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Wir Polen und Deutsche hatten die Tatsache aus dem Gedächtnis verloren, daß wir zwei Völker gleichen Ursprungs sind.

In Haß hatten wir uns gegeneinanderhetzen lassen, ganz besonders schlimm im und nach dem 2. Weltkrieg.

Ehe ich hier jedoch das Gemeinsame aufzeige, möchte ich von meinen eigenen Eindrücken berichten. Noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs hatte ich mich in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgemacht, die Ostblockländer, unsere verlorenen ostdeutschen Gebiete und die DDR-Länder zu bereisen. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, was der Kommunismus aus diesen Ländern und den Menschen dort gemacht hatte.

Nach Öffnung des Eisernen Vorhangs reiste ich mehrere Jahre jeweils in den Ferien mit dem eigenen Wagen nach Oberschlesien, um den dort verbliebenen Deutschen ihre verdrängte deutsche Sprache zurückholen zu helfen und ihnen zuzuhören, wenn sie ihre Schicksale schilderten, die sie nach dem Krieg unter polnischer Herrschaft erlitten hatten.

In Estland, Litauen, Polen, in der Ukraine, in Weißrußland, Rußland, Rumänien mit Siebenbürgen, Moldawien, Bulgarien, Albanien, Kroatien (damals noch Teil Jugoslawiens), Ungarn, Slovakien und Tschechien (damals noch vereint in der Tschechoslovakei) waren die Eindrücke – wie das bei Busreisen meist der Fall ist – eher oberflächlich, wenn auch unvergeßlich. Nur selten, dann aber um so eindrücklicher kamen persönliche Begegnungen und Gespräche mit den Menschen dort zustande, ganz besonders mit den Deutschen in Siebenbürgen.

Anders war es in Ostpreußen. In der Nähe Allensteins besuchte ich die alte deutsche Frau, der ich regelmäßig Pakete geschickt, die ich aber bis dahin nicht persönlich gekannt hatte, denn ihre Anschrift war mir von jemandem gegeben worden. Sofort stellte sich ein inniges Verhältnis zwischen uns ein, so als kennten wir uns lange schon. Das lag sicher auch daran, daß ich durch meine Mutter gesamtdeutsch und mit unseren Ostdeutschen und ihrem Schicksal mitzufühlen gelernt hatte – damals 1945, als in unserer Nachbarschaft in Hamburg Ostflüchtlinge eingetroffen waren – und die wenigen gemütstiefen Worte meiner Mutter zu deren Schicksal sich in meine knapp 10-jährige Seele senkten. Die alte Ostpreußin und ich waren sofort Volksgeschwister. Über ihre Kriegserlebnisse wollte sie nicht sprechen. Das sagte genug.

Mit einem deutschen Taxifahrer fuhr ich dann allein einen Tag lang im polnisch – wie es damals hieß – „verwalteten“ Teil Ostpreußens an die Orte, die ich sehen wollte. Während dieser Fahrt erfuhr ich viel von dem unerbittlich harten Leben der in Ostdeutschland verbliebenen Deutschen unter den Polen, die bestrebt waren, alles Deutsche aus den von ihnen angeblich nur „verwalteten“, in Wirklichkeit angeeigneten deutschen Ostgebieten auszumerzen. Erschütternd die Heimatlosigkeit und Rechtlosigkeit der dort verbliebenen Deutschen im eigenen Land, in dem sie auch ihre deutsche Sprache nicht mehr sprechen durften:

Der Taxifahrer war im Januar 1945 als 15-Jähriger mit Mutter und Schwester von Allenstein aus auf die Flucht gegangen. In 3 Tagen und 3 Nächten schafften sie 23 Kilometer. Dann wurden sie vom Russen überrollt. Die Mutter war wie alle ostdeutschen Frauen Freiwild. Der Junge wurde verschleppt, mußte das Vieh aus den verlassenen Häusern in Richtung Rußland treiben. In Litauen floh er und schlug sich bis nach Hause durch, fand die Wohnung verwüstet und wußte nicht, wo seine Angehörigen waren. Zufällig traf er irgendwo seine kleine Schwester wieder, von der erfuhr er, daß Mutter im Masurenlager sei, im polnischen KZ also. Bald darauf starb sie an Typhus. Vater war in Rußland vermißt. Nun kamen die beiden Kinder in ein Kinderheim und durften von Stund an ihre Muttersprache nicht mehr sprechen.

Sie hatten die Eltern verloren, das Elternhaus und nun auch ihre Sprache.

Nach damaliger polnischer Lesart wurde den Kindern jedoch wie den anderen dort gebliebenen Deutschen die angebliche Wohltat zuteil, in den Schoß Polens zurückzukehren, dem ihre Vorfahren durch Zwangsgermanisierung entrissen worden seien. Trotz dieser aufgezwungenen „Wohltat“ beantragte der Taxifahrer immer wieder, insgesamt 13-mal, seine Ausreise aus Polen. Sie wurde nicht gestattet. Leibeigenschaft und Ausbeutung: Denen hatten die Marxisten den Kampf angesagt. Weit waren sie nicht gekommen.

In einer überfüllten Kirche in Thorn/Westpreußen sah ich beim katholischen Gottesdienst Priester und Gemeinde – Männlein und Weiblein, Jung und Alt – innerlich vereint und vertieft in der Ausübung ihres Glaubens unter den polnischen Fahnen, die in ganzen Reihen rechts und links das Kircheninnere schmückten. In der katholischen Kirche Polens wird der polnische Nationalismus genährt und mit dem Glauben verquickt.

Luther,

sagt Professor Gryniakow von der Theologischen Akademie Warschau,

war ja ein Deutscher. Für die breiten Massen galt er als Synonym des Teufels – mit seinem Namen erschreckte man kleine Kinder.

Noch vor 50 Jahren [inzwischen werden es 30 Jahre mehr sein] verbreitete man in Polen die Broschüre eines katholischen Priesters, in der zu lesen war, daß der Teufel schon bei der Geburt Luthers anwesend war und sein Werk bis zu Ende begleitete.

