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Friedrich Wilhelm Hegel

Hegel (Bild: Welt)

ist noch immer das Idol einer „Linken“, die mit dem Bekenntnis von Karl Marx übereinstimmt:

„Ich kokettierte mit der Hegel eigentümlichen Ausdrucksweise.“

Doch unversehens geraten auch „Rechte“ in dies „linke“ Fahrwasser mit den hegelschen Vernunftübergriffen. Wie schade um die wertvolle Lebenszeit, die sie sich mit dieser verqueren Philosophie abringen.

Hätten sie sich doch lieber zunächst bei den unumstößlichen Erkenntnissen Kants, dann aber vor allem Mathilde Ludendorffs umgesehen! Das hätte ihnen echten Erkenntnisgewinn gebracht.

Peter Hansen

hat in Folge 14/1980 der Zeitschrift „Mensch und Maß“ eine aufhellende Abhandlung geschrieben:

Friedrich Wilhelm Hegels Philosophie und ihre Bedeutung für die Gegenwart

1. Die Hegelsche Philosophie

Kein deutscher Philosoph hat so stark gewirkt wie Hegel im 19. Jahrhundert.

Er wurde zu einer Macht im geistigen Leben Deutschlands und der Welt, wie es kaum Kant gewesen war. …

Nach Hegel ist die gesamte Wirklichkeit, sei es ein Baum oder ein Vogel, ein Gesetz oder eine Sonate von Beethoven, Ausdruck eines allumfassenden vernünftigen Weltgeistes, den Hegel auch als Gott bezeichnet.

Hierbei ist jedoch (nach Hegel) eines wesentlich: Die Wirklichkeit ist nicht überall gleich gottdurchdrungen, sondern Gott offenbart sich in den einzelnen Erscheinungen in unterschiedlicher Stärke. So erstrahlt er vor Beginn des Weltallwerdens in wundersamer Schönheit. Hegel schreibt:

„So ist die erste göttliche Geschichte außer der Welt, raumlos außer der Endlichkeit, Gott wie er an und für sich ist.“1)

Gott können wir nach Hegel mit der Vernunft gleichsetzen.

Die Aufgabe der Vernunft ist es aber zu denken, woraus folgt, daß das Wesen Gottes im Denken besteht.

Doch wodurch wird Gott veranlaßt, das Reich der Gedanken zu verlassen, um in Erscheinung zu treten?

Nach Hegel ist das die Folge eines kosmischen, allumfassenden Gesetzes, das er in Anlehnung an Fichte als Dialektik bezeichnet. Ohne auf die Dialektik näher einzugehen, können wir sagen, daß sie es ist, die allen Wandel im Weltall bewirkt.

Diesem dialektischen Gesetz ist auch Gott unterworfen.

Hierdurch wird gesichert, daß Gott zur Erkenntnis gelangt, jenseits der Erscheinung zu sein. Das ist der Anlaß für ihn, sich mit dem Diesseits der Erscheinungswelt zu verweben.

Hegel begründet das etwa so:

Wir können die Mutter nicht ohne den Vater denken, ebensowenig läßt sich das „Jenseits der Erscheinung“ ohne das „Diesseits der Erscheinung“ denken. Damit beginnt die „göttliche Geschichte als real in der Welt“.

  • Gott ist seiner Natur nach zwar jenseits der Erscheinung (These),

  • doch wenn er sich jetzt dem Raume verwebt, dann gerät er in einen gewaltigen Gegensatz zu seiner wahren Natur (Antithese).

  • Hierdurch entsteht eine Spannung, die erst mit Beginn der menschlichen Geschichte gemildert und mit fortschreitender Zivilisation- und Kulturentwicklung aufgehoben wird (Synthese).

Daher offenbart die Menschheitsgeschichte nach Hegel Gott immer deutlicher und klarer, wie das folgende Beispiel zeigen soll:

  • Bei den asiatisch-orientalischen Völkern ist nur der Herrscher frei und gottnah, aber die Untertanen leben noch in arger Finsternis.

  • Bei den Griechen und Römern ist bereits die politische Führungsschicht frei und gottnah, während allerdings die überwältigende Mehrzahl der Bevölkerung in gottferner Knechtschaft lebt.

  • Erst bei den Germanen des 19. Jahrhunderts sind alle Menschen frei und gottgeeint: der Staat ist vollkommen und Gott ist am Ziel.

Der langsame Gang Gottes durch die Weltgeschichte führt nämlich nach Hegel zu einer allmählichen Veredlung des Staates, des Rechtes, der Sittlichkeit, der Religion, der Kunst und der Wissenschaft.

Will ein junger Mensch zur Erkenntnis Gottes – zum absoluten Wissen – gelangen, so muß er diese Entwicklung im Geiste nachvollziehen.

2. Hegel und die Folgen

Hegels Philosophie ist für alle jene Menschen hervorragend geeignet, die der Auffassung sind, die Geschichte strebe einem idealen Endzustand entgegen, einer goldenen „Zeit, wo das Rechte, das Gute wird siegen“ (Schiller).

Hegel war zwar der Meinung, bereits zu seinen Lebzeiten wäre dieses göttliche Ziel in Preußen verwirklicht worden, doch das glaubt heute kein Mensch mehr, wohl aber gibt es viele Menschen, die das „Reich Gottes“ (Augustinus), das „messianische Reich“ (Judentum) oder die „kommunistische Gemeinschaft“ (Marx) für die Zukunft voraussagen.

Sie können sich alle auf Hegel berufen.

Sogar seine dialektische Methode läßt sich hervorragend von ihnen benutzen. Der weltgeschichtliche Fortschritt, so hatte Hegel gelehrt, kommt durch den Kampf der Gegensätze zustande.

  • Bei Augustinus kämpfen die „Gerechten“ gegen die von „Gott Abgewandten“,

  • bei Marx die „Proletarier“ gegen die „Kapitalisten“,

  • in der jüdischen Religion steht das von Gott auserwählte Volk den anderen Völkern gegenüber. Es ist das von Gott durchdrungenste und hat die Aufgabe, alle Auseinandersetzungen der Menschheit in einer Synthese auszugleichen.

Nun ist es sehr überraschend, daß nach Hegel ausgerechnet der Tummelplatz so vieler Verbrechen, nämlich die Geschichte, Gott offenbaren soll und in dieser Aufgabe die Natur weit überragt.

Hegel gibt hier folgende Antwort:

Worüber sollte sich der Philosoph wundern?

  • Die Zuchtlosigkeit wird bald das Bedürfnis nach einer starken Regierung wecken.

  • Der Krieg kann nicht ewig sein; bald wird die Sehnsucht nach dem Frieden wach …

  • Jedes Extrem schlägt über kurz oder lang in sein Gegenteil um.

  • Selbst die Bosheit muß dazu dienen, das Gute zu fördern.2)

Auch der Gang Gottes durch die Weltgeschichte erfolgt dialektisch, das heißt in Gegensätzen, die sich in Mord, Krieg und Revolutionen entladen.

Zur Verdeutlichung wollen wir die Hegelsche Methode einmal auf die letzten hundert Jahre unserer Geschichte anwenden:

  • Damals verkörperte Bismarck mit der „These“, daß Deutschland geeinigt werden solle, den „fortschrittlichen“ Teil der Menschheit;

  • die „Antithese“ wurde vom französischen Kaiserreich vertreten.

  • Diese Spannungen führten zum deutsch-französischen Krieg und damit zur Einigung Deutschlands. Diese „Synthese“ war zwar ein „historischer Fortschritt“, jedoch ein unvollständiger, denn Deutschland stand noch nicht gänzlich unter überstaatlicher Kontrolle.

  • Nach der dialektischen Methode wird jetzt diese „Synthese“ zu einer neuen „These“ und ruft eine „Antithese“ hervor, die von den antideutschen Mächten: dem Papst, der Freimaurerei und der englisch-amerikanischen Geldmacht usw. vertreten wird.

  • Diesmal entladen sich die Gegensätze im ersten Weltkrieg, der zur Schwächung Deutschlands führte, aber auch das Nationalbewußtsein der Deutschen entflammte. Auch dieses Ergebnis („Synthese“) erweist sich bei tieferer Betrachtung als fortschrittlich, denn es führte dazu, daß Hitler an die Macht kam.

