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Ich tu das Bös und schreie selbst zuerst.
Das Unheil, das ich heimlich angestiftet,
Leg ich den andern dann zur schweren Last …
Dann seufz ich, und nach einem Spruch der Bibel
Sag ich, Gott heiße Gutes tun für Böses;
Und so bekleid ich meine nackte Bosheit
Mit alten Fetzen, aus der Schrift gestohlen,
Und schein ein Heilger, wo ich Teufel bin.
William Shakespeare Richard III.

William Shakespeare kannte solche, die – bar ir-gendeines Gewissens – zur Herrschaft gelangen.

Da haben ehrliche Gegenkräfte mit ihrem Wollen, Gutes, Heilsames zu bewirken, wenig Aussicht auf Erfolg.

Karsten Oelckers

bringt die letzte Rede Alfred Herrhausens*, die er hielt, bevor er ermordet wurde. Auch dieser Mord – so versteht der Kenner der Weltgeschichte ge-meinsam mit Shakespeare – diente selbstverständ-lich dem „Guten“.

Weil er aber wie jeder Mord so böse aussah, zeigten die Mörder mit dem Finger auf Andere, um von sich abzulenken –

und schein ein Heilger, wo ich Teufel bin.

Oelckers:

Bombenattentat auf Alfred Herrhausen (Bild: „kurz & knapp“)

Ich will hier nicht auf das Todesurteil ein-gehen, das anglo-amerikanische Banker über ihn gesprochen und dann haben vollstrecken lassen.

Ich … spürte sofort, daß dieser Anschlag nicht nur einer gegen Herrhausen war, son-dern gegen Deutschland.

Wir alle, die in der Nähe von Entschei-dungsträgern des Bankgeschäfts waren, spürten diesen Verlust quasi persönlich; tief drinnen.

Es war ein Schlag gegen Deutschland,

 

D. Rohwedder 1932-1991 (Bild: picture-alliance)

dem konsequenterweise Rohwedder folgte**.

Keiner glaubte bei beiden Morden, daß es sich um die 3. Generation der RAF handelte, die seinerzeit zuschlug …

Im „Archiv KOE“ findet man die Dokumentation der Rede.

Bankmanager Dr. rer. pol. Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, geb. am 30. Januar 1930 in Essen, ermordet am 30. November 1989 in Bad Homburg vor der Höhe (Bild: Konrad-Adenauer-Stiftung)

Dazu Oelckers vorweg***:

Diese Rede wollte Alfred Herrhausen am 4. Dezember 1989 in New York bei einer ge-meinsamen Veranstaltung der Atlantikbücke und des American Council on Germany hal-ten.

Die Rede ist sehr lang, zu lang für Adelinde. Kurz gesagt: Herrhausen bezeichnete sich selbst als „Globalist“, aber wie es bei den guten Deutschen so ist: im Sinne des Guten, des Berücksichtigens aller Völker beim Aufbau eines Wohlstandes, und nicht im Sinne der heute in ihrem Streben so deutlich er-kennbaren steinreichen Clique der alleszerstören wollenden Schöpfungsfeinde.

Herrhausen paßte nicht zu denen, vor allem zeigte er sein Herz für sein Heimatland.

Seine Hoffnung 1989:

Zudem hat der Fortschritt der EGIn-tegration bewiesen, daß freie Nationen auf freiwilliger Basis unabhängig von einer he-gemonialen Macht ihre Energien bündeln können.

Diese Erkenntnis hat die osteuropäischen Länder inspiriert und ermutigt, Selbstbestim-mung zu fordern und eigene Modelle für politische und ökonomische Reformen zu entwerfen.

Gegenwärtig erleben wir eine Reihe von Ent-wicklungen in Osteuropa, die einen ein-deutigen Bruch mit der Vergangenheit darstellen. Die Ereignisse überstürzen sich in atemberaubendem Tempo.

Michail Gorbatschows „Glasnost und „Pere-strojka haben die Sowjetunion umgekrem-pelt. In anderen Ländern Osteuropas erleben wir eine friedliche Revolution von unten.

Ungarn, Polen, Tschechoslowaken und Ost-deutsche stehen auf und verlangen Freiheit, Freiheit der Meinungsäußerung, Freiheit der Rede, Reisefreiheit, Selbstbestimmung und freie Wahlen. Kurz:

Sie verlangen Demokratie, sie verlangen „Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk.

