Feed für
Beiträge
Kommentare

Adelinde wurde der unten folgende Bericht zugesandt, in dem

Wolfgang Bayer

 

Swinemünde vor dem Krieg (Wikipedia)

die Vernichtung des pommerschen Ostseehafens Swinemünde am 12. März 1945 schildert:

Am Kaiserbollwerk in der Hafen- und Bäderstadt Swinemünde auf der Ostseeinsel Usedom haben wie an jedem anderen freien Kai des Swine-Stromes Dutzende von Schiffen festgemacht.

 

Swinemünde auf Usedom (Wikipedia)

Auf dem Oberdeck durchnäßte Passagiere, dicht an dicht. Aus den Ladeluken krabbeln Frauen und Kinder. Es ist der 12. März 1945, wenige Wochen vor Kriegsende. Auch weiter draußen vor der Mole, hin zur Pommerschen Bucht, ankern Tonnagen aller Größenordnun-gen, Kriegsschiffe und Verwundetentrans-porter wie das Panzerschiff „Lützow“, die „Moltkefels“ oder die „General San Martin“.

Auf Reede liegen umgerüstete Ausflugs-dampfer und Hochseekutter, im Ganzen vier Dutzend, und manche bis zu den Decksplan-ken mit Tausenden von Passagieren belegt. Pastor Hans-Werner Ohse ist einer von ihnen.

Sein Dampfer liegt nun schon eine Woche da, weil dem Heizer die Kohlen ausgegangen sind und Nachschub fehlt. Das schrickt den Got-tesmann nicht.

Das stickige Massenquartier, das er mit 4000 Leidensgenossen teilt, erinnert ihn zwar an Maxim Gorkis „Nachtasyl“. Aber er fühlt sich angesichts des nahen Hafens und des von Minen freien Fahrwegs hin zur Stadt fast „wie im Frieden“.

Wie jeden Morgen sucht der Seelsorger aus dem hinterpommerschen Virchow in seinem biblischen Losungsheft nach dem aktuellen Tagesspruch und liest ihn mit getragener Stimme einer Gruppe von Gläubigen vor. Heute stammt er aus den Klageliedern des Jeremias:

„Wir, wir haben gesündigt und sind ungehorsam gewesen, darum hast Du billig nicht verschont.“*

Noch weiß der Pastor nicht, wie prophetisch die Botschaft in Wahrheit ist. Zur selben Zeit stauen sich vor den provisorischen Pontons der Wehrmacht über den Swine-Strom die Planwagen eines nach Hunderttausenden zählenden Endlostrecks aus dem Osten.

Auf den Fluren der Hospitäler Verwundete, die Flüchtlinge in Kinos und Wirtshaussäle gestopft. Allein in der Fontaneschule, deren Namensgeber Theodor nach Swinemünder Kindheitsjahren die „flaggenreiche Stadt“ zum Romanschauplatz um die Ehehändel seiner „Effi Briest“ macht, drängen sich 2000 der Geflohenen.

Swinemünde ist so unversehens das Nadelöhr für die Gestrandeten und Geflüchteten aus Ostpreußen, dem Raum Danzig und den Weichsel-Gebieten geworden, die sich und ein bißchen Habe vor den Russen retten konnten.

Und weil die Rote Armee mit ihrer breiten Angriffsfront gerade an die 30 Kilometer entfernt ist, ist die einst viel besungene „Perle zwischen Haff und Meer“ nur noch begrenzte Zeit Stadt der Hoffnung – Zwischenetappe auf der großen Flucht gen Westen.

Der Tag hat mit grauen Wolkenschleiern begonnen. Doch es soll warm werden. Die Fleischerstochter Edith Schmidt, 10, aus der Friedrichstraße darf zu den wenige Ecken entfernt wohnenden Großeltern „zum Spie-len“. Die Mutter hat ihr erstmals erlaubt, wegen der erwarteten Frühjahrstemperaturen „Kniestrümpfe zu tragen“.

Um dieselbe Zeit, ein paar Kilometer entfernt, radelt an diesem Morgen Erika Assmus, 19, vom Nachbarort Ahlbeck los, um für die Tante „irgendein Papier in Swinemünde zu besorgen“. Sie ist arglos und registriert die vielen „erschöpften Frauen, Kinder, alten Leute“, die „überall“ herumhocken.