Und Elisabeth und Peter Ruge schreiben in ihrem Buch „Nicht nur die Steine sprechen deutsch“:

Der eingepflanzte Haß auf das Evangelische, das Deutsche – seit jeher von katholischen Priestern geschürt – spielt womöglich auch heute eine maßgebliche Rolle bei den Kirchenbesetzungen.

Sie schildern auch den mindestens bis in die späten 1980er Jahre andauernden Kirchenraub. Katholiken nahmen den Evangelischen ihre Kirchen weg! Ruges berichten weiter:

Erkennbar sind zwei Stoßrichtungen, gegen die Evangelischen, die auf dem alten polnischen Territorium siedelten, vor allem aber gegen die deutschen Protestanten, die in Masuren, Schlesien oder Pommern überlebten. Anführer der Kirchenverfolger ist nach Darstellung des evangelischen Pastors Jerzy Otello die “Kuria Warmanska” in Masuren – die Ermländische Kurie. Der Pastor aus Neidenburg sieht Zusammenhänge, die für ihn offenkundig sind: Aus dieser Kurie, aus dem Ermland, kommt Jósef Kardinal Glemp, der heutige [also damalige] Primas von Polen …

Er verleugnete die Deutschen im Nachkriegspolen. Welch anmaßende Nichtachtung der Persönlichkeitsrechte Anderer! Polnischer Chauvinismus hat sich nicht nur deutsches Land und Sacheigentum angeeignet, die polnischen Propagandisten sind sich nicht zu schade, auch die deutschen Astronomen Kopernikus und Hevelius als Polen zu vereinnahmen. Dagegen bekennt der Literaturwissenschaftler Jan Jósef Lipski:

Niemand außer Spezialisten kennt die Hunderte, ja Tausende Vor- und Familiennamen schöpferischer Deutscher, die unverwischte Spuren in unserer Kultur hinterlassen haben.

Für diese Äußerung und weil er die Vertreibung der Deutschen ein Unrecht nannte, wurde er von der kommunistischen Führung unter dem Kriegsrecht als Vaterlandsverräter eingesperrt und hat seinen Arbeitsplatz für immer verloren.

In Mohrungen im Schloß des Grafen Dohna gab es eine Herder-Ausstellung zu besichtigen. – Nanu, die Ehrung eines Deutschen? Nun,

Herder ist in den Augen Polens ein guter Deutscher.

Denn er hat sich aus seiner damals historisch noch wenig tiefgehenden Sicht mit seinen warmen Worten um die slawische Volksseele in den Augen der Polen verdient und mit seinen harten über deutsche Untaten an den Slawen beliebt gemacht. Er schrieb im 1791 entstandene Kapitel in seinem Hauptwerk Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit:

Sie waren mildtätig, bis zur Verschwendung gastfrei, Liebhaber der ländlichen Freiheit, aber unterwürfig und gehorsam, des Raubens und Plünderns Feinde. Alles das half ihnen nicht gegen die Unterdrückung; ja es trug zu derselben bei. Denn da sie sich nie um die Oberherrschaft der Welt bewarben, keine kriegssüchtigen, erblichen Fürsten unter sich hatten und lieber steuerpflichtig wurden, wenn sie ihr Land nur mit Ruhe bewohnen konnten: So haben sich mehrere Nationen, am meisten aber die vom deutschen Stamme, an ihnen hart versündigt.

Ich nehme an, Herder spricht bei der Beschreibung der sog. Slawen von der vorchristlichen Zeit. Da hätte er bei dieser Volksart-Beschreibung die Germanen gleich mit nennen können. Er fährt auch fort und betont:

Schon unter Karl dem Großen gingen jene Unterdrückungskriege an,

– vorher also nicht! Er meint dann aber, daß

die offenbar Handelsvorteile zur Ursache hatten, obgleich sie die christliche Religion zum Vorwande gebrauchten.

Nun, die Absicht der Kirche, den heidnischen Völkern das Christentum aufzuzwingen, lag klar zu Tage und hat den germanischen Stämmen Jahrhunderte hindurch schwerste Abwehrkämpfe aufgenötigt. Die bereits christianisierten hatten sich dann den verchristeten Kampfscharen anzuschließen und sich gen Norden und Osten gegen die noch heidnischen Völker zu wenden. Eine bedeutende Rolle hat dabei der Deutsche Ritterorden im Osten gespielt. Die Ausbreitung der christlichen Religion war also keineswegs Vorwand, wie Herder meint, sondern Hauptziel. So fährt Herder denn auch fort:

Was die Franken angefangen hatten, vollführten die Sachsen; in ganzen Provinzen wurden die Slawen ausgerottet oder zu Leibeigenen gemacht und ihre Ländereien unter Bischöfe und Edelleute verteilt. (…) Unglücklich [für das slawische Volk], daß seine Lage unter den Erdvölkern es auf einer Seite den Deutschen so nahe brachte, und auf der andern seinen Rücken allen Anfällen östlicher Tataren freiließ, unter welchen, sogar unter den Mongolen, es viel gelitten, viel geduldet.

Diese Worte taten der slawischen, namentlich der polnischen Volksseele überaus wohl und führten schließlich zum Panslavismus des 19. Jahrhunderts, der letztlich zum Untergang des Deutschen Reiches führte. Prof. Wladyslaw Markiewicz, Mitglied der polnischen Schulbuchkommission, stellte im Mai 1981 nach der ZDF-Sendung Narben fest:

Das Geschichtsbewußtsein des polnischen Volkes ist nicht geprägt von Historikern und Geschichtswissenschaftlern, sondern von seinen großen Dichtern und Schriftstellern Adam Mickiewicz und Henryk Sienkiewicz.