Mit dem Teil der Rede, in der Herrhausen besonders auf sein Heimatland

Deutschland

hinwies, begann dieNew York Times“ vom 7. Januar 1990 mit dem auszugsweisen Abdruck der Rede:

Die Öffnung der Mauer hat die Frage nach der deutschen Wiedervereinigung aufgeworfen.

Vielleicht sollten wir besser „Einigung sa-gen. Nach meiner Meinung ist ein geeinter deutscher Staat unbedingt wünschenswert, nicht wegen der geographischen Größe oder der Macht, die solche Größe verleihen könnte, sondern weil dies historisch, kulturell und unter menschlichen Gesichtspunkten ein mir natürliches Bestreben ist.

… Es wäre mit Sicherheit unlogisch, wollten wir unsere Bindungen an die westliche Ge-meinschaft lockern, just zu einem Zeitpunkt, da unsere östlichen Nachbarn für die west-lichen Vorstellungen von Demokratie und für marktwirtschaftliche Systeme empfänglich ge-worden sind.

Es ist nicht verfrüht, die Möglichkeiten und Konsequenzen einer deutschen Vereinigung zu analysieren. Zwei Dinge dürfen jedoch dabei nicht außer acht gelassen werden:

Erstens ist es Sache des Volkes zu ent-scheiden, wohin es gehören will, in erster Linie Sache der Bürger der DDR. Daß ihnen die Freiheit der Selbstbestimmung gewährt wird, ist wichtiger als ein geeintes Deutsch-land.

Wenn sie dann später diese Freiheit dazu nutzen sollten, sich für engere Beziehungen zum Westen oder gar für eine Einigung zu entschließen, würde dies sicherlich in der Bundesrepublik begrüßt. Gegenwärtig (Ende 1989) aber ist die Frage immer noch absolut offen.

Zweitens: Ein solches Unternehmen wäre im Hinblick auf die enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unterschiede ein schwieriger und gewiß langdauernder Prozeß. Zwar hat die DDR in Osteuropa den höchsten Lebensstandard, doch ist die Kluft zur Bun-desrepublik beträchtlich.

Jetzt, da das Reisen zwischen den beiden deutschen Staaten in Richtung OstWest nicht mehr eingeschränkt ist, muß die DDR alles tun, um

  • die Stagnation ihrer Wirtschaft zu überwinden,

  • ihre Effizienz zu steigern, den Le-bensstandard zu verbessern

  • und ernsthaft den Schutz der Umwelt zu betreiben,

damit das Land als Heimat für seine Bürger attraktiv bleibt.

Wie läßt sich das erreichen? Unzweifelhaft hat das derzeitige starre und bürokratische Pla-nungssystem versagt. Die Wirtschaft ist in der Vergangenheit miserabel geführt worden, doch das System als solches kann wahr-scheinlich verbessert werden, jedenfalls in Grenzen.

Wirtschaftliche Verbesserungen innerhalb des Systems scheinen also möglich; gleich-wohl bezweifle ich, daß sie für den großen Sprung nach vorn ausreichen, der vonnöten ist. Ich glaube, er ist ohne eine fundamentale Reform nicht zu schaffen.

... Und damit der Preismechanismus funk-tioniert, ist Privateigentum, gepaart mit der Bereitschaft zu Risiko und Verantwortung, unentbehrlich. Jede unheilige Allianz, etwa ein sozialistisches Marktsystem, das auf dem Wettbewerb volkseigener Unternehmen be-ruht, ist zum Fehlschlag verurteilt.

Was die DDR braucht, ist eine Kombination aus drei Reformen, einer Preisreform, einer Währungsreform und einer Reform der Be-sitzverhältnisse, nämlich die Wiedereinfüh-rung des Rechts auf privates Eigentum in wichtigen Wirtschaftsbereichen.

Die Eigentumsreform wird vermutlich die schwierigste sein. Die Geschichte kennt dafür kaum eine Parallele.

Wie kann diese Reform angepackt werden?

Ich sehe hier zwei Strategien, die miteinander zu kombinieren wären. Die erste sollte die Gründung von Privatunternehmen ohne Wenn und Aber erlauben. Private Firmen könnten rasch in Märkte expandieren, die bislang ver-nachlässigt worden sind, wie Dienstlei-stungen und neue Technologien.

Sie könnten auch dort einspringen, wo Staatsbetriebe ihre eigenen Aktivitäten ein-gestellt haben. Dieser Ansatz hätte den Vorteil, daß er sofort realisiert werden könnte.