  • Hierdurch entstand die neue These. Wer diesmal die Antithese verkörperte, ist bekannt, ebenso die Synthese, die zur Zerstörung Deutschlands und des deutschen Volkes führte, um andererseits die überstaatlichen Mächte zu stärken.

  • Damit ist die historische Mission Deutschlands — und auch Europas — im wesentlichen beendet; der Weltgeist (Gott) befindet sich seitdem bei den außereuropä-ischen Mächten, die fortan den Fortschritt verkörpern, nämlich in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.

3. Hegels philosophische Irrtümer

Hegel lehnt von vornherein jede Untersuchung unseres Erkenntnisvermögens als Betrug ab.3)

Durch diesen Trick gelingt es ihm, Kant aus dem Weg zu gehen, ohne ihn zu widerlegen.

Selbstverständlich verwirft er die Kantische Lehre vom Unterschied zwischen der „Erscheinung“ und dem „Ding an sich“.

Während Kant über das „Ding an sich“, das Göttliche, schweigt, weiß Hegel ganz genau, womit Gott vor der Erschaffung der Welt beschäftigt gewesen war: er macht ihn zur Denkmaschine, die dialektischen Gesetzen folgt.

Mit der gleichen Unbekümmertheit bestimmt Hegel a priori, also „aus dem hohlen Bauch“ heraus, die Zahl der Planeten — natürlich falsch — und „beweist“ philosophisch — 114 Jahre nach Newton —, welchen Naturgesetzen die Bewegung der Planeten zu folgen habe, und schwätzt über Elektrizität, Wärme und Gravitation wie ein Frosch über das Fliegen.

Während Hegel einerseits durch seine erbaulichen Märchen Gott wie einen Stuhl aus der Erscheinungswelt behandelt, vergöttlicht er andererseits die Erscheinungswelt, wobei er bezeichnenderweise die Natur, dieses Wunder Gottes, abwertet und sich ausgerechnet auf die Geschichte stürzt, die nach

Mathilde Ludendorff (Zeicnung von Wolfgang Willrich 1947)

 

Mathilde Ludendorff

 

Gott am tiefsten verhüllt.

Sie schreibt:

Vernunft denkt nach den gleichen Gesetzen, und wenn sie über das Göttliche zu denken wagt, wird sie stets … zu den gleichen Irrtümern hingelangen.

Immer ordnet sie da das Göttliche den Formen aller Erscheinung ein … Immer will sie … die Völker und ihr Schicksal dann lenken. Immer will sie dann auch „vernünftig“ lenken, und jeder Schicksalsschlag und jedes Glück muß dann „Sinn und Verstand“ für … die Völker haben. Dann ist aber die gleiche Richtung in die Irrtümer hinein schon gegeben.“4)

Welche Frechheit gehört doch dazu, die Verbrechen der Weltgeschichte als „List“ Gottes zu verharmlosen, wie Hegel es tut!

Was muß das für ein Gott sein, der es nötig hat, durch ein Meer von Blut zu waten, um sein göttliches Ziel verwirklichen zu können!

Vielleicht ahnt der Leser jetzt, wie berechtigt die gallige Kritik Schopenhauers an Hegel ist, dem er einen

verdummenden, man könnte sagen pestilenzialischen Einfluß

zugeschrieben hat.

Und was soll man von einem „Philosophen“ nach Kant halten, der ernsthaft behauptet, mit fortschreitender Geschichte werden die Menschen und alle ihre Einrichtungen immer vollkommener!

Hegel übersieht die alte chinesische Weisheit, wonach man Flüsse und Berge ändern kann, nicht aber den Menschen, dessen Unvollkommenheit nach Mathilde Ludendorff einen tiefen philosophischen Sinn hat. Die Philosophin schreibt über diese flache Fortschrittsgläubigkeit:

Nirgends hören wir so viel von dem „herrlichen Aufstieg“, dem „Fortschritt“ der Menschheit im allgemeinen und der eigenen Leistung im besonderen reden, als hier im Totenreich.5)

(Adelinde: Mit dem Totenreich meint sie das Reich der dem Göttlichen abgestorbenen Menschen, der „plappernden Toten“.)

Doch die philosophische Betrachtung über Hegel ist unvollständig ohne eine psychologische Ergänzung.

In einer wesentlichen Lebensfrage des Volkes vertritt Hegel zwei gänzlich unterschiedliche Auffassungen. 1806 schreibt er an Niethammer:

Wie ich es schon früher tat, so wünschen nun alle der französischen Armee Glück.6)

Nach der Niederlage der Franzosen in den Befreiungskriegen setzt sich Hegel plötzlich für die Volkserhaltung ein:

Nun, … da die deutsche Nation sich aus dem Gröbsten herausgehauen, da sie ihre Nationalität, den Grund alles lebendigen Lebens (!) gerettet hat, so dürfen wir hoffen, daß … auch die Kirche sich emporhebe.7)

Die gleiche Anpassungsfähigkeit beobachtet auch Treitschke. Er schreibt über Hegel:

In den letzten Jahren schloß er sich eng an die Regierung an und benutzte unbedenklich (deren) Gunst … um seine wissenschaftlichen Gegner zu beseitigen.8)

Der unverdauliche Stil der Hegelschen Schriften, der in linken Kreisen noch heute so modern ist9), zeugt meiner Meinung nach mehr von geistiger Verworrenheit als von Tiefe.

Daher ist es lächerlich, wenn Hegels englischer Anhänger Stirling schreibt:

Die Philosophie Hegels war … von solcher Tiefe, daß es größtenteils ganz unmöglich war, sie zu verstehen.10)

Diesem philosophischen Stil, der nur so „dunkelt und funkelt“, entspricht die Vortragsweise des Dozenten Hegel.

Hegel, Georg Friedrich Wilhelm (1770 – 1831), Deutscher Philosoph, nach einem Gemälde (verschollen) von Ludwig Sebbers; Foto: Dietmar Katz;

Sein Schüler Hotho schreibt:

Abgespannt, grämlich saß er mit niedergebücktem Kopf in sich zusammengefallen da und blätterte und suchte immerfort sprechend in den langen Folioheften … das stete Räuspern und Husten störte allen Fluß der Rede, jeder Satz stand vereinzelt da und kam mit Anstrengung zerstückt und durcheinandergeworfen heraus; jedes Wort, jede Silbe löste sich nur widerwillig los, um von der metallenen Stimme … einen wundersam gründlichen Nachdruck zu erhalten.11)

Schopenhauer schreibt:

Eine Kunst hat dieser Hegel wirklich verstanden, nämlich die, die Deutschen bei der Nase zu führen. Das ist aber keine große.

Hegels Stern wäre daher längst untergegangen, wenn es ihm nicht gelungen wäre, die jüdisch-christliche Hoffnung auf ein vollkommenes Gottesreich mit seiner Philosophie einzufangen und den Weg zu diesem Ziel als göttliches Wirken zu deuten.

_________________

Anmerkungen

1) Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, Dritter Teil.
2) A. Heußner, Die philosophischen Weltanschauungen, 2. Auflage, Göttingen 1912, Seite 181.
3)   Hegel: Phänomenologie des Geistes, Frankfurt/M—Berlin—Wien, Ullstein Verlag, 1973, S. 57.
4) Das Gottlied der Völker, S. 347.

5)   Selbstschöpfung, S. 147.
6)   Hegel: Phänomenologie, S. 644.
7)   Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie I, Frankfurt am Main, 1975, Suhrkamp Verlag, S. II.
8)   Zitiert bei Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 2, 1977, S. 36 H.
9)   Von Marx stammt der Ausspruch: „Ich kokettierte mit der Hegel eigentümlichen Ausdrucksweise.“ Vergleiche: Härtle, Die falschen Propheten, 1973, S. 42.
10) Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 2, S. 36.
11) Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, III, S. 531.

Kann es wirklich sein, daß Abraham Foxman – zwar vor einer Auswahl von Männern seiner jüdischen Glaubensgemeinschaft – laut und deutlich verkündet hat, was wir in dem Video oben hören können?

