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Die Schöpfung eine Einheit

Adelinde 

Daß die Schöpfung eine Einheit sei mitsamt dem Menschen in ihr, diese Tatsache ist heute keines-wegs mehr und noch nicht wieder allgemein selbstverständlich.

Sie war es einmal bei unseren Vorfahren, und sie ist es vielleicht bei den Völkern noch, die in ihren an-gestammten Vorstellungen verharren, ohne von dem sogenannten Fortschritt der überzivilisierten Völker angekränkelt zu sein. Die Überzivilisierten stehen heute auf einer geistigen Entwicklungsstufe, die sich verhängnisvoll ausgewirkt hat:

Sie haben den sogenannten exakten Wissenschaften den Vorrang über die sogenannten Geisteswissen-schaften gegeben. Den exakten Wissenschaften, den Naturwissenschaften, ist es eigen, vor allem zu ana-lysieren, das heißt die Einzelerscheinungen dieses Weltalls zu erforschen, indem sie diese auseinan-dernehmen und ihre Teile untersuchen.

Die Erforschung der Erscheinungsteile der Schöp-fung brachte die Spezialisten hervor, die sich immer stärker spezialisieren, je weiter die Teilforschung voranschreitet. Ein Spezialist ist daher ein Mensch, der über immer weniger Dinge immer mehr weiß. Je weiter er sich aber in letzte Einzelheiten vertieft und verliert, desto größer wird für ihn die Gefahr, den Zusammenhang mit der Schöpfung als einem Ganzen zu verlieren.

Die Verbindung der Forschungsgebiete unterein-ander geht verloren. Man kann sich diese Entwick-lung so vorstellen, daß vom Mittelpunkt eines Körpers aus Strahlen nach außen führen, immer weiter, bis ins Unendliche. Sind die Strahlen im Mittelpunkt noch gebündelt und beieinander, so wird ihr Abstand nach außen zu immer größer und schließlich unüberbrückbar, ebenfalls unendlich groß.

Und der Ausgangspunkt, der Körper in der Mitte, von dem alles ausging, liegt unendlich weit zurück. Die Verbindung auch zu ihm wird immer schwächer und geht schließlich ganz verloren.

In dieser Lage befindet sich die heutige Naturwis-senschaft. Sie versteht sich kaum mehr als eine Wissenschaft, die dem Drang des Menschen nach Erkenntnis des Weltalls und seines Sinnes an sich entspringt und ihm dient, die die übergreifende Lehre vom Sein, die Philosophie, anerkennt und sie durch ihre Forschung untermauert oder ihr neue Antriebskräfte verleiht, nein, im Gegenteil, sie hat sich verselbständigt und in tausenderlei Einzelheiten verloren.

Ein verhängnisvoller Zug hat sich in ihr heute breit gemacht, der Zug, die Gesetze der Schöpfung nur noch auf ihre Nutzbarkeit für die menschliche Zi-vilisation hin zu erforschen und sie vom Menschen für seine eigenen Zwecke beherrschbar zu machen, die vom Schöpfungsganzen aus gesehen — meist töricht sind. Es wird also reine Zweckforschung betrieben.

Stand diese Zweckforschung in früheren Zeiten in geringem Ansehen, so beherrscht sie heute die Wissenschaft. Der nützliche, wirtschaftliche, machtpolitische Gesichtspunkt scheint heute bei allen Überlegungen ausschlaggebend zu sein, und ein Mensch, der sich dieses Denken noch nicht zueigen gemacht hat, gilt nur zu leicht als „welt-fremd“, „unrealistisch“. Aber gerade er ist vielleicht keineswegs weltfremd, wenn man unter „Welt“*) wirklich das Weltall, die Schöpfung, versteht und nicht die vordergründige, geschäftige Alltags-„Welt“ der Menschen.

Erhaben und unbeeindruckt von allem Lärmen und Treiben der Menschen bewegt sich unsere Erde weiter wie seit Jahrmillionen durch das lautlose Weltall mit seinen ebenso erhaben kreisenden Gestirnen.