Und – so können wir noch hinzufügen – von dem deutschen Johann Gottfried Herder! Dessen einst “mildtätige, bis zur Verschwendung gastfreie Liebhaber der ländlichen Freiheit … und des Raubens und Plünderns Feinde“, die Slawen, hatten sich zu erbitterten Gegnern Deutschlands mißbrauchen lassen, wobei vor allem sie selbst so vieles verloren haben. So war für unsere in ihrer Heimat Ostpreußen, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien, Sudetenland, Siebenbürgen verbliebenen, aber heimatlos gewordenen Ostdeutschen damals die westdeutsche Bundesrepublik das ferne, unerreichbare „Heilige Land“ Deutschland.

Polen und Tschechen betrieben innenpolitisch ungeachtet des marxistischen Internationalismus ihre national-chauvinistische Politik weiter, eine Politik, die entscheidend mit zum Ausbruch des II. Weltkrieges beigetragen hatte. Wie eine Zentnerlast trug ich in den polnisch und tschechisch besetzten ehemals deutschen Gebieten das Schicksal des deutschen Ostens auf den Schultern, zumal angesichts des reichlich großspurig auftretenden polnischen und tschechischen Selbstbetrugs bezüglich ihrer Übernahme fremden Eigentums.

In Warschau aber freute ich mich an den Polen. Wie schön und wohnlich haben sie ihre Altstadt wieder aufgebaut! Fröhliche Jungen und Mädchen zogen zur Feier des Frühlingsanfangs den ganzen Tag durch die Straßen, lustig, frei, aber nicht zügellos. Und in einer evangelischen Kirche erlebte ich mit, wie schlanke, gutaussehende Frauen und Männer ein Händel-Oratorium in deutscher Sprache aufführten. Hochachtung und Zuneigung empfand ich, ja Verwandtschaft.

Was unterscheidet uns Deutsche von den Polen eigentlich?

Wenn wir dieser Frage auf den Grund gehen wollen, lassen wir uns am besten von dem Wort aus dem Triumph des Unsterblichkeitwillens von Mathilde Ludendorff leiten:

Nicht das Sein gibt die Erkenntnis, nur das Werden birgt das Rätsel.

Das heißt für uns, die Geschichte beider Völker zurückzuverfolgen. Aber keine Sorge: Wir wollen uns hier jetzt nicht in kleinen Schritten von Schlacht zu Schlacht, von Herrscher zu Herrscher vorwärts bzw. rückwärts quälen, sondern die wesentliche große Linie betrachten. Polen und Deutsche trennt bis heute vor allem die Annahme, voneinander ganz verschiedene Völker zu sein: Polen seien Slawen, Deutsche Germanen. Wir müssen daher fragen,

was sind Slawen im Gegensatz zu Germanen?

Heute wird der Begriff „Slawen“ von den Slawisten rassisch gedacht. Danach müßten sich die slawischen Polen von den germanischen Deutschen im Erscheinungsbild unterscheiden. Das tun sie aber kaum. Was heißt also Slawen?

Lewer dood as Slaw!

hieß es bei den nicht christianisierten Nordgermanen und heißt es heute noch im Wappen der Nordseeinsel Föhr. Hat dies Slaw gleich Sklave etwas mit den Slawen zu tun?

Wappen der Nordseeinsel Föhr (Foto: Brigitte Specht)

Am 4. November 751 antwortet Papst Zacharias Bonifatius auf eine Anfrage:

Und dann hast du wegen der Sclavi gefragt, die im Lande der Christen wohnen, Bruder, ob es angebracht ist, Zins von ihnen anzunehmen. In dieser Hinsicht kann ich noch keinen Rat geben, bis der Grund der Sache klar ist. Wenn sie nämlich ohne Tribut dort sitzen, werden sie irgendeinmal ein eigenes Land schaffen; wenn sie aber Tribut geben, werden sie wissen, daß das Land einen Herrn hat.

Hier werden die Sclavi als Gegensatz zu den Christen genannt. Sie sollen tributpflichtig gemacht werden, damit sie einen Herrn haben, also versklavt werden.

Das Gleiche geht aus Einhards Annales Alamanici hervor. Einhard lebte von 770-840 und hat eine Vita Caroli Magni geschrieben, d. h. die Lebensgeschichte Karls des – im christlichen Sinne – „Großen“. Einhard erwähnt,

daß Karl gegen die “Sclavi” einen Kriegszug “in das Land der Wandalen” (in regionem Vandalorum) unternahm.

Also: Die Sclavi lebten im Land der Wandalen.

In seiner Hamburger Kirchengeschichte nennt im 11. Jahrhundert der Bischof Adam von Bremen die östlich der Elbe gelegenen Gebiete „die reichste Provinz Germaniens“. Er schreibt:

Sclavanien also, eine sehr ausgedehnte Landschaft Germaniens, wird von den Winulern bewohnt, welche einst Wandalen hießen. Es soll zehnmal so groß sein wie unser Sachsen, zumal wenn man Böhmen und die jenseits der Oddera (Oder) wohnenden Polanen, da sie weder im Äußeren, noch in der Sprache von jenen sich unterscheiden, mit zu Sclavanien rechnet.

Einhard erwähnt hier also bereits die Polanen, die Polen, die sich weder im Äußeren noch in der Sprache von den Wandalen unterschieden, und kennzeichnet

Germanien als Land zwischen Rhein und Weichsel

und berichtet:

… endlich bezwang er (Karl) alle barbarischen und wilden Völker, welche in Germanien zwischen Rhein und Weichsel, dem Ozean und der Donau wohnen, und an Sprache zwar wenig verschieden, an Sitten und Tracht aber unähnlich sind, derartig, daß er sie tributpflichtig machte.

Der König von Wessex, der Westsachsen in England, Alfred der Große, der die Angelsachsen unter Vorherrschaft von Wessex einigte und somit König von England wurde, sagte im Jahre 901:

Der gesamte Osten Europas bis zum Dnjepr ist germanisch.

