor, der so lange an der Objektivität herumbastelt, bis er ,bewiesen‘ hat, daß die Deutschen Unrecht getan haben!“

KWHugo
KWHugo
13 Tage zuvor

Dann sind die „Sieger“ die größten Hehler der Weltgeschichte. Geraubtes Gut verschenken sie an 3. Gerade eben habe ich eine karte der Ukraine gesehen, die kleine Ukraine von 1643 und dann die vielen Geschenke der Zaren, Stalin (die Gegend um Lemberg), Lenin (Donbaß), Chruschtschow (Krim). Das erschwert natürlich die Rückgabe und fördert das Chaos, wofür die Herrschaften im Hintergrund berüchtigt sind. Florian Homms Video von vorgestern spricht aus, worum es im Irankrieg tatsächlich geht.

Waffenstudent
Waffenstudent
12 Tage zuvor

Stettin – Bomben, Annexion, Vertreibung
Stettin 1945 – Polen hatte keinerlei Recht auf eine Annexion – Sowjets brechen Potsdamer Abkommen.
2. Harris‘ Bomber-Command zerstörte die Stadt in der Nacht zum 17.August44 und vierzehn Tage später
3. Vertreibung aus dem Stettiner Gebiet und der Panslawismus plante die Vertreibung der Deutschen seit 1848 – und wer machte sich eventuell die Austände 1948 zu Nutze?

1. Die Annexion Stettins durch Polen

(aus „Eissner“ in der Zeitschrift: “Außenpolitik, 1966, Nr.7, Seiten 438-444):
Gemeinhin besteht bei uns und wohl auch im Westen die Vorstellung, die vom gesamten Osten seit Jahren als ,unantastbare Friedens- und Freundschaftsgrenze“ ausgegebene Oder-Neiße-Linie verlaufe entlang dieser beiden Flüsse von der böhmischen Grenze bis zur Ostsee.

Tatsächlich aber greift die Oder-Neiße-Linie am Unterlauf der Oder bis zu der Tiefe eines Tagesmarsches auf mitteldeutsches Gebiet über und schließt mit der alten deutschen Großstadt und Wirtschaftsmetropole Stettin, die sich westlich der beiden Mündungsarme der Oder ausbreitet, noch die Stadt Neuwarp und sechs Landgemeinden mit 62 Dörfern ein.

Das gesamte mitteldeutsche Landgebiet, das sich gleich den deutschen Gebieten östlich von Oder und Lausitzer Neiße und dem südlichen Teil der Provinz Ostpreußen seit nunmehr bald 63 Jahren unter polnischer Verwaltung befindet, ist etwa 800 Quadratkilometer groß und wies bei der letzten reichsdeutschen Volkszählung am 17. Mai 1939 rund 440000 deutsche Bewohner auf, 383000 allein in Stettin, dessen Stadtkreis sich damals auch über die nordwärts davon gelegene, heute wieder selbständige Stadtgemeinde Pölitz erstreckte.
[…]
So sehr man den Inhalt der Potsdamer Beschlüsse auch drehen und wenden mag, der Wortlaut besagt eindeutig, daß das westwärts der Oder gelegene Stettiner Gebiet im Bereich der sowjetischen Besatzungszone verbleibt und nicht in den provisorischen polnischen Verwaltungsbereich gehört, welcher sich nur über die deutschen Gebiete ostwärts der Oder und der Lausitzer Neiße sowie über den Südteil von Ostpreußen erstreckt.

Unter dem steten Drängen der provisorischen polnischen Regierung bemühten sich die Sowjets bereits auf der Potsdamer Konferenz, im Sinne der weiteren polnischen Expansionswünsche und Forderungen auch Stettin in polnische Hände zu spielen, doch setzten die Westmächte den von den Amerikanern noch am 30. Juli 1945 auf der Konferenz eingebrachten Vorschlag wenigstens in bezug auf Stettin durch, der die vorläufige polnische Westgrenze “east of a line running from the Baltic Sea through Swinemünde, and thence along the Oder” vorsah.

