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Wofür der heutige Zeitgeist Doktortitel vergibt (5. Folge)

Die Absicht ist nicht zu übersehen: In einem förmlichen Geschwätz rührt die Doktorandin Spilker Andeutungen zu einem Brei zusammen, der einen möglichst schlechten Eindruck von Ludendorff als Persönlichkeit und von seinen Handlungen hinterlassen soll. Hervorschimmern die alten Lügen:

  1. vom „Diktator“ Ludendorff
  2. von der „Dolchstoßlegende“ als Erfindung Ludendorffs
  3. von „Kriegspropaganda“ Ludendorffs

Hier soll zunächst nur der Punkt 2 erörtert werden. Da Ludendorff selbst in der Doktorarbeit nicht das Wort erteilt wird, wohl aber kurz seiner 1. Ehefrau Margarethe, einer Morphinistin, die ihn – völlig atypisch, somit unglaubhaft – „zitiert“, soll hier das Versäumte nachgeholt werden.

Liest man Ludendorffs Kriegserinnerungen, die er unmittelbar nach Ende des Krieges vom November 1918 bis Februar 1919 niederlegte, so erhält man ein klares Bild von seiner Persönlichkeit, seinem Denken und Handeln vor, während und nach dem 1. Weltkrieg sowie von der ungeheuren Schwere des Kriegsgeschehens. Im Vorwort schreibt Ludendorff:

Die Kriegserinnerungen sollen von den Taten des deutschen Volkes und Heeres erzählen, mit denen mein Name für alle Zeiten verbunden bleiben wird. Sie schildern mein Streben und geben Kunde von dem, was ich in dem Völkerringen erlebte:

Es war dies das Kämpfen ohnegleichen, das Dulden, das Erlahmen des deutschen Volkes.

Dann gibt Ludendorff einen kurzen kriegsgeschichtlichen Abriß:

Der Krieg vollends, den der Generalfeldmarschall v. Hindenburg und ich vom 29. August 1916 an, dem Tage unseres Eintritts in die Oberste Heersleitung, zu führen hatten, gehört zu den schwersten der Weltgeschichte. Gewaltigeres und Erschütternderes sah der Erdball noch nie. Deutschland mit schwachen Verbündeten rang in Unterlegenheit gegen die Welt. Entschlüsse von ungeheurer Schwere waren zu fassen. …

Die Heere und die Marinen bekämpften einander so, wie sie es früher taten, mochten Streitkräfte und Kriegsmittel auch gewaltiger sein als je zuvor. Anders aber als in den letzten Kriegen standen die Völker mit ihrer ganzen Kraft dicht aufgeschlossen hinter ihrer Wehrmacht und durchdrangen sie. Nur Frankreich gab 1870/71 schon ein ähnliches Bild.

Wo die Kraft des Heeres und der Marine begann, die des Volkes aufhörte, war in dem jetzigen Kriege nicht mehr zu unterscheiden. Wehrmacht und Volk waren eins. Die Welt sah den Volkskrieg im buchstäblichen Sinne des Wortes. In dieser versammelten Kraft standen die mächtigen Staaten der Erde gegeneinander. Zum Kampf gegen die feindlichen Streitkräfte auf gewaltigen Fronten und weiten Meeren gesellte sich das Ringen gegen die Psyche und die Lebenskraft der feindlichen Völker mit dem Zweck, sie zu zersetzen und zu lähmen.

Leicht und wenig gefahrvoll ist es, mit starken Bataillonen Krieg zu führen und Schlachten zu schlagen. In solche Lagen sind aber der Generalfeldmarschall und ich in den drei ersten Kriegsjahren nicht gekommen. Es blieb uns nichts anderes übrig, als nach Pflicht und Gewissen zu handeln und das auf uns zu nehmen, was wir für Erringung des Sieges als notwendig ansahen. Der Erfolg war in dieser Zeit auf unserer Seite.

Als wir vom März 1918 an in einem so günstigen Stärkeverhältnis angriffen, wie es der Krieg für Deutschland noch nicht gezeitigt hatte, reichte die Kraft zu großen Siegen, doch nicht zur schnellen Entscheidung aus. Dann erlahmte sie, während der Feind sich verstärkte.