Gisela Gattow will heute ihren Geburtstag feiern. Gemeinsam mit Mutter, Schwester, Oma Wally, Tante Dorothea und deren sechs Kindern hat sie bereits mehrere Evakuie-rungen hinter sich. Zuletzt stand sie, Gischt und Wellen ausgesetzt, an Deck eines „Fährprahms“, der die Familienangehörigen aus dem von den Russen eingeschlossenen Kolberg an den Oderarm brachte.

Nun haben sie es in einer Notwohnung am Hafen gemütlich. Zur Feier des Tages soll es Königsberger Klopse geben. Doch zum Essen kommt es nicht mehr. Plötzlich ertönen die Sirenen, werden am Mast der Schiffssignal-stelle an Land Flaggen aufgezogen mit den Buchstaben F, L und I, dem Kürzel für Fliegeralarm. Die UKW-Welle meldet:

„Starke Bomberverbände im konzen-trischen Anflug auf Swinemünde!“

Zur Panik besteht zunächst kein Anlaß. Nur zu oft schon gab es Fehlalarm, wenn die Pulks auf dem Flug nach Stettin oder Berlin die Stadt passierten. Und auch die im Alarmfall von italienischen Verbündeten betriebene, flächendeckende Benebelung der Hafenanlagen, Sabotage oder nicht, unter-bleibt an diesem Tag.

Die Uhr zeigt elf, und es sind noch eine Stunde und fünf Minuten bis zum „Inferno von Swinemünde“ – der von einem ameri-kanischen Bombergeschwader mit kalter Präzision und praktisch ohne eigene Verluste vollzogenen Hinrichtung einer Stadt.

Seit einer Dreiviertelstunde hat die in England gestartete Angriffsformation, 661 US-Bomber der Typen B-17 („Fliegende Festung“) und B-24 („Befreier“), bei der Insel Sylt die deut-sche Küste erreicht und geht auf der Höhe von Rügen auf Südostkurs.

Gesichert wird der Pulk durch 412 Begleit-jäger vom Typ Mustang – eine stattliche Armada, für die auf Grund eines Sonder-befehls alle verfügbaren Divisionen der 8. US-Luftflotte jeweils die Hälfte ihrer einsatzbereiten Maschinen abzustellen hatten.

Die US-Majore Charles Reid und John Buié, Leiter der Mission vom 12. März, plagen nicht nur logistische Probleme. Denn die Bomben-schächte müssen punktgenau geöffnet wer-den, weil die verbündeten Russen schon dicht vor ihrem Zielgebiet stehen.

Geflogen wird in drei Wellen. In den jewei-ligen Führungsmaschinen befindet sich ein so genanntes H2X-Bordradar, das allerdings nur vage Kontraste auf einen kleinen Bildschirm projiziert: Wasser erscheint dunkel, Land hell, eine Stadt glänzend.

Als die ersten Pfadfinder-Maschinen ihre Leuchtsignale setzen und die Bomber aus rund 6000 Meter Höhe in nur rund 40 Minuten ihre tödliche Fracht – mehr als 3500 der 450-Kilo-Spreng-sätze – abwerfen, herrscht zudem eine „10/10-Wolkendeckung“ – der Himmel ist total verhangen.

Als die ersten Bomben einschlagen, sitzt die achtjährige Isa mit Mutter und Brüdern in Hafennähe in einem Zugabteil. Die Spreng-kraft biegt Schienen hoch und reißt das Dach des Waggons weg.

Ihre Mutter wird die Kleine nie mehr wieder sehen. Als Retter die schwer Verletzte ber-gen, so gibt sie später als Erwachsene zu Protokoll,

„sah ich meine Brüder dort sitzend: Ihnen fehlten die Schädeldecken. Tot!“

Kadettenanwärter Wilfried Sander, der in der Ausbildungsbatterie nahe der Küste an „aus dem Ersten Weltkrieg stammenden“ Geschüt-zen ausgebildet wird, erlebt wie seine Kame-raden das Bombardement in Einmanndek-kungslöchern unweit des Kurparks.

Von der einst schönen Gartenlandschaft bleibt ein Wald zerfetzter Stümpfe. Die Amerikaner haben dort, stellt Sander fest, zur Erhöhung der Wirkung auf den Menschen so genannte Baumkrepierer abgeworfen:

„Das waren Feinstzünder mit Sofortexplosion.“

Der Effekt: Anders als normale Aufschlag-zünder detonieren diese Sprengsätze bereits bei Baumberührung. Die Schutzsuchenden, die sich zu Boden werfen, sind nun

„in voller Körpergröße den Splitter-wirkungen der Baumkrepierer ausgesetzt“.

