Sarrazin! EMMA und Necla Kelek beziehen Stellung

Die Medien scheinen wirklich eine geschlossene Front zu bilden,

wie es bei EMMAonline am 31.8.2010 hieß. Das kommt den EMMAs

fast ein wenig unheimlich (vor) – so viele gegen einen – was mag da alles dahinterstecken?

Ich schätze, dahinter steckt der Wille, das Volk weiterhin bei der zur Zeit gültigen ideologischen Generallinie zu halten: Alle Menschen sind gleich; wer auf Gene hinweist – außer in Bezug auf Krankheit – wird als “Rassist” schubladisiert.

Das ist so unwissenschaftlich wie EMMAs Jubel:

Wir sind alle Anti-Biologisten … Alle sind sich einig, daß das Thema Gene völlig irrelevant sei.

Wenn sich EMMA da man nicht täuscht genau so, wie sie glaubt, “alle” hielten es für

eine ganz und gar rückschrittliche Debatte,

sich darüber auszutauschen,

ob Menschen von ihren Genen bestimmt werden und wie das Verhältnis zwischen Angeborenem und Prägung eigentlich genau ist … Zumindest, soweit es um bestimmte Bevölkerungsgruppen bzw. MigrantInnen geht. Bravo! So sieht EMMA das auch.

Ja, EMMA möchte ausdrücklich festhalten:

Das gilt für alle Menschen, für Deutsche und Migranten, für Juden und Nichtjuden – ja sogar für Frauen und Männer.

Und sie wünscht sich:

Wenn demnächst also zum hunderttausendsten Mal in den so seriösen Medien steht, dies und das sei den Frauen angeboren – wie zum Beispiel der Mutterinstinkt oder das Schlechteinparken – dann gehen wir davon aus, daß dieselben Stimmen wie in der Sarrazin-Debatte laut und vernehmlich protestieren und klarstellen: All dieses Gequatsche über die Gene ist reine Spekulation …

Das wäre in der Tat logisch! Wenn Sarrazin die Gene nicht ins Feld führen “darf”, warum sollten das andere “dürfen”. Doch wo kämen wir hin, wenn wir uns Denkverbote verpassen ließen! Zwar ist es bisher richtig, daß vieles, was über die Wirkung von Genen gesagt wurde, “reine Spekulation” ist, aber ebenso spekulativ ist EMMAs Nachsatz, zumindest das Wörtchen “nur” vorneweg:

– nur auf die Prägung, auf Bildung und gleiche Chancen kommt es an.

Wie wollen die EMMAs ohne Rücksicht auf die Gene begründen, daß Männer und Frauen so verschieden gebaut sind? Kann ihrer Meinung nach jeder Mensch ein Mozart sein? …

So sehr ich Alice Schwarzers Eintreten für die Achtung der Persönlichkeitsrechte und die Würde aller Menschen schätze, aber dieser Netz-Eintrag bei EMMAonline ist nun wirklich ziemlich unqualifiziert, ja blamabel!

EMMAs ständige Mitautorin Necla Kelek

dagegen denkt völlig anders. Sie sieht die Thesen von Thilo Sarrazin als

Befreiungsschlag,

wie bei FAZ.NET vom 30.8.2010 nachzulesen ist.

Nicht nur, daß sie von der Politik fordert, sich mit den Thesen Sarrazins ehrlich auseinanderzusetzen, anstatt den Autor zu diskriminieren – sie stellt sich voll hinter ihn, gerade was seine Aussagen über die genetischen Voraussetzungen der sich wandelnden Bevölkerung Deutschlands betrifft:

Ausgangspunkt ist die These, daß sich das „goldene Zeitalter“, in dem die Bundesrepublik seit den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhundert lebt, sich dem Ende zuneigt, weil sich die Voraussetzungen des Wohlstands, das heißt demographische und gesellschaftliche Formationen, dramatisch verändern, die Politik dies ignoriert oder falsche Schlüsse zieht.

