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Fortsetzung der Abhandlung über Viren von Karl Grampp:

Die Evolution der Viren ist eng mit der Frage verknüpft, wie das Leben entstanden ist.

Dr. rer. nat. Karin Mölling, ehemalige Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie Zürich (Bild: UZH, news.uzh.ch)

Würde die Viren-zuerst-Hypothese stimmen, wären also Viren vor den ersten Zellen entstanden, dann ständen sie am Anfang des Lebens. Ob selbst schon lebend, oder auf dem Weg dorthin, das ist die Frage.

Wir hatten schon erwähnt, daß Viren üblicherweise nicht zu den Lebewesen zählen, da sie nicht in der Lage sind, ohne lebende Zellen zu überleben. Karin Mölling sieht das anders:

Viren sind nicht tot. Sie sind jedenfalls nicht so tot wie ein Stein oder Kristall. Vereinfachend kann man sagen, alles was in der Welt der Biomoleküle kleiner ist als Viren, ist eher tot; alles was größer ist, eher lebendig. Damit befinden sich die Viren gewissermaßen an der Schnittstelle, sie sind entweder tot oder lebendig oder beides. Allerdings sehe ich da keine Singularität, keinen Punkt, sondern ein Kontinuum, einen allmäh­lichen, fließenden Übergang von einzelnen Biomolekülen bis zur Zelle. (26)

Die Definition der NASA für „Leben“ lautet nach Karin Mölling:

Leben ist ein sich selbst unterhaltendes System, das genetische Information enthält und fähig ist, darwinsche Evolution zu durchlaufen (1994).

Ein sich selbst unterhaltendes System sind Viren nicht, die anderen beiden Kriterien treffen zu.

Der feste Kristall: Einzelwesen mit Richtkraft

Dr. med. Mathilde Ludendorff (Bild: Zeichnung von Wolfgang Willrich 1947)

Was sagt die Philosophin Mathilde Ludendorff zu der Frage: Was ist Leben und wie ist es entstanden? In Übereinstimmung mit der Naturwissenschaft geht sie davon aus, daß die Organismen ein Ergebnis der Evolution sind. Ziel dieser Entwicklung war aus ihrer Sicht die Entstehung eines Lebewesens, das Gott bewußt erleben kann:

Im Anfang war der Wille Gottes zur Bewußtheit.(1)

Wir wollen hier nur die letzten Stufen zur Entstehung des ersten Lebewesens aus Sicht Mathilde Ludendorffs betrachten. Es beginnt mit dem festen Kristall.

Physikalisch gesehen ist ein Kristall ein Festkörper, dessen Bau­steine – z.B. Atome, Ionen oder Moleküle – nicht zufällig, sondern regelmäßig in einer Kristallstruktur (Raumgitter) angeordnet sind.

Aus Sicht der Philosophin war der Kristall der gewaltigste Schritt hin zum Schöpfungsziel „Bewußtheit“, denn er war das erste Einzelwesen. (1, S. 92)

fester Kristall (Bild: Scinexx)

Der feste Kristall, von dem hier zunächst ausschließlich die Rede ist, zeichnet sich durch eine Kraft aus, die erstmals nicht weltallweit, sondern in einem Einzelwesen in Erscheinung tritt: Die Richtkraft.

Sie sorgt für die gesetzmäßige Anordnung der Kristallbausteine im Kristallgitter. Wird ein Kristall in einem Mörser zerstoßen, so behalten die Bruchstücke trotzdem die typische Struktur des jeweiligen Kristalls.

Dies deutet die Philosophin als ein erstes dumpfes Erscheinen des Selbsterhaltungswillens in einem Ein­zelwesen! (1, S. 93f). Zusammenfassend drückt Mathilde Ludendorff diesen Schöpfungsschritt so aus:

Gottesbewußtheit aber bedingt vor allem Erhaltung der Eigenform des Trägers. Da ward Richtkraft im festen Kristall.

Der flüssige Kristall: Einzelwesen mit Selbsterhaltungswillen und Gestaltungskraft

Dem festen Kristall geht allerdings eine wichtige Fähigkeit ab, die ihn für das Schöpfungsziel taug­licher machen würde. Er ist starr auf die Erhaltung seiner Eigenform bedacht. Bei geringster Störung des Kristallwachstums kann er seine Idealform nur noch teilweise ausbilden.

Das ist beim flüssigen Kristall, der nächsten Schöpfungsstufe, anders. Man kann sich zunächst schwer vorstellen, wie etwas gleichzeitig kristallin und trotzdem flüssig sein kann.

Polarisationsmikroskopische Aufnahme eines Flüssigkristalls (Bild: Wikipedia.org)

Mit flüssigem Kristall ist nicht ein aufgelöster, ursprünglich fester, Kristall gemeint. Der Aggregatzustand einer flüssigkristallinen Substanz befindet sich zwischen dem einer Flüssigkeit und dem eines festen Kristalls.

Optisch zeigt er oft eine typische „Schlierentextur“ (durch Doppelbrechung des Lichtes). Eine weitverbreitete Anwendung von Flüssigkristallen sind die LCD-Bildschirme der Rechner. LCD heißt nichts anderes also Liquid Crystal Display, also Flüssigkristallbildschirm.

Philosophisch gesehen verfügt der flüssige Kristall im Gegensatz zum festen Kristall zusätzlich zur Richtkraft über Gestaltungskraft.

Dadurch kann er trotz äußerer Störeinflüsse immer wieder seine Eigenform herstellen, womit nicht seine äußere Gestalt gemeint ist – diese ist sehr wandelbar –, sondern die innere Ausrichtung seiner Moleküle (1, S. 96).

Rührt man z.B. in einem solchen flüssigen Kristall mit einer Nadel, so stellt sich bald die ursprüngliche Ordnung der Moleküle wieder her.

Aus Richtkraft und Gestaltungskraft ist der Selbsterhaltungswillen „geboren“, wie Mathilde Ludendorff schreibt.

Eine andere Art von Flüssigkristallen entsteht aus länglichen Molekülen, die ein wasserliebendes und ein fettliebendes[6] Ende besitzen. Dazu gehören z.B. Seifenmoleküle.

Bei geeigneter Konzentration können sie z.B. in Wasser Flüssigkristalle in Form von winzigen Bläschen mit einer einfachen oder doppelten Hülle ausbilden. Übt man einen mechanischen Druck auf sie aus, können sie sich verformen und anschließend wieder ihre ursprüngliche Form ein­nehmen.

Eine vergleichbare flüssigkristalline Grundstruktur (Lipiddoppelschicht) haben alle biologi­schen Membranen, die lebende Zellen und deren Organellen umhüllen. Mathilde Ludendorff faßt den Evolutionsschritt zu den Flüssigkristallen in den Worten zusammen:

Nun erst ist der Wille zur Erhaltung der Eigenform vollkommen verwirklicht, denn es ward Gestaltungskraft im flüssigen Kristalle, und so ward das Einzelwesen und mit ihm der Selbsterhaltungswille geschaffen. (1, S. 97)

Das Kolloid: Sterbfähiges Einzelwesen mit Wahlkraft

Der nächste Schritt aus philosophischer Sicht ist die Fähigkeit eines solchen Einzelwesens, andere Stoffe aufnehmen zu können, also eine Wahlkraft zu zeigen. Eine Fähigkeit, die der flüssige Kristall noch nicht zeigt. Dieser entledigt sich aller fremden Substanzen. Mathilde Ludendorff schreibt:

Mit anderen Worten, unsere Philosophie weiß, daß ein Flüssigkeitströpfchen, welches Gestaltungskraft in sich birgt wie der flüssige Kristall, aber überdies durch Wahlkraft in bestimmten Fällen Verbindung mit der Umwelt ermöglicht, die Brücke zur ersten lebenden Zelle bildet. (1, S. 107)

Kolloidkristall (Bild: 22b73f054b9b9c5a52c0a161d9114e38-microscope-pictures-the-human-body. pinterest.com)

Physikalisch betrachtet, entspricht ein solches Gebilde einem kolloidalen System.

Kolloide sind Teil­chen von 1 Nanometer (nm) bis 1 Mikrometer (µm) Größe, die in einem Trägermedium fein verteilt sind und „in Schwebe“ gehalten werden[7].

Die Teilchen und das Trägermedium können fest, flüssig oder gasförmig sein. Ein einzelnes Kolloid kann wiederum aus vielen kleinen Teilchen zusammen­gesetzt sein.

Im Vergleich zu echten Lösungen sind die Teilchen in kolloidalen Lösungen viel größer. Scheint Licht durch ein solches Kolloid hindurch, wird es in typischer Art und Weise gestreut (Tyndall-Effekt). Löst man z.B. Seife in Wasser auf, entstehen die schon erwähnten Flüssigkristall­bläschen, die in ihrer Gesamtheit ein kolloidales System bilden.

Auch viele biologische Systeme sind kolloidaler Natur:

  • Rote Blutkörperchen im Blutplasma,

  • Viren,

  • Bakterien und

  • Proteine (8).

  • Milch und selbst

  • Gummibärchen gehören ebenfalls dazu!

Die Grundsubstanz der Zellen, das Protoplasma (auch Zytoplasma genannt), kann man als ein kolloidales System auffassen. Sein Hauptbestandteil sind Eiweißkolloide.

Bei hinreichend hoher Konzentration können die Schwebeteilchen in einem kolloida­len System eine netzartige Struktur bilden (Gel) oder sich sogar auf regelmäßig angeordnete Gitter­plätze begeben. Die Kolloide kristallisieren, es ist ein kolloidaler Kristall entstanden (9).

Sind in einem solchen Fall Eiweiße die Teilchen des kolloidalen Systems, spricht man auch von einem Eiweiß­kristall.

Zusammenfassend kann man sagen, daß in der belebten Natur die meisten chemischen Reak­tionen in kolloiden Lösungen verlaufen, selbst Verwitterungsvorgänge und das Festhalten von Boden­feuchtigkeit im Ackerboden erfolgen durch Kolloide (Bodenkolloide).

Eine maßgebliche Ursache für diese grundlegende Bedeutung kolloidaler Systeme in der Natur ist die ungeheuer große Oberfläche, die die in „Schwebe“ gehaltenen kolloidalen Teilchen zusammen bilden. Dies begünstigt Wechsel­wirkungen mannigfaltiger Art zwischen verschiedenen Stoffen.

Kolloidale Lösungen besitzen die Eigenschaft, andere Substanzen in kolloidale Lösung zu überführen.

Es ist beim Kolloid also keine Rede mehr von einer Abgrenzung zur Außenwelt, um die stoffliche Einheitlichkeit zu bewahren.

Philosophisch gesehen ist dies eine Auswirkung der Wahlkraft im Kolloid.

Ein fester Kristall kann nur in engbegrenztem Umfang fremde Bausteine als „Verunreini­gung“ in sein Kristallgitter aufnehmen und einen Mischkristall bilden.

Auch ein einfacher flüssiger Kristall sondert sich von fremden Stoffen ab.

Erst die Zustandsform des Kolloids ermöglicht es, fremde Stoffe zu „dulden“.

Das Beispiel der biologischen Membranen (Lipiddoppelschicht) kann die Zusammenhänge veranschaulichen:

Die Membran kann man, wie beschrieben, als Flüssigkristall auffassen:

Ihre Molekülanordnung läßt das Wirken der Richtkraft erkennen und ihre „Flexibilität“ auf äußeren Druck die Gestaltungskraft. Die in die Membran eingelagerten, aus Eiweißen bestehenden, Poren sind ein Ausdruck der Wahlkraft. Über sie können Substanzen ins Zellinnere aufgenommen werden (10).

Solche kolloidalen Gebilde, die in der „Schöpfungsgeschichte“ Mathilde Ludendorffs mit den Begriffen „kolloidales Wesen“, „Kolloidtröpfchen“, „Kolloidkristall“ oder „Eiweißkristall bezeichnet werden, sind nun also nach Mathilde Ludendorff die Vorstufen des ersten Lebewesens (1, S. 109f).

Den Begriff Kolloid verwendet sie nicht für das einzelne kolloidale Teilchen, sondern für das ganze kolloidale System aus Teilchen und flüssigem Trägermedium.

Eine philosophisch wesentliche Eigenschaft dieser kolloidalen Vorstufen zum ersten Lebewesen haben wir noch nicht erwähnt. Die schon erwähnten Bläschen mit Lipiddoppelmembranen und auf- bzw. eingelagerten Eiweißen, verlieren ihre Fähigkeit, ausgewählte Stoffe aufzunehmen, wenn die Eiweiße durch Hitze oder Säuren zerstört (denaturiert) werden (10).

Die philosophische Deutung dieses Vorganges nach Mathilde Ludendorff:

Ein solches organisches Kolloid lebt, ohne jedoch alle Eigenschaften von echten Lebewesen zu zeigen. Es kann daher auch sterben, wenn es seine Wahlkraft und seinen Selbsterhaltungswillen verliert. Diese Todmöglichkeit war somit gesichert, bevor das erste Lebewesen geschaffen war, was nach Mathilde Ludendorff eine wichtige Voraussetzung für die Errei­chung des Schöpfungszieles war.

Ewiges Leben eines bewußten Lebewesens ist mit göttlicher Voll­kommenheit nicht vereinbar.

In der knappen Wortgestaltung der Philosophin lautet dieser Vorgang:

Gottesbewußtheit aber bedingt Wahlverbindung des Trägers.