Zwar ist, was er darlegt, längst bekannt – jedenfalls denen, die lesen und mitdenken können und sich anschauen, was Erich und Mathilde Ludendorff während ihres umfangreichen geistigen Aufklärungskampfes vor 80 bis 90 Jahren gegen die Völkermordpläne biblischer Glaubensmächte veröffentlicht und was wir am eigenen Leibe erfahren haben und heute in der „Corona-Krise“ in aller Deutlichkeit vorgeführt bekommen.

Vor der ADL in New York am 25.8.1998 soll er gesagt haben:

Wir (Juden) haben alle Ziele erreicht, die auf unserer ersten Sitzung vor 100 Jahren zum Ausdruck kamen:

  • Wir kontrollieren Regierungen.

  • Wir haben Uneinigkeit zwischen unseren Feinden geschaffen und sie dazu gebracht, sich gegenseitig umzubringen.

  • Wir haben die Kritik an unseren Angelegenheiten effektiv zum Schweigen gebracht und sind die reichste Rasse der Menschen auf dieser Erde.

  • Als Meister der Wirtschaft, der Politik, des Rechts und vor allem der Medien sind wir bereit, unser wichtigstes und ehrgeizigstes Programm umzusetzen.

  • Eins, das die Hindernisse unserer absoluten Kontrolle über die Erde endgültig und vollständig aus dem Leben räumen wird.

  • Ich spreche vom Tod der weißen Rasse.

  • Die vollständige Entfernung aller Reproduktionsmittel der sogenannten arischen Rasse.

  • Männer, wir kontrollieren jetzt das Schicksal dieser Rasse.

  • Es ist jetzt an der Zeit sicherzustellen, daß die weiße Rasse durch Inzest und eine Geburtenrate von nahezu Null aussterben wird.

  • Wir haben alle die Vision genossen, die sich auf der ganzen Welt wiederholt, wenn die letzten weißen Kinder mit kleinen dunklen Kindern spielen und wissen, daß sie für ihre spätere Zerstörung vorbereitet werden.

  • Wir müssen die Rassenmischung der städtischen Zentren den Vororten und ländlichen Gebieten offenbaren.

  • Mit dem HUD werden derzeit aggressivere Programme zur Integration dieser Bereiche durchgeführt.

  • Es ist jeden Preis wert, die nächste Generation weißer Kinder zu vernichten.

  • Wir möchten, daß jeder weiße Vater das Gefühl hat, daß seine Kinder farbige Partner heiraten und gemischtrassige Kinder hervorbringen.

  • Wir müssen unsere Macht nutzen, um weiße Männer und Frauen zu entmutigen, die immer noch darauf bestehen, mehr reine weiße Kinder zu zeugen.

  • Sie werden geächtet, indem sie nicht Teil der Neuen Gesellschaft aller Rassen werden.

  • Die meisten werden davon Abstand halten.

  • Wir werden mit den weniger kooperativen Gojim (Nichtjuden) durch Mord und Inhaftierung vorgehen.

  • Schließlich werden wir das Ende dieser weißen Rasse sehen.

  • Eindrucksvolle weiße Kinder, deren Verstand in die Agenten der eigenen Zerstörung geformt wird.

  • Schon jetzt ist es unseren Bemühungen gelungen, die Männer dieser Rasse uns zu Füßen zu legen.

  • Männer, Sie und Ihre Vorfahren haben hart gearbeitet, um sicherzustellen, daß wir das Schicksal dieser Rasse in unseren Händen halten können. Jetzt haben wir es.

  • Verderben Sie arische Gojim!

Aber natürlich wird es sich wie bei den ebenso mit der Wirklichkeit übereinstimmenden „Protokollen der Weisen von Zion“ um eine „antisemitische Fälschung“ handeln!

Und die entsprechenden Ankündigungen und Befehle des jüdischen „Gottes“ Jahweh in Thora und Talmud muß man bestimmt ganz anders verstehen und auslegen wie z.B.

5. Mose 7:16 Luther Bibel 1545:

Du wirst alle Völker verzehren, die der HERR, dein Gott, dir geben wird. Du sollst ihrer nicht schonen …

Unwillkürlich fällt mir bei solchem Erfolg, solcher „Tüchtigkeit“ eines Volkes der Begriff Charles Darwins ein:

Survival of the fittest. Der Tüchtigste überlebt.

Charles Darwin führte diesen Gedanken noch genauer aus:

Bild: Pinterest

Es ist nicht die stärkste der Arten, die überlebt, noch die intelligenteste, sondern diejenige, die am meisten auf Veränderungen reagiert.

Wie gut paßt das auf den Erfolg jenes jahwehgeführten Volkes und auf die „Unterlegenheit“ der Gojim!

Und dennoch hat das alles nichts mit der wahren Art und Weise zu tun, in der die Entwicklungsgeschichte ihren Lauf nahm.

 

Mathilde Ludendorff

Mathilde Ludendorff

bedauert in ihrem Erstwerk „Triumph des Unsterblichkeitwillens“ den gottlosen Materialismus, mit dem von Charles Darwin die Entwicklung der Arten erklärt wird, und zitiert den Großvater des Charles,

Erasmus Darwin,

der in dem Werdegang der Schöpfung eine überwältigende göttliche Kraft erkennt:

Die Welt ist entwickelt, nicht erschaffen; sie ist nach und nach aus einem kleinen Anfang entstanden, hat sich durch die Tätigkeit der ihr einverleibten Grundkräfte vergrößert und ist eher gewachsen, als durch ein allmächtiges Werde plötzlich geworden.

Welch eine erhabene Idee von der unendlichen Macht des großen Architekten der Ursache aller Ursachen … Denn wenn wir das Unendliche vergleichen wollen, so möchte wohl ein größeres Unendliches der Kraft dazu erforderlich sein, die Ursachen der Wirkungen zu verursachen, als wie die Wirkungen selbst.

Das biblische „Schöpfungsbild“ eines als Macher gedachten „Schöpfers“ ist überwunden, eines Bildes, nach dem auch Adam erst aus einem Lehmkloß gemacht und dann mit göttlichem Hauch belebt wurde.

So dualistisch wie im Falle der Erschaffung des Menschen ist die gesamte biblische Sichtweise auf die Schöpfung: Die Natur wird nicht beseelt, nicht gottdurchdrungen erlebt und gedacht, sie steht nach dieser Sicht „Gott“ Jahweh ebenso fern wie die Seele dem Leib, der „gottlosen“„Materie“.

Ist nicht Charles Darwin bei seinen Darstellungen der Entwicklungsgeschichte den Weg von seinem gottahnenden Großvater Erasmus weg zum Materialismus seines Jahrhunderts zurückgegangen, indem er die Abwandlungen der Arten rein mechanistisch erklärte und dadurch in seiner Zeit so erfolgreich war? Mathilde Ludendorff:

Sein Werk bewegte ein ganzes Jahrhundert! Das Charakteristische aber ist, daß weit weniger die Tatsache der Abwandlung selbst interessierte als die willkommene materialistische, rein mechanistische Erklärung. Man stelle sich vor, daß nicht einmal der Kampf ums Dasein selbst die Macht ist, der wir nach Darwin die Entstehung der Arten zu danken haben, sondern das Nüchternste, das sich nur denken läßt:

Der „Konkurrenzkampf“ ist letzten Endes der Schöpfer der unendlich mannigfaltigen Fülle von Formen der unübersehbaren Zahl verschiedener Arten von Pflanzen und Tieren!

… Die mangelhaft Gearteten aber werden ausgeschaltet, ehe sie Ahnen kommender Geschlechter werden. So wurden bei jedem Geschlechte die Tüchtigsten oder – was bei dieser Theorie gleichbedeutend ist – die am praktischsten ausgerüsteten Lebewesen zu den Erzeugern der kommenden Geschlechterfolge, und so wurden sie bestimmend für die Beschaffenheit der Art …

Eine nüchternere Erklärung für die Entstehung der vielgestal-tigen Lebensformen konnte man sich kaum denken,

also war sie für seine Zeit die denkbar köstlichste Erkenntnis, und in der großen Freude hierüber wurde aller Widersinn, wurde die Unmöglichkeit, sie für die meisten Tatsachen anzuwenden, zunächst ganz vergessen.