Dieser vertraglich fixierten vorläufigen Grenzregelung entsprechend, unterblieb zunächst die Besetzung Stettins durch die Polen, obwohl diese seit April 1945 bereits mehrere, aber immer wieder gescheiterte Versuche unternommen hatten, wenigstens die Verwaltung der Stadt Stettin in ihre Hände zu bekommen.

Schon am 28. April 1945, zwei Tage nach der Eroberung der Stadt durch die Sowjets, trafen zwei Vertreter einer einzurichtenden polnischen Stadtverwaltung in Stettin ein, von denen der eine, ein Ingenieur namens Zaremba, prompt schon am nächsten Tage von der Warschauer provisorischen Regierung zum Stadtpräsidenten von Stettin ernannt wurde.

Sein Bemühen war in erster Linie darauf gerichtet, polnische “Ansiedler” nach Stettin hereinzubringen, ein Bemühen, das insofern Erfolg hatte, als am 4. und 5. Mai auch tatsächlich ein paar Hundert aus Posen eigens übergeführter Polen als erste polnische Bewohner nach Stettin eingeschleust wurden.

In den folgenden Tagen scheinen noch viele Polen über die Oder nach Stettin gekommen zu sein, denn als kurz darauf, für die Polen sicher völlig unerwartet, von sowjetischer Seite der Befehl erging, daß alle Polen bis zum 19. Mai 1945 die Stadt Stettin zu verlassen und sich wieder ostwärts über die Oder zu begeben haben, verließen mit dem polnischen Stadtpräsidenten etwa 4500 Polen die deutsche Metropole, in deren von den Sowjets freigegebene Stadtteile nun Zehntausende vorübergehend geflüchtete Deutsche zurückkehrten.

Am 9. Juni 1945 zog die polnische “Operationsgruppe Stettin” wieder in Pommerns Hauptstadt ein, doch kam es bald zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Polen, da letztere die Arbeit der seit einiger Zeit wieder bestehenden und sogar unter einem deutschen Oberbürgermeister arbeitenden deutschen Stadtverwaltung zu sabotieren und immer weiter einzuschränken versuchten.

Die Rolle der sowjetischen Militärverwaltung als eines Schiedsrichters war gewiß recht schwierig, auch mit Rücksicht auf die zu erwartenden Rückwirkungen seitens der Westmächte, von denen die Amerikaner in offiziellen Noten an die Sowjetregierung vom 8. April und vom 8. Mai 1945 Anfragen wegen der eigenmächtigen Übergabe ostdeutscher Kreise in polnische Verwaltung gestellt und um Aufklärung gebeten hatten.

Auf die amerikanische Note vom 8. April und die zunehmende Verschlechterung des Verhältnisses zwischen den Westmächten und der Sowjetunion war auch das Zentralkomitee der Polnischen (kommunistischen) Arbeiterpartei auf seiner Vollsitzung vom 3. bis zum 5. Mai 1945 eingegangen, auf der Wladislaw Gomulka mahnend seine Stimme erhob, freilich in einem umgekehrten Sinne, als es der Absicht der Westmächte entsprach: “Wenn wir nicht die früheren deutschen Gebiete so rasch wie möglich polonisieren, werden wir keine Begründung für die Erhebung von Ansprüchen haben, die sie uns bereits verweigern!”

Die polnische Publizistin Krystina Kersten, die solches ganz unverblümt mitteilt 1), bemerkt förmlich im gleichen Atemzuge, daß es wegen des ständig wachsenden Konflikts zwischen den Westmächten und den Sowjets für die Polen notwendig gewesen sei, so rasch wie möglich, wenn schon nicht de jure, so doch zumindest de facte vollzogene Tatsachen zu schaffen und die deutsche Bevölkerung in einer breiten Zone von der Oder-Neiße-Linie völlig zu vertreiben!