An dieser Erhabenheit hat nur der teil, der sich ihr innerlich voll hingibt, der sich vom Lärm der ge-schäftigen Menschen absondert und „all-ein“ ist. Er ist dann nicht der weltfremde, der Träumer, sondern der Weltvertraute, der „All-eine“, in dem sich das All als Einheit mit ihm offenbart.

Seit eh und je hat sich die Menschheit in einzelnen ihrer Vertreter mit dem All eins gefühlt. Das haben die Menschen in ihren Schöpfungsmythen zum Ausdruck gebracht.

Vor Jahrtausenden schon empfanden zum Beispiel die Chinesen die Welt trotz der Vielheit der Erschei-nungen als eine Einheit. Die Inder verkündeten in ihrem uralten Schöpfungsmythos, daß alle Pflanzen und Tiere aus einfachsten Lebewesen im Wasser hervorgegangen seien!

Sie waren in ihrem philosophischen Erkennen bereits vor Jahrtausenden so weit vorgedrungen, daß sie wußten, wie sehr unsere Sinneswahrnehmungen uns über die Welt der Erscheinungen täuschen, daß sie Blendwerk, „Maya“ seien. Die Unterschiedlichkeit der Erscheinungen sei nur ein Trugbild, in Wirklichkeit seien die Erscheinungen ein Einziges. In der Rigveda heißt es:

Nachdem er geboren, überschaute er die Wesen — und er sprach: „Was wollte sich hier für einen Verschiedenen erklären?“ — Aber doch erkannte er diesen Menschen als das Brahmandurchdrungenste —.“

Aus der Einheit der Erscheinungen ragt als das „Brahmandurchdrungenste“, als das Seelenvollste, vom göttlichen Erfüllteste, der Mensch heraus, aber er wurzelt im Ganzen, im All.

Der Naturwissenschaft und der Philosophie unserer Tage ist es dann gelungen, diese Schau der Einheit in der Vielheit des Alls zu bestätigen und zu vertiefen.

Die Naturwissenschaft konnte den Beweis erbringen, daß alle Lebewesen auf einen Ursprung zurückge-hen: auf den Einzeller, dann auf den Virus, den Kol-loidkristall. Sie hat sich bemüht, die Verbindung vom „Leben“ zurück zum sogenannten toten Stoff zu finden, zur Atomphysik. Ihr ist dies nicht gelungen.

Den Übergang vom tatunfähigen Molekül zum tatfähigen Wesen kann die Naturwissenschaft mit ihren Mitteln auch nicht erklären, dies gehört in den Bereich der Philosophie. Die Atomphysik konnte aber dann jenseits dieses Übergangs den Weg zurück zum Ursprung der Schöpfung weitergehen:

Sie errichtete das Gedankengebäude von den Ato-men mit ihren Elektronen, Protonen und Neutronen, von den Strahlen und Wellen, die von ihnen ausge-hen, und von dem periodischen System der Elemente.

Mit diesem Gedankengebäude arbeitet die Wis-senschaft äußerst erfolgreich, obwohl sie ihre Modelle von den Atomen inzwischen derart grundlegend geändert hat, daß es zweifelhaft erscheint, ob es die Atome überhaupt gibt, wie Prof. Thürkauf, Basel, 1969 in einem Vortrag in der Universität Hamburg sagte.

Wir sehen aber, daß die Naturwissenschaft bis zu den Grenzen ihrer Erkenntnismöglichkeit den Ur-sprung des Weltalls erforscht hat. Sie hat das Bild eines Alls entworfen, dessen Teile alle aus den gleichen Urzellen bestehen: aus Atomen, aus Neu-tronen, Protonen und Elektronen. Und was sind sie letztlich? Hans Peter Rusch sagt:

Noch nennt die Lebensforschung „Stoff“, was keiner ist, „Substanz“, was schöpferische Idee ist und sonst nichts.

