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„Wir kämpfen nicht gegen Hitler, sondern
gegen den Geist Schillers,
damit dieser Geist nie wieder hochkommen möge.“

„Sie müssen verstehen, daß dieser Krieg
nicht gegen den Nationalsozialismus
geführt wird, sondern

gegen die Stärke des Deutschen Volkes,
welche ein für alle Mal zerstört werden muß,
unabhängig davon, in wessen Hand es sich befindet,
in den Händen von Hitler
oder in denen eines Heiligen
oder eines Jesuiten.“

Winston Churchill
(beide Zitate bei Prof. Anrej Fursow)

Der Historiker Gerhard Bracke

hat in der Zeitschrift Mensch & Maß 8/18

eine geschichtskritisch aufklärende Betrachtung

veröffentlicht, die einerseits die Krankheit unserer Zeit und andererseits geschichtlich Entscheidendes zeigt, das helfen könnte, jener Krankheit zur Heilung zu verhelfen.

Das Geschichts„wissen“ der jungen und mittleren Generation des Deutschen Volkes ist allgemein auf das beschränkt, was die 12 Hitler-Jahre und ihre „politisch korrekte“ Ausdeutung betrifft.

So sehen wir junge Deutsche im Lager der Linken den in sie gelegten Selbsthaß – im Gefühl moralischer Überlegenheit – zelebrieren.

Traurig genug, aber noch trauriger ist mitanzusehen, wie sie bei Interviews im Auftrag von Medienkonzernen versuchen, Deutsche mit gezielten Fragen zu Antworten zu bewegen, die ihnen eine Gefängnisstrafe einbrächte.

Deutsche legen Deutsche aufs Kreuz – das alte, beschämende, tausendjährige Lied!

Im zweiten Teil seiner Ausführungen geht Bracke auf einen zweiten angeblichen Überfall der Deutschen auf ein friedliebendes Land ein, auf den angeblichen

Überfall auf die Sowjetunion

Unmittelbar nachdem die sowjetische Seite die Moskauer Verhandlungen mit den Westmächten, die zu einem Bündnis gegen Deutschland führten sollten, kurzerhand mit fadenscheiniger Begründung hat platzen lassen, kam es bekanntlich am 23. August 1939

zum deutsch-russischen Nichtangriffspakt.

Dieser auch Ribbentrop-Molotow-Pakt genannte Vertrag sah in einem streng geheimen Zusatzprotokoll die Aufteilung Osteuropas in Interessensphären vor.

Allerdings sorgte ein Diplomat der deutschen Botschaft in Moskau über seinen amerikanischen Verbindungsmann dafür, daß dieser den Inhalt des geheimen Zusatzprotokolls direkt nach Washington übermitteln konnte.

Anstatt nun aber Polen vor der Bedrohung durch die beiden Diktatoren zu warnen, zog die amerikanische Administration es vor, den polnischen Staat in seiner Unnachgiebigkeit Hitler gegenüber zu bestärken und damit das Konfliktpotential deutlich zu erhöhen.

Nach dem Krieg rückten Washington und London regierungsamtlich von der Nürnberger These der Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg insofern ab, indem sie die Sowjetunion der Mittäterschaft bezichteten.

Man war sich einig, daß der Hitler-Stalin-Pakt „den Ausbruch des Weltkrieges unvermeidlich machte.“9

Auf der anderen Seite vertrat Stalin die These, nicht einzelne Staatsmänner oder Staaten hätten Schuld am Zweiten Weltkrieg, sondern das kapitalistisch-imperialistische System.

Diese Vorstellung geht auf Lenins Theorie vom Imperialismus als höchstem Stadium des Kapitalismus zurück.

„Die Sowjetregierung unterstrich nachdrücklich die Mitschuld Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges“, stellt der Münchener Historiker Walter Post in seiner profunden Untersuchung über Hintergründe der damaligen internationalen Politik fest. (a.a.O., S. 16)

Schließlich kommt der Verfasser in seiner die globale Perspektive einbeziehenden Untersuchung zu dem Ergebnis, daß die Politik des amerikanischen Präsidenten Roosevelt entscheidend zur Entstehung des Zweiten Weltkrieges beigetragen habe.

Erst durch das Eingreifen außereuropäischer Mächte wurde der europäische Konflikt von 1939 zum Zweiten Weltkrieg.

Wohl beschwor Hitler mit seinen inszenierten Krisen in Europa mehrmals die Gefahr eines Krieges herauf, doch in dem großen Drama war Deutschland unter Hitler nur einer von vielen Akteuren.

