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Irans Ministerpräsident

Mahmud Ahmadinedschad

hat mit seiner gegen das “israelische Regime” gerichteten Rede auf der Anti-Rassismus-Konferenz der UNO gegensätzliche Reaktionen hervorgerufen:

  • Die Medienwelt gab einträchtig und nachdrücklich die politisch korrekte Denkrichtung vor: Israel-Kritik gehört sich nicht, sie kommt Antisemitismus gleich. Die Medien konnten passend dazu auch über eine flugs organisierte Demonstration in Auschwitz berichten. Die Zivil-Religion “Holocaust” trat in Funktion, auf allen Fernsehkanälen. Vertreter der USA und einiger europäischer Länder, darunter Deutschland, blieben von vornherein der UNO-Konferenz fern. Die 1. Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch zeigte sich vor Fernsehkameras darüber erfreut und berichtete, der Kanzlerin bereits brieflich gedankt zu haben.
  • In Internet-Diskussionen kann man Stellungnahmen lesen, die Ahmadinedschad – zumindest in seiner Israelkritik – zustimmen. Beispiele.

Wer sich in der Literatur etwas umgesehen hat, weiß, wie unterschiedlich Juden selbst die Lage in Israel beurteilen und darüber miteinander streiten. Da sind die einen, die Orthodoxen und Nationalisten, für die

das Buch Josua wie die Thora

bis heute gelten soll, worin es in Kap. 1 heißt:

1. Nach dem Tod Moses, des Knechts des HErrn, sprach der HErr zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener:

2. Mein Knecht Mose ist gestorben; so mache dich nun auf und zeuch über diesen Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Kindern Israel, gegeben habe.

3. Alle Stätten, darauf eure Fußsohlen treten werden, hab ich euch gegeben, wie ich Mose geredet habe.

4. Von der Wüste an und diesem Libanon bis an das große Wasser Euphrat, das ganze Land der Hethiter (heute Türkei), bis an das große Meer gegen Abend, sollen eure Grenzen sein.

5. Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, also will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen.

6. Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, da ich ihren Vätern geschworen habe, daß ich’s ihnen geben wollte.

Diese gefährliche Eroberungs-Ideologie und vor allem das Handeln danach verurteilt der Mitbegründer der israelischen Friedensinitiative Gush Shalom (Israelischer Friedensblock)

Uri Avneri:

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die echte Krankheit nicht die 40 Jahre andauernde Besatzung ist. Die Besatzung ist das Symptom einer grundlegenderen Krankheit, die in Verbindung mit der offiziellen Ideologie des Staates steht. Das Ziel einer ethnischen Säuberung vom Meer bis zum Fluss (Euphrat), ist dem Herzen vieler Israelis teuer, und vielleicht hatte Rabbi Meir Kahane sogar Recht, als er behauptete, dass dies jedermanns unausgesprochener Wunsch sei.

Jedermanns Wunsch wohl glücklicherweise nicht, es gibt die jüdischen Friedensbewegungen inner- und außerhalb Israels. Avneri sieht jedoch Israel fest im Zangengriff der neugewählten extremistischen Regierungskoalition, für die die sozialdemokratische Labor-Partei das Feigenblatt abgibt:

Mit einem Streich verwandelte er (Netanyahu) eine Regierung von Aussätzigen, die von der ganzen Welt als ein verrückter Haufen von Ultra-Nationalisten, Rassisten und Faschisten angesehen würde, in eine vernünftige und ausbalancierte Regierung der Mitte. Und all dies ohne im geringsten ihren Charakter zu verändern.

Der eifrigste Unterstützer dieser Meisterleistung war Liberman, der neue Außenminister Israels. Dieser extreme Rassist … war sehr besorgt, was ihn erwarten würde. In seiner Phantasie sah er sich schon, wie er seine Hände Hillary Clinton entgegenstreckt und sein Arm in der Luft stehen bleibt; oder sich vorwärts beugt, um Angela Merkel zu küssen, um zu sehen, wie sie sich vor Schrecken zurückzieht. Sehr unangenehm.

Das Hinzukommen der Laborpartei löst jedermanns Problem. Wenn sich Sozialdemokraten der Regierung anschließen, dann muss all dieses Gerede von Faschismus Unsinn sein.

