Stehvermögen in Absurdistan
Sonntag, 19. Dezember 2021 von Adelinde |
Wer jetzig Zeiten leben will,
Muß hab’n ein tapfers Herze,
Es sein der argen Feind so viel,
Bereiten ihm groß Schmerze.
Da heißt es stehn ganz unverzagt, …
Geld nur regiert die ganze Welt, …
Doch wie’s auch kommt, das arge Spiel,
Behalt ein tapfers Herze,
Und sind der Feind auch noch so viel,
Verzage nicht im Schmerze.
Steh gottgetreulich, unverzagt …
Ich bin stolz auf meine Schwester. Auf sie passen die Worte dieses Liedes von einer Zeit aus Deutschlands leidreicher Geschichte.
Meine Schwester ist Vorsitzende eines Chores, der sich wöchentlich einmal zum Singen in der Kirche ihres Wohnortes trifft, und wird „Mudder der Kom-panie“ genannt.
Alle Chormitglieder sind gespritzt, nur sie als Einzige nicht. Darum ist ihr der Zugang zu ihrem Chor verwehrt:
Daheim ist sie allein. Der Chor wäre ein Stück Ge-meinschaft, in der sie sich wohlfühlt, und sie singt so gern. Jetzt ist sie ausgeschlossen. Sie steht buchstäblich vor der Tür.
Laß dich doch impfen, Ute, dann kannst du doch wieder dabeisein und mitsingen!
Die Chorleiterin meint es gut, ist überhaupt ein gü-tiger Mensch und leitet den Chor gekonnt, so daß alle stets einen erfüllten Abend mit ihr erleben.
Ute steht draußen. Auch als sie als Vorsitzende ihr Amt wahrnimmt, der Chorleiterin zum Geburtstag im Namen des Chores alles Gute zu wünschen.