Mathilde Ludendorff läßt in ihrem Werk „Der Siegeszug der Physik“ den Physiker Zimmer sprechen:

Im Atom sieht es vielleicht überhaupt nicht aus.

Der Ausdruck „Kraftwölkchen“ für das Atom kommt der Wirklichkeit sicher sehr nahe, wie wir sie vom philosophischen Erkennen her annehmen müssen. Aber was ist „Kraft“?

Schopenhauer spricht von der Erscheinung als dem „objektivierten Willen“. Die „Kraft“ ist also „objekti-vierter“, in Erscheinung getretener Wille. So befinden wir uns bei den Atomen am Übergang vom „Jenseits aller Erscheinung“ in das „Diesseits der Erschei-nung“, wie Mathilde Ludendorff es ausdrückt. Oder umgekehrt gesagt: Hier an diesem Übergang verflüchtigt sich die Erscheinung ins Jenseits.

Die uns sehr beeindruckende Erscheinungswelt mit ihrer klaren Gesetzmäßigkeit und ihren Formen Raum, Zeit und Ursächlichkeit steht also in ihrem Innersten am Rand des Jenseits ihrer selbst, am Rand der Nichterscheinung.

Beschreiten wir den Weg vom unsichtbaren Kleinsten hin zu den unermeßlichen Räumen des Weltalls, das, wie Mathilde Ludendorff im „Siegeszug der Physik“ sagt, „keine ,Massen‘, keine Kraftzentren der Er-scheinungswelt mehr aufweist und die Sternenwelt dieser gesamten Schöpfung nur wie eine Wolke in sich birgt“, so kommen wir wieder zu diesem Übergang, an dem sich die Erscheinung verflüchtigt.

Mathilde Ludendorff schreibt:

Dieser unermeßliche Raum gewährt den Spiralnebeln gerne noch weitere Radialflucht vor jedwedem Beginn einer Krümmung auf ungezählte Myriaden Jahre hin.

Jenseits von Raum, Zeit und Ursächlichkeit ist das Wesen dieses Alls. Keine unüberbrückbare Kluft klafft also zwischen dem Wesen und der Erscheinung der Schöpfung, sondern das Jenseits und damit das Wesen, das Göttliche, ist allgegenwärtig in der Erscheinung und eint sie.

Hartwig Laßebohm zeigt in seiner Abhandlung „Natur und Zivilisation“, „Mensch und Maß“, Folge 2/1970, wie die Einheit der Schöpfung sich auch hier verwirklicht. Er ließ Vinzenz Ziswiler zu Wort kom-men, der in seinem Buch „Bedrohte und ausgerottete Tiere“ schreibt:

Alle Lebewesen eines bestimmten Le-bensraumes sind direkt oder indirekt voneinander abhängig von der sie umge-benden Natur, dem Wasser und dem Boden.

Boden und Wasser sind wiederum von den Lebewesen in verschiedenster Weise ab-hängig. Im Laufe der Zeit stellte sich zwi-schen diesen Komponenten des Natur-haushaltes ein labiler Gleichgewichtszustand ein, den wir als biologisches Gleichgewicht bezeichnen …

Die von Laßebohm außerdem angeführten Lorus J. und Margary Milns zeigen in ihrem Buch „Das Gleichgewicht in der Natur“, wie sehr dieses biolo-gische Gleichgewicht gestört ist, wenn auch nur ein kleiner Teil aus der Lebensgemeinschaft entfernt wird. Sie schreiben:

Die ganze Natur gleicht einem Gewebe, jedes Tier und jede Pflanze einem Knoten, in dem die Fasern zusammenlaufen. Stoße irgendein Individuum an, und das ganze Gewebe ist betroffen.

Laßebohm macht diese Aussage an mehreren Beispielen deutlich. Ich gebe hier nur das letzte wieder:

Ausgangspunkt einer langen Kette tiefgrei-fender Eingriffe in den Naturhaushalt vieler Westindischer Inseln … ist die Tatsache, daß ihre Naturgeschichte seit ihrer Entdeckung durch Europäer eine lange Reihe gewollter und ungewollter Tier- und Pflanzenwelt-fälschungen darstellt.