Da ward Wahlkraft im Einzelwesen und mit ihr Todmöglichkeit. (1, S. 109)

Einordnung der Viren in die Welt der flüssigen Kristalle und Kolloide: Vorstufen zum Lebewesen?

Wir haben nun einen langen Ausflug in die Welt der festen und flüssigen Kristalle und lebenden Kolloide gemacht. „Worin besteht nun der Zusammenhang mit den Viren?“, werden Sie sich schon lange fragen.

In einer Fußnote der „Schöpfungsgeschichte“ in der Ausgabe von 1954 schreibt Mathilde Ludendorff:

„Im Jahre 1923 sah ich also in einem Kolloid- oder Eiweißkristall die Vorstufe zum ersten Lebewesen. Im Jahre 1936 meldete die Presse, daß der Amerikaner Stanley „Eiweißkristalle“ als Krankheitserreger entdeckt hat, die er auch „Ultralebewesen“, Vorstufen der Bakterien nennt.

Es wird für alle Zukunft wichtig sein, daß die Entdeckung dieser Zwischenstufe von der Philosophie zuerst gemacht wurde. Allerdings hat Stanley nur den Virus, ein zum Parasiten der Lebewesen ent­artetes Kolloidkristall gefunden, und beschrieben, während Ernst Haeckel – wie ich 10 Jahre nach Erscheinen dieses Werkes erfuhr – eine „Biokristall“ benannte Übergangsform beschrieben hat.“

Mathilde Ludendorff betont hier, daß sie als Philosophin unabhängig und vor der Naturwissenschaft die Existenz solcher Vorstufen der ersten Lebewesen vorhergesagt hat. Tatsächlich hatte Haeckel noch vor ihr von einem „Biokristall“ gesprochen, was sie allerdings erst viel später erfahren hatte.

Es ist zu beachten, daß Mathilde Ludendorff damals die Kolloide bzw. Kolloidkristalle im allgemeinen, nicht aber die Viren im besonderen als Vorstufe der ersten lebenden Zelle ansah. Diese wurden damals wie z.T. noch heute, als Parasiten bezeichnet.

Wie gezeigt wurde, könnten aber tatsächlich Kolloide in Form von Viren die ersten Vorstufen gewesen sein. Was weder Mathilde Ludendorff noch Wendell M. Stanley damals wußten:

Tabakmosaikvirus (Bild: Wikipedia)

Das Tabakmosaikvirus (TMV), von dem hier die Rede ist, besteht nicht nur aus Eiweiß, sondern enthält, wie jedes Virus, ein Stückchen Nukleinsäure, in diesem Fall RNS. Es handelt sich also nicht um einen reinen Eiweißkristall.

Vergleichen wir diese Aussage Mathilde Ludendorffs mit dem folgenden Zitat der Virologin Karin Mölling:

TMV kristallisiert praktisch von alleine und liefert damit ein Beispiel für die höchst effi­ziente Selbstorganisation von Viren. Für deren Strukturaufklärung erhielt Wendell M. Stanley aus New York 1946 den Nobelpreis. Er zeigte auch, daß das Virus sogar als Kristall noch infektiös ist.

Das ist ein schönes Beispiel für die Nähe von toter kristalliner und biologischer lebendiger Natur – am Beispiel eines Virus. (1, S. 196).

Vor Jahrzehnten bereits hatte sich Mathilde Ludendorff gegen die Vorstellung gewandt, daß sich zwischen „Substanz“ und Lebewesen eine unüberbrückbare Kluft befände (1, S. 84, 5, S. 94).

Auch nach Ansicht von Karin Mölling bewegen wir uns bei den Viren in einem Übergangsfeld vom Anorganischen hin zum Organischen, zum Lebendigen.

Kristallähnliche Formen sind bei Viren weit­verbreitet. Dabei muß man mehrere Ebenen unterscheiden: Ein ganzes Virus (Viruspartikel) kann eine kristallform aufweisen. Der Tabakmosaikvirus bildet z.B. eine stäbchenförmige Struktur. Die Eiweiß­hüllen (Kapside) vieler anderer Viren besitzen eine ikosaedrische Symmetrie (Zwanzigflächner) oder lassen sich auf eine solche Grundform zurückführen.

Die Lipiddoppelmembran eines einzelnen behüllten Virus kann außerdem als ein Flüssigkristall aufgefaßt werden, aber auch viele Viren zusam­men können in einem Dispersionsmedium eine flüssigkristalline Lösung bzw. eine kolloidale Lösung bilden. Das Tabakmosaikvirus ein schönes Beispiel dafür.

Zur Erinnerung: Viele Viren liegen genau in der geeigneten Größenordnung, um kolloidale Eigenschaften zu zeigen (1 nm bis 1 µm). Manche Viren sind gerade aufgrund ihres flüssigkristallinen Verhaltens und ihrer kolloidalen Eigenschaften zu beliebten Modellsystemen für technische Anwendungen geworden (11).

Schließlich wäre zu fragen, ob nicht auch das Innere eines Virus, ähnlich dem Protoplasma einer Zelle, kolloidale Eigenschaften haben kann.

Wo wäre hier eine unüberbrückbare Kluft zu den höheren Stufen, zur lebenden Zelle?

können wir mit den Worten Mathilde Ludendorffs fragen (5, S. 100).

Komplexe Flüssigkeiten und weiche Materie

An dieser Stelle ist eine grundsätzliche Bemerkung zur Benennung der angesprochenen Erscheinungs­formen angebracht. Die Begriffe Flüssigkristall, Kolloid und Eiweiß lassen sich in der Natur nicht immer scharf voneinander trennen, was die Begriffsbestimmung erschwert.

In der neueren Forschung spricht man häufig übergreifend von „komplexen Flüssigkeiten“ oder „weicher Materie“, wenn von flüssigen Kristallen, Kolloiden, Makromolekülen, Amphiphilen[8] und Polymeren[9] die Rede ist.

Kenn­zeichnend ist bei allen ein komplexer Aufbau und eine große Zahl an Freiheitsgraden (d.h. sie können sich in vielfältiger Weise bewegen, mit anderen Teilchen kooperieren und sich selbst organisieren).

Durch äußere Kräfte lassen sie sich leicht verformen – sie sind “weich”. Außerdem weisen weiche Materialien im Nanometer- bis Mikrometerbereich Struktur auf, das heißt, die Baueinheiten sind zwischen einem Millionstel und einigen Tausendstel Millimeter klein.

Proteine sind Bilderbuch­beispiele für weiche Materie. Sie besitzen Eigenschaften von Kolloiden, Polymeren und Amphiphilen. Sie spielen nicht umsonst eine tragende Rolle in allen Lebewesen!

Es gibt auch Mischsysteme aus verschiedenen Formen von weicher Materie. Dazu gehören z.B. die hochkomplexen biologischen Membranen (12). Das meiste davon war zu Lebzeiten Mathilde Ludendorffs noch völlig unbekannt, daher ist ein Abgleich ihrer Aussagen in den Werken „Schöpfungsgeschichte“ und „Wunder der Biologie“ mit der aktuellen Forschung nicht immer einfach.

Sollte die derzeitige Theorie, nach der am Beginn des Lebens eine RNS-Welt und nicht eine Protein­welt stand, richtig sein, wäre womöglich nicht der Proteinkristall, sondern der RNS-Kristall die Vor­stufe des ersten Lebewesens gewesen. Allerdings gehören auch die Nukleinsäuren als Polymere zu der „weichen Materie“ und damit in das Übergangsfeld von Kolloiden, flüssigen Kristallen usw.

An der grundsätzlichen Abfolge der Schöpfungsstufen Kristall – flüssiger Kristall – Kolloid und den sie kenn­zeichnenden Willensäußerungen würde sich also nichts ändern.

Viren: Lebewesen ja oder nein?

Halten wir fest: Sowohl Mathilde Ludendorff als auch Karin Mölling siedeln Viren bzw. Gebilde, die kolloidale Eigenschaften besitzen, im Übergangsbereich zum ersten Lebewesen an.

Was ist nun das Kennzeichen eines echten Lebewesens?

Nach Mathilde Ludendorff unterscheidet erst die Tatkraft das Lebewesen von den Vorstufen. In der Biologie wird meist nicht von Tat, sondern von Reaktion gesprochen: Ein Lebewesen kann auf einen Umweltreiz reagieren.

In engem Wechselspiel mit dem Willen zum Wandel, der der Tatkraft zugrunde liegt, ist der Wille zum Verweilen. Beide halten sich sozusagen in Schach, so daß aus der Tat die Tatbereitschaft und aus der Fähigkeit zum Verweilen oder zum Wiederholen die Wiederholungsbereitschaft wird. Sie dienen beide dem beherrschenden Willen, dem Selbsterhaltungswillen. (1, S. 113)

Diese Dreierstruktur ist das einfachste Bild einer Seele und damit das Kennzeichen von Lebewesen.

Zeigen nun Viren diesen neu erwachten Willen zur Tatkraft bzw. diese Seelenstruktur? In der Schöp­fungsgeschichte schildert Mathilde Ludendorff, wie oben beschrieben, die Abfolge der Schöpfungs­schritte in ihrer zeitlichen Reihenfolge. Als Vorstufe der ersten Lebewesen nannte sie den Kolloid­kristall. Seine Gestaltungskraft ermöglicht ihm, seine Eigenform zu bewahren und seine Wahlkraft ermöglicht, Fremdstoffe im Kolloid in der Schwebe zu halten. Mehr vermag er noch nicht. Daher schreibt sie:

Ja, nun will uns jenes Kolloidwesen eher tot als lebendig bedünken, denn wir vermissen die Vollentfaltung dieser Gestaltungskraft und Wahlkraft zur – Tatkraft! (1, S. 110)

Wenn man sich nun jedoch vergegenwärtigt, welche Wirkung ein Virus in einer Zelle entfaltet (man erinnere sich an den Vermehrungskreislauf), fällt es schwer, nicht an eine Tatkraft zu denken. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Schöpfungsgeschichte war dies noch nicht bekannt.

In ihrem Jahre später erschienen Werk „Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke“, wirft Mathilde Ludendorff daher selbst die Frage auf, ob diese neu entdeckten Aktivitäten der Viren nicht ein Wider­spruch zu ihrer früheren Aussage wäre (5, S. 103).

Sie verweist darauf, daß sich ein göttlicher Wille in einer Vorstufe häufig erst matt enthüllt. Mit ihrer früheren Formulierung, daß der Kolloidkristall noch keine Vollentfaltung der Tatkraft zeigt, trägt sie diesem Umstand Rechnung. Er zeigt schon Ansätze zur Tatkraft, aber eben noch keine Vollentfaltung. Die Viren zeigen dies sehr anschaulich: Außerhalb einer lebenden Zelle verfügen sie nur über Gestaltungs- und Wahlkraft. Innerhalb der lebenden Zellen aber tritt erstmals so etwas wie Tatkraft in Erscheinung. Vergleichen wir, was der Evolutionsbiologe und Mediziner Frank dazu schreibt:

Außerhalb seines Wirts mag ein Virus leblos wirken, aber sobald es in eine Wirtszelle eindringt, erwacht es (…) zum Leben. Und was für ein außergewöhnliches Leben es führt! Hier im Umfeld seiner Wirtszelle, entfaltet es seine einzigartige Fähigkeit, die Macht über das Wirtsgenom zu übernehmen und dieses Genom so zu steuern, daß es neue Viren produziert. (6).

Es handelt sich bei den Viren also tatsächlich um Grenzgänger zwischen belebter und unbelebter Materie.

Bakterien: Lebewesen mit Selbsterhaltungswillen, Wiederholungsbereitschaft und Tatbereitschaft

Nach allem was wir gesehen haben, kann man also Viren bzw. virusähnliche, kolloidale Gebilde mit Fug und Recht als eine Vorstufe in den Übergangsbereich zum ersten Lebewesen einordnen. Zu den ersten, unstrittig als Lebewesen zu bezeichnenden Wesen gehören die Bakterien[10].

Sie zeigen genau den erwähnten grundlegenden Aufbau der ersten Seele aus Selbsterhaltungswillen, Wiederholungs­bereitschaft und Tatbereitschaft (1, S. 114).

Die Wahlkraft zeigt sich durch die Fähigkeit, ausgewählte Stoffe durch die umhüllende Zellmembran aufzunehmen. Die Tatkraft kann sich in vielerlei Weise äußern. Sie ermöglicht z.B., die aufgenommenen Stoffe, die man üblicherweise als Nahrung bezeich­net, in körpereigene Stoffe oder Energie umzuwandeln. Bei Nervenzellen zeigt sich die Tatkraft in der Fähigkeit, elektrische Reize weiterzuleiten.

Der Wille zum Verweilen äußert sich in der Biologie sehr augenfällig als die Fähigkeit zur Vererbung. All dies faßt Mathilde Ludendorff in den beiden Sätzen zusammen:  

Gottesbewußtheit aber bedingt Willen zum Wandel und Verweilungswillen im Träger. Da ward das tatbereite, erbweise Lebewesen. (1, S. 115)

Zusammenfassung

Viren sind mehr als nur Krankheitserreger. Das ist ganz offensichtlich. Sie sind allgegenwärtig und besiedeln alle Lebensräume. Sie sind Symbionten, d.h. sie leben zu gegenseitigem Nutzen auf das Engste mit anderen Lebewesen zusammen und sie sind wichtige Bestandteile von Ökosystemen.

