Hitlers Europa – Die Römischen Verträge: Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft von 1957
Freitag, 12. Juni 2026 von Adelinde
In seinem Buch „Hitlers Europa. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft 1940-1945“ zeigt
Walter Post,
daß Hitlers Europa die „Römischen Verträge“ für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft von 1957 vorwegnahm (siehe Adelinde). Hier der 3. Teil der Ausführungen:
Am 1. Januar 1958 traten die Römischen Verträge in Kraft und der deutsche Staatssekretär im Auswärtigen Amt Walter Hallstein wurde erster Präsident der EWG-Kommission.
Die Sowjetunion und in ihrem Gefolge die Warschauer Pakt-Staaten sahen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft der Sechs naturgemäß ein Hindernis für ihre außenpolitische Zielsetzung und lehnten sie vehement ab.
… Der Kreis der Politiker und hohen Beamten, denen die Gründung der Europäischen Wirt-schaftsgemeinschaft von 1957 zu verdanken ist, war insgesamt sehr begrenzt. Der belgi-sche Außenminister Paul-Henri Spaak spielte dabei zweifellos eine überragende Rolle.
… In Deutschland waren die treibenden Kräfte Bundeskanzler Konrad Adenauer und die hohen Beamten im Auswärtigen Amt.
Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, welche dieser Beamten sich bereits während des Krieges, als Ribbentrop ihr Amtschef und Hitler ihr oberster Dienstherr waren, mit Europafragen befaßt hatten.
Angesichts des Stellenwertes, den das „Neue Europa“ und die „Europäische Wirtschaftsge-meinschaft“ in der deutschen Propaganda einnahmen, müssen ihnen zumindest die Grundzüge der damaligen Europapolitik vertraut gewesen sein.
Nach 1945 gab es allerdings verständliche Gründe, gewisse Kontinuitäten zu leugnen oder zu verschleiern. So gehörte z. B. Dr. Heinz Trützschler von Falkenstein seit 1934 dem Auswärtigen Amt an.
1940 trat er in die NSDAP ein, und während des ganzen Krieges war er für die „Sprach-regelungen“ des Auswärtigen Amtes für die Auslandsmissionen verantwortlich. 1944 wurde er, mittlerweile im Rang eines Lega-tionsrates 1. Klasse, von Ribbentrop zum Sekretär des „Europa-Ausschusses“ im Auswärtigen Amt ernannt.
Nachdem Trützschler Ende 1949 wieder in den Auswärtigen Dienst eingetreten war, befaßte sich zu Beginn der 50er Jahre der AA-Untersuchungsausschuß des 1. Deut-schen Bundestages mit ihm und kam zu dem Ergebnis, daß er für bestimmte Aufgaben besser nicht verwendet werden sollte:
„Insbesondere hält es der Untersu-chungsausschuß für untragbar, daß Dr. von Trützschler als Referatsleiter des AA die Europapolitik der Bundesrepublik repräsentiert.“
Zuerst die Europapolitik Ribbentrops, und dann die Adenauers – das hätte dann doch zu unliebsamen Schlußfolgerungen Anlaß geben können. Trützschler avancierte in späteren Jahren zum deutschen Botschafter in Pakistan und Island.
S. 447-449
Schlußbetrachtung
Es erscheint aus heutiger Sicht geradezu kurios, daß bei den Verhandlungen über eine europäische Integration 1955/56 wieder der Begriff der „Europäischen Wirtschaftsge-meinschaft“ hervorgeholt wurde, der bereits 1942 von Reichswirtschaftsminister Walther Funk eingeführt und mit dem Segen Hitlers von der deutschen Kriegspropaganda herausgestellt worden war.
Mit anderen Worten, die amerikanische Regierung unter Präsident Eisenhower scheute sich nicht, ausgerechnet auf eines der zentralen politischen Konzepte ihres früheren Erzfeindes Hitler zurückzugreifen, um die Lage in Europa wieder zu stabilisieren.
