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Sie warb für einen neuen Heldentypus

Maria Antonia Walpurgis

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Pietro Graf Rotari, Maria Antonia Walpurgis 1754

Rebecca Bindewald in der Zeitschrift viva voce:

Maria Antonias Tätigkeit als Musikerin war zwar nicht ungewöhnlich, da es viele musizierende und komponierende Adlige gab. Indem sie aber ganze Opern textete, komponierte und selbst aufführte und darüber hinaus für die damalige Zeit äußerst fortschrittliche – wenn nicht gar kühne – Botschaften formulierte, ist ihrem Schaffen mit besonderer Bewunderung zu begegnen.

In ihrer Oper “Talestri, regina delle amazzoni”, für die sie das Libretto wie auch die Musik schreibt, stützt sie sich auf einen antiken Mythos, den sie aber umformt, um für einen andern als zu ihrer Zeit des Absolutismus üblich gewordenen Umgang der Menschen und Völker miteinander zu werben. Sie entwirft einen neuen Heldentypus:

Ihre Amazonenkönigin Talestri befindet sich in einem schweren Konflikt: Einerseits fühlt sie sich den ursprünglichen Amazonen-“Tugenden” von Krieg, Stolz, Rache, Grausamkeit, Härte, Männerhaß und damit der Gegnerschaft zum benachbarten Skytenreich verpflichtet, andererseits liebt sie den Mann und Skyten Oronte.

Oronte aber ist der Grund für die Skytenfeindschaft, denn er wurde gezeugt vom Skytenkönig mit einer geraubten und gedemütigten Amazone.

Maria Antonia zeigt die seelische Tiefe und Wärme einer Liebenden in Talestri, die entgegen den Amazonen-“Tugenden” ihren Geliebten vor dem Tod bewahren will, seine Flucht plant und nach Erhalt der Nachricht über seinen vermeintlichen Tod von Schmerz übermannt wird. In der Arie “Pallid’ ombra” verleiht Maria Antonia der Trauer ihrer Heldin

auf vortreffliche Weise Ausdruck.

Die politische Botschaft für Dresden

Maria Antonia definiert mit ihrer Opern-Botschaft die Staatstugenden und den Herrschertyp neu, offenbar so, wie sie sie selbst verwirklicht hatte, als sie im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) an Stelle des nach Warschau geflohenen Kurfürsten gemeinsam mit ihrem Gemahl, dem Kronprinzen Friedrich Christian von Sachsen, die Regierungsgeschäfte übernommen hatte.

Sie leitete einen Großteil der Staats- und Finanzgeschäfte Sachsens und soll an den Friedensverhandlungen von Hubertusburg beteiligt gewesen sein. Der Siebenjährige Krieg war zu Ende, der Kurfürst kehrte zurück und übernahm wieder die Regierung.

Es liegt somit nahe, daß mit Talestris friedensbringender Herrschaft sowie der ersten Dresdner Aufführung der Oper von 1763 auf Maria Antonias gute Vertretung des Kurfürsten angespielt und ihr Engagement bezüglich zukünftiger politischer Tätigkeit ausgedrückt werden sollte. In jedem Fall bleibt bemerkenswert, daß sie eine Oper zur Aufführung brachte, die etwas vermittelte, das der noch machthabenden Regierung keineswegs behagen konnte.

Friedrich der Große

schrieb in einem Brief an Maria Antonia Walpurgis am 20. Dezember 1767:

Wenn man Künste und Tugenden in einer Person vereinigt findet, ist es möglich zu verhindern, sie zu lieben? Diese Liebe ist nicht der Art, die vor Scham errötet, deren Flamme nicht den Brand in das Herz der Liebenden trägt, aber eine unwiderstehliche Anhänglichkeit, von Bewunderung begleitet. Das, Madame, ist das Gefühl, welches Sie in meiner Seele erwecken, und das keine Macht darin zerstören kann.

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Mithus
Mithus
15 Jahre zuvor

Wahrlich, wahrlich, das ist ja gerade die Angst der “Mickrigen”,
dass da was über sie komme, dem sie nicht gewachsen sind.

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