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Das Buch des mehrfach erfolglos angetretenen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Patrick J. Buchanan, Redenschreiber und enger Berater der US-Präsidenten Richard Nixon, Gerald Ford und Ronald Reagan

“Churchill, Hitler und der unnötige Krieg”,

erschienen im New Yorker Crown-Verlag, der zu einem der größten Buchverlage der Welt gehört, dem Random-House, einem Teil der einflußreichen Bertelsmann-Gruppe, steht auf der Bestseller-Liste der New York Times. Millionen Menschen nehmen es zur Kenntnis.

Man reibt sich die Augen: Geht die Zeit der Revisions-Ächtung und -Verfolgung in der historischen Wissenschaft zu Ende? Dürfen jetzt auch hier Fragen neu aufgeworfen und laut werden, die das bisher in der Öffentlichkeit festgeschriebene Geschichtsbild verändern könnten? Oder ist in Amerika bereits möglich, was in Deutschland noch unmöglich scheint?

In Deutschland ist Buchanan jedenfalls schon mal eine Schubladen-Bezeichnung angeheftet, die die Menschen hierzulande von der Lektüre seines Buches vielleicht noch abhalten könnte: Paläokonservativer! Also wohl einer, der den “modern lifestyle” nicht so recht mitmachen will und stattdessen an altmodischen Werten festhält.

Wer sich – nun auch in Deutschland – von solchen Kennzeichnungen nicht gängeln läßt, schaut einfach mal, wie Buchanan sein Buch auf seiner Netz-Seite vorstellt, hier in deutscher Übersetzung wiedergegeben:

“Am 1. September 1939, vor 70 Jahren, überquerte die deutsche Armee die polnische Grenze. Am 3. September erklärte Großbritannien den Krieg.

Sechs Jahre später waren 50 Millionen Christen und Juden untergegangen. Großbritannien war zerstört und bankrott, Deutschland eine schwelende Ruine. Europa hatte als der Ort des mörderischsten Kampfes – seit Menschengedenken – gedient, und die Zivilisten hatten schlimmere Greuel erlitten als die Soldaten.

Bis Mai 1945 hatten die Horden der Roten Armee alle großen Hauptstädte Zentraleuropas besetzt: Wien, Prag, Budapest, Berlin. Hundert Millionen Christen waren unter die Knute der barbarischsten Tyrannei der Geschichte gekommen: dem bolschewistischen Regime des größten Terroristen aller Zeiten, Josef Stalin.

Was konnte solche Opfer rechtfertigen?

Der deutsch-polnische Krieg war entstanden aus einem Streit im Sommer über eine Stadt von der Größe von Ocean City, Maryland (USA). Danzig, zu 95% deutsch, war in Versailles von Deutschland abgetrennt worden unter Verletzung der Selbstbestimmungsprinzipien von Woodrow Wilson. Selbst die Führer Großbritanniens waren der Ansicht, Danzig müsse zurückgegeben werden.

Warum verhandelte Warschau nicht mit Berlin, das andeutete, als Entschädigung ein Gebiet in der Slowakei anzubieten? Weil die Polen die Kriegsgarantie von Großbritannien erhalten hatten, daß, sollte Deutschland angreifen, Großbritannien und sein Imperium Polen zu Hilfe kommen würde. Aber

  • warum wollte Großbritannien einer Junta von polnischen Obersten eine unangeforderte Kriegsgarantie geben, ihnen dadurch die Macht verleihend, Großbritannien in einen
    zweiten Krieg mit der mächtigsten Nation in Europa hineinzuziehen?
  • War Danzig den Krieg wert? Im Gegensatz zu den 7 Millionen Hongkong-Chinesen, die die Briten an Peking auslieferten, obwohl sie nicht gehen wollten, forderten die Danziger die Rückkehr nach Deutschland.

Hier die [offizielle] Antwort:

Die Kriegsgarantie wurde nicht wegen Danzig oder selbst wegen Polen gegeben. Es war wegen des moralischen und strategischen Imperativs, „Hitler zu stoppen“, nachdem er gezeigt hatte, als er das Münchner Abkommen erreicht und dabei auch die Tschechoslowakei zerrissen hatte, daß er danach aus war, die Welt zu erobern. Und diesem Nazi-Biest durfte nicht gestattet werden, das zu tun.