Die Aufdeckung ihrer Struktur und ihrer Vermehrungszyklen ist eine großartige Forschungsleistung.

Völlig unterschätzt wurde auch die evolutionsbiologische Bedeutung der Viren. Sie spielten mit hoher Wahrscheinlichkeit eine wichtige Rolle in der Evolution, indem sie einen vielfältigen Erbgutaustausch zwischen verschiedenen Arten von Lebewesen ermöglichten und so ganz neue Wege in der Evolution eröffneten.

Ihr Ursprung reicht bis zu den Anfängen des Lebens zurück. Die Mehrzahl der Wissen­schaftler geht nach wie von der klassischen Virendefinition aus, wonach die Viren keine Lebewesen sind, da sie zwingend parasitär auf lebende Zellen angewiesen sind.

Es gibt aber immer mehr Hin­weise, die diese klassische Definition in Frage stellen. Der Streit zeigt:

Lebendiges und Nichtlebendi­ges läßt sich nicht so einfach voneinander unterscheiden,

wie es auf den ersten Blick erscheint. Es handelt sich um einen fließenden Übergang.

Die Philosophin Mathilde Ludendorff geht in ihrem 1923 erschienenen Werk „Schöpfungsgeschichte“ ausführlich auf diese aktuell diskutierten Fragen ein. Sie beschreibt ausführlich die Stufen der Schöpfung bis hin zum ersten echten Lebewesen.

Das erste Einzelwesen ist der feste Kristall, der sich durch seine Richtkraft auszeichnet und erste Ansätze eines Selbsterhaltungswillens zeigt.

Ihm folgt der flüssige Kristall, in dem zum ersten Mal die Gestaltungskraft auftaucht.

Auf der nächsten Stufe, den Kolloiden, kommt die Wahlkraft hinzu, die es ermöglicht, in vielfältiger Form fremde Stoffe aufzunehmen. Mit ihnen kommt auch die Todmöglichkeit in die Welt.

Anorganische und organische Welt sind keineswegs scharf voneinander getrennt, wie die organischen Flüssigkristalle bzw. die organischen Kolloide, zu denen auch die Kolloid- bzw. Eiweiß- und Nukleinsäurekristalle gehören, zeigen.

Viren wie das Tabakmosaikvirus gehören in diese Zwischenwelt.

Mathilde Ludendorff kennzeichnet ein Lebewesen aus philosophischer Sicht durch den Vollbesitz der Tatkraft und einer Seelenstruktur aus Selbsterhaltungswillen, Wiederholungsbereitschaft und Tatbereitschaft.

Viren zeigen bereits erste Ansätze von Tatkraft.

Außerhalb der Zelle weisen sie nur Gestaltungs- und Wahlkraft auf, erst innerhalb der Wirtszellen erwachen sie sozusagen zum Leben und zeigen in ihrem Vermehrungskreislauf Ansätze zur Tatkraft, indem sie die Zelle für ihre Zwecke einspannen.

Eindeutig zu den Lebewesen gehören die Bakterien. Sie besitzen (wie alle Zellen) als äußere Hülle eine Lipiddoppelmembran. Diese sind Paradebeispiele für Flüssigkristalle und Kolloide. Sie zeigen Gestaltungskraft bei äußerem Druck und sie zeigen Wahlkraft bei der Aufnahme von fremden Substanzen über Proteinporen in die Zelle. Ihre Tatkraft kommt z.B. bei der der Weiterleitung der elektrischen Erregung zum Ausdruck.

Mathilde Ludendorff sieht die Kolloidkristalle als Vorstufen zum ersten echten Lebewesen an, wobei sie Viren als zum Parasiten der Lebewesen entartete Kolloidkristalle bezeichnet. Daß Viren heute ausschließlich auf lebende Zellen zur Fortpflanzung angewiesen sind, ist unstrittig. Immer mehr Virologen stellen jedoch die Viren selbst an den Beginn des Lebens.

Demnach wären sie ursprünglich zellähnliche Gebilde gewesen, die erst im Laufe der Evolution ihre Selbständigkeit verloren hätten.

Wie auch immer der Streit ausgeht: Viren können als Grenzgänger zwischen lebender und toter Materie betrachtet werden.

Wie wir sehen, ist die „Schöpfungsgeschichte“ Mathilde Ludendorffs zwar ein ziemlich altes Buch, aber ihr Inhalt könnte aktueller nicht sein!

Quellenverzeichnis

  1. Ludendorff, M. (1954): Schöpfungsgeschichte. – Erstausgabe 1923. Pähl: Hohe Warte. 159 S.
  2. Hoffmann, C., Rockstroh, J.K. (Hrsg.): HIV 2016/2017. www.hivbuch.de. Hamburg: Medizin Fokus Verlag. 712 S.
  3. Global Hepatitis Report 2017, http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/255016/1/9789241565455-eng.pdf)
  4. Mölling, K. (2015): Supermacht des Lebens. Reise in die erstaunliche Welt der Viren. – München: C.H. Beck. 318 S.
  5. Ludendorff, M. (1950): Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke. – 1. Band. Stuttgart: Hohe Warte. 362 S.
  6. Ryan, F. (2009): Virolution. Die Macht der Viren in der Evolution. – Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
  7. Nasir, A., Caetano-Anollés, G. (2015): A phylogenomic data-driven exploration of viral origins and evolution. – Sci. Adv. 2015;1:e1500527: 1-24
  8. https://www.colloids.uni-freiburg.de/Methoden/dispersionen
  9. http://www.weltderphysik.de/gebiet/theorie/symmetrien/kolloidale-kristalle-und-kugel­packungen/
  10. Adam, G. (o.J.): Stufen der Schöpfungsgeschichte in der molekularen Biologe. Unveröffentlich­tes Manuskript.
  11. http://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/5954/
  12. http://www.fz-juelich.de/ics/ics-2/DE/UeberUns/Organisation/organisation_node.html

6] Wasserliebend = hydrophil, fettliebend = lipophil

[7] Der Begriff Kolloid gilt eigentlich für das einzelne (kolloidale) Teilchen im Trägermedium, wird z.T. aber auch für Teilchen und Trägermedium zusammen verwendet (so auch von Mathilde Ludendorff). Kolloidales Teilchen und Trägermedium werden auch als kolloidales System, kolloidale Suspension, … bezeichnet.

[8] Amphiphile sind Substanzen, die sowohl in Wasser als auch in Fett löslich sind (vereinfacht)

[9] Polymere sind chemische Stoffe, die aus vielen gleichen Einheiten zusammengebaut sind (z.B. Eiweiße oder Nukleinsäuren)

[10] von Mathilde Ludendorff gemäß dem damaligen Sprachgebrauch noch als Spaltpilze bezeichnet. Sie haben mit Pilzen jedoch nichts zu tun.

Der Naturwissenschaftler Karl Grampp

veröffentlichte in der Zeitschrift „Die Deutsche Volkshochschule“, 9/18, den nachfolgenden Beitrag, mit dem er anschaulich sowohl aus naturwissenschaftlicher als auch philosophischer Sicht den Übergang zum Leben aufzeigt. Ein spannender Vorgang in der Evolution! Hier der Text:

Einleitung

Was sind Viren? Ein amerikanischer Virenforscher beantwortete diese Frage einmal so: „Viren sind schlechte Nachrichten in Eiweiß verpackt“. Damit spielt er auf die Rolle der Viren als Krankheits­erreger an.

Diese Sichtweise dürfte die Mehrheit der Menschen teilen, da sich die Viren für sie nur dann bemerkbar machen, wenn sie sie mit so lästigen Beschwerden wie Schnupfen und Herpes­bläschen oder so todbringenden Krankheiten wie Aids oder Ebola bedrohen. Inwieweit diese Sicht­weise gerechtfertigt ist, darum soll es in diesem Eintrag unter anderem gehen.

Das Wissen über Viren hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen.

Es ist für jeden an der Natur interessierten Menschen begeisternd, was für eine geheimnisvolle Welt sich hier auftut.

Viele Viren sind heute in allen Einzel­heiten, bis hinab auf die molekulare Ebene, erforscht. Dazu gehört ihr genauer Aufbau, die Art und Weise, wie sie in menschliche Zellen eindringen, sich dort vermehren und dann wieder ausgeschleust werden. Einige dieser Erkenntnisse werfen ein ganz neues Licht auf den Ablauf der Evolution und die bisher unterschätzte Rolle der Viren dabei.

Unsere Betrachtung über die Viren führt aber auch zu ganz grundsätzlichen Fragen. Viren gelten üblicherweise nicht als Lebewesen, jedoch gerät in jüngster Zeit auch dieser Standpunkt ins Wanken. Leben sie vielleicht doch?

Wodurch sind überhaupt Lebewesen als solche gekennzeichnet?

Damit ist eine weitere Frage verknüpft:

Wie erfolgte in der Evolution der Übergang zum Leben? Was haben Viren damit zu tun? Es gibt eine Philosophin, [Mathilde Ludendorff], die in enger Fühlung zur Biologie diesen Fragen nachgegangen ist. Ihr einschlägiges Werk „Schöpfungsgeschichte“ ist 1923 erstmals erschienen (1). Das ist 95 Jahre her – viel zu alt, um sich damit zu befassen? Lassen Sie sich überraschen:

Viren haben es in sich – sowohl aus biologischer als auch aus philosophischer Sicht!

Was sind Viren?

Zunächst einmal sind sie sehr sehr klein! Sie gelangen ungehindert selbst durch die äußerst fein­porigen Filter, die Bakterien zurückhalten. Die kleinsten bekannten Viren haben gerade einmal einen Durchmesser von 20 Nanometern. 1 Nanometer ist 1 Millionstel Millimeter! Daher können Viren i.d.R. nur mit einem Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden. Nur die größten Vertreter sind gerade noch unter dem Lichtmikroskop zu erkennen.

Bild: Wikimedia Commons

Im einfachsten Fall bestehen Viren aus einer Eiweißhülle (Kapsid), welche das Erbgut des Virus umhüllt. Das Erbgut kann, wie bei den Pflanzen und Tieren als Desoxyribonukleinsäure (DNS) vorliegen oder als Ribonukleinsäure (RNS).

„Behüllte“ Viren besitzen außer der Eiweißhülle auch noch eine Membran aus sogenannten Lipiden als äußerste Schicht. Sie zeigt den gleichen Aufbau wie bei allen Tier- und Pflanzenzellen. Das Erbgut, die Gene, enthält die Information zur Erzeugung von viruseigenen Eiweißen (genauer gesagt für die Reihenfolge der Aminosäuren, aus denen die Eiweiße zusammengesetzt werden).

Die kleinsten Viren enthalten gerade einmal die Information für 2-4 Eiweiße, die größten für mehr als 2500. Das Fehlen einer bestimmten Eigenschaft ist für das Wesen der Viren von ganz entscheidender Bedeutung:

Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht aus eigener Kraft vermehren.

Sie sind dazu auf die Hilfe von Zellen anderer Lebewesen angewiesen. Um sich zu vermehren, müssen sie andere Zellen infizieren, um sie dann zu manipulieren, man könnte auch sagen umzuprogrammieren, damit die Zellen mit ihren zelleigenen Werkzeugen in den Dienst des Virus treten.

Eine kurze Definition von Viren lautet daher: Es sind infektiöse, sich ausschließlich mit Hilfe anderer Zellen fortpflanzende, Parasiten. Dies ist der wesentliche Grund, warum sie üblicherweise nicht zu den Lebewesen gezählt werden.

Vermehrungskreislauf

Die Aufklärung des Infektionszyklus, also des Kreislaufes vom Andocken des Virus auf der Ober­fläche einer Wirtszelle bis zum Ausschleusen der neu erzeugten Viruspartikel aus der Zelle ist eine Großtat der Virusforscher.

Besonders eindrucksvoll ist die Erforschung des HI-Virus, umgangs­sprachlich als Aids-Virus bezeichnet. Erst 1981 wurde Aids als eigenständige Krankheit anerkannt. Zwei Jahre später wurde das Virus erstmals beschrieben.

Innerhalb weniger Jahre gelang es, das Virus zu isolieren, seinen genauen Aufbau zu erforschen und auf dieser Grundlage hervorragend wirksame und gut verträgliche Medikamente zu entwickeln. Diese führen zwar noch nicht zu einer endgültigen Heilung, ermöglichen aber infizierten Menschen eine fast normale Lebenserwartung.

Man kennt heute alle Gene und alle Proteine des Virus.

Man weiß genau, an welchen Oberflächenstrukturen der Zelle das Virus andockt, wie es eindringt, ausgepackt wird, wie seine als RNS vorliegende Erbinformation in DNS (die Sprache der Zelle) übersetzt wird, wie dann diese DNS in den Zellkern eingeschleust und in das Erbgut der Wirtszelle eingebaut wird. Dort wird sie wie die zelleigene Erbinformation abge­lesen, erneut in Form von RNS aus dem Zellkern herausbefördert, um an den Ribosomen als Vorlage für die Erzeugung von Viruseiweißen zu dienen.

Vielfach vermehrtes Viruserbgut und zugehörige Viruseiweiße werden wieder zu vollständigen Viruspartikeln zusammengesetzt und verlassen die Zelle, indem sie ein Stück der Zellmembran als Hülle „mitnehmen“. Da man diesen Zyklus bis auf die molekulare Ebene hinab kennt, war es möglich, gezielt Medikamente zu entwickeln, die an verschie­denen Stellen diesen Kreislauf unterbrechen können.