Darwin hat uns in seiner Begeisterung für seine Idee ungeheuer wertvolles Tatsachenmaterial gesammelt;

aber nicht nur das, er hat den Sinn vieler Eigenschaften von Pflanzen und Tieren (Schutzfärbungen, Mimikry usw.) als Nutzeinrichtungen erklärt und damit eine Fülle interessanter Zusammenhänge entdeckt, welche die Christen, in ihren Irrtümern befangen, nicht erblickt hatten.

Von dem Kulturwert der Entwicklungsgeschichte selbst aber hat er die Menschen in so nachdrücklicher Weise abgelenkt, daß sein Lebenswerk ein recht verhängnisvolles Geschenk wurde.

Mathilde Ludendorff dagegen weist auf die „überwältigende Fülle an Schönheit der Formgebung“ und Farbenpracht der Lebewesen hin:

Warum [z. B.] … entsprechen die Gestalt der Blüte und ihre Farben und Formverteilung so vollkommen unserm menschlichen Schönheitswillen, obwohl das Facettenauge des Insektes, das angelockt werden soll, diese Schönheit gar nicht genießen kann?

Wie würde wohl ein Darwinist es uns erklären wollen, daß die ältesten pflanzlichen und tierischen Vorfahren, die Einzeller, oft in wunderbarsten Kunstformen ihren Protoplasmaleib gestalten, obwohl sie selbst gar keine Sinnesorgane haben, um die Schönheit ihres Artgenossen wahrnehmen zu können, und obwohl alle die wunderbaren Kunstformen (z. B. der Radiolarien) das Protoplasmaklümpchen gar nicht etwa tüchtiger im Kampf ums Dasein machen können? …

Ernst Haeckel, Kunstformen der Natur, Tafel 91 (Bild: BioLib.de)

Wir sind wissenschaftlich berechtigt zu behaupten, daß jedes Lebewesen so schön ist, als es ihm die Todesgefahr, als es ihm der Kampf um das nackte Leben nur eben gestattet …

Die oben erwähnte Gruppe von machtvollen Hassern einer anderen Menschenrasse aber wäre doch ein schlagendes Beispiel für Darwins Selektionstheorie: Die Tüchtigsten im Konkurrenzkampf setzen sich gegen die im Konkurenzkampf weniger Tüchtigen durch.

Doch dieser an sich sehr anschauliche Vergleich hinkt!

Mathilde Ludendorff zeigt – besonders in ihrem Werk „Schöpfunggeschichte“ – den Willen Gottes zur Bewußtheit, der mit der Menschwerdung nach Jahrmilliarden der Schöpfungsgeschichte in Erfüllung ging.

In allen Menschen – gleich welcher Rasse – kann sich dieser Wille zur Bewußtheit des Göttlichen verwirklichen.

Da sich dies aber nur in aller Freiheit im Ich einer Einzelmenschenseele ereignen kann, ist der Mensch fähig, sich für das Gute, Wahre und Schöne zu öffnen oder auch zu verschließen, ja auch Schuld gegenüber eigenem moralischem Versagen zu empfinden.

Er hat ein Gewissen.

Wie sicher aber zeigt uns unser Gewissen Schuld und Unschuld an?

Ist das Gewissen wirklich – wie Christen glauben – die Stimme Gottes?

Zeigen sich die Menschen im o. a. Beispiel nicht als Seelen mit bestem Gewissen? Sind sie nicht geradezu stolz auf ihre Tüchtigkeit, ihre Ziele der Völkervernichtung schon fast erreicht zu haben?

Haben diese Ziele denn überhaupt etwas mit Moral zu tun? Nach Darwin haben die tüchtigen Völkerhasser doch eigentlich recht. Ihre Art setzt sich im „Konkurrenzkampf“ durch. Von Moral ist dabei nicht die Rede.

Wir sehen, wie bei solcher Willens-richtung, im Konkurrenzkampf zu siegen, eine so überaus artenreiche, vom göttlichen Wunsch zur  Schönheit erfüllte Schöpfung, wie wir sie in der Natur vorfinden, überhaupt nicht möglich wäre.

Der Konkurrenzkampf wirkt eher artenverarmend.

Die Völkerhasser sind somit erkannt als dem Göttlichen entgegenstrebende und handelnde Menschen, die ihre ihnen von der Schöpfung gegebene Freiheit dazu verwenden, sich vom Guten, Wahren und Schönen abzuwenden, und das

ohne den geringsten Gewissensbiß!

Das Gewissen – Jahrhunderte als göttliche Kontrolle über die Moral menschlichen Handelns angesehen – zeigt sich als ungeeignet, Gradmesser eigenen Handelns in moralischer Hinsicht zu sein.

Der seelisch Hochstehende, der das Gute, Wahre und Schöne anstrebt, hat einen Seismographen als Gewissen in seinem Innern. Bei ihm schlägt das Gewissen schon bei geringsten Versäumnissen.

Die dem Göttlichen gegenüber Stumpfen, die aus fragwürdigem Eigennutz daran gehen, dem Willen der Schöpfung zur Mannigfaltigkeit der Formen entgegenzuhandeln, die Schöpfung zu veröden, ja zu verwüsten, indem sie ganze Teile der Natur, ganze Rassen auszurotten versuchen, werden durch eine moralische Regung, ein Gewissen, in ihrem widergöttlichen Handeln nicht gestört, schon gar nicht wenn sie glauben, damit ihrem sog. Gott zu dienen.

Klarheit nun auch auf diesem Gebiet geschaffen zu haben, verdanken wir Mathilde Ludendorff.

 

Agnes Miegel

überlebte die Vertreibung aus ihrer Heimat Ostpreußen. In diesen Tagen gedenken wir ihrer mit einer Lebensbeschreibung aus der Feder von

Gisela Stiller.

Dunkle Ahnungen

Stille Jahre waren es, immer wieder überschattet von dunklen Ahnungen und Gesichten, über
die sie vor allem der Freundin Ina Seidel berichtete.

1936 wurde ihr der Herder-Preis der Goethe-Stiftung verliehen und 1940 der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt.

Zu ihrem 60. Geburtstag erhielt sie das Ehrenbürgerrecht der Stadt Königsberg.

Zu jener Zeit schreibt sie in einem Brief u. a.:

… auf einmal überkommt mich bei aller Vorfreude auf das Reisen ein sonderbares Gefühl – als ob ich nicht mehr wiederkommen werde …

Diese Ahnung von einer bevorstehenden Katastrophe hat sie nie mehr verlassen – trotz aller Siegesmeldungen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Sie war nun über 60 Jahre alt und viel auf Lesefahrten unterwegs. Sie schrieb eine Reihe von Gedichten, die den Menschen Trost geben sollten in der harten Zeit.

Der Kriegsband „Mein Bernsteinland und meine Stadt“, 1944 im Königsberger Verlag Gräfe und Unzer erschienen, war bereits nach wenigen Tagen vergriffen.

Es heißt dort gegen Ende der Dichtung:

Wir gehen fort. Und jeder Weg in dir ist heute schon für mich ein Abschiednehmen …

Agnes Miegel sah ihre Vaterstadt leiden und sterben unter furchtbaren Bombenangriffen, die die Stätten ihrer Kinderzeit auslöschten.

Bitterkalt war es zur Adventszeit, als sie im Neuen Schauspielhaus, das dicht besetzt war von Zuhörern in Mänteln und dicken Jacken, zum letzten Mal eine Lesung in ihrer Stadt hielt. Sie schloß mit den Worten:

… daß noch in dir, o Mutter, Leben ist und daß du, Königsberg, nicht sterblich bist …

Die Flucht über See

Als die Bevölkerung Ostpreußens nach 700-jähriger Geschichte deutscher Besiedelung am Ende des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben wurde, befand sich auch die Dichterin unter den Flüchtlingen.

Noch ehe der Morgen graut, wandern Agnes Miegel und ihre Gefährtin Elise, die ihr in allem wie eine Tochter zur Seite stand, am 27. Februar 1945 mit vielen anderen Leidensgenossen durch Trümmer und Schutt zum Hafen.