Wenn das stimmt, ein berechtigter Punkt. Die US-Amerikaner waren immerhin bereit, Atombomben zu nutzen, um die Rote Armee vom Englischen Kanal fern zu halten. Aber:

Wo ist der Beweis, daß Adolf Hitler, dessen Opfer bis März 1939 einen Bruchteil der Opfer eines Generals Pinochet oder Fidel Castros darstellten, danach trachtete, die Welt zu erobern?

Nach München im Jahre 1938 stürzte in der Tat

die Tschechoslowakei

zusammen und brach auseinander. Aber bedenken Sie, was mit ihren Teilen geschah:

  • Die Sudentendeutschen wurden der deutschen Herrschaft zurückgegeben, wie sie es gewünscht hatten.
  • Polen annektierte die umstrittene Region von Teschen, wo Tausende Polen lebten.
  • Ungarns ursprüngliches Land im Süden der Slowakei war ihr zurückgegeben worden.
  • Und was die Tschechen betrifft, so kamen sie nach Berlin, um die gleiche Abmachung wie die Slowaken zu bekommen, aber Hitler bestand darauf, daß sie das Protektorat akzeptierten.

Darauf wird [offiziell] erwidert:

Wenn Großbritannien nicht die Kriegsgarantie gegeben hätte und nicht in den Krieg gezogen wäre, dann wäre nach der Tschechoslowakei Polen an der Reihe gewesen, danach Rußland, dann Frankreich, Großbritannien, dann die Vereinigten Staaten. Wir würden jetzt alle Deutsch sprechen.

Nun kann man verachten, was da geschah, nur:

Wie belegt die Teilung der Tschechoslowakei Hitlers Streben nach der Weltherrschaft?

Fragen

Aber wenn Hitler danach trachtete, die Welt zu erobern – Großbritannien, den Nahen Osten, die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Süd-Amerika, Indien, Asien, Australien –,

  • warum war er dann drei Jahre lang beschäftigt, den extrem teuren Westwall zu bauen, um Deutschland vor Frankreich zu schützen?
  • Warum begann er den Krieg ohne Überwasserflotte, ohne Truppentransporter und mit nur 29 seetüchtigen Unterseebooten?
  • Wie erobert man die Welt mit einer Marine, die nicht einmal aus der Ostsee raus kann?
  • Wenn Hitler die Welt wollte, warum baute er keine strategischen Bomber anstelle von zweimotorigen Dorniers und Heinkels, die nicht einmal Großbritannien von Deutschland aus erreichen konnten?
  • Warum ließ er die britische Armee in Dünkirchen ziehen?
  • Warum bot er den Briten zweimal den Frieden an, einmal als Polen gefallen war und dann wieder, nachdem Frankreich gefallen war?
  • Warum, als Paris gefallen war, verlangte Hitler nicht die französische Flotte, wie das die Alliierten getan hatten und die kaiserliche Flotte bekommen hatten?
  • Warum verlangte er nicht Stützpunkte in dem französischbesetzten Syrien, um Suez anzugreifen?
  • Warum bat er Benito Mussolini, Griechenland nicht anzugreifen?

Antworten

  • Weil Hitler den Krieg 1940 enden wollte, fast zwei Jahre, bevor die Züge zu den Lagern rollten.
  • Hitler hatte niemals Krieg mit Polen gewollt, dafür aber eine Allianz mit Polen, so wie mit Francisco Francos Spanien, Mussolinis Italien, Miklos Horthys Ungarn und Pater Josef Tisos Slowakei.
  • Denn, warum hätte er Krieg haben wollen, 1939, da er doch umringt war von alliierten, freundschaftlichen oder neutralen Nachbarn, außer Frankreich.
  • Und er hatte das Elsaß abgeschrieben, denn das Elsaß zurückzuerobern hätte Krieg mit Frankreich bedeutet, und das hätte Krieg mit Großbritannien bedeutet, dessen Imperium er bewunderte und dessen Verbündeter er immer hatte sein wollen.
  • Bis März 1939 hatte Hitler nicht einmal eine Grenze zu Rußland gehabt. Wie hätte er da in Rußland einmarschieren sollen?

