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Osterfeuer

Der erste Frühlingsvollmond des Jahres 2009

erschien vorgestern, am Donnerstag, dem 9. April. Der erste Sonntag danach, also morgen, ist Ostern.

Männer unseres Dorfes haben Strohballen, Altholz und Reisig mit Treckern von den Grundstücken abgeholt und damit einen riesigen Haufen fürs Osterfeuer zusammengetragen. Heute abend soll es brennen.

Fast jedes Dorf legt seinen Ehrgeiz darein, Ostern mit einem Osterfeuer einzuleiten. 150 Osterfeuer werden allein im Landkreis Lüchow-Dannenberg erwartet, und jedes soll möglichst das größte seiner Umgebung sein.

Die halbfertigen Haufen müssen die Nacht über geschützt werden vor Rowdies, die sie einfach vorzeitig anzünden. Alles schon vorgekommen.

Für die Dorfbewohner liegt der Sinn des Osterfeuers, dessen Vorbereitung so viel Mühe kostet, wohl hauptsächlich darin, zusammenzukommen, Gemeinschaft zu pflegen. Dazu werden Bier, Schnaps u. a. Getränke und ein deftiger Imbiß gereicht – bei dröhnender Konservenmusik.

Was hat das alles mit Ostern zu tun?

Frühling 2007 Brode 9 007

Für mich ist Ostern das Fest der Wiederauferstehung der Natur. Alles grünt und blüht, die Vögel richten ihre Nester und zwitschern um die Wette. Die Sonne steht schon hoch am Himmel und wärmt, so daß man alles draußen in Gärten und Parks genießen kann.

Jedes Jahr ist dieses Frühlingserwachen nach hartem, tristem Winter das eigentliche Fest, das seine Symbolik in sich trägt, die offenbar zu allen Zeiten, vor Jahrzehntausenden schon, zutiefst wahrgenommen wurde: Mutter Natur ist aus der dunklen Unterwelt wieder auferstanden.

Jung erscheint sie, manche Völker nannten sie Ostara, die Wiederauferstandene. Sie wird sich im Sommer zur vollen Reife entfalten, im Herbst zur Alten welken – im Märchen in der Frau Holle versinnbildlicht – und zum Winterschlaf zur „Hel“ hinabsteigen, von wo sie im nächsten Frühling als die junge Ostara wiederauferstehen wird.

Das ist gemütstiefe Versinn-bildlichung, Mythos, der nicht wörtlich gemeint und dennoch anrührend ist für die, die sich ihren Märchensinn aus Kindheitstagen erhalten konnten.

Jedes Frühjahr erleben Menschen, die sich ihre Augen dafür offengehalten haben, das Schauspiel des Frühlingsfestes aufs Neue, Ostern, und danach „Pfingsten, das liebliche Fest“, wie auch Goethe die Natur in seinen Versen feierte.

Die Feuer verbrennen das Abgelebte,

das verdorrte Reisig, und die Menschen geben ihrer Freude über den Neuanfang des Jahreslaufs Ausdruck. Mich würde dabei allerdings alles Laute ziemlich stören. Ich liebe mehr die Innigkeit, wenn ich ein Fest wie Ostern feiere. Statt der Konservenmusik wäre mir lieber, wir Menschen könnten noch unsere schönen alten Frühlingslieder singen und wie einst den sinnigen Reigen tanzen, könnten also noch echt bei uns selbst und somit fromm sein.

Mir ist auch der Reisighaufen, den die fleißigen Männer meines Dorfes so hoch und breit aufgetürmt haben, viel zu ausladend. Wer soll die Hitze in seiner Nähe aushalten, und wie lange bis in den nächsten Tag hinein muß das nicht verloschene Feuer bewacht werden! Keine reine Freude, naturzerstörerisch und ein bißchen sinnentfremdet!

Bekanntlich hat

die Kirche

Matthias Grünewald, Isenheimer Altar(Wikipedia)

Matthias Grünewald, Isenheimer Altar(Wikipedia)

bei Einführung des Christentums die altheidnischen Feste mit ihrer biblischen Sinngebung überdeckt. Sie feiert das Fest der „Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn“.

Sie will ihre Anhänger glauben machen, Jesus sei gestorben und aus seinem Grab wiederauferstanden und gen Himmel gefahren. Deutlich erkennt man die Anlehnung an die alte Weltanschauung aus Naturerfahrung, nun aber umgemünzt – zu welchem Zweck auch immer.

Ich bin mir sicher, nach wie vor feiern die meisten Menschen, wenn sie nicht vollständig verstädtert leben, das Frühlingserwachen, die Wiederauferstehung der Natur.

Dieses Jahr ist uns in Deutschland mit dem wunderschönen Wetter ein besonders freudiges Ostara-Fest vergönnt.

Frühblüher 022

Feiern Sie schön!

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