Kam der deutsche Diktator in der Sommerkrise 1939 England und Polen überraschend weit entgegen, verhandelte und zögerte er bis zuletzt, um eine friedliche Beilegung des Konfliktes zu ermöglichen, waren Roosevelt und Stalin zu dem Zeitpunkt am europäischen Frieden nicht mehr interessiert.

Nun ist immer wieder zu hören: Aber „wir“ haben doch angefangen.

Auf die Frage, wer 1967 den Sechstagekrieg begonnen und die ersten Schüsse abgegeben habe, antwortete Asher ben Nathan, der israelische Botschafter in Bonn,  in einem Interview:

„Das ist gänzlich belanglos. Entscheidend ist, was den ersten Schüssen vorausgegangen ist.“

Seit 1937 hatte US-Präsident Roosevelt zielstrebig auf einen Krieg mit den Achsenmächten Deutschland und Italien hingearbeitet und sich nach Kriegsausbruch 1939 von Anfang nicht neutral verhalten.

In der Phase des „undeclared war“ unterstützten die USA vor dem offiziellen Kriegseintritt England und danach auch die Sowjetunion mit Kriegsmarial.

Bereits im Sommer 1941 griffen amerikanische Kriegsschiffe deutsche U-Boote mit Wasserbomben an, um Hitler bewußt zu provozieren, bis es schließlich gelang, über den „Überraschungsangriff“ der Japaner auf die US-Flotte in Pearl Harbor (7.11.1941), über die „Hintertür zum Kriege“, auch in Europa eingreifen zu können.10

Das Jahr 1941 bedeutete den eigentlichen Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Deshalb wird bei uns aus geschichtspolitischen Gründen immer wieder wert gelegt auf die Hypothese von Hitlers „Stufenplan“, mit  dem der Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begründet wird.

Dabei hatte bereits in den 60er Jahren der mit der Materie bestens vertraute Philipp W. Fabry die Verbindung der Vorstellung aus Hitlers „Mein Kampf“ mit einer gänzlich veränderten weltpolitischen und militärstrategischen Lage als unhaltbar erkannt.11

Das fand Gerd Schultze-Rhonhof im Zuge seiner umfangreichen Quellenforschungen bestätigt:

„Hitlers Absicht, die Sowjetunion anzugreifen, entstand dann in einer ganz konkreten Lage.

Im Juni 1940 annektierten die Sowjets Bessarabien und die Nordbukowina. Damit näherten sie sich bedrohlich den rumänischen Erdölquellen, aus denen Deutschland zu einem großen Teil versorgt wurde.

Zu der Zeit lagen den 6 deutschen Sicherungsdivisionen an der Grenze zwischen Polen und der Sowjetunion bereits etwa 150 russische Heeresdivisionen gegenüber.“12

Der sowjetische Außenkommissar  Molotow erklärte bei seinem Berlin-Besuch im November 1940 das „Geheime Zusatzprotokoll“ vom August 1939 für überholt und überraschte die Reichsregierung mit neuen Forderungen für die russische Interessensphäre:

  • Spitzbergen,

  • Finnland,

  • die Ostseeausgänge,

  • Ungarn,

  • Rumänien,

  • Bulgarien,

  • die Donau,

  • Jugoslawien,

  • Griechenland,

  • die Türkei mit dem Schwarzmeer-Ausgang und

  • den Iran.

So sah sich Hitler unvermittelt einer britisch-russischen Zange und einem weiteren Aufmarsch der Roten Armee ausgesetzt.

Zur selben Thematik sei auch die umfangreiche Forschungsarbeit des Historikers Walter Post empfohlen, dessen wissenschaftliche Recherche bereits zu wertvollen Erkenntnissen führte.13

Daß ein ehemaligen NVA-Generalmajor mit perfekten Russisch-Kenntnissen und Zugang zu Moskauer Archiven eine auf umfangreichem Zahlen- und Quellenmaterial basierende Forschungsarbeit vorlegen konnte, darf als besonderer Glücksfall für die Geschichtswissenschaft gelten.14

Der promovierte Militärwissenschaftler belegt in seinem umfangreichen Werk, mit welchen Steigerungsraten die Sowjetunion unter Stalin ihre auf Angriff ausgerichtete Strategie zielstrebig entwickelte.