Aus diesem Grunde wurde ja auch schon am 3. Juni 1945, kurz vor dem Erlaß der vier Kapitulationsdeklarationen der vier Siegermächte, in denen Deutschland in den Grenzen von 1937 als eine fortbestehende staatliche Einheit betrachtet und ausdrücklich anerkannt wird, das polnisch-kommunistische Militärsiedlungswesen entlang der Oder-Neiße und der pommerschen Ostseeküste geschaffen mit der Aufgabe, das gesamte von Polen erstrebte neue Grenzgebiet von der deutschen Bevölkerung in kürzester Frist vollständig zu räumen, um hernach den Anspruch auf die gesamten deutschen Ostgebiete mit bereits vollzogenen Tatsachen begründen zu können. 2)

Aber auch das zweite Mal blieb die neuerlich in Stettin eingerichtete polnische Stadtverwaltung infolge des zögernden und unschlüssigen Verhaltens der Sowjets nur eine Episode.

Schon acht Tage nach dem Wiedereinzug der Polen in Stettin wurden sie von den Sowjets angewiesen, binnen zwei Tagen Stettin wieder zu verlassen.

Nichts beweist die Hartnäckigkeit der Polen im Verfolg ihrer expansionistischen Absichten so sehr wie die Tatsache, daß die wieder in eine “Operationsgruppe Stettin” zurückverwandelte polnische Stadtverwaltung von Stettin nochmals nur in Lauerstellung ging, diesmal gleich etwas weiter ab, bis nach Köslin, um die nächstbeste Gelegenheit zur Wiederbesetzung Stettins abzuwarten.

Diese Gelegenheit stellte sich freilich sehr bald ein. Sie stand, was bemerkenswert ist, in unmittelbarem Zusammenhang mit dem allgemeinen Rückzug der amerikanischen Truppen aus Sachsen und Thüringen sowie mit dem Abzug der britischen Truppen aus dem westlichen Mecklenburg und der auf diese Weise weit nach Westen erweiterten sowjetischen Besatzungszone, die es wiederum den Sowjets gestattete, die Polen nachzuziehen und nach Stettin einzulassen.

Drei Tage nach dem Abzug der Briten und der Amerikaner, am 3. Juli 1945, erging die nun wohl schon fast risikolos erscheinende sowjetische Entscheidung, die dann nicht mehr rückgängig gemacht wurde, wider den Beschlüssen von Potsdam, welche die Einbeziehung von Stettin in den provisorischen polnischen Verwaltungsbereich nicht erwähnen und auch nicht vorsehen.

Swinemünde, Adolf-Hitler Platz – die Stadt und ihre Umgebung wurde wie Stettin unter Bruch des Potsdamer Abkommens durch die Sowjets von den Polen geraubt! […]

Daß es den Polen nicht nur “um die seelische Selbstbehauptung als Nation aus einer jahrhundertelangen Geschichte heraus geht, die die Existenz dieser Nation immer wieder in Zweifel gezogen hat”, sondern auch um fremde Rechte und Gebiete, die ihnen in keiner Hinsicht zukommen und zustehen, und daß “für sie die Oder-Neiße-Linie das Symbol einer geistigen Existenz der Nation” sei, diese freundliche, etwas professoral anmutende Beschönigung der handfesten polnischen Expansionsbestrebungen noch über die Oder-Neiße-Linie hinaus wird in harter Weise auch durch einen weiteren polnischen Vorstoß ad absurdum geführt, den die Polen am 5. November 1947 in Form eines militärischen Handstreiches unternahmen.

Damals besetzten sie in der unverkennbaren Absicht, auch die westlich der Oder verlaufende Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße in ihre Hand und unter ihre Kontrolle zu bekommen, einen etwa 50 Kilometer langen und bis zu 10 Kilometer breiten mitteldeutschen Gebietsstreifen bei Schwedt.
Aus dem Gebiet von Stettin wurde die gesamte Bevölkerung westwärts vertrieben; 180000 Stettiner lebten später allein in der Bundesrepublik Deutschland, wie aus der Bundesstatistik der Vertriebenenausweise hervorgeht 10).