Uri Avneri ist Jude. Er kritisiert Israel. Er kann schwerlich als Antisemit verschrien werden – sollte man jedenfalls meinen -, wohl aber als Volksverräter. Damit muß er leben. In Wirklichkeit verrät er sein Volk nicht, sondern will ihm helfen, zum Frieden zu finden, und zwar durch Selbsteinsicht.

Das will auch der Psychologe und Neurophysiologe am Universitätsklinikum in Lübeck

Prof. Rolf Verleger,

der

das Judentum aus der Geiselnahme durch die völkischen Nationalisten zu befreien

bestrebt ist.

Buchtitel Rolf Verleger

Als Direktoriumsmitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland äußerte er, als im Sommer 2006 der israelisch-libanesische Krieg ausbrach, zunächst im Zentralrat und dann öffentlich Kritik am militärischen Vorgehen Israels wie auch an der unterstützenden Haltung des Zentralrats. Sowohl die Zentralrats-Vorsitzende Charlotte Knobloch als auch Repräsentanten anderer jüdischer Organisationen rügten ihn dafür. Der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer bezeichnete Verlegers Begründungen als

abstrus

und

absolute Einzelmeinung.

Kurz darauf verlor Verleger sein Amt als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein. Er ließ sich nicht einschüchtern und setzte am 22. November 2006 die Online-Petition Schalom5767, auch Berliner Erklärung genannt, ins Weltnetz. Darin fordert er von der Bundesregierung:

Folgen Sie in der Palästina-Politik den Grundsätzen des Humanismus und des Völkerrechts.

71 Juden und Jüdinnen des deutschen Bildungsbürgertums solidarisierten sich als Erstunterzeichnende mit der Erkärung und widerlegten damit Kramers Behauptung von einer “abstrusen, absoluten Einzelmeinung” Verlegers. Der erreichte bis zum Ende der Kampagne (6.11.07) 14 444 Unterschriften, zu wenig, um die deutsche Israel-Politik in eine bessere Richtung anzustoßen.

In seinem Buch Israels Irrweg berichtet Verleger von der Befragung des spanischen Ministerpräsidenten Zapatero und der deutschen Bundeskanzlerin Merkel durch die Wochenzeitschrift “Die ZEIT” zum Thema Terrorismusbekämpfung. Zapatero habe gesagt,

es habe keinen Sinn, sich an einzelnen Regelungen der Gefahrenabwehr … abzuarbeiten, solange nicht die Quellen des Terrorismus bekämpft würden, und die wichtigste Quelle sei das ungelöste Palästinaproblem.

Die Bundeskanzlerin antwortete auf die gleiche Frage, die Bundesregierung intensiviere ihre Anstrengungen zur guten Ausbildung der Polizei in Afghanistan.

Verleger resümiert:

Und so kann Israel die ärgsten Untaten begehen, kann in Gaza den Flughafen zerstören, das Auslaufen von Schiffen verbieten, das Elektrizitätswerk zerbomben, die Wasserversorgung kleindrehen, Hunderte von Menschen inklusive Frauen und Kindern erschießen, mit Panzern die Straßen plattwalzen, den Grenzübergang schließen, wenn Obst und Gemüse exportiert werden sollen, die Fabrik zerbomben, die Tausenden von Menschen Arbeit gab, – all dies unter dem Stichwort der Terrorbekämpfung, aber das offizielle Deutschland wird dazu nichts sagen.

Der offizielle Diskurs der Politiker in Deutschland redet um den heißen Brei herum. Man möchte es sich nicht mit der jüdischen Minderheit verderben, deren Stimmung in den USA aufmerksam registriert wird, man möchte sich nicht mit den USA in dieser Frage anlegen, und man möchte nicht vor der nächsten Wahl von der Presse des Springer-Konzerns niedergemacht werden.

Und wenn man sich so umhört, was die “schweigende Mehrheit” dazu sagt, so muß man Rolf Verleger wohl rechtgeben, wenn er weiter ausführt:

Daher besteht in der Frage des Nahostkonflikts ein tiefer Riss zwischen der öffentlichen Meinung, die einen friedlichen Ausgleich der Interessen im Nahen Osten will, dies aber nur ansatzweise artikuliert, und der offiziellen Meinung der Politiker, die rückhaltlos die israelische Position unterstützt.