Die nachgewiesenen Rüstungsumstellungen und die ständige Vergrößerung der sowjetischen Streitkräfte in den Jahren 1940/41 offenbaren in Verbindung mit verschiedenen Operationsplänen völlig neue Erkenntnisse.

Während Hitler nach dem Frankreichfeldzug eine Reduzierung der deutschen Landstreitkräfte in Aussicht nahm, entwickelte die Führung der Roten Armee bereits im August 1940 einen mit entsprechenden Direktiven versehenen Operationsplan zur Eroberung Ostpreußens mit nachfolgendem Vorstoß Richtung Breslau und Berlin.

Der Autor stützt sich auf eine Analyse russischer Quellen, legt präzise Kartenskizzen vor und berücksichtigt russischsprachige Forschungsergebnisse, die von anderen Historikern nicht zur Kenntnis genommen werden.

Das Ergebnis einer akribischen, reiches Zahlenmaterial präsentierenden Studie wird klar formuliert:

„Ja, der Angriff der Wehrmacht war ein Präventivschlag!“ (S. 535)

Die etablierte Historikerzunft hat es immerhin mit einem promovierten Miltärhistoriker des Jahrgangs 1941 zu tun, der 1980-82 an der Akademie des Generalstabes der Sowjetunion in Moskau studierte und von 1985 bis 1990 Kommandeur der 3. Luftverteidigungsdivision der Nationalen Volksarmee war. Nach Schwippers Erkenntnissen

„war bereits der Operationsplan vom 18. September 1940)“ (d.h. vor dem Molotow-Besuch in Berlin!) „auf die Vernichtung des Deutschen Reiches gerichtet.“ (S.524)

Aus der Gesamtschlußfolgerung ergibt sich:

„Die detaillierte Bewertung der vorliegenden vier Operationspläne bzw. deren zugänglicher Teile hinsichtlich der Beurteilung des Gegners, der eigenen Kräfte und ihres Kernstückes, der strategischen Idee der Handlungen, zeigt, daß entgegen der landläufigen Auffassung der etablierten Geschichtsschreibung

von einer defensiven Denkweise der sowjetischen Führung keine Rede sein kann.“ (S. 499)

Doch zurück zum “Nazi-U-Boot”

Wenden wir uns nach diesem kurzen historischen Exkurs noch einmal dem zu, was Ausgangspunkt unserer Betrachtung war, dem „Nazi-U-Boot“ in der „Braunschweiger Zeitung“.

U 581 bei der Ausbildung (Bild: Deutsches U-Boot-Museum)

In der Stellungnahme des Ombudsrates ist von Lesern die Rede, die sich am „Nazi-U-Boot“ „reiben“, die sich beschweren oder empören, von einer durch die Überschrift ausgelösten „lebhaften Debatte auf der Leserbriefseite.“

Der Ombudsrat führt aus: „Zunächst war es sicher nicht die Absicht der Redaktion, mit der Überschrift alle Soldaten von Wehrmacht, Luftwaffe und Kriegsmarine pauschal als Kriegsverbrecher zu titulieren…. Allerdings wissen Redakteure aus der Leserforschung und von den Klickzahlen, daß bestimmte, emotional aufgeladene Reizworte besonders stark zum Lesen eines Textes animieren können.

‚Nazi‘ zählt zu diesen Reizworten. Die engagierte Debatte und die Vielzahl der Zuschriften zeigt, wie emotional das Erbe des Dritten Reiches auch knapp 75 Jahre nach dessen Untergang diskutiert wird.

Handwerklich gesehen ist die Überschrift ‚Wrack von Nazi-U-Boot gefunden‘ jedenfalls sehr gelungen:

Sie enthält den zentralen Fakt und dürfte die Aufmerksamkeit vieler Leser geweckt haben. [….] Journalisten stehen immer wieder vor dem Dilemma, daß kurze, knackige und Aufmerksamkeit erregende Botschaften möglicherweise zulasten der inhaltlichen Differenzierung gehen. Dieser Zielkonflickt wird sich kaum auflösen lassen.

Wir Ombudsräte folgen allerdings eher der Argumentation des stellvertretenden Chefredakteurs Harald Likus als der jener Leser, die den Begriff ‚Nazi-U-Boot‘ als pauschal verunglimpfend empfinden. Einen Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht sehen wir nicht.“15

Natürlich nicht, schließlich wird dem Zeitgeist hinreichend Genüge getan.

Bemerkenswert dürfte immerhin der Hinweis auf die Anziehungskraft des herabsetzend gemeinten Nazi-Ausdrucks sein, dem damit eine gewisse Werbewirksamkeit zugesprochen wird.

