Ernst Cran – der Getreue von Bretzenheim im Gedenken der geschundenen Deutschen in den Rheinwiesenlagern
Mittwoch, 19. August 2026 von Adelinde
Ernst Cran bleibt unseren Toten der Rheinwiesen-Lager treu. Alljährlich steht er dort an der Gedenk-stätte und spricht zu den Deutschen, die wie er das Leid der Geschundenen in sich wachhalten aus Treue zu unseren dort in alliierter Schande zu Grunde ge-richteten Volksgeschwister. Hier als Beispiel seine Rede vom 11. Mai 2019:
Liebe Freunde der Wahrheit, liebe Geschwister im deutschen Volke,
heute und hier an der Gedenkstätte für die Opfer alliierter Gewalt unter der deutschen Soldatenschaft möchte ich Worte sprechen, die zweierlei sind: Ein Bekenntnis und ein Gebet.
– Ich bekenne: Ich bin ein deutscher Mann, Jahrgang 1956 und damit scheinbar weit weg geboren vom Grollen des Krieges und vom Leid des Sterbens und Verderbens. Ich bekenne:
– Ich bin gesegnet – und ich bekenne: Ich bin geschlagen. Ich bin ein Teil dieses Totenfel-des, ich bin ein Teil dieses Sterbens, ich bin ein Teil dieses Leides.
Meine beiden Großväter kämpften im Felde. Beide hießen sie Johann, beide waren sie Bauern. Mein Großvater väterlicherseits kam 1890 zur Welt. Er war das einzige Kind seiner Eltern. Von 1914 bis 1918 kämpfte er in Frankreich und geriet dann dort in Gefangenschaft.
Zwei Jahre später kehrte er zurück; die Eltern waren verstorben, der Hof verwaist und verödet. Man führte ihm eine Frau zu, der Hof erblühte neu. Die Tochter der beiden starb 1930 mit 6 Jahren. Ein Jahr später wurde mein Großvater mit 41 Jahren noch einmal Vater: Mein späterer Vater Friedrich wurde geboren. Er blieb das einzige Kind. Auch er wurde Bauer.
Mein Großvater mütterlicherseits kam 1906 zur Welt. Er kämpfte von 1939 bis 1945 an verschiedenen Fronten, auch in Frankreich.
Als er ins Feld zog, ließ er eine Frau und drei kleine Kinder daheim zurück. Als er zurück-kehrte, waren seine Familie und sein Heimat-ort noch immer wohlauf. Seine älteste Tochter hieß Margareta und war 1934 zur Welt gekommen. Sie wuchs nur 12 km entfernt von meinem späteren Vater auf.
Ich bin gesegnet und ich bin geschlagen. Gesegnet bin ich, weil meine Eltern geboren werden durften und ihre Väter dem Kriege entrannen.
Geschlagen bin ich durch die Schläge, die meinen beiden Großvätern in zusammen 10 Jahren Gefechtsgefahr und meinen Eltern im Erleben des Krieges in Kindertagen vor ihren jeweiligen Haustüren zuteil wurden.
Mein späterer Vater Friedrich wurde am 04. April 1945, am „Weißen Sonntag“, konfir-miert. Am selben Sonntag Vormittag machte sich meine spätere Mutter mit einer Freundin auf den Fußweg in ihren Nachbarort, um die dortige Konfirmation in der Kirche mitzuerleben.
Der 13-jährige Friedrich und die 10-jährige Margareta wurden an diesem selben Vor-mittag von den Schrecken militärischer Gewalt im Kern ihrer Seele erschüttert und gepackt.
Der Konfirmationszug meines Vaters hatte kaum die Kirche verlassen und war auf dem Weg den Kirchberg hinab ins Dorf, als ame-rikanische Bomber den kleinen Militärflug-platz am Ortsrand angriffen und bombardierten.
Eben noch mit Fleisch und Blut des Herrn gestärkt, erlebte der Knabe Donner und Rauch vom Himmel fallen – auf seinen Heimatort und auf die, mit denen er dort lebte. Die Konfirmation war vorbei, der Tag versank in Schrecken und Panik.
Am selben Vormittag – vielleicht ein bis zwei Stunden früher – wurde die 10-jährige Mar-gareta mit ihrer Freundin von amerikanischen Tieffliegern angegriffen. Nur der Sprung in den Straßengraben rettete die Mädchen vom feigen und tödlichen Knattern der feindlichen Bord-MGs.
Sie blieben unverletzt, doch in ihre Seelen wurde hineingeschossen in diesen Momen-ten. In ihre Herzen brannte sich der hinter-hältige Angriff auf ihre jungen Leben, die sich an den Angreifern nun wirklich nichts zu Schulden hatten kommen lassen.