Der dänische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus – er lebte von 1150 bis 1220 – bezeichnete die Stadt Jumneta, Wollin, an der Odermündung als das

Byzanz des Nordens … Jene Stadt ist angefüllt mit den Waren aller nordischen Völker und besitzt alles Angenehme und Seltene.

In seiner Chronica Sclavorum klagt Helmold von Bosau im 12. Jahrhundert darüber, daß sich die Wandalen Pommerns, die Heruler und Rugier, zwischen Elbe und Oder sowie andere weiter im Osten einer christlichen Bekehrung widersetzten.

Damit ist klar, daß östlich der Elbe Germanenstämme lebten, die Wandalen, später Wenden genannt, die heidnisch geblieben waren und daher Sclavi genannt wurden und die eine glänzende Handelsmetropole in Wollin hatten.

Der Siedlungsforscher Erich Bromme führt dazu aus:

Noch während seiner (Karls) Regierungszeit trennten die Elbe „Sachsen“ und „sclavi“, die Saale „Thüringer“ und „Sorben“, d. h. teils zwangschristianisierte Germanen westlich und sich dem Christentum widersetzende Germanen östlich dieser Flüsse, die somit niemals Scheidelinie zwischen fremdvölkischen, sondern eine Binnengrenze zwischen gleichvölkischen, jedoch weltanschaulich verschienen Völkerschaften oder Stämmen waren.

Wir können dies aus den neuzeitlichen Gegebenheiten sehr gut nachvollziehen: Die Grenze zwischen DDR und alter Bundesrepublik Deutschland verlief auf fast derselben Linie und stellte auch keine völkische, sondern eine Glaubensgrenze dar.

Es folgen Jahrhunderte erbitterter, grausamer Religionskriege zwischen den christianisierten Germanen, nun Deutsche genannt, und den östlichen, noch heidnisch gebliebenen Germanenstämmen, in deren Verlauf letztlich alle Heiden zum Christentum gezwungen wurden, zuallerletzt die Prußen und Litauer, und zwar mit Hilfe der Polen.

Doch was heißt Polen?

Salomon Neugebauer sagt im Jahre 1618 in seiner lateinisch geschriebenen Historia rerum Polonicarum:

Ob der Name der Polen aber einheimisch oder den Sclavi/Slavi gemeinsam oder nur einem einzigen Volk eigentümlich war und wie alt er ist, steht nicht ganz fest. Vor 700 Jahren [d.h. von der Veröffentlichung seines Buches zurückgerechnet: im 10. Jahrhundert] findet er sich nirgend in irgendwelchen Geschichtsbüchern. Und es ist auch keine einzige Herleitung von ihm erwähnt.

Auch bei Wikipedia lesen wir:

Die – ungeschriebene – Vorgeschichte Polens brachte eine Ansammlung slawischer Stämme, Burgen, Siedlungen und Grabstellen hervor. Eine ethnische Zuordnung ist unsicher. Die heutige Unwissenheit über Polens Ursprünge ist Folge der Quellenarmut des 10. Jahrhunderts, das in der historischen Forschung als “dunkles Jahrhundert” bezeichnet wird.

Bei der Gründung des Ursprungsreiches im Wartheland 960 gab es den Namen Polen nicht.

Erst Mieszko, Mesico, der misso, Sendbote Dago aus dem norwegischen Geschlecht der Daglinger gründet mit dem Ostgermanenstamm der Polani – den Bewohnern zu Lande (im Gegensatz zu den Po-Meren, den am Meer wohnenden Pommern, und den Po-Labi, den an der Elbe wohnenden Polaben) – das Herzogtum Polen um die Städte Posen und Gnesen herum.

Er treibt eine Politik der Annäherung an das Reich Ottos des Ersten, dem er sich 963 durch Lehens-Eid unterwirft. Damit beginnt – wie es bei Wikipedia sehr richtig heißt –

die geschriebene Geschichte Polens.

Seine Unterwerfung unter den bereits christlichen Otto macht sich sehr bald durch rege staats- und handelspolitische Beziehungen zum westlichen Germanenreich Deutschland bezahlt. 965 heiratet er die böhmische Herzogstochter Dubrawka/Dombrowka aus dem Geschlecht der Przemysliden, die das Christentum mitbringt. Einen ersten Hinweis auf die Fälschungen der polnisch-deutschen Geschichte erfahren wir bei Else Löser in ihrem Vortrag “Polen und die Fälschungen seiner Geschichte”:

Im Jahre 966 gab es ein Herzogtum Böhmen, das genauso ein Stammesherzogtum der deutschen Kernlande war wie Schwaben, Lothringen oder Bayern. Die “angeblich tschechische Königstochter Dombrowka” war die Tochter des Herzogs Boleslafs I., der dem germanischen Geschlecht des Warägers Pramysil entstammte und den Namen Domberta trug.

Der germanische Name Domberta wurde demnach tschechisiert, d. h. nach Art der “Glagolica” verändert (s.u.).

966 läßt Dago sich taufen und gestattet Rom das Missionieren in seinem Reich. Damit geht Dago-Mieszko einen Sonderweg inmitten der Schicksalsgemeinschaft heidnischer Germanenstämme im Osten. Er erspart seinem Volk zunächst den mörderischen Kampf gegen die christlichen Krieger, den die andern Germanenstämme verlustreich ausgefochten haben. Aber schon ein Jahr später, 967, beteiligt er sich an einem der Kreuzzüge gegen die Heiden, in seinem Falle gegen die Wandalen Pommerns.

Kaiser und Papst sind überaus zufrieden mit seiner Politik, anerkennen das Reich der sog. Piasten, das bis 1386 Bestand haben und sich – nach ständigen Kämpfen gegen die heidnischen Nachbarstämme – über weite Teile des europäischen Ostens erstrecken und aus dem das Königreich Polen hervorgehen wird. So erweist sich Dago-Mieszko Rom als guter Christ, hat durch Heirat nach Süden und Freundschaft mit Otto nach Westen den Rücken frei, kann sein Reich festigen und nach Norden und Osten ausdehnen bis an die Insel Wollin, die Oder, die Sudeten, Karpaten, bis an den Bug, den Narew und an das Land der Prußen.

