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Betrachtungen zum aktuellen Wetter

Wir alle können vom Wetter lernen.
Es schenkt der Kritik keine Aufmerksamkeit.
Unbekannt

Thomas Engelhardt

Schlagzeile in der heutigen Regionalzeitung (25.06.2026):

„Extremwetter in Niedersachsen“.

Zwei Dinge sind im gegebenen Zusammen-hang auffällig. (Fast) normales Sommerwetter wird als außergewöhnlich wahrgenommen, sogar als „extrem“. Darüber hinaus werden Begriffe falsch und auch inflationär verwen-det. Extrem ist dieser gerade erst beginnende Sommer 2026 durchaus nicht.

Sommerliche Hitzeperioden gab es immer. Zuletzt 1976, 1983 und 1994, mit bis zu 16 Hitzetagen in Folge.

Gehen wir zeitlich absteigend weiter zurück, stellen wir fest, daß alte Aufzeichnungen (Ortschroniken, Kirchenbucheinträge usw.) immer wieder von den auch damals lebenden Menschen als abweichend von der Regel wahrgenommenen Wetterphänomenen berichten.

Das aber ist insofern normal, weil unser individueller Erlebnishorizont naturgemäß begrenzt ist und sich eben nur auf die eigene Lebenszeit stützen kann.

Im Jahr 1540 erlebte Mitteleuropa eine monatelange Hitze- und Dürreperiode. Elf Monate lang fiel damals praktisch kein Regen,

„die Temperatur lag fünf bis sieben Grad über den Normalwerten des 20. Jahrhun-derts, verbreitet muß die Temperatur im Hochsommer über vierzig Grad geklettert sein.

Unzählige Waldgebiete in Europa gingen in Flammen auf, beißender Rauch trübte das Sonnenlicht, im ganzen Sommer 1540 wurde kein einziges Gewitter registriert.

Schon im Mai wurde das Wasser knapp, Brunnen und Quellen fielen trocken, Mühlen standen still, die Leute hunger-ten, das Vieh wurde notgeschlachtet.

In Mitteleuropa starben etwa eine halbe Million Menschen, sehr oft an Magen-Darm-Krankheiten. „Alles begann in Norditalien mit einem Winter, der sich wie ein Juli anfühlte. Kein Tropfen fiel von Oktober 1539 bis Anfang April 1540. Dann griff die Dürre auf den Norden über.“

Der Juli brachte eine solche

„Gluthitze, daß die Kirchen Bittgebete aussandten, während Rhein und Elbe trockenen Fußes durchwatet werden konnten. Dort, wo noch Wasser floß, färbte sich die warme Brühe grün“,

Fische trieben tot mit dem Bauch nach oben.

„Der Bodenseepegel sank auf Rekordni-veau, Lindau war sogar mit dem Festland verbunden. Bald verdunstete das Ober-flächenwasser vollständig, die Böden platzten auf, manche Trockenrisse waren so groß, daß ein Fuß darin Platz fand.“ [1]

Solche Jahrhundertsommer gab es vor 400, 300, 200 Jahren. 1834 war der wärmste Sommer des 19. Jahrhunderts. 1904 ebenso ein Hitzesommer. 

Die damalige extreme Dürre und langan-haltende Trockenheit führte zu einer Mißernte und Teuerungswelle in ganzen Deutschen Reich. Der Verkehr auf den  Binnenwasserstraßen (Rhein, Elbe, Donau, Oder, Wechsel, Mosel, Netze) wurde komplett eingestellt. Die darauf folgende Mißernte führte zu einem schlagartigen Anstieg der Auswanderungen aus dem Deutschen Reich in die Vereinigten Staaten.[2]

Einen heißen, trockenen Sommer erlebten die Deutschen auch 1911. Am 28. Juli 1911 er-reichte die Temperatur mit 40° C im Schatten in Chemnitz  einen Rekordwert (die 40° stell-ten aber noch nicht den Spitzenwert dar, da bereits am 18. August 1892 in (Bad) Rei-chenhall das Thermometer sogar bis auf 41 ½° C gestiegen war).

Ebenfalls ein außergewöhnlich heißer Sommer war der des Jahres 1947. Dieser Sommer galt der Erlebnisgeneration als besonderes Re-kordjahr.  Damals wurden in vielen Städten und Dörfern des besetzten Deutschland die höchsten jemals gemessenen Temperaturen verzeichnet. 