Die Kriegs- und Nachkriegsschäden, die im gesamten Stettiner Gebiet und in den dortigen gewaltigen Hafenanlagen verursacht wurden – auch noch nach dem Abzug der Sowjets, als ganze Stadtviertel völlig unbewohnt blieben, aber ausgeschlachtet und im übrigen dem Zahn der Zeit überlassen wurden -, wurden zynischerweise als polnische Kriegsschäden ausgegeben und zweifelsohne Deutschland vorgerechnet. Und dabei sprachen die Polen von deutscher Dreistheit, wenn sie die Friedensnote der Bundesregierung auf ihre Weise beantworteten.

Gekürzt, der ganze Artikel ist abgedruckt bei „Der Provisorischen Regierung der nationalen Einheit des deutschen Reiches“) oder mit staatsrechtlichen Kommentaren und zu Themen der Vertreibung
„derhonigmannsagt“.

2. Harris‘ Bomber-Command zerstörte die Stadt in der Nacht zum 17.August 44 und vierzehn Tage später Stettin wie es war, Postkarte „Stettin am Bollwerk“ ca.1937. Jörg Friedrich schreibt in „Der Brand“ auf Seite 189:
„… Schon 1940/41 waren die ersten Wellingtons aufgekreuzt, um sich nach Punkten umzuschauen, die eine Ladung Bomben vertrugen. Die Oderwerke AG, die Vulcan AG bauten weltberühmte Schiffe, drei hatten das blaue Band erobert, Kaiser Wilhelm der Große, Deutschland, Kaiser Wilhelm II. und das 1940 angelaufene Pölitzer Hydrierwerk zur Flugbenzinerzeugung. Im Jahr 1943 hatte sich die Unterscheidung von Industrie- und Stadtziel überholt, und so war London am 21.April hochzufrieden, mit 339 Lancastern und Halifaxen einen fast tausend Kilometer entfernten Ort erreicht, perfekt markiert und getroffen zu haben. Der bittere Maschinenverlust von sechs Prozent hatte sich gelohnt, denn vierhunderttausend Quadratmeter Innenstadt hielt man für verwüstet. Eine übertriebene Annahme, doch 586 Personen waren definitiv tot.

… dann war der Stadt noch eine sechzehnmonatige Frist gegönnt … bis zur Nacht des 5.Januar 1944, den nächsten Morgen sahen 244 Personen nicht mehr, schwere Brände loderten in der Altstadt… In der Nacht zum 17.August kehrte Bomber-Command zurück, die Totalzertrümmerung einzuleiten… Vierzehn Tage später wurde ein Folgeangriff geflogen, danach war der Ort Vergangenheit. Das Innenstadtviertel zwischen dem bollwerkbewehrten Oderufer und der Peter- und Paul, 1124 anstelle eines slawischen Heiligtums errichtet, existierte nicht mehr. 2430 von 400 000 Einwohnern ließen ihr Leben. Was der große Kurfürst nicht getroffen hatte vom Gotikbestand, schlugen Harris‘ Blockbuster und Phosphorkanister entzwei.

Die edelste Backsteinkirche Pommerns, St.Jacobi, auf Pfählen ruhend, die Pfeiler schon aus dem Lot gewichen, doch von eisernen Querstreben gehalten, nahm den letzten Stoß. Das gotische Alte Rathaus mit seinen wundersam verzierten zwölf Sternengewölben des Ratsweinkellers brannte aus. Das Greifenschloß der Pommernherzöge, 1346 von Barnim II. begonnen, von Bogislaw X. um den gotisierenden Südflügel bereichert und dank Johann Friedrich von einer Renaissancekirche abgerundet, das Vorzugsziel aller Belagerer, bekam den Rest. Ein Raub der Flammen wurde die florentinisch anmutende Schloßkirche mit dem holzgeschnitzten Grabmal Bogislaws, des größten seines Geschlechts. Und des Feindes Macht machte mit der Zertrümmerung des Jacobi-Kirchenschiffs auch Arp Schnittgers Orgel für immer stumm.

