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Gedanken zur Weihnacht 1944

Thomas Engelhardt

hat in den diesjährigen Dezembertagen seine Gedanken zu Weihnachten 1944 zurückgehen lassen, als vor 80 Jahren unser Land

kurz vor der alles vernichtenden Katastrophe (stand). Welches Ausmaß diese annehmen würde, ahnten einige, vorstellen konnte es sich niemand. Die heute verteufelten Füh-rungspersönlichkeiten von damals in der ersten Reihe wußten aber, worum es ging, Sein oder Nichtsein, Freiheit oder Untergang.

Allen anderslautenden Darstellungen entge-gen stand im Dezember 1944 das Ende fünf Monate später aber durchaus nicht fest. Diese These soll hier nicht begründet werden. Wie war die Lage zum Weihnachtsfest 1944?

Frontverlauf 1944-1945 bpb.de

Die Rote Armee stand an Deutschlands Ost-grenze. Das Memelland war vollständig von den Sowjets besetzt, die Stadt Memel aber noch in deutscher Hand (Memel wurde erst am 28. Januar 1945 von den Sowjets erobert und besetzt).

Im Osten der Provinz Ostpreußen hatten die Sowjets bereits im Oktober 1944 im Zuge der sog. Gumbinnen-Goldaper Operation der sowjetischen 11. Gardearmee einen etwa 40-50 km breiten Geländestreifen besetzen können, so daß mehrere Städte und das ge-samte Territorium östlich einer Linie (darun-ter die Kreise Pillkallen und Stallupönen), die vom Kurischen Haff entlang der Memel über Tilsit, Schloßberg, Grünweiden, Großwalters-dorf, Goldap bis nach Augustow verlief, ok-kupiert war.

 

Teilausschnitt aus einer Karte von Ostpreußen (Bild: Ostdeutschland Südwestverlag München)

Lediglich dem heldenhaften Widerstand der deutschen Soldaten (XXVI., XXVII. Armeekorps und XXXIX. Panzerkorps) war es zu verdan-ken, daß die sowjetischen Invasionsstreit-kräfte nicht bereits im Oktober 1944 in der allgemeinen Hauptstoßrichtung Westpreußen und Pommern durchbrachen.

Stalin bzw. die sowj. Armeeführung hatte für die zweite Oktoberhälfte geplant, mit der 1. Baltischen Front und der 3. Weißrussischen Front im Rahmen der Gumbinnen-Goldaper Operation die deutschen Truppen im nörd-lichen Ostpreußen zu zerschlagen, um damit ganz Ostpreußen zu besetzen.

Nur die konzentriert geführten Gegenstöße des XXXIX. Panzerkorps der Wehrmacht er-möglichten eine Frontbegradigung und Sta-bilisierung der Lage in Ostpreußen. Wäre dies nicht gelungen, hätte die ab Januar 1945 von Konteradmiral Conrad Engelhardt (1898 – 1973) organisierte Rettungsaktion von 1 Million ostpreußischer Zivilisten und ver-wundeter Soldaten nicht stattfinden können („Unternehmen Hannibal“ mit insgesamt 1.081 Schiffen aller Art). [1*]

Die deutsch-sowjetische Front verlief Ende Dezember 1944 an der Linie Augustow–Goldap–Schloßberg (Pillkallen)–Tilsit. In Kurland war zur gleichen Zeit eine ganze deutsche Heeresgruppe (Heeresgruppe Nord mit zwei deutschen Armeen, der 16. Armee und der 18. Armee sowie dem VI. SS-Armee-korps, insgesamt 500.000 Soldaten aller Teilstreitkräfte der Deutschen Wehrmacht, ab 25. Jan. 1945 Heeresgruppe Kurland) einge-schlossen (Rückzug ab 13. Oktober 1944 aus Lettland und Riga nach Kurland) band aber enorme sowjetische Kräfte (3. Stoßarmee, 4. Stoßarmee, 6. Gardearmee, 10. Gardearmee, die 42. Armee und die 51. Armee), insgesamt etwa 1,3 Mill. Mann.

Am 21. Dezember eröffnete um 07:20 Uhr morgens auf einer Breite von 35 km ein Artillerieschlag mit 170.000 Granaten (!!!) den sowjetischen Angriff der 3. und 4. Stoß-Armee und der 10. Garde-Armee auf den deutschen Kurland-Kessel (Beginn der 3. Kurland-Schlacht). Unter Verlusten von 27.144 Gefallenen, Verwundeten und Ver-mißten gelang es am 23. Dezember 1944, den sowjetischen Angriff zu stoppen.

Auf unserer Seite kämpften Seite an Seite lettische Soldaten der 15. Waffen-Grenadier-Division der SS (lettische Nr. 1), der 19. SS-Grenadier-Division (lett.) sowie Skandinavier (und Niederländer) der 11. SS-Panzergrena-dier-Division „Nordland“ und Niederländer der 23. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Nederland“ (niederländische Nr. 1).

Deren Mut und Opferbereitschaft sind in dieser unsäglich würdelosen Bundesrepublik unbekannt und vergessen, an ihr Schicksal erinnert niemand mehr, sie sind aus dem kollektiven Gedächtnis der Neudeutschen gleichsam getilgt.

Oft wurde gefragt, welchem militärischem Zweck die Verteidigung Kurlands (14.500 km²) dienen sollte. Die östliche Ostsee mußte unbedingt als einzig verbliebenes Übungsge-biet für die neuen U-Boot-Typen gehalten werden, um doch noch die Wende in der See-kriegführung gegen die Briten und US-Ame-rikaner zu erreichen.

