Israel. Ein Pfahl im Fleische des arabischen Volkes von Palästina
Samstag, 20. Juni 2026 von Adelinde
Thomas Engelhardt
Israel. Ein Pfahl im Fleische des arabischen Volkes von Palästina
Palästina war jahrhundertelang lediglich ein geographischer Begriff. Als britisches Man-datsgebiet Palästina und damit als politisches Gebilde erscheint es erst in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Bis zu diesem Zeitpunkt existierte kein politisches Territorium Palästina. Im wei-testen Sinne galt Palästina als Teil Alt-Syriens. Die Grenzen dieses Palästinas waren unscharf.
Im Allgemeinen galt das Gebiet zwischen dem Mittelmeer im Westen und dem Jordan im Osten, dem Ras-en-Nakura[1], Teil des gleichnamigen Vorgebirges, dem Dschebel el-Muschakkah[2] und dem Tibnin[3] im Norden bis zu den Jordanquellen südlich von Hermon. Im Süden wird Palästina durch das Tote Meer und den zum Mittelmeer führen-den Wadi el-Arisch begrenzt, dessen Mün-dung ca. 70 km westlich des Gaza-Streifens liegt.
Diese südliche Grenze Palästinas wird bereits im Alten Testament beschrieben.[4]
1518 fiel Palästina an die Osmanen und gehörte danach vier Jahrhunderte zum Osmanischen Reich.
Im 19. Jahrhundert gehörte der südliche Teil des heutigen Westjordanlandes zum osma-nischen Mutesarriflik El-Kuds (Sandschak Jersusalem)[5], der nördliche Teil gehörte Statthalterschaft Beirut[6], das östliche Jor-danland, das heutige Kernland des jüdischen Staates, war Teil des türkischen Verwaltungs-bezirks (Wilajet, Vilâyet) Syrien.
Im I. Weltkrieg besetzen die Briten Palästina. Die Teilnehmer der Konferenz von San Re-mo[7] sprachen am 19. April 1920 das Ge-biet Großbritannien zu. Der Völkerbund legitimierte den Beschluß von San Remo und erteilte den Briten am 24. Juli 1922 das Klasse-A-Mandat für Palästina. Im Jahr da-rauf gliederten die Briten das Gebiet östlich des Jordans als Transjordanien aus.
Der britische Abzugs aus Palästina erfolgt am 15. Mai 1948. Am Vortag wurde die die Grün-dung des durch die UNO geplanten jüdischen Staats vollzogen. Am Folgetag marschieren Armeen von fünf Mitgliedsstaaten der Arabi-schen Liga in das ehemalige Mandatsgebiet Palästina ein.
Am 22. September 1948 gründete die Ara-bische Liga den von der UNO vorgesehenen arabischen Staat, das Protektorat Gesamt-Palästina, und berief eine gesamtpalästi-nensische Regierung.
Im Palästinakonflikt prallen bis heute zwei unvereinbare Auffassungen und Interpre-tationen aufeinander. Die grundsätzliche jüdisch-israelische Auffassung lautet:
„Wir sind Juden, die lebenden Repräsen-tanten des Stammes Juda, der zusammen mit den elf anderen Stämmen Israels im 13. Jahrhundert vor Christus fast ganz Palästina eroberte. Das von Juda okku-pierte Gebiet blieb sieben Jahrhunderte lang In unserem Besitz, 587 vor Christus wurden wir jedoch von Nebukadnezar deportiert.
Etwa 50 Jahre später kehrten wir zurück, und die nächsten 673 Jahre bewohnten wir Judäa ein zweites Mal, bis wir im Jahre 135 nach Christus von den Römern vertrieben wurden. Unsere Rechte auf das Land Israel haben wir niemals aufgege-ben. Wir haben immer gehofft, geglaubt und gefordert, dieses Land zurückzuer-halten. Nach weiteren 1783 Jahren gelang es uns 1918 tatsächlich, in unserem Land wieder Fuß zu fassen.
