Deutsch-deutsche Zeitgeschichte
Montag, 30. März 2026 von Adelinde
Thomas Engelhardt
zur
deutsch-deutschen Zeitgeschichte:
1995 hätte gemäß dem Protokoll der Pots-damer Konferenz (immer wieder falsch als Potsdamer Abkommen bezeichnet, ein „Ab-kommen“ gab es nicht!!!) der Besatzungs-status Deutschlands faktisch enden müssen.
D.h. 1995 hätten sich die Besatzungsmächte etwas einfallen lassen müssen … (!). Allen deutschen Politikern von Rang war das be-kannt, auch den führenden DDR- Kommu-nisten.
Nicht von ungefähr bildete sich ab Mitte der 1980er- Jahre im SED-Politbüro eine Gruppe, die verstärkt auf nicht nur wirtschaftliche Kooperation mit der BRD orientierte. Zu dieser Gruppe gehörte E. Honecker, G. Mittag, G. Schürer, aber auch andere heute kaum mehr bekannte DDR- Politiker (G. Beil, Arno Donda, Ernst Höfner und auch der bekannte Alexander Schalck- Golodkowski).
Dagegen standen die sog. „Reformer“ (Markus Wolff, Walter Krolikowski, Hans Modrow, Egon Krenz).Die Personen, die den Massen 1989 und danach als die „Reformer“ ,ver-kauft‘ wurden, waren das Gegenteil dessen.
Die „Reformer“ waren UdSSR-hörig, sie zielten auf die unbedingte Erhaltung des bestehenden politischen status quo. Die Geschichtsschreibung hat dies übernommen, und so wird die jüngste deutsche Geschichte, insbesondere der Prozeß des Anschlusses der DDR an die BRD unter völlig falschen Vorzei-chen eingeordnet.
Honecker (und ebenso anderen hochrangigen DDR- Politfunktionären) war seit Mitte der 1980er- Jahre klar, daß die Sowjetunion be-reit war, die DDR zu opfern.
Gorbatschow setzte selbst auf eine verstärkte Kooperation mit der westdeutschen BRD, weil die UdSSR im Wettrüsten mit den USA wirt-schaftlich ausblutete und keine Mittel für Investitionen in der sowjetischen Wirtschaft vorhanden waren, die einer dringenden Er-neuerung bedurfte, da der technologische Anschluß an das Weltniveau zunehmend verloren ging. Aus der DDR aber war nichts mehr herauszuholen.
In Moskau beargwöhnte man aber alle Versuche Honeckers, sich sozusagen „freizuschwimmen“ und eigene außenpo-litische Wege auch und gerade in Hinblick in Richtung BRD zu gehen.
Viele Indizien belegen diese These: Städte-partnerschaften, Übergang zu staatsan-waltschaftlichen Untersuchungen gegen auf DDR- Gebiet straffällig gewordene Angehö-rige der Besatzungstruppen der sowj. Armee, Nichtfortführung nachrichtendienstlicher Zusammenarbeit mit dem sowj. KGB, Ablehnung des und Kritik am neuen sowj. Kurs unter Gorbatschow usw. usf.
Die Führung der DDR beharrte zunehmend auf eigener polit. Handlungsfähigkeit und begann, sich von sowj. Einmischung zu lösen. Die Parteikader in der UdSSR mußten das als Gefahr erkennen,war die DDR doch der wichtigste geopolitische Außenposten in Mitteleuropa.
Moskau beantwortete diese innere Ent-wicklung in der DDR mit dem Entzug bis dahin gültiger wirtschaftlicher Privilegien (etwa subventionierter Öl- und Gaslie-ferungen, Durchsetzung von Weltmarkt-preisen im UdSSR-DDR-Handel usw. usf.).
Hintergrund: die UdSSR war wirtschaftlich pleite, die DDR war es aber seit Mitte der 1980er- Jahre auch …!!! Moskau brauchte die DDR nicht mehr. Die Besatzungskosten in der DDR verschlangen aber allein etwa 15 % des sowjetischen Haushalts!!!
Alle diese Gegebenheiten werden heute kaum thematisiert und sind allgemein auch kaum bekannt. 1990 jedenfalls löste sich der Nati-onalverein auf. Weshalb? Wir hatten das Spiel verloren.
Ziel war nicht gewesen, die DDR an die BRD anzuschließen, sondern beide Besatzungsge-bilde zu eliminieren und ein wirklich souve-ränes Deutschland neu zu begründen und zu errichten.
Die faktisch „besoffenen“ DDR-Bürger er-kannten in ihrem damaligen Überschwang nicht die Gefahr, die sich mit dem Anschluß an das Bundesgebiet vor ihnen auftun würde.
Und die Westdeutschen dämmerten sowieso seit Jahrzehnten politisch dahin. Die Wenigen, die 1990 den Abzug auch der fremden NATO-Truppen vom deutschem Territorium forderten, blieben ungehört, schlimmer noch, sie wurden beschimpft, verächtlich gemacht, diffamiert, diskreditieret oder wurden straf-rechtlich verfolgt.
Seitdem hat sich am Zustand Großwest-deutschlands, des „Besonderen politischen Gebietes ,BRD‘ als „Organisationsform einer Modalität einer Fremdherrschaft“ (der Amis!) nichts verändert.
