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Ahnenstätte Seelenfeld

Die Ahnenstätte Seelenfeld

Eine  Dokumentation im geschichtlichen Zusammenhang

Als dem Verfasser gegenüber ein ehemaliger Klassenkamerad, Horst Hirschler, Abt des Klosters Loccum und früherer Landesbischof von Hannover, einmal die Ahnenstätte See-lenfeld als „Germanenfriedhof“ bezeichnete, sprach er dies, gewiß innerlich distanziert, aber völlig wertfrei und ohne hämischen Unterton aus.

Friedhof bedeutet nach allgemeinem Verständnis eine Stätte der Stille, der Besinnlichkeit, der Erinnerung und der Trauer. Aber wieso Germanen?

Richtig: Die vor über 90 Jahren entstandene Begräbnisstätte befindet sich auf dem Gebiet eines ehemaligen bronzezeitlichen Hügelgrä-berfeldes[1], das im Ersten Weltkrieg zur landwirtschaftlichen Nutzung fast vollständig eingeebnet worden war.

Ein denkmalgeschütztes Hügelgrab ist jedoch auf dem neuerworbenenen Anschlußgelände erhalten geblieben, was dem Begriff „Ahnen-stätte“ in besonderer Weise zusätzliche Be-rechtigung verleiht.

Die Ahnenstätte Seelenfeld galt jahrzehnte-lang als kulturhistorisches Kleinod der Ge-meinde, eingebettet in anmutiger, bewaldeter Landschaft. Sie war gewissermaßen integriert und kein Streitpunkt oder Störfaktor, denn der Trägerverein unter Udo Davids Leitung pflegte stets den harmonischen Kontakt zu Bewohnern und Gemeindevertretern.

 

Ahnenstätte Seelenfeld (https://melanie-wege.jimdoweb.com)

Wer die Ruhe der Stätte auf sich wirken ließ und den Duft der Heideblüten verspürte, dem Gesang von Baumpieper und naher Feldlerche lauschte, dem konnten die Verse des Dichters Theodor Storm in den Sinn kommen:

„Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.“

Doch das sollte sich in den letzten Jahren ändern, als der Lärm aufgeregter Zeitge-nossen und Kritiker der Anlage voller Arg-wohn, mit Verdächtigungen und Unterstel-lungen, ja mit verschwörungstheoretischen Behauptungen die Ahnenstätte in den Fokus der Öffentlichkeit rückten.

Die Medienberichterstattung heizte die Diskussionen immer wieder erneut an und forderte dazu auf, das anscheinend Ge-heimnisumwitterte „wissenschaftlich“ zu ergründen.

Bereits Ende der 90er Jahre legte im Hinblick auf die Gestaltung der Anlage Prof. Dr. Joachim Wolschke-Bulmahn vom Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur der Universität Hannover eine kritische Analyse vor.

In einer Untersuchung „Nature and Ideology“ widmete er auch ein eigenes Kapitel den Ahnenstätten Hilligenloh und Seelenfeld. Damit liegt allerdings insofern eine bemer-kenswerte Verbindung vor, als immerhin durch seine Ehefrau Edelgard Bulmahn, sei-nerzeit Bundesbildungsministerin (SPD) im Kabinett Gerhard Schröder, familiäre Beziehungen zur Ahnenstätte Seelenfeld bestehen.

Denn Frau Bulmahns Großvater Heinrich Böse war in den Anfangsjahren federführend für die Ahnenstätte Seelenfeld tätig, wie das folgende Faksimile-Dokument belegt.

Die verkleinerte Wiedergabe einer hand-schriftlichen Bescheinigung mit der Unter-schrift Heinrich Böses weist im Siegel ein winziges  „Sonnenrad“-Symbol auf, das keinesfalls auf eine NS-Gesinnung des Vereins hindeutet. Ähnlicher Sinnbilder bedienten sich seinerzeit die unterschied-lichsten „völkischen“ Gruppierungen. Von Heinrich Böse aber war dessen „regime-kritisches Engagement“ allgemein bekannt („Mindener Tageblatt“ vom 20. Oktober 1998).

Vor einer Reihe von Jahren traf der Verfasser einmal zufällig auf der Ahnenstätte Seelen-feld die Frau Bundesbildungsministerin Edel-gard Bulmahn persönlich an, nachdem sie das Grab ihres Großvaters Heinrich Böse besucht hatte. In deutlicher Erinnerung geblieben ist vor allem die behutsame Art, wie sie zum Schluß das Eingangstor zur Ahnenstätte hinter sich schloß.