Nur, ginge es nach der Einschätzung des Ombudsrates der BZ, hätte wohl eine bekannte chinesische Plastikmodellbau-Firma sich eine gewisse Werbewirksamkeit entgehen lassen.

Die Chinesen bevorzugten für ihr größtes und detailliertestes Modell eines deutschen U-Bootes (Länge 140 cm, mehr als 1100 Einzelteile und komplette Innenausstattung incl. 12 Torpedos) die korrekte, einzig sachliche Bezeichnung „DKM U-Boat Type VII C U-552“.

Kapitänleutnant ErichTopp (Bild: Forum Übersicht)

Statt „Nazi“- also richtig:  Deutsches Kriegsmarine U-Boot vom Typ VII C, U-552, und Kommandant des historischen Vorbildes von U-552 war einer der erfolgreichsten U-Boot-Kommandanten, Schwerterträger Erich Topp, der nach dem Krieg nicht nur erfolgreicher Architekt wurde, sondern zum Aufbau der Bundesmarine mit seinen Erfahrungen beigetragen  und eine führende Position in der NATO  eingenommen hatte.

Daß nach dem endlich erreichten Kriegseintritt der USA tatsächlich von „Nazi-U-Booten“ die Rede war, bezeugt ein ehemaliger U-Bootfahrer, Wolfgang Hirschfeld, in seinem Buch „Feindfahrten“.16

Hierbei handelte es sich allerdings um den Sprachgebrauch unserer damaligen Feinde. Sollte diese Sprachregelung aus dem Kriege für die heutige Zeit wirklich empfehlenswert sein?

Wolfgang Hirschfeld stellt seinem bewegenden Dokumentarbericht [Feindfahrten. Das Logbuch eines U-Bootfunkers] ein selbstverfaßtes Requiem voran, das vielleicht zu etwas mehr Nachdenklichkeit anregen möge:

Requiem

zum Gedenken
unserer gefallenen U-Boot-Kameraden

Wir können nicht vor Gräbern stehen
zum Gedenken unserer Toten.
Wir sehen nur im Geiste die Flagge wehn,
für die sie starben in ihren Booten.

Sie haben gekämpft getreu ihrem Eid
und waren immer so nahe dem Tod,
gegen Zerstörer und Flugzeug vereint,
kam oft das Ende auf sinkendem Boot.

Im Eismeer und vor Grönland bis Kap Hoorn,
stampfend meist auf sturmgepeitschtem Meer,
sind stahlharte Kämpfer sie geworden.
Doch der Atlantik gibt sie nicht mehr her.

Auch in all den and’ren Ozeanen
ruhen sie meist in großen Tiefen.
Schiffe zieh’n darüber ihre Bahnen.
Mir ist oft, als ob sie uns noch riefen.

____________________________

Anmerkungen

9Time, 12.1.1959, S. 31  zitiert nach: Walter Post, Die Ursachen des Zweiten Weltkrieges. Ein Grundriß der internationalen Diplomatie von Versailles bis Pearl Harbor. Tübingen 2003, S. 15 (insgesamt 671 Seiten)

10Charles Callan Tansill: Back Door to War (1952); George Morgenstern: Pearl Harbor. The Story of the Secret War (1946); Dirk Bavendamm: Roosevelts Krieg. Amerikanische Politik und Strategie 1937-1945, München 1998

11Philipp W. Fabry: Der Hitler-Stalin-Pakt. Ein Beitrag zur Methode sowjetischer Außenpolitik. Darmstadt 1962

Ders.: Die Sowjetunion und das Dritte Reich. Eine dokumentierte Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1933 bis 1941. Stuttgart-Degerloch 1971

12Gerd Schultze-Rhonhof: a.a.O., S. 613

13Walter Post: Unternehmen Barbarossa. Deutsche und sowjetische Angriffspläne 1940/41. 2. Aufl. Hamburg, Berlin, Bonn 1996

14Bernd Schwipper: Deutschland im Visier Stalins. Der Weg der Roten Armee in den Europäischen Krieg und der Aufmarsch der Wehrmacht 1941. Eine vergleichende Studie anhand russischer Dokumente. Gilching 2015

15Braunschweiger Zeitung vom 5. Juni 2018

16Wolfgang Hirschfeld: Feindfahrten. Das Logbuch eines U-Bootfunkers. Klagenfurt 1991

 

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