Erich Ludendorff – der auf sich allein gestellte Freiheitskämpfer wider eine Welt von Völkerfeinden – 8. Teil
Montag, 30. März 2020 von Adelinde |
In dieser Zeit einer angeblichen Pandemie und der dadurch gegebenen anscheinenden Bewegungslosigkeit im Politgeschehen sind viele Menschen in Spannung:
Wann und mit welchem Ergebnis endet das alles?
Unter den Skeptikern und Hoffnungsvollen fallen mir besonders Verehrer einer
„Lichtgestalt“
namens Adolf Hitler auf, nach dessen Wiederkunft sie sich sehnen, weil sie ihm zutrauen, das Deutsche Reich wieder aufzurichten.
Nach einer Lichtgestalt sehnt man sich in der Tat als Deutscher in dieser kulturellen Wüste, die von dem einstigen Reich eines überragend schöpferischen Volkes dank volksfremder zerstörerischer Einflüsse übriggeblieben ist.
Aber war der damalige Führer und Reichskanzler denn wirklich eine solche Lichtgestalt?
Von der unausgesetzten Hetze der Nachkriegszeit gegen ihn sehen wir hier sowieso ganz und gar ab. Hier möchte ich einmal an entscheidende seiner Äußerungen erinnern und sie Äußerungen seines bedeutenden Zeitgenossen und militärischen Fachmannes
Erich Ludendorff
gegenüberstellen.
Gert Sudholt hat in diesem Jahr 2020 das verdienstvolle Werk „Die Hitler-Testamente“ herausgegeben. Darin lesen wir in dem Kapitel „Ab wann hielt Hitler den Zweiten Weltkrieg für verloren?“:
„Ich habe immer Vabanque gespielt“,
antwortete Hitler Hermann Göring, als dieser ihn in den letzten Augusttagen 1939 aufforderte: „Hören Sie auf, Vabanque zu spielen.“
Der Führer des Deutschen Reiches und Volkes spielt Vabanque? Welche Selbstenthüllung! Doch es geht noch weiter.

Vom Schulschiff Schleswig-Holstein wird am 1. 9. 1939 mit schweren Schiffsgeschützen auf ein befestigtes Munitionslager Polens auf der Westerplatte gefeuert. (Bild: de.wikipedia.org)
Am 1. September 1939 „um 5:45 wird jetzt zurückgeschossen“, erklärte Hitler der Welt. War es dann so überraschend, was 2 Tage später auf uns zukam?
Der Führer im Gespräch mit Daladier; Mitte Legationsrat Schmidt, der Dolmetscher. 29-9-38
(Bild: Wikipedia)Man schrieb den 3. September 1939. Kurz nach 9 Uhr morgens übersetzte der Chefdolmetscher Dr. Paul Schmidt Hitler in dessen Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei das auf 11 Uhr befristete englische Ultimatum.
In seinen Memoiren schreibt Schmidt:
„Wie versteinert saß Hitler da, völlig still und regungslos. Nach einer Weile, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, wandte er sich Ribbentrop zu, der wie erstarrt am Fenster stehengeblieben war.
,Was nun?‘ fragte Hitler seinen Außenminister.
Ribbentrop erwiderte mit leiser Stimme: ,Ich nehme an, daß die Franzosen uns in der nächsten Stunde ein gleichlautendes Ultimatum überreichen werden‘.“
2 Fragen:
1. Wußte Hitler nichts von der Garantieerklärung Englands und Frankreichs an Polen? Die hatten sie gegeben, wie uns gelehrt wird,
um sich der Loyalität dieses Verbündeten zu versichern und Adolf Hitler davon abzuhalten, die fortwährenden polnischen Provokationen mit Krieg zu beantworten. Hierdurch wurde Warschau ermutigt, seinen Konfrontations-kurs gegenüber Deutschland zu verschärfen. (Preußische Allgemeine v. 1.4.2019)
2. Wäre eine Grenzsicherung gegen die polnischen Provokationen nicht mit anderen Mitteln möglich gewesen als mit schweren Geschützen von einem Schlachtschiff aus, was denen in die Hände spielte, die einen Kriegsbeginn seitens Deutschlands herbeisehnten, um ihm dann die Schuld am Kriegsausbruch und an der geplanten Zerstörung Deutschlands und Teilen Europas zuzuschieben?
Vabanquespiel!
Sicher war sich Hitler bewußt, daß die deutschen Rüstungsanstrengungen der letzten Jahre keineswegs ausreichten, um den jetzt bevorstehenden Waffengang in einem jahrelangen Stellungskrieg erfolgreich zu bestreiten. (a.a.O., S. 46)
Wie konnte man dann nicht alles daransetzen, ihn wenigstens nicht selbst herbeizuführen? fragt man sich entsetzt als Deutsche.
