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Der Tod löscht alle Schmerzen aus.
Er ist ihr Ende, und über ihn
geht unser Leiden nicht hinaus.
Er führt uns wieder in den
gleichen Ruhezustand zurück,
in dem wir uns vor der Geburt
befunden haben. Seneca d.J.

Der Glaube an die Auferstehung nach dem Tode wie auch der Glaube an die Wiedergeburt sind Traumge-bilde aus dem Selbsterhaltungswilllen heraus, der in uns sterblichen Lebewesen dafür wirkt, daß wir un-ser Leben nicht „vorzeitig“ aufgeben, wegwerfen, wenn es uns zu beschwerlich geworden ist.

Das ist sinnvoll. Daraus aber entsteht der Unsterb-lichkeitswille und aus ihm schafft der Mensch mit seinem Bewußtsein Traumgebilde, die er für absolute Wahrheit ausgibt. 

Bei näherem Hinsehen wäre das etwas, was Mutter Natur entgegenstünde, die das Ewig-Gleiche nicht will. Sie will den Wandel. Wer sich mit dem Gedanken des Sterben-Müssens vertraut macht, erlebt zugleich ein Verantwortungsbewußtsein seiner eigenen ihm gegebenen Lebenszeit gegenüber.

Der Mensch hat die Freiheit, in seiner begrenzten Lebenszeit die Welt mit Gutem, Schönem, Wahrem, mit Menschenliebe zu beschenken und damit ein Stück Heimat für die Mitlebenden zu sein, eine Verwirklichung des Göttlichen in ihm, die auf die Mitwelt ausstrahlt.

Er kann sich dem aber auch aus Habgier im unauf-hörlichen „Lebenskampf“ verschließen und seiner Mitwelt eine Störung bis hin zum Schrecken sein. Das aus der Selbstsucht hervorgehende Machtge-bilde, das Einzelne anstreben und sich erlauben, den Menschen aufzudringen, ist gottfern, steht der Vollkommenheit der sonstigen Natur fremd und kalt gegenüber.

Es ist der Ausfluß der Wahlfreiheit, die dem Men-schen durch seine Unvollkommenheit gegeben ist. 

Wenn solche verfehlten Leben ewig bestünden: Welche Gottwidrigkeit stellte eine solche Möglichkeit dar! Das Todesmuß schützt uns vor solchem Horror.

Daß besonders wertvolle Menschenleben ebenfalls im Tode erlöschen müssen, das schmerzt oft zu-tiefst. Doch uns bleibt die Erinnerung an sie. Und der Schmerz kann uns läutern, uns dazu führen, den verbleibenden Rest unseres Daseins ausschließlich im Sinne des Guten, Wahren, Schönen zu gestalten.

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