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Der Tod löscht alle Schmerzen aus.
Er ist ihr Ende, und über ihn
geht unser Leiden nicht hinaus.
Er führt uns wieder in den
gleichen Ruhezustand zurück,
in dem wir uns vor der Geburt
befunden haben. Seneca d.J.

Adelinde

Der Glaube an die Auferstehung nach dem Tode wie auch der Glaube an die Wiedergeburt sind Traumge-bilde aus dem Selbsterhaltungswilllen heraus, der in uns sterblichen Lebewesen dafür wirkt, daß wir un-ser Leben nicht „vorzeitig“ aufgeben, wegwerfen, wenn es uns zu beschwerlich geworden ist.

Das ist sinnvoll. Daraus aber entsteht der Unsterb-lichkeitswille, und aus ihm schafft der Mensch mit seinem Bewußtsein Traumgebilde, die er für absolute Wahrheit ausgibt. 

Bei näherem Hinsehen wäre das etwas, was Mutter Natur entgegenstünde, die das Ewig-Gleiche nicht will. Sie will den Wandel. Wer sich mit dem Gedanken des Sterben-Müssens vertraut macht, erlebt zugleich ein Verantwortungsbewußtsein seiner eigenen ihm gegebenen Lebenszeit gegenüber.

Der Mensch hat die Freiheit, in seiner begrenzten Lebenszeit die Welt mit Gutem, Schönem, Wahrem, mit Menschenliebe zu beschenken und damit ein Stück Heimat für die Mitlebenden zu sein, eine Verwirklichung des Göttlichen in ihm, die auf die Mitwelt ausstrahlt.

Er kann sich dem aber auch aus Habgier im unauf-hörlichen „Lebenskampf“ verschließen und seiner Mitwelt eine Störung bis hin zum Schrecken sein. Das aus der Selbstsucht hervorgehende Machtge-bilde, das Einzelne anstreben und sich erlauben, den Menschen aufzudringen, ist gottfern, steht der Vollkommenheit der sonstigen Natur fremd und kalt gegenüber.

Es ist der Ausfluß der Wahlfreiheit, die dem Men-schen durch seine Unvollkommenheit gegeben ist. 

Wenn solche verfehlten Leben ewig bestünden: Welche Gottwidrigkeit stellte eine solche Möglichkeit dar! Das Todesmuß schützt uns vor solchem Horror.

Daß besonders wertvolle Menschenleben ebenfalls im Tode erlöschen müssen, das schmerzt oft zu-tiefst. Doch uns bleibt die Erinnerung an sie. Und der Schmerz kann uns läutern, uns dazu führen, den verbleibenden Rest unseres Daseins ausschließlich im Sinne des Guten, Wahren, Schönen zu gestalten.

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19 Kommentare
Markwart Cochius
Markwart Cochius
1 Monat zuvor

War es Frau Duppel, die in Mensch & Maß über die Verformung des/der Menschen geschrieben hat, erst kürzlich?

Ich weiß nicht, was Esoterik ist. Aber ich weiß, wie Menschen fühlen, denken, arbeiten, wenn sie keine verformten Seelen haben. Das wurde im Adelinde-Beitrag mit der Blunkgeschichte recht deutlich.

Für unser Heute weiß ich nicht, ob bereits im Mutterleib das ererbte Fühlen verformt wird. Z.B. durch künstliches Verhalten der Mutter, der Ernährung, sogar durch unsere versaute Umwelt.

Ich sah ein Bild der Priesterweihe, ich las Schilderungen der Aufnahme in die Freumaurerei. Zu diesen Vorgängen ist bereits ein Mindesmaß an seelischer Verformung zwingend erforderlich. Allerdings haben die in diese Organisationen Aufgenommenen die Pflicht, sich noch weiter zu entwickeln hin zum möglichst totalen Seelentod. Das heißt, ihr eigentlich natürlches Empfinden aus ihrem ererbten Wesen ist zu unterdrücken. Im Grunde genommen ist das ein richtig brutaler Vorgang.