Noch tagelang müssen Bergungsmann-schaften später Leichenteile aus den Baumruinen klauben. Das schlimmste Erlebnis für Sander ist

„das Auffinden einer Frauenleiche, die während des Angriffs gebärt haben mußte. Der Mutter hatte ein Splitter die Bauchdecke voll aufgerissen, das Kind, ein Mädchen, lag tot daneben“

– äußerlich unverletzt und noch an der Nabelschnur. Schon die erste Angriffswelle hat rechts und links der Swine eine 1000 Meter breite Schneise geschlagen. Die an den Strandbereich angrenzenden Kurparks, Zufluchtsorte Tausender von Flüchtlingen, Anwohnern und Nachschub-Truppenver-bänden, ist binnen Minuten förmlich umgepflügt.

Ebenso das Kaiserbollwerk, wo einst Wilhelm II. mit seiner Staatsyacht „Hohenzollern“ zu Bädertagen am Pier lag. Volltreffer haben den abfahrbereiten Personenzug am Kai zerstört. Nun ist die Altstadt dran. Ein ergiebiges Ziel für die Angreifer, schlecht für die Opfer.

Denn hier gibt es so gut wie keine Keller. Splittergräben ersetzen den nicht ausrei-chend vorhandenen Luftschutzraum. Herbert Weber, auf Kinderlandverschickung im Osten, überlebt dennoch in einem fast überirdisch angelegten Schulkeller. Der Raum ist so überfüllt, daß die Kinder und ihre Betreuer im Stehen zittern müssen.

Einige der Lehrer, stramme Nationalsozia-listen, „beten laut“. Als eine Kirche neben der Schule nach einem Treffer in sich zusammen-sinkt, lockern sich die Holzstützen, welche die Decke halten – aber, sagt Weber hinterher,

„die zusammengepferchten Menschen hielten die Stempel in senkrechter Lage.“

Geburtstagskind Gisela Gattow ist mit der Mutter die einzige Überlebende aus einem Schutzkeller unter einem Trockenraum. Sämtliche Wände und die Decke sind einge-stürzt. Auch Edith Schmidt liegt, nachdem sie es im ersten Bombenhagel nach Hause geschafft hat, nahezu ungeschützt im Staub.

„Wenn man das Pfeifen der Bomben hört“, weiß sie von einer Flüchtlingsfrau, „sind die schon weiter weg.“

Jetzt hört sie kein Pfeifen, der Giebel im Haus gegenüber ist in zwei Teile zerborsten. Das Mädchen atmet „durch eine nasse Baumwoll-windel“. Die spätere Sparkassenfilialleiterin in Ahlbeck, heute 68 und verehelichte Schäfer, kann auch heute noch immer jede Sekunde abrufen wie einen Film:

Das Geräusch – „dieses Heulen, Zischen, Dröhnen, Pfeifen, Krachen“. Die schrecklichen Bilder – vom „Torso eines Menschen im Maschendrahtzaun“; von der Familie aus Hinterpommern, die in der Leichenhalle „gebettelt hat nach einem Sarg“, von den Zementpollern am Bollwerk, „wo wir immer Bocksprünge machten“ und am Tag danach tote Babys und Kinder zum Abtransport sortiert werden.

Seither kennt sie den Hauch des Todes:

„Solange wie ich lebe, werde ich diesen süßen Geruch nicht los“.

„Die vielen Menschen auf den Straßen“, erinnert sich später Radfahrerin Assmus, „schlugen ihre Hände über die Köpfe und versuchten, auf Hauseingänge zuzurobben. Ich wurde in eine zu ebener Erde liegende Waschküche eines Mietshauses hineinge-zogen, besetzt mit den Bewohnern.“

Als die Einschläge näher kamen, fiel der Kalk von den Wänden: „Dann ging das Licht aus. Das Haus begann zu zittern und zu schau-keln.“

Im Hafen lautet die Alternative derweil Verbrennen oder Absaufen. Der Monster-angriff setzt mehrere Schiffe auf Grund. Der 3 000-Tonnen-Frachter „Andros“ von der Levante-Linie, mit 2000 Passagieren von Pillau aus mehrere Tage ohne Wasser und Verpflegung unterwegs, hat vor nicht mal einer Stunde festgemacht.