Eine unerklärliche Vernichtungstrunkenheit mußte schließlich am 29.März 1945 noch das alte Danzig ins Nichts reißen, das sechs Wochen später eine polnische Stadt sein würde, wie jeder wußte….

3. Vertreibung aus dem Stettiner Gebiet und der Panslawismus plante die Vertreibung der Deutschen seit 1848

Auf dem Panslawismus-Kongreß in Prag 1848, wo die erste deutsche Universität errichtet worden war, wurde die Vertreibung der Finnen, Deutschen bis auf die Linie Lübeck-Triest, Italiener und Türken aus ihren angestammten Siedlungsgebieten gefordert. Man sprach dort Deutsch, denn das war die einzige Sprache, die alle slawischen Teilnehmer konnten. (Dank für die Hinweise an Waffenstudent und andere Kommentare und auch für den Hinweis auf die lesenswerte Seite www,christinenberg.de, von Dörfern der Gegend um Stettin, ihrer Kulturgeschichte und der Flucht vor den Sowjets, der Rückkehr und erneuten Vertreibung durch die Polen unter Raub und Gewalt und vielen Zeugenaussagen.

Daraus ein Hinweis auf den Panslawisten Kongreß (am Ende des Artikels):
Heimkehr nach Christinenberg von Ulrich Reinke
Die Vertreibung begann in Etappen. Schon Mitte Mai verkündeten die Polen: „Die Oder ist Grenze, alle Deutschen haben das Grenzgebiet auf eine Tiefe von 8 km zu verlassen.“ Wir glaubten ihnen nicht. In einzelnen Dörfern wurden die Bewohner kurzfristig herausgejagt – doch die Russen scheuchten die Polen und schickten die Leute wieder zurück, dieses Spiel wiederholte sich mehrmals. Die Russen wurden so zu Beschützern der deutschen Bevölkerung. Aber es kam wie in Stettin, die Polen setzten sich durch. „In 20 Minuten alle Deutschen raus“, hieß es dann auch in Rörchen. Wer sein Anwesen nicht verlassen wollte, wie die von Hugenotten abstammende alte Müllersfamilie Henry, denen gab man einen Spaten und befahl ihnen, ihr Grab selbst auszuheben. Als Tote hätten sie bleiben dürfen. Wer sein Haus nicht verlassen wollte, wurde einfach hinausgeprügelt.

Sie zogen aus, arm wie die Kirchenmaus, geschunden an Leib und Seele. Und immer noch nahmen die Plünderungen kein Ende. „Opa, du hast einen feinen Ring“ sprach der Pole zu dem über 80 Jahre alten Tischlermeister Alms – und ehe der alte Mann sich besinnen konnte, war der Ring in der Tasche des Ganoven verschwunden. Es war der Abschaum eines Volkes, der in dem pommerschen Lande 1945 sein Unwesen trieb.

Ende Juni, Anfang Juli, mag es gewesen sein, eine genaue Zeitrechnung hatten wir nicht mehr, da kamen sie. In lang gezogener Reihe, die Köpfe tief gebeugt, es waren wohl einige tausend Frauen, Kinder und greise Männer, die auf der Chaussee am Püttkrug vorbei nach Süden, der Oderbrücke zu, getrieben wurden. Man hörte förmlich ihre schlürfenden Schritte und konnte erahnen, wie viel Verzweiflung, Not und Hunger mit ihnen zog. Was ihnen als Besitz noch verblieben war, schleppten sie in Beuteln, Taschen und Rucksäcken mit sich – es war nicht mehr viel –, nur wenige hatten ein Handwägelchen oder einen Kinderwagen. Für manche Mütter waren nur noch die Kinder der einzige Besitz. Was hatten sie in den vergangenen Wochen schon alles erleben müssen? Das Ende des Elendszuges bildete ein Panjewagen, auf dem man wohl einige Schwerkranke verfrachtet hatte. Und das schlimmste: Rechts und links wurden sie eskortiert von polnischer Miliz mit aufgepflanzten Bajonetten. Es war ein Anblick, der mir zeitlebens im Gedächtnis bleibt. Mit Ohnmacht, Wut und Trauer zugleich sah ich sie vorüberziehen – und konnte nicht einmal fragen nach dem Woher. Später hörten wir: „Das waren die Gollnower“.