Wenden wir uns aber zunächst der Frage zu, wann und unter welchen geschichtlichen Umständen es zur Gründung der Ahnenstätte Seelenfeld kam.

Geschichtliche Bedingungen

Die grundlegende Frage lautet: Warum kam es überhaupt zur Gründung religionsloser, nichtchristlicher Begräbnisstätten? Bestand dazu eine Notwendigkeit?

Man muß sich in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) versetzen, in eine Zeit allgemeiner Not des deutschen Volkes mit den heute unvorstellbaren existenziellen Be-lastungen infolge der wirtschaftlichen wie seelischen Folgen durch den Versailler „Friedensvertrag“ von 1919.

Aber dies war zugleich eine Zeit des Um-bruchs mit einer freiheitlich-demokratischen Verfassung der Weimarer Republik, die allen Deutschen nach dem Vorbild des Verfas-sungsentwurfs der Frankfurter Paulskirche von 1849 erstmals Grundrechte und -freiheiten sicherte.

Insofern ist auch die Ahnenstätte Seelenfeld als Konsequenz eines allgemeinen Emanzi-pationsprozesses zu betrachten und zu werten. Sie war entstanden als Reaktion einer Gruppe Einheimischer, einer Art „Bürgerini-ative“ im Kirchspiel Windheim auf aktuelle Ver-hältnisse und Fragestellungen, die sich in den zwanziger Jahren aufdrängten und einer Lösung bedurften.

Immerhin gab es ein Friedhofsproblem:

– Wer darf auf dem evangelischen Friedhof Windheim bestattet werden und wer nicht?

– Welche „Gastleichen“ [2] können geduldet werden und welche nicht?

– Ist eine Beerdigung eine „sakrale Handlung“ oder nicht?

– Gehört ein Leichnam der Kirche oder den Angehörigen?

– Ist es erlaubt, am offenen Grab zum Ab-schied ein „weltliches“ Lied anzustimmen oder nicht?

Derartige Fragen wurden in Windheim damals autoritär und herkömmlich nach dem „Thron-und-Altar-Prinzip“ [3] der Kaiserzeit ent-schieden.

In dieser Auseinandersetzung fand mancher Ratsuchende Orientierung durch den von General Erich Ludendorff ins Leben gerufenen Tannenbergbund e.V. (seit 18.10.1925), eine Organisation eigener Art, die dazu aufrief, Deutschland nach der Niederlage 1918 zu erneuern.

Der 1927 erfolgte Austritt General Erich Ludendorffs aus der evangelischen Kirche hatte für viele „Tannenberger“ große Bedeutung.

Weltanschauliche Klarheit auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse wurde für erstrebenswert gehalten, so daß die Frage nach Loslösung von der christlichen Glau-benslehre sich in Windheim verstärkend auf die Kontroverse mit dem Ortsgeistlichen auswirkte.

Im Frühjahr 1929 wurde eine „Ortsgruppe Döhren“ des Tannenbergbundes gegründet, geleitet von dem Döhrener Bürger [1].

Im Spätsommer desselben Jahres faßten Bauern aus Seelenfeld den Entschluß, nach den Möglichkeiten der Weimarer Verfassung einen eigenen Friedhof anzulegen. Der Kreis der Interessierten erweiterte sich alsbald deutlich.

Die Frage einer Anlage wurde in Seelenfeld 1929/30 erörtert mit dem Ergebnis, den Schirmherrn des Tannenbergbundes, General Ludendorff, zu Rate zu ziehen. 

Denn deutschlandweit wurden diejenigen, die den monotheistischen Glauben nicht mehr vertreten konnten und aus der Kirche austra-ten, diskriminiert, verleumdet, als „Neuhei-den“ verketzert und massiv benachteiligt.

Deshalb gründete Erich Ludendorff neben dem Tannenbergbund einen mehr welt-anschaulich orientierten Verein, „Deutsch-volk“ e.V. genannt, in dem sich reichsweit Kirchenfreie sammeln konnten. Zielsetzung war, die Gleichstellung mit den anderen Glaubensgemeinschaften in Staat und Gesellschaft zu erreichen.

Im Rahmen ihrer Vortragstätigkeit wurde General Ludendorff gemeinsam mit seiner Ehefrau Dr. med. Mathilde Ludendorff auch nach Seelenfeld eingeladen.