Er erhält drei Einschläge. Die erste Bombe trifft die Gangway. Die zweite setzt das Schiff in Brand und macht Frauen und Kinder zu lebenden Fackeln. Die dritte spaltet den Schiffsbug. Kurz vor dem Untergang ragt nur das Heck, sagt ein Augenzeuge, „rot glühend über das Wasser“ – 570 Tote nennen die Zeitzeugen, 1948 wird der stählerne Sarg gehoben.

Mit guter Seemannschaft und einem ent-schlossenen Wendemanöver im engen Fahrwasser rettet Korvettenkapitän Karl Hetz 1300 Fahrgäste auf seinem Zerstörer Z 34.

Während der spätere Vizeadmiral der Bun-desmarine den Zerstörer mit 15 Knoten seewärts in Sicherheit bringt, setzt es Bombenfontänen an der Wendestelle: Als Hetz die Außenmole passiert und Schiff und Menschen außer Gefahr sind, erscheinen zwei fröhlich lachende Flüchtlingskinder an Deck –

„dies Lachen war für uns wohl der glücklichste Augenblick seit langer Zeit“,

erinnert sich der Mariner später. Schnelle Flucht rettet auch das Schnellboot S 19, für Gerhard Dallmann „ein Holzkasten, längst nicht mehr kriegstauglich“. Der Funker wird nicht nur Zeuge des Untergangs der Stadt,

„die regelrecht in grauen, zeitweise wegstoßenden Wolken auseinander-fliegt“.

Nach dem Angriff sieht er auch die halb gesunkene „Cordilhera“, ein als Wohnschiff eingesetztes 12 000-Tonnen-Schiff der Hamburg-Amerika-Linie. Heck und Schiffs-schraube ragen in die Luft. Auf der Schraube eine Barkasse, die der Luftdruck hoch geschleudert hat.

Der gelernte Optiker desertiert noch vor Kriegsende und schult um – auf Pfarrer. Nach den Bomben, berichten Zeitzeugen,

„kamen die Tiefflieger mit ihren Bordkanonen“.

Hugo Leckow, Teilnehmer eines Konvois aus Pribbernow nahe der Bischofsstadt Cammin, der 18 Bombentote beklagen muß, über MG-Beschuß am östlichen Swine-Ufer:

„Die Tiefflieger waren die Straße bis nach Pritter entlanggeflogen und hatten Men-schen und Tiere im Tiefflug vernichtet.“

Dietlinde Bonnlander, unterwegs in einem aus 190 Menschen, 27 Pferden und einem Trecker bestehenden Gutskonvoi aus Fritzow:

„Wir lagen da, an den Boden gepreßt, als auch noch Tiefflieger begannen, sinnlos Jagd auf Menschen zu machen.“  

Das Einsatzziel des Geschwaders der 8. US-Luftflotte waren offiziell der Verschiebebahn-hof und die Bahnhofsanlagen Swinemündes. Nach dem Kriege reichte das Hauptquartier der US-Luftwaffe in Europa nach, der Angriff sei durch eine „Aufforderung der Russen in letzter Stunde“ ausgelöst worden und habe „taktische Bedeutung“ gehabt.

Der Ostseehafen sei „Zentrum des deutschen Nachschubs zur See“ gewesen – ein Hohn, angesichts der chaotischen Verhältnisse, des Flüchtlingsstroms und der Auflösungsten-denzen zu jener Zeit.

Auch mit den Ergebnissen späterer mili-tärhistorischer Quellenstudien ließ sich die Machtdemonstration der US-Luftwaffe kaum begründen. So hatte der Seekommandant Pommern laut Kriegstagebuch der deutschen Seekriegsleitung vom 9. März 1945 zwar postuliert:

„Bestmögliche Verteidigung Swinemünde (einziger noch brauchbarer Kriegshafen Ostsee neben Kiel) von ausschlagge-bender Bedeutung für weitere Seekriegsführung.“

Doch was nach vermeintlicher Stärke klang, war in Wahrheit ein letzter Appell, keine für die Sicherung der Stadt benötigten Spezia-listen abzuziehen. Der Hilferuf des Marine-befehlshabers endete denn auch mit dem Eingeständnis, die Zuführung ursprünglich zugesagter Heerestruppen sei wohl „nicht mehr zu erwarten“.

Daß der Hafen zeitgleich vor allem zur Schleuse für Verwundete und Fliehende wurde – diese Situation war den Alliierten bestens vertraut. Wegen der 40 Kilometer entfernten V 1- und V 2-Versuchsanlage in Peenemünde stand die Region unter Dauer-observation von Erkundungsfliegern.