Die polnische Kirche entwickelte sich unabhängig von der Reichskirche und stand in direkter Verbindung zur römischen Kurie,

schreibt Wikipedia und erwähnt einen Norman Davies, der m. E. den Nagel auf den Kopf trifft, wenn er

die offizielle Annahme des Christentums das bedeutendste Ereignis der polnischen Geschichte

nennt. Das Mesico-Reich ist also von Anfang an romhörig, scheidet als Angriffsziel der Schwertmission aus und beteiligt sich am Kampf gegen das Heidentum, setzt sich somit in Gegensatz zur Schicksalsgemeinschaft der Wandalen.

Als Mieszko dann kurz vor seinem Tod 991 sein Land unter den Schutz des Papstes stellt – dem Papst also das große polnische Geschenk, die Donatio Poloniæ, überreicht, wodurch Polen ein tributpflichtiges päpstliches Lehen wird, geht er mit Polen einen einzigartigen Sonderweg, der sich bis auf den heutigen Tag auswirkt. Polen blieb bis auf den heutigen Tag der gehätschelte Liebling Roms.

Unter Boleslav I., dem Sohn Mesicos, dehnt sich dieser germanische Missionsstaat weiter aus und erlangt glänzendes Ansehen bei Otto dem Dritten, der den Daglingerfürsten aus der deutschen Oberhoheit entläßt.

Der deutsche Bischof Wolf Gottlobonis, der sich in Vinzenz Kadlubek umbenannte, schreibt im 13. Jahrhundert seine Chronica polonorum. Hier tritt der Begriff Polen auf. Gottlobonis-Kadlubek lehrt die Polen, sich in Gegensatz zu den Deutschen und als eigenständige und besondere Nation zu sehen. Er erfindet dazu in einer erdichteten phantastischen Sage das polnische Bauerngeschlecht der Piasten, dem Dago, der erste Polenfürst, entsprungen sei. Damit trennt er die Polen von ihrer germanischen Vorgeschichte ab, ja, von einer belegten Vorgeschichte überhaupt. Denn eine Vorgeschichte der Slawen als Rasse gibt es nicht. Hierin ist sich die Geschichtswissenschaft einig. Ich zitiere stellvertretend für sie den Tschechen Zdenek Vana:

Wann und wie die slawischen Stämme nach Mitteleuropa vordrangen, darüber schweigt sich die Geschichtsschreibung der Zeit aus … Während die Entwicklung der Germanen, Kelten, Iraner u. dgl. archäologisch verhältnismäßig weit zurück in das Altertum verfolgt werden kann, scheinen die Slawen vor dem 6./5. Jh. gleichsam spurlos zu versanden …

Die Staats- und Volksbezeichnung „Polen“ wurde also von klerikaler Seite eingeführt. Aber erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts wird sie offiziell anerkannt. Bis dahin spricht das Volk im gesamten Mesico-Reich germanische Mundarten, die – wie die Quellen berichten – von Deutschen verstanden werden konnten.

Noch immer aber beinhaltet der Begriff Sclavi – nach Lesart Roms – die noch tributpflichtig zu machenden Heiden.

An den Kämpfen zu ihrer Unterwerfung beteiligen sich Bischöfe und weltliche Fürsten mit ihren christianisierten Germanenkriegern und später die Ordensbruderschaften, merkwürdige, aus jedem Volkszusammenhang herausgelöste Männerbünde, die Christentum mit Rittertum, Askese mit Grausamkeit, Gehorsam mit Herrschsucht in sich vereinen.

Die gewaltige Marienburg im weiten Land des Weichselunterlaufs an der Nogat war für mich mit ihren düsteren Gemeinschafts-Eß-, -Schlaf- und –Toiletten-Räumen das Abbild dieser widernatürlichen, lebensfeindlichen Gewaltsamkeit ebenso wie die Burg im ermländischen Heilsberg, wenn beiden auch – trotz allem – höchste Baukultur nicht abgesprochen werden kann.

Polen hat die im 2. Weltkrieg schwerbeschädigte Marienburg mit großem Aufwand – trotz herrschender Wohnungsnot im kommunistischen Nachkriegspolen – wieder aufgebaut. Nun kann sie wieder Zeugnis ablegen vom Geist angeblich deutscher Gewaltsamkeit, die lange Jahrzehnte hindurch unterschwellig pauschal unserem Volkscharakter angedichtet wurde. Denn der Ritterorden in Preußen nannte sich Deutschritter-Orden.

Deutsch wurde damals nicht völkisch, sondern religions- und staatspolitisch verstanden. So hatten sich christianisierte Schicksalsgenossen, die Germanen, in schärfsten Gegensatz zueinander bringen lassen.

Der Deutschritter-Orden strebte nun Gleiches mit der gleichen anmaßenden Haltung an wie die katholischen Polenfürsten: die Unterjochung Preußens. Sie waren hierin Konkurrenten. Der Staufer-Kaiser Friedrich II. offenbart seine Moral, als er in der acta Borussia 1226 dem Hochmeister Hermann von Salza, seinem Freund, verspricht:

Was die Ordensritter an Personen oder Gütern der Ungläubigen, an beweglichem oder unbeweglichem Eigentum, an Land oder Gewässer und allem darin Enthaltenen durch Gefangenschaft, durch Raub oder Eroberung und Unterjochung in irgend eine Weise sich zueignen können, das alles soll mit vollkommenstem Recht und mit aller Freiheit, ohne alle Schmälerung und Behinderung, als wahres Eigentum und vollkommenes Besitztum dem Orden gehören. (Kotzebue, Acta Borussia. Bd. I. S. 66)

Das ist nicht nur kaiserlich-christliche Anmaßung, sondern das entspricht päpstlich-christlicher Anmaßung, hätte aber auch 700 Jahre später von den Anhängern einer neuen Glaubenslehre gesagt worden sein können, von Stalin und seinen Hintermännern, aber auch von polnischen Staatsmännern: Den Rechtgläubigen und Mächtigen gehört die Welt! So lehrten es auch Moses, Jesajas und Josua, denen sich Jesus ausdrücklich anschloß und die die Vorbilder der Christen geworden waren.

