Sarkozy Ratspräsident der EU
Montag, 30. Juni 2008 von Adelinde |
Die Franzosen übernehmen die EU-Ratspräsidentschaft
Manches Stirnrunzeln habe der umtriebige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy mit einigen seiner Aktionen bereits hervorgerufen. Manche habe er
unter Einfluß der sachlich-kühlen Angela Merkel und durch Vermittlung des elsässischen Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, des Paneuropäers Joseph Daul, korrigiert,
schreibt Bernd Posselt MdEP in Paneuropa Deutschland 2/2008 und hofft auf
eine Phase des historischen Fortschritts in der europäischen Einigungbewegung.

Titelbild der Zeitschrift Paneuropa Deutschland 2/2008
Und das angesichts des französischen nationalistischen Alleinganges in den vergangenen Jahrhunderten! Schon der Paneuropa-Gründer Richard Graf Coudenhove-Kalergi habe geseufzt:
Mit Frankreich Europa zu einigen, mag manchmal schwierig sein; doch ohne Frankreich ist es unmöglich.
Dennoch waren es gerade französische Staatsmänner, die die Europa-Idee ihrer Verwirklichung nähergeführt haben: Aristide Briand, Édouard Herriot, Léon Blum in der Zwischenkriegszeit, Robert Schuman, Charles de Gaulle, Georges Pompidou, Valéry Giscard d’Estaing, Francois Mitterand, Jacques Chirac nach dem 2. Weltkrieg.
Posselt zitiert den Europa-Pionier Briand, der im Völkerbund gesagt habe:
… ich bin der Überzeugung, daß unter Völkern, die, wie die Völker Europas, eine geographische Gemeinschaft bilden, eine Art Bund existieren sollte … sie sollten untereinander eine solidarische Gemeinschaft bilden, die ihnen, sobald sie ernsten Ereignissen gegenüberstehen, die Möglichkeit bietet, ihnen zu trotzen.
Damals habe man die Idee, so Briand,
als hochherzig bezeichnet, vielleicht um sie nicht unvernünftig nennen zu müssen.
Die Erfahrung des 1. Weltkrieges lag hinter den Europäern. Doch die nachfolgende Maßlosigkeit des Versailler Vertrages verhinderte Verständigung, Vertrauen und Frieden zwischen den Völkern. Ein 2., noch schrecklicherer Krieg mußte durchgestanden werden, ehe die europäische Einigung Form annahm.
Charles de Gaulle habe schon während des 2. Weltkrieges die Vorstellung einer „Wiedervereinigung zwischen West- und Ostfranken“ gehegt. Seine Europa-Formel habe nicht – wie oft zitiert – „Europa der Vaterländer“ geheißen, sondern
„Vaterland der Vaterländer“, ein sprachlich vielleicht kleiner, politisch aber gewaltiger Unterschied.
De Gaulle habe ein „europäisches Europa“ gewollt,
das keiner fremden Macht untergeordnet ist und sich eigenständig weltweit durchsetzen kann. Der französische Patriot de Gaulle hatte erkannt, daß sich sein Vaterland nur im größeren europäischen Verbund gegen Mächte wie die USA, Rußland und China zu behaupten vermag.
Wir Deutsche erinnern uns jedoch auch an einen Mitterand, der 1989 im Denken noch soweit von einer Vereinigung ganz Europas entfernt war, daß er – wie die britische Premierministerin Thatcher – nicht einmal sein östliches Nachbarland, das Land der Deutschen, sich wiedervereinen lassen wollte.
Da sind wir glücklicherweise heute weiter. Doch Europa ist noch immer auf dem Weg und weitab von der vollständigen Verwirklichung der Ideale. Eine Unvollendete, nicht schön wie die von Schubert, nein, kostspielig, uneffektiv, oft ärgerlich bis absurd, alles andere als ein Rechtsstaat – aber 60 Jahre Frieden hat sie uns, die wir von Anfang an dabei waren, beschert.
Mal sehen, was unter Sarkozys Vorsitz weiter vollbracht wird.