Die Soziologin Dr. Necla Kelek ist selbst als Türkin nach Deutschland zugewandert. Dennoch betont sie:

Muslime bleiben zurück

Die von Sarrazin aufgezeigte Wechselbeziehung von Intelligenz und Demographie wird als biologistisch diffamiert. Dabei scheint schon der gesunde Menschenverstand nahezulegen, daß Ethnien wie zum Beispiel die Völker Anatoliens oder Ägyptens, die über Jahrhunderte von den Osmanen daran gehindert wurden, Lesen und Schreiben zu lernen, bei denen noch heute Mädchen nicht zur Schule gehen dürfen, andere Talente vererbt bekommen, als die Söhne von Johann Sebastian Bach und daß es auch bei der Intelligenz so etwas wie die Gaußsche Normalverteilung gibt,

d. h. daß Intelligenz durch Gene vererbt wird und die Wahrscheinlichkeit, daß intelligente Eltern intelligente Kinder bekommen, größer ist als das Gegenteil. Kelek berichtet, daß Sarrazin sich auf die amerikanischen Forscher Herrnstein und Murray bezieht, wenn er schreibt:

Die Erkenntnis, daß Intelligenz zum Teil erblich ist, verträgt sich nur schwer mit Gleichheitsvorstellungen, nach denen Ursachen von Ungleichheit unter den Menschen möglichst weitgehend in den sozialen und politischen Verhältnissen zu suchen sind.

Da wird es nun sicher heftige Debatten im Kölner Frauen-Turm geben bei so gegensätzlichen Auffassungen zwischen den EMMAs und Necla Kelek. Und das ist gut so. Eine solche Debatte aber wünscht man sich hauptsächlich von der Politik. Deutlich steht Kelek hinter Sarrazin, wenn sie weiter berichtet:

Islam oder Islamismus?

Im Gegensatz zur Bundesregierung, die von 4,3 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit muslimischem Hintergrund spricht, geht Sarrazin von 5,7 Millionen aus. Er stellt mit dem niederländischen Migrationsforscher Paul Scheffer fest, daß die Muslime weniger integriert, überdurchschnittlich oft Empfänger von Sozialtransferleistungen sind, unterdurchschnittlich gebildet, fruchtbarer, öfter kriminell und religiöser als die Mehrheitsbevölkerung und auch anderer Migrantengruppen sind. Er beschreibt die Unmöglichkeit, zwischen Islam und Islamismus zu unterscheiden und den Islam selbst als konsistentes System zu definieren. Und nebenbei bemerkt, ist der Islam keine Rasse, sondern ein kulturelles System.

Bezüglich des Islam stellt Necla Kelek auch hier wieder gewohnt furchtlos ihren Standpunkt klar:

Ich definiere den Islam nicht nur als Glauben, sondern als eine politische Ideologie und ein gesellschaftliches System: ein System, das die Trennung von Religion und Staat, also die Säkularität und die Aufklärung, verleugnet, das die vertikale Trennung von Männern und Frauen praktiziert, das heißt Frauen diskriminiert.

Eine Politik, die von falschen Voraussetzungen ausgeht

Durch den Versuch, das System der Scharia, die religiöse Normsetzung, neben oder über das säkulare Recht zu stellen und zu leben, ergibt sich ein anderes Welt- und Menschenbild, ergeben sich andere Werte und Normen, die zu einer generellen Integrationsunwilligkeit großer Teile der muslimischen Gesellschaft geführt haben. Die Ergebnisse dieser Entwicklung werden vom Autor statistisch nachgewiesen. Er zitiert die von Seyran Ates, Güner Balci, Kirsten Heisig, Heinz Buschkowsky, mir und anderen angestoßene Debatte um die Verantwortung der Muslime. Sarrazin schildert die Situation der muslimischen Migranten am Beispiel des Berliner Bezirks Neukölln und stellt fest:

„Bei uns muß sich niemand integrieren. Es reicht, wenn er jemanden findet, der ihm den Antrag auf Grundsicherung ausfüllt und bei der Wohnungssuche behilflich ist. Die Integration, die in klassischen Einwanderungsländern durch die Teilnahme am Arbeitsleben erzwungen wird, wird für muslimische Migranten in Deutschland zu einem Luxus, den man sich leisten kann, aber nicht muß.“