In einem halben Jahrhundert haben wir durch schwere, hingebungsvolle Arbeit, durch Tüchtigkeit und militärische Ent-schlossenheit unseren jetzigen National-staat Israel aufgebaut und die Araber dreimal vernichtend geschlagen. Wir müssen einen eigenen Staat haben, denn seit das Römische Reich Im 4. Jahrhun-dert christlich wurde, sind wir Im Westen von der Mehrheit der Christen diskriminiert und verfolgt worden.
Diese Verfolgung gipfelte in dem bei-spiellosen Völkermord, den die Deut-schen, ein Volk des Westens, an uns begingen. Wir werden nicht zulassen, daß die Araber dasselbe Verbrechen hier in Israel verüben.“[8]
Die Auffassung der Araber dagegen läßt sich folgendermaßen beschreiben:
1918 waren 90 % der Bevölkerung Palästinas Araber; Palästina gehörte uns, seit wir es im 7. Jahrhundert nach Christus dem Römischen Reich entrissen hatten.
Ab 1918 wurde jedoch in das Herz der arabi-schen Welt ein militanter, aggressiver Fremd-körper hineingetrieben – gegen unsere Proteste, mit Waffengewalt. Die zionistisch-jüdischen Eindringlinge bauten unter dem Schutz britischer Bajonette eine so starke eigene Truppe auf, daß sie unseren arabi-schen Streitkräften überlegen waren.
Dann zogen sich die Briten aus Palästina zurück und überließen uns unserem Schick-sal. Wir mußten erleben, daß 900.000 Pa-lästina-Araber gewaltsam ihres Eigentums beraubt, aus ihrer Heimat vertrieben und zu Flüchtlingen gemacht wurden, die von Almosen leben.
Wenn irgendein arabischer Palästina-Flüchtling versucht, heimzukehren und sein Eigentum in Besitz zu nehmen, wird er von den Israelis erschossen. Die in der Heimat zurückgebliebenen Palästina-Araber werden von den Israelis, unter deren Herrschaft sie gefallen sind, als zweitklassige Staatsbürger behandelt.
Das arabische Gebiet, das die Israelis ge-waltsam an sich gerissen haben, trennt die arabische Welt in zwei Teile. Das Verbrechen der Israelis an den Arabern ist schändlich, denn nicht die Araber waren es, die Juden mißhandelt hatten. Als wir Palästina ero-berten, erlaubten wir den Juden, sich in Judäa anzusiedeln, was ihnen 500 Jahre lang verboten gewesen war.
Der Prophet Mohammed hat den Moslems im Koran befohlen, loyale Juden und Christen zu tolerieren und zu schützen. Wenn man be-denkt, was die Völker des Westens den Juden antaten, dann dürfen wir arabischen Moslems behaupten, das Gebot des Propheten einge-halten zu haben.
Jetzt aber läßt man uns für die Verbrechen bezahlen, die ein westliches Volk an den Juden begangen hat. Es waren die Deutschen, die versuchten, die Juden auszurotten.
Adelinde: Wir sehen, die Lügen der Greuelpropa-ganda gegen die Deutschen seitens Sefton Delmer & Co. haben international Glauben gefunden und sich als „geschichtliche Gegebenheiten“ festgesetzt!
In den Augen des Westens mögen die Deut-schen Verbrecher sein, aber da sie eben auch zum Westen gehören, haben sie uns gegen-über einen Vorteil. Wir Araber zählen nicht. Wir sind »Eingeborene«, ein Teil der Fauna Palästinas, mehr nicht. Wir haben keine Menschenrechte.
Die Israelis dagegen finden im Westen Gehör, sie haben die Sympathie und die Unterstüt-zung des Westens. Sie verfügen in westlichen Ländern durch Geld und Wählerstimmen über Macht, und die haben wir Araber nicht.