Wir halten fest: Volk und Heer waren in diesem Weltkrieg eine Einheit. Was also in der Heimat im Volk geschah, betraf auch das Heer. Wir kommen nun unmittelbar zur sogenannten

Dolchstoß-Legende

Ludendorff 1918

Wider besseres Wissen – so der Vorwurf, den selbstverständlich auch Spilker wieder hervorkramt, um Ludendorff zu schmähen – habe Ludendorff die Dolchstoß-Legende erfunden. Wie das Wort Legende schon sagt, handele es sich hier nicht um Wahrheit, sondern um eine Ausflucht, mit der Ludendorff sich und der Welt das eigene „Versagen“ habe verschleiern wollen, das zum Verlust des Krieges auf deutscher Seite geführt habe.

So etwas von einer kleinen Doktorandin und blutigen Laiin hingeworfen, zeigt eine Vermessenheit und Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht, wofür man aber heutzutage durchaus den Doktortitel erreichen kann.

Bei der Fülle der Literatur-Vorgaben, auf die sie sich „stützt“, fehlt auch hier das Original, die Quelle selbst. Dabei gibt es für den erfolgten sogenannten Dolchstoß sogar mehrere Quellen. Hier nun die Wahrheit und Richtigstellung:

  • Die sogenannte Dolchstoß-Legende stammt nicht von Ludendorff, sondern wurde erstmals von dem Parlamentarier Dr. Müller-Meiningen in der Reichstagswahlversammlung in München am 2.11.1918 – also noch vor Kriegsende – dargestellt:

Wir müssen uns vor unseren Kindern und Kindeskindern schämen, wenn wir der Front in den Rücken fallen und ihr den Dolchstoß versetzen.

  • Nach dem Krieg erschien in der Neuen Züricher Zeitung im 2. Morgenblatt vom 17.12.1918 der Bericht über zwei Abhandlungen des englischen Generals Maurice, die in den Daily News erschienen waren und die Auffassungen des englischen Volkes über die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs wiedergaben, mit folgendem Wortlaut:

In anderer Form habe ich so ziemlich überall, in den verschiedenen Kreisen, dieselben Ansichten über den deutschen Zusammenbruch gefunden, wie sie General Maurice aussprach.

Was die Flotte betrifft, so besteht ein eigentliches Gefühl der Mißbilligung für die Matrosen, die vorzogen, zu rebellieren und dann ihre Schiffe dem Feind auszuliefern, statt dem Tode zu trotzen, selbst in dem Verzweiflungskampfe gegen überlegene Kräfte, um wenigstens die Ehre zu retten, wie man so viele Beispiele in der Geschichte der britischen Marine findet.

Was die deutsche Armee betrifft, so kann die allgemeine Ansicht in das Wort zusammengefaßt werden:

Sie wurde von der Zivilbevölkerung von hinten erdolcht.

Die Linke wollte den Sieg Deutschlands nicht

Wie sie heute – ungestraft – schreien und auf Transparenten ihre deutsch- und selbsthassenden Parolen zeigen darf:

Nie wieder Deutschland!

und das zutiefst verbrecherische

Bomber-Harris do it again!

nämlich Deutschlands Städte auslöschen und dabei Hunderttausende Menschen ermorden, so zeichnete sie sich auch schon damals als eine antideutsche Partei aus, die in der sozialdemokratischen Zeitschrift Vorwärts ihren Willen bekundete:

Deutschland soll, das ist unser fester Wille – seine Flagge für immer streichen, ohne sie das letzte Mal siegreich heimgebracht zu haben.

Das Wühlen der Linken – neben dem der Romkirche, der das protestantische Deutschland seit Bismarck ein Dorn im Auge war – begann schon 1915.