Und die Auswirkungen? Diese Kreaturen sind die totalen Intellektuellen. Was sie denken und daraus tun, hat keine „Sirene“ mehr, die diese entmenschen Wesen vor ihrem Denken und/oder Tun warnt. Wer sich fragt, wie diese Menschen, nein Wesen, zu erkennen sind, dem führe ich Frau Merkel vor Augen. Begann sie nicht beim Abspielen unserer Nationalhymne zu zittern? Oder Herr Merz, der für alles eine anscheinend „logische“ Begründung heute hat, auch wenn sie das genaue Gegenteil von dem von gestern ist. Bei diesen beiden Beispielen vergesse ich nicht die fürchterliche Seelenverformung besonders der katholischen Priester, die den Rest ihrer natürlichen Anlage mit Pädophilie austoben.

Wie schwer wird es sein, uns besonders hier in unserem Land wieder an ihre seelischen Fähigkeiten heranzuführen. Es gab vor nicht zu langer Zeit Bestrebungen dieser Art. Hartmann Lauterbacher schrieb darüber.

Der Wolf
Der Wolf
1 Monat zuvor

„Esoteriker fürchten die Endgültigkeit ihres Todes“. Wieso eigentlich? Sie glauben ja gar nicht an besagte Endgültigkeit.

Rüdiger Lack
Rüdiger Lack
1 Monat zuvor

Wenn der Tod endgültig ist, wo geht dann die Energie hin, die den Körper antreibt?

Energie kann nicht erzeugt oder verbraucht werden, sondern immer nur umgewandelt. Der Körper verwest und wird zu Humus oder Dünger.

Was ist aber mit der Seele (die Energie, die den Körper antreibt)?

Man könnte auch sagen, die Energie, die den Körper als Gefäß gewählt hat, um in der materiellen Welt zu leben.

Der Wolf
Der Wolf
1 Monat zuvor

@ Rüdiger Lack


„Wenn der Tod endgültig ist, wo geht dann die Energie hin, die den Körper antreibt?“

Richtig. In Wirklichkeit ist es so, daß die Nahtodereignisse nicht nur den Sterbenden und sogar den endgültig Hinübergegangenen betreffen, sondern auch von seinem Umfeld wahrgenommen werden können, insbesondere dann, wenn sie mit dem Verstorbenen emotional stark verbunden sind. Nicht wenige Menschen besitzen diesbezüglich hellsichtige Fähigkeiten, was den meisten nicht mal bewußt ist. All dies ist eine uralte menschliche Erfahrung und hat nicht das Geringste mit der Zugehörigkeit zu irgendeiner Religion zu tun. Vgl. hierzu auch die Schamanismusforschungen.

Das Verlassen des Körpers kann durchaus auch außerhalb des Sterbeprozesses erlebt werden, z.B. infolge eines Schocks – etwa als Begleiterscheinung bei einem Unfall -, manchmal auch spontan, wie mir Betroffene berichteten. Charakteristisch für diesen Zustand ist, daß sich der Betreffende selbst von außen beobachten kann und sogar die Fähigkeit besitzt, sich an weit entfernte Orte zu begeben und dort – nachprüfbar – Dinge beschreiben kann, die sich tatsächlich zur selben Zeit ereignet haben (vgl. hierzu die Arbeiten von Swedenborg oder des Amerikaner Monroe.) Häufig begibt er sich dabei zu seinen nächsten Angehörigen, weil sich seine Gedanken während dieses Prozesses dabei auf diese richten. Dies für sich allein wäre schon der Beweis, daß Bewußtsein oder das, was man die Seele nennt, nicht zwangsläufig an Materie gebunden ist. Aber da in solchen Fällen die Menschen in der Regel wieder in ihren Körper zurückkehren – sonst könnten sie ja auch nicht darüber berichten -, glaubt die materialistische Wissenschaft, dies einfach abtun zu können, obwohl mit Leichtigkeit wissenschaftliche Studien hierzu erstellt werden könnten – wenn man denn wollte. Aber man will lieber sein materialistisches „Wissenschafts“dogma weiterpflegen.