Hinzu kommt eine aus verschiedenen Grün-den gesteigerte Nachfrage nach Zucker, weshalb Zuckerrohrpflanzungen angelegt wurden. Diese Monokulturen brachten eine übermäßige Vermehrung der verschiedenen eingeschleppten Rattenarten mit sich, was schließlich eine Bekämpfung notwendig machte.

Die einfache Bejagung mit Fallen und anderen Geräten reichte sehr bald nicht mehr aus, so daß man nach tierischen Feinden der Ratten suchte und diese einbürgerte.

Das erste waren Frettchen; sie starben schnell aus. Als zweites versuchte man es mit einer räuberischen Ameisenart. Sie konnte die Rat-tenherde nicht vermindern, breitete sich bald außerhalb der Pflanzungen aus und wurde selbst zu einer Plage.

Eine große fleischfressende Kröte leistete das Erwünschte ebensowenig. Während sie jedoch keinen nennenswerten Einfluß auf den Natur-haushalt Westindiens ausübte, war die Ein-bürgerung der Mungos um so folgenschwerer.

Der Mungo war zwar ein wirksamer Ratten-verzehrer, aber er beschränkte sich selbst-verständlich nicht auf Ratten, sondern be-jagte die einheimische Tierwelt so nachhaltig, daß sie stellenweise auf kleine Reste zusam-menschmolz oder sogar ausgerottet wurde, so daß der Mungo heute teilweise eine echte Landplage ist.

Die Verminderung der einheimischen Vogelwelt durch den Mungo und die überlebenden Ratten, die sich durch die Verfolgung durch den Mungo auf das Baumleben umgestellt hatten, brachten wiederum eine große Vermehrung von Insekten mit sich, die nun ihrerseits wieder den Zuckerrohranbau gefährdeten.

Was die Pflanzer früher für Rattenfang ausgaben, geben sie nun für Mungo- und Insektenbekämpfung aus. Der Unterschied besteht eigentlich nur darin, daß der Na-turhaushalt vollkommen und endgültig durcheinander gebracht ist.“

Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie vollkommen in der Schöpfung die Gewichte verteilt und die Einzelteile aufeinander abgestimmt sind. Greifen wir Menschen hier ein, so können wir diese vollkommene Ausge-wogenheit nur stören.

Wiederherstellen läßt sie sich nur, indem wir der Schöpfung behilflich sind, sich selbst wieder zu heilen nach ihren eigenen Gesetzen, daß wir das in ihr zu fördern suchen, was ihr mangelt, und das zu hemmen, was sie zu überwuchern droht. Wir Men-schen können die Schöpfung in dem feinen Zusam-menspiel ihrer Einzelteile nicht verbessern. Sie ist in sich vollkommen.

Nach dieser naturphilosophischen Erkenntnis han-deln heute auch die sogenannten Naturheilärzte. Sie sind sich dessen bewußt, daß man eine Krankheit nicht heilen kann, sondern daß die Krankheit ein Zeichen dafür ist, daß in dem Zusammenspiel der Teile des Leibes das Gleichgewicht der Kräfte gestört ist, das im gesunden Zustand vollkommen ausgewo-gen ist wie eine natürliche Lebensgemeinschaft in der Landschaft auch.

Diese Störung kann man nicht beseitigen, indem man Flicken auf Flicken setzt, sondern nur, indem man die Natur in ihrem Streben unterstützt, das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Dazu muß man ihr ihre Gesetze ablauschen, um sich ihnen entsprechend bei seinen Hilfsmaßnahmen zu verhalten.

Wollen wir die Schöpfung „verbessern“, überlisten, ihr mit tausend Kniffen ein Schnippchen schlagen, so befinden wir uns bereits auf dem verhängnisvollen Irrweg der Machenschaften.