Die dreizehn auf BRD-Gebiet tätigen US-Nachrichtendienste schalten und walten wie gehabt, beanspruchen das Territorium Deutschlands als eigenes Operationsgebiet, ihre Militär-Kasernen, US-Armee-Nieder-lassungen, Stützpunkte und Geheimdienst-Zentren sind exterritoriales Gebiet (d.h. US-Gebietsinseln mitten in Dtd.).
Nach wie vor lagern hierzulande US-Atom-waffen und Trägersysteme, nach wie vor besitzen die US- Amerikaner eigene Luft-korridore im deutschen Luftraum (das ist weltweit einzigartig und wird hierzulande geflissentlich verschwiegen). Und und und.
Von bundesdeutschen Politikern wird dieser Zustand nicht thematisiert. Deutschland be-findet sich 75 Jahre nach Ende des „Großen Krieges“, der eine vollständige Zertrüm-merung unseres Landes bedeutete, mit einer in der Weltgeschichte nie dagewesenen Aus-plünderung, nach wie vor in einem „raben-schwarzen Loch nationaler Knechtsseligkeit“.
In der Öffentlichkeit z.B. kaum bekannt ist der sog. Annex (= Anhang i.S. von Protokoll oder Durchführungs-Bestimmung) zum sog. 2+4-Vertrag (eigtl. Vertrag über die ab-schließende Regelung in Bezug auf Deutschland), in dem wesentliche Teile des Vertragstextes sofort widerrufen oder rela-tiviert werden, insbesondere die Souverä-nitätsrechte des „wiedervereinigten“ Deutschland.
Deshalb wirken die Sonderrechte der Ameri-kaner bis heute fort, deshalb existiert eine Kanzlerakte (deren Existenz offiziell be-stritten wird; Indizien belegen jedoch deren Existenz), deshalb wird über die einge-schränkte Souveränität des neudeutschen Staates BRD nicht gesprochen. Nicht in den Medien, nicht in den Parteien, nicht in den Parlamenten.
Bei genauerer Betrachtung ist die neue BRD eben nur teilsouverän, da die Vorbehalts- und Sonderrechte der (West-)Alliierten fortgelten (nur die Russen sind sozusagen „draußen“ und eben das ist der große Ärger Putins).
Und Merkel besorgt das Geschäft der Amis (das hat jetzt nichts mit der Personalie Trump zu tun!!!). Vorgeblich formuliert der sog. 2+4-Vertrag (korrekt: Vertrag über die ab-schließende Regelung in Bezug auf Deutschland) das gegenteilig. Jedoch muß man eben die Hintergründe kennen und die Ausführungsbestimmungen (Protokollnoti-zen) beachten.
Zu diesem ganzen Komplex liegt mir eine umfangreiche Materialsammlung vor. Im Übrigen ist es fatal, das MfS nur als tumbe quasi Feindorganisation zu brandmarken.
Der politische Schwenk, den Teile der DDR-Führungseliten etwa beginnend ab 1985 vollzogen, war nicht nur im SED-Politbüro sondern auch in der NVA-Führung und selbst im MfS (Ministerium für Staatssicherheit – Stasi) zu verzeichnen. Belege hierüber exi-stieren zur Genüge.
Das MfS verfolgte ab 1988 eigene Ziele. Mit einer zu initiierenden Protestbewegung sollte die DDR-Partei- und Staatsführung vor der eigenen Bevölkerung sozusagen vorgeführt werden.
Die sog. Montagsdemonstrationen wurden nachweislich von MfS- Strippenziehern und Agenten vorbereitet und organisiert. Sie hat-ten alle Protest- und Bürgerrechtsgruppen infiltriert (nachweislich auch jene, der ich seinerzeit in Dresden angehörte).
In der Konsequenz sollte auf dem Höhepunkt der Protestbewegung die Partei entmachtet werden und ein Triumvirat (hinter dem aber das MfS stand) unter Ausrufung des Ausnah-mezustandes die Macht übernehmen.
Zu dieser Troika sollte Markus Wolff (jüdi-scher Abstammung und bis 1991 sowjeti-scher Offizier!) – er konnte seine Herkunft auf Judas Makkabäus, die Makkabäer bzw. Has-monäer zurückführen!!!), Hans Modrow und NN (wahrscheinlich Egon Krenz) gehören.
Ziel war die Wiederherstellung des „Freundschaftsbündnisses mit der Sowjet-union“, also die Zementierung der Nach-kriegsordnung.
Im Zuge des Ausnahmezustands war die Ausschaltung der Protestler und Bürger-rechtler geplant, die man für diesen Coup instrumentalisieren wollte (diese sollten dann nach Vollzug der Aktion in bereits vorberei-teten Lagern inhaftiert werden).
Weshalb aber so kompliziert? Eine direkte Machtübernahme durch das MfS war aus-geschlossen. Das wäre zu offensichtlich gewesen. Der NVA traute man nicht mehr (viele hohe NVA-Generäle entdeckten in den 1980er-Jahren eine zunehmende Entfrem-dung gegenüber den sowj. „Waffenbrüdern“, das war auch der Generationenfrage geschuldet!).
Im Grunde wäre das, um mal ein Gleichnis zu wagen, vergleichbar einer Absetzung Hitlers im Dritten Reich und einer Machtübernahme durch Heinrich Himmler. Freilich „hinkt“ dieser historische Vergleich.
Aufzeigen will ich lediglich die Brisanz und Dramatik dieser damaligen Vorgänge. Und daß die politischen Eliten und Führungs-schichten der Bundesrepublik kein Interesse an einer Offenlegung dieser Vorgänge haben, liegt auf der Hand.