Wie schon in Sachsen unter Karl so hinterließ die Kriegsfurie der „Religion der Liebe“ verödetes, teils menschenleeres Land. Mord, Vertreibung, Verschleppung, verbrannte Erde – das ist das Schicksal Germaniens, ganz besonders aber Preußens.

Ein ausgeplündertes Land ist aber kein Machtfaktor.

Der Orden rief deshalb deutsche, d. h. christianisierte westgermanische Siedler ins Land, die sich nach deutschem Recht ansiedeln durften, nach dem ius teutonicale, bekannt als Magdeburger, Lübecker, Kulmer, Neumarkter Recht. Nach ihm brauchte dem Grundherrn nur mäßigen Zins zu zahlen, wer aus wüster Einöde Kulturland, das sogenannte Neubruchland, schuf. Hinzu kam die Einführung der neuen wesentlich ertragreicheren Landbewirtschaftungsweise der Dreifelderwirtschaft mit regelmäßiger Düngung. Viel weniger Fläche wurde zur Ernährung der Bevölkerung gebraucht. So konnte das Land viel dichter besiedelt werden. Mit dem Hereinströmen deutscher Siedler kam denn das Land auch schnell wieder zum Aufblühen, nicht, weil die Siedler Deutsche, sondern weil sie zahlreich waren und ihr Fleiß sich unter freierem Recht lohnte und Früchte trug. Der Orden hatte daran nur das Verdienst der Gewährung deutschen Rechtes, und das diente dem Eigennutz, dem Machtzuwachs des Ordens. Alles Andere schuf germanische Tat- und Kulturkraft, genannt deutsch, so wie sie vor den Jahrhunderten des Glaubensumbruchs ein Reich glänzender Kultur geschaffen hatte.

Daher kann auch dem Christentum an der Kulturleistung kein Verdienst zugesprochen werden, wie das Christen immer so gern hätten. Ebensowenig ist das Christentum aber auch schuld am Kulturuntergang. Schuld können nur Menschen haben, machtgierige Zerstörer. Ihre Glaubenssätze können höchstens ihr Handeln rechtfertigen und antreiben. Menschen, die dem Leben dienen wollten, haben nach aller Zerstörung wieder aufgebaut, ob sie nun christlich waren oder nicht.

Im Mesico-Reich – dem späteren Polen – dagegen hatte sich unter Einwirkung päpstlichen Lehnsrechtes eine Zwei-Klassen-Gesellschaft herausgebildet: Der Adel, die „Schlachta“, und die Bischöfe und Klostervorsteher hatten sämtlichen Grundbesitz, besaßen alle Vorrechte und die Staatsgewalt. Die Hörigen, die Kmeten, waren besitz-, schutz- und rechtlose Leibeigene geworden. Sie waren noch halbheidnisch, als der Bischof von Posen, Bogufal der zweite, 1250 von ihnen als Sclavi spricht und hervorhebt, daß kein Volk

soviel Gemeinsames habe und so vertraut wäre wie die Sclavi mit den Deutschen!

Er beweist damit erneut, daß die zwar nur halb-, aber immerhin noch teils heidnischen Hörigen Polens nach wie vor Sclavi genannt wurden und den Deutschen glichen. Auch hier hatten die Unterdrücker sich den Machtfaktor Bevölkerung durch Zwang und Ausbeutung zerstört. Das Volk war ausgezehrt, verelendet, das Land verödet.

Nun lockten die Herren mit dort und damals ungewöhnlichen Freiheitsrechten Deutsche ins Land, die nun nach deutschem Recht – also mit nur geringen Zinsabgaben – Dörfer und Städte gründeten, unter weit günstigeren Bedingungen als die Einheimischen wirtschaften und kulturell tätig werden konnten. Sie brachten auch die Einnahmequellen der Herrschenden wieder zu reicherem Fließen. Die Kmeten aber, die die große Mehrheit des polnischen Volkes ausmachten, konnten umso leichter mit dem Gift des Neides und Deutschenhasses erfüllt werden, ein Haß zwischen zwei Gesellschaftsklassen, nicht zwei verschiedenen Völkern. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts waren alle Städte in Polen rein deutsch.

Litauen kann 100 Jahre länger als Preußen und 400 Jahre länger als Polen sein Heidentum bewahren.

Dann läßt sich aber 1385 sein Großfürst Jagiello taufen, gliedert Litauen an Polen an und kann damit die Thronerbin Polens, Hedwig, heiraten und zum König von Polen gewählt werden. Die Union Polen-Litauen schlägt 1410 den Deutschritter-Orden in der Schlacht bei Tannenberg – die Polen sagen Grunwald. Heute sehen die Polen diesen Sieg als national-polnischen Sieg über die Deutschen als Volk an. Eine schlimme, unsere Völker noch tiefer spaltende Geschichtsklitterung! In Wirklichkeit hat eine katholische Macht die andere in die Knie gezwungen. Die von ihnen unterjochten und gegeneinandergehetzten christianisierten Germanenstämme hatten herzlich wenig davon. Sie durften die Dreckarbeit für ihre “Herren” verrichten und sich für sie schlachten lassen.

Die Überlebenden wurden nach und nach durch Fälschungen der Begriffe und des geschichtlichen Werdegangs immer stärker gegeneinander verfeindet. Mit dem

Verbot der deutschen Sprache im öffentlichen Leben Polens und der Durchsetzung der Glagolica,

wie es seitens der glagolitischen Mönche in den Kirchen und religiösen Schriften Ostmitteleuropas schon Gebrauch geworden war, hatte die Kirche die Abspaltung Polens vom Heiligen römischen Reich deutscher Nation und von den übrigen Germanenstämmen vollends erreicht. Im Zuge der Polonisierung der Städte und des Bürgertums verloren diese auch ihre Freiheiten und damit ihre schöpferische Schaffenskraft. Das ist das Werk der katholischen Geistlichkeit, die dem einheimischen Adel entstammte. Nicht Polen wurden also zwangsgermanisiert, sondern Deutsche wurden zwangspolonisiert, d. h. ihrer Sprache und Freiheitsrechte beraubt.