  • Das beweist Karl Liebknecht mit seiner Broschüre dieses Jahres Klassenkampf gegen den Krieg. Der Titel hört sich für Leichtgläubige verlockend, ja edel an.
  • So traf auch die dann folgende Propaganda der sogenannten Spartacusbriefe auf offene Ohren bei vielen Deutschen in der Heimat.
  • Planmäßig organisierte die Linke 1918 Massenstreiks wie den Münchener Munitionsarbeiterstreik, veranstaltete Massenversammlungen, an denen auch Militärurlauber teilnahmen und Deserteure sich mit ihrer Tat brüsten durften.

Von solchen Aktionen berichtet Käthe Kollwitz anschaulich aus eigenem Erleben in ihren Lebenserinnerungen. Auch viele Offiziere berichteten, die Truppe sei insbesondere in der 2. Hälfte des Jahres 1918 auf Grund der Zersetzungsarbeit in der Heimat in Teilen bereits erheblich demoralisiert gewesen.

In keinem der damals gegen Deutschland im Felde stehenden Feindmächte sei Derartiges geschehen. Und die Gegner schüttelten den Kopf. So schreibt der US-amerikanische General John Johnson (Das deutsche Wunder, Leipzig 1930):

Man hätte glauben müssen, das deutsche Volk vertraue unerschütterlich seinem in der Welt einzig dastehenden Feldherrn Ludendorff.

Aber Hindenburg mußte statt dessen vor dem parlamentarischen Untersuchungsschuß am 18.11.1919 erklären:

Die Absichten der Führung konnten nicht mehr zur Ausführung gebracht werden. Unsere wiederholten Anträge auf strenge Zucht und strenge Gesetzgebung wurden nicht erfüllt.

So mußten unsere Operationen mißlingen, es mußte der Zusammenbruch kommen. Die Revolution bildete nur den Schlußstein. Ein englischer General sagte mit Recht: „Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden.“

Den guten Kern des Heeres trifft keine Schuld. Seine Leistung ist ebenso bewunderungswürdig wie die des Offizierskorps. Wo die Schuld liegt, ist klar erwiesen. Bedurfte es noch eines Beweises, so liegt er in dem angeführten Ausspruch des englischen Generals und in dem maßlosen Erstaunen unserer Feinde über ihren Sieg.

Ganz klar sprach sich Churchill über das deutsche Volk und dessen Verhalten am Ende des Krieges aus, das das Gegenteil des englischen Volkes war, das dann den Sieg davontrug.

Ludendorff zitiert Churchill:

Es war ein gleiches Wettrennen bis zum Ende. Aber am Ende sind wir sicher durchgekommen, weil die ganze Nation unverwandelt zusammenarbeitete …

Je mehr wir von dem Kampf erfahren, um so mehr erkennt man, an welchen kleinen, dünnen, gefährlichen Fädchen unser Erfolg hing.

Die Ereignisse zu Ende des Krieges überstürzten sich auf deutscher Seite. Ludendorff berichtet:

Der Generalfeldmarshall und ich trugen am 25. Oktober in Berlin … Seiner Majestät unsere Anschauungen vor. Wir müßten weiterkämpfen … Seine Majestät traf keine Entscheidung, aber er zeigte mir volles Vertrauen. Er wies den Feldmarschall und mich an den Reichskanzler. Dieser war krank. Exzellenz v. Payer empfing uns und Admiral Scheer 9 Uhr abends. Sein persönliches Verhalten war ablehnend … Er wußte wohl, daß das Kabinett meinen Abgang wollte, weil ich den Standpunkt vertrat, weiter zu kämpfen!

Auch der Kriegsminister war zugezogen, der sich im Reichstage und innerhalb der Regierung nicht vor den Kaiser und das Heer gestellt hatte …

In unseren Schulbüchern lernen unsere Kinder noch heute, wie menschenfreundlich doch die Seite derjenigen war, die den „Verständigungsfrieden“ wollte, und wie verächtlich Ludendorffs Wille, den Siegfrieden anzustreben. Sie lernen nicht, daß alle Feindstaaten für ihre Völker genau das erstrebten, was Ludendorff für das deutsche Volk erstrebte. Angesichts des dann den Deutschen aufgezwungenen Versailler Diktat-„Friedens“ kann man nur Ludendorff rechtgeben. Er aber mußte erleben, wie die Seite der Friedensschalmeien obsiegte und den Untergang des Reiches in die Wege leitete:

Erich Ludendorff während des 1. Weltkrieges

Es kam eine überaus traurige Stunde; es war klar, die Regierung wollte nicht mehr kämpfen. Sie glaubte alles preisgeben zu müssen. Hörte sie schon das Grollen der Revolution des 9. November? Hoffte sie, das Vaterland vor ihr durch Kapitulation nach außen zu retten?