Und dann kommt 40 Jahre später ein Vertreter unseres Staates und spricht von einer „erzwungenen Wanderung“ – so kann Geschichte selbst von einem Angehörigen der Kriegsgeneration verfälscht werden.
In den folgenden Tagen und Wochen waren es die Bewohner anderer Städte und Dörfer, die in ähnlicher Weise vertrieben wurden. Jetzt war auch für uns die Zeit zum Handeln gekommen. Was war zu tun? In der sowjetischen Zone wurde noch verhaftet, die Konzentrationslager gefüllt. Also noch bei den Russen bleiben. Als das Kommando nach Finkenwalde-Podejuch verlegt wurde, ging ich mit.

Für Gustav, meinen „Untermieter“, war die „Sowjetische Besatzungszone“ wegen seines Alters keine Gefahr. Er sollte rübergehen, ich würde später nachkommen. Für ihn wurde eine Kutsche auf dem Hof von Konrad Lenz gefunden, die Rücksitze abmontiert, ein Kartoffelsack mit seiner Habe aufgeladen, für alle Fälle noch ein Schubkarren dazu, das Pferd vorgespannt, und Gustav fuhr in aller Frühe ab. Er war wohl der einzige Pommer, der seine Heimat zum 2. Mal wohlhabender verließ als er gekommen war. Bis Stettin-Scheune ging noch alles gut, dann kam er in die berüchtigte Zentrale der Räuber, sie holten ihn von den Wagen, beschlagnahmten alles für den Kommandanten – der fuhr jetzt mit der Kutsche – und ein alter Mann schob seinen Karren in eine ungewisse Zukunft.

In Finkenwalde-Podejuch war die Zementfabrik zu demontieren. Dazu brauchte man auch einige hundert deutsche Kriegsgefangene. Die riesigen Drehöfen waren zu zerlegen – ich bin sicher, daß sie die nie wieder zusammenbekamen. Ich hatte hier Dienst in der russischen Küche zu leisten, daneben war es meine Aufgabe, für die Lagerküche die Kartoffeln zu beschaffen. In den Dörfern mit größerem Kartoffelanbau wurden die Mieten geleert. Bei diesen Fahrten kam ich auch im August mehrfach nach Christinenberg, ein damals völlig menschenleeres, totes Dorf. Bis nach Belgard wurde gefahren, um Mehl aus deutschen Vorräten zu holen.

Als Entlohnung für die Zivilarbeiter gab es Besatzungsgeld, das war hier völlig wertlos, hat mir später jedoch ein wenig geholfen – gleichzeitig war es auch ein Schritt mehr zur Inflation.

In der Nähe der Zementfabrik verlief die Hauptstraße. Sie war gut zu beobachten. Was da ablief, war immer noch das alte Bild: Herden von Pferden und Kühen wurden gegen Osten getrieben, „Herden“ von Deutschen zogen westwärts. Alle Orte im Hinterland der Oder wurden systematisch von Deutschen „gereinigt“, ethnisch gesäubert, um ein politisches Argument zu haben: „Es sind keine Deutschen mehr im Land“. In großer Hektik schleppte man Ukrainer und Polen aus anderen Gegenden herbei, um schnell vollendete Tatsachen zu schaffen.

Es wurde ausgetrieben und geplündert, gleich ob die Miliz dabei war oder nicht, die schaute einfach weg. An den Straßenrändern von Finkenwalde und Podejuch standen die kriminellen Gestalten und schauten nach Beute unter den Vertriebenen aus. Ein Sprung und sie verschwanden mit einer Tasche, einem Köfferchen.

