Alliierte Verbrechen an Deutschen nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht – 2. Teil
Sonntag, 5. Mai 2024 von Adelinde |
Gegen das Vergessen
Hier folgt der 2. Teil der geschichtlichen Aufklärung über die alliierten Verbrechen an Deutschen nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.
Thomas Engelhardt
In Landsberg wurden Freiheitsstrafen und Todesurteile aus diversen Prozessen gegen deutsche „Kriegsverbrecher“ vollstreckt:
Dachauer Prozesse (489 Militärgerichtspro-zesse der US Army), darunter: Fliegerprozesse – Malmedy-Prozeß – Mauthausen-Hauptprozeß
Nürnberger Nachfolgeprozesse (zwölf Prozesse gegen Kriegsverbrecher vor dem amerikanischen Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg), darunter: Ärzteprozeß – Einsatz-gruppen-Prozeß – Krupp-Prozeß – OKW-Prozesß[1] – Rasse- und Siedlungshauptamt-Prozeß – Wilhelmstraßen-Prozeß – Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt-Prozeß.
Bekannte Opfer der Sieger-Justiz:
– Ernst Freiherr von Weizsäcker, der letzte deutsche Botschafter beim Vatikan – Erhard Milch, Generalfeldmarschall und Staatsekretär im Reichsluftfahrtministerium – Owald Pohl, * 30. Juni 1892 Duisburg; † 7. Juni 1951 Lands–berg), SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS. Leiter des Wirtschafts- Verwaltungshauptamtes der Schutzstaffel der NSdAP (SS) – Erich Naumann, Führer der Einsatzgruppe B, * 29. April 1905 Meißen; † 7. Juni 1951 Landsberg am Lech – Otto Ohlendorf, * 4. Febr. 1907 Hoheneggelsen (bei Peine); † 7. Juni 1951 Landsberg am Lech) SS-Standartenführer, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei, Befehlshaber der Einsatzgruppe D und Amtschef im Reichssicherheitshauptamt (1948 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und 1951 hingerichtet) – Werner Braune, * 11. April 1909 Mehrstedt (bei Schlotheim, Thür.); † 7. Juni 1951 Landsberg am Lech), Kommandeur des Sonderkomman-dos 11b in der Einsatzgruppe D – Ernst Woermann (* 30. März 1888 in Dresden; † 5. Juli 1979 in Heidelberg), deutscher Diplomat, Mitglied der NSDAP, Botschafter in Nanjing[2], Unterstaatssekretärs u. Leiter der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, SS-Standartenführers, Angeklagter im Wilhelmstraßen-Prozeß, zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Am 7. Juni 1951 wurde Erich Naumann zu-sammen mit Oswald Pohl, Otto Ohlendorf, Paul Blobel und Werner Braune in Landsberg hingerichtet.
„Die Landsberger Strafanstalt wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum War Criminal Prison No. 1, also zum Kriegsverbrechergefängnis Nr. 1.
Inhaftiert wurden dort die Verurteilten aus den Nürnberger Nachfolgeprozessen, dem Shanghai-Prozeß[3] und Verurteilte wegen Spionage sowie aus verschiedenen Einzelprozessen der US-Militärgerichte.
Den größten Anteil der Gefangenen bil-deten die Verurteilten aus den Dachauer Kriegsverbrecherprozessen. Bei diesen ging es um getötete abgeschossene amerikanische Flieger, um den Malmedy-Prozeß und die Prozesse um die Konzen-trationslager Dachau, Mauthausen, Buchenwald und Flossenbürg.
Der Landsberger Heimatforscher Heinrich Pflanz hat in jahrzehntelanger Arbeit die vorliegende Dokumentation erstellt. Seine Forschungen stützen sich dabei nicht nur auf umfangreiches Material aus deutschen und amerikanischen Archiven, sondern er konnte auch auf die persönli-chen Aussagen von amerikanischen Ar-meeangehörigen, deutschen Zivilange-stellten, der evangelischen und katholi-schen Gefängnispfarrer, Rechtsanwälten und vielen Angehörigen der Angeklagten und ehemaligen ,Rotjacken‘, also der Verurteilten, die monate- bzw. jahrelang in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung warteten, ehe ihr Urteil umgewandelt wurde, zurückgreifen.
Entstanden ist ein erschütterndes Werk, das die Lebensschicksale der Hinge-richteten, ihre tatsächlichen oder oft auch nur von den Anklägern behaupteten Verbrechen knapp und eindringlich schildert.
Von besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung sind die von vielen Verur-teilten überlieferten letzten Worte unter dem Galgen und die dokumentierten Abschiedsbriefe, die auf ergreifende Weise bezeugen, wie der Einzelne in den Sog eines katastrophalen Weltgesche-hens geraten kann.