Ich sprach ernst und erregt. Ich warnte vor dem Vernichtungswillen des Feindes, vor der Hoffnung auf Wilson.

Ich warnte vor dem Bolschewismus in Deutschland und der Hetze gegen den Offizier, die gerade jetzt in großer Stärke einsetzte. Das war auch in Rußland der entscheidende Wendepunkt gewesen.

Ich warnte davor, die Stellung Seiner Majestät gegenüber dem Heere zu erschüttern. Seine Majestät wäre unser Oberster Kriegsherr, das ganze Heer sähe seine Spitze in ihm. Wir hätten ihm Treue geschworen. Diese Imponderabilien dürften nicht unterschätzt werden. Sie lägen uns in Fleisch und Blut und verbänden uns fest mit dem Kaiser. Was den Kaiser beträfe, beträfe auch den Zusammenhalt des Heeres.

Die Erschütterung der Stellung des Offizierkorps und des Obersten Kriegsherrn in einem Augenblick, in dem das Heer einer tiefernsten Prüfung unterworfen wurde, war von unendlicher Kurzsichtigkeit. Es war der schwerste Schlag gegen die Ordnung im Heer und Staat in einer Zeit, wo das Heer berufen war, Hüter der staatlichen Ordnung zu werden …

In gleichem Sinne sprach ich mich auch Anfang November einigen sozialdemokratischen Führern gegenüber aus. Auch sie konnten nicht verstehen, was der Kaiser dem Heere war, nicht nur uns alten Offizieren, sondern ebenso dem Mann in Reih und Glied. Viele Beispiele haben nach dem 9. November meine Anschauung bestätigt.

Der Vernichtungswille des Feindes war auch aus der Forderung Wilsons nach Kapitulation Deutschlands klar ersichtlich. Daher wurde eine Bekanntgabe an alle deutschen Truppen verfaßt, die Ludendorff entgegen der bisherigen Gepflogenheit erst nach Hindenburg zur Unterzeichnung vorgelegt wurde und die Ludendorff stutzig machte, entsprach sie doch nicht der Antwort an Wilson vom 20. Oktober 1918. In dieser Bekanntgabe vom „24. Oktober, abends 10 Uhr“ heißt es:

… Die Antwort Wilsons fordert die militärische Kapitulation. Sie ist deshalb für uns Soldaten unannehmbar. Sie ist der Beweis, daß der Vernichtungswille unserer Feinde, der 1914 den Krieg entfesselte, unvermindert fortbesteht. Sie ist ferner der Beweis, daß unsere Feinde das Wort „Rechtsfrieden“ nur im Munde führen, um uns zu täuschen und unsere Widerstandskraft zu brechen.

Wilsons Antwort kann daher für uns Soldaten nur die Aufforderung sein, den Widerstand mit äußersten Kräften fortzusetzen. Wenn die Feinde erkennen werden, daß die deutsche Front mit allen Opfern nicht zu durchbrechen ist, werden sie zu einem Frieden bereit sein, der Deutschlands Zukunft gerade für die breiten Schichten des Volkes sichert.

Stutzig geworden, fragte Ludendorff den Major, der den Befehl erhalten hatte, diese Bekanntgabe zu schreiben,

ob die Tendenz des Befehls wirklich mit den Anschauungen der Regierung übereinstimme. Er antworte mir bejahend. Der Befehl entspräche den Ausführungen, die den Vertretern der Presse im Auswärtigen Amt … gemacht waren. Ich war wieder einmal hoffnungsfreudig und gab nun auch mein Signum.

