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(Pixabay)

Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen;
es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen,
festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

 

So hat Goethe in seinem „Reineke Fuchs“ das Fest der

„Hohe Maien“

schlicht und schön in seiner wahren Bedeutung als Feier der vollerblühten Natur vor Augen geführt.

Wie alle heidnischen Bräuche und Kunstwerke, die die „Heilige Römische Kirche“ nicht einfach ver-nichten konnte, hat sie auch das freudige Fest der Hohe Maien in ihrem Sinne entstellt.

Unsere Ahnen waren der Scholle und den Jah-reszeiten tief verbunden. So feierten sie im Fest der Hohe Maien das Vollerblühen der Natur, das wir – trotz Kirche – bis zum heutigen Tage noch immer freudig begrüßen:

Die beste Zeit im Jahr ist (mein) Maien,
Da singen alle Vögelein,
Himmel und Erde ist der voll,
Viel gut Gesang der lautet wohl.

Das den Ahnen bis zu ihrer gewaltsamen Chri-stianisierung unbekannte Wort „Pfingsten“ kam erst auf, als die Priesterschaft das Fest der Hohe Maien in ihrem Sinne umwertete und umerklärte*:

Das Pfingstfest wurde von der christlichen Kirche aus dem ursprünglich jüdischen Brauchtum übernommen, wo dieses Fest vermutlich der Erinnerung an die Gesetz-gebung auf dem Berg Sinai gewidmet war.

 

„Heiliger Geist“ (Bild: Erzbistum Köln)

Bei den Christen wird es zum Andenken an die Ausgießung des heiligen Geistes bzw. an die Stiftung der christlichen Kirche gefeiert …

Der Name kommt vom griechischen Wort „pentekoste“ = der 50. (Tag), weil das Fest am 50. Tag nach Ostern gefeiert wird.

Schiller erkannte:

Ein tiefer Sinn wohnt in den alten Bräuchen. Man muß sie ehren.

 

Schiller und Goethe Holzrelief (Bild: Schiller Goethe Archiv)

Und in den „Xenien“, die Schiller und Goethe gemeinsam veröffentlichten, ohne daß man im einzelnen die jeweilige Autorenschaft erkennen könnte, heißt es:

Mit Kirchengeschichte was hab‘ ich zu schaffen?
Ich sehe weiter nichts als Pfaffen …

Glaubt nicht, daß ich fasele, daß ich dichte;
Seht hin und findet mir andre Gestalt!
Es ist die ganze Kirchengeschichte

Mischmasch von Irrtum und von Gewalt.

Den deutschen Mannen gereicht’s zum Ruhm,
Daß sie gehaßt das Christentum,
Bis Herrn Karolus‘ leidigem Degen
Die edlen Sachsen unterlegen…

Dennoch – wie wir sehen:

Die Wahrheit kommt immer wieder ans Licht.

Frohe Hohe Maien!

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Anmerkung

*) Otto Rudolf Braun, Kleine Geschichte unserer Feiertage und Jahresfeste, Verlag Hohe Warte, 1979

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