Bedeutung als Krankheitserreger

Wir haben darüber gesprochen, daß Viren üblicherweise als Krankheitserreger wahrgenommen werden. Das kommt nicht von ungefähr. Ende 2014 waren z.B. 36,9 Mio. Menschen mit HIV infiziert. 1,2 Mio. starben alleine im Jahr 2014 daran (2). Bis heute sind ungefähr 39 Mio. Menschen daran gestorben (Wikipedia).

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, daß 71 Mio. Menschen mit HCV, dem Erreger der chronischen Hepatitis[1] C und 257 Mio. mit HBV, dem Erreger der chronischen Hepa­titis B infiziert sind. 2015 sind schätzungsweise 1,34 Mio. Menschen an einer durch Viren verursach­ten chronischen Leberentzündung gestorben (3). Der Spanischen Grippe erlagen zwischen 1918 und 1920 zwischen 25 und knapp 50 Mio. Menschen (Wikipedia).

Viren können auch Krebs erzeugen. Für die Entdeckung des Zusammenhanges zwischen Gebärmutterhalskrebs und Humanen Papillomaviren erhielt der deutsche Forscher zur Hausen 2008 den Nobelpeis für Medizin. Viren können also Krank­heitserreger sein – zweifellos trotzdem wäre unser Bild von ihnen grob verfälscht, wenn wir uns auf diese Sichtweise beschränken würden.

Viren sind viel mehr als nur Feinde von anderen Lebewesen.

Wenden wir uns daher einem neuen, spannenden und überraschenden Bild der Viren zu.

Das neue Bild der Viren

Häufigkeit von Viren

  • Wie viele Menschen gibt es? Rechnen wir der Einfachheit halber großzügig mit einer Zahl von 10 Mrd. (genau genommen sind es „erst“ 7,74 Mrd.). Das sind 1010 oder eine 1 mit 10 Nullen.

  • Wie viele Sterne gibt es am Himmel? Rund 1025, also eine 1 gefolgt von 25 Nullen.

  • Bakterien sind es noch mehr: 1031.

  • Und Viren? 1033!

Den Angaben der international bekannten deutschen Virologin Karin Mölling[2] zufolge, gibt es also mehr Viren als Bakterien und sogar mehr Viren als Sterne. Würde man alle Viren aneinanderreihen, käme man auf eine Strecke von 10 Mio. km (4). Zum Vergleich: Der Durchmesser der Sonne beträgt nur 1,4 Mio. km.

Natürlich sind das alles außerordentlich grobe Schätzungen, auf ein paar Nullen hin oder her soll es hier nicht ankommen. Der Punkt ist: Viren sind nicht ein paar exotische winzige Gebilde, die man sich zufällig irgendwo aufschnappt und an denen man, wenn man Pech hat, auch sterben kann.

Viren sind überall und man ahnt vielleicht jetzt schon, daß ihre Bedeutung eine ganz andere ist, als nur Auslöser von Krankheiten zu sein. Wenn Viren überall zu finden sind und Pflanze, Tier und Mensch i.d.R. trotzdem gesund ihr Dasein verbringen, dann heißt das: Die weitaus größte Zahl der Viren können keine Krankheitserreger sein!

Mikrobiom: Lebensgemeinschaft mit Viren, Bakterien, Pilzen

Ein überraschendes Ergebnis des “Human Genom Projektes (der vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes) war, daß das menschliche Erbgut ungefähr zur Hälfte viralen Ursprungs ist[3]! (4) Auch andere Lebewesen enthalten mehr oder weniger große Mengen an viralem Erbgut.

Auf und im Menschen lebt ein Vielfaches mehr an Bakterienzellen und noch viel mehr an Viren als wir selbst Körperzellen besitzen, und dabei sind die Pilze noch gar nicht berücksichtigt! Die Gesamt­heit aller Mikroorganismen auf einem Körper wird als Mikrobiom bezeichnet.

2012 wurden die neuen Erkenntnisse zum Mikrobiom von „Nature“, einer der führenden naturwissenschaftlichen Fachzeit­schriften, als einer der 10 wichtigsten wissenschaftlichen Durchbrüche bezeichnet (4).

„Der Mensch ist ein Superorganismus, ein komplexes Ökosystem“, schreibt Karin Mölling. Wir leben alle weit­gehend friedlich mit diesen Mitbewohnern, die Krankheit ist der Ausnahmefall, nicht die Regel.

Und nicht nur das: Wir sind für ein gesundes Leben auf diese Mitbewohner angewiesen! An dieser Stelle möchte ich auf die philosophische Deutung solches friedlichen Zusammenlebens in der Natur hin­weisen.

In „Wunder der Biologie“ (Bd. 1) widmet Mathilde Ludendorff ein ganzes Kapitel diesem Thema (5). Es heißt „Lebensgemeinschaften bezeugen das Weltbild der Schöpfungsgeschichte“. Darin verweist sie auf die Vollkommenheit des Selbsterhaltungswillens bei allen Lebewesen außer dem Menschen. Dieser vollkommene Selbsterhaltungswillen will nur die Selbsterhaltung, nicht Vernich­tung und Beherrschung eines Gegners. Die Erscheinungswelt zeigt ein Töten unter den Lebewesen, wenn es die Selbsterhaltung erfordert, darüber hinaus herrscht jedoch Harmonie im Weltall. Mathilde Ludendorff spricht von einer Einheit der Lebewesen in der Vielheit. Eine schöne Übereinstimmung von Virologie und Philosophie!

Viren als Symbionten

Viren nicht als Parasiten, sondern als „Nützlinge“, das ist ein ungewöhnlicher Gedanke. Folgendes Beispiel zeigt die Wirklichkeit dieses neuen Bildes der Viren:

HIV ist deshalb so gefährlich, weil es in der Lage ist, das Immunsystem des Körpers zu unterdrücken. Man spricht deshalb von der Immun­schwächekrankheit Aids. Ein Unterdrücken der Immunabwehr kann aber auch sinnvoll sein, wenn es z.B. darum geht, daß eine Mutter den im Mutterkuchen (Plazenta) sich einnistenden und heranwach­senden Embryo nicht abstößt. Wie ist diese Fähigkeit in der Evolution entstanden?

Ein mit dem HIV verwandtes Virus[4] übertrug einst die genetische Information für ein Protein seiner Virushülle an seinen Wirt. Dieses Protein führt heute im Mutterkuchen zu einer örtlichen Immunschwäche und ermöglicht so das Aufwachsen des Keimes (4)!

Es gibt weitere Bespiele für solche endogenen, also fest ins Wirtsgenom eingebauten, ehemaligen Virusgene, die nun wichtige Aufgaben für den Wirt erfüllen. Dazu gehört das Keratin-Gen, das für Haut und Augen wichtig ist, Gene für das Immun­system, Gene für das Parathormon aus den Nebenschilddrüsen oder ein Gen für den Stärkeabbau (6).

Es gibt Hinweise darauf, daß auch die genetische Information für das Sehpigment in unseren Seh­zellen von Viren „erfunden“ wurde (4). Aufgrund solcher Fälle vertreten einige Forscher die Ansicht, daß Viren auch Symbionten sein können. Der Biologe und Mediziner Frank Ryan schrieb ein ganzes Buch dazu (6). Er schildert darin ein besonders eindrucksvolles Beispiel, das in der naturwissen­schaftlichen Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde. Unter dem Titel „Ein Virus in einem Pilz in einer Pflanze: Für thermische Toleranz ist eine Dreiersymbiose nötig“, wird beschrieben, wie ein Virus einen Pilz infiziert, der wiederum eine Hirsepflanze infiziert. Dadurch erträgt die Pflanze hohe Temperaturen. Dies ist aber nur der Fall, wenn Pilz und Virus beteiligt sind!

„Springende Gene“

Ein Ergebnis des Human Genom Projects war der hohe Anteil viraler Gene in unserem Erbgut. Es gab aber noch weitere Überraschungen. Das menschliche Erbgut zeichnet sich nicht durch besonders viele Gene aus, im Gegenteil, sondern durch die größere Länge der Gene und ihre starke Kombinierbarkeit.

Ermöglicht wurde dieses Kombinieren ursprünglich durch das Springen von Genen. Es gibt tatsächlich bestimmte Gene, die an andere Stellen im Erbgut springen können! Man spricht daher auch von „springenden Genen“[5].

Da dieses Springen jedoch auch gefährlich für die Zelle sein kann, muß es streng kontrolliert werden, daher sind im heutigen Erbgut des Menschen nur noch wenige solche Elemente zum Springen fähig.

Es gibt ein schönes Beispiel für dieses Phänomen beim Mais, bei dem es auch entdeckt wurde: Die verschieden gefärbten Maiskörner an ein und demselben Maiskolben sind auf springende Gene zurückzuführen (4)! Was hat das mit unserem Thema zu tun? Es spricht vieles dafür, daß die springenden Gene ursprünglich von Viren stammen.

Die Besonderheit des mensch­lichen Erbgutes, daß verschiedene Gene miteinander kombiniert werden können, haben wir also ver­mutlich den Viren zu verdanken!

Vielfalt der Viren: Von Bakteriophagen bis Riesenviren

Bakteriophagen (Bild: Wikimedia Commons)

Die Vielfalt der Viren ist ungeheuer groß: Es gibt Viren, die nur 10 Gene besitzen (z.B. das Aids-Virus) und es gibt Viren, die bis zu 2500 Gene ihr Eigen nennen (zur Erinnerung: Der Mensch hat ungefähr 22000 Gene).

Es gibt Viren, die die Zelle überhaupt nicht mehr verlassen und solche, die nicht einmal mehr das Erbgut ihres Wirts verlassen. Sie werden als Endoviren bezeichnet.

Es ist schon lange bekannt, daß auch Bakterien von Viren befallen werden können. Man nennt diese Viren „Bakteriophagen“, was „Bakterienfresser“ bedeutet. Manche sehen aus wie Mondlandefähren.

„Ein Schluck Ostseewasser enthält 100 Mio. bis 1 Mrd. Phagen“, schreibt Karin Mölling. Im Jahr 2008 gab es eine weitere Überraschung: Es wurde erstmals ein Virus entdeckt, das andere Viren enthält! Ein Riesenvirus, Mimivirus genannt, kann viele kleine „Sputnik-Viren“ enthalten.

Damit sind wir bei einer neuen Virusgruppe angelangt, deren Entdeckung viel Aufsehen erregte: Die Entdeckung von Riesenviren oder Gigaviren (auch als Amöbenviren bezeichnet, weil sie in Amöben vorkommen).

Oben wurde erwähnt, daß Viren typischerweise Bakterienfilter ungehindert passieren können. Das konnte der niederländische Biologe Martinus Beijerinck in seinen berühmten Versuchen an Tabakpflanzen bzw. dem Tabakmosaikvirus zeigen.

Tabakmosaikviren (Bild: Wikipedia)

Heute kennt man Viren, die sogar größer sind als manche Bakterien. Ihr Erbgut enthält die Information für rund 1000 Proteine. Beim kleinsten Bakterium sind es gerade einmal 482 Proteine.

Einige dieser Gigaviren enthalten sogar Gene für die Proteinsynthese, was bisher undenkbar war (4). Wir erinnern uns: Viren besitzen zwar die genetische Information für die Reihenfolge der Aminosäuren, aus denen die Virusproteine zusammengesetzt sind, nicht aber für den Herstellungsvorgang selbst.

Um die Virusproteine zusammenbauen zu können, sind sie auf die Hilfe der Wirtszellen angewiesen. Bei den Riesenviren könnte es sich um eine Übergangs­form zu den Bakterien handeln, die schon „fast“ in der Lage sind, ihre eigenen Eiweiße herzustellen. Da Viren nach gängiger Definition nicht als lebendig gelten, hieße das gleichzeitig, daß sie am Über­gang zum Leben anzusiedeln wären. Dazu kommen wir noch.

Viren im Ökosystem

Man sieht, das bisherige Weltbild über die Viren bedarf dringend einer Erweiterung. Am Ende dieses Abschnittes zeige ich noch ein Beispiel für die Rolle der Viren in unserer makroskopischen Welt, auf der Ebene ganzer Ökosysteme.

Was haben die Kreidefelsen von Rügen mit Viren zu tun? Die Felsen bestehen aus den Gehäusen von unzähligen abgestorbenen Kalkalgen, z.B. der hübschen kleinen Alge Emiliania huxleyi. Und wer brachte sie zum Absterben? Das waren die Viren, genauer gesagt das Phycodna-Virus. Es lebt in den Kalkalgen und bringt sie unter bestimmten Umständen zum Absterben.

Ein ähnliches Phänomen kann man auch heutzutage in der Ostsee beobachten. Durch die Über­düngung des Meeres kommt es dort immer häufiger zu Massenvermehrungen von Algen und zur Bildung kilometergroßer grün-, rot- oder braungefärbter Algenteppiche. Es kommt zu Platz- und Nährstoffmangel, die Gigaviren in den Algen werden aktiviert und zerstören diese. Es bilden sich weiße Schlieren, die sogar aus dem Weltall zu sehen sind. Kleine Ursache – große Wirkung!