Für die Zeitgenossen war dieser Sommer so herausragend, weil sich Hunderttausende als Gefangene in den Konzentrations- und Haft-lagern der Alliierten befanden und viele Mil-lionen Menschen (Vertriebene, Flüchtlinge, Evakuierte, Ausgebombte) in Notunterkünf-ten, Baracken, Kellerwohnungen hausten. Die Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung war prekär, die medizinische Betreuung und Versorgung flächendeckend mangelhaft.

Heiße Sommer gab es aber auch in diesen Jahren: 1921, 1937, 1947. 1959, 1964, 1976, 1983. Will heißen: nichts Neues.

Im 21. Jahrhundert war der Sommer 2003 bislang der heißeste. Im wörtlichen Sinne kann man aber auch den Sommer des Jahres 1983 als den Jahrhundert-Sommer bezeich-nen.

Was aber ist ein „Jahrhundert-Sommer“? Im allgemeinen Sprachgebrauch ist das die gängige Bezeichnung für außergewöhnlich lange anhaltende sonnige und heiße Perioden während der Sommermonate, insbesondere in den Hundstagen.[3]

Diese Wetterphänomene treten aber immer wieder auf. Nur wird den Leuten heute weis-gemacht, das Klima würde sich „erwärmen“. Klima erwärmt sich aber nicht, es ändert sich möglicherweise.

Aufgrund von noch nicht eindeutig geklärten natürlichen Prozessen (Sonnenaktivität, Krei-selbewegungen der Erdachse, bekannte 80-Jahre-Sonnenzyklen usw.) stellen sich auf der Erde Warmphasen ein, die global ein neues Temperaturgleichgewicht zu Folge haben.

Dieses neue Gleichgewicht wird wesentlich beeinflußt von Windströmungen (Wind ist Ausgleich von Luftdruckgefällen), Wolken-bildung, Niederschlagshäufigkeit und Luft-feuchtigkeit. 

Die Natur kennt keine Klimakatastrophe, nur die Änderung von Gleichgewichtszuständen. Ändert sich ein Parameter (Druck, Tempera-tur, Luftfeuchte) wird der alte Gleichge-wichtszustand destabilisiert.

Vor 2000 Jahren lag die mittlere Temperatur auf der Nordhalbkugel der Erde um ca. 3° höher als heute. Und? Die Sahara war in weiten Teilen noch Savanne und Trocken-steppe, der Tschadsee mehr als zehnmal so groß wie heute.

Große Flüsse, gespeist von Quellen in den Sahara-Gebirgen Tibesti, Ahaggar und Fezzan, auf Satellitenbildern noch erkennbar, durchstömten die großen Ebenen …

In der Antike war Nordafrika die Kornkammer des Römischen Reichs und zahlreiche Wadis in der Sahara waren noch wasserführend … Wohlgemerkt bei einer im Durchschnitt um ca. 3° höheren Temperatur als heute.

Der jetzt ausgetrocknete Schott el Dscherid (in der Antike Tritonsee genannt) war ein riesiger 7.000 km² großer allerdings ab-flußloser Salzsee. Und und und. Viele weitere Beispiele ließen sich anführen.

Unterzieht man die Temperaturverhältnisse der letzten Jahrzehnte einer kritischen Be-trachtung, so waren diese – absolut betrach-tet – nicht in dem Sinne abnorm, daß neue Hitzerekorde in Deutschland oder überhaupt in Mitteleuropa erreicht worden wären.

Wohl hat die Temperatur aber in einer Reihe von einzelnen Orten in der Bundesrepublik immer einmal wieder, insbesondere in der Zeit der sog. Hundstage, 35 – 37 ½° C im Schatten erreicht, aber das ist auch in frü-heren Jahrzehnten und Jahrhunderten schon so gewesen.

Ja, hohe Temperaturwerte sind innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches vor noch nicht allzu langer Zeit, beispielsweise im heißen August des Jahres 1892, schon über-schritten worden, und selbst absolute Maxi-maltemperatur wie die am 28. Juli 1911 in Chemnitz mit 40° C im Schatten stellt noch keinen Rekord dar, da am 18. August 1892 in Reichenhall (jetzt Bad Reichenhall) das Thermometer sogar bis auf 41 ½° C  gestiegen war!