Von der naturphilosophischen Einsicht in die Schöpfung als einer Einheit allein schon her ist geklärt, ohne daß die Naturwissenschaft sie durch ihre Beweise bestätigen müßte, daß durch Überli-stung der Natur mit Antibabypillen, Genußgiften zur Aufputschung, chemischen, das heißt dem Körper fremden, Medikamenten, mit synthetischen, das heißt ebenfalls naturfremden Düngemitteln für den Boden, mit Einkasernierung von Nutztieren in enge, finstere Verließe, mit Begradigung von Flußläufen, mit Abholzung der Wälder, mit weitläufigen Mono-kulturen, mit immer zahlreicher und umfangreicher werdenden Verkehrswegen, mit Ausdehnung der Großstädte und ihrer Industrien — letztlich Krank-heit erzeugt wird.

Krankheit aber bedeutet nichts anderes als Störung des Gleichgewichtes der Schöpfung.

Aus dem bisher Gesagten geht hervor, daß die Schöpfung eine in sich vollkommen ausgewogene Einheit ist. Die Frage nach dem Menschen aber bleibt noch offen. Er ist ein Teil der Schöpfung und kann sich doch gegen sie richten. Kein Teil der Schöpfung, kein Lebewesen, außer dem Menschen kann das.

Damit also ist der Einbruch in die Vollkommenheit der Schöpfung gelungen, mag mancher wähnen, und er wird von daher die Vollkommenheit der Schöp-fung überhaupt bestreiten. Zumindest glaubt er, der Schöpfung sei das Lebewesen Mensch mißraten. Oder aber er nimmt an, daß sich die Schöpfung in bezug auf den Menschen noch in der Entwicklung befinde.

Der Mensch strebt nach dieser Anschauung dem Zustand des „Übermenschen“ zu, eines Lebewesens, das Bewußtheit mit göttlicher Vollkommenheit von Geburt an vereinbart. Dieser Annahme liegt tiefe Weisheit zugrunde, und doch muß sie als irrig zurückgewiesen werden.

Mathilde Ludendorff ist es gelungen, den Sinn der Unvollkommenheit des Menschen zu erkennen und sie dem Ganzen der Schöpfung einzuordnen. Sie hat den Sinn des Weltalls erkannt und konnte nachwei-sen, warum der Mensch als Ziel der Schöpfung un-vollkommen geboren werden muß, um seinen Lebenssinn erfüllen zu können.

Damit gehört diese einzige Unvollkommenheit im gesamten Weltall, die aber ebenso sinnvoll ist wie alles andere, mit zur Vollkommenheit der Schöpfung.

Der Mensch hat dadurch, daß er unvollkommen geboren wird, die Freiheit zu jeder nur denkbaren Entwicklung innerhalb seines Einzeldaseins. Er kann sich im Laufe seines Lebens immer mehr den Schönheiten und dem Reichtum der Schöpfung hingeben und damit immer stärker den Wunsch in sich verspüren, sich mit allen Fasern seines Leibes und seiner Seele dieser Schöpfung einzuordnen, vollkommen wie sie zu werden.

Er kann sich aber auch der Vollkommenheit der Schöpfung verschließen, am wahren Leben gleich-gültig, mürrisch vielleicht, vorbeigehen. Er plagt sich mit Beschwernissen aller Art herum, die nun alles andere in seinen Augen überragen, und sucht schließlich Befriedigung seiner Lustwünsche in Scheingenüssen.

Die Natur beachtet er nur noch soweit, als er sie zur Erreichung seiner Scheingenüsse und zur Erleichte-rung seines so beschwerlichen Daseins ausnutzen, ja, ausbeuten kann.

Zu dieser Art von Menschen gehört z.B. Moses, der seinem Gott Jahweh die Worte in den Mund legt:

Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen.“ 1. Mose 1, 28.

