Erinnerungen an Philipp Jenninger
Dienstag, 6. August 2024 von Adelinde |
Wer erinnert sich heute noch an Philipp Jenninger und sein poli-tisches Schicksal, das schon vor 36 Jahren in der BRD durch die Berührung eines Tabuthemas be-siegelt wurde, ein Tabuthema, das heutzutage – mehr noch als damals – den Sprecher in Mißkre-dit bringen und ihm eine straf-rechtliche Verfolgung einbringen kann?
In unserer schnellebigen Zeit vergißt der Normalbürger das Vergangene. Das erleichtert den politisch Handelnden oft, Gleiches zu wiederholen, auch wenn es dem Volk Schaden zugefügt hat.
Philipp Jenninger brachte Zusammenhänge des Ge-schehens in der Vergangenheit, die uns bis zum heutigen Tage um die Ohren geschlagen wird, in Erinnerung, um in der Beziehung zum Frieden im Miteinander zu gelangen.
Thomas Engelhardt
erinnert sich:
Philipp Jenninger: Philipp Jenninger (* 10. Juni 1932 in Rindelbach/Jagst; † 4. Januar 2018 in Stuttgart) war ein deutscher Politiker (CDU).
Jenningers Rede (als Bundestagspräsident) zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht 1988 erzeugte einen Skandal, der zu seinem sofortigen Rücktritt vom Amt des Bundes-tagspräsidenten führte.
Jenninger wollte in seiner Rede den Zuhörern die Weltsicht und Gefühlslage der Täter und der untätigen Zeugen nahebringen und das politische Klima nachvollziehbar machen, in dem es zur „Reichskristallnacht“ kommen konnte.
Dies erfolgte nach Jenningers Angaben auf Anregung des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Werner Nachmann, der ihm gegenüber darlegte, er höre von jungen Leuten in Deutschland im-mer wieder, sie bekämen keine Antwort auf die Frage, wie es eigentlich „zu Hitler gekom-men“ sei.
Jenninger machte in seiner Rede, die zu-nächst von vorher unabhängig vom Wortlaut der Rede geplanten Zwischenrufen aus der Fraktion der Grünen gestört wurde, häufig von den Stilmitteln der direkten und der er-lebten Rede Gebrauch und benutzte dabei teilweise Diktion und Vokabular der Nazipro-paganda, um die damals verbreiteten Denk-muster zu illustrieren.
Abgeordnete von Grünen, SPD und FDP ver-ließen noch während der Rede aus Protest den Plenarsaal. Das mediale Echo in Deutschland, bei dem es zu falschen Zitaten und unzulässigen Verkürzungen kam, war verheerend. Unter diesem Eindruck trat Jenninger bereits am darauffolgenden Tag vom Amt des Bundestagspräsidenten zurück.
Die Rede am 10. November 1988 im Deut-schen Bundestag von Philipp Jenninger (CDU), später auch bekannt als Jenninger-Rede, wurde von dem damaligen Bundestagsprä-sidenten zum 50. Jahresgedenken der No-vemberpogrome 1938 gehalten.
Jenninger hatte erstmals versucht, mit der Lebenslüge aufzuräumen, nach der Adolf Hitler mit einer verbrecherischen Entourage (Umgebung) Macht über die Deutschen ge-wonnen und das Volk (angeblich gegen dessen Wissen und Willen) ins Verderben geführt habe.
Ein vor der Rede geplanter und unabhängig vom Inhalt der Rede durchgeführter Protest führte zu einem Proteststurm innerhalb und außerhalb Deutschlands und zum Rücktritt Jenningers am darauffolgenden Tag.
Im besonders stark kritisierten Abschnitt der Rede legte Jenninger in einer Art Schuldbe-kenntnis dar, mit welchen Gedankengängen viele Deutsche den Nationalsozialismus sei-nerzeit entschuldigten und in ihn verstrickt waren:
„Für die Deutschen, die die Weimarer Republik überwiegend als eine Abfolge außenpolitischer Demütigungen emp-funden hatten, mußte dies alles (Erfolge Hitlers) wie ein Wunder erscheinen.
Und nicht genug damit: aus Massenar-beitslosigkeit war Vollbeschäftigung, aus Massenelend so etwas wie Wohlstand für breiteste Schichten geworden. Statt Ver-zweiflung und Hoffnungslosigkeit herrschten Optimismus und Selbstver-trauen.
Machte nicht Hitler wahr, was Wilhelm II. nur versprochen hatte, nämlich die Deut-schen herrlichen Zeiten entgegenzufüh-ren? War er nicht wirklich von der Vorse-hung auserwählt, ein Führer, wie er einem Volk nur einmal in tausend Jahren geschenkt wird?“
„Sicher, meine Damen und Herren, in freien Wahlen hatte Hitler niemals eine Mehrheit der Deutschen hinter sich ge-bracht. Aber wer wollte bezweifeln, daß 1938 eine große Mehrheit der Deutschen hinter ihm stand, sich mit ihm und seiner Politik identifizierte?