Und eine 2. Tollheit erlaubte sich der tapfere Meldegänger des 1. Weltkrieges und Vabanque-Spieler des 2. Weltkrieges Hitler:
Nach den beiden gewonnenen „Blitzkriegen“ gegen Polen und Frankreich verlief zunächst der Krieg gegen England erfolgreich.
Er hätte beinahe in einer totalen Katastrophe für die Westalliierten geendet. (Schmidt a.a.O.)
Es war Hitler selbst, der dafür verantwortlich war, daß der Westfeldzug nicht zur völligen Vernichtung der englisch-französischen Armee führte. Als die deutschen Panzer aus der Südoffensive bei Abbeville ans Meer gelangten, schwenkten sie planmäßig nach Norden ein, erreichten am 23. Mai Boulogne und Calais – und griffen in Richtung Dünkirchen weiter an.
Die englischen und französischen Truppen wurden dadurch in einem Kessel von 50 km Breite und 80 km Tiefe zusammengedrängt und sahen ihrer Vernichtung entgegen.
Tags darauf erhielten die deutschen Panzerverbände jedoch den Befehl, den Angriff auf Dünkirchen einzustellen und in der Linie Graveline – St. Omer zu halten – 15 km vor Dünkirchen. Die deutschen Panzertruppen waren näher an Dünkirchen als die Masse der Engländer. (Liddell Hart, Basil Henry, Jetzt dürfen sie reden. Deutsche Generale des Zweiten Weltkriegs, Stuttgart 1950, S. 130)
Liddell Hart:
Seine Handlungsweise rettete die britischen Streitkräfte, als nichts anderes mehr sie hätte retten können. Dadurch konnten sie entkommen und sich der drohenden Invasion entgegenstellen.
So bewirkte Hitler seinen und Deutschlands Sturz fünf Jahre später.
Ja, fünf Jahre ging nun das Morden weiter. Es folgte am 22.6.1941 der „Präventivschlag“ gegen die Sowjetunion. Schon Ende November beliefen sich die deutschen Gesamtverluste der Ostfront auf 743 000 Mann.
Mit dem erwarteten 3. „Blitzkrieg“, dem gegen das Riesenreich der SU, wurde es ebenfalls nichts. Unsere Soldaten waren für einen Krieg, der sich länger und so auch in den Winter hinzog, nicht ausgerüstet. Ohne Winterkleidung gerieten sie in die russische Regen-und-Morastzeit und dann in die Schnee-und-Eis-Zeit des russenfreundlichen „Väterchen Frost“. Sie blieben mit all ihrem Gerät in Morast und Eis und Schnee stecken.
Heinz Guderian, einer der fähigsten Panzergenerale, erinnert sich (Erinnerungen eines Soldaten, Heidelberg 1950, S. 234 ff):
Alle Anstrengungen und Opfer unserer braven Truppe waren umsonst gebracht. Wir hatten eine böse Niederlage erlitten, die sich in den nächsten Wochen durch die Starrheit der Obersten Führung verhängnisvoll auswirkte …
Weil er sah, daß der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler offenbar keine Vorstellung von den Strapazen hatte, flog Guderian am 20. Dezember zu ihm nach Ostpreußen, um zu versuchen, ihn von der unhaltbaren Lage zu überzeugen und ihn um die Genehmigung für einen taktischen Rückzug zu bitten.
Hitler bestand jedoch auf seinem Haltebefehl. Es kam zu einem scharfen Wortwechsel. Guderian entgegenete: „Dann bedeutet dies den Untergang.“
Guderian
beobachtete nicht nur einen starren, ja feindseligen Blick seines Vorgesetzten, sondern mußte auch erkennen, daß Hitler sich gegenüber den Vorstellungen des erfahrenen und erfolgreichen Frontsoldaten völlig verschloß.
Die Schonung jedes einzelnen Soldaten, der wertvollsten Waffe jeder Armee, schien ihm zunehmend gleichgültig zu sein …
Guderian sagte daraufhin Hitler voraus:
Schon in diesem Winter werden wir durch eine solche Taktik die Blüte unseres Offizier- und Unteroffizierkorps und den für beide geeigneten Ersatz opfern, und dieses Opfer wird ohne Nutzen sein und außerdem unersetzlich.

Stalingrad 1942/43. Über 90 000 deutsche Soldaten gerieten in sowjetische Gefangenschaft. (Bild: a.a.O.)
Darauf Vabanque-Hitler – auf ein Nebengleis ausweichend:
Glauben Sie, die Grenadiere Friedrichs des Großen wären gerne gestorben? … Ich halte mich gleichfalls für berechtigt, von jedem deutschen Soldaten das Opfer seines Lebens zu fordern.