Außerdem krankt der Westen, anders als wir Araber, an einem schlechten Gewissen den Juden gegenüber – eben wegen der Behand-lung, die er ihnen früher angedeihen ließ. Deshalb möchte der Westen die Juden ent-schädigen, freilich nicht auf seine, sondern auf unsere Kosten.
Mit dieser Ungerechtigkeit werden wir Araber uns niemals abfinden. Die israelischen Ein-dringlinge sind der Stoßtrupp des westlichen Neoimperialismus in der arabischen Welt.
Schon einmal haben wir Angriffe des Westens auf Palästina über uns ergehen lassen müs-sen. Damals waren es die Kreuzfahrer. Es ist uns gelungen, sie wieder zu vertreiben, wenn wir auch 200 Jahre dazu brauchten. Auch die Israelis werden wir wieder vertreiben, und sollte es noch so lange dauern.[9]
„Palästinas besondere Stellung in der Geschichte hat ihren Ursprung in seiner religiösen Bedeutung für die drei großen monotheistischen Religionen. Palästina sollte daher ein Land des Friedens sein, doch in Wirklichkeit brachten geschicht-liche Ereignisse religiöser und politischer Art Konflikte und Krieg.
Auch heute noch ist das Gebiet von Spannungen und Kämpfen zerrissen und stellt eine potentielle Bedrohung des Weltfriedens dar. Die Ereignisse dieses Jahrhunderts, die zu dieser gefährlichen Situation geführt haben, werden durch die heftige Auseinandersetzung über ,Die Palästinafrage‘ oft verdeckt.“[10]
Die vorliegende kurze Darstellung versucht, die jüngere Geschichte Palästinas, nachzu-zeichnen.[11]
Der Begriff des „Pfahl im Fleische Palästinas“ (in der arabischen Welt als Shawkah fi al-Halq oder Ghudda umschrieben) ist eine Metapher, die das Ergebnis der historischen Entwicklung beschreibt. Sie drückt die tiefe Wahrnehmung der arabischen Welt aus, daß die Existenz des Staates Israel eine dauerhafte Bedrohung, eine ständige Demütigung und einen kultu-rellen und politischen Fremdkörper im eige-nen Kultur- und Herrschaftsraum darstellt.
Die gedemütigten, verfolgten, vertriebenen Palästinenser verbinden mit dem Begriff des Pfahls im Fleische Palästinas die tiefe Krise der eigenen Existenz und das anhaltende kollektive Trauma, das die arabische Bevöl-kerung seit der britischen Mandatszeit und insbesondere seit der Gründung des jüdi-schen Staates Israels im Jahr 1948 sowie der darauf folgenden Periode der Vertreibung (der sogenannten Nakba) erleben und erleiden mußte.
Aus palästinensischer Sicht wird die Staats-gründung Israels als Ursprung von andau-erndem Unrecht, Land- und Heimatverlust und der Verwehrung des Rechts auf Selbst-bestimmung und das Recht auf den eigenen Staat gesehen.
In der gesamten arabischen und islamischen Welt wird Israel als ein von den westlichen Mächten gegründeter Rammbock wahrge-nommen, der die politische und religiöse Identität der Region des Nahen Osten fort-während stört und im Widerspruch zur historischen Kontinuität steht.
Bis zum heutigen Tag prägt das Trauma der Nakba die politische Sackgasse, wobei die israelische Besatzungspolitik, die fortwäh-renden Aggressionen und Annexionen sowie die gewaltsame jüdische Landnahme israe-lischer Siedler in den palästinensischen Gebieten die Gräben weiter vertiefen.
Israel wird als von jeder neuen palästinen-sischen Generation als Terrorstaat, als Aggressor wahrgenommen. Die gesamten letzten acht Jahrzehnte sind eine Geschichte geprägt von Blut, Tränen und brutaler militärischer Gewalt.
Unter den Augen der gesamten Welt-öffentlichkeit begeht Israel massive Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen. Jeder der Nachbarstaaten war seit der Staatsgründung mit Überfällen, Aggressionen, Bombar-dierungen und dem Einsatz militärischer Gewalt ohne Schonung von Zivilisten konfrontiert.
