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Mathilde Ludendorff

Ich werde euch
zu heil‘gen Höhen führen,
doch schreitet leise,
daß ihr sie nicht stört,
die in den alten Tempeln
gläubig knien,
das Göttliche erlebend.
Mathilde Ludendorff

Dieser Vorspruch zu ihrem ersten und grundlegen-den philosophischen Werk „Trumph des Unsterb-lichkeitwillens“ ist geboren aus ihrem Erkennen der Freiheit, in der allein das Erleben des Göttlichen möglich ist.

Sie schuf dies Werk nicht etwa umhegt von angeneh-men Lebensbedingungen, nein, im Gegenteil: Das Schicksal hatte rund um sie hart zugeschlagen. Am einsamen Strande des Ammersees schuf sie ihr über dem allen erhabenes Werk:

Gott hat keine Gestalt, Gott ist nicht Erscheinung mit ihren Kategorien Raum, Zeit und Ursächlichkeit. Er-scheinung unter diesen Kategorien wurde erst mög-lich durch den ursachlos gewordenen göttlichen Willen zur Bewußtheit, der die Schöpfungsgeschichte (Evolution) in Gang setzte und bis heute im gottna-hen Menschen in seinem Streben zur Wahrheit lebt.

So ist uns Menschen Erkenntnis des Göttlichen nur spontan möglich, ohne Wollen als Ursache. Spontan wie Gott selbst aber kann der Menschenseele gött-liches Sein erlebbar und erkennbar sein.

Die biblischen Geschichten, in denen ein „Gott“ als Gestalt vorkommt, haben mit wirklichem Erkennen Gottes nichts zu tun. Sie sind Ausgeburten der „rei-nen Vernunft“, wie Immanuel Kant unsere zweite Erkenntnisfähigkeit bezeichnet, die klar auf die Er-scheinungswelt mit denselben Kathegorien ausge-richtet in uns veranlagt ist und uns fähig macht, die Dinge und die Zusammenhänge in ihnen zu erken-nen.

Mathilde Ludendorff schätzt die Erkenntnis Kants hoch, daß unsere Vernunft, der „Logos“, das Gött-liche nicht erkennen kann, sondern einzig und allein auf die Erscheinungswelt mit ihren Katagorien Raum, Zeit und Ursache ausgerichtet ist. Sie erkennt, daß der Mensch über zwei Erkennsnisorgane verfügt: die Vernunft einerseits, die intuitive Gottschau anderer-seits.

Für ihren Beruf als Seelenärztin bringt sie eine be-sonders klar erkennende Intuition mit. Frauen ist sie als Begabung eher gegeben als Männern. Frauen vermögen mit ihr die Seelenhaltung eines Menschen spontan bei seinem Eintritt in ihren Gesichtskreis zu erfassen. Bei Männern mit meist stärkerer Fähigkeit zur Vernunfterkenntnis ist diese Intuition meist weniger ausgeprägt: Sie sind die hauptsächlichen Erforscher der Zusammenhänge in der Natur und Erfinder neuer Geräte zur Daseinserleichterung u.v.a.m.

So widmet Mathilde Ludendorff ihr erstes Werk dem unsichtbaren, dennoch intuitiv erkennbaren Willen zur Unsterblichkeit, der allen Lebewesen schon als Selbsterhaltungswille mitgegeben ist. Das Leben inmitten der Erscheinungswelt ist oft nicht leicht.

Hart im Raume stoßen sich die Sachen,

sieht auch Schiller. Wie gern möchte sich dem ent-ziehen, wer genug hat vom Strampeln im Hamster-rad, worin er keinen Sinn sehen kann. Aber der in ihm waltende Wille zur Selbsterhaltung, letztlich zur Unsterblichkeit hält ihn fest.

 

Mathilde Ludendorff nimmt hier die Erkenntnis Arthur Schopenhauers auf, der schon im Titel seines Werkes „Die Welt als Wille und Vorstellung“ seine Erkenntnis anzeigt, daß im Weltall ein Wille wirkt. Mathilde Ludendorff nun erschaut den von Schopen-hauer erkannten Weltallwillen in seinen einzelnen Wesensarten:

„Im Anfang war der Wille zur Bewußtheit“ (M.L.). Bewußtheit bedingt Erscheinung. Erscheinung be-dingt den Willen zum Beharren, um im Dasein zu bleiben. Doch sogleich mußte der Wille zum Wandel auftreten, um einen Aufstieg hin zur erstrebten Bewußtheit zu ermöglichen. So erwachte eine Wil-lensart nach der anderen, so eben auch der zur „Unsterblichkeit“.

Und die Philosophin beginnt ihr Werk „Triumph des Unsterblichkeitwillens“ mit den dichterischen Wor-ten:

Wie Schatten flüchtig gleiten die Menschengeschlechter über die Erde,
sie blühn und vergehen und singen dabei
das hohe, das niemals verstummende Lied
unsterblichen Lebens!

Was hieß sie so singen?
Was hieß sie so hoffen und wollen
im Reiche des allgewaltigen Todes?  –
Seit Menschen gedacht, umkreiste ihr Sinnen dies Rätsel.
Ihr Glauben, ihr Dichten, es stammelt
in Mythen und Liedern ihr höchstes Erleben. –
In ihrem gläubigen Chor
klingt Torheit, klingt klägliches Fürchten,
klingt kleinliches Hoffen und Wollen,
gemischt mit ew‘ger, erhabener Wahrheit. –
Doch gellend erwidert dem heiligen Sang unsterblichen Lebens
seit je das unheilträchtige Schrei‘n,
das höhnisch-hochfahrende Lachen der Leugner.

Dabei will ich es hier belassen. Wer sich angespro-chen fühlt, möge sich die philosophischen Werke, zumindest den „Triumph“ besorgen und selbst in aller Stille und Abgeschiedenheit lesen. Ihre weiteren Werke:*

*) zu erhalten beim Verlag Hohe Warte

Besonders leicht und schön zu lesen sind auch ihre Lebenserinnerungen, die zugleich in ihren sechs Bänden ein lebendiges Volkslesebuch zur Geschichte des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts darstel-len und als Einstiegslektüre wärmstens zu empfehlen sind.

Fortsetzung folgt

 

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