Das zweite Vorgehen müßte eine umfassende Privatisierung der Staatsbetriebe sein. Dies wäre am leichtesten zu erreichen, wenn sich die großen Kombinate in Aktiengesellschaf-ten umwandelten und ihre Anteile privaten Investoren anböten.

Dabei könnten Mitarbeiter bevorzugt berück-sichtigt werden.

Die Reform der Preisbildung, der Währung und der Eigentumsrechte würde enorme ge-sellschaftliche Umschichtungen in der DDR zur Folge haben.

Viele Menschen im Osten, darunter führende Vertreter der Oppositionsgruppen, sind be-sorgt über die sozialen Kosten eines solchen Wandels, zumal wirtschaftlicher Erfolg mit Sicherheit nicht sogleich spürbar wäre.

Ich bin jedoch davon überzeugt, daß, sofern im Osten ein adäquates Umfeld geschaffen wird und der Westen entsprechende Unter-stützung gewährt, die DDRWirtschaft und auch die anderen östlichen Volkswirtschaften ein eindrucksvolles Wachstum erleben wer-den.

Ich glaube, speziell die DDR könnte innerhalb von etwa zehn Jahren den westlichen Le-bensstandard erreicht haben.

Als Folge der Veränderungen im Osten stehen auch der Bundesrepublik Probleme ins Haus, insbesondere hat sie mit dem gewaltigen Übersiedlerstrom aus Ostdeutschland und der Zuwanderung deutschstämmiger Personen aus Rußland, Polen und anderen osteuropä-ischen Ländern fertig zu werden.

Schätzungsweise werden in den Jahren 1988 und 1989 etwa 850.000 Deutsche aus dem Osten in die Bundesrepublik gekommen sein. Das entspricht immerhin fast 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Diese Einwanderungswelle hat bei manch einem Bürger Besorgnis erregt. Besonders Arbeits und  Wohnungssuchende fürchten, daß der Zustrom ihre Chancen verringert.

Diese Sorgen sind verständlich, doch unbe-gründet pessimistisch. Sie entspringen stati-schem Denken und lassen die Tatsache unberücksichtigt, daß Bevölkerungszunahme und eine wachsende Zahl von Berufstätigen die Wirtschaft nachhaltig stimulieren.

Ein Strom von Menschen fremder Kulturen, wie er uns durch die DDR-Ideologin und spätere Bundes-kanzlerin Merkel eingebrockt wurde, lag Herrhausen damals offenbar fern.

Er dachte an Deutsche, die 40 Jahre Zwangs-herrschaft im Kommunismus am eigenen Leibe erlebt hatten. Dennoch waren sie besser daran gewesen als Westdeutschland: Sie waren mit Deut-schen unter sich, der Westen war bereits durchsetzt mit Ausländern.

Was uns die rote Merkel dann bescherte, das sprunghafte Zunehmen von Zahl und Einfluß Frem-der in Deutschland, das Verderben unserer Heimat und Kultur, war damals noch nicht absehbar.

Vor allem diejenigen, die aus der DDR kommen, sind gut ausgebildet. Sie sind be-reit, hart zu arbeiten, um hier gut leben zu können.

… Wie nun soll der Westen einschließlich der Bundesrepublik auf die Veränderungen in Osteuropa reagieren? Ich meine, wir sollten uns darüber einig sein, daß der Erfolg der Perestrojka auch im Interesse des Westens liegt.

Und nun kommt die echt deutsche Träumerei:

Sie wird die Erde zu einem friedvollen Planeten machen.

Sie wird Mittel, die in der Rüstung gebunden sind, freisetzen und für nützlichere, fried-liche Zwecke wie Umweltpolitik und Entwick-lungshilfe verwendbar machen.

Ein zweites versteht sich von selbst: Wir können nur Länder unterstützen, die diese Hilfe selbst wünschen.

Als 1989 begann, dachten viele von uns, es würde wieder ein ganz gewöhnliches Jahr, trotz der Tatsache, daß

  • genau 200 Jahre zuvor der Sturm auf die Bastille die Französische Revolution eingeleitet hatte,

  • 75 Jahre zuvor der Erste Weltkrieg ausgebrochen war und

  • uns vor 50 Jahren Hitler in den Zweiten Weltkrieg stürzte. 