Am 2. Juni 1930 hielten sie vor 2000 Zuhö-rern in vier Zelten Vorträge. Der General sprach über die gestaltenden Mächte der Geschichte, Frau Dr. Ludendorff über die Rolle der Frau in Volk, Gesellschaft und Staat sowie über das Wesen des Christentums.

Am Abend sprachen die örtlichen Tannen-berger in kleiner Runde auch die Friedhofs-problematik Windheim an und trugen dem General ihre Nöte vor.

Ludendorff ließ seine preußischen Kameraden nicht im Stich – auch die Herren Büsching und Kleinschmidt hatten wie er selbst einst im Seebataillon gedient – und übernahm die Schirmherrschaft zur Errichtung eines heidni-schen Friedhofes unter Federführung des Vereins „Deutschvolk“ e.V., Sitz München, Reg.-Nr. 3113.

Er erteilte die erforderlichen Vollmachten, und da dem Verein kein Geld zur Verfügung stand, war Grundbedingung, daß „die See-lenfelder sämtliche Kosten selbst tragen mußten (Eigenleistung)“. 1931 erfolgte die Genehmigung durch die Bezirksregierung Minden.

General Ludendorffs Vollmachtserklärung zum Parzellenkauf 1930

Antrag auf Genehmigung durch den Bevollmächtigten Lehrer Peithmann

Übertragung der Vollmacht an den Gemeindevorsteher Heinrich Büschung in Seelenfeld – Verwaltung 1930 bis 1937

Grundbuchamtlich war die Ahnenstätte als Anlage auf den Verein „Deutschvolk e.V.“, München. eingetragen. Damals war General Ludendorff als Vereinsvorsitzender auch Vorsitzender der Ahnenstätte, für die vor Ort der Ortsvorsteher Heinrich Büsching als Stättenwart in Seelenfeld zuständig war.

Nachdem mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und mit der Errichtung der NS-Diktatur durch das sog. „Ermächtigungsgesetz“ vom 23. März 1933 infolge einer Selbstausschaltung des Parlaments durch Zweidrittelmehrheit Gleichschaltung und Willkürherrschaft in Deutschland die politische Lage bestimmten, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Publikationen des Hauses Ludendorff betroffen waren.

Am 23. September 1933 wurden aufgrund der berüchtigten Notverordnung des Reichs-präsidenten vom 28. 2. 1933 der Tannen-bergbund und der Verein Deutschvolk verboten,

„weil die Gefahr vorhanden wäre, daß kommunistische Elemente in dem Tan-nenbergbunde und dem Verein Deutsch-volk Unterschlupf finden könnten. […] Das Verbot war ein Akt der Gewalt, um die Gleichschaltung widerstrebender Verbände durchzuführen.“ [4]

Wenn Prof. Wolschke-Bulmahn öffentlich behauptet,

„daß nur wenige Jahre später das Verbot nicht mehr galt“, [5]

dann ist ihm zumindest ein  fahrlässiger Um-gang mit historischen Tatsachen vorzuhalten. Aber davon wird später noch die Rede sein.

Für die bisherigen Vereinsmitglieder und die Ahnenstätte folgte mit dem Verbot ein Zu-stand der Ungewißheit. Außerdem mußten drei Seelenfelder Gemeinderatsmitglieder, der Ortsvorsteher, sein Stellvertreter und ein weiteres Mitglied Ende 1933 ihre Ämter niederlegen, obwohl sie im März 1933 wiedergewählt worden waren.

Sie wurden im Januar 1934 vom Amtsbürger-meister in Lahde offiziell entpflichtet und ihres Amtes enthoben. Dem Gemeinderat Seelenfeld wurde ein nichtgewählter „NS-Stützpunktleiter“, ein überzeugtes NSDAP-Mitglied im Schuldienst, beigegeben.

Hinsichtlich der Ahnenstätte nahmen die Verantwortlichen die Haltung ein: „Abwarten und Weitermachen“.

Der Verein Deutschvolk e.V. wurde über die politische Polizei im Münchner Registerge-richt 1935 liquidiert (s. S. 9), die Ahnenstätte jedoch nicht enteignet, eingezogen oder umgewidmet.

Die Ahnenstätte ist nach Maßgabe des Landschaftsarchitekten Rudolf Bergfeld (1873-1941) eingemessen für hundert Familien-Erbbegräbnisstellen und fünfzig Einzelgrabstellen mit bis zu zwei Bestat-tungsmöglichkeiten.