Das mit den Ängsten, liebe Adelinde, ist ja eigentlich ganz natürlich. Nichtsdestotrotz ist es genau die Argumentationsschiene, mit der die materialistisch voreingenommene Wissenschaft glaubt, beweisen zu können, daß ihr Wissenschaftsmodell stimmt. Leider gibt es derart zahllose Erfahrungsberichte gerade auf diesem Gebiet, daß mit Fug an der materialistischen Auffassung bezüglich dieser Frage gezweifelt werden kann. Diese Zweifel mit der Angst vor der Endgültigkeit des Todes wegzuerklären, greift daher leider ein bißchen zu kurz. Aber letztlich muß ja jeder selbst damit klarkommen.

Wie es scheint, erleben viele Menschen tatsächlich, daß Geist und Bewußtsein nicht zwingend an Materie gebunden sind. Es tut mir leid, aber hier irrt Frau Ludendorff. Das soll ihre übrige wertvolle Arbeit nicht schmälern. Aber angesichts der Fülle der oben beschriebenen Erfahrungen, halte ich es für richtig und auch notwendig, einer solchen Anschauung zu widersprechen.

Last edited 1 Monat zuvor by Der Wolf
Der Wolf
Der Wolf
1 Monat zuvor

@ Adelinde

„Wenn solche verfehlten Leben ewig bestünden: Welche Gottwidrigkeit stellte eine solche Möglichkeit dar! Das Todesmuß schützt uns vor solchem Horror.“

Hierzu gibt uns die Lehre vom Karma einige interessante Aufschlüsse. Soll heißen, jeder bleibt vom Grundsatz her mit der Energie verbunden, die von ihm ausgeht. Es geht hier also um das Gesetz von Ursache und Wirkung, welches für jeden gilt, auch über den Tod hinaus, und wirkt selbstverständlich auch in alle weiteren Leben der jeweiligen Seelenessenz – Leibniz spricht hier von der „Monade“ – hinein.

Außerdem erhebt sich sich dann die Frage, was mit den nicht verfehlten Leben ist. Da allerdings schwerlich ein Mensch in einem einzigen Leben alle notwendigen Lebenslektionen lernen kann, wäre – im Gegenteil – die Möglichkeit der Wiederverkörperung für besagte Lebensessenz die Gelegenheit, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Freilich erlebt er diese Wiederverkörperung nicht in der alten physischen Person, sondern gewissermaßen mit neuer Ausstattung.

Auch dieses Thema ließe sich wissenschaftlich durchaus bearbeiten. Versuche hierzu stellen die sog. Rückführungserlebnisse unter kontrollierter Hypnose statt. Sehr interessant, einmal solche Berichte bzw. Protokolle zu lesen.

Aber wie schon gesagt: Jeder darf das glauben, was ihn bestärkt.

Last edited 1 Monat zuvor by Der Wolf
KWHugo
KWHugo
1 Monat zuvor

Ich hatte hier nicht mitdiskutiert, weil ich dazu zu wenig weiß, aber ich möchte ein Erlebnis vor vielen Jahren erzählen: Ich war im 7. Monat mit meinem Sohn schwanger und ging spontan eines Nachmittags in Güstrow in die nebenstehende Kirche. Ich mag Kirchen wegen ihrer Architektur. Plötzlich erfaßte mich nach einer Weile ein eiskalter Hauch, ich sah erschrocken zu den Sakophargen rüber und ging zum Ausgang, betrat die Straße, genoß die warme Sonne und schaute auf die Uhr, 18 Uhr, es war Mitte Juni. Morgens erfuhr ich durch meinen Vater den Tod meiner Mutter: Plötzlich und unerwartet nach einer harmlosen Blinddarmoperation im Alter von 50 Jahren. Ich fragte beklommen, wann das war: „Gestern um 18 Uhr“. Zufall?