Mit der Kriegsschuld zeigt er sich als Kind seiner Zeit. Wer alles daran beteiligt war, uns in den Krieg zu stürzen, das wurde erforscht, wenn auch – wohlweislich – nicht propagiert.

Heute aber wissen wir, daß die Geschichte 1989 als das bedeutendste Jahr seit dem Ausbruch des Kalten Krieges ausweisen wird.

Der amerikanische Politikplaner Fukujama empfand die Ereignisse von 1989 als so eindrucksvoll, daß er öffentlich erklärte, nun sei „das Ende der Geschichte erreicht.“ Er begründet diese überraschende Behauptung so:

Der Kommunismus ist am Ende, bekämpft und besiegt vom Konzept der offenen Ge-sellschaft und der privatwirtschaftlich orien-tierten Marktsysteme.

Das läßt sich durchaus so sehen.

Ohne Zweifel muß der Sozia-lismus in seiner konkreten hi-storischen Form abdanken, ein Sozialismus der bürokratischen, zentralen Planung und der um-fassenden staatlichen Kontrolle aller wirtschaftlichen und gesell-schaftlichen Aktivitäten.

Und doch wurde er heute wieder neu bei uns eingerichtet. Er ist das uralte System einer uralten geheimen Weltmacht, die keine freien Menschen gebrauchen kann. Sie steht hinter den Politpuppen im heutigen Deutschland.

Doch der Kampf für offene Gesellschaften ist damit noch nicht ausgestanden. Zum einen können wir nicht sicher sein, daß im Osten nicht eine orthodoxe Konterrevolution statt-findet.

Zum anderen sind viele Leute von einem auf Volkseigentum basierenden Pseudomarktsy-stem fasziniert, und die Abneigung gegen den Kapitalismus ist in manchen, vor allem intellektuellen Kreisen ungebrochen. Mithin werden die Wirtschaftssysteme weiterhin im Wettbewerb stehen.

Drittens ist das westliche Wirtschaftssystem selbst keineswegs für alle Zukunft gesichert.

Wir beobachten immer wieder Tendenzen, die interventionisti-schen Maßnahmen das Wort zu reden, eine nivellierende Politik zu betreiben, die Leistung und Initiative bestraft, und den Staat zu ermächtigen, sich in den Pri-vatbereich einzumischen.

Da stehen wir heute: ehemalige und neue – auch grün angestrichene Kommunisten – gehorchen über-staatlichen, auf ungeheuren Bergen von Geld und Gold sitzenden Kommunisten, die die Welt gleich-machen und beherrschen wollen.

In den achtziger Jahren haben Maßnahmen der Angebotspolitik, wie Privatisierung, Dere-gulierung und Liberalisierung, verbunden mit Steuersenkungen und Preisstabilität die westlichen Volkswirtschaften erneuert.

Doch sollten wir uns dessen bewußt sein, daß dies eine nie endende Aufgabe ist. Freiheit und Offenheit, die damit einhergeht wird uns nicht geschenkt.

Die Menschen müssen darum kämpfen, immer wieder.

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Anmerkung
*) Wikipedia: „Alfred Herrhausen war ein deutscher Manager und Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Unter seiner Führung stieg die Deutsche Bank durch strategische Umstrukturierungen und Zukäufe in die Spitzengruppe der internationalen Geschäftsbanken auf.“
**) Richard von Weizsäcker: „Kaum einer sah von Beginn an die Schwierigkeiten so deutlich wie Rohwedder. Ihm war das gewaltige Ausmaß der notwendigen Umstellungen (bei der Vereinigung von DDR und BRD) mit ihrem Zeitbedarf und ihren tief einschneidenden sozialen Wirkungen vollkommen bewußt. Um so kraftvoller bemühte er sich darum, die Menschen materiell und seelisch nicht unter die Räder kommen zu lassen.“
***) Karsten Oelckers: „Autorisiert ist die englischsprachige Fassung, die nie veröffentlicht worden ist. Diese deutsche Fassung der Rede entnahmen wir den ,Auszügen aus Presseartikeln Nr. 97‘ der Deutschen Bundesbank, die am 8. Dezember 1989 in Frankfurt am Main erschienen sind.
Diese Publikation bezog sich auf den in der Wochenzeitschrift ,Die Zeit‘, Hamburg, am 8. Dezember 1989 veröffentlichten Text.
Entnommen: EIRNAStudie: Strategie der Spannung Juni 1993 (Executive Intelligence Review Nachrichtenagentur GmbH, Wiesbaden“

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