Bedeutung der Viren für die Evolution der Arten

Es gibt mehrere Theorien zur Entstehung von Viren. Die gängigste ist die „Zelle-zuerst-Hypothese“. Demnach wären Viren Gebilde, die in Zellen entstanden sind, ein Stück Erbgut „gestohlen“ hätten und irgendwann ausgeschleust wurden, wobei sie noch ein Stück der Zellmembran „mitgehen“ ließen, um sie sich als Mantel umzuhängen.

Karin Mölling vertritt dagegen die „Virus-zuerst-Hypothese“. Dem­nach hätten Viren mitgewirkt, die ersten zellulären Lebewesen aufzubauen. Die allgemeine Entwick­lung sei vom Einfachen zum Komplizierten gelaufen, also vom Virus zur Zelle. Erst später seien die Viren zu Parasiten geworden. Sie hätten Aufgaben an den Wirt delegiert und seien von ihm abhängig geworden. Sie schreibt:

Alle heutigen Viren brauchen eine Wirtszelle zur Vermehrung. Dabei liegt die Betonung auf heute, aber ob das immer so war, ist die Frage.

Sie meint, daß die ersten Viren und die ersten Zellen einander sehr ähnlich sahen, es waren einfache Säckchen aus Lipidmembranen, die ein paar Biomoleküle enthielten. Vielleicht erübrige sich die Frage, ob so ein Gebilde eine Zelle oder ein Virus sei?

Der amerikanische Virologe Luis P. Villarreal weist auf folgenden Punkt hin: Die Genome der Viren haben keine große Ähnlichkeit mit den Genomen der Zellen, es gibt viel mehr Virusgene als Zellgene. Die große Mehrheit der Virusgene kommt weder in Bakterien noch in Pflanzen oder Tieren oder irgendwelchen anderen Wirten vor.

Das bedeutet, daß Viren imstande sind, aus sich heraus komplexe Gene zu erschaffen. (zit. nach 4).

Das spricht gegen eine Abstam­mung der Viren von lebenden Zellen. Einer amerikanischen Forschergruppe zufolge waren die Viren ursprünglich einfache zelluläre Gebilde (7). Aus diesen gingen alle heutigen Domänen des Lebens hervor: Archäen, Bakterien und Organismen mit echtem Zellkern: Pilze, Pflanzen und Tiere.

Als die Viren zu einer parasitären Lebensweise übergingen, verloren sie immer mehr ihrer Zellausstattung, bis sie schließlich völlig auf ihren Wirtsorganismus angewiesen waren.

Die Riesenviren wären nach dieser Auffassung noch die ursprünglichsten, am wenigsten reduzierten Viren.

In heutigen Zellen ist die DNS der Speicher der genetischen Information. Die RNS hilft, diese Infor­mation verfügbar zu machen. Viele Forscher gehen heute davon aus, daß am Beginn der biologischen Evolution eine RNS-Welt bestand, d.h. zuerst die RNS da war und dann erst die DNS. Aus Platz­gründen kann dies nicht näher ausgeführt werden, wichtig ist in unserem Zusammenhang nur, daß eine solche RNS-Welt gut zu der Virus-zuerst-Hypothese passen würde.

Es gibt RNS, die sich wie ein Virus verhält, aber keine Hülle besitzt und daher traditionell nicht als Virus bezeichnet wird: Man nennt sie Viroide, also virusähnliche Gebilde. Sie können Pflanzen infizieren, sich vermehren und Krankheiten auslösen, genau wie Viren. Karin Mölling hält sie für die ältesten Vertreter und Über­bleibsel der RNS-Welt. Übrigens: Viroide sind keine seltenen Exoten: Wir essen sie täglich mit unserem Salat!

Viren sind die Evolutionsmaschinen der Zellen. Viren sind die Triebkräfte der Evolution. Sie sind Erfinder, Probierer von Möglichkeiten, sie sind Anfänger des Lebens,

schreibt die Virologin.

Dies hängt u.a. mit dem Phänomen des horizontalen Gentransfers zusammen. Gene können nicht nur an die Nachkommen derselben Art weitergegeben werden (vertikal), sondern auch an andere Arten (hori­zontal). Bei Bakterien und Viren ist dies besonders ausgeprägt.

Wir hatten schon erwähnt, daß unser eigenes Erbgut ungefähr zur Hälfte aus ehemaligem Viruserbgut stammt. Ein Beispiel wie man sich einen Beitrag der Viren zur Evolution bestimmter Arten vorstellen kann, haben wir schon kennen­gelernt:

Die Fähigkeit der Plazentatiere (die Mehrzahl der Säugetiere), ihre Embryonen nicht abzu­stoßen, stammt von Viren. Ein französischer Forscher hat aus solchen „fossilen“ Virussequenzen in unserem Erbgut ein funktionsfähiges Virus zusammengebaut. Karin Mölling:

… das zusammenge­bastelte Virus war infektiös, es konnte Zellen infizieren und sich vermehren. Dies war ein schlagender Beweis, daß die toten endogenen Retroviren im Erbgut des Menschen von richtigen Viren abstammen. Es war die Auferstehung eines „Toten“, das war unheimlich!

Es wäre einen Aufschrei der Zeitge­nossen wert gewesen, daß da ein Virus nach 35 Millionen Jahren reaktiviert worden war und wieder anstecken konnte.

Das Virus war gleichsam auferstanden aus der Asche, daher erhielt es sinniger­weise den Namen Phönix!

Eine Virusinfektion ist für das Erbgut ein großer Innovationsschub, da kommt mit einem Schwung ein Satz an Genen zum vorhandenen Erbgut hinzu. (Mölling)

Die Virus-zuerst-Hypothese und die Bedeutung der Viren für die Evolution anderer Arten sind noch nicht allgemein anerkannt, aber sie sind Gegenstand der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion.

Fortsetzung folgt

Quellenverzeichnis

  1. Ludendorff, M. (1954): Schöpfungsgeschichte. – Erstausgabe 1923. Pähl: Hohe Warte. 159 S.
  2. Hoffmann, C., Rockstroh, J.K. (Hrsg.): HIV 2016/2017. www.hivbuch.de. Hamburg: Medizin Fokus Verlag. 712 S.
  3. Global Hepatitis Report 2017, http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/255016/1/9789241565455-eng.pdf)
  4. Mölling, K. (2015): Supermacht des Lebens. Reise in die erstaunliche Welt der Viren. – München: C.H. Beck. 318 S.
  5. Ludendorff, M. (1950): Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke. – 1. Band. Stuttgart: Hohe Warte. 362 S.
  6. Ryan, F. (2009): Virolution. Die Macht der Viren in der Evolution. – Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
  7. Nasir, A., Caetano-Anollés, G. (2015): A phylogenomic data-driven exploration of viral origins and evolution. – Sci. Adv. 2015;1:e1500527: 1-24
  8. https://www.colloids.uni-freiburg.de/Methoden/dispersionen
  9. http://www.weltderphysik.de/gebiet/theorie/symmetrien/kolloidale-kristalle-und-kugel­packungen/
  10. Adam, G. (o.J.): Stufen der Schöpfungsgeschichte in der molekularen Biologe. Unveröffentlich­tes Manuskript.
  11. http://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/5954/
  12. http://www.fz-juelich.de/ics/ics-2/DE/UeberUns/Organisation/organisation_node.html

[1] Hepatitis = Leberentzündung

[2] Sie forschte u.a. an der Universität von Kalifornien (Berkeley), am Max-Planck-Institut für Virologie in Tübingen und als Professorin an der Universität in Zürich. Sie entdeckte u.a. ein wichtiges Virusenzym und lieferte wichtige Beiträge zur Erforschung krebsauslösender (Virus-) Gene.

[3] Unser Erbgut enthält auch Erbgut von Bakterien, Pilzen und sogar Pflanzen! (4)

[4] aus der Gruppe der Retroviren

[5] Auch als (Retro-) Transposons bezeichnet

Der Rassenunterschied …

„Augen, … die in die Ferne schauen, als sähen sie in das Wesen der Dinge selbst“ –

Bild: pinterest

das sind Worte, wie wir sie bei Malwida von Meysenbug lesen, die ihr ganzes deutsches Wesen und damit ihre lichte Gottnähe beispielhaft kennzeichnen.

Malwida von Meysenbug lebte den deutschen Idealismus in Reinkultur.

Sie verließ ihr privilegiertes Leben als Sproß einer Adelsfamilie und widmete sich selbstlos sozialer Gerechtigkeit.

Dabei arbeitete sie sich auch – geistig völlig eigenständig – aus der Fremdlehre des Christentums heraus und atmete Freiheit im Denken und Handeln.

Der Preis war Verlust der Geborgenheit in der konservativ-erstarrten und freimaurerisch beeinflußten Familie sowie politische Verfolgung und ein Leben im Exil.

Diesen Preis zu zahlen war sie bereit für die Erfüllung ihrer göttlichen Wünsche zum Guten, Wahren und Schönen.

Ganz anders spricht uns Harold Wallace Rosenthal an, der das Wesen seines jüdischen Volkes 1976 in einem Interview kennzeichnet mit den Worten:

Uns fehlt jede Art von Idealismus …

der Talmud liefert nur die Regeln für ein Luxusleben in dieser Welt. Er ist eine Sammlung von Anleitungen zur Erhaltung der jüdischen Rasse und regelt den Verkehr zwischen uns und den Goyim.

Unsere Lehren scheren sich nicht um moralische Probleme, sondern befassen sich vor allem mit dem, „wie man zusammenrafft“.

… Wir sind nicht so verrückt wie ihr und würden nie eine Ideologie annehmen, die auf Selbstaufopferung beruht.

Während ihr für das Wohl der Gemeinschaft lebt und sterbt, leben und sterben wir nur für unser eigenes, individuelles Selbst.

Die Idee der Selbstaufopferung ist für die Juden ein Greuel.

Sie ist für mich ein Greuel. Da der Tod das Ende bedeutet, ist keine Sache es wert, dafür zu sterben.

Wir sind keine Erschaffenden, denn das Erschaffene würde nur einem anderen zugute kommen.

Wir sind die „Erwerber“, und alles, was uns interessiert, ist die Befriedigung des Selbst. …

Wir geben nie, sondern nehmen nur.

Wir arbeiten nie, sondern erfreuen uns der Früchte der Arbeit anderer.

Wir erschaffen nicht, sondern konfiszieren. Wir sind keine Produzenten, sondern Parasiten.

… Arbeiten bedeutet zu produzieren, und die höchste Form dieser Arbeit ist das Kreieren. Eure Rasse hat stets für die Befriedigung über das, was sie erschafft, gearbeitet.

Wir würden nie für den Profit von jemand anderem arbeiten, nur für das, was wir bekommen können.

Wir haben uns dieser arischen Einstellung bedient, um den größten Teil unseres Reichtums zusammenzubekommen.

Wenn ihr aus Freude arbeitet, produziert ihr, ohne euch groß um die Bezahlung zu kümmern.

Wir bemächtigen uns dessen, was ihr produziert, für einen kläglichen Lohn und verwandeln dies in Riesenvermögen.

Wie die Judenheit trotz dieses gottfernen Geistes zur geistig und materiell beherrschenden und Kulturen zersetzenden Übermacht in den Völkern kam, erklärt Rosenthal einleuchtend:

1. Geldmacht

Unsere Macht ist durch die Manipulation des nationalen Geldsystems geschaffen worden. Wir verfaßten das Sprichwort „Geld ist Macht“.

Wie in unserem Masterplan enthüllt, war es erforderlich für uns, eine private Nationalbank zu schaffen. Seit wir es besitzen, paßt das Federal-Reserve-System prächtig in unseren Plan, und der Name läßt die Leute denken, es handle sich um eine Regierungsinstitution.

Gleich von Anfang an war es unser Ziel, alles Gold und Silber zu konfiszieren und es durch wertlose, nicht zurückzahlbare Banknoten zu ersetzen. Und dies haben wir getan!

… Alles, was wir tun, ist, den Goyim immer mehr nicht zurückzahlbare Banknoten zu geben, oder auch Kupfermünzen. Aber wir geben ihnen nie ihr Gold und Silber. Nur immer mehr Papier …

… Bis vor kurzem überstieg der Stolz auf Qualitätsarbeit die Forderung nach einem hohen Lohn. Indem wir das Streben nach Geld hervorriefen, haben wir es jedoch geschafft, die Gesellschaft dadurch zu versklaven, daß sie sich unserer Macht, welche das Geld ist, unterwarf.

Wir haben die Menschen zu unserer Philosophie des Erlangens und des Erwerbens umgeformt, so daß sie nie befriedigt sein werden. Unbefriedigte Menschen sind die „Bauern“ in unserem Welteroberungsspiel.

2. Schuldkomplex, Säuberungen und die UNO

Ihr Leute habt keinen Mumm. Wir bestimmen euer Denken – wir haben unter euch sogar einen „Schuldkomplex“ etabliert, so daß ihr Angst habt, das Judentum öffentlich zu kritisieren.

Auf die Frage: Sind die Juden in Rußland Ihrer Kenntnis nach verfolgt oder genießen sie eine Art von Freiheit? antwortete Rosenthal:

Die meisten Juden überall in der Welt, ich würde sagen mehr als 90%, wissen, was wirklich mit unserem Volk geschieht.