Wie hoch der Blutzoll des Massakers von Swinemünde tatsächlich war, ließ sich nie exakt ermitteln. Die örtlichen Schätzungen gehen von 23 000 Opfern aus, das Gros Zivilisten.

Wegen der Seuchengefahr, der nachrük-kenden Flüchtlinge und der nahen Front mußten die Toten in jenen Tagen schnell bestattet werden. Menschliche und tierische Überreste lagen zugeschüttet in Bomben-trichtern.

Nach Überlebenden in den Trümmern konnte kaum gesucht werden. Nur rund 1700 Tote sind namentlich registriert und in Einzelgrä-bern bestattet. In endlosen Reihen dagegen wurden die sterblichen Überreste Tausender in einem anonymen Massengrab verscharrt. Es liegt auf dem Begräbnishügel Golm, süd-westlich von Swinemünde, auf dem auch Marinesoldaten und Uniformierte anderer Waffengattungen bestattet sind.

In Grab 330 liegt ihr Großvater, glaubt Hannelore Jungnickel, 67, die am Fuße der Anlage in Kamminke wohnt und mit ihrem Mann, einem Ex-Grenzer der DDR, oft Be-sucher betreut. Die ehemalige Poststellen-leiterin („Ich sage immer, der Golm ist ein Stück von uns mit“) hat seinerzeit das Bombardement in Swinemünde nur überlebt, weil sie es nicht mehr in den rettenden Unterstand geschafft hat: „Die wurden alle verschüttet.“

Den Großvater hat die Familie damals anhand „der Uhr und des Geldbeutels“ identifiziert. Jetzt, sagt die groß gewachsene Frau, „pfle-gen wir auch die zwei Gräber daneben. Eins von den dreien wird es schon sein“.

Es sind aber auch die gegen Kriegsende in die Diaspora getriebenen Überlebenden, die ihre Erinnerung an das Drama hochhalten. Kein „Weihnachtsbrief“, in dem nicht Walter Wunderlich, 93, langjähriger Chef der Heimatgemeinschaft, von der „Patenstadt Flensburg“ aus an jene Zäsur von 1945 erinnert hat, mit der die „bis dahin von uns Deutschen bestimmte Entwicklung der Stadt an der Swine-Mündung jäh abgebrochen“ wurde.

Gemeint ist nicht nur die physische Vernich-tung. Denn, Ironie der Geschichte, mit dem „Dresden des Nordens“ stirbt auch der Name Swinemünde. Nach dem Willen der alliierten Sieger wird die geschundene Stadt im Okto-ber 1945 polnisch und heißt seither amtlich swinoujscie.

Die Begräbnisstätte dagegen, eine der größten Kriegsopferstätten Deutschlands, liegt diesseits der Grenze. Um das Gedenken auf dem gepflegten Todesacker kümmert sich seit der Wende eine von Ingeborg Simon, Pastorin im Ruhestand, geleitete rührige Interessengemeinschaft.

Den Seehelden und U-Boot-Kriegern dagegen widmen sich jeweils am Totensonntag rechte Kameradschaftsbünde. Sie marschieren dann mit Kränzen und Parolen („Eure Ehre heißt Treue“) auf.

Vor den Gräbern, umrahmt von einem von Johannes R. Becher entlehnten Epitaph („Daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint“), steht Jahrzehnte nach dem Bomben vom 12. März 1945 auch Zeitzeugin Assmus, diesmal nicht unter ihrem Geburtsnamen, sondern unter ihrem Schriftsteller-Pseudonym Carola Stern.

Sie beschäftigt sich mit der immer noch offenen Frage: „War das Unrecht, was an diesem Tag geschah?“ Und sie hat eine Antwort parat. In Erinnerung an Joseph Goebbels‘ „gellende Stimme“, damals im Berliner Sportpalast, sagt sie:

„Der totale Krieg schlug furchtbar auf uns selbst zurück.“

*Adelinde: Diese eindrucksvolle Geschichte alliierter Schrecken über einer deutschen Stadt, die den Deutschen weggenommen werden sollte, enthält leider auch unterschwellige Selbstbeschuldigung, der jede gerechte Grundlage fehlt:

1. Der Spruch aus den „Klageliedern des Jeremias“: Mit dieser jüdischen Geschichte des „Alten Testa-ments“ will der Pastor anscheinend sagen, daß wir Deutschen schwer „gesündigt“ und uns an andern Völkern schuldig gemacht hätten. Der Spruch geht noch weiter in typisch jüdischer Auffassung von einem rächenden, vernichtenden „Gott“, den der Gläubige nur um „Gnade“ anbetteln kann:

