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Khasaren und Ashkenasim

Thomas Engelhardt

hat sich eines Themas angenommen, über das vielfach Unklarheit herrscht.

Das Khasaren-/Chasarenthema wird leider vielfach fehlinterpretiert. Die Aschkenasim haben mit den Chasaren rein gar nichts zu tun. Aschkenas ist (bzw. war) die jüdisch-hebräische Bezeichnung für das frühmit-telalterliche Deutschland, wobei festzustellen ist, daß ein Deutschland gar nicht existierte.

Der Begriff erscheint jedoch ausschließlich in dem rabbinischen Schriftgut des Mittelalters und bezieht sich auf das den Juden bekannte deutschsprachige Gebiet (d. h. ausdrücklich  n i c h t  auf den gesamten damals beste-henden deutschsprachigen Raum!).

Aschkenas kann im Grunde genommen auf den Verbund der jüdischen Gemeinden am Oberrhein, die sog. SchUM-Städte begrenzt werden (Speyer, Worms, Mainz). Dieser jü-dische Gemeindeverbund wurde und wird auch als „die heiligen Gemeinden“ (hebräisch Kehillot) bezeichnet (jiddisch: Spira, Warmaisa, Magenza) (= Speyer, Worms, Mainz).

Die Nachfahren der Juden aus Aschkenas sind die Aschkenasim (Ostjuden), die nach den mittelalterlichen Pogromen und Vertreibun-gen nach Osteuropa auswichen und dort das Jiddische konservierten.

Die jiddische Sprache entstand aber als Kon-taktsprache mit der deutschen Mehrheitsbe-völkerung in den Gemeinden am Oberrhein, nicht in Osteuropa.

„Wenn man heute lebende aschkenasi-sche Juden aus den Vereinigten Staaten und Israel miteinander vergleicht, sind sie einander genetisch sehr ähnlich – fast so, als würden sie derselben Population angehören, unabhängig davon, wo sie leben“,

sagt der Genetiker Shai Carmi von der Hebrew University of Jerusalem. Doch im Gegensatz zu ihrer heutigen genetischen Uniformität verfügten vor 600 Jahren in Erfurt lebende aschkenasische Juden über eine größere genetische Vielfalt.

Bei der Untersuchung alter DNA von 33 aschkenasischen Juden aus dem mittel-alterlichen Erfurt entdeckte das For-schungsteam, daß diese Gemeinde einerseits aus Personen bestand, deren Herkunft sich im Nahen Osten verorten läßt, während bei anderen eine enge Verwandtschaft zu europäischen Populationen, möglicherweise auch Migranten aus Osteuropa, nachgewiesen werden konnte.

„Den Ergebnissen zufolge könnte es im mittelalterlichen Erfurt wenigstens zwei genetisch unterschiedliche Gruppen ge-geben haben. Diese genetische Vielfalt findet man bei heutigen aschkenasi-schen Juden nicht.“ [Qu.: Alte DNA erzählt die Entstehungsgeschichte der aschkenasischen Juden. Forschungsteam analysierte genomweite Daten von 33 jüdischen Personen aus dem mittelalter-lichen Erfurt des 14. Jahrhunderts, Veröff. der Max-Planck-Gesellschaft, 30.11.2022].

https://www.mpg.de/19589136/alte-dna-aus-dem-mittelalterlichen-erfurt-erzaehlt-die-entstehungsgeschichte-der-aschkenasischen-juden

Die Khasaren dagegen waren ein Turkvolk (Turktataren der kiptschakischen Sprach-gruppe). Nur ein Teil der Oberschicht dieses turktatarischen Stammesverbundes nahmen die jüdisch-mosaische Religion an (nur ein Teil wohlgemerkt der Ober- und Führungs-schicht, d. h. nicht der gesamte Stammesadel).

Hieraus abzuleiten, die israelischen Juden sowie der größte Teil des (historischen) Diaspora-Judentums bzw. der heutigen US-amerikanischen Juden stammten angeblich mehrheitlich von diesen Chasaren ab, ist völliger Unfug, wird dessen ungeachtet aber ständig und immer wieder weitergetragen und weiterverbreitet – aber deshalb nicht wahrer. Noch einmal. Es ist absoluter Unfug.

Wäre dem so wie behauptet, würden sich Lehnwörter und Begriffe in der Sprache der Ostjuden nachweisen lassen. Diese aber sprachen ausschließlich Jiddisch!

Daß bis heute kleinere turktatarische Grup-pen (Karaimen, Karäer, Karaiten) im polnisch-litauischen Grenzgebiet und auf der Krim existieren, stellt keinen Gegenbeweis dar! Denn diese mosaischgläubigen Turktataren sind stammesmäßig Türken und eben keine Semiten.

Das Gros der jüdischen Aschekasim wie auch die Sephardim und die Mirachim sind sämt-lich semetischer Herkunft und Abstammung.

Wobei erwähnenswert ist, daß bei den Aaschkenasim ein nicht zu vernachlässi-gender genetischer Anteil der autochthonen deutschen Mehrheitsbevölkerung nachweis-bar ist (!!!). Das Ergebnis hat die moderne Gen-Forschung ermöglicht.

D. h. die Aschkenasim weisen aufgrund des Zusammenlebens mit Deutschen über einen sehr langen Zeitraum und mehrere Genera-tionen unweigerlich einen signifikanten mitteleuropäischen (bzw. deutschen) Genanteil auf! Diese Konstellation ruft oft Unglauben hervor, ist aber wissenschaftlich belegt.

