Schwarz-Weiß-Rot, die urdeutsche Farbendreiheit
Dienstag, 7. Januar 2025 von Adelinde |
Die Farbendreiheit Schwarz-Weiß-Rot findet sich nicht erst in deutschen Fahnen, in Märchen wie Schneewittchen und Sagen, sie findet sich schon in der uralten Vorstellung der mütterlichen Schöpfer-gottheit, die das All hervorbrachte.
Die Gestalten, die göttliches Leben versinnbild-lichten, waren keine wirklichen, keine Götter zum Anfassen. So auch die mütterliche Schöpfergottheit mit den vielen Namen in den europäischen, vor-christlichen Völkern. Da gab es Isis, Hathor, Nut u.a. bei den Völkern östlich des Mittelmeeres, und im germanischen Raum Freia, Fricka, Idun, Jörd, Nertha, Holle.
Sie erscheinen zuerst als Alte, schwarz, im Unter-grund, der Hel*, aus dem heraus sie das neu auf-brechende Leben im Frühling vorbereiten, dann als Frühlingsgottheit weiß und schließlich rot als der Farbe des vollerblühten, fruchttragenden Lebens.
Frau Holle war und ist bis heute sehr beliebt, wenn sie auch an Bedeutung verloren hat. Das bis heute gern erzählte und gehörte Märchen „Frau Holle“ ist tiefsinniger, symbolträchtiger als manche glauben. Frau Holle lebt und wirkt in der Unterwelt so gut wie vom Himmel her, von wo sie uns den Schnee bringt. Sie ist, lebt und webt in allem.
In Märchen ist sie nicht nur die Schneebringerin, sie ist auch die „Alte“, die unversehens da ist und dem „reinen Tor“, dem guten, ehrlichen „Dummling“ hilft, der ohne Gedanken an Lohn einfach das Notwendige, Gute tut. Und unversehens wie sie da war, ist sie wieder entschwunden – so wie es uns ihr, dem Gött-lichen, aufgeschlossenen Menschen eben ergeht.
In der Mythenforschung ist man sich einig: Holle ist die große Mutter, die das All hervorgebracht hat, in allem waltet und es erhält. Es ist das Göttliche, das auch im Menschen lebt, wenn er dafür in seinem Inneren wach und aufgeschlossen gebliebenen ist und es nicht, wie es so oft der Fall ist, in sich ver-schüttet. Das Göttliche hat an sich selbst keine Ge-stalt. Es ist aber von der aufgeschlossenen Men-schenseele erlebbar, ja erkennbar.
Um die erdachte, geliebte Frau Holle ranken sich viele Sagen und Märchen. Hier soll einmal die Sage um sie wiedererzählt werden, in der es um die Farben Schwarz-Weiß-Rot geht:
Frau Holles Weihnachtsgabe:
Einmal, in den zwölf heiligen Nächten, als Frau Holle wieder über das Land reiste, kam sie über eine verschneite Heide. Da war es Weihnachten im ganzen Land. Und sie horch-te auf den Gesang der Bienen im hohlen Baum, auf den Atem der Tiere, die unter der Schneedecke schliefen oder in warmen Höh-len und Hügeln.
Sie lauschte auf die Stimme der Steine und auf den strömenden Saft unter der Borke von Busch und Baum. Aller erstorbenen Blumen Frühlingshoffnung lag ihr im Ohr.
Es stand aber einsam auf der verschneiten Heide ein kahler stakiger Strauch. Seine Zweige knackten zum Erbarmen im Raufrost der Weihnacht. Frau Holle lieh auch seiner Klage Gehör und fragte den Busch:
„Was barmst du so?“
Da wehte es aus den brakigen Zweigen her:
„O große Mutter! All deinen Kindern hast du einen Nutzen und Sinn in den Keim gelegt. Die Menschen brauchen die Nuß der Hasel, die Rute der Weide, und selbst den struppigen Ginster binden sie win-ters in ihre Besen. Dem Flachs hast du gute Fasern gegeben und allen Blumen Schönheit zur Augenweide. Nur mir hast du weder Glanz noch Nutzen verliehen. Und selbst die ärmsten Menschenkinder verschmähen mein mürbes Holz für den Ofen.“
Die Klage rührte der weisen Frau Herz, und sie lächelte.
„Gut denn, weil du den Menschen so hold bist, so will ich dir selber den Namen ge-ben. Hollerbusch sollst du von Stunde an heißen in ihrem Mund. Dazu verleihe ich dir eine edle Kraft, die dich wertvoll macht vor allen Sträuchern.“
Und sie schenkte dem Busch die Heilkraft der Rinde, der weißen Blüten wie Schnee und füll-te ihm seine tausend Beeren mit blutrotem Heilsaft.
In schlimmen Tagen, wenn Not und Krankheit die Menschen heimsuchten in ihren Häusern, erkannten sie bald die heilenden Säfte vom Hollerstrauch. Da holten sie den verschmäh-ten Busch in ihre Gärten, an ihre Höfe, und alsbald war kein Backofen mehr in den Dör-fern zu finden, in dessen Schutz nicht der hollerbsch grünte und blühte.
Die Kranken tranken seinen Saft und wurden gesund. Und die Kinder spielten im Duft sei-ner schattigen Blütenäste, denn sie ahnten es wohl – er war Frau Holles Weihnachtsgabe an die Menschen.
Die Rinde des Holunderbusches ist schwarz, die Blütendolden sind weiß, der Saft aus den reifen Beeren ist rot. Der Hollerbusch vormals auf jedem Bauernhof als Gesundheitsbringer angepflanzt, trägt als Wahrer unserer Gesundheit die Farben in sich, die dann auch das Deutsche Reich trug, von einer hassenden Linken aber als Zeichen unserer Le-benskraft verteufelt.
Der Mensch hat die Freiheit, sich dem Guten, Wah-ren, Schönen zuzuwenden oder eben auch zum Schlechten, Lebensfeindlichen.
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Anmerkung
*) Das Christentum machte aus der Hel die „Hölle“ mit all der Grausamkeit, die Menschen erwartet.