Aus einer solchen ausbeuterischen, traurigen, un-vollkommenen Weltanschauung heraus kann der Mensch dem Leben auf der Erde großen Schaden zufügen, ja, es ganz vernichten.

Aber noch eine dritte Möglichkeit besteht: Der Mensch kann die Schöpfung und alles Göttliche hassen lernen. Er sieht in dem Göttlichen einen Feind, den er, selbst unter eigener Lebensgefahr, bekämpfen will.

Einem „normalen“ Menschen ist ein solcher Lebens-feind oder Gottfeind so gut wie unvorstellbar. Aber von der Philosophie und Psychologie her ist die Möglichkeit zu einer solchen menschlichen Ent-wicklung als gegeben erkennbar.

Auch der amerikanische Psychiater Frank hat vor dem Abrüstungs-Unterausschuß des Senates erst in den letzten Jahren ausgesprochen, daß es Menschen gäbe, die tatsächlich die Welt zerstören wollten. Sie würden auch vor der Anwendung von Atomwaffen nicht zurückschrecken.

Die Salzburger Nachrichten brachten in ihrer Aus-gabe vom 28.10.1961 einen Bericht über eine soge-nannte „handelnde Gruppe“, die in Ost und West das Heft in der Hand habe, die die Politiker auf der Bühne des politischen Theaters wie Puppen führe und die ihre geheime Weltherrschaft zu befestigen trachte, indem sie die Menschen der nördlichen Erdhalbkugel zu schwächen versuche.

Ein bedeutendes Mittel dazu seien die Atomex-plosionen, die ja in den 50er Jahren am laufenden Band stattgefunden haben.

Denken wir auch an die Rauschgiftwelle, die Amerika und Europa so plötzlich überspült hat. Das Ge-schäftsinteresse Geldgieriger allein hätte diesen Großangriff auf Leben und Gesundheit unserer Völker wohl nicht so erfolgreich geführt.

Wie froh werden diese Lebensfeinde über den un-geheuren Alkohol- und Nikotinverbrauch sein, wie glücklich, daß sich vernünftige Ernährungsratschläge so schwer durchsetzen,

wir bereiten das große Schauspiel des Unter-gangs vor, den Brand, die Zersetzung … überall demoralisieren …,

verriet schon 1918 Dada Tristan Tzara, mit richtigem Namen Sami Rosenstock. Und wie bewundernswert einträchtig und gleichgerichtet unterstützen unsere Massenmedien diesen Vernichtungskampf der Lebensfeinde!

Unter Einsatz des eigenen Daseins vernichten diese Menschen das Leben auf Erden, nur aus Haß, aus einem ursachlosen, abgründigen Haß gegen alles Schöne, Wahre, Gute, gegen die Schöpfung, gegen ihre Vollkommenheit, Erhabenheit, gegen das Göttliche!

Ein eindrucksvolles Buch über diese Erscheinungen innerhalb des Menschengeschlechtes ist „Mord an Apollo“ von Alexander von Senger, Zürich 1964. Allen Zweiflern, die sich den vollkommenen Gott-feind nicht vorstellen können, sei dieses Buch wärmstens empfohlen!

Trotz dieser entsetzlichen Möglichkeiten einzel-menschlicher Entscheidung bleibt die Schöpfung eine Einheit, wie es das Werk Mathilde Ludendorffs und die Naturwissenschaft gezeigt haben. Wer sich mit diesem Gedanken näher befaßt, wer sich dieser Schau mehr und mehr hingibt, den kann eine tiefe Liebe zur Schöpfung erfassen, und das erschüt-ternde Erleben der seelischen Hingabe an ihre Voll-kommenheit wird ihn dann nicht mehr gegen sie, sondern für sie und mit ihr handeln lassen.

Er ist dann das Beispiel dafür, wie sehr der Mensch, er als bewußtes Lebewesen, eine Einheit mit der Schöpfung bilden kann. Diese Einheit des Menschen mit der Schöpfung ist angesichts der unvollkomme-nen und gottfeindlichen menschlichen Umwelt um so ergreifender, weil sie so selten ist.