________________

Anmerkungen

[1]Andreas Frey: Elf Monate ohne Regen In: Neue Zürcher Zeitung (4.08.2018). Ders.: Europas vernichtende Jahrtausenddürre. In: Spektrum.de. (11.08.2018). (im Wesentlichen wortgleiche Wiedergabe des Textes vom 4. August 2018 aus der Neuen Zürcher Zeitung, um einige Zusatzinformationen ergänzt und um einige schweizbezogene Sätze gekürzt)

[2]Wilhelm Naegler: Die denkwürdige Dürre und Hitze des Jahres 1904. In: Jahresbericht der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera. Band 46–48, 1903–1905, S. 109. (Zitat: „Am schlimmsten gestalteten sich die Verhältnisse im Monat Juli, welcher mit seiner lang anhaltenden Hitze, Dürre und Wolkenlosigkeit das Gepräge eines subtropischen Sommermonats hatte, und tatsächlich wurde dieser abnorme Witterungscharakter durch ein dauerndes Übergreifen des subtropischen Hochdruckgebietes bis in unsere Breiten hervorgerufen“). – Ulrich Zawatka-Gerlach: Jahrhundertsommer 1904. Es ist nicht zum ersten Mal heiß in Berlin. In: tagesspiegel.de, 2. August 2018.

[3]Hundstage: Als Hundstage werden die heißen Tage im Sommer, genauer in der Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August, bezeichnet. Der Begriff Hundstage stand ursprünglich in Verbindung mit dem heliakischen Aufgang des Sirius.]

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8 Kommentare
Herbert
Herbert
1 Monat zuvor

Der Sommer 1959 ist mir noch als Kind in Erinnerung, da mein Vater Fußballer war und er einmal von einem geplanten Spiel überraschend nach Hause kam, da es abgesagt wurde. Auf dem Sportplatz herrschten 42 Grad Celsius, und niemand konnte bei dieser Hitze spielen.

Rüdiger Lack
Rüdiger Lack
1 Monat zuvor

In Regensburg dokumentiert ein Bauwerk eine Hitze- und Trockenperiode. Die Steinerne Brücke über die Donau konnte erst gebaut werden, als die Donau so trocken war, daß man die Brückenpfeiler im Flußbett errichten konnte.

Zitat aus Wikipedia:
„Mit dem Bau einer steinernen Brücke wurde im außerordentlich trockenen Sommer des Jahres 1135 begonnen.“

Dittmann Ulrich
Dittmann Ulrich
1 Monat zuvor

Trefflicher Beitrag.

Unbestritten wandelt sich das Klima permanent seit Jahrtausenden – der Klimawandel ist aber nicht menschengemacht, daher kann er auch nicht vom Menschen abgewendet werden.

Den Ergebnissen neuer Forschungsarbeiten zufolge, war Grönland beispielsweise einmal richtig grün gewesen. Aus ihnen geht hervor, daß das südliche Hochland des Landes mit einem üppigen nördlichen Nadelwald bewachsen war.

(Da Linkhinweise hier leider nicht einstellbar sind, so diese Fakten einfach mal „googeln“)

Es gab schon immer heiße Wetterzyklen, obwohl es noch keine bösen Abgase – und glücklicherweise auch noch keine Greta´s und naiven Klimaterroristen gab…

Von heutigen Diesel-Pupsen läßt sich das gigantische Weltall wahrlich nicht beeinflussen.
Heuchelei und Volksverdummung haben Hochkonjunktur bei der heutigen überall hochgepuschten Klimahysterie.

Alois Mitterer
Alois Mitterer
1 Monat zuvor

Zur Erinnerung:

Ludwig Thoma hat den von Thomas Engelhardt als besonders heiß erwähnten Sommer 1911 wie folgt kommentiert:

„Überall hört man von Hitze.
Manchen trifft sogar der Schlag.
Naß wird man am Hosensitze
schon am frühen Vormittag.

Damen, denen man begegnet,
leiden sehr am Ambopoäng.
„Ach, wenn es nur endlich regnet!“
ist der ewige Refräng.

Oberlehrer und Pastoren
baden sich in diesem Jahr.
Ihre Scham geht auch verloren
und man nimmt sie nackicht wahr.

Busen, Waden, Hintern, Bäuche
zeigt man heuer lächelnd her,
und wir kriegen schon Gebräuche
wie die Neger ungefähr.