Mehr noch. Das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser erfüllt alle Normen des geziel-ten Völkermords. Resolutionen der UNO und des Sicherheitsrates mißachtet Israel in jedem Fall.
Die Forderungen der internationalen Welt-öffentlichkeit, zum Status quo des Jahres 1948 zurückzukehren, findet seitens der westlichen Verbündeten Israels keine Un-terstützung. Denn das würde bedeuten, dem ursprünglichen von der UNO beschlossenen Teilungsplan Palästinas zu folgen.[12]
Die Minimalforderung heute wäre der Rückzug Israels auf die sog. „Green Line“. Diese Grüne Linie aber ist heute in Anbe-tracht der forcierten Kolonisations- und Siedlungspolitik Israels nur noch eine Fiktion.[13]
Die normatische Kraft des Faktischen, die waffentechnische bzw. militärische Über-legenheit Israels hatte zur Folge, daß heute Millionen Israelis außerhalb des Gebietes leben, das 1947 von der UNO als Territorium des Judenstaates ausgewiesen wurde.
Die internationale Gemeinschaft war den bereits nach dem II. Weltkrieg in Palästina lebenden Juden und den im Rahmen der Alija[14] ins Land kommenden jüdischen Neueinwanderern aus Europa weit entgegen gekommen.
Die langfristigen Folgen und sich ergebenden Gefahren, die sich aus der Teilung Palästinas ergaben, wurden nicht erkannt. Leider. Zu konstatieren ist aber auch, daß sich die Juden Palästinas als diesem großen Zugeständnis nicht würdig erwiesen.
Die einzigen Opfer und Leidtragenden aber sind die Millionen vertriebenen arabischen Palästinenser und deren in mehreren Ländern lebenden Nachkommen.[15]
Die unter dem Einfluß des Zionismus ste-hende westliche Welt blendet diese Tatsache weitestgehend aus, nimmt das Leid der pa-lästinensischen Araber nicht zur Kenntnis und solidarisiert sich mit dem gewalttätigen und terroristischen Regime des zionistischen Staates Israel.
Bezogen auf die israelischen Juden läßt sich heute zusammenfassend feststellen:
„Opfer können zu Tätern werden. Und jene, die keine Täter waren, werden zu Opfern von zu Tätern gewordenen Opfern.“[16]
Das heutige „Palästinaproblem“ hat seinen Ursprung in politischen Entscheidungen, die in einer Zeit gefällt wurden, in der Palästina ein Mandatsgebiet des Völkerbunds, des Vorläufers der Vereinten Nationen, war.
Aus dem Jahr 1930 existiert ein damals erstellter Bericht einer mit Zustimmung des Völkerbundes ernannten Kommission, die sich aus Vertretern der Schweiz, Schwedens und der Niederlande zusammensetzte.
Die Bevölkerung Palästinas setzte sich am Ende des 19. Jahrhunderts hauptsächlich aus Arabern zusammen, unter denen es sowohl Mohammedaner wie Christen gab.
Der kleinen Anzahl palästinensischer Juden wurde sowohl von der arabischen Mehrheits-bevölkerung als auch von den osmanischen Türken das Recht gewährt, ihre mosaische Religion auszuüben und die geistige Verbin-dung der Juden mit Palästina lebendig zu halten.
Im 19. Jahrhundert gestatteten die Osmanen kleine Siedlungen jüdischer Emigranten aus verschiedenen europäischen Ländern, in de-nen die Diskriminierung der Juden zunahm.
Zur Zeit der britischen Besatzung im Jahre 1917 machten diese Juden weniger als ein Zehntel der damaligen Bevölkerung Palästi-nas aus. Neun Zehntel waren Araber, da-runter 80% Moslems und 10% Christen. Traditionen, Sitten und Sprache der arabi-schen Palästinenser bildeten die vorherrschende Kultur des damaligen Palästina.