So verbot dieser selbsternannte, militärisch nicht ausgebildete „Größte Feldherr aller Zeiten“ („Gröfaz“) Rommel in Afrika und Paulus bei Stalingrad in jeweils hoffnungsloser Lage den Rückzug und befahl auszuhalten, d. h. ihren sinnlosen Tod zu erwarten. Hunderttausende deutscher Soldaten wurden auf diese sinnlose Weise geopfert.
General Rudolf Schmundt, der einzige Zeuge der Begegnung von Paulus mit Hitler berichtet (a.a.O., S. 58):
Der Führer hat ihn lange angeschaut. Dann ist er rot angelaufen. Ich verbiete jede Aufgabe! Haben Sie mich verstanden? Ich verbiete sie! Jeder Soldat, der sich dem Feind ergibt, ist ein Verräter. Krallen Sie sich in Ihren Stellungen fest. Kämpfen Sie bis zum letzten Atemzug. Und dann Sterben auf dem Schlachtfeld!
Ludendorffs Mahnungen und Einschätzungen

Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler begeben sich im Auto zur Feier der Nationalen Arbeit in den Lustgarten. 1933 (Bild: Bundesarchiv)
Als Hindenburg damals am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, schrieb ihm Ludendorff jenes Telegramm, dessen Echtheit zwar bezweifelt wird, aber Ludendorffs Einschätzung der Person Hitlers voll und ganz entspricht (siehe Forschungsergebnisse):
Sie haben durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler einem der größten Demagogen aller Zeiten unser heiliges deutsches Vaterland ausgeliefert. Ich prophezeie Ihnen feierlich, daß dieser unselige Mann unser Reich in den Abgrund stoßen, unsere Nation in unfaßliches Elend bringen wird, und kommende Geschlechter werden Sie verfluchen in Ihrem Grabe, daß Sie das getan haben.
Seit 1924 hatte es Bemühungen Erich Ludendorffs – auch Mathilde Ludendorffs – gegeben, Hitler mäßigend zu beeinflussen. Es gelang nicht. Die Wege trennten sich.
Hitler suchte Anschluß sowohl an das faschistische wie das vatikanische Rom.
Ludendorff 1930 in „Weltkrieg droht auf deutschem Boden“:
Die Gefahr solchen Bündnisses ist nach dem Anschwellen der faschistischen Bewegung in Deutschland und bei ihrem vermutlichen auch weiteren Anwachsen riesengroß. Sie ist kaum mehr abzuwenden.
Schwatzen doch die Nationalsozialisten und alle „nationalen“ Bünde und die „nationale“ Presse dem Volke von Mussolini und dem Faschismus vor, pilgern doch „nationale“ Deutsche zu ihm und suggerieren dem Volke, daß das Bündnis mit Italien uns aus der Erfüllungspolitik und von dem Versailler Diktat befreit.
Sie verraten dem Volke nicht, daß es schnurstracks in seinen Untergang, d. h. in einen neuen Weltkrieg auf Deutschem Boden geführt wird …
Der Führer des Faschismus in Deutschland, Herr Hitler, tritt seit Jahren für das Bündnis ein. Er hat schon im Jahre 1929 in seinem „Illustrierten Beobachter“ ausgesprochen und wird es schon jetzt, oder wie er wohl hofft, nach der nächsten Reichstagswahl verwirklichen:
„Weil Italien Frankreichs kommender Feind sein wird, muß er unser kommender Verbündeter sein … Daß Italien zu einer Verständigung mit seiner Staatskirche gekommen ist, kann uns einmal auf den Schlachtfeldern von Nutzen sein.“ (Hitler)
Auf diesen Schlachtfeldern, die unter der Schirmherrschaft der römischen Kirche auf Deutschem Boden liegen werden, wird … das deutsche Volk und die Deutsche Heimat zermalmt und zertreten werden …
Daß das drohende Verhängnis nicht gewollt, sondern aus Unfähigkeit, militärisch zu denken, herbeigeführt wird, ist für das kommende Geschehen ganz gleich.
Unfähigkeit zum militärischen Denken ist bei den sogenannten großen „Politikern“ weit häufiger, als man annimmt. Militärische Dummheit einer Kriegspolitik kann leider niemals ein Beweis dafür sein, daß ihre Förderung oder Herbeiführung unmöglich ist.
Genau so wie ich 1912 den Weltkrieg kommen sah, der 1914 ausbrach, so sehe ich den zweiten Weltkrieg mit Riesenschritten nahen, einen Weltkrieg, der alle europäischen Völker und Staaten in die Vernichtung zieht.