Wenn das Barometer fiele,
käme eine bess´re Zeit
in Bezug auf die Gestänke
und in puncto Sittlichkeit.“

Zwei Jahre vorher, zum kühlen Juli 1909 meinte Ludwig Thoma:

„Die Schöpfung Gottes ist dieses Jahr
ein niederträchtiges Pissoir.
Schnecken, Frösch und Wasserwürm
brauchen sogar einen Regenschirm.
In der verschleimten Sommerflur
rotzt die gesamte Kreatur,
und das weise Weltsystem
ist aus Dreck und feuchtem Lehm.
Auch im Himmel schweigt Gottes Lob.
Dieses Wetter ist viel zu grob.
Uriel, Michel und Gabriel
möchten miteinander in d´Höll,
denn sie meinen, es wär wohl gut
in der ewigen Flammenglut.
Oben frieren die Zehen starr,
Petrus hat einen Blasenkatarrh,
und dem Erzvater Abraham
wächst am Hintern ein Fliegenschwamm.“

Unseren Grünen sagt das freilich gar nichts. Sie können sich an der Drastik unseres Dichters nicht einmal amüsieren.

Allois Mitterer

Marco (Heimkehr)
Marco (Heimkehr)
1 Monat zuvor

Klima, ist in Zyklen immer in Bewegung. Ein klassiches Beispiel ist die sogenannte Mittelalterliche-Wärmeperiode in der Zeit von ca 800 bis 1400 nach Chr., wo es nach vielen Aussagen der letzten Jahrzehnte wärmer war als heute. Heute versucht der „Faktenchek“ zu erklären, daß diese „Klimaanomalie“, ja sie sind sich nicht zu schade für diesen Begriff, nur auf der Norhalbkugel stattfand. Das dabei alle Gletscher abgeschmolzen sind wird erst gar nicht erwähnt.

Die Zeitschrift National Geographic hatte berichtet, daß durch die heutige Schmelze alte Handelswege der Wikinger wieder freigelegt werden.

Die Erzählung der menschengemachten Klimaerwärmung bezieht sich ja heute vor allem auf das Co2 und Methan. Während das Methan genutzt wird zum Angriff auf die Landwirtschaft, Fleisch essen usw., betrifft Co2 alle Bereiche des Lebens. Beschäftigt man sich näher mit diesem Co2, wird’s richtig lustig.

Dazu sollte man wissen, daß Co2 heute 0,04 Prozent der Luft ausmacht, also im Hundertstelbereich liegt. Dabei soll der natürliche Gehalt bei 0,03% liegen und der menschlich verursachte Anstieg bei 0,1%. Und dann erzählen die meisten Gläubigen, daß dies 0,04% eine Glocke um die Erde bildet die das Klima erwärmt. Eine Glocke aus 0,04%, aha.

Zum Vergleich, würde man eine gewöhnlliche Hauswand mit einem Stück Styropor, von der Größe von 0,04%, dämmen wollen, würde man versuchen eine Hauswand mit der größe einer Postkarte zu dämmen.

Desweiteren kommt hinzu, daß Co2 50% schwerer ist als der Rest der Umgebungsluft und sich deshalb in Bodennähe befindet. Und das ist auch gut so, weil Pflanzen Co2 zum Leben brauchen und zum Wachsen. Deshalb wird in holländische Gewächshäuser Co2 geblasen, damit die Tomaten schneller wachsen!

Dieser Vorgang erklärt nach meiner Ansicht eigentlich auch das perfekte Schöpfungssystem, es zeigt, daß es sich mit dem Co2 und den Pflanzen um ein geschlossenes System handelt, welches sich gegenseitig ausgleicht.

Je mehr Co2 sich in der Luft befindet, je schneller wachsen die Pflanzen und verbrauchen dieses Co2 wieder und je grüner wird die Welt.

Daß Meyers Lexikon bereits 1888 behauptete, daß der Co2 Gehalt 0,04 Prozent in der Luft ist und sich damit bis heute nicht verändert hat, sei nur am Rande erwähnt.

Als ich mal den „Faktencheck“ nach dem Wert von Meyers befragte, wurde es recht schwurbelig, daß es ja lokale Schwankungen beim Co2 gibt und das die Messgeräte damals ja nicht so genau waren und daß es überhaupt schwierig sei, den genauen Wert zu ermitteln…

Ernst Cran
Ernst Cran
1 Monat zuvor

Ein die aktuelle Wetterhysterie gründlich abkühlender Beitrag, sachlich ausgeführt und historisch untermauert. Die beste Klima-Anlage für das Hirn!

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