Wir haben unübertroffene Kommunikationsverbindungen überall hin … Rußland … dort gibt es zwei unterschiedliche Regierungen, eine sichtbare und eine unsichtbare. Die sichtbare ist aus verschiedenen Nationalitäten zusammengesetzt, während die unsichtbare ausschließlich aus Juden besteht.

Die mächtige sowjetische Geheimpolizei bekommt ihre Befehle von der unsichtbaren Regierung.

Es gibt etwa sechs bis sieben Millionen Kommunisten in Sowjetrußland, 50% sind Juden und 50% sind Nichtjuden, aber die Nichtjuden genießen kein Vertrauen. Die kommunistischen Juden sind vereint und vertrauen einander …

Etwa alle fünf oder sechs Jahre ruft der geheime jüdische Ausschuß zu einer Säuberung auf, und da werden viele

liquidiert, weil sie anfangen, zu viel zu verstehen über die jüdische Geheimregierung.

Die russischen Kommunisten verfügen über einen geheimen Gruppenorden, der nur aus Juden besteht. Sie bestimmen über alles, was die sichtbare Regierung betrifft.

Das Vorstehende bitte immer unter dem Blickwinkel des Jahres 1976 sehen!

Auf die Frage: Haben unsere Regierung und die Vereinten Nationen Kenntnis von dem? erwiderte Rosenthal:

Die Vereinten Nationen sind nichts als eine Falltüre zu dem immensen Konzentrationslager der roten Welt. Wir kontrollieren die UNO ganz nett.

3. Musikkontrolle, Gedankenkontrolle

Wir sind keine Narren! Die unsichtbaren Regenten in den kommunistischen Ländern haben eine weltweite Kontrolle über die Propaganda und die Regierungen der freien Welt.

Wir kontrollieren alle Kommunikationsmedien, … sogar eure Musik!

Das erklärt das weltweit verbreitete allgegenwärtige, kulturzerstörerische Beatgedröhne. Was damit allerdings nicht erklärt ist, das ist die Besessenheit so vieler Nichtjuden, sich damit beschallen zu lassen, Menschen, die – in Europa zumindest – wahrlich aus einer anderen, einer Hochkultur stammen.

Wir zensurieren die zur Publikation zugelassenen Lieder lange, bevor sie die Produzenten erreichen. Nicht mehr lange, und wir werden auch die totale Kontrolle über euer Denken haben.

… durch Kontrollieren des Bankensystems waren wir imstande, das Kapital der Gesellschaften zu kontrollieren. Dadurch erlangten wir das totale Monopol der Filmindustrie, die Radiosender und die damals sich neu entwickelnden Fernsehmedien. Die Druckindustrie, die Zeitungen, die Periodika und die technischen Zeitschriften waren bereits in unsere Hand gefallen.

Die dickste Rosine ergab sich dann später, als wir die Herstellung allen Schulmaterials übernahmen.

Dies alles diente uns als Vehikel, mittels derer wir die öffentliche Meinung unseren Zielen gemäß formen konnten. Die Leute sind nichts als dumme Schweine, die die Lieder grunzen und quieken, die wir ihnen geben, mögen es nun die Wahrheit oder Lügen sein.

So etwas wie eine schweigende Mehrheit gibt es gar nicht, denn wir kontrollieren ihr Zetergeschrei. Das einzige, was existiert, ist eine nichtnachdenkende Mehrheit, und sie werden nichtnachdenkend bleiben, so lange ihre Ausflucht aus unserem rigorosen Service im Opium unserer Vergnügungsindustrie besteht.

Indem wir die Industrie kontrollieren, sind wir die strengen Aufseher geworden und die Völker die Sklaven. Wenn sich der Druck durch die tägliche Plackerei zu einem explosiven Grad aufbaut, bieten wir als Sicherheitsventil momentane Vergnügen an.

Die Fernseh- und Filmindustrie liefern die nötige temporäre Ablenkung. Die Programme sind sorgfältig entwickelt worden, um die sinnlichen Gefühle zu stimulieren, nicht aber den logisch denkenden Geist. Als Folge davon sind die Leute programmiert, auf unsere Gebote anzusprechen, aber nicht gemäß der Vernunft.

Schweigen tun sie nie; nicht denkend werden sie bleiben.

Das psychologische Können dieser Rasse ist erstaunlich. Moral sucht man vergebens, dafür Zersetzung, Zerstörung, wohin das Auge reicht.

4. Spaltung des Volkes

Wir haben mit Erfolg die Gesellschaft gespalten, indem wir die Arbeiter gegen das Management ausspielten. Dies war vielleicht unser größtes Meisterstück, denn in Wahrheit handelt es sich um ein Dreieck, von dem aber nur zwei Punkte in Erscheinung zu treten pflegen.

In der modernen Industrie, wo das Kapital ist, dessen Kraft wir repräsentieren, ist dies der Apex (die Spitze als dritter Punkt). Das Management und die Arbeiterschaft befinden sich beide an der Basis des Dreiecks. Sie stehen sich ununterbrochen als Opponenten gegenüber, und nie richten sie ihre Aufmerksamkeit auf den Kopf, der ihr Problem ist.

Da wir ständig die Kapitalkosten erhöhen, ist das Management gezwungen, die Preise zu erhöhen. Die Angestellten müssen höhere Löhne haben, und so muß das Management höhere Preise haben; und dies schafft einen Teufelskreis.

Wir werden nie zur Rede gestellt für unsere Rolle, die doch der eigentliche Grund für die Inflation ist …

Wir arbeiten nicht, noch managen wir, und doch erhalten wir die Profite.

Durch unsere Geldmanipulation kostet uns das Geld, das wir der Industrie leihen, nichts. Mit Hilfe unserer Nationalbank, der Federal Reserve, dehnen wir die Buchkredite, die wir aus dem Nichts schöpfen, über alle lokalen Banken aus, die Mitgliedsbanken sind. Und die verteilen den Buchkredit dann in der Industrie.

Deshalb tun wir mehr als Gott, denn all unser Reichtum ist aus dem Nichts geschaffen.

… Mit diesem vermeintlichen Kapital bringen wir die Industrie, das Management und die Arbeiterschaft in unsere Schuld – eine Schuld, die sich nur erhöhen kann und die nie abgetragen werden kann.

Infolge dieser fortwährenden Erhöhung sind wir fähig, das Management gegen die Arbeiterschaft auszuspielen, so daß die nie zu einer Einigung kommen, uns angreifen und ein von Schulden befreites industrielles Utopia einleiten werden.

Wir sind das notwendige Element, da wir nichts ausgeben.

In seiner eitlen Schwatzhaftigkeit verrät er mit kurzem Blick den Nichtjuden, wie sie zu einer eigenen wirksamen Wirtschaftsform kommen könnten, gleich der, die die Deutschen sich im Dritten Reich aufbauten:

Das Management könnte sein eigenes Kapital schaffen – die Profite. Sein Geschäft würde sich vergrößern und die Profite sich erhöhen. Der Arbeiterschaft würde es ebenfalls gut gehen, denn der Preis der Produkte bliebe stabil, und der Wohlstand von Industrie, Arbeiterschaft und Management würde unaufhörlich gedeihen.

Wir Juden glänzen durch die Tatsache, daß die blöden Goyim nie kapiert haben, daß wir Parasiten sind, die einen immer größeren Anteil der Produktion beanspruchen, während die Produzenten kontinuierlich weniger und weniger erhalten.

Bei seiner ständigen Beschimpfung der Nichtjuden als blöde Goyim (nach Talmud = Nichtmenschen!) fehlt Rosenthal die Fähigkeit, sich in eine Rasse hineinzudenken, deren Angehörige vorwiegend ehrliche, Wahrheit liebende Menschen sind, denen es schwerfällt, den Lügner und Betrüger als solchen zu erkennen. Sie setzen auch bei DEM Anstand und Ehrlichkeit voraus und vertrauen ihm.

Zum zweiten sind sie in ihrem Wollen, gut zu sein, leicht bereit, begangene eigene Schuld einzusehen und einzugestehen. Es ist kein blödes Volk, das den Schuldkomplex mit sich herumschleppt, ganz im Gegenteil. Es neigt eher dazu, dem eigenen Bruder zu mißtrauen, wenn der Tatsachen aufdeckt, die ihm zeigen, daß er getäuscht wurde. Er will sich keiner feigen Selbsttäuschung hingeben.

Und wer hat schon Zeit, sich mit dem Lügengebräu hinreichend gründlich auseinanderzusetzen! Zudem hämmert tagtäglich die Propagandamaschine auf ihn ein. Die Unterhaltungsindustrie beim täglichen Fernsehen kann den Verstand einschläfern.

5. Religion, Krieg und Rassenverleugnung

Viele unserer Rabbis haben nun Lehrstühle in christlichen theologischen Seminaren inne …

Judentum ist nicht nur das, was in der Synagoge gelehrt wird, sondern es ist auch die Doktrin jeder christlichen Kirche in Amerika (und anderswo). Durch unsere Propaganda sind die Kirchen unsere eifrigsten Unterstützer geworden …

Diese irregeführten Kinder der Kirche verteidigen uns bis zu dem Maß, daß sie ihre eigene Kultur zerstören.

Diese Wahrheit leuchtet sogar jedem Dummkopf ein, wenn er sich mit Geschichte beschäftigt und sich alle Kriege anschaut, in denen Weiße Weiße bekämpften, damit wir unsere Kontrolle aufrechterhalten können.

Wir kontrollierten England während dem Revolutionskrieg, den Norden während dem Bürgerkrieg (Amerika), und England und Amerika während dem 1. und 2. Weltkrieg.

Durch unseren Einfluß auf die Religion war es uns möglich, die unwissenden weißen Christen in Kriege gegen sie selber zu verwickeln, was immer eine Verarmung beider Seiten bewirkte, während wir die finanzielle und politische Ernte einfuhren.

Jedes Mal, wenn Kritik hochkommt, die uns bloßstellt, brauchen wir nur unsere Kräfte zu mobilisieren – die ignoranten Christen. Die attackieren die Kämpfer sogar, wenn es sich um Mitglieder ihrer eigenen Familien handelt.

Das ist wirklich das Kreuz unserer weißen Rasse, die den Altruismus kennt und sich daher für den Fremden einsetzt, wenn ihm Gefahr droht. Bei uns Deutschen geht das soweit, daß viele von uns – selbstvergessen – das Fremde mehr als das Eigene schätzen. Der Einfluß des jüdischen Christentums hat die Wirkungen verstärkt.

Über die Religion haben wir die vollständige Kontrolle über die Gesellschaft, die Regierung und die Wirtschaft errungen.

Kein Gesetz ist je durchgegangen, es sein denn, seine Vorzüge seien vorher durch die Kanzeln verbreitet worden.

Ein Beispiel dafür ist das Gesetz zur Rassengleichheit, das zu Integration, und letztendlich zu Rassenvermischung führte.

 

Papst Franziskus (Bild: washingtonpost.com)

In einem Atemzug erklärt der leichtgläubige Klerus seinen Gemeindemitgliedern, wir seien ein spezielles, auserwähltes Volk, und im nächsten verkündet er, alle Rassen seien gleich.

… So erfreuen wir Juden uns eines besonderen Platzes in der Gesellschaft, während die anderen Rassen auf Rassengleichheit reduziert sind.

Das ist der Grund, weshalb wir den Witz von der Rassengleichheit zugelassen haben, denn dies reduziert alle anderen auf ein niedrigeres Niveau.

Auch dies ist wahr! Seit Kriegsende 1945 gilt, daß unser Augenmerk wie schon zuvor so auch im Dritten Reich u. a. auf die Tatsache der Verschiedenheit der Rassen gerichtet war und das der Grund für den „Völkermord an den Juden“ gewesen sein soll.

Dies sind allerdings hergesuchte Argumente, die der Erzeugung des Schuldkomplexes und des Tabus für das Wort „Rasse“ dienten.

Wer die Menschenrassen in ihrer Vielfalt sieht, erkennt auch hier den in der Schöpfung waltenden Willen zur Mannigfaltigkeit. Werden die Rassen durch Vermischung miteinander vernichtet, sterben zugleich deren Kulturen. Das Leben auf unserer Erde verarmt.

Daran scheint nach allem, was Rosenthal von sich gab, die Judenheit ein Interesse zu haben. Denn erst, wenn alle Völker zerstört sind, wird nach ihrem Glauben der Messias kommen. Irre!

Rosenthal bekennt sich dazu, daß „wir Juden nach Mitteln Ausschau“ hielten, die Nichtjuden vom „rassischen Aspekt ablenken“ zu können.

Wir können mit anderen Nationen und Staaten nur zusammenleben, so lange es uns gelingt, sie davon zu überzeugen, daß die Juden Leute wie alle anderen sind, daß wir einfach Vertreter eines religiösen Glaubens sind und demzufolge eine „religiöse Gemeinde“ darstellen, wenn auch von eigentümlicher Art.

Es ist eine Tatsache, daß es sich um die größte unserer Lügen handelt.

… Wir sind gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen, damit wir unsere Existenz als Parasiten unter den Völkern weiterführen können.

Unser Erfolg mit diesem Vorgehen geht so weit, daß viele Leute denken, die Juden unter ihnen seien echte Franzosen, Engländer, Italiener oder Deutsche, die halt einfach einer religiösen Vereinigung angehören, die sich von den dominierenden Konfessionen in jenen Ländern unterscheidet.