In der Zeit von 1931 bis Februar 2019 sind insgesamt 319 Bestattungen erfolgt, stati-stisch gesehen in 88 Jahren jeweils 3,6 jährlich. Das Jahr mit der Höchstzahl ver-zeichnet 9 Bestattungen in einem Kalenderjahr.

Das verdeutlicht, daß die Ahnenstätte kein kommunaler Friedhof mit allgemeiner Bestattungspflicht ist, sondern eine rein private Anlage einer Interessengemeinschaft.

Wie bereits erwähnt, lagen die Ursprünge im Windheimer Kirchenstreit, in den Erklärungen des Pastors Hof, daß jeder Kirchenaustritt den Verlust der Nutzungsrechte an Grabstel-len und damit das Bestattungsrecht auf dem evangelischen Friedhof zur Folge habe.

Somit war die Notwendigkeit gegeben, für Konfessionslose eine eigene Anlage zu schaffen. Einen weltanschaulich neutralen Friedhof gab es weder in Lahde noch in Neuenknick, Loccum gehörte zur Hannover-schen Landeskirche.

So ist die Ahnenstätte Seelenfeld entstanden als Bestattungsanlage für weltanschaulich selbständige, keiner Religionsgemeinschaft angehörige Menschen.

Die persönlich gestalteten Trauerfeierlich-keiten unterscheiden sich aus dem Grunde ganz wesentlich von den Trauergottes-diensten der Kirchen.

Die besondere Bedeutung der Entstehung der Ahnenstätte Seelenfeld liegt vor allem darin, daß philosophische Betrachtungen über das Werden des Weltalls, über den Sinn des Le-bens und des Todes seit 1921 auf neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen.

Frau Dr. Mathilde Ludendorff gab keine neue „Religion“ und auch keine „Ideologie“ einer irgendwie gearteten „Esotherik“, vielmehr gründet ihre Philosophie auf den Erkennt-nissen der bekannten Philosophen Immanuel  Kant (1724 – 1804) und Arthur Schopenhauer (1788 – 1860).

Wenigstens im Überblick sollten dem Leser die Titel der Werke vorgestellt werden, ohne Einzelheiten im Rahmen dieser Ausführungen zu erläutern:

Die philosophischen Werke Mathilde Ludendorffs

  • Triumph des Unsterblichkeitwillens (1921, 327 S.)

Der Seele Ursprung und Wesen

  • Teil: Schöpfungsgeschichte (160 S.)

  • Teil: Des Menschen Seele (320 S.)

  • Teil: Selbstschöpfung (292 S.)

Der Seele Wirken und Gestalten

  • Teil: Des Kindes Seele und der Eltern Amt. Eine Philosophie der Erziehung (475 S.)

  • Teil: Die Volksseele und ihre Machtgestalter. Eine Philosophie der Geschichte (516 S.)

  • Teil: Das Gottlied der Völker. Eine Philosophie der Kulturen (462 S.)

Das Jenseitsgut der Menschenseele

  • Teil: Der Mensch – das große Wagnis der Schöpfung (281 S.)

  • Teil: Unnahbarkeit des Vollendeten (300 S.)

  • Teil: Von der Herrlichkeit des Schöpfungszieles (380 S.)

  • In den Gefilden der Gottoffenbarung (370 S.)

  • Das Hohe Lied der göttlichen Wahlkraft (264 S.)

Außerdem:

  • Der Siegeszug der Physik – ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke (295 S.)

  • Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke

  1. Band (362 S.)

  2. Band (260 S.)

Warum „Gotterkenntnis“?

Der große Königsberger Philosoph Immanuel Kant hat die Grenzen der menschlichen Vernunft innerhalb der Kategorien Zeit, Raum und Kausalität (Ursächlichkeit) erkannt und aufgezeigt.

Jenseits der den Sinnen und der Vernunft zugänglichen  Erscheinungswelt bleibt nach Kant „das Ding an sich“, wie er es nannte, dem Menschen unerreichbar.

Es ist nun das besondere Verdienst der Philosophin Mathilde Ludendorff, jenseits der Grenzen des Ver-nunfterkennens die gött-liche Bedeutung des „Dings an sich“ als seelisch erlebbar nachgewiesen zu haben.

Das Göttliche ist demnach nur mit der menschlichen Seele  zu erleben, sofern sie sich individuell diesem Reichtum öffnet im Schönen, Guten und Wahren, in der Natur wie im Kunstwerk, vor allem in der Musik.