Unrealistisch war das nicht, da die neuen Walter-U-Boote [3*] technologisch und rü-stungstechnisch weit überlegen waren (in die Hände der Kriegssieger gefallen waren diese modernen 2 Systeme nach 1945 Grundlage für die Entwicklung der strategi-schen U-Boot-Flottillen unserer Kriegsgegner).

Darüber hinaus banden die im Kurlandkessel verbliebenen deutschen Streitkräfte enorme sowjetische Kräfte (insgesamt 1,3 Millionen Soldaten), die nicht für den Vorstoß auf das Reichsgebiet zur Verfügung standen.

Die Verluste der Russen waren in den sechs Kurland-Schlachten ungewöhnlich hoch. Die Sowjets hatten insgesamt mehr als 90.000 Gefallene und über 300 000 Verwundete zu verzeichnen (das entspricht etwa 5 % der zum Angriff auf Deutschland angetretenen Ge-samtstreitmacht!), darüber hinaus wurden 2.651 sowj. Panzer und 722 Flugzeuge der Roten Armee vernichtet (es handelte sich hierbei ausnahmslos um US-amerik. Waffen-lieferungen).

Im Westen:
Aachen und das Umland der alten Reichsstadt war (zeitgleich zum ersten sowjetischen Vor-stoß in Ostpreußen (Stichwort „Massaker von Nemmersdorf“ im ostpreuß. Landkreis Gum-binnen) [2*] am 21. Oktober 1944 als erste deutsche Stadt endgültig von den Amis erobert worden (20. Oktober 1944: Vorstoß der Roten Armee zur Mündung der Memel sowie in den Kreisen Goldap, Stallupönen und Gumbinnen).

Dem vorausgegangen war die Verteidigung der Stadt Aachen durch das I. (1.) SS-Panzer-Korps; insgesamt acht Mal wechselte deut-sche Wiedereroberung und Neubesetzung durch die US-amerikanischen Invasoren (!). Auch dieses Kapitel ist im BRD-Staat heute vergesssen!

[1*] Unternehmen Hannibal“: von Pillau ent-kamen 500.000, von Danzig-Gotenhafen 900.000 und von Hela 390.000 Menschen auf Schiffen jeglicher Art in den Westen.

Vom 25. Januar bis zum 9. Mai 1945 kamen dafür 672 Handels- und Passagierdampfer sowie 409 Kriegsschiffe zum Einsatz. Nach einer anderen Quelle wurden insgesamt 2.022.602 Menschen von 281 Kriegs- und 509 Handelsschiffen in Sicherheit gebracht. Es war die größte Seenotrettungsaktion der gesamten bekannten Geschichte!

[2*] Am 5. Oktober 1944 begannen aus der Gegend südlich von Schaulen sowjetische Angriffe in Richtung Memel und Tilsit. Am 10. Oktober wurde die Stadt Memel eingeschlos-sen und mit dem sowjetischen Durchbruch zur Ostsee zwischen Memel und Libau die Heeresgruppe Nord von ihrer Landverbindung zum Reich abgeschnitten. Die ganze nördli-che Hälfte des Memellandes war verloren ge-gangen, während gegenüber Tilsit ein ausge-dehnter Brückenkopf jenseits der Memel von deutschen Truppen gehalten werden konnte.

Am 16. Oktober 1944 beginnt die sowjetische Offensive in Ostpreußen. Auf einem 40 Kilo-meter breiten Frontabschnitt stehen die deutschen Stellungen unter mehrstündigem Trommelfeuer. Die sowjetischen Truppen überschreiten in den folgenden Tagen an mehreren Stellen die deutsche Reichsgrenze.

20. Oktober 1944: Vorstoß der Roten Armee zur Mündung der Memel sowie in den Kreisen Goldap, Stallupönen und Gumbinnen). Die 11. sowjetische Gardearmee drang am 20./21. Oktober 1944 teilweise etwa 40 km auf ost-preußisches Gebiet vor und erreichte am 21. Oktober 1944 den Kreis Gumbinnen, wo sie auf die 4. Armee der Wehrmacht traf und sich mit ihr erbitterte Gefechte lieferte.

[3*] Die U-Boot-Klasse XXII, auch Walter-Turbinen-U-Boot Typ XXII genannt, war ein U-Boot mit Walter-Antrieb. Einige Boote dieses Typs wurden von der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Welt-krieges in Auftrag gegeben, aber nie fertig-gestellt.

So viel zur Lage Weihnachten 1944. Niemand erinnert sich heute der zumeist namenlosen Opfer unserer Soldaten (in der Schlacht um Ostpreußen sind etwa 300.000 gefallen) und des ungeheuren Blutzolls der Ostpreußen.

Bild: planet wissen

Von den 2,6 Millionen Ostpreußen (Stand Weihnachten 1944) haben 600.000 Einwoh-ner das barbarische Kriegsende am 8. Mai 1945 nicht überlebt!

Denken wir am heutigen Weihnachtsabend an die damals lebenden Menschen in Ost-deutschland! Das Unheil, das sich da über ihnen zusammenbraute, war in den östlichen Landkreisen bereits zu hören.

Weihnachten aber, das Fest der Hoffnung und des Friedens, wurde noch einmal gefeiert. Daß es die letzte Weihnacht in der Heimat sein würde, konnte und wollte sich niemand vorstellen. Noch immer klammerten sich die Deutschen an den Sieg der deutschen Waffen, an das Zurückschlagen der Invasoren.

Wenige Monate fehlten, um die neu entwik-kelten modernen Waffensysteme zum Einsatz zu bringen. Es hat nicht sollen sein.

In bereits vor Jahrzehnten geführten Ge-sprächen mit meinen zwischen 1905 bis 1910 geborenen vier Großeltern wurde mir klar, daß der Tag der Niederlage am 8. Mai 1945 von den damals lebenden Deutschen auch als solcher empfunden wurde.

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