Der einzige wieder frei gewordene Weg aus der umzingelten und belagerten Stadt führt auf dem Pregel ins vereiste Haff und dann durch das Pillauer Tief in die Ostsee.

Über die schneeverwehte Nehrung ziehen noch immer die endlosen Trecks ostpreußischer Flüchtlinge „Wagen an Wagen“, wie Agnes Miegel später in einem ergreifenden Gedicht schreibt. Fast zwei Millionen Menschen nahmen diesen einzigen noch möglichen Weg nach Westen. Viele, viele erreichten den rettenden Hafen nicht mehr.

Durch das Vorstoßen der sowjetischen Truppen wurde Ost- und Westpreußen vom Rest des Deutschen Reiches abgeschnitten.

Eine vorherige Evakuierung war durch Berlin und vor allem durch die Gauleitung verboten worden. Dadurch blieb nur noch die Flucht über See.

Das Oberkommando der Marine unter Großadmiral Dönitz verlegte bereits in der zweiten Jahreshälfte 1944 die Mehrzahl der noch verfügbaren Schiffe der Kriegmarine an die Ostsee.

Der Kampf im Osten gegen die auf deutsches Gebiet vorrückende Rote Armee wurde immer verzweifelter. Erste Seerettungsaktionen begannen 1944 mit der Räumung der Stadt Memel.

Die Evakuierung im großen Stil wurde am 21. Januar 1945 durch Großadmiral Dönitz eingeleitet.

Auch alle verfügbaren Schiffe der Handelsmarine, die so weit wie möglich Schutz durch Kriegsschiffe erhielten, wurden für diese Flüchtlingstransporte eingesetzt.

In den vier Ostseehäfen Hela, Pillau, Gotenhafen und Danzig wurden die verzweifelten Flüchtlinge an Bord genommen.

Bei der größten Evakuierungsaktion der Geschichte über See gelang es, ungefähr zwei ein halb Millionen Menschen aus dem Kriegsgebiet herauszubringen.

Trotz Geleitschutz wurden immer wieder Schiffe durch Torpedobeschuß der sowjetischen Marine versenkt. Die bekannteste Schiffskatastrophe des Unternehmens – aber nicht die einzige – ist der Untergang der „Wilhelm Gustloff“.

Agnes Miegel und ihre Freundin gehören zu den Geretteten.

Kopenhagen, dann das Lager Grindstedt und schließlich die Baracken von Oksboel nehmen
die Flüchtlinge auf – „arme Pracher“, wie die Dichterin später berichtet.

Hier in dieser riesigen Flüchtlingsbarackenstadt werden etwa 40.000 Heimatvertriebene lange Zeit interniert. Sie leben wie Gefangene, hinter Stacheldraht in einer engen, eingeschlossenen Umwelt dürfen sie nicht über ihr Bleiben oder Gehen bestimmen.

Für ein Jahr gibt es für die Flüchtlinge keine Postverbindung zu den Freunden im Nachkriegsdeutschland. Die Behandlung ist alles andere als gut.

Aber Agnes Miegel klagt nicht. Sie trägt ihr Schicksal mit einer Würde, daß auch andere sich daran aufrichten können.

Dabei hat sie nicht nur ihre Heimat, Wohnung und persönliche Habe verloren, sondern auch alles, was sie an handschriftlichen Aufzeichnungen aus Jahren der Arbeit besaß.

Ein Koffer mit Manuskripten, den sie einer Bekannten anvertraut hatte, – darunter der einzige Roman aus ihrer Feder – ging auf der Flucht verloren.

Sie hat ihre äußere Heimat verloren, aber ihre Heimat im geistigen Sinne gerettet und in ihrer Dichtung zum unverlierbaren Besitz erhoben.

Und sie beginnt wieder zu schreiben – Gedichte, Märchen und Spiele. Es entsteht u.a. die Erzählung : „Fischtag im Lager“, oder Heimweh-Gedichte, wie die eindringlichen Verse „Es war ein Land“, aus denen das ganze Leid um die verlorene Heimat spricht, sowie das ergreifende Gedicht: „O Erde Dänemarks“, das sie im Sommer 1945 über die mehr als viertausend kleinen Flüchtlingskinder schrieb, die schon vor dem 5. Mai in Dänemark starben.

An Ina Seidel schrieb sie 1946 in einem Brief:

Ein Teil meines Herzens starb, als ich von Ostpreußen ging …

Im Nachkriegswinter 1946/47 findet die Dichterin – jetzt 67 Jahre alt – mit Elise Asyl auf dem alten Wasserschloß Apelern, das der Familie ihres inzwischen verstorbenen Dichter-Freundes Böries von Münchhausen gehörte.

Es sind harte Zeiten, nicht nur wegen des Mangels an Heizmaterial und Lebensmitteln.

In der sehr umfangreichen Schloßbibliothek findet die Dichterin genügend Lesestoff, so neben englischen und amerikanischen Klassikern vor allem Homer.

Ich lese jeden Tag als Seelenstärkung einen Gesang der Odyssee,

schrieb sie.

Und schließlich gab es einen Menschen, der sich den beiden Frauen anschloß. Das war die junge Gutssekretärin Heimgart von Hingst, ein Flüchtlingsmädchen, das jetzt für die notwendigen Dinge des täglichen Bedarfs sorgte. Später in Bad Nenndorf schlossen sich die drei Frauen noch enger zusammen.

Man schrieb das Jahr 1948. Wer diese Zeit selbst noch bewußt erlebt hat, weiß, wie hart und entbehrungsreich das Leben in dieser Notzeit für die meisten Menschen war, ob sie nun ihre Habe behalten hatten oder aus dem Nichts eine neue Existenz aufbauen mußten.

Bereits Weihnachten 1949 erschien wieder ein Gedichtbändchen mit dem Titel: „Du aber
bleibst bei mir“.

Zur gleichen Zeit erschien bei Diederichs ein Prosaband: „Die Blume der Götter“, und 1951 die Erzählungen „Der Federball“.

Für fünf Jahre waren zwei möblierte Zimmer das Zuhause für Agnes Miegel und ihre Gefährtin. Erst im Jahre 1953, im Alter von 74 Jahren, wurde der Dichterin eine kleine Mietwohnung von der Gemeinde zugewiesen. In den drei Räumen richteten sich die drei Frauen ein, glücklich, nach aller Unruhe und Unsicherheit der vergangenen Jahre, wieder ein Heim zu haben.

Ein großer Freundeskreis, Menschen aller gesellschaftlichen Schichten, jeden Alters und verschiedenster Herkunft – standen jetzt mit ihr im Briefwechsel. Viele Stunden hat Agnes Miegel an ihrem Schreibtisch zugebracht, hat mit ihrer schönen Schrift Briefe und Karten beantwortet. Sie fand für jeden, der an sie schrieb, ein persönliches Wort.

Die Gewohnheit, Menschen im Rahmen einer Großfamilie zu sehen, wo jeder sich um den anderen kümmert und vom anderen weiß, war bei ihr in starkem Maße zu finden.

Verehrung, Liebe und Zuneigung unzähliger Menschen auf der einen Seite, Verleumdung und hämische Kritik auf der anderen Seite – zwischen diesen beiden Richtungen spielte sich nun das Leben der Dichterin ab.

Was ist geblieben?

Über die große Balladendichterin Agnes Miegel, über die leidenschaftlich–verhaltenen Gedichte der frühen Zeit, über ihre Prosa ist viel Kluges und viel Dummes gesagt und geschrieben worden.

In den letzten Jahren ihres Lebens hat sie sich immer wieder darum bemüht, die Sprache der jüngeren Schriftsteller unserer Zeit und ihr Werk zu verstehen. Sie litt zwar darunter, aber sie nahm es mit Schweigen hin, daß alles, was sie in einem langen Leben geschaffen, von der „großen Kritik“ einfach totgeschwiegen wurde, ja, daß bei besonderem Anlaß sie und ihr Werk das Ziel bösartiger Polemik wurden.