S. 470
Es ist nicht die Aufgabe dieser Untersuchung, die außergewöhnlich erfolgreiche Geschichte der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von 1957 nachzuzeichnen. Hier geht es vielmehr um die Frage, welcher Zusammen-hang zwischen Hitlers, „Europäischer Wirt-schaftsgemeinschaft“ und der EWG der Römischen Verträge besteht.
Zunächst steht fest, daß der alte Name aus den Kriegsjahren, „Europäische Wirtschafts-gemeinschaft“, 1955/56 ohne irgendwelche Bedenken wieder aufgegriffen worden ist.
Fest steht weiter, daß die „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ von 1942/43 in etwa den Raum der heutigen EU (ohne Großbritannien und Irland) einschloß, während die EWG von 1957 nur Belgien, die
Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande umfaßte; dies war aber nicht auf den Willen der Politiker der sechs Gründungsstaaten, sondern auf den Kalten Krieg und die Teilung Europas zurückzuführen.Tatsächlich hat die EWG bzw. EU im Lauf der nächsten Jahrzehnte den Umfang angenom-men, den sie – wenn man so will – bereits 1942/43 hatte.
Weiter läßt sich feststellen, daß Ideen wie Agrarsubventionen, regionale Wirtschafts-förderung, Gastarbeiteraustausch, Verkehrs-förderung, Abbau der Zollschranken, die in der EWG der fünfziger und sechziger Jahre eine wichtige Rolle spielten, sich zumindest ansatzweise schon in dem Buch „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ von Reichswirt-schaftsminister Funk aus dem Jahr 1942 finden.
Etwas, was man mit dem EWG-Vertrag vom 25. März 1957 mit seinen 248 Artikeln ver-gleichen könnte, hat es dagegen während des Krieges nicht einmal in Ansätzen gegeben.
Und auch die personellen Kontinuitäten bleiben, da bislang nicht erforscht, diffus: Die erste Garde der nationalsozialistischen, fa-schistischen und mit der „Achse“ sympathi-sierenden Politiker beging 1945 Selbstmord, wurde hingerichtet, in Lager und Gefängnisse gesteckt oder verschwand in der politischen Bedeutungslosigkeit, während die zweite und dritte Reihe ihre Biographien – so gut es ging – den neuen Verhältnissen anpaßte:
Ein überdurchschnittliches Engagement für Hitlers „Neues Europa“ war nach 1945 nicht unbedingt karrierefördernd.
Nichtsdestoweniger hat es solche Kontinui-täten aber gegeben: Der Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Dr. Rolf Wagenführ, erarbeitete in den letzten Kriegsmonaten eine Studie „Die deutsche Industrie im Kriege 1939-1945“, die auf-grund der Zeitumstände erst 1954 veröf-fentlicht wurde und seither ein Grundlagen-werk zur Geschichte der deutschen Wirtschaft im Zweiten Weltkrieg ist.
Wagenführ wurde nach dem Krieg Professor in Heidelberg und – viel wichtiger – der erste Generaldirektor des Statistischen Amtes der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.
Der erste Präsident der Europäischen Kom-mission, Prof. Walter Hallstein, der den EWG-Vertrag maßgeblich mitgestaltet hat, war während des Dritten Reiches Mitglied des NS-Rechtswahrerbundes, der Nationalsozia-listischen Volkswohlfahrt (NSV), des NS-Luftschutzbundes und des NS-Dozentenbundes.
Es erscheint kaum glaubhaft, daß Hallstein die deutsche Europa-Propaganda der Kriegsjahre nicht gekannt haben soll. Der Forschung bietet sich hier noch ein weites Betätigungsfeld.
Versucht man nun zu bestimmen, welche Bedeutung die deutsche Europapolitik der Jahre 1940-1945 für die Nachkriegszeit und die EWG von 1957 hatte, läßt sich soviel sagen:
Durch die Europa-Propaganda des Dritten Reiches wurden viele Menschen in Deutschland und den benachbarten Ländern mit dem Gedanken einer europäischen Einigung, einer „Europäischen Wirtschafts-gemeinschaft“, bereits so weit vertraut gemacht, so daß dieses Projekt in den fünfziger Jahren bei maßgeblichen Bevöl-kerungsschichten, vor allem bei vielen Intellektuellen und Politikern, auf breite Zustimmung stieß.