Von den 285 Menschen, die in den Jahren 1945 bis 1951 in Landsberg hingerichtet wurden, haben viele ihre letzte Ruhe auf dem Spöttinger Friedhof gefunden. Sie liegen unter anderem neben Opfern aus der Zeit des Nationalsozialismus. So ist der Spöttinger Friedhof heute ein Denk- und Mahnmal der Zeitgeschichte von her-ausragender Bedeutung.“
Der Spöttinger Friedhof gehörte bis 1923 zu dortigen Pfarrei und wurde danach für ehe-malige Anstaltsmitarbeiter des damaligen Gefängnisses Landsberg – nicht die Häftlinge – als Begräbnisstätte angekauft und 1925 neu eröffnet wurde. Beisetzungen erfolgten erst ab 1944.
Der Friedhof ist gemäß Angaben in der Lit. mit 320 Personen belegt, wobei die Kirchen-bücher als auch die Begräbnislisten und Friedhofspläne nicht völlig korrekt sind. Der Autor Thomas Raithel vermutet, daß es möglicherweise ein Massengrab für ca. 100 Personen gegeben hat.[4]
Fortsetzung folgt
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Quellen und Literatur:
Karl Ernst Morgenschweis: Für Wahrheit und Gerechtigkeit in: Deutsche Geschichte. Europa und die Welt, Druffel & Vowinckel-Verlag, Gilching, Heft 01/2021, 8-33 (= Das Bekenntnis des Gefängnisgeistlichen im sog. Kriegsverbrechergefängnis Nr. 1, Mitschnitt eines Vortrages, gehalten am 25.11.1966 in München, als Manuskript veröff.)
NN, Großdeutschland am Galgen. Die alliierte Mordjustiz nach 1945, Typoskript, o. O. u. o. J. (im Bestand Archiv Steiner/Sammlung Engelhardt, Th. E.)
Heinrich Pflanz: Der Spöttinger Friedhof in Landsberg am Lech. Eine Dokumentation (Selbstverlag), Landsberg 2004.
Heinrich Pflanz: Die Hingerichteten von Landsberg und der Spöttinger Friedhof. Eine Dokumentation, Schnellbach: Verlag Bublies, 2010.
Thomas Raithel: Die Strafanstalt Landsberg am Lech und der Spöttinger Friedhof (1944–1958). Eine Dokumentation im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München, Oldenbourg, München 2009.
Wolf Schenke: Siegerwille und Unterwerfung: Auf dem Irrweg zur Teilung. Erinnerungen 1945-1955, München/Berlin: Herbig, 1988.
[1]OKW = Oberkommando der Deutschen Wehrmacht.
[2] Nanjing war reguläre Hauptstadt der Republik China; China war während des japanisch-chineischen Krieges 1937-1945 dreigeteilt, und es existierten drei Regierungen in Peking, in Nanjing und Chongqing.
Peking: ab 1937 Sitz einer von Japan abhängigen Regierung für Nordchina, Provisorische Regierung der Republik China.
Nanjing: Neuorganisierte Regierung der Republik China, offiziell Republik China (chinesisch 中華民國, Pinyin Zhōnghuá Mínguó) war eine pro-japanische Marionettenregierung (Reformierte Regierung der Republik China) u. existierte von 1940 bis 1945 (Nationalregierung in Nanjing). Staatsoberhaupt: Wang Jingwei (1940–1944), Chen Gongbo, Staatsoberhaupt (1944–1945), Bürgermeister von Shanghai (1940–1944).
Chongqing: nationalchinesischen Regierung von Chiang Kai-shek in Chongqing
Im Juli 1941 wurde die Nanjing-Regierung unter Wang Jingwei von der Regierung des des Deutschen Reiches als die einzige legitime Regierung Chinas anerkannt. Die Beziehungen mit der Guomindang (Kuomintang) wurden abgebrochen. Lit.: Astrid Freyeisen: Shanghai und die Politik des Dritten Reiches, Würzburg : Königshausen & Neumann, 2000.
[3]Zwischen 18. Oktober und 13. Dezember 1945 wurden rund 360 deutsche Männer in einem Lager interniert, um ihre Parteizugehörigkeit zu klären. In einem vom August 1946 bis Januar 1947 andauernden Verfahren klagte man 27 Deutsche unter dem Vorwurf an, in der Zeit vom 9. Mai bis 3. September 1945 (der Kapitulationen Deutschlands und Japans), besonders durch das Sammeln und Weitergeben von Nachrichten, gesetzeswidrig gegen die USA tätig gewesen zu sein.
In sechs Fällen wurden die Anklagen niedergeschlagen bzw. es kam zu Freisprüchen. Die 21 Verurteilten wurden als Gefangene auf dem Dampfer USAT General W. M. Black, der bereits aus Japan deportierte Deutsche transportierte, repatriiert und in das Gefängnis Landsberg (damals U.S. War Criminal Prison No. 1) gebracht.
Das Verfahren und dessen willkürliche Führung wurden von den ansässigen Beobachtern kritisch beurteilt, die chinesischen Pflichtverteidiger legten aus Protest geschlossen ihr Mandat nieder. Verurteilt wurde wegen Verletzung der Kriegsgesetze Lothar Eisenträger (1896-1963) (alias Ludwig Erhardt, Diplomat und Offizier, Mitarbeiter der Amtsgruppe Abwehr im Oberkomando der Wehrmacht, zu lebenslanger Haft, weiterhin gab es Verurteilungen zu zweimal dreißig, viermal zwanzig, je einmal fünfzehn bzw. acht sowie je sechsmal fünf bzw. zehn Jahren Haft. Berufung wurde nicht zugelassen.