Im Erbgut heutiger Aschkenasim findet sich neben der levantinischen (nahöstlich-semi-tischen) Hauptkomponente ein beträchtlicher Anteil europäischer DNA. Ein Großteil dieses europäischen Erbguts entstammt frühen südeuropäischen (oft italienischen) Popula-tionen, wurde aber stark durch mitteleuro-päische/deutsche Linien durchmischt.

Hinzuweisen ist lediglich auf die Tatsache, daß diejenigen, die das Chasaren-Thema ansprechen in der Regel völlig fehlgehen; in der Regel, weil unkritisch fragwürdige In-formationen und Interpretationen aufgenom-men werden, ohne diese kritisch zu hinterfragen.

Und nur wenige unterziehen sich der Mühe und steigen in die Betrachtung der histo-rischen Abläufe und Entwicklungen ein.

Im gegebenen Zusammenhang interessant ist die Tatsache, daß auch israelische Juden die Abstammungsgeschicnte der (israelischen) Juden kritisch darstellen. Zuletzt ist damit der Autor Shlomo Sand (*1946 Linz/Österreich) hervorgetreten:

Die Erfindung des jüdischen Volkes – Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand (im Original: „Wann und wie wurde das jüdische Volk erfunden?“)

Das Buch, dessen Originaltitel wörtlich übersetzt „Wann und wie wurde das jüdische Volk erfunden?“ bedeutet, löste unter ande-rem in Israel und in Frankreich Kontroversen aus.

Im 2009 zur deutschen Ausgabe geschriebenen Vorwort gibt Sand an,

„daß die Kluft zwischen meinen For-schungsergebnissen und der in Israel und anderswo verbreiteten Geschichtsauffassung erschreckend groß ist“.

Dabei habe er nichts anderes gemacht, als das von der israelischen zionistischen Ge-schichtsschreibung schon lange präsen-tiertes, aber vergessenes Material zu ver-arbeiten, wobei in seiner Arbeit „nichts wirklich Neues“ stehe.

Die Thesen von Shlomo SAND sind so be-stechend wie interessant, stehen aber weitestgehend im Widerspruch zu den Ergebnissen der genetischen Forschung (Shlomo Sand ist Historiker, kein Genetiker).

Sand vertritt die These, daß die Juden nie ein vertriebenes Volk im klassischen Sinne waren. Er argumentiert, daß die Idee eines gemein-samen, zusammenhängenden jüdischen Vol-kes erst im 19. Jahrhundert von europäischen Zionisten konstruiert wurde, um einen jüdischen Nationalstaat zu rechtfertigen.

Laut Sand stammen die heutigen Juden hi-storisch gesehen von konvertierten Völkern ab. Dazu zählen beispielsweise Berber in Nordafrika, Königreiche im heutigen Jemen, Völker im Kaukasus (wie die Chasaren) und verschiedene europäische Gruppen, die im Laufe der Jahrhunderte zum Judentum übertraten.

Wenn in der israelischen Fachwelt und Publizistik über die Herkunft der Juden debattiert wird, stehen sich meist zwei Lager gegenüber. Während die einen auf archäolo-gische und historische Belege pochen, hinterfragen andere die traditionellen Abstammungs- und Vertreibungsmythen.

Ein Beispiel für eine Gegenthese lieferte der isralische Archäologe Israel Finkelstein.

(Israel Finkelstein, Neil Asher Silbermann: Keine Posaunen vor Jericho)

Finkelstein nähert sich der Herkunft nicht ideologisch, sondern über archäologische Ausgrabungen. Seine Forschungsergebnisse legen nahe, daß die biblischen Erzählungen, wie die Geschichten der Erzväter oder der Auszug aus Ägypten, eher als theologische und literarische Konstrukte späterer Zeiten zu verstehen sind, d.h. es sind keine wort-wörtlichen historischen Tatsachenerzäh-lungen, wie bis heute angenommen.

Die archäologischen Befunde deuten darauf hin, daß die frühen Israeliten ursprünglich keine fremden Eroberer waren, sondern lokale, kanaanäische Gruppen und Nomaden, die sich im zentralen Bergland ansiedelten und dort allmählich eine eigene kulturelle und religiöse Identität entwickelten.

Hier stehen sich demzfolge zwei völlig verschiededne Anschauungen und Interpretationen gegenüber.

Im Gesamtzusammenhang zu erwähnen sind auch zwei wichtige deutschsprachige Veröf-fentlichungen, auf die sich, wenn das Thema Chasaren berührt wird, vielfach Interessierte berufen.

Jedoch ist zu berücksichtigen, daß nicht jedes in einem gedruckten Buch behandelte Thema auch tatsächlich der Wahrheitg entspricht. Man solle sich also in Diskussionen hüten, unkritisch auf einen Autoren und dessen Veröffentlichung mit dem Hinweis zu ver-weisen, xzy hätte dieses oder jenes geschrieben.

Arthur Koestler: Der dreizehnte Stamm. Das Reich der Khasaren und sein Erbe. Wien, München: Molden, 1977. (Nachauflage: Herrsching: Pawlak, 1991)

Erwin Soratroi: Attilas Enkel auf Davids Thron. Chasaren, Ostjuden, Israeliten. Tübingen: Grabert, 1992.

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1 Kommentar
Drusius
Drusius
2 Stunden zuvor

Ich weiß nicht, was die Darstellung für mich bringen soll. Es gibt in allen Ländern eine Elite-Masse-Struktur und überall Ideologien, zu denen man auch Glaubensrichtungen zählen kann. Man erkennt Ideologien daran, daß andere Menschen ausgeschlossen werden können und die Träger der ideologie manipuliert werden. Die Macht über die Menschen kommt dann aus dem Teilsystem „teile und herrsche“. Das ist aber nicht neu.

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