Erst Anfang August, das Getreide war reif, änderte sich das Bild auf den Straßen, jetzt brauchte man Arbeitskräfte. Vor der Oder wurde nun sortiert, die Arbeitsfähigen kamen am nächsten Tag zurück. Um die Familie nicht vollends zu zerreißen, blieb für viele nur die Möglichkeit einer gemeinsamen Rückkehr in das nun für die Deutschen zum Gefängnis gewordenen Pommernland. Es war der Höhepunkt eines menschenverachtenden Handels, drei Monate nach Ende des Kriegs – und die Welt schaute weg. Trotzdem blieb das Getreide zum größten Teil auf dem Halm stehen und verfaulte – während zur gleichen Zeit auf der anderen Seite der Oder der Hunger und der Typhus in den Notaufnahmelagern seinen Einzug hielt.

Ende August war der Auftrag des russischen Kommandos erfüllt. Die Zementfabrik war abgebaut. Die Einheit sollte aufgelöst werden. Um uns Zivilarbeiter nicht nochmals in die Hände der Polen fallen zu lassen, wurden wir über die Oder gefahren und hinter Stettin abgesetzt. Endstation war das Flüchtlingslager Ückermünde. Neben einer Wassersuppe gab es pro Tag 200g nasses, klebriges Brot – Infektionskrankheiten breiteten sich aus.

Unser Pommernland war in fremder Hand. Wer denkt heute schon daran, daß die Vertreibung der ostdeutschen Bevölkerung schon 1848 auf dem Panslawistischen Kongreß in Prag für die nächsten 100 Jahre als Zielvorstellung propagiert wurde? Pommern war „befreit“ – von den Deutschen – oder das „Wiedergewonnene Westgebiet“, wie die Polen behaupten. Diese Propagandalügen wurden nicht nur von den Kommunisten, Nationalisten, sondern gerade auch von der katholischen Staatskirche Polens verbreitet. So wird der untaugliche Versuch unternommen, das Jahrhundertverbrechen der Vertreibung – ein Nachkriegsverbrechen – und den größten Landraub unserer Geschichte zu bemänteln, ja zu rechtfertigen.
Den vertriebenen Pommern blieb nur die Erinnerung und die Sehnsucht nach der alten Heimat – und ein harter Existenzkampf in den ersten Nachkriegsjahrzehnten in einem demontierten, geteilten, besetzten und zerbrochenen Deutschland.

Dieser Beitrag wurde geschrieben, um den leider üblichen Verfälschungen und Verharmlosungen des Vertreibungsgeschehens als „Wanderung“, „Bevölkerungstausch“, „Bevölkerungstransfer“ oder „Umsiedlung“ die erlebte Wirklichkeit entgegenzustellen. Gleichzeitig soll die junge Generation damit an den Leidensweg ihrer pommerschen, sowie ihrer ost- und sudetendeutschen Vorfahren erinnert werden.

Weiter wird der Panslawismus von Friedrich Engels 1855 beschrieben:
In dem Buch von Prof. Konrad Löw „Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie – Marx u. Engels, die Väter des Terrors“ das Zitat Engels 17. April 1855 über den Panslawismus (Deutschland und der Panslawismus):

