Letzter Ritterkreuzträger ist zur Großen Armee abberufen worden
Sonntag, 21. Juni 2026 von Adelinde
Thomas Engelhardt
erinnert an Hugo Broch, den letzten Ritter-kreuzträger, der vor kurzem gestorben ist:
Vor wenigen Wochen, bereits am 31. Mai verstarb Hugo Broch, der letzte Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes, im ge-segneten Alter von 104 Jahren. Damit ist aber auch einer der letzten Wehrmachtssoldaten von uns gegangen.
Und, keine Würdigung für diesen Mann in einem Land, das sich Deutschland nennt!
Hugo Broch wurde am 6. Januar 1922 in Leichlingen geboren. Nach der Offiziers-ausbildung bei der Luftwaffe und der Ab-solvierung der Fliegerschule[1] wurde er zu Beginn des Jahres 1943 an die Ostfront versetzt.
Im Kampf gegen die Fliegerkräfte der Roten Armee absolvierte er insgesamt 324 Feind-flüge und schoß 81 Gegner im Luftkampf ab. Das Ritterkreuz erhielt Leutnant Hugo Broch am 12. März 1945 im von den Sowjets abge-riegelten Kurlandkessel nach 79 erzielten Luftsiegen. Die Auszeichnung nahm der Oberbefehlshaber der Luftflotte 1, General der Flieger, Curt Pflugbeil, vor.[2]
Noch im März 1945 wurde Leutnant Broch zur Unterstützung der Abwehrkämpfe gegen die überlegenen Kräfte der in Ostpreußen vor-rückenden Roten Armee mit seiner Flieger-staffel auf den Fliegerhorst ins ostpreußische Heiligenbeil versetzt. Mit dem Ende der Ab-wehrschlacht im Heiligenbeiler Dreieck in Ostpreußen[3] flogen die Angehörigen der Fliegerstaffel nach Flensburg, wo sie sich den Briten ergaben.[4]
Bereits im Februar d. J. war der ebenfalls mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausge-zeichnete ehemalige Wehrmachtsoffizier Dr. Heinz Rafoth ( * 6. Januar 1923 in Putzar b. Anklam in Vorpommern, † 20. Februar 2026 in Margetshöchheim) verstorben. Heinz Ra-foth hatte am 20. April 1945 als Leutnant und Führer der 2. Kompanie des Grenadier-Regi-ments 48 bei der 12. Volksgrenadier-Division das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen bekommen.[5]
Hugo Broch war der letzte noch lebende erfolgreiche Fliegeroffizier der deutschen Luftwaffe. Mit diesen beiden Offizieren und Trägern des Ritterkreuzes endet das Kapitel der mehr als siebentausend Träger dieser höchsten deutschen Kriegssauszeichnung. Mit der Abberufung dieser wohl letzten Zeitzeugen eines Großen Krieges endet aber auch endgültig ein entscheidendes Kapitel der deutschen Geschichte.
_____________
Anmerkungen
[1]Flugzeugführerschule Heiligenbeil (Ostpreußen).
[2]Die Bezeichnung Luftflotte 1 erhielt der fliegerische Großverband am 1. Februar 1939. Am 16. April 1945 wurde das Luft-waffengruppenkommando 1 zum Luftwaf-fenkommando Kurland umgegliedert.
[3]Die Kesselschlacht von Heiligenbeil in Ostpreußen war eine der letzten großen Kesselschlachten an der Ostfront in den letzten Wochen des II. Weltkriegs. Der Heiligenbeiler Kessel befand sich nahe der Kreisstadt Heiligenbeil (jetzt Mamonowo, Oblast Kaliningrad) südwestlich der Pro-vinzhauptstadt Königsberg. Die Schlacht im Heiligenbeiler Dreieck war Teil einer größeren sowjetischen Offensive in der Region Ostpreußen und dauerte vom 26. Januar bis 29. März 1945.
[4]Am 24./25. März 1945 besetzten sowje-tische Truppen das Gelände des Flieger-horstes Heiligenbeil. Seit 1945 gehört Heiligenbeil, das 1947 in Mamonowo um-benannt wurde, zur russischen Oblast Kaliningrad.
[5]Die 12. Volksgrenadier-Division wurde am 12. August 1944 aus der an der Ostfront bei Mogilew vernichteten 12. Infanterie-Division auf dem Truppenübungsplatz Gruppe als Division der 30. Welle neu aufgestellt. Nach der erfolgten Aufstellung wurde die Division in den Raum Aachen verlegt, wo sie in die schweren Abwehrkämpfe gegen die US-Streitkräfte eingebunden war.
Im Anschluß verlegte die 12. Volksgrenadier-Division in den Raum Hierlot (Ardennen), wo sie zu Beginn des Monats Januar 1945 schwere Verluste erlitt. Am 12. Januar 1945 verfügte die Division noch über eine infan-teristische Stärke von rund 600 Mann, am 13. Januar 1945 waren es noch 300 Mann.
Am 15. Januar erhielt die Division den Befehl, mit den verbliebenen Resten zur Auffrischung in den Raum Münstereifel zu verlegen. Ende Januar 1945 hatte die Division den Ruhr-Ab-schnitt in und beiderseits von Düren übernommen.
Die Kampfstärke war wieder auf über 3.600 Mann angewachsen. Am 23. Februar gelang es US-amerikanischen Einheiten, auf dem Ostufer der Rur einen Brückenkopf zu bilden. Die Stadt Düren ging am 25. Februar verlo-ren. Die infanteristische Stärke der Division war wieder auf 600 Mann herabgesunken. Sie ging auf die 15 bis 20 km westlich von Köln verlaufende Erft-Stellung zurück.
Anfang März erreichte die Division hinhaltend kämpfend den Raum südlich von Köln auf der rechten Rheinseite. Die neue Stellung der Division verlief am Rhein vom Südrand von Leverkusen bis Knapsack südlich von Porz. Am 27. März wurde die Division aus der Rheinfront herausgelöst und in den Raum Remagen verlegt.
Dort sollte sie beiderseits Wissen gegen die aus dem Remagen-Brückenkopf nach Norden vorgehenden amerikanischen Einheiten eine neue Abwehrfront aufbauen.
Am 30. März verlegte die Division in den Raum Siegen, wo es in den folgenden Tagen zu schweren Abwehrkämpfen kam. Siegen ging am 2. April nach kurzem Kampf verlor-en. Immer wieder gelang es den Resten der 12. Volksgrenadier-Division, den Vormarsch der US-Truppen zu verzögern.
Am 9. und 10. April wurden die Reste der Division auf die Linie Wenden – Olpe zurück geworfen. Olpe ging am 10. / 11. April verloren. Im Anschluß hatte die Division keinen Kampfwert mehr. Die Reste gingen im Ruhrkessel in US-Gefangenschaft.