„Während des Ersten Weltkrieges be-mühten sich Großbritannien und seine Verbündeten um Unterstützung gegen Deutschland und dessen Verbündeten, das osmanische Reich. Da zu jener Zeit einige arabische Führer nach Unabhän-gigkeit von osmanischer Herrschaft strebten, bot sich ein Zusammengehen von Engländern und Arabern geradezu an.
So gelangte man 1915 zu einem Abkommen zwischen dem Emir von Mekka, der als Sprecher der Araber auftrat, und dem britischen Hohen Kommissar in Ägypten, Sir Henry McMahon, der für die Briten verhandelte.
Der Emir forderte die Anerkennung der Unabhängigkeit aller arabischen Gebiete des osmanischen Reichs, einschließlich Palästinas, McMahon jedoch versuchte, Palästina dadurch auszuschließen, daß er sich unklar darüber ausdrückte, wie weit die betreffenden Gebiete reichten.
Der Emir wies McMahons Versuch zurück. Die Kontroverse setzte sich bis 1939 fort, als die britische Regierung einräumte, daß „sie 1917 nicht das Recht hatte, über Palästina zu verfügen“.
Tatsächlich hatte ein geheimes englisch-französisches Abkommen über die Aner-kennung der arabischen Unabhängigkeit, das Sykes-Picot-Abkommen von 1916, die Un-abhängigkeit für Palästina ausgeschlossen und stattdessen eine „internationale Verwaltung“ vorgesehen.
In separaten Zusicherungen hatte die bri-tische Regierung jedoch auch der Weltzio-nistenorganisation Hoffnung über die Zukunft Palästinas gemacht. 1897 hatte die Organisation ihr Ziel verkündet,
„in Palästina unter dem Schutz des öffentlichen Rechts eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen“.
Unter der Führung Theodor Herzls zog die Organisation Gebiete in Ostafrika und Ar-gentinien als Stätte für einen jüdischen Nationalstaat in Erwägung, doch entschied sie sich schließlich unter Berufung auf die uralten jüdischen Verbindungen zum heiligen Land für Palästina.
Die zionistischen Führer bemühten sich um die Unterstützung der britischen Regierung, indem sie die strategischen Vorteile hervor-hoben, einen neuen Verbündeten zu gewin-nen, der ihnen bei der Kontrolle des Suez-Kanals helfen werde.
Die Briten, die noch immer Unterstützung für ihre Kriegsanstrengungen suchten, reagierten wohlwollend auf diese Angebote. Der briti-sche Außenminister, Lord Balfour sandte am 2. November 1917 ein Schreiben an die zio-nistische Weltorganisation, das später als Balfour-Deklaration bezeichnet wurde. In diesem Schreiben hieß es:
„Die Regierung Seiner Majestät betrachtet die Errichtung einer nationalen Heimstät-te (national home) des jüdischen Volkes in Palästina mit Wohlwollen und wird sich große Mühe geben, die Erreichung dieses Ziels zu fördern, wobei allerdings von der Voraussetzung ausgegangen wird, daß nichts geschehen darf, was den bürger-lichen und religiösen Rechten der in Palästina bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften oder den Rechten und dem politischen Status der Juden in irgendeinem anderen Land Abbruch tun könnte.“
Einige jüdische Gemeinschaften, die einen Loyalitätskonflikt mit den Ländern empfan-den, deren Staatsbürger sie waren, stellten sich diesen zionistischen Plänen entgegen. Das britische Kabinett wurde von seinem einzigen jüdischen Mitglied, Sir Edward Montagu, heftig kritisiert. Selbst der zioni-stische Führer Dr. Chaim Waizmann schrieb nur zehn Jahre später:
„Die Balfour-Deklaration von 1917 ist auf Luft gebaut … in diesen vergangenen zehn Jahren dachte ich jedes Mal beim Aufschlagen der Zeitung: Von wo wird der nächste Schlag kommen? Ich zitterte bei dem Gedanken, daß mich die briti-sche Regierung zur Rede stellen und fragen würde: ,Sagen Sie, was ist eigent-lich diese zionistische Organisation? Wo sind denn Ihre Zionisten?‘ …. Denn sie wußte, daß die Juden gegen uns waren; wir standen allein auf einer kleinen Insel, eine winzige Gruppe von Juden mit einer fremden Vergangenheit.“
Um arabischen Protesten gegen die neue britische Politik entgegenzuwirken, bestätigte eine englisch-französische Erklärung erneut das Versprechen, den Arabern zur vollstän-digen Unabhängigkeit zu verhelfen. Die Erklärung vom 7. November 1918 versicherte die Araber der
„vollständigen und endgültigen Befreiung der [arabischen] Völker … und der Ein-richtung nationaler Regierungen und Verwaltungen, die ihre Autorität auf die Initiative und freie Wahl der einheimi-schen Bevölkerung gründen“.