Daran konnten auch die vielen Beweise der Liebe und Verehrung, die ihr im Alter zuteil wurden, nichts ändern. Sie wurde Ehrenbürgerin von Bad Nenndorf, erhielt die Kulturpreise der Ost- und Westpreußen, erlebte die Stiftung einer Agnes-Miegel-Plakette und erhielt zum 80. Geburtstag den Literaturpreis der „Bayrischen Akademie der Schönen Künste“ als Auszeichnung für ihr dichterisches Werk.


In dem hektischen Literaturbetrieb unserer Tage ist von einer Dichterin dieser Richtung kaum mehr die Rede.

Um so stärker lebt sie aber in ihrem Werk fort, bei Menschen, die abseits des lauten Marktes sich einen Sinn bewahrt haben für das, was bleibt.

Es war für sie selbst immer wieder beglückend zu erleben, wie viele junge Menschen sich von ihrem Werk angesprochen fühlten. Vielleicht liegt das Geheimnis dieser Anziehungskraft darin, daß sie hinter dem stand, was sie schrieb, daß sie nie vergessen hat, wo ihre Wurzeln waren.

Wie bei vielen einst berühmten deutschen Persönlichkeiten, so gibt es auch bei Agnes Miegel Umbenennungsbestrebungen bei Straßen, die nach ihr benannt wurden.

Viele Menschen fühlen sich von der unsachlichen Propaganda gegen Agnes Miegel, wie sie von extremen Gruppierungen verbreitet wird, verunsichert. Immer geht es um Miegels vermeintliche Nähe zur NS-Ideologie. Eine „politisch korrekte“ Presse-Öffentlichkeit beschimpft Agnes Miegel als Nazidichterin und reißt sie aus der differenzierten Lebenswirklichkeit heraus.

Im damaligen Entnazifizierungsverfahren wurde Agnes Miegel vollständig entlastet. Das nimmt
man heute gar nicht mehr zur Kenntnis.

Wer sich intensiv mit Leben und Werk Agnes Miegels befaßt hat, und viele ihrer unveröffentlichten Briefe studiert hat, der weiß, daß sie für Rechtsextremismus ebenso wenig übrig hatte wie für Linksextremismus. Der weiß, daß sie sich mit ihrem Bekenntnis zu einer umfassenden Menschlichkeit und „nichts als den Haß zu hassen“ ganz vehement und konsequent von jeder Parteipolitik distanzierte.

Doch immer wieder versuchen linke Scharfmacher mit Kampagnen den Ruf von Persönlichkeiten früherer Generationen zu zerstören, die nicht in ihr eigenes Weltbild passen. Und immer wieder lassen sich demokratische Bürger in diesen schmutzigen Strom hineinziehen.

Aber es gibt auch Lichtblicke:

Im heutigen Königsberg gibt es einen Zweig der deutschen Agnes-Miegel-Gesellschaft, einer anerkannten und von gebildeten Persönlichkeiten aus aller Welt geförderten literarischen Gesellschaft.

Russen und Deutsche pflegen einen Umgang auf hohem Niveau. Im heutigen Kaliningrad werden Werke von Agnes Miegel in russischer Übersetzung publiziert, sowie Ausstellungen organisiert.

Im Alter von 84 Jahren starb Agnes Miegel 1964 in Bad Salzuflen, ihr Grab befindet sich in Bad Nenndorf.

Die Agnes–Miegel–Gesellschaft hält zahlreiches Schrifttum von und über Agnes Miegel bereit und bringt immer wieder neue Publikationen heraus.

Sorgen auch wir dafür, daß diese große Dichterin nicht vergessen wird.

Unter hellem Himmel lag mein Jugendland,
Doch es ist versunken, wie ein Bernsteinstück im Sand.

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Literaturhinweise

  • Agnes Miegel, Arbeitshilfe 29/1985 von Ruth Maria Wagner, Als wir uns fanden, Schwester, wie waren wir jung, Hrsg. Marianne Kopp/Ulf Diederichs

  • Briefwechsel zwischen Agnes Miegel und Lulu von Strauß und Torney

  • Agnes Miegel, Ihr Leben und ihre Dichtung, von Anni Piorreck

  • Agnes Miegel, Es war ein Land – Gedichte und Geschichten aus Ostpreußen

  • Marianne Kopp, Agnes Miegel – Leben und Werk

Agnes Miegel

überlebte die Vertreibung aus ihrer Heimat Ostpreußen. In diesen Tagen gedenken wir ihrer mit einer Lebensbeschreibung aus der Feder von

Gisela Stiller.

Eine weitere bedeutsame Station auf dem Weg der Agnes Miegel war der

Aufenthalt auf der Wasserburg der Familie von Münchhausen,

der Eltern ihres Dichterfreundes Böries in Apelern. Hier sollte sie viele Jahre später, nach dem Krieg und Lageraufenthalt in Dänemark, eine erste Bleibe finden.

Doch zunächst zurück :

Am meisten lernte ich von der Mutter Münchhausens, der alten, damals schon sehr leidenden Baronin,

berichtet Agnes Miegel später.

Die künstlerisch hochbegabte Frau konnte geradezu hinreißend erzählen, hatte ein ungeheuerliches Wissen, beherrschte viele Sprachen und war nebenbei hochmusikalisch und besaß Humor!

Die reichhaltige Bibliothek in diesem Hause faszinierte die junge Königsbergerin. Sie ist sicher eine der Quellen für das umfassende literarische Wissen und die historischen Kenntnisse der Agnes Miegel, die in ihrem späteren Werk eine so bedeutende Rolle spielen sollten.

Die Atmosphäre um das alte Wasserschloß, das schon den Dreißigjährigen Krieg überstanden hatte, regte ja geradezu zu einem Studium der Geschichte an.

Schließlich kam auch Lulu, v. Strauß, und die gemeinsamen Ferien, in denen sie ganz füreinander da sein konnten, ließen sie ebenso die Wesensverwandtschaft spüren, wie auch die Unterschiede ihrer dichterischen Kraft. Nebenbei waren sie jung und ausgelassen, sie lachten gern und viel miteinander.

Zum Jahreswechsel schrieb Agnes Miegel ihrer Freundin eine Karte mit folgenden Zeilen:

Adieu kleine Lulu. Zum Jahre 1910 wünsche ich Dir Gesundheit, Geld, Glück und einen
guten Mann. Anbei sein Konterfätt, so soll er klopfen an Deine Tür. Ich finde ihn so schön, daß ich ihn am liebsten selber nähme.

Es grüßt und küßt Dich, liebes Luluchen, und freut sich aufs Wiedersehn
Dein altes Tutt vergnügt und fett wie immer.

Mit gekonnten Strichen zeichnete sie ein Bild des gewünschten Mannes.

Die Italienreise

Für Agnes Miegel ging im Frühjahr 1911, also vor mehr als hundert Jahren, ein jahrelang sehnsüchtig gehegter Traum endlich in Erfüllung: Sie konnte mit ihrer Freundin Elisabeth Wiehler und deren Nichte Maria von Böckmann etliche Wochen lang Italien bereisen. Dank ihrer Lese-Ersparnisse und einer Zuwendung von 1000 Mark aus der Fastenrath – Stiftung konnte sie „ganz in Seelenruhe und ohne Gewissensbisse zu haben, alles genießen“, wie sie schreibt.

Was sie zuvor nur durch Lektüre von Goethes „Italienischen Aufzeichnungen“, Aufsätzen von Hermann Hesse und kunsthistorischen Werken erleben konnte, sah sie nun selbst mit wachem Interesse und warmer Anteilnahme.

„Sehr kunstlüstern im Gemüte“ wie sie schreibt, durchzog sie mit ihren Freundinnen die Galerien, Kirchen, Städte und Landschaften. So erlebte sie u.a. Rom, Frascati, Gubbio und Perugia sowie Siena, Florenz, Pisa, Genua und Mailand. Sie sah die Appeninen, die Toskana, Umbrien und die Mittelmeerküste.

Begeistert berichtet sie nach ihrer Rückkehr der mütterlichen Freundin Clementine von
Münchhausen von ihrer Reise.