In seinem Todesjahr ließ sich Ludendorff am 30.3.1937 noch einmal herbei, um in München mit Hitler zu reden und ihn zu warnen:
Wenn Sie nicht das Unheil heraufbeschwören, einen Krieg anzufangen – der sich sehr bald zu einem Weltkrieg ausweiten wird, und das wird jeder Krieg – dann können Sie noch manches erreichen …
Ich warne Sie aber sehr ernst davor, einen Krieg zu beginnen.
Wir müssen uns überhaupt aus jeder kriegerischen Verwicklung heraushalten.
Nur ein Verteidigungskrieg kommt für Deutschland in Frage, sonst nur strikte Neutralität …
Nach allem, was ich über den Aufbau der neuen Wehrmacht erfuhr, wird Ihnen zu Beginn des Krieges großer Erfolg sicher sein. Es mag sogar sein, daß Sie bis vor Kairo und Indien kommen. Der weitere Krieg wird aber zur völligen Niederlage führen. Die Vereinigten Staaten werden diesmal in noch ganz anderem Ausmaß eingreifen, und Deutschland wird schließlich vernichtet.
Darauf Hitler, der bereits eineinhalb Jahre später, am 5.11.1938, seine Kriegspläne vor Generälen und dem Außenminister offenlegte:
Ich bin weit davon entfernt, an einen Krieg zu denken. Als Frontsoldat des Weltkrieges will ich meinem Volk den Frieden erhalten. Aber die Demokratien sind morsch. Ich werde meine Ziele ohne Krieg erreichen.
Ludendorff:
Ich glaube Ihnen nicht, Herr Hitler!
Nach seiner Rückkehr nach Tutzing sagte Ludendorff zu seiner Frau, Mathilde Ludendorff:
Es ist alles vergebens, dieser Mann wird Deutschland ins Unglück stürzen.
Immer deutlicher hatte der neue Staat sein wahres Gesicht gezeigt, und Ludendorff schreibt im Leitartikel der „Ludendorffs Volkswarte“, Folge 12 vom 26. März 1933, „Revolution in Deutschland“:
Wie stellt sich die nationalsozialistische Revolution zum Recht? Das ist ein Kapitel von ernstestem Inhalt, namentlich dann, wenn das Recht sich auf die Aufhebung von den einfachsten Verfassungsgrundsätzen stützt. (…) Wie steht es mit der Inhaftierung von 80.000 bis 100.000 Kommunisten usw. und den Ausführungen des Ministers Göring (…):
Die Polizei sei nicht dazu da, 80.000 bis 100.000 Verbrecher in den Gefängnissen sorgsam zu behüten. Hier müsse eine falsche Humanität abgelöst werden durch das, was notwendig sei, wenn es auch hart erscheine.
Was soll hiermit in Aussicht gestellt werden? Das Volk harrt der Erklärung!
… Das Rechtsempfinden des Volkes, namentlich des Deutschen Volkes, ist ein tiefes. Das sollte eine Revolution in Deutschen Landen recht sehr berücksichtigen. Das Deutsche Volk lehnt Gewaltakte ab, selbst wenn sie den Mantel des Rechts tragen. Es will auf dem Gebiete des Rechts gleiche Behandlung aller Volksgeschwister. Es lechzt nach Wahrheit und hofft auf Beseitigung der Mißstände durch Wahrheit und Aufklärung.
Dies schrieb Ludendorff, als die Errichtung von Konzentrationslagern in weiten Teilen Deutschlands begann, wohin er selbst bei seiner unerschrockenen Offenheit hätte verbracht werden können. In seinen Lebenserinnerungen schreibt er:
Ich hätte solche Rohheiten in Deutschland nicht für möglich gehalten. (…) Ich hatte Gelegenheit, auch in „Ludendorffs Volkswarte“ immer klarer auf solches rechtswidriges, rohes Handeln hinzuweisen.
Die Erbitterung steigerte sich dadurch gegen mich und „Ludendorffs Volkswarte“; ich schrieb auch klar und deutlich hierüber an den Reichspräsi-denten und machte ihn für solch ungeheuerliches Geschehen vor der Geschichte verantwortlich.
Ich führte dabei aus, daß seine Geschichtsschreiber dereinst nicht sagen könnten, er habe von der gesetzwidrigen und unmenschlichen Behandlung deutscher Volksgeschwister nichts gewußt. Ich erhielt natürlich keine Antwort.
Später wurde ich von der Geheimen Staatspolizei gewarnt, ich möchte nicht mehr an den Reichspräsidenten schreiben: er fordere meine Überführung in irgendein Konzentrationslager wegen des Tons dieser Briefe. Ich hatte keinen Anlaß, an der Wahrheit dieser gutgemeinten Mitteilung irgendwie zu zweifeln.