Unter den Freigesprochenen war der Journalist Wolf Schenke. (Vgl. Wolf Schenke: Siegerwille und Unterwerfung, München/Berlin: Herbig, 1988). Ein Wiederaufnahmeverfahren vor dem US Supreme Court führte dazu, daß alle noch Inhaftierten 1950 freigelassen wurden, da keine eigentlichen Kriegsverbrechen vorgelegen hatten.
[Qu.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsverbrecherprozesse_in_Shanghai#Verfahren_gegen_Deutsche].
Die Urteilsverkündung im Shanghai-Prozeß erfolgte am am 17.01.1947. Begründet wurde das Urteil weder in der Gerichtsverhandlung noch in schriftlicher Ausfertigung, den Verurteilten wurde lediglich die bare Tatsache ihrer jahrzehntelangen Zuchthausstrafen mitgeteilt.
Einer von ihnen hatte schon bei der Gestapo im Gefängnis gesessen und war nur in der Annahme nach China gegangen, dort vor Willkürakten sicher zu sein. Ein anderer hatte in Deutschland aus rassischen Gründen seinen Beruf aufgeben müssen.
Einige Verurteilte waren mit chinesischen Frauen verheiratet und sahen sich zusammen mit ehem. Kommandanten nationalsozialist. KZ- Lager als Kriegsverbrecher gebrandmarkt. Von zwei Verurteilten, die mit offener ! Tbc in der Zelle lagen, ist einer unmittelbar nach der Verurteilung gestorben. Dr. Herbert Müller, der Ehrenmitglied der chinesischen Akademie der Wissenschaften und nicht Parteimitglied der NSdAP war, ist erblindet. Qu.: Mario Gräfin Dönhoff: Shanghai-Prozeß, in: Die Zeit, Nr. 11, 1950 (16.03.1950).
Weitere im Shanghai-Prozeß Verurteilte waren Siegfried Füllkrug, 1942-45 Pekinger Repräsentant der KO (Kriegsorganisation) (= milit. Abwehrorganisation „Büro Ehrhardt“), H. Peschke, Leiter des Auslandsbüros der NSdAP in Peking u. Direktor der Deutsch-Asiatischen Bank in Peking, Walter Heissig (1913-2005), Mongolist, 1934 Mitglied der österr. Abtl. der SA und SS in Deutschland, Mitarbeiter der Abwehr, des deutschen milit. Nachrichtendienstes, nach 1945 Gründer u. Dir. des Zentralasiatischen Seminars der Uni Bonn, [Qu.: Astrid Freyeisen: Shanghai und die Politik des Dritten Reiches, Königshausen & Neumann, Würzburg, 2000, ebda. S. 382].
Felix Altenburg (1889-1970), 1942-1945 Botschaftsrat in Peking, Leiter der Pekinger Dependance des dt. milit. Nachrichtendienstes (Amt „Abwehr“); 1934-1938 Generalkonsul des deutschen Generalkonsulats in Guangzhou, 1939-1940 Geschäftsträger der Chongqing-Regierung in Shanghai, 1941-45 Leiter der Dienststelle Peking (Beijing) 1945 Leiter des Deutschen Amtes ebda.
[Qu.: History China Germany names.pdf]. https://www.aoi.uzh.ch
Deutscher Diplomat Biographi – Asien-Orient-Institut
https://www.aoi.uzh.ch/dam/jcr:36d38832-1a01-4ab6-91d5-8b6784cc3a35/History%20China%20Germany%20Names.pdf
Siegfried Füllkrug hatte in Japan für die Defag gearbeitet und sprach japanisch, so daß er als Verbindungsmann der deutschen Abwehr zu japanischen Stellen fungierte). [Qu.: Freyeisen, Shanghai, S. 382].
Qu.: Hartmut Walravens, Martin Gimm (Hrsg.): „Schone dich für die Wissenschaft“: Leben und Werk des Kölner Sinologen Walter Fuchs (1902-1979) in Dokumenten und Briefen, Band 1, Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden,
2010 („Schone dich für die Wissenschaft“: Leben und Werk des Kölner Sinologen Walter Fuchs (1902-1979) in Dokumenten und Briefen, Band 1 (Band 28 von Sinologica Coloniensia), Ebda. Erinnerungen aus China, S. 28, Anm. 24-26. Amt Ausland/Abwehr = deutscher milit. Geheimdienst 1938-1945.
Eine Darstellung des Shanghai-Prozesses in: Wolf Schenke, Siegerwille und Unterwerfung, München/Berlin: Herbig, 1988 (432 S.).
[4]Siehe auch: Heiner Möllers: Rezension von: Thomas Raithel: Die Strafanstalt Landsberg am Lech und der Spöttinger Friedhof (1944-1958). Eine Dokumentation im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, München: Oldenbourg 2009, in: sehepunkte 9 (2009), Nr. 6 [15.06.2009] http://www.sehepunkte.de/2009/06/15696.html (abgerufen 12.06.2021).