Die immer geringer werdende Wahlbeteiligung könnte auch hierin ihren Grund haben. Das Volk gewinnt immer stärker den Eindruck, daß die gewählte Regierung durch nicht gewählte Interessengruppen gegängelt wird, wenn nicht sogar auch in Geiselhaft der jüdischen Nationalisten genommen ist.

Inzwischen ist in der Politik Israel gegenüber neue deutsche Schuld angehäuft – wieder durch Wegsehen bei offensichtlichem Völkermordverbrechen. Doch Verleger sieht – und damit steht er bestimmt nicht allein -,

daß irgendwann bei irgendeinem Anlaß, den die Nahostregion leider reichlich bietet, die veröffentlichte Stimmung dahin kippt, wo die allgemeine Stimmung schon längst ist, nämlich auf die Seite von Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten.

Es scheint mir für die wahre Stimmungslage bezeichnend, daß man als Politiker offenbar “Ex” sein muß – Ex-Minister oder Ex-Parteistiftungsgeschäftsführer -, um offen zu sagen, was man über die Nahost-Problematik denkt. Das Eis ist sehr dünn, auf dem sich die offizielle Politik mit ihrer Unterstützung der israelischen Besatzungspolitik bewegt.

Auf der anderen Seite sieht Verleger

das Dilemma der Juden,

in einem Land wie Deutschland ihre Identität zu wahren:

Tatsächlich ist einem großen Teil der Juden in Deutschland die jüdische Religion unbekannt oder gleichgültig. Will man sich weiterhin zum Judentum bekennen, dann muß diese Leerstelle durch etwas anderes ausgefüllt werden. Als Lückenbüßer bietet sich der Nationalismus an. Der Nationalismus hat eine solche Sogwirkung entfaltet, daß – besonders in Israel, aber nicht nur dort – auch große Teile der jüdischen religiösen Funktionsträger die jüdische Ethik von Gerechtigkeit und Nächstenliebe aufgeben und durch eine nationalistische “Ein-Volk-Ein-Land”-Religion ersetzen.

Ein anderer Lückenbüßer für die verloren gehende jüdisch-religiöse Identität ist der Kampf gegen Judenhaß.

Das Absurdeste in Deutschland ist, daß Juden wie Rolf Verleger und seine jüdischen MitkämpferInnen von Juden

des Neu-Judenhasses beschuldigt werden.

Verleger kritisiert die israelische Politik, weil er durchdrungen ist von der

Meinung, daß alle Menschen gleich sind und gleiche Rechte haben sollten … Zugespitzt formuliert: Ist Nächstenliebe antisemitisch?

Er erkennt die Gefahr,

für die brüchig gewordene jüdische Identität … eine platte, volkstümelnde, nationalistische Herrschaftsideologie

als Ersatz anzusehen.

Diese Ideologie aber steckt in der Thora, dem jüdischen Gesetzbuch. Wie in den o. a. Versen aus dem Buch Josua finden wir in zahlreichen Textstellen der 5 Bücher Mose die “Auserwähltheit” des jüdischen Volkes drastisch unterstrichen.

Und genau die scheinen die offiziellen Vertreter des Judentums in ihrer geheimen und offenen Politik zu leiten, was dann zu der Intoleranz führt, die Iris Borchardt-Hefets (Mitunterzeichnerin von Schalom5767) in einer Stellungnahme hervorhebt:

Wer also nicht mit der offiziellen Linie des Zentralrats übereinstimmt, gehört nicht zur jüdischen Gemeinschaft. Das war es dann. Jüdische Nichtjuden raus.

… Als ich darüber nachdachte, ob ich als Jüdin die “Berliner Erklärung” unterschreiben soll, wußte ich, daß eine solche Unterschrift problematisch ist. Denn es geht nicht zuletzt um eine Erlaubnis von Juden für Nichtjuden, Kritik an Israels Politik äußern zu können, ohne sofort einen Schlag mit der Antisemitismus-Keule zu erhalten …

Sie fügt hinzu:

Die Deutschen dürfen laut offiziellem Israel bzw. dem Zentralrat der Juden in Deutschland Israels Politik bedingungslos unterstützen: U-Boote und andere Waffen an Israel liefern, die ökonomische Kooperation fördern usw., sollen sich aber sonst nicht in die israelische Politik einmischen.