Dies setzte sich bis in unsere Tage hinein fort und hat Polen nie genützt. Wir können aber feststellen, daß Polen zu einem großen Teil aus Menschen deutschen Ursprungs besteht, beide aber germanischen Ursprungs sind. Männern des 19. Jahrhunderts aber erst war es vorbehalten, den Begriff sclavi stets ohne c zu schreiben und mit rassisch-völkischem Inhalt festzulegen. Das in jenem Jahrhundert in ganz Europa hochgeputschte nationalistische Denken wurde auf einen Begriff übertragen, der zur Zeit seiner Entstehung und Jahrhunderte danach etwas völlig Anderes beinhaltet hatte. Es wurde also das getan, was in der Geschichtswissenschaft mit Recht als größter Fehler angesehen wird: Gegebenheiten nicht aus ihrer Zeit heraus zu interpretieren, sondern aus der Sicht späterer Verhältnisse.

Immanuel Kant

Wenn man Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte gelesen hat und darin besonders das Kapitel Slawische Völker, kann man verstehen, daß Kant sich von Herder wegen seines

Mangels an logischer Pünktlichkeit der Begriffe

abgewendet hat. Oberflächlich daherreden läßt sich leicht, einfache Schlagwörter und Parolen sind schnell ausgegeben, werden leicht aufgenommen. Umso erfreulicher ist es, wenn jemand zugibt, irrtümlich auf sie hereingefallen zu sein, wie z. B. der Geschichtsforscher und Universitätsprofessor Otto Reche, der über die sogenannten Westslawen gearbeitet hatte und an Prof. Steller schrieb, dessen wissenschaftliche Arbeiten über die Wandalen=Wenden=Sclavi er gelesen hatte:

Ich scheue mich durchaus nicht, meinen früheren Irrtum einzugestehen, daß ich auf eine falsche Theorie hereingefallen war … Jedenfalls freu ich mich, daß ich mit Ihrer Hilfe habe umlernen können.

Wir Polen und Deutsche sind jahrhundertelang belogen und uns selbst entfremdet worden. Herders Begriffsverfälschung hat den nationalistischen Panslawisten-Wahn hervorgerufen, den Vorläufer und Verstärker für die bolschewistische Revolution. Verachtung, Haß bis zu Mord, ja Krieg und Völkermord, Landraub und Vertreibung waren die Folge, unendliches Leiden der Völker.

Erfreulich die ehrlichen Stimmen, die sich aus dem Meer der herrschenden Propaganda erheben wie z. B. die des ehemaligen polnischen Offiziers Jósef Mroz, der vor Öffnung des Eisernen Vorhangs sich zur damals westdeutschen Lebensweise bekannte:

Ich persönlich würde es vorziehen, Pole und Angehöriger einer nationalen Minderheit in einem rechtsstaatlichen, demokratischen und vereinten deutschen Staat zu sein, als ein Pole … im totalitären kommunistischen und kollektivierten sowjetischen Imperium.

Damals hörte man von zahlreichen polnischen Untergrund- und Exilgruppen, die sich einer wahrheitsgemäßen Vergangenheitsbewältigung zuwandten. Einer der beliebtesten Schriftsteller Polens Jósef Mackiewicz hat den alten polnischen

antideutschen Komplex

beschrieben, der von den kommunistischen Herrschern übernommen worden ist und propagandistisch am Leben erhalten wurde. Die polnische Gruppe „Unabhängigkeit“ sah noch vor Öffnung der Grenzen die Notwendigkeit der Revision der seit Jalta in Europa herrschenden Verhältnisse für Polen wie für Deutschland. Sie wollte daher die deutsche Wiedervereinigung und die Rückkehr von Deutschen in die deutschen Ostgebiete unter

Gewährung voller Rechte für diese, wie sie in einem demokratischen Staat gelten, z. B. für die Polen in der Bundesrepublik Deutschland,

schrieb diese Gruppe damals. Die erlebte Wirklichkeit mit den Deutschen hat sich als stärker erwiesen als der durch Propaganda erzeugte „antideutsche Komplex“. Die geschichtliche Wahrheit über die Sclavi und die Rolle ideologisierter Männerhierarchien wie der katholischen Kirche, des Jesuitenordens, des Deutschritter-Ordens u. a. wird echte Völkerfreundschaft und damit Frieden und kulturelle Entfaltung stiften. In der Zeitschrift Kontakt, damals von Exilpolen in Paris herausgegeben, wurde die Vertreibung der Deutschen als Verbrechen bezeichnet und werden Rechtspositionen Deutschlands als Grundlage für Friedensgespräche – wörtlich –

zwischen den wirklichen Vertretern beider Völker

anerkannt.

Diese Polen sahen also als „wirkliche Vertreter beider Völker“ die Wahrhaftigen und Gerechtdenkenden an.

Das ist ein wunderbarer Gedanke. Die wahren Vertreter der Völker werden die Wahrheit über den gemeinsamen Ursprung der Polen und Deutschen erkennen und nach langen Jahrhunderten der Aufstachelung durch Ideologen zu gegenseitigem Haß als Angehörige verwandter germanischer Völker immer näher zueinander finden.

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Stellfeld
9 Jahre zuvor

Sehr geehrte Adelinde,

ein hervorragend verfaßter Artikel.

Ich befasse mich schon sehr lange mit Geschichte. Habe auch Jochen Wittmann und Lothar Greil gelesen und bin begeistert. Die Auffassung Slawen sind Ostgermanen teile ich.