Nicht alles ist materialistisch erklärbar, liebe Heidrun, liebe Mitleser.

KWHugo
KWHugo
1 Monat zuvor

Ergänzung: Ich wohnte das 4. Jahr in Güstrow (Studium) und ging seither zum ersten Mal dort in eine Kirche. Am Sterbetag meiner Mutter, dazu das Erlebnis drinnen, die Uhrzeit.

Der Wolf
Der Wolf
1 Monat zuvor

Liebe Adelinde,

erstens hat jeder Mensch das Recht auf Irrtum, denn Leben ist ein ständiger Lernprozeß mit allen dazugehörigen Sackgassen. Hierbei gilt leider der Satz, daß auch die sog. Wissenschaft häufig nur den jeweils letzten Stand des Irrtums repräsentiert. Zweitens, wenn jeder auch glauben darf, was ihn bestärkt bzw. ihm frommt oder einfach nur das Gefühl gibt, daß ihm seine persönliche Weltsicht (wenigstens im Moment) Sicherheit gewährt oder einen besonderen Status verleiht (> Der Gläubige kommt ins Paradies, den Ungläubigen erwartet die ewige Verdammnis), bedeutet das noch keineswegs, daß seine Sicht auch die richtige ist. Das Problem der Wahrheit berührt es nicht. Allerdings muß dann der Betreffende auch bereit sein, die Konsequenzen seines Irrtums oder seiner Weigerungshaltung auf sich zu nehmen. Denn nur dadurch kann er reifen. Im besten Falle wird er durch das eigene Erleben belehrt und erkennt seinen Irrtum, im schlimmsten Falle wird er die unheilvollen Auswirkungen seines Irrtums – oft verstärkt noch durch seine nächste Umgebung – am eigenen Leibe spüren müssen. So arbeitet nicht nur der Kosmos, sondern so arbeiten auch die geistigen Gesetze, die ebenfalls Naturgesetze sind – freilich auf einer subtileren Stufe und nicht immer sofort auf der materiellen Ebene spürbar. Unbeugsam jedoch sind sie beide, rücksichtslos gegen jede Form menschlicher Verbohrtheit und Ignoranz. Es lohnt sich also immer, nach der Wahrheit zu fahnden. Insofern kann ich nur zustimmen. Doch jedem das Seine.

Im Klartext: Jeder ist der Schöpfer seiner eigenen Welt. Er muß allerdings auch die Konsequenzen seiner Schöpfung auf sich nehmen – die Welt als Wille und Vorstellung, wenn man so will. Wie weit er sich dabei mit der kosmischen Schöpfung im Einklang befindet, ist freilich eine andere Frage. Es liegt an ihm selbst, das zu korrigieren oder es auch zu lassen. Wenn er lieber leiden will: Bitte sehr! Es geht ja auch anders.

Kommen wir zu dem sog. „Todesmuß“. Das einzige, von dem wir wissen, daß es beständig ist, ist der Wandel. D.h., das Leben erkennen wir an seiner fortwährenden Veränderung der Form. Die Essenz dagegen, also das Leben selbst, ist ewig. Wäre es anders, gäbe es überhaupt nichts, keinen Kosmos, kein Nichts, kein Garnichts. Woher das Leben kommt, wissen wir allerdings nicht. Es ist. Und damit hat sich’s. Freilich kann von Tod kein Leben kommen. Doch selbst, wenn das Leben irgendwann einmal verschwinden sollte, bliebe immer noch die Frage seiner Herkunft. Man könnte auch sagen, nur das Nichtgeschaffene ist ewig, alles andere ist vergänglich.