Die slawische Race, lang geteilt durch innere Zwiste, nach dem Osten zurückgetrieben durch die Deutschen, unterjocht, zum Teil von Deutschen, Türken und Ungarn, still ihre Zweige wiedervereinend, nach 1815, durch das allmähliche Wachstum des Panslawismus, sie versichert nun zum erstenmal ihre Einheit und erklärt damit Krieg auf den Tod den römisch-keltischen und deutschen Racen, die bisher in Europa geherrscht haben. Panslawismus ist eine Bewegung nicht nur für nationale Unabhängigkeit; er ist eine Bewegung, die ungeschehen zu machen strebt, was eine Geschichte von tausend Jahren geschaffen hat, die sich nicht verwirklichen kann, ohne die Türkei, Ungarn und eine Hälfte Deutschlands von der Karte von Europa wegzufegen, die, sollte sie dies Resultat erreichen, seine Dauer nicht sichern kann außer durch die Unterjochung Europas. Panslawismus hat sich jetzt umgewandelt aus einem Glaubensbekenntnis in ein politisches Programm, mit 800.000 Bajonetten zu seiner Verfügung. Er läßt Europa nur eine Alternative: Unterjochung durch die Slawen oder Zerstörung für immer des Zentrums ihrer Offensivkraft – Rußlands……

(ganz am Anfang)
(zu vermuten, ohne mehr zu lesen, daß Marx/Engels hier spekulierten, wie sie mit ihrem Klassenkampf einen Platz finden könnten im Weltzerstörungstheater.)

Also, diese politischen Bewegungen waren da um 1850, schwieriger ist dann herauszufinden, von wem sie geschürt wurden und wer sich die Lage zu Nutze machte, wie es etwa Marx/Engels vorhatten? Hier noch ein Ausschnitt aus einem Artikel von Webster Tarpley zu den Aufständen im Nahen Osten 2011:

Wendepunkt Juni/Juli, wie im Jahr 1848
Die Welle von britisch-amerikanischen Putschen von 2011 erinnert an ein historisches Modell: die Aufstände von 1848 in Europa. Sie begannen mit einer Revolte in Sizilien (nicht weit von Tunesien), sie führten zum Sturz des französischen Königs Louis Philippe im Februar und des mächtigen österreichischen Kanzlers Prinz Metternich im März. In diesen Aufständen entluden sich die Spannungen, die sich unter dem System der Heiligen Allianz von 1815 über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hatten. Ausgelöst wurden sie jedoch von den Netzwerken des italienischen ultra-nationalistischen Aufwieglers Giuseppe Mazzini, einem Agenten der britischen Admiralität. Die Unruhen erfaßten ganz Zentraleuropa.

Der Wendepunkt lag im Juni/Juli 1848, es begann mit einem Aufstand tschechischer Nationalisten in Prag, der nach dem 12. Juni von der österreichischen Armee unter General Windischgrätz blutig niedergeschlagen wurde. Ein Putschversuch radikaler Arbeiter und Einwohner von Paris, die in Louis Blancs Nationalwerkstätten organisiert waren, wurde in den sogenannten Junitagen, der Zeit vom 24. bis 26 Juni 1848, von dem reaktionären General Cavaignac erstickt. In Norditalien wurde die Armee des italienischen Königreichs Sardinien – das Wien den Krieg (2) erklärt hatte, um eine Rebellion in Mailand zu unterstützen, und darauf hoffte, diesen Aufstand dazu nutzen zu können, die Österreicher aus Italien zu vertreiben und einen geeinten Staat zu errichten – am 25. Juli bei Custozza von Marshall Radetzky geschlagen.

Im September und Oktober begannen ungarische Nationalisten unter dem Mazzini-Schüler Kossuth einen Bürgerkrieg gegen die Kroaten, was soziales Chaos und (wie R. R. Palmer sagt) »den Krieg jeder gegen jeden« zur Folge hatte. Etwas später wurden russische Truppen aufgerufen, den Aufstand in Ungarn niederzuschlagen. Die Unruhen flammten im Frühjahr 1849 erneut auf, insbesondere mit der Schaffung von Mazzinis Römischer Republik, bevor die Aufstände am Ende des Sommers 1849 abflauten und eine Phase von Unterdrückung, Zynismus und Reaktion begann. Es könnte nützlich sein, bei der Einschätzung der heutigen Ereignisse diesen Zeitrahmen als groben Anhalt im Hinterkopf zu behalten, auch wenn man sich natürlich darüber im Klaren sein muß, daß es keine mechanische oder zyklische Wiederholung geben wird.

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