Als Beispiel dafür möchte ich das Hildebrands-Lied anführen.

Mit freundlichen Grüßen Ingolf Stellfeld

Ingolf Stellfeld
Ingolf Stellfeld
9 Jahre zuvor

Sehr geehrter Verfasser,
eine wirklich hervorragende geschichtliche Analyse. Besser kann man alle zugehörigen Aspekte nicht formulieren.
Ich habe die Bücher von Jochen Wittmann gelesen, der ebenso recherchiert hat. Noch 2 Anmerkungen von mir:
Seit der Zeitenwende bis zur Völkerwanderung durchzogen und siedelten die Goten von der Weichselmündung bis zur Krim. Das Durchzugsgebiet waren u.a. die Priepjetsümpfe das angebliche Ausgangsgebiet der Slawen. Jedoch werden diese nirgens erwähnt. Ein Herrscher, der auch später Rom eroberte, hieß Theoderich der Große. Dessen Vorfahren waren Vitomir und Valomir.
Das Hildebrandslied berichtet von Bevölkerungsteilen die ins römische Herrschaftsgebiet zogen und später nach Ostgermanien zurückkehrten. In Gestalt zweier Heere standen sich nun diese Blutsverwandten gegenüber. Vater und Sohn (Hildebrand und Hadubrand) kämpften gegeneinander.
Ostgermanien war also immer germanisch besiedelt, erst später entwickelten sich durch Religion und neue Kirchensprache Glagolitza (Kyrill+Method) die Gegensätze.
Ingolf Stellfeld

Oliver
Oliver
7 Jahre zuvor

Verehrter Verfasser, dank Ihres Artikels ist es mir möglich geworden, eine bessere Sicht auf die/unsere Geschichte zu lenken.
Im Grunde gibt es nach wie vor eine 2 Klassengesellschaft auf der Erde: Herrscher und Beherrschte.
Und die Herrscher haben eine große Fantasie dem herrschen entsprechend!
Danke

Volkmar
Volkmar
3 Jahre zuvor

Der Titel verspricht, was der Artikel nicht hält. Er ist leider eine große Enttäuschung wie alles, was es zum Thema zu lesen gibt. Die Grundthese einer germanischen Abkunft der Westslawen ist äußerst interessant, doch läßt sie sich nicht belegen. Die Super-Germanen, ich will sie einmal so nennen, sind mit ihrer “Slawen=Germanen-These” nicht hilfreich bei der Wahrheitsfindung. Die Geschichte ist keine Spielwiese der Phantasien, sondern faktenbasiert.
Nur schnell einige Stichwörter:
In den frühen Quellen ist keine Rede von einem Germanien vom Rhein bis zur Weichsel, sondern einer Germania vom Rhein bis zur Oder, weil dieses Gebiet unter Karl dem Großen unterworfen worden war. Das sagt aber noch nichts über die ethnische Herkunft der dort lebenden Stämme aus.
Auch werden in den Quellen Polanen und Böhmen nicht mit den Wandalen gleichgesetzt, sondern den Winulern (die früher Wandalen hießen). Das ist ein Unterschied, was eigentlich nicht eigens erwähnt zu werden hätte, doch nach der Lektüre der vorliegende Phantasien dann doch.
Bedenklich ist auch die irrige Vorstellung, ein Christ gewordener Germane müsse per definitionem zwangschristianisiert worden sein. Ein Bonifatius, zur Erinnerung, das war ein Sachse, würde jedem Verfechter eines solchen Märchens einen in den Allerwertesten treten.
Nun wird im Beitrag so schön betont, wie sehr man im niederdeutschen Raum (bitte, das waren vor allem die Sachsen) kein Slaw, also kein Sklave, sein wollte. Wie kann es dann sein, daß diese germanischen Recken und Fürsten wie Boleslaw ausgerechnet sich selbst einen Sklaven nannten? Das taten sie natürlich nicht.
Abgesehen davon, was für Germanen wären das, auf die wir stolz sein sollten, die auf ihrer Scholle saßen, doch dann kamen zwei Wandermönche aus Konstantinopel (!) in das böhmische Becken (daß sie auch weiter nach Norden gingen, ist nicht bekannt, also hatten sie mit Sorben oder Polen nichts zu tun) und schwuppdiwupp geben die Germanen allesamt ihre germanische Sprache auf, um eine angeblich gerade erst von diesen Mönche erfundene Sprache anzunehmen, nämlich Westslawisch. Ein solches Beispiel gibt es in der ganzen Weltgeschichte nicht.
Es hilft nichts: Der Knackpunkt aller Autoren dieser Germanenthese ist und bleibt der Sprachwechsel. Warum reden Germanen plötzlich polnisch, tschechisch, sorbisch, slonzakisch usw. So schön die Behauptungen bis zu diesem Punkt sind, und ich ihnen gerne folgen würde, so kläglich scheitern alle Autoren an der Sprachenfrage. Da wird die Darstellung plötzlich flüchtig und nebulös. Die “bösen Christen” waren es, das “böse Rom” war es. Ja Herrschaftszeiten, wo hat Rom je einen Sprachwechsel zum Missionsziel erklärt? Und wo soll Rom ein solcher Sprachwechsel als Missionsziel (den es nie gab) auch noch gelungen sein? Genau, nirgends. Und dann wollen ausgerechnet Germanenfreunde behaupten, daß ausgerechnet wir Germanen die einzigen Trottel dieser Welt seien, bei denen genau das geschehen sei?
Nein, so wird das nie was. In der Geschichtsschreibung gibt es noch viele Lücken, weil für das Frühmittelalter die Quellen fehlen. Manche Fragen werden wir wohl nie beantworten können. Mit solchen Phantasiekonstrukten christenfeindlicher Gehirne (wozu soll denn das gut sein?) hilft man nicht, die Geschichte zu erkennen. Leider.
Nichts für ungut, aber das mußte nach diesem Artikel sein, der mich nur sinnlos Zeit gekostet hat.

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