Das Todesmuß, sofern damit der ewige Wechsel der Formen gemeint ist, ist daher im Grunde nichts anderes als das ewige Werde, nur aus einer anderen Perspektive betrachtet. Aus einer solchen Sicht ist der Tod freilich nur eine Illusion. Für den Geist, das Konzentrat der Bewußtheit, gilt dabei dasselbe. Denn es ist offensichtlich Bewußtheit, welche den Kosmos in allen seinen Formen gestaltet und lenkt, und es ist Bewußtheit, die in allen Formen des Lebens enthalten ist, von seiner primitivsten Form, bis zu seiner höchsten. Was sollen daher utilitaristische Erwägungen wie: Der Mensch könnte ja leichtsinnig werden, wenn er an die Reinkarnation glaubt, sprich an die Wiederverkörperung seiner individuellen Essenz in eine andere Form. Im Gegenteil: Ein solcher Gedanke könnte ihn auf der Grundlage des eigenen Lebenswillens zum brutalen Energieraffer mutieren lassen, selbst auf Kosten anderer individueller Lebenskerne und Bewußtheiten. Und genau das erleben wir doch in unserer Umgebung tagtäglich. Freilich überlebt in diesem Kosmos nur der Stärkste. Andererseits ist Ausgewogenheit, Gerechtigkeit und Maß ebenfalls ein bedeutender Evolutionsvorteil für die Behauptungsfähigkeit des Individuums und seiner Gruppe und am Ende sogar schicksalsentscheidend für die ganze Welt.

Das Einzige, was es auf diesem Erdenplan wirklich zu erkennen und zu lernen gilt, ist die bewußte Inanspruchnahme des „ewigen Werde“. Dies freilich ist nur möglich, wenn wir die Gesetze des Kosmos verinnerlicht haben, denn nur dann können wir zum Schöpfer werden. Genau genommen sind wir alle das freilich auch jetzt schon, nur in der Regel unbewußt, und daher sind wir auch meistens ziemlich schlechte Erschaffer, ja oft geradezu negative. Es geht daher darum, sich zum bewußten Schöpfer weiterzuentwickeln. Schon allein aus dem Grunde wäre ich vorsichtig mit Formulierungen wie „Todesmuß“, denn es bedeutet nichts anderes als eine Form der negativen Programmierung. Das bedeutet nicht, daß es den Tod im physischen Sinne nicht gäbe, aber Geist und Bewußtsein stirbt nicht. Schon gar nicht ist der Geist eine Funktion der Gehirnzellen, denn dann wäre er ja materiell. In der Tat: „Tod ist Leben, Sterben Pforte, alles ist nur Übergang“.

Und wie ist es dann mit der diesbezüglichen Gotterkenntnis? Dann gäbe es Gott als unabhängige Existenzform ja gar nicht, denn er könnte, gemäß der These der Gebundenheit von Bewußtsein an Materie, nur über unsere Vorstellung existieren. Und folglich endet er auch mit derselben. Also wäre Gott auch wieder nur ein reines Phantasieprodukt. Wenn das „Gotterkenntnis“ sein soll, würde ich das definitiv anders nennen.

Ich will nun Frau Ludendorff durchaus nicht jede Form von Spiritualität absprechen; sicher ist sie eine hochgeistige und zugleich mutige und ethisch hochmögende Person. Aber als Medizinerin folgt sie offensichtlich dem materialistischen Paradigma ihrer Wissenschaftsdisziplin.