Die Aufregung darüber erscheint mir aufgesetzt und das Argument des Rassismus ein Ablenkungsmanöver zu sein. Sarrazin trifft den Kern einer Politik, die von falschen Voraussetzungen ausgeht. Daß er nicht in einem muslimischen Deutschland leben will, weil ihm dieses Gesellschaftsmodell suspekt ist, worin besteht das Problem? Der Ökonom Sarrazin errechnet, daß aus 750000 Arbeitsmigranten aus der Türkei fast drei Millionen geworden sind, deren erwerbsfähiger Teil zu vierzig Prozent von Sozialleistungen lebt, sagt, das sei volkswirtschaftlich eine miese Bilanz, und überlegt, ob Zuwanderung, wie sie stattfindet, nicht falsch ist. Das ist kein Grund, sich über den Autor zu empören, sondern wir müssen die Politiker, die dieses Ergebnis zu verantworten haben, fragen, ob sie im Interesse dieses Landes regiert haben.

Die Politik will ihn mundtot machen

ist ihr Eindruck und ihr Fazit lautet:

Hier hat ein verantwortungsvoller Bürger bittere Wahrheiten drastisch ausgesprochen und sich über Deutschland den Kopf zerbrochen.

Und um diesen Kopf soll Thilo Sarrazin jetzt offensichtlich kürzer gemacht werden. Wenn man das Medienecho der letzten Tage verfolgt hat, findet sich die politische Klasse von CDU bis zur Linken in einem schrillen Chor wieder, der versucht, den Redner niederzubrüllen.

Die Kanzlerin und ihre Integrationsministerin lassen ihrer Empörung freien Lauf und tun so, als müßten sie sich schützend vor die Kinder in der Koranschule stellen. Der SPD-Vorsitzende bangt um seine türkischen Wähler, und seine Generalsekretärin mobbt einen Genossen. Der Sozialarbeiter im Parteivorstand der Grünen redet vom Stammeskrieger, die FDP-Justizministerin spricht von wirren Thesen, eine Exbischöfin von Menschenverachtung, die türkische Lobby will ihn verklagen. Alle, die den Zustand der Integration mitzuverantworten haben, rufen „Haltet den Dieb!“ und „Nicht in diesem Ton!“ und „Das nützt den Rechten“.

… Der Eindruck drängt sich auf, hier solle eine überfällige Debatte mit den bewährten Begriffen wie Rassismus und Populismus kontaminiert werden …

Klar wendet sie sich an die Muslime, denen sie vor Augen hält:

Die Muslime in Deutschland müssen sich entscheiden, ob sie mit aller Konsequenz Teil dieser Gesellschaft werden wollen oder als erste Gruppe von Migranten in die Geschichte eingehen wollen, die das Land, das sie aufgenommen hat, verachtet …

Bei sz-online.de bemerkt Kelek am Schluß des Artikels

Warum türkische Gemüsehändler mit Sarrazin kein Problem haben

… Wer die klaren Worte Sarrazins für Hetze hält, muß sich fragen lassen, ob er die Fakten kennt oder nicht längst aufgegeben hat. Ich kann mir nur wünschen, daß die künftige Bundesregierung nicht in den Fehler verfällt, vor lauter Sucht nach Erfolgen, vor lauter „best practice“ die realen Probleme unter den Teppich des sehr lobenswerten Integrationsplans zu kehren, sondern auch mal nachsieht, welche Maßnahmen sinnvoll sind und zum Erfolg führen, und mit welchen nur Lobbyisten alimentiert werden.

Und noch etwas hat die „Causa Sarrazin“ gezeigt: Wie schnell gewisse Kreise bereit sind, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit infrage zu stellen. Wenn es gelänge, einer spitzen Zunge und einem selbstbewußten Mann wie Sarrazin den Mund zu verbieten, fragt man sich, wer dann noch den Mut haben wird, sich überhaupt zu äußern? Sarrazin redet Tacheles, es ist sein gutes Recht. Zumindest das sollten wir verteidigen.

Necla Kelek hat wieder einmal – wie so oft – den Mut gezeigt, sich gegen den Strom zu stellen aus Sorge um das Deutschland, um dessentwillen sie hier lebt, für das sie die Zugehörigkeit zu ihrer Familie aufs Spiel gesetzt hat und das sie jetzt in großer Gefahr sieht, seine Werte zu verlieren.