Davon war auch Ludwig van Beethoven (1770-1827) überzeugt mit seiner Aussage (sinngemäß zitiert):

„Höheres gibt es nicht, als dem Göttli-chen näher zu sein als andere Menschen und von hier aus die Strahlen der Gott-heit unter dem Menschengeschlecht zu verbreiten.“

Die angeborene menschliche Unvollkom-menheit erkannte Mathilde Ludendorff als sinnvoll, da jedem Menschen, unabhängig von seiner Volkszugehörigkeit, die Mög-lichkeit zum seelischen Wandel gegeben ist.

Der Dichter Friedrich Schiller (1759-1805) brachte in einem Sinngedicht (Epigramm) diesen Zusammenhang klar zum Ausdruck:

„Suchst du das Größte, das Höchste? Die Pflanze kann es dich lehren: Was sie willenlos ist, sei du es wollend. Das ist’s“.

Hier wie an anderen Stellen im Gesamtwerk Mathilde Ludendorffs klingt die Bedeutung von Schopenhauers „Willen“ an. In der „Schöpfungsgeschichte“ über den Sinn des Weltalls heißt es:

„Am Anfang war der Wille Gottes zur Bewußtheit“.

Auch in überlieferter indischer Weisheit ist die Vorstellung von göttlichen Wesensent-hüllungen deutlich ausgesprochen:

„Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen“.

„Gottesbewußtsein“ nennt es Mathilde Ludendorff, die in ihren Werken die Ent-wicklung vom potentiell unsterblichen Einzeller nachgewiesen hat, daß mit der Entstehung des Mehrzellers die  Notwen-digkeit des Alterstodes eingetreten ist.

Jeder Mensch hat nur vor seinem Tod die Möglichkeit seelischer Entwicklung zur Überwindung der angeborenen Unvoll-kommenheit, sich dem Reichtum göttlichen Erlebens zu öffnen.

Die Vorstellung von einem Weiterleben nach dem Tod ist nach Kants Definition ein Ver-nunftirrtum, mit der Tatsächlichkeit unver-einbar. Andererseits mahnt die Philosophin zu Beginn ihres ersten Werkes „Triumph des Unsterblichkeitwillens“ (Erstauflage 1921):

„Ich werde euch zu heil’gen Höhen führen,
Doch schreitet leise, daß ihr sie nicht stört,
Die in den alten Tempeln gläubig knien,
Das Göttliche erlebend.“

Dem häufiger im Gesamtwerk der Philosophin anzutreffenden Motiv einer Bergwanderung ist auch der sog. „Deutschvolk“-Adler zuzuordnen.

Adler – Sinnbild der Ludendorff-Bewegung auf der Ahnenstätte Seelenfeld (https://melanie-wege.jimdoweb.com)

Als Sinnbild für Geistes-freiheit und Höhenflug behielt er seine ursprüng-liche Bedeutung nach dem Vereinsverbot bei.

Keineswegs weist er auf Überheblichkeit hin, noch ist das Sinnbild im gering-sten mit irgendeiner Art von Aggressivität oder Radikalismus in Verbindung zu bringen. Nicht räumliche Enge, sondern Weitblick ist dem Adler in der freien  Natur eigen und damit ein geschärfter Sinn. Was kann daran anstößig sein?

Aufgrund des Verbots durch die NS-Macht-haber wurde erst im Dezember 1936 ein neuer Verein gegründet, der als Trägerverein und Grundeigentümer der Ahnenstätte Seelenfeld mit Eintragung am 9. April 1937 beim Amtsgericht Bad Oeynhausen (s. S. 13) die Nachfolge antrat, der „Ahnenstättenverein Niedersachsen eV.“.    

In Seelenfeld kam es vor Ort dabei zu keinen Veränderungen.

Die Eintragungen im Bestattungsbuch weisen für den Zeitraum vom 1933 bis 1937 nur zwei Bestattungen aus.

______________

Anmerkungen

[1]Bronzezeit: Epoche der Vor- und Frühgeschichte in Mitteleuropa etwa von 1800 bis 800/700 v. Ztw.

[2]Dies war ein kirchlicher Ausdruck für „ungläubige“ Verstorbene. Nach damaliger Auffassung verlor derjenige, der aus der Kirche ausgetreten war, das Bestattungsrecht auf einem evangelischen Friedhof.

[3]Metapher für das Zusammenwirken von weltlicher und geistlicher Herrschaft.

[4]Erich Ludendorff: Meine Lebenserinnerungen 1933-37, Bd. 3  Pähl 1955, S. 50

[5]Mindener Tageblatt, 29.6. 2018

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