Gewiß, einige ‚querulantische Nörgler‘ wollten keine Ruhe geben und wurden von Sicherheitsdienst und Gestapo ver-folgt, aber die meisten Deutschen und zwar aus allen Schichten – aus dem Bür-gertum wie aus der Arbeiterschaft – dürf-ten 1938 überzeugt gewesen sein, in Hitler den größten Staatsmann unserer Geschichte erblicken zu sollen.“
„Und noch eines darf nicht übersehen werden: Alle die staunenerregenden Er-folge Hitlers waren insgesamt und jeder für sich eine nachträgliche Ohrfeige für das Weimarer System.
Und Weimar war ja nicht nur gleich-bedeutend mit außenpolitischer Schwäche, mit Parteiengezänk und Regierungswechseln, mit wirtschaft-lichem Elend, mit Chaos, Straßen-schlachten und politischer Unordnung im weitesten Sinne, sondern Weimar war ja auch ein Synonym für Demokratie und Parlamentarismus, für Gewaltenteilung und Bürgerrechte, für Presse- und Versammlungsfreiheit und schließlich auch für ein Höchstmaß jüdischer Emanzipation und Assimilation.“
„Das heißt, Hitlers Erfolge diskreditierten nachträglich vor allem das parlamenta-risch verfaßte, freiheitliche System, die Demokratie von Weimar selbst. Da stellte sich für sehr viele Deutsche nicht einmal mehr die Frage, welches System vorzu-ziehen sei.
Man genoß vielleicht in einzelnen Le-bensbereichen weniger individuelle Freiheiten; aber es ging einem persönlich doch besser als zuvor, und das Reich war doch unbezweifelbar wieder groß, ja, größer und mächtiger als je zuvor. –
Hatten nicht eben erst die Führer Groß-britanniens, Frankreichs und Italiens Hitler in München ihre Aufwartung ge-macht und ihm zu einem weiteren dieser nicht für möglich gehaltenen Erfolge verholfen?“
„Und was die Juden anging: Hatten sie sich nicht in der Vergangenheit doch eine Rolle angemaßt – so hieß es damals –, die ihnen nicht zukam? Mußten sie nicht endlich einmal Einschränkungen in Kauf nehmen? Hatten sie es nicht vielleicht sogar verdient, in ihre Schranken gewie-sen zu werden?
Und vor allem: Entsprach die Propaganda – abgesehen von wilden, nicht ernstzu-nehmenden Übertreibungen – nicht doch in wesentlichen Punkten eigenen Mutma-ßungen und Überzeugungen?“
„Und wenn es gar zu schlimm wurde, wie im November 1938, so konnte man sich mit den Worten eines Zeitgenossen ja immer noch sagen: ‚Was geht es uns an? Seht weg, wenn euch graust. Es ist nicht unser Schicksal.‘“
Adelinde: Damals, weit vor der Zeit Merkels als Bundeskanzlerin, galt noch das Grundgesetz. Heute gilt es zwar immer noch, ist aber – wie es scheint – bei der Rechtsprechung in manchen Fällen bedeu-tungslos geworden.
Damals konnte man Jenninger von Gesetzes wegen nicht strafrechtlich verfolgen, denn die freie Äuße-rung der eigenen Meinung ist ein Grundsatz von Freiheit und Menschenwürde, die vom Grundgesetz geschützt werden sollen und damals noch geschützt wurden.
Wie wir sehen, war es damals wieder einmal die Linke in ihrer langen Überlieferung, dem Volk in den Rücken zu fallen, die mit geplanten und lauthals vorgetragenen Protesten einen Skandal erzeugten. Sie sind nicht fähig zu ruhiger Betrachtung und Er-wägung von Geschehnissen. Was nicht ihren vorge-faßten, ihnen eingetrichterten Meinungen entspricht, wird mit Gewalt niedergemacht.
Sieht so Demokratie aus, wie sie sie verstehen? Haben sie ihre eigene Demokratie, wie heute die linke Innenministerin „unsere“, also ihre „Demokra-tie“ hat und mit Gewalt das von ihr und ihren Hin-termännern für „Recht“ Befundene durchsetzen und das von ihr Nichtgewollte beseitigen will?
Wenn wir nicht offen, mit Ruhe und Anstand aber!, das Gewesene betrachten, durchdenken und mit-einander im Gespräch klären können, ohne vor den Kadi gezerrt zu werden, weil eine bestimmte Gruppe in unserem Land nicht will, daß ihre Narrative offen begutachtet werden, dann hört – zusammen mit dem untergegangenen Grundgesetz – die Freiheit auf.
Daran krankt heute unser Volk, das seinen Gedan-ken- und Redefluß immer wieder vor Vorbots-schildern gestoppt sieht, die ihm in Form von Totschlagwörtern die Weiterfahrt verwehren.
So nehmen denn die Maßnahmen zur Zerstörung des Deutschen Volkes weiter ihren Unheilsweg, wenn wir als Volk das alles ohne Gegenwehr hingehen lassen.