„42 Wir, wir haben gesündigt und sind unge-horsam gewesen, darum hast du nicht verge-ben. 43 Du hast dich in Zorn gehüllt und uns verfolgt und ohne Erbarmen getötet. 44 Du hast dich mit einer Wolke verdeckt, daß kein Gebet hindurchkonnte. 45 Du hast uns zu Kehricht und Unrat gemacht unter den Völkern. 46 Alle unsere Feinde reißen ihr Maul auf über uns.“

Wir Deutsche aber unter Hitler wollten keinen Krieg. Einwandfrei nachgewiesen ist, daß Hitler mit allen uns umgebenden Staaten ein friedliches Miteinander anstrebte und dazu zu Angeboten bereit war, die bis an die Grenze der Selbstaufgabe gingen. Aber, so verhieß der polnische Oberbefehlshaber des Heeres Marschall Edward Ridz-Smigly:

„Polen will den Krieg mit Deutschland, und Deutschland wird ihn nicht verhindern können, selbst wenn es das wollte.“

Und der englische Ministerpräsident Churchill bekannte:

„Wir hätten, wenn wir gewollt hätten, ohne einen Schuß zu tun, verhindern können, daß der Krieg ausbrach, aber wir wollten nicht.“ 

Ilja Ehrenburg, jüdisch-stalinistischer Chefpropa-gandist im 2. Weltkrieg, gab von sich:

„Die einzige historische Mission, wie ich sie sehe, besteht bescheiden und ehrenwert darin, die Bevölkerung von Deutschland zu vermindern.“

Und:

„… Es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen … Töte den Deutschen! … Verfehle nicht das Ziel. Laß ihn nicht entgehen. Töte!“

Hier zeigt sich die ganze widerliche christliche Selbstbeschuldigung, wie wir sie heute in geballter Ladung rund um den Erdball, aber vor allem in unserem schwer traumatisierten Deutschland zu hören kriegen. 

2. Der „totale Krieg“: Die Worte des Propaganda-ministers Goebbels im Berliner Sportpalast 1943 werden heute falsch ausgelegt. Corinne  Breitschmid schreibt in ihrer Masterarbeit am Historischen Institut Bern 2016/2917 richtigstellend:

Quelle: https://www.infoclio.ch

„Joseph Goebbels’ Rede im Berliner Sportpalast vom 18. Februar 1943 steht heute exemplarisch für Kriegspropaganda … liegt es nahe, daß er den totalen Krieg forderte, weil er nur so eine Chance sah, den Krieg gegen die Sowjetunion zu gewinnen. Vergleicht man Goebbels’ Vorstellun-gen mit dem heutigen Konzept, wird klar, daß man die Forderungen des Propagandaministers mit der totalen Mobilisierung gleichsetzen kann. 

Es ist noch festzuhalten, daß Goebbels keines-wegs der Erfinder des totalen Krieges war. Schon während des Ersten Weltkrieges sprachen französische Journalisten vom totalen Krieg. Geprägt wurde der Begriff von General Erich Ludendorff, dessen Konzept, wie sich in der Arbeit zeigte, auch Einfluß auf Joseph Goebbels’ Auffassung vom totalen Krieg nahm …“

Ludendorff hatte als Feldherr des 1. WK erlebt, was es hieß, daß die Heimat das Heer im Stich ließ, und forderte von der Bevölkerung, zusammenzustehen und sich am Bemühen zu beteiligen, die Heimat vor der Zermalmung zu schützen. Jeder Gesunde, ob Mann oder Frau, sollte seinen Einsatz bringen in der Zuarbeit für das Heer. So sollte sich das Volk „total“ für das Ringen um den Sieg, d.h. um die Selbster-haltung des Volkes, einsetzen.

 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

1 Kommentar
Inline Feedbacks
Lese alle Kommentare
Ernst Cran
Ernst Cran
5 Stunden zuvor

Manche Berichte darf man getrost vom Schluß her lesen – so wie diesen hier. Dankenswerterweise stellt Adelinde die „christistisch-judistische Deutung“ des bestialisch-barbarischen alliierten Vernichtungsaktes gegen die deutsche Stadt Swinemünde in einen sowohl historisch wie auch sachlich angemessenen Rahmen. Es muß ein Ende haben mit der penetranten deutschen Selbstbezichtigungssucht!

1
0
Deine Gedanken interessieren mich, bitte teile diese mit!x