Der Wolf
Der Wolf
1 Monat zuvor

Liebe Adelinde,

nie war es meine Absicht, Frau Ludendorff Habgier oder sonst irgendetwas in der Richtung zu unterstellen. Ich habe zwar längst nicht alles, doch immerhin ein paar Schriften von ihr gelesen und hatte bis jetzt wenigstens keinerlei größere Einwendungen. Doch die Sache mit dem absoluten Ende des Bewußtseins, in der Form wie es in den letzten Artikeln vorgetragen wurde, kann ich nicht einfach so stehen lassen, weil es allen meinen Erfahrungen widerspricht. Und es sind bei weitem nicht nur meine eigenen Erfahrungen, auf die ich mich stütze. Abgesehen davon ist der Begriff ‚Materialismus‘ in meinen Augen kein Schimpfwort, sondern charakterisiert lediglich eine bestimmte Denkschule in Wissenschaft und Philosophie, die bewußt bestimmte Denkansätze und Theoriebildungen ablehnt, die in eher metaphysische Richtung deuten. Damit klammert sie allerdings auch einen erheblichen Teil real existierender Phänomene aus, wenn das auch keineswegs heißt, daß alles, was in sog. esoterischen Kreisen ventiliert wird, tatsächlich so stimmen muß. Doch Frau Ludendorffs spezielle Form der Gotterkenntnis ist keinesfalls widerspruchsfrei und basiert dabei außerdem noch auf dem typisch materialistischen Ansatz, daß das Bewußtsein mit dem physischen Tode endet. Welchen Sinn macht denn da überhaupt noch ein tugendhaftes Leben? Wenn Du tot bist, fressen Dich die Würmer, egal ob Du gut oder schlecht warst. Wenn Du schlecht warst, aber bei all Deinen Untaten trotzdem Deinen Spaß gehabt hast, kann es Dir doch recht sein, Hauptsache, man erwischt Dich nicht bei Deinen kleineren oder größeren Gaunereien oder gar Verbrechen. Und auch Gott kann dir dann relativ egal sein, denn bislang bist Du ja mit allem durchgekommen, und nach dem Tode kommt eh nichts mehr. Und falls doch noch was kommt, merkst Du es sowieso nicht. Also, was soll’s. Dann ist es doch besser, vorher seinen Spaß gehabt zu haben. Und auch Tapferkeit und Opfermut und alle diese schönen Tugenden haben dann nur den einzigen Sinn gehabt, Dich schneller als beabsichtigt, ins Nirvana zu versenken.

Nicht nur der Sinn des Lebens, auch die Gerechtigkeit des Kosmos oder Gottes sind dann im Grunde nichts anderes als eine Chimäre – ein Schreckgespenst für die Unbedarften.

Dies allerdings widerspricht nicht nur dem logischen Denken und dem natürlichen Empfinden, sondern auch den Erfahrungen von Millionen Menschen.

Soweit es die Äthertheorie betrifft, so erklärt sie sicherlich manches. Ich finde sie jedenfalls nicht uninteressant, vor allem in der Astronomie, aber sicherlich ist sie auch auf viele andere Phänomene anwendbar. Sie geht auf jeden Fall einen Schritt weiter als der bloß mechanische Materialismus.

Die Anerkenntnis der Naturwissenschaft als sicheres Fundament unserer Erkenntnis bedeutet für mich allerdings nicht, daß diese frei von Dogmen oder Fehlschlüssen wäre. Doch konzediere ich, daß sie durchaus viele Phänomene schlüssig erklären kann, aber längst nicht alle. Es geht hier eigentlich auch gar nicht nicht um die Wissenschaft als Schule oder Institution als solcher, sondern um die Gesamtheit der Lebensphänomene, die erst in ihrer Gesamtschau ein vollständiges Bild der Wirklichkeit zeichnen. Der methodische Ausschluß eines großen Teils dieser Phänomene ist für mich allerdings das Gegenteil von echter Wissenschaft, egal wie deren sonstiger Anspruch lautet.

Ich fürchte freilich, daß wir an diesem Punkt zu keiner gemeinsamen Einschätzung gelangen. Aber trotzdem danke ich Dir für die Diskussion und die Gelegenheit, meine Position ein wenig darzustellen.

Last edited 1 Monat zuvor by Der Wolf
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