Vor allem aus einem ihrer ausführlichen Briefe wissen wir heute die Reisestationen und
einige Details. Sie schreibt:

Dort ist das Meer dunkelblau und hat ganz tiefe Buchten. Es ist gar nicht wie die See hier, es ist verlockend schön und unsicher wie ein griechischer Gott. Ich fand es entzückend, schwor mir aber bei seinem Anblick beständig unserer graugrünen Ostsee ewige Treue. So ging es mir immer. Jedes mal wenn ich verliebt und bezaubert in die schöne italienische Landschaft sah, sagte ich innerlich zu Ostpreußen: „Sei man still, Du bist doch meine Beste!“

Literarisch hat Agnes Miegel diese großen, bewegenden Eindrücke nur wenig verarbeitet. Zum ersten machte sie eine schwere Krankheit durch, denn in Siena bekam sie die Ruhr und erholte sich nur langsam davon. Zum anderen wurde sie in Königsberg von der Pflege ihres alten Vaters übermäßig beansprucht, so dass sie kaum zum Schreiben kam.

Die unvergeßlichen Eindrücke des Südens aber blieben ihr lebenslang ein tiefes Erlebnis, das auch Jahre später immer wieder gegenwärtig war.

Der Jugendfreundin Friederike Klein entgegnet sie in einem Brief 1925 auf deren Italien-Erfahrungen:

ach es war so hübsch und ein Land für uns Drei bis zum Tod und ein ewiger Jungbrunnen, dessen Lebenswasser nie versiegt!

Bei allem Sehen und Erleben des Fremden und Neuen in Italien wurde ihr jedoch das eigene
Heimatgefühl zutiefst bewßt – der Genuß Italien geht unmittelbar über in ein Lob der
ostpreußischen Landschaften.

Und als sie auf der Heimreise

das erste schwarzbunte Vieh wiedersah, ging ich vor Freude doch beinah` durchs Coupefenster,

berichtet sie in einem Brief an Clementine von Münchhausen.

Auch zwei Jahre später thematisiert sie in einem Brief an Prof. Eduard Heyck

diese Spannung zwischen dem Sehnsuchtsland Italien und ihrer innig geliebten Heimat.

Im Frühling hab` ich mit großer Sehnsucht an Rom gedacht,

erzählt sie, schildert die Schönheit von Rapallo, aber schließt gleich an:

aber unsere See hier oben und unser Haff sind doch tausendmal schöner, und werden einem in tausend Jahren nicht über!

Und so ist diese Erfahrung schließlich doch in einem der großen Themen ihrer Gedichte, Balladen und Erzählungen eingeschmolzen worden.

Immer wieder geht es bei Agnes Miegel nämlich um den Bezug zur Heimat eines Menschen, um Fortgehen und Wiederkommen, um Fernweh und Heimweh, schließlich um Heimkehr und das wachsende Bewusstsein, was Heimat bedeutet.

So ist Agnes Miegel mit ihrem Werk keineswegs mit dem Begriff „Heimatdichterin“ zu fassen, sondern sie ist vielmehr eine Dichterin der Heimat, die das universale Thema „Heimat“ aus den verschiedensten Blickrichtungen beleuchtet und gestaltet hat.

Frauenfreundschaften

Agnes Miegel hatte schon in ihrer Jugendzeit viele Freundinnen, aber eine ganz besondere Freundschaft entwickelte sich zu ihrer Dichter-Kollegin Lulu von Strauß und Torney. Die Frauen lernten sich um die Jahrhundertwende kennen. Es entwickelte sich eine tiefe und reiche Freundschaft dieser beiden Balladendichterinnen, die das ganze Leben lang anhalten sollte.

Eine besondere Freundschaft verband sie ebenfalls mit der wesentlich jüngeren niederdeutschen Dichterin Dr. Alma Rogge, die in der Wesermarsch aufwuchs.

Beide Dichterinnen gelten als Verkörperung ihrer Heimatlandschaft. Der Briefwechsel ab den 1955er Jahren befindet sich im Literarturmuseum in Marbach.

Nach einem Aufenthalt bei Alma Rogge schreibt Agnes Miegel:

Und dann die Stunden bei Dir mit dem einzig schönen Blick auf Fluß und Ebene und das für mich als Ostseekind immer gleich überwältigende Wunder von Ebbe und Flut und das ebenso große des Wunderspiels von Silber und Blau und allen Fischschuppenfarben des lebendigen Wassers und dem Silbergefunkel der Sonnenblitze darauf – immer noch der gleiche Sternschnuppenfall wie in ersten Kindheitstagen! … Ach, es war wunderschön und ich danke Dir sehr!

Und in einem anderen Brief:

Ich danke Dir für Deine Freundschaft, liebe Wesermarschtochter!

Das Besondere an dieser Freundschaft zwischen Agnes Miegel und Alma Rogge waren sicherlich die gemeinsamen Aufenthalte im Naturschutzpark Lüneburger Heide, wohin der Mäzen Dr. Alfred Töpfer die beiden Dichterinnen seit 1957 alljährlich in das „Landrat-Ecker-Haus“ in Wilsede einlud.

In dem Haus bot er Dichtern und Künstlern eine Begegnungsstätte und Erholung. Diese Landschaft ist beiden Freundinnen neu, so daß sie diese miteinander entdecken können.

Alma Rogge schildert diese Aufenthalte in ihrer kleinen Prosaskizze „Mit Agnes Miegel in der Lüneburger Heide“ und breitet dabei nicht nur die Schönheiten der Heide aus, sondern zitiert auch Agnes Miegels Äußerungen darüber:

Nie hätte ich gedacht, daß mir eine Landschaft nach meinem Ostpreußen noch mal so gefallen könnte!!

Die Landschaft, die Luft – wie auf der Kurischen Nehrung sind sie, wie in Masuren … hier kann ich atmen wie in meiner Heimat.

Und an Ina Seidel schreibt sie 1957 von Wilsede aus:

Die Heide ist noch viel schöner als ich erwartete … Seit den letzten Sommern in Ostpreußen bin  ich nicht mehr so glücklich gewesen wie hier, war mir keine Luft und Landschaft so vertraut und lieb.

Doch zunächst zurück nach Königsberg!

Das Gefühl der Enge des Elternhauses lastete auf ihr, so schreibt sie in einem Brief an Lulu:

Mutter versorgt meinen Küchenschrank, Vater meinen Geldbeutel und dadurch meinen Bücherspind, aber die sogenannte Seele, die ist ihnen ganz fremd an mir und braucht doch Nahrung.

In ihrem Bericht: „Meine ersten Verse“ beschreibt sie ein Schlüsselerlebnis aus der Schulzeit: Die Deutschlehrerin hatte zur Hausaufgabe gemacht, ein Gedicht zu schreiben. Sie glaubte es Agnes nicht, daß sie das Gedicht ohne fremde Hilfe verfaßt habe. Agnes riß die Seite aus dem Schulheft und verbrannte das Gedicht. Als die Mutter es erfuhr, war deren Reaktion:

Ein Gedicht? Erbarmung. Und das solltest du machen? Vergiß es Kind!

Wahrscheinlich hat das Erlebnis dazu geführt, daß sie alle Briefe von Menschen, die ihr nahe standen, verbrannte. Sogar ihr lyrisches Tagebuch, das sie in Weimar führte, hat sie eines Tages in den Ofen gesteckt.

In ihrem dichterischen Schaffen trat ab 1906 eine längere Pause ein. Sie wird nach Hause gerufen – die kranke Seele der Mutter bewirkte, daß diese wegen eines Nervenleidens den Rest ihres Lebens in einer Heil- und Pflegeanstalt verbringen mußte. Das hatte zur Folge, daß
Agnes alle beruflichen Pläne zurückstellen mußte. Die Tochter übernimmt die Pflege des alten Vaters, dem die Erblindung droht.

Ihr Leben ist von nun an nüchtern, hart, ohne Romantik.

Sie führte für den einsamen, oft kränkelnden Vater den Haushalt und umsorgte ihn. Das
schaffte zwar eine neue Nähe, aber auch Bitterkeit. So schreibt sie einmal.

Ich glaube, er ist nie darauf gekommen, daß ich – mit noch nicht einmal 30, noch ein Recht auf ein eigenes Leben hatte.