Dies war selbstverständlich nicht allein das Verdienst der deutschen Europa-Propaganda, aber diese hat – in welchem Umfang auch immer – dazu beigetragen.
S. 471-473
Textauszüge aus:
Walter Post, Hitlers Europa. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft 1940-1945
Druffel & Vowinckel 2011, 496 S., ISBN 978-3-8061-1213-9
Zentralistische Strukturen sind leichter regierbar und lenkbar. Zentralismus fördert eine Gesinnungsethik und führt früher oder später zum Terrorismus; wohin gehend Dezentralität Verantwortungsethik von den Führenden einfordert.
Der Zentralismus trägt bereits zum Zeitpunkt der Systemplanung die Diktatur in sich („Die Partei hat immer recht“). Schuld ist also automatisch die Partei, wenn etwas schief läuft und nicht der Verantwortliche bzw. der Diktator.
Dezentralität fördert vernetztes Denken und Handeln. Sie übernimmt für die Konsequenzen die Verantwortung.
Das Adolf-System lehne ich aus 2 Gründen ab: das Parteiensystem und den Zentralismus.
Zentralismus läßt sich gut von oben nach unten organisieren und kontrollieren, er widerspricht dem Völkerrecht der Selbstbestimmung. Kleine autarke Einheiten sind unabhängig.
Daher lehne ich eine europäische Einheit nach amerikanischem Vorbild ab. Es hätten die USA ein 2. Europa werden können, wenn man kleine Einheiten gebildet (Sezession) und nicht zugelassen hätte, daß man außerkontinentale Kräfte als Arbeiter eingeschleppt hätte. Es änderte sich die Kultur, Jazz z.B., Lebensweise mit Schlendrian und Egalität. Man versäumte eine Berichtigung, sondern verschlimmerte den Zustand durch Präsidenten wie Lyndon Johnson, der die Schranken für asiatische und afrikanische Einwanderung senkte. Die USA haben keine Kultur wie alle Einwanderungsländer.
Die USA sind keine Nationalität wie es die UdSSR nie war. Geformt wurden beide durch dieselben Kräfte. Nun ist es an der Zeit, daß sich beide von diesen Kräften befreien. Als erstes müssen sie die erkennen. Wer will solchen Klumpatsch von Völkern? Da lassen sich Verbrechen am besten verwirklichen: Drogen-, Waffen-, Menschen-, Organhandel, alles blüht derzeit. Kontrollen sind Fehlanzeige. Chaos wie Revolutionen oder derzeitige Zustände sind ein Eldorado für Verbrecher. Adolf wollte eine Einheit unter deutscher Herrschaft—-ich nicht. Nicht mit Dänen, Polen; Tschechen, Franzosen und schon gar nicht mit Engländern, das wäre immer Utopie geblieben. Die kann man gegen uns aufhetzen, wie man es nach 1945 getan hatte.
Schon während des 1. Weltkrieges gab es in Deutschland Planungen, daß man im Falle eines Sieges eine Mitteleuropäische Wirtschafts- und Zollunion gründen wolle. Diese sollte aus dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn, den Niederlanden, Belgien, Lützelburg (Luxemburg), Liechtenstein und unter Umständen Norditalien und dem französischsprachigen Lothringen, Burgund und vielleicht der Schweiz bestehen. Also eine de facto Wiederbelebung des Heiligen römischen Reiches, nur diesmal ohne Rom und ohne Papst.
Daß das 1871 gegründete Deutsche Kaiserreich sich auf das Heilige römische Reich deutscher Nation bezog, wird auch durch die Verwendung der alten Reichskrone auf der kaiserlichen Standarte und verschiedenen Dienstflaggen der Reichsbehörden (z. B. Auswärtiges Amt, Reichspost u. a.) symbolisiert.