Winston Churchill hatte recht, als er es als den “unnötigen Krieg” bezeichnete – den Krieg, der sich immer noch als der tödliche Stoß gegen unsere Zivilisation darstellt.”

Ja, da hatte Churchill recht,

so wie er auch rechthatte, als er nach dem Krieg murmelte:

Wir haben das falsche Schwein geschlachtet!

und klagte, daß nun ein “eiserner Vorhang” auf Europa herabgefallen, also halb Europa dem Bolschewismus ausgeliefert worden sei. Auch wenn er für diese tiefe Einsicht und

als Hüter menschlicher Freiheit sowie als Mahner der europäischen Jugend

1955 den Karlspreis der Stadt Aachen erhalten hat, sollte nicht vergessen werden, wie gezielt er den 2. Weltkrieg vorbereitet und sich jeglichen Friedensbemühungen deutscherseits verschlossen hatte.

Unvergeßlich seine und andere britische Erklärungen:

  • am 3. September 1939, dem Tag der britischen Kriegserklärung an Deutschland:

Dieser Krieg ist ein englischer Krieg, und sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands.

  • Der englische Informationsminister Duff Cooper fügte 1940 hinzu:

Wir müssen die Deutschen vernichten und die notwendige Anzahl von ihnen töten, um zu gewinnen.

  • Der Krieg ging nach Churchills Erklärung am 5. Mai 1946

… um die Erringung der deutschen Absatzmärkte.

  • Auch die Londoner Zeitschrift THE NINETEENTH CENTURY scheute sich – im September 1943 – nicht, die britische Kriegstreiberei offenzulegen:

Die allgemeine Ansicht, daß Deutschland den Krieg begann, um die Welt zu beherrschen, ist unserer Meinung nach falsch. Deutschland wünschte eine Weltmacht zu sein, aber Weltmacht und Weltherrschaft sind nicht dasselbe.

Der politische Anstrich derjenigen, die das Gleichgewicht Europas bedrohen, ist völlig gleichgültig. Auch wenn Deutschland das Modell einer Demokratie gewesen wäre und England von einem politischen System, das etwa dem System Hitlers geglichen hätte, beherrscht worden wäre, würde England trotzdem unter dem Zwang gestanden haben, das Gleichgewicht Europas aufrechtzuerhalten.

… Auch wenn Deutschland sein politisches System ändern würde, wäre dies kein Grund, um die britische Politik zu ändern … Ein despotisches Deutschland, das nicht stark ist, ist besser als ein liberales Deutschland, das zu stark ist.

  • Diese altbritische außenpolitische Willensrichtung, die “Balance of Power” auf dem Kontinent zu erhalten, hatte Winston Churchill schon Ende März 1936 vor dem Auswärtigen Ausschuß der konservativen Parlamentsfraktion im britischen Unterhaus in Erinnerung gebracht:

Vierhundert Jahre hat die auswärtige Politik Englands darin bestanden, der stärksten, aggressivsten und am meisten beherrschenden Macht auf dem Kontinent sich entgegenzustellen.

… Hier liegt eine wunderbare, unbewußte Tradition der britischen Außenpolitik. Alle unsere Vorstellungen beruhen auf dieser Tradition.

… Bitte beachten Sie, daß die Politik Englands keinerlei Rücksicht darauf nimmt, welche Nation gerade die Herrschaft über Europa erstrebt. Es kommt nicht darauf an, ob es Spanien, die französische Monarchie, das Deutsche Reich oder das Hitler-Regime ist; es hat nichts zu tun mit Herrschern oder Nationen: das Prinzip betrifft ausschließlich die Frage, wer der stärkste und möglicherweise beherrschende Tyrann ist.

… Deshalb scheint es mir so wichtig, daß wir wieder einmal alle Kräfte Europas zusammenfassen, um, wenn nötig, eine deutsche Herrschaft zu vereiteln.

Für dieses edle Ziel zerstörte Winston Churchill nicht nur Europa, sondern opferte auch das britische Weltreich. Dessen einstige Eroberung fußte allerdings auf der gleichen menschenverachtenden Selbstherrlichkeit, mit der Winston Churchill – mit seinem “unnötigen Krieg” – gegen Deutschland zu Felde zog.