Finanzielle Sorgen drückten.

Ich lebe sehr still. Es ist, als hätte ich die Tür zwischen mir und dem sogenannten Leben schon lange zugemacht. Ich weiß nicht, ob es kurz oder sehr lange her ist, es ist auch ganz gleich,

sagt sie in einem Brief. Zehn Jahre sollte diese Zeit dauern.

Höhepunkt und Ausgleich für vieles Schwere in diesen „stillen Jahren“ war das Erscheinen ihres zweiten Buches,

Balladen und Lieder“,

das bereits im Eugen Diederichs Verlag aufgelegt wurde.

Hier sind die großen Balladen vereint, die ihren Ruhm als „Meisterin der Ballade“ begründeten.

Die erzählenden Gedichte wie die lyrischen Verse, zeigen die Bandbreite der Dichterin. Mit diesem Buch, so stellt die Biographin fest, befreite sich Agnes Miegel von dem Einfluß
ihrer beiden „Lehrmeister“ Carl Busse und Böries von Münchhausen, über die sie inzwischen
hinausgewachsen war.

Sie wurde zu Lesungen eingeladen, doch dem Ruf folgte sie nur ungern:

ich habe so ein gräuliches Jahrmarktsbuden-Gefühle dabei …

schreibt sie einmal. Aber Werbung für Bücher muß sein, und darüber hinaus benötigt Agnes Miegel jeden Taler.

Die Bekanntschaft mit Ina Seidel und deren Mann Heinrich Seidel, aus der eine lebenslange, bereichernde Freundschaft erwuchs, gaben tröstliche Akzente.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg starb die Mutter, die Krankheit des Vaters verschlimmerte sich und band Agnes Miegel mehr denn je ans Haus.

Sie erlebte das Sturmläuten der Glocken des Domes und aller anderen Kirchen bei der Kriegserklärung 1914,

klage rufend über Stadt und Land,

wie sie später in einem Gedicht sagt.

Harte Jahre folgten, in denen sie wieder schreibt, aber anders als vorher und ohne daß eine Veröffentlichung denkbar wäre.

Mit 79 Jahren stirbt der geliebte Vater im Kriegsjahr 1917, blind und taub, aber wie sie später in ihrem Büchlein Der Vater schreibt:

Was man nicht im Buch sagen kann, wie er war an Güte, kindlicher Heiterkeit und einer Klugheit, die in Alter, Leiden und Blindheit sich zu wahrer Weisheit verklärte …

Mit dem Tod der Eltern, mit dem Ende des Krieges begann ein neuer Abschnitt im Leben der Dichterin – wie auch in ihrem Schaffen. In ihrer Einsamkeit fand sie einen Menschen, die junge Elise Schmidt aus Neukuhren, die fortan ein Leben lang ihr zur Seite stehen sollte in
guten wie in bösen Tagen – nicht nur als Haushälterin, sondern als Gefährtin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Elise von Agnes Miegel adoptiert und trug deren Namen. In einem Brief aus der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges schreibt sie:

nur mit Schrecken denke ich, daß ich von meiner Heimat fort müßte, wie so viele schon. Ich bin hier mit jeder Faser verwachsen, zu alt und zu wenig frisch zum Wechsel … aber ich hoffe, daß meine Heimat doch noch irgendwo Platz und Brot für mich finden wird …

Beides findet sich 1920 – nämlich ein Arbeitsplatz als Reporterin, später als Redakteurin an der „Ostpreußischen Zeitung“.

Im gleichen Jahr erscheint das Buch „Gedichte und Spiele“ bei Diederichs. Darunter befinden sich auch Kriegsgedichte, die eigentlich gegen den Krieg geschrieben wurden, wie der „Psalm der Elemente“.

In der Ostpreußischen Zeitung schreibt sie von 1923 bis 1926 nach anfänglichem Tasten und Suchen in einer Weise, die bei den Lesern gut ankommt. Es ist vor allem die Serie Spaziergänge einer Ostpreußin“, die sehr gut aufgenommen wird, sowie Beobachtungen, Erlebnisse und Nachdenkliches.

Sie beobachtet scharf und genau, weiß auch zwischen den Zeilen manchen Denkanstoß zu geben.

Es gibt noch vergilbte Zeitungsseiten aus dieser Zeit, ausgeschnitten und gesammelt – das Spiegelbild einer versunkenen Welt.

Die 284 Zeitungsbeiträge, die sie von 1920 bis 1926 schreibt, werden von ihr selbst als Fingerübungen angesehen. Thematisch umfassen sie alle Gebiete des Lebens. Es geht vom Marktbericht über das Kulturleben Königsbergs bis zu historischen Studien.

Bis ins hohe Alter geht dieser journalistische Nebenweg weiter. Pressearbeit als Handwerkskunst und notwendiger Broterwerb! Ein umfassendes Wissen hat sie in den Jahren durch ihre Lektüre zusammengetragen, eine hohe Bildung eigenständig erworben, besonders auf archäologischem, historischem und literarischem Gebiet. Englische und französische Literatur liest sie nun am liebsten im Original, obwohl ihr in der Schulzeit die Fremdsprachen so schwer gefallen sind.

In jener Zeit, als 97,7 % der Bevölkerung bei der Volksabstimmung in den masurischen Kreisen für die Zugehörigkeit des südlichen Ostpreußens zu Deutschland stimmte – unter Aufsicht der Alliierten – entstanden Gedichte, die jungen Menschen heute vielleicht irreal erscheinen mögen, aber ältere Menschen, die sich noch an die Not und Unruhe jener Jahre erinnern, wissen was gemeint ist mit Versen wie diesen:

Über die Weichsel drüben, Vaterland, höre uns an!
Wir sinken wie Pferd und Wagen, versinken im mahlenden Sand,
Recke aus deine Hand,
daß sie uns hält, die allein uns noch halten kann …

Geschichten aus Altpreußen

Ein weiterer Wendepunkt im Leben der Agnes Miegel der für ihre schriftstellerische Arbeit von großer Bedeutung wurde, war das Jahr 1926.

Sie verließ ihren Platz in der Redaktion der „Ostpreußischen Zeitung“ und wurde freie Mitarbeiterin der „Königsberger Allgemeinen Zeitung“. Jetzt konnte sie sich die Termine selbst aussuchen.

Im selben Jahr erschien ihr erster Prosaband unter dem Titel „Geschichten aus Altpreußen“. Zwei Jahre hat sie an den Erzählungen dieses Bandes gearbeitet. Bilder aus den verschiedenen Entwicklungsstadien ihres Volkes schwebten ihr vor.

Die Erzählung „Die Fahrt der sieben Ordensbrüder“ ist vergleichbar mit ihren großen Balladen. Es ist die Geschichte von der Begegnung zweier Welten: der heidnischen Prußen mit den Ordensbrüdern, die ausgezogen sind, dem fernen Land im Osten die Botschaft des Christentums zu bringen.

Wie Agnes Miegel dieses schwierige Thema angeht, wie sie die historische Wahrheit lebendig werden läßt, ist mitreißend.

Es gibt keine stärkere Dichtung der Grundlagen des preußischen Ostens als diese Erzählung,

schrieb Paul Fechter und stellte sie gleichbedeutend neben die „Judenbuche“ von Annette v. Droste-Hülshoff.

Vor der Herausgabe des Bandes schreibt sie in einem Brief:

Mit den Ordensrittern werde ich in ein Wespennest stechen. Es ist leider üblich, sie als Lohengrine anzusehen, in einem von A bis Z mißverstandenen und ganz unkatholisch muckrigen Eunuchen-Dasein. Was sie für Kerls waren, spürt man auf Schritt und Tritt.

Es folgt die Herausgabe der „Gesammelten Gedichte“ und „Herbstgesänge“.

Ich fange an, in meiner Heimat als Dichter populär zu werden,

schrieb sie nach den Ehrungen zum 50. Geburtstag.

Allerdings lebte sie weiterhin sehr zurückgezogen, denn nur so konnte sie sich ihrem Schaffen
widmen.

Fortsetzung folgt mit

„Dunkle Ahnungen“

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