Trotz der in dieser Erklärung vom 7. No-vember abgegebenen Versicherungen sollte die Geschichte Palästinas in den folgenden Jahren beweisen, daß die Wünsche der großen Mehrheit der Bewohner Palästinas nur wenig zählten. Ihr Land war von einer ausländischen Regierung, die zu jener Zeit keinerlei Landes-hoheit über Palästina besaß, einem anderen Volk versprochen worden.
Unter Hinweis auf diese Faktoren versichern etliche angesehene Autoren, die Balfour-Deklaration habe keine verbindliche oder rechtliche Wirkung und sei nichts weiter als die Absichtserklärung einer einzigen Regierung.[17]
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Anmerkungen
[1]Ras-en-Nakura (auch Ras an-Naqūra oder Rosh HaNikra) ist eine markante weiße Kreideklippe und ein historisch bedeutsamer Ort an der Mittelmeerküste, direkt an der Grenze zwischen dem heutigen Israel und Südlibanon.
[2]Der Dschebel el-Muschakkah (arabisch „gespaltener“ oder „zerrissener Berg“) ist ein markanter Küstenzug und ein Vorgebirge im Norden des heutigen Israels bzw. im südlichen Libanon. Er ragt direkt in das Mittelmeer hinein und geht in das berühmte Vorgebirge Ras el-Nakura (Rosh HaNikra) über. Historisch markierte dieser Berg die natürliche Nordgrenze des antiken Galiläa und bildete den Übergang zur historischen Region Phönizien.
[3]Tebnine (arabisch Tibnīn, auch romanisiert Tibnine) ist eine libanesische Stadt, die sich über mehrere Hügel erstreckt (mit einer Höhe zwischen 700 m und 800 m über dem Meeresspiegel). Sie liegt etwa 25 km östlich von Tyros im Herzen dessen, was als Dschabal ʿĀmil oder der Berg „ʿAmil“ bekannt ist. „Dschabal ʿĀmil“ bezeichnet das Plateau, das zwischen dem westlichen Bergzug des Libanon und Galiläa liegt.
[4]Grenzen des alttestamentarischen Landes Kanaan: 4. Buch Moses (34), Josef 15, Hesekiel 47/19.
[5]Der politische Status des Mutesarriflik Jerusalem war im Vergleich zu anderen osmanischen Provinzen einzigartig, da es unter der Direktherrschaft der Hohen Pforte in Konstantinopel, Hauptstadt des Osmanischen Reiches stand. Das Mutasseriflik Jerusalem (El-Kuds) hatte eine Fläche von rund 20.000 km², 1897 eine Bevölkerungszahl von 298.653, 1914 rund 400.000 (zum Vergleich: Israel ohne besetzte Gebiete: 22.380 km²).