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Mithus
Mithus
12 Jahre zuvor

Was die polnische und hier vor allem betont englische Mitschuld am 2. Weltkrieg betrifft, ist dem Aufsatz nichts hinzuzufügen. Historische Ursachenketten sind in der Regel aber auch keine monokausalen. Und so kam zu der feindlichen Haltung der Gegner Deutschlands eine nicht immer besonnene, intelligente Politik der Nazis hinzu (Stichwort: Raum im Osten, sprich Ölquellen und andere Ressourcen). Nach der Überwindung Polens und Frankreichs, die ja die drängendsten Ungerechtigkeiten auf der Landkarte getilgt hatten, hätte Ruhe an allen Fronten eintreten und die Demokratisierung Deutschlands (aus dem Innern heraus) unbedingt wiederhergestellt werden müssen. Das wäre in friedensartigen Zeiten sicher eher möglich und denkbar gewesen. Aber gerade wegen der weiteren Kriegszeiten war bei Fortschreiten der NS-Diktatur eine innere Umkehr kaum noch möglich und dies war ein ernstzunehmender Grund für die Feinde, Deutschland nicht nur in Schach zu halten, sondern auch Anlass und Rechtfertigung für jede Form wirtschaftlichen Eigennutzes der Gegner. Dies, nämlich das Bieten einer Angriffsfläche, wurde von der deutschen Intelligenz offensichtlich zu spät erkannt oder sie war gegenüber den bestimmenden Kräften in der deutschen Hochfinanz zu schwach. Der 2. Weltkrieg war in erster Linie immerhin ein Wirtschaftskrieg, erst in 2. Linie ein ideologischer, sic!
Hitler-Deutschland wollte sicher keine Weltherrschaft anstreben, wohl aber eine Weltmacht mit Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent werden. Das wäre dann mit der Zeit dennoch einer faktischen Weltherrschaft gleichgekommen. Dieses Ergebnis wäre jedoch nicht der Herrschsucht, sondern der Tüchtigkeit, dem Fleiß und – bei entsprechender Redemokratisierung – auch der Kultur des deutschen Volkes (ohne die Unkultur der Nazis) geschuldet gewesen. Diesem Wesenszug der Deutschen galt schon immer der Neid der Nachbarn! Denn historisch ist nachweisbar, dass Deutschland bzw. das Römische Reich dt. Nation viel häufiger Opfer der Aggression wurde als es selbst Aggressor war.

Nach dem Krieg ging die “stille Aggression” ja weiter. Zuletzt durfte Mitterand von Old-Schwurhand Kohl die Preisgabe des deutschen Rückgrats, die Deutsche Mark, Ausdruck deutscher Tüchtigkeit, einfordern. Das beginnende Ende der Euro-Zone und den wirtschaftlichen, vor allem finanzwirtschaftlichen Mitruin Deutschlands sehen wir gerade in Griechenland beginnen. Und dort werden – wo man mal wieder Hilfe von uns verlangt wird bei gleichzeitiger Anschuldigung – bereits wieder deutsche Waren boykottiert!

Was folgt daraus? Deutschland muß es endlich wieder wagen, statt mit einer “Westerwelle” Polen zu berauschen, mit ethisch-moralisch aufrechten Gang seinen Widersachern im In- und Ausland unter Opferbereitschaft die Stirn zu bieten. Leider fehlen derzeit die wertkonservativen Politiker dazu.

Damit habe ich gleichzeitig den Versuch unternommen, von der dauernden Rückwärtsschau in eine Zukunftsvision umzulenken.

trackback

[…] wurden durchaus auch die wahren Absichten der britischen Führung verkündet, nachzulesen bei Adelinde) und wohl auch bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung […]

Pianini
Pianini
7 Jahre zuvor

Die den Menschen vom Schöpfer mitgegebene , unschöne Eigenschaft “Neid”, ist vermutlich fast immer der Grund von mehr oder weniger schlimmen Auseinandersetzungen zwischen den Menschen. Hoffentlich gehen wir daran eines Tages nicht alle zu Grunde.

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