Es dennoch zu tun, sei der Deutschen

bürgerliches Recht und die Pflicht, an ihre Regierung zu appellieren, um deren Handeln zu beeinflussen. Dabei müssen sie keinen Stammeszugehörigkeitstest absolvieren. Jeder darf Universalist sein.

Und da wären wir dann bei dem

Schreckensbegriff Universalismus,

Schreckensbegriff besonders für Völkische und Nationalisten deshalb, weil sie befürchten, daß die geschichtlich gewachsenen Volksgemeinschaften sich auflösten und eine allgemeine seelische Heimatlosigkeit in einer gesichtslosen “Menschheit” Platz greife. Deshalb wird nicht nur den “Menschenrechten” mit Mißtrauen begegnet, sondern sogar – wie mir mal jemand schrieb – die Bereitschaft bekundet, zur “Reinhaltung der Rasse und des Volkes” sich nicht durch “menschliches Mitgefühl in Einzelfällen ankränkeln” zu lassen . Wen schaudert’s da nicht mitanzusehen, was da im Untergrund schon wieder oder immer noch an gefährlichem Wahnsinn lauert.

Kein Zweifel kann daran bestehen, daß jedem Menschen seine Menschenwürde und ein klares Empfinden eingeboren ist, ein Recht auf Unversehrtheit und freie Entfaltung seiner Persönlichkeit zu haben, jedem Menschen in gleicher Weise, welchem Volk, welcher Rasse, welchem Geschlecht, welcher Gesellschaftsschicht er angehört. In dieser Hinsicht sind alle Menschen von Natur aus gleich.

Den Frieden erhält die Menschheit nur, wenn diese Menschenrechte von allen Menschen rund um den Erdball, universell, bis in die kleinsten Gemeinschaften hinein geachtet werden.

Aber auch wer einseitig die israelische nationalistische, die Menschenrechte mißachtende Politik aus dem Grunde gutheißt, weil sie angeblich Verteidigungspolitik sei, sollte wissen, was

der glühende Zionist und Humanist Achad ha’Am … 1891

mitansehen mußte, als er die ersten jüdischen Einwanderer in Palästina besuchte. Er schrieb, zitiert von Verleger:

Was tun unsere Brüder in Palästina? … Knechte waren sie in den Ländern der Diaspora, plötzlich finden sie sich in Freiheit wieder, und dieser Wechsel hat bei ihnen eine Neigung zum Despotentum ausgelöst. Sie behandeln die Araber mit Feindschaft und Grausamkeit, berauben sie ihrer Rechte, beleidigen sie grundlos und prahlen obendrein mit ihren Taten; und niemand unter unseren Leuten stellt sich dieser verachtenswerten und gefährlichen Neigung entgegen.

Diese Beobachtungen waren keine Einzelfälle. Verleger berichtet, was Achad ha’Am auch noch 1913 miterleben mußte:

1913 verhängte die Vorläufer-Organisation der Histadrut einen Boykott gegen jüdische Betriebe, die arabische Arbeiter beschäftigten. Die ideologische Begründung dafür war, daß Juden sich nun endlich selbst als arbeitendes Volk zeigen mußten. Achad ha’Am sah die massive Diskriminierung, die durch diese Ideologie ein linkes Mäntelchen umgehängt bekam, und schrieb:

“Ganz abgesehen von den politischen Risiken: Ich kann es nicht fassen, daß unsere Brüder moralisch in der Lage sind, sich dermaßen zu Menschen aus einem anderen Volk zu verhalten.”

Verleger zitiert auch den Prager Philosophen Hugo Bergmann, den Mitbegründer der Hebräischen Universität Jerusalem, der 1919 schrieb:

Was in Palästina vor dem (1. Welt-)Krieg geschehen ist, war fast gänzlich dazu angetan, die Araber zu unseren Feinden zu machen.