Später stellte sich heraus, daß die Anschauung, der Inhalt des Telegramms entspräche der Auffassung der Reichsleitung, nicht zutreffe. Oberst Heye hielt daraufhin den Befehl an. Aus Kowno, wo revolutionäre Organisationen den Fernsprechverkehr bereits damals kontrollierten, kam der Befehl zur Kenntnis der Unabhängigen Sozialdemokratie und damit in den Reichstag. Außerdem war er auch, wie üblich, in der Pressebesprechung vertraulich bekanntgegeben worden.

Bei den Reichstagsverhandlungen am 25. mittags ergoß sich eine Sturmflut der Entrüstung über die Oberste Heeresleitung. Die Regierung rührte nicht einen Finger zu ihrer Verteidigung, obschon sie zur Stunde noch Autorität für ein gewaltiges Heer war.

Ich bekam erst am 25. spät abends Nachricht von diesem Vorgang … Später ist die Entstehungsgeschichte des Befehls im Zusammenhang der Regierung mitgeteilt worden. Inzwischen hatte aber die Entstellung der Tatsachen ihren Zweck erfüllt; ich war entlassen.

Nach einer Unterredung am 25. Oktober im Reichsamt des Innern, die nach 1 1/2 bis 2 Stunden endigte, sagte Ludendorff den beiden Offizieren, die ihn im Flur erwarteten:

Es ist nichts mehr zu erhoffen, Deutschland ist verloren!

Ludendorff schrieb sein Abschiedsgesuch, das er aber auf Bitten Hindenburgs nicht abschickte.

Ich solle bleiben. Ich dürfe den Kaiser und das Heer jetzt nicht verlassen. Ich willigte nach längerem inneren Kampf ein. Ich gewann die Überzeugung, ich müsse meine Stellung behalten, und schlug dem Generalfeldmarschall vor, nochmals den Versuch zu machen, den Prinzen Max zu sprechen.

Ludendorff wartete auf die Vorlassung zum Reichskanzler. Während er noch wartete, erhielt er die Meldung,

die Regierung hätte bei Seiner Majestät meine Verabschiedung erwirkt, als äußerer Anlaß würde der vorher erwähnte Armeebefehl vorgeschützt werden. Seine Majestät würde mich gleich in das Schloß Bellevue befehlen.

Ich war über nichts mehr erstaunt und gab mich für meine Person keinem Zweifel hin.

Noch während der Meldung wurde Ludendorff

plötzlich zu ungewohnter Stunde zu Seiner Majestät befohlen … Später erfuhr ich, daß Prinz Max bei Seiner Majestät für den Fall meines Verbleibens die Kabinettsfrage getellt haben soll.

Der Kaiser war im Vergleich zum Vortage wie umgewandelt, er äußerte, nur zu mir sprechend, sich namentlich gegen den Armeebefehl vom 24. abends. Es folgten einige der bittersten Minuten meines Lebens. Ich sagte Seiner Majestät in ehrerbietiger Weise, ich hätte den schmerzlichen Eindruck bekommen, daß ich nicht mehr Sein Vertrauen besäße und daher alleruntertänigst bäte, mich zu entlassen. Seine Majestät nahm das Gesuch an.

Ich fuhr allein zurück. Seine Majestät sah ich nicht wieder. Ich sagte nach der Rückkehr in das Generalstabsgebäude meinen Herren … in tiefer Sorge, in 14 Tagen hätten wir keinen Kaiser mehr. Auch sie waren sich darüber klar. Am 9. November waren Deutschland und Preußen Republik.

Die Linke hatte erreicht, was sie hatte erreichen wollen. Deutschland war den Feinden ausgeliefert. Ludendorff verabschiedete sich von seinen Kameraden,

mit denen ich während langer Jahre Freud und Leid geteilt hatte … Ich war bewegt. Meine Herren und die Armee in diesem schweren Augenblicke zu verlassen, griff mich an.

Ludendorff beschreibt den Scherbenhaufen, den die Linke erstrebt und nun erreicht hatte

Wir standen allein in der Welt.

