Ukraine zwischen „russischer Knute“ und „westlichem Diktat“
Mittwoch, 12. März 2014 von Adelinde |
Die Kommentare des Schweizer Schriftstellers Jochen Kelter im Südkurier
lese ich immer gern und mit Gewinn. Bei ihm erfährt man den Kern der Probleme, den uns die „volkspädagogischen“ Hauptstrom-Medien zu verschweigen pflegen. Zu den Auseinandersetzungen auf der Krim stellt er am 12. März 2014 im Südkurier klar:
- In 4 Tagen bereits, am 16. März 2014, wird die Bevölkerung der Krim darüber abstimmen, ob die Krim zu Rußland oder zur Ukraine gehören soll.
- Kelter nennt Rußland das Mutterland der Krim.
- 1994 haben die Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich die Unantastbarkeit der Ukraine gewährleistet im Gegenzug für deren Verzicht auf Atomwaffen.
- „Auf der Krim hat sich eine prorussische Regierung auf ebenso dubiose Weise an die Macht gehievt wie zuvor in Kiew eine prowestliche.“
- EU und Rußland streben gleichermaßen danach, die Ukraine in ihren Einflußbereich einzuverleiben.
- Für Rußland geht es darum, nicht noch einen weiteren ehemaligen Vasallenstaat der SU zu verlieren. Über die Krim hat Rußland Zugang zum Mittelmeer.
- Mit dem Assoziationsabkommen vom letzten November zwischen EU und Ukraine war die rote Linie für Rußland überschritten: Gegen Auflagen zu Strukturreformen hätte die Ukraine von der EU Geld gezahlt bekommen. Kelter:
Man kennt die Forderungen und Szenarien von Internationalem Währungsfonds (IWF), EU und Europäischer Zentralbank (EZB) mit ihrer Mischung aus neoliberaler Deregulierung und Liberalisierung auf der einen und Austeritäts-[= Spar-]Politik zulasten der Bevölkerung auf der anderen Seite ja mittlerweile zur Genüge.
Den russischen Drohgebärden und seiner rücksichtslosen Militärpolitik steht die Arroganz der westlichen Institutionen und Regierungen gegenüber, die für sich in Anspruch nehmen, den richtigen wirtschaftlichen Weg alternativlos gepachtet zu haben.
- „… der russische Staatskonzern Gazprom … kürzte der Ukraine die Rabatte auf seine Gaslieferungen auf den 1. April“ und stellte gleichzeitig zur Bezahlung seiner Lieferungen „einen Kredit von 2 bis 3 Milliarden Dollar in Aussicht“. Mit denen sollte die Regierung in Kiew die Schulden und zukünftige Lieferungen bezahlen können! Die Zinshöhe ist unbekannt.
- Den Betrag wußten EU und IWF großspurig zu toppen: Sie boten 11 Milliarden Dollar. Auch hier sind die Bedingungen nicht bekannt. Aber nun das Stärkste: Was für einer Regierung will die EU unter die Arme greifen? Es ist eine Regierung, getragen von nationalistischen Kräften wie der Partei von Timoschenko und der Swoboda. Kelter:
Man stelle sich den Aufschrei, das Medienecho vor, wenn einer Regierung, die, sagen wir, auch aus dem französischen Front National (FN) oder der deutschen NPD bestehen würde, ein Milliardenkredit angeboten würde. In diesem Fall aber, wo es ums geopolitische Ganze geht, scheinen weder Politik noch Medien von Skrupeln heimgesucht zu werden.
Nach den inszenierten, teils mörderischen „revolutionären“ Kravallen kann man mit Jochen Kelter nur die Hoffnung aussprechen,
daß sich die Ukraine nicht irgendwann zwischen russischer Knute und westlichem Diktat wird entscheiden müssen.
Danke, Jochen Kelter! Danke, Südkurier!