Und 1922 schrieb der britische Premierminister MacDonald nach seinem Besuch in Palästina, zitiert von Verleger:

Niemand, der ein Organ für die Strömungen im Nahen Osten hat, kann sich mit dem Glauben trösten, daß die Araber vergessen oder vergeben haben oder daß das moralische Übel, das wir begangen haben, in Bälde keine politischen Nachwirkungen mehr haben wird. Wie wir die Moslems behandelt haben, ist ein Wahnsinn.

Den Judenhaß der Hamas und anderer Moslems kann Verleger nachvollziehen, wenn auch nicht billigen. Er will die Spirale des Hasses durchbrechen und erklärt, daß er

als stolzer Jude die Schändung des jüdischen Selbstbildes durch die Schamlosigkeiten der israelischen Politik (nicht) übergehen kann.

Natürlich hassen die Palästinenser die Juden. Was sollen sie denn sonst machen?

Die israelische Regierung stachelt diesen Haß stets aufs Neue an und fordert gleichzeitig sein Ende. Das ist ein übles Spiel. Es ist an uns, diesen Haß durch Glaubwürdigkeit und Konsequenz abzubauen.

An anderer Stelle betont der Autor:

… das Judentum, meine Heimat, ist in die Hände von Leuten gefallen, für die Volk und Nation die höchsten Werte sind anstatt Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Deutschland als Vorbild

Um der Spirale des Leidens zu entkommen – so Verleger -,

muß jeder vor seiner Tür kehren, sich offen für das Leid des anderen zeigen, und daher sage ich allen, die es hören wollen: Die Vertreibung der arabischen Bevölkerung 1948, die folgende Enteignung ihres Grund und Bodens war ein großes Unrecht.

Wie geht man mit solchem Unrecht um? … Wie geht nun der deutsche Staat (mit der Enteignung jüdischen Eigentums) … um, in Gestalt des “Amts für Offene Vermögensfragen” …? Er sagt meiner Mutter … und den anderen Erben: “Das war ein großes Unrecht.” Ohne das geht es nicht, ohne dieses Eingeständnis ist kein Frieden möglich. Zweitens sagt er: “Ihr werdet das Grundstück nicht zurückbekommen. Hier sind inzwischen Wohnblocks errichtet, über Grundstücksgrenzen hinweg. Eine Wiederherstellung der alten Besitzverhältnisse würde nur Unfrieden schaffen.” Drittens sagt er: “Aber selbstverständlich habt Ihr Anspruch auf eine Entschädigung.”

So könnte man Frieden schaffen in Palästina: Anerkennung der Würde der Palästinenser, Eingeständnis des großes Unrechts der Vertreibung, Entschädigung der Eigentumsverluste.

Wenn der Staat Israel nicht diesen Weg geht und den Frieden sucht, dann wird es diesen Staat wahrscheinlich in hundert Jahren nicht mehr geben …

Ein Hoffnungsschimmer bleibt ihm, weil er sieht, wie gern junge Juden heute, über 60 Jahre nach der Judenverfolgung durch Deutsche wieder unter Deutschen in dem wiedervereinigten, friedlichen, menschenfreundlichen Berlin leben.

Je eher Deutsche und Juden einen normalen Umgang mit Recht und Unrecht auch auf jüdisch-israelischer Seite pflegen, je eher Selbsteinsicht in eigene Schuld und Anerkennung der Menschenrechte ausnahmslos für alle Menschen stattfindet, desto eher werden auch die tiefsten Wunden heilen.

Menschen wie Uri Avneri, Rolf Verleger und die UnterzeichnerInnen der Berliner Erklärung, die den Mut zur Selbsteinsicht aufbringen, sind es, die Hochachtung und Freundschaft zwischen den Völkern aufkommen lassen und damit zu Völkerverständigung und Frieden beitragen.

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Mithus
Mithus
14 Jahre zuvor

Eine gute sachliche Darstellung dessen, was uns offen oder insgeheim zutiefst bewegt: Christliche Nächstenliebe wird von den Zionisten und ihren Freunden als “Antisemitismus” gebrandmarkt! Ist das nicht eine ungeheuerliche Wahrheit ohne Rechtfertigung? Spätestens an dieser Stelle muß die deutsche Politik gefragt werden, wie sie es denn mit der Verteidigung christlicher Werte hält.
Mithus

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