Aber die Angst vor Entdeckung geht um bei den Juden, sehr verständlich! Diese Entdeckung ist längst geschehen hauptsächlich durch Deutsche wie Erich und Mathilde Ludendorff und vielen anderen, nicht erst seit den 20er-Jahren, sondern bereits Jahrhunderte zuvor. Von ihnen mußte abgelenkt werden durch Verlästern, Totschweigen, wenn nicht mit Schlimmerem.

Unsere größte Angst ist, daß diese Unwahrheit entdeckt wird, denn in dem Moment, wo das allgemeine Publikum in den Besitz dieser Wahrheit gelangt und danach handelt, werden wir zertrampelt werden.

Es ist offensichtlich, daß sogar hier in Amerika ein Erwachen stattfindet.

Wir hatten gehofft, daß die Zerstörung des christlichen Deutschlands jede Auseinandersetzung mit einem uns betreffenden Thema ein angstbesetztes Tabu sein würde.

Nun scheint sich jedoch in diesem Land, das wir unter so strikter Kontrolle halten, eine Wiederauferstehung zu zeigen.

Wir machen nun Pläne für einen schnellen Exodus.

Das Hinsteuern auf die Erfüllung dieser teuflischen Pläne sehen wir heute deutlicher als je vor unseren Augen:

Nun, es ist wahr. Wir sind schlau – wir sind mächtig, und zur richtigen Zeit werden wir eure Nichtjudenfrauen mit Schwarzen vermischen, und in 50 Jahren werdet ihr alle vermischt sein.

Die Nigger lieben es, eure weißen Frauen zu vögeln, und wir fördern dies, indem wir sie zu unserem Vorteil verwenden.

Bei all dieser Überheblichkeit, mit der dieser Mensch glaubt, „seine Leut“ seien zu allem fähig, fragt der schockierte Interviewer Walter White Jr.:

Und nachdem Ihr euch ihrer bedient habt, werdet Ihr versuchen, sie (die Schwarzen) zu zerstören, nehme ich an.

Wenn nötig ja! Sie und ich wissen, sie sind minderwertige Leute, eine blöde Rasse; aber sie kann sich im Zusammenhang mit Geld als nützlich erweisen. Ich meine mit wirklich großem Geld.

George Soros (Bild: manager-magazin.de)

Richtig, das spendiert der jüdische Multimilliardär George Soros!

Die Nigger werden für Geld alles tun. Also, wenn die Zeit kommt – und es ist möglich, daß Sie das noch erleben -, werden wir diese totale Kontrolle haben, während ihr stupiden Christen weiter auf euren Christus, diesen Hochstapler wartet, der als euer Erretter zurückkommen soll.

White: Und wenn diese ganze schmutzige Geschichte bekannt wird, resultiert daraus eine erregte Bürgerschaft – eine zornige Bürgerschaft, die euch wird zerstören wollen.

Wie? Ich frage Sie WIE?

SIE selbst können die Leute nicht erreichen. Wir haben alles derart unter Kontrolle, daß keiner – nichts und niemand – die Leute erreichen kann, es sei denn, es geschehe im Rahmen unserer Medienkontrolle …

Nun ja, es ist alles so eingetreten, schon das ist ein Echtheitsbeweis für dieses Interview. Man fragt sich, wie der Rosenthal die Pläne „seiner Leut“ so unvorsichtig einem Goy verraten konnte.

Ja, Rosenthal versicherte den Befrager White:

Was ich Ihnen erzählt habe, ist wahr – ALLES davon. Ich habe es nicht nötig zu lügen …

Zum Schluß setzte er noch hinzu – und wir sehen auch hier die Wahrheit (siehe Adelinde), die er spricht:

Wir sind Gottes auserwähltes Volk … Die meisten Juden mögen es nicht zugeben, aber

unser Gott ist Luzifer

– ich log also nicht – und wir sind sein auserwähltes Volk. Luzifer ist immer noch sehr am Leben.

Er meint offensichtlich nicht den Lichtbringer, sondern den Satan. Dessen Scharen sitzen mit dem in den unterirdischen Grüften und raspeln an den Wurzeln der Völker, um den Teufelsplan ins Werk zu setzen.

Den folgenden Text kann man auch als Film sehen und hören.

Ich lade Euch herzlich ein

zu einem kleinen Spaziergang in die Welt der Philosophie

und möchte einmal auf eine Art von Philosophen aufmerksam machen, die lebendig, anschaulich, beseelt schreiben wie z. B. Mathilde Ludendorff.

Mathilde Ludendorff 1923

„Die Sprache der Schriften ist betont nichtphilosophisch, Fachtermini werden vermieden oder mit Übersetzung versehen“,[1] vermeldet Frank Schnoor 2001 in seiner Doktorarbeit über „Mathilde Ludendorff und das Christentum“.

Ganz recht: Ihre Sprache entspricht nicht der Norm, die in philosophischen Fachkreisen als die gültige hochangesehen ist. Dieser Norm entspricht seit zweieinhalb Jahrtausenden Nüchternheit, Unanschaulichkeit, theoretische Konstruktion, ja bloße Wortspielerei, kurz die Vorgehensweise des alles zerteilenden Logos, der grübelnden oder – wie Kant sagt – reinen Vernunft.

Auf ganz andere Weise ist tatsächlich Mathilde Ludendorff dazu gekommen, ihre Werke zu schreiben. Sie ist der „schauende Erkenntnistyp“, wie ihn die

 

Annegret Stopczyk

Philosophin Annegret Stopczyk

z. B. in Giordano Bruno sieht und darauf aufmerksam  macht, daß Bruno sich nicht als „Subjekt seiner Erkenntnisse (sah), er verstand sich nicht als Macher und Hervorbringer, sondern wie Parmenides als ein von Diana geführter Mann … Gleichzeitig präsentierte er sich nicht als Aktiver, wie es sich seit Aristoteles für einen Vernunftmann gehörte, sondern als passiver, schauender Erkenntnistyp.“[2]

Passivität gehört zu den für „weiblich“ und damit seit Aristoteles und seinen Lehrern Platon und Sokrates für minderwertig eingeschätzten Verhaltensweisen. Werfen wir also zuvor einen Blick sowohl auf Parmenides wie auf Bruno!

Der Vorsokratiker Parmenides von Elea[3] berichtet:

 

Parmenides von Elea (~- 515 -455)

„Die Stuten, die mich tragen, soweit mein Herz nur begehrt, geleiteten mich, seitdem sie mich auf den kundenreichen Weg der Göttin geführt … Auf diesem Weg ließ ich mich tragen; denn auf diesem trugen mich die verständnisreichen Stuten, indem sie den Wagen zogen, und Jungfrauen wiesen den Weg … zuvorkommend empfing mich die Göttin …:,Junger Mann, der du in Begleitung unsterblicher Wagenlenkerinnen mit den Stuten, die dich tragen, unser Haus erreicht hast, sei willkommen!’“

Parmenides ließ sich tragen und führen, noch dazu von weiblichen Kräften „auf kundenreichem Weg, der den wissenden Mann über alle Städte hin trägt“[4] zur Gottheit. Er kleidet sein erhabenes Erleben in mythische Sinnbilder.

Gleiches erfahren wir bei

Giordano Bruno,

Giordano Bruno (1548-1600; Bild: Wikipedia)

der die „Vorsokratiker“ lobt, die noch ganzheitlich und in den Bildern der alten Mythen dachten.

Bruno weist den „Sokratismus“ – wie er ihn nennt – zurück. Sokrates hatte den Zugang zur Weisheit der Mythen verloren und spottete über sie. Bruno lehnt den Dualismus Platons scharf ab und schilt die „Dürftigkeit“ des Übervaters moderner, bis heute vorherrschender Denkweise, nämlich die des Aristoteles, der – wie Bruno – findet – „niemals müde wird, das, was in Natur und Wirklichkeit ungesondert ist, im Verstande zu sondern.“[5]

Giordano Bruno beschreibt dies innerseelische Erleben, als allumfassend, anders als der alleszerteilende Logos, die reine Vernunft. Darüber hat Immanuel Kant ein ganzes Werk geschrieben, „Kritik der reinen Vernunft“. Diese Vernunft betrachtet die Einzelteile der dinglichen Welt in ihrer räumlich-zeitlich-ursächlichen Begrenztheit. Dazu ist sie hervorragend befähigt, denkt sie doch selbst einzig und allein nur in diesen Kategorien.

Darüber hinaus aber kann sie nicht denken. Mit der reinen Vernunft finden wir uns in unserer Welt der Dinge zurecht. Die Wesensschau ist der Vernunft verschlossen.

Wenn das Schauen in einem Menschen aber geschieht, dann – so Bruno – lebt er gleichsam göttlich in der Erhabenheit der Natur, „wo die Gottheit freier umgeht“– wie er sagt und weiter:

„So schaut er das Ganze wie ein Einziges und sieht nicht mehr durch Unterscheidung und Zählung, wie sie sich aus der Verschiedenheit der Sinne ergibt, durch die man wie durch Ritzen nur in verworrener Weise wahrnehmen kann.“

Hier treffen wir auf deutliche Parallelen des Erlebens Giordano Brunos zu dem der Philosophin Mathilde Ludendorff, die in ihrem Werk „Selbstschöpfung“ den Seelenwandel beschreibt, der sich in der Gott schauenden Seele vollzieht, ja, der Voraussetzung für Gotterkennen ist.[6]

 

Mathilde Ludendorff 1923

Dort heißt es:

„Gottesbewußtheit bedingt Einklang der Seele mit Gott…
Gottesbewußtheit bedingt Wahlverschmelzung mit Gott…
Gotteinheit aber bedingt Erlösung vom unvollkommenen Sein.“

Das „unvollkommene Sein“ – wie Mathilde Ludendorff es nennt – mit seinen „gewöhnlichen Begierden“ – wie Bruno sagt – ist die Folge des Selbsterhaltungswillens, der – wie Mathilde Ludendorff darlegt – im Menschen von der göttlich-vollkommenen Einheit des Alls abgesondert und ohne Rücksicht auf sie darauf aus ist, Lust zu häufen und Leid zu meiden.

Und wie Bruno bedient sich auch Mathilde Ludendorff eines Naturbildes, um die Erhabenheit des Gotterlebens zu versinnbildlichen:[7]

„Stille harret auf einsamer Höhe, lautlose Stille.
Das Schweigen lauschet mit uns auf nächtlich umdunkeltem Gipfel.
Ein heiliges Klingen hebt an, das Werdelied der vollkommenen Seele.“

In diesem „Werdelied“ führt Mathilde Ludendorff in ihrem Werk „Selbstschöpfung“ ähnlich dem Brunoschen Bild von den „Ritzen und Fenstern“ das Bild des Seelenkerkers vor Augen, aus dem sich die Seele selbst befreit, indem sie Steine aus den Mauern herausbricht und somit Licht und Luft hereinströmen läßt, bis ihr einst der Abflug ins Unendliche gelingt und sie der Mauern für immer ledig ist, die sie von der in Allem waltenden Gottheit getrennt haben. Bei Bruno „wirft“ die Seele „die trennenden Wände nieder“ und wird nun angesichts der ganzen Weite des Horizonts „ganz Auge“.

 

Steinberg am Rofan (Bild: hikeandbike.de)

Für Mathilde Ludendorff war das Hochgebirge seelische Heimat und zugleich Sinnbild menschlicher Seelenverfassungen. Dort auf dem Rofan, im Angesichte des Todes bei der Grablegung ihres Ehemannes Gustav Adolf v. Kemnitz, „kam jene seltsame Klarheit stärker denn je zuvor über mich, jene Überwachheit, wie sie in der Zukunft das große Schaffen der Werke meines Gotterkennens mir dann wieder und wieder schenkte.“ [8]

Die Gottschau – Mathilde Ludendorff bezeichnet sie auch als Überbewußtsein – läßt beide Philosophen zu Dichtern werden.

Die Gottschau – Mathilde Ludendorff bezeichnet sie auch als Überbewußtsein – läßt beide Philosophen zu Dichtern werden. Fernab von den leblos-abstrakten Gedankenkonstruktionen der Vernunft-Jünger unter den Philosophen ist ihre Sprache anschaulich.

Mathilde Ludendorff berichtet selbst über ihre Gedanken zur Sprache der Philosophie:[9]

 

Starnberger See (Bild: radiogong.de)

„Während die Wellen des Sees mir zu Füßen rauschten, lag ich jeden Tag am Strand … und schrieb ungestört nieder, was leise und dann lauter und immer herrlicher zu klingen begann. Ich … erkannte im Schreiben, daß es Dichtersprache wurde. Wie seltsam! Wenn ich zuvor bei Kant gelesen, wie er die Hoffnung aussprach, daß seine Erkenntnis wohl irgendwann einmal von einem Dichter in die gehobene Sprache der Dichtkunst gekleidet werde, da hatte ich ihm im Geiste geantwortet: Ach, lieber Kant, das hast du vergeblich erhofft, denn hier könnte nur der dichten, der das schöpferische Erleben der Erkenntnis gehabt hat.’“

Über das Erleben, das dem Beginnen mit dem Prosateil ihres ersten philosophischen Werkes vorausgegangen war, berichtet sie:

„Es waren nur wenige Tage vergangen, da ging ich von der Sprechstunde aus an den Kramerhang auf jenem Weg, den ich schon so manches Mal im Mondschein aufgesucht hatte, bis hin zu einem einsamen Waldplätzchen, das zwischen Tannen die erhabene Zugspitzgruppe freigab, und ließ des Erlebens Allgewalt, das ich in den Felsen jüngst gehabt, wieder über mich kommen … meine überwache Seele erlebte mit unbeschreiblicher, erhabener Schönheit und Kraft den Sinn des Lebens aller bewußten Seelen.“[10]

Wie hatte ich selbst, wie hatte Friedrich der Große über den Sinn des Lebens gegrübelt, vergeblich! Der Sinn des Lebens erschloß sich der reinen Vernunft nicht.