Ich bin gesegnet und ich bin geschlagen. Gesegnet bin ich, weil ich geboren werden konnte, weil meinen Eltern und Großeltern das Leben im Kriege belassen wurde.
Geschlagen bin ich, weil ich all jene Schläge, die sie im Kampf und in der Verfolgung ihres Lebens erlitten, in mir trage und in mir spüre. Hineingeboren wurde ich in eine Welt, die scheinbar alles gut überstanden hatte.
Hinausgeworfen wurde ich aus allen Selbst-verständlichkeiten des Daseins, die sich ihrer Existenz als eines wie von selbst geschulde-ten Obolus des Lebens an sich selbst rühmen.
Ein Bekenntnis spreche ich heute und hier – und ein Gebet formuliere ich damit. Und mit Gebet meine ich durchaus etwas Anderes als das Anrufen einer personalen Gottheit durch ein gläubiges Individuum. Danken und prei-sen, bitten und loben – all das meine ich nicht.
– Beten hat eine ganz andere und universale Grundlage.
– Beten öffnet die Türen von Herz und Seele für das, worin alles Leben Ursprung und Quelle hat.
– Beten wird sich jener Elemente gewahr, die uns alle ausmachen und bestimmen: Mutter Erde, Vater* Sonne und die Geschwister Luft und Wasser.
– In diesem Gewahrwerden liegt die wahre Religion, die Rückbindung an den Zusam-menhalt und Zusammenklang allen Lebens und aller Existenz.
– In diesem Gewahrwerden liegt die alleinige Heiligkeit und Göttlichkeit alles Geschaffenen und Gewordenen, aller Lebendigkeit und einer jeden Lebensspanne.
– Wenn ich also „beten“ sage, dann meine ich in diesen Elementen ein Mitschwingen im Wissen und Spüren der Verbundenheit mit allem und allen, die mir vorangegangen sind.
– Wenn ich „beten“ sage, dann meine ich ein Zusammenklingen mit allen Frequenzen und Energiedichten gelebten und durchlittenen Daseins vor mir und um mich herum.
– Wenn ich „beten“ sage, dann meine ich heute ein Hineinfließen meiner Seele in alle die Seelen, die hier an dieser Stätte wie in allen Rheinwiesenlagern geschunden und gequält wurden – waren es nun 40.000 oder vermutlich bis zu einer Million.
Mit euch Opfern sein – darum geht es im Gebet. Mit euch Toten sein – darum geht es im Gebet. Mit euch gelebten deutschen Leben sein – darum geht es im Gebet. Damit ihr Toten Frieden findet, müssen wir Lebende euren erlittenen Unfrieden bezeugen.
– Damit ihr Toten Ruhe findet, müssen wir Lebende Unruhe über das Gras bringen, das die Zeit über euch wachsen lassen will.
– Damit ihr Toten Gerechtigkeit erlangt, müssen wir Lebende das ins rechte Licht rücken, was euch widerfahren ist.
Wir tun es – im Bekenntnis und im Gebet. Wir tun es – in der Klage gegen das Unrecht, das euch zuteil wurde. Euer Unrecht ist unser Unrecht, eure Qualen sind unsere Qualen.
– Wir stehen hier auf einem Feld von Blut, unser ganzes Land ist eine einzige bleibende Wunde.
– Wir stehen hier in der Reihe der Genera-tionen, die geschunden, um ihr Leben betrogen und gemordet wurden.
– Wir stehen in der Verbundenheit unserer Volksseele, die zeitlos leidet an dem, was ihr angetan wurde.
Das bekennen wir – und in diesem Bekenntnis leben wir. Wir leben für euch mit – und ihr sollt wissen: Ihr seid in unseren Herzen aufgehoben, denn diese Herzen schlagen weiter für das, wofür ihr euer Leben gabt – für den Fortbestand und das Wohl unseres Volkes auf dem Boden unseres Vaterlandes in Einigkeit, Recht und Freiheit. Amen**.
__________
Amerkungen von Adelinde:
*) „Vater Sonne“. Dieser „Vater“ – le sol – ist eine spätere patriarchalische Verfälschung der ursprünglich mutterrechtlichen Anschauungen im germanischen Raum. Hier waren sie alle weiblich: die Sonne, die Mane (Mond), die Erde, die Natur, die Schöpfung, die Wahrheit, die Freiheit, die Liebe, die Schönheit …
**) Amen: Das hebräische Wort „Amen“ stammt aus dem Tanach. Ein Anklang an die kirchlichen Gebete, aber undeutsch.