Anfang November brach die von der Unabhängigen Sozialdemokratie vorbereitete Revolution zunächst in der Marine aus. Die Regierung des Prinzen Max fand nicht die Kraft, die anfangs nur örtlichen Umsturzbewegungen russischen Musters im Keime zu ersticken. Ihr entglitt jede Führung; sie ließ den Dingen ihren Lauf.

Am 9. November mittags 12 Uhr verkündete Reichskanzler Prinz Max eigenmächtig die Abdankung des Kaisers. Die alte Regierung erließ an die Truppen Befehle, die einem Verbot des Waffengebrauchs gleichkamen. Unmittelbar darauf verschwand sie.

Der Kaiser sah sich vor die vollendete Tatsache gestellt. Auf den Rat hin, der ihm im Großen Hauptquartier in Spaa erteilt wurde, ging er nach Holland. Der Kronprinz folgte ihm, nachdem sein vorbehaltloses Angebot weiteren Dienstes in Berlin abgelehnt war …

Am 9. November sank Deutschland, bar jeder festen Hand und bar jeden Willens, seiner Fürsten beraubt, wie ein Kartenhaus zusammen.

Wofür wir gelebt und jetzt wiederum vier schwere Jahre lang geblutet hatten, verschwand. Wir hatten kein Vaterland mehr, auf das wir stolz sein konnten. Die staatliche und gesellschaftliche Ordnung wurde vernichtet. Jede Autorität hörte auf. Chaos, Bolschewismus und Terror, undeutsch ihrem Wort und Wesen nach, hielten ihren Einzug in das deutsche Vaterland. Arbeiter- und Soldatenräte waren in der Heimat in langer planmäßiger unterirdischer Arbeit vorbereitet und geschaffen …

… Die neuen Gewalthaber und ihre bürgerlichen Mitläufer verzichteten auf jeden Widerstand und unterschrieben ohne Rechtstitel unsere Kapitulation auf Gnade und Ungnade einem unerbittlichen Feinde …

Deutschland ist durch eigenes Verschulden tief gebeugt.

So also spielte sich der „Dolchstoß“ ab. Er war keine „Legende“, sondern bittere perfide Wirklichkeit.

Noch heute hat die alles Deutsche hassende Linke in unserem Land zumindest in Propaganda und Gesinnungszwang das Sagen:

Nie wieder Deutschland!

Wiederum läßt sich das deutsche Volk das alles seit langer Zeit gefallen. Doch die Zeiten ändern sich.

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Adelheid
Adelheid
9 Jahre zuvor

Diese Adelinde hat einen Doktorhut verdient! So muss geforscht/ gearbeitet werden: Mit Quellenzitaten aus den unterschiedlichsten Richtungen – hier von Feind und Beteiligten selbst, also diesem General Ludendorff.

Oder sollte man heute gar keine Promotion mehr anstreben, weil doch so viel Doktorväter und -“mütter” sich in den letzten Jahren nicht als integre und nur der Wahrheitssuche verpflichtete Professoren erwiesen haben?

Als Auszeichnung hohen wissenschaftlichen Arbeitens ist eine Doktorarbeit nun jedenfalls nicht mehr vorbehaltlos anzusehen.

Möge sich auch dieser Umstand wieder ändern, denn sonst wird die deutsche Forschung ihr Ansehen im Ausland nach und nach verlieren.

Elmar Frank - Hays
Elmar Frank - Hays
8 Jahre zuvor

Sehr geehrte Frau
Heidrun Beißwenger,

meinen aufrichtigen Dank für Ihre Abhandlung und Beschreibung dieser geschichtlichen Abläufe.

Großen Dank für ihren Mut, dies so zu schreiben.
Dies ist in der heutigen Zeit des allgemeinen Kriechertums
und Feigheit selten geworden. Darum aber umso wichtiger.

Ich werde Ihre Zeilen meinen fünf Kindern vorlesen und zum Lesen geben.

Elmar Frank-Hays
aus dem Allgäu

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