Mathilde Ludendorff „ließ des Erlebens Allgewalt wieder über“ sich „kommen“. Sie war nicht die „Macherin“, passiv ließ sie es über sich kommen.

Früher schon, Jahre vor Beginn ihres philosophischen Schaffens, war in ihr unversehens etwas entstanden, dessen Nichtvergehen sie sich wünschte, was man aber nicht aktiv herbeibefehlen kann:

„O diese köstliche Klarheit, dieses Überwachsein, möchte es doch nie mehr schwinden, so sehnte ich. Aber weiter, als zu der Gewißheit, daß sich hier der Weg zu den heiligen Rätseln öffnete, drang ich nicht, denn durch ,Nachdenken’ läßt sich diese leuchtende Klarheit nichts abringen!“[11]

Philosophen dieser Art „passen weder ins abendländische noch ins morgenländische oder asiatische Herrschaftssystem“, stellt Annegret Stop­czyk sehr richtig fest.

Erich Ludendorff konnte in der Lebensgemeinschaft mit seiner Frau, der Philosophin, beobachten:

„Es ging von meiner Frau die höchste Weihe aus, wenn sie in tiefster Empfindsamkeit oft in transzendentaler Schau die Werke gestaltete.“[12]

Dennoch steht bei ihrer Philosophie auch die Erkenntnisart der Vernunft Pate. Als Ärztin ist sie auch Naturwissenschaftlerin. Diese Verbindung von Naturerkenntnis und Wesensschau bringt die große allumfassende Weisheit, ihre Philosophie hervor, die sie selbst Gott-Erkenntnis nennt.

Das Wesen des Alls, das alles hervorgebracht hat und nun durchflutet und im Dasein erhält, benennt Mathilde Ludendorff mit dem Wort „Gott“. Dieses Wort war die ursprüngliche, germanische, vormosaische Bezeichnung für das Wesen der Welt.

 

Ausschnitt Rückseite der Ein-Dollar-Note (Bild: Wikimedia Commons)

Die mosaische Sichtweise benutzt dieses althochdeutsche Wort in einem gänzlich anderen Sinne, denn der mosaische Jahweh ist so wesensverschieden und weitab vom God, Guten, Göttlichen, daß mit dieser Übernahme des Begriffs das Wort „Gott“ für Freidenker verbrannt war.

Mathilde Ludendorff hat es in seiner ursprünglichen Bedeutung ihrem Volk wiedergegeben.

Damit nimmt Mathilde Ludendorff den Faden zu weiblicher Weisheit wieder auf, der vor 3000 Jahren begonnen hatte, mürbe zu werden, und um 400 v. u. Z. in Griechenland vollends abgerissen war, was sich mit Ausbreitung des Christentums in ganz Europa auswirken sollte.

Immer wieder und immer öfter ereignete sich in ihr „jene seltsame Klarheit, jene Überwachheit“, wie sie schreibt.

 

Diesem „schauenden Erkenntnistyp“ waren auch – wie sie schildert – die „gewaltigen Natureindrücke ganz wesentliche Voraussetzung zum Schaffen, die bei den Klettertouren bei manchem Versteigen im Fels, bei manchem Unwetter oder bei Skitouren durch Wettersturz unerwartete, manchmal allzu ernste Gefahren brachten“.

Sie „haben in mir seelische Kräfte geweckt, ohne die wohl mein Schaffen niemals wach geworden wäre.“

Auch hier wieder das Mit-sich-Geschehen-Lassen. „Es blieb in jenen Jahren nur bei einem Erwachen“, berichtet sie weiter. Der „unerbittliche Ernst der Naturgesetze“ habe sich aber in ihre Seele eingegraben, an denen sie bis dahin, wie ihr schien, „mit abgewendeten Augen singend vorübergezogen“ war.

Als weitere wichtige Voraussetzung empfand sie ihre „Eigenart, die mir in frühester Jugend schon Ereignisse bestimmter Art tief nachwirksam in der Seele machte, und die mich, mochte der persönliche Anteil an dem Ereignis auch noch so tief gehen, nicht an dem Persönlichen des Erlebnisses haften ließ. Ich nahm bald das tiefer liegende Allgemeine, das darunter erkennbar war, wahr und bereicherte meine Erfahrung daran.“[13]

„Als ich aber dann mit dem Schaffen begann“ – beschreibt sie das Schaffens-Geschehen –, „da wuchs mir wieder das Buch unter den Händen.

Hier ging ich nicht mehr von Beweisführungen durch Statistiken aus. Nein, von den Tatsachen der Entwicklungsgeschichte, von ihren Gesetzen … ging ich aus und erlebte nun weit mehr als in dem ersten Werke, wie reich die Intuition im Schaffen selbst in mir geweckt wurde und mich zu Erkenntnissen führte, die ich ebenso wenig wie ein Leser meines Buches zuvor gehabt hatte.

So fing schon hier jener seelische Zustand der Überwachheit im Schaffen an … Auch die Merkwürdigkeit, die sich in der Zukunft jedesmal wiederholte, zeigte sich hier schon, daß ich mich zu solchen Schaffensstunden nicht etwa vorbereiten, daß ich auch nicht etwa völlig verschont bleiben müßte von den Sorgen des Lebens, von den Alltagspflichten, von Arbeit in Fülle.

Nur anderes gab es damals und würde es auch zur Stunde noch geben, das mir Schaffen stören könnte: Häßliche Kleinlichkeit, schäbige Charakterzüge, Unfriede, der sich in meine nächste Umgebung drängt; die konnten das Schöpferlied der Seele manchmal verstummen machen.“[14]

Weitere Stellen aus ihren Lebenserinnerungen zeigen das passive Empfangen der Erkenntnis, zu der ein aktives Wollen niemals gelangen könnte. Gerade diese Tatsache ist die wichtigste Erkenntnis Mathilde Ludendorffs:

Nach unermeßlich langen Zeiten, die die Entwicklung der Erscheinungswelt benötigte, um ihr Ziel zu erreichen, das Großhirn des Menschen, ist mit dem darin enthaltenen Ich gleichzeitig die göttliche Freiheit in der Schöpfung wiedererlangt.

Die Erscheinungen sind räumlich und zeitlich begrenzt und den Gesetzen der Ursächlichkeit unterworfen, somit unfrei.

Im Ich des menschlichen Großhirns aber, der nun entstandenen „einzigen Stätte der Freiheit im All“[15] kann sich nun dieses Sich-Offenbaren des Göttlichen ereignen. Und es ereignet sich „ursachlos wie Gott selbst“.

Dieses Geschehen läßt sich nicht herbeiführen, weil das Göttliche sich nicht zwingen läßt. Zwang wäre Verursachung. Das Göttliche bleibt verhüllt. Eine versuchte Verursachung göttlichen Erlebens ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Daher bringt allein der „schauende Erkenntnistyp“ die Voraussetzungen mit, der Wahrheit des Göttlichen ins Antlitz zu schauen. Der „schauende Erkenntnistyp“ weiß dann, wovon er spricht.

Sein passives Sich-ereignen-lassen-Können ist die einzige Möglichkeit, zur Göttin Sophia, zur Weisheit zu gelangen. Wer über das Göttliche Wahrheit berichten will, braucht ihr Erschauen. Denn, wie schon Kant feststellte, ist Erkenntnis nur à posteriori, nach Anschauung, möglich. Alles andere wäre Spekulation.

Der Vernunft ist das Göttliche verschlossen. Wenn sie über es Aussagen machen möchte, so bleiben ihr lediglich Vermutungen. Ihr fehlt die Anschauung von dem, worüber sie spricht.

 

Bild: welt.de

So verdankt Mathilde Ludendorffs einzigartiges Werk „Schöpfungsgeschichte“ sein Entstehen dem Umstand, daß sie sich „in wunderbaren Sommersternennächten“, wie sie schreibt, „diesem köstlichen Schaffen hingeben“ durfte, das „ja ausschließlich aus dem Wesen der Schöpfung geboren, einer Mitarbeit der Vernunfterkenntnis nicht bedurfte … Was hier erschaut wurde, war jenseits der Grenzen der [Vernunft-]Erkenntnis.“

„… in dieser heiligen Pracht“ lebte sie da, „in dieser gewaltigen unermeßlichen Welt der kreisenden Gestirne, wie ich einst in den Seelen der unsterblichen Einzeller gelebt hatte.“ Sie taucht ein in die Erscheinungen und erlebt sie in ihrem Wesen.

„Wie selbstverständlich ward mir da die Wahrheit“ – auch hier läßt sie Erkennen geschehen, die Wahrheit „ward“ ihr:

„Wer die Rätsel der Menschenseele als Wille enthüllen will, der muß den gewaltigen Weg der Entwicklung hin zur Bewußtheit … von Urbeginn an schreiten …

Ich werde zurückschreiten bis hin zu den stumm kreisenden Urwelten … werde mit diesen Milliarden glutender Sonnen eins werden … werde dann weitere Zeiträume zurückschreiten bis zur ersten Erscheinung des Weltalls, um zu erleben, welcher göttliche Wille jeweils als Kraft Erscheinung wurde, die zum fernen Ziel hinführte.“

In einer der folgenden Nächte „kam das Erhabenste: Es kam in dieser Nacht das Erschauen des Schwindens des Weltalls in seiner stillen Feierlichkeit, in seiner Einfachheit und seiner großartigen Unerbittlichkeit … sinnvolle Verhüllung göttlichen Willens … Heimkehr in das Jenseits, Heimkehr der Seelen, Heimkehr der Stoffe des Alls, Lösung von aller Verwebung an die Formen des Seins.“

„Nach dieser Nacht mußte ich mir eine Woche Ruhe lassen, zu Kräften zu kommen und das Durchlebte abklingen zu lassen, ehe ich es wagen durfte, dies Schwinden des Alls in Worte zu fassen.

Und doch ergriff mich nach dieser Woche die Niederschrift noch so tief, daß meine Freundin, die ins Zimmer trat, sichtlich über mein Aussehen erschrak; ich winkte ihr ab – war noch eine Stunde schweigsam bei meinem Werke – und mußte dann noch das Weiterleben lernen!“[16]

Wen wundert es, wenn dies Erleben und Gotterkennen von den meisten Menschen nicht nachvollzogen werden kann? Mathilde Ludendorff wollte ihre Gotterkenntnis in Worte fassen, „die auch fernsten Geschlechtern ein Gleichnis des Erlebens sein“ konnten. „Ja, fernsten Geschlechtern; an sie nur dachte ich dabei!“

 

Mathilde Ludendorff

Mit der Veröffentlichung ihr Innerstes damit preiszugeben, war ihr zunächst ein unerträglicher Gedanke. Dann aber wurde ihr klar, daß sie ihr Werk einer ihr „wohltuenden Gleichgültigkeit der Millionen“ gäbe, einem „schmerzenden Mißverstehen der Tausende, der erkennenden Aufnahme der Hunderte und dem seltenen kongenialen Miterleben Einzelner … Jedes Kulturwerk trägt seine Hüllen um sich, die nur der durchdringt, der sie auch getrost durchdringen mag.“[17]

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Anmerkungen

[1] Frank Schnoor, Mathilde Ludendorff und das Christentum, Dissertation, bei der theologischen Fakultät der Universität Kiel eingereicht und für den Druck überarbeitet, Dr. Hänsel-Hohenhausen, 2001, S. 54
[2] Annegret Stopczyk, Sophias Leib, Entfesselung der Weisheit, Heidelberg 1998, S. 267-268 seine Lebenszeit wird aus widersprüchlichen Berichten errechnet: entweder von 540 bis 470 oder von 515 bis 445 v. u. Z.
[4] Geoffrey S. Kirk, John E. Raven, Malcolm Schofield, Die vorsokratischen Philosophen, Stuttgart/Weimar 2001, S. 267
[5] Giordano Bruno, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen, Hamburg 1993, S. 41
[6] Mathilde Ludendorff, Selbstschöpfung (Erstauflage 1923), München 1941, S. 278
[7] ebd., S. 66
[8] Mathilde Ludendorff, Lebenserinnerungen, Band 2, Durch Forschen und Schicksal zum Sinn des Lebens, München 1937, S. 296
[9] Mathilde Ludendorff, Lebenserinnerungen, Band 3, Erkenntnis – Erlösung, Pähl 1960, S. 161-162
[10] ebd., S. 98
[11] Lebenserinnerungen, Band 2, a. a. O., S. 71
[12] Erich Ludendorff, Mathilde Ludendorff – ihr Werk und Wirken, Erstauflage 1937, Pähl 1960, S. 68
[13] ebd., Band 3, S. 30
[14] ebd., S. 53 ff.
[15] Mathilde Ludendorff, Des Menschen Seele, München 1941, S. 44
[16] ebd., Band 4, S. 83 ff.
[17] ebd., Band 3, S. 102

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