[6]Das Vilâyet Beirut war eine Provinz des Osmanischen Reiches. Es wurde 1888 aus den Küstengegenden des Vilâyets Syrien errichtet, um die neue Bedeutung der blühenden Hauptstadt Beirut zu würdigen, die in den vorangehenden Jahren kräftiges Wachstum verzeichnet hatte und bestand aus den Sandschaks Akka (jetzt Israel), Beirut (jetzt Libanon), Latakia (jetzt Syrien), al-Balqa (Nablus) (jetzt Israel) und Tripoli (jetzt Libanon).
[7]Vorbereitungskonferenz für den Friedensvertrag von Sèvres (August 1920).
[8]Der britische Historiker und Kulturphilosoph Arnold J. Toynbee in einem in der US-amerikanischen Zeitschrift »Mid East«1969 veröff. Essay, in dem er die Rechtsposition des jüdischen Staates und der arabischen Länder im Nahost-Konflikt analysiert und eine eigene Lösung der bereits damals immer gefährlicher werdenden Krise vorschlug. Dem Auszug ist dem in „Der Spiegel“ veröffentlichten Beitrag entnommen [Arnold J. Toynbee: »Man hätte den Juden das Rheinland geben sollen«, in: Der Spiegel, 16.03.1969].
[9]Ebd.
[10]Qu.: Die Palästinafrage. Ein kurzer historischer Überblick. Vereinte Nationen, New York, 1980 (Einleitungstext).
[11]Dieser hier vorliegende Darstellung der in hohem Maße komplexen und vielschichtigen Problematik stellt eine Kurzfassung umfassender Studien dar, die von den Vereinten Nationen unter den Titeln: The Oriqins and Evolution of the Palestine Problem – Teil I und II (1978) und The Question of Palestine (1979) veröffentlicht wurden.
[12]Generalversammlungsresolution 181 (II) vom 29. November 1947, allgemein als die “Resolution zur Teilung Palästinas” bezeichnet.
[13]Die als Grüne Linie bezeichnete Waffenstillstandslinie von 1949 verläuft südlich vom See Genezareth bogenförmig in Richtung Jerusalem, das die Stadt durchschneidet und in einen westlichen Teil (Jersusalem) und einen östlichen Teil aufteilt, und erreicht in einem weiteren Bogen südöstlich von Hebron das Tote Meer.
[14]Der hebräische Begriff bedeutet „Aufstieg“ oder „Hinaufziehen“ und beschreibt die Einwanderung (Rückkehr) von Juden aus der weltweiten Diaspora nach Israel. Historische Wellen werden oft nummeriert (z. B. die „Erste Alija“ ab 1882).
[15]Heute leben weltweit insgesamt etwa 14,5 Millionen Palästinenser, davon als Vertriebene bzw. als Nachkommen von Vertriebenen etwa 7 Millionen in den Nachbarländern Syrien, Libanon und Jordanien (dort stellen sie mit 3 Mill. Etwa die Hälfte der Bevölkerung), 5,5 Millionen im Westjordanland und im Gazastreifen und 2 Millionen in Israel (die Zahlenangaben weichen je nach verwendeter Quelle voneinander ab).
[16]Erhard Schütz („Der Freitag“) in einer Rezension zu Keith Lowe, Der wilde Kontinent (2016).
[17] Qu.: Die Palästinafrage. Ein kurzer historischer Überblick. Vereinte Nationen, New York, 1980 (Einleitungstext).
Wenn Palästina bis 1921 niemandem gehört hatte, nur britisch besetzt war, dann wußten die Juden, die 1916 nach England reisten und die Belfour-Erklärung mitnahmen, schon, wer es in Zukunft besetzt halten wird, oder steuern sie nach ihrer 117-köpfigen Teilnahme in Versailles die Weltpolitik? Wenn sie sie steuern, dann steuern sie sie sehr schlecht durch Kriege und Ungerechtigkeiten. Aber Narren aus der brd bekräftigen jeden Tag die Lügen von deutscher Kriegsschuld, heute kippt sich bei den Nachdenkseiten ein Idiot schaufelweise Asche aufs Haupt, hört das nie auf?