*)   Anm. von Matthias Köpke: Die „Welt“ im Juden-Christentum:

Paulus begründete seine Lehre mit dem Gefühl grenzenloser Minderwertigkeit des Menschen; alle Menschen sind unter der Sünde – wie er nicht oft genug wiederholen konnte; denn alle leben in der Erbsünde, die vom ersten Menschen her auf alle anderen übergegangen ist.

Er bestimmte den Menschen als Gesamtwe-sen, mit Körper und Seele und allen körper-lichen und geistigen Kräften, als „Fleisch“, das dem „Geist“ als dem Göttlichen gegen-übersteht: das Wesen des „Fleisches“, d.h. des gesamten Menschen, ist Abkehr von Gott (Jahweh), Feindschaft gegen Gott (Jahweh); und dieser Feindschaft gegen Gott (Jahweh) entspringt alle sittliche Bosheit, alles wur-zelhaft Böse des natürlichen Menschen.

Das Fleisch, also der natürliche Mensch, ist unlösbar mit der Sünde verbunden, ist die Sünde selbst; deshalb ist das Ende des „Flei-sches“ der Tod, der grundsätzliche Ausschluß von der höheren himmlischen Welt – und deshalb ist der ganze natürliche Mensch, auch nach seiner seelischen Seite, dem Fluch Gottes (Jahweh) verfallen, ist durchaus nichtig und wertlos – und zwar von Uranfang an, nicht erst durch besondere Verfehlung des ersten Menschen, durch welche allerdings die Verworfenheit noch gesteigert wurde.

Mit dem Menschen ist nun auch die ganze gegenwärtige Welt schlecht, gottfeindlich und unter Gottes Zorn; sie ist das Reich des Sa-tans, der ihr Gott ist, sodaß der Mensch sie restlos ablehnen muß; die Weltweisheit ist nur Torheit und von Gott (Jahweh) verworfen, und vor allem ist jedes Vertrauen auf eigene Kraft von Gott (Jahweh) verabscheut.

Nach der Lehre des Paulus erzeugt der Satan Krankheit, Unmäßigkeit, Unzucht, Unfriede, allerlei Unbequemlichkeiten, sogar den Tod; der Satan tritt auf als Ankläger des Menschen vor Gott, aber auch als Verführer in Gestalt eines Lichtengels; jedes Verderben geht von ihm aus; er versucht den Abfall der Menschen von der Paulusgemeinde, er ist der Böse schlechthin und wird einst sogar seinen eigenen Vertreter in die Welt schicken; vor allem hat er es auf die Frauen abgesehen, die nur durch die Zauberwirkung eines Schleiers sich gegen seine Macht sichern können; die Götter der Nichtjuden gehören alle in die Reihe dieser Teufel.

Neben dem Teufel verdient bei Paulus noch der Begriff „Welt“ besondere Beachtung: Sie wird im Sinne der jüdischen Endzeitlehre als gottverlassen und teufelsbeherrscht in schroffsten Gegensatz zum Göttlichen ge-stellt – während sie im griechischen Sinn des Wortes „Kosmos“ als Inbegriff der leuchten-den Ordnung gedacht ist; den Juden fehlt ja der Begriff vom Weltall völlig, und sie haben keine Vorstellung von der geordneten Welt – aber bei Paulus ist der „Kosmos“ gerade die Welt, die nicht in Ordnung ist und erst erlöst werden muß.

So wird zwar das griechische Wort ruhig weiter verwendet, aber sein Sinn ganz unter der Hand genau umgekehrt; solche Um-wandlung aber von der Einheitlichen zur Gespaltenheit im Weltbegriff ist nur möglich, wo vom Orient her aus dem Abstandsgefühl gegenüber der Gottheit die Zweiweltenlehre (Dualismus) einbricht.

Aus dem Buch „Magie“, Kapitel „Die Lehre des Paulus“ von Matthias Köpke. 

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