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Der Untergang Deutschlands

Thomas Engelhardt

berichtet ab dem 1.3.2025 in 8 Folgen über

„Die letzten Monate des Großen Krieges. Das große Inferno. Der Untergang Deutschlands. Letzte Kämpfe und Gefechte nach dem 8. Mai“: 

Die Monate vor dem 8. Mai 1945 sind die schwärzeste Zeit in der deutschen Geschich-te. Die Zeit nach dem großen Befreiungstag aber war es nicht minder. Zusammenbruch, Rechtlosigkeit, Anarchie: Mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und der verbünde-ten Streitkräfte war das Töten nicht beendet.

Zum ersten Mal machte der britische Autor Keith Lowe das Ausmaß der materiellen und moralischen Verwüstungen in der Nach-kriegszeit deutlich: die Darstellung eines Europa, das vollkommen aus den Fugen geraten war.[1]

Keith Lowe beschreibt das Drama der europä-ischen Gewaltgeschichte in den Jahren 1945 bis 1950, in denen ideologische Auseinan-dersetzungen und Neupositionierungen, ethnische Konflikte, regionale Partisanen-kämpfe, lokale Racheakte und Bürgerkriege einander bedingten, sich überlagerten oder auch nur zufällig nebeneinander existierten.

Und Lowe stellt dar, was geschah, aber er nennt auch die Hintergründe und zeigt, wie es so weit kommen konnte. Keith Lowe zeigt, wie brutal der Krieg nach dem Kriegsende 1945 noch weiterging. Und er beschreibt den Abstieg eines ganzen Kontinents in die Anar-chie und Rechtlosigkeit.

Dabei zeigt er die Gewalteruption des Zweiten Weltkrieges als ein komplexes Geschehen über die sogenannte Stunde Null hinaus. Lowes Darstellung ermöglicht neue An- und Einsichten:

Die unmittelbare Nachkriegszeit war politisch komplexer, als es uns die heutigen Einflü-sterer weismachen wollen. In „Der wilde Kontinent“ wird die Anarchie und Rechtlosig-keit des Jahres 1945 und der ersten Nach-kriegsjahre aufgedeckt und. Das Buch zeigt, daß der Kontinent damals so aussah wie der Nahe Osten oder die Region Donezk und Lugansk in der Ost-Ukraine heute.

So verheerend die Zeit bis zum 8. Mai für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht, der in-ternationalen Waffen-SS und ihrer auslän-dischen Verbündeten aber auch waren – das Leid der Millionen Menschen, die aus ihrer angestammten Heimat in Ostpreußen, in Schlesien, Pommern, dem Sudetenland und Ostbandenburg flüchten mußten, entzieht sich jeder Vorstellung.

Von Oktober 1944 bis Ende 1945 starben etwa 800.000 deutsche Soldaten und etwa 5,5 Mill. deutsche Zivilisten.

Aufgrund der Terror-Bomberangriffe (1 Million Tote), aufgrund des rücksichtslosen Vorgehens der Invasionsarmeen der Feind-mächte, die keinerlei Rücksicht auf die deut-sche Zivilbevölkerung nahmen, aufgrund der Exzesse gegenüber den Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten (von den 9 Mill. Ost-deutschen kamen 2,5 Mill. ums Leben), aufgrund der massenhaften Selbsttötungen (Suizide) während der Besetzung des Landes (deutschlandweit ca. 300.000 Selbstmorde zwischen Januar bis Mai 1945), aufgrund der Massenverhaftungen in den Westzonen (600.000) und in der russisch besetzten Zone (800.000 Verhaftungen in der sowjetischen Besatzungszone).

Den heute lebenden Bundesdeutschen ist das unermeßliche und heute unvorstellbare Leid und das Martyrium ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern in der Regel nicht bekannt. Sie wissen nicht, daß ihre Vorfahren eine grausame Zeit erlebten. Die Dramatik der Ereignisse in den letzten Kriegsmonaten kennen sie nicht. Das Opfergedenken in den drei deutschen Nachfolgestaaten war selektiv und eindimensional und ist es bis heute. Mehr noch.

Die Österreicher entdeckten nach 1945, daß sie 1938 annektiert worden seien. Deutsche wollten sie, die ebenso zu den Besiegten ge-hörten, nun nicht mehr sein. Sondern auch bemitleidenswerte Opfer. Die bis 1945 le-bendige deutsche Identität und das Bewußt-sein, Teil der deutschen Nation zu sein, ist dort in den Nachkriegsjahrzehnten nahezu völlig verloren gegangen.

Im Weststaat BRD folgte man den durch die Umerziehung eingeleiteten Umdeutungen der jüngeren deutschen Geschichte mit den satt-sam bekannten Folgen. Dementprechend wird der Millionen deutschen Toten vor und nach dem großen Befreiungsakt nicht gedacht. Diese sind gleichsam aus dem kollektiven Gedächtnis der  neudeutschen Bundes-republikaner getilgt.

Im mitteldeutschen Protektoratsstaat DDR verlief eine vergleichbare und doch völlig andere Entwicklung. Unter sowjetischem Einfluß wurde mehr als vier Jahrzehnte lang die jüngere deutsche Geschichte aus sowjet-russischer Sicht vermittelt.

Deutsche Soldaten konnten dieser Lesart entsprechend nur Verbrecher oder, abge-schwächt, von einem verbrecherischen System zu Verbrechen verleitete Deutsche gewesen sein.

Und die vom Stalinregime nach Mitteleuropa entsandten Armeen waren dieser Sichtweise gemäß nicht etwa angetreten, Ost- und Mitteleuropa zu verheeeren und die osteu-ropäischen Völker der sowjetischen Zwangs-herrschaft zu unterwerfen.

Nein, die Mordtruppen der Roten Armee und die ihnen nachrückenden Schergen der sow-jetischen Geheimdienste kamen, um die Völker von der Naziherrschaft zu befreien. Wohl noch nie in der bisherigen Geschichte fand eine derart groteske Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen und Ereignisse  statt!

Den Kampfverbänden der sowjetischen Heeresgruppen („Fronten“) folgten nach den Troßtruppen in der zweiten Welle die Ein-heiten der Inneren Truppen des sowjetischen NKWD[2], die Sondereinheiten der sowjeti-schen Staatssicherheit NKGB[3] und die Such- und Verhaftungskommandos des SMERSch[4] in der dritten Welle.

Die sog. Inneren Truppen marschierten in einer Stärke von 49 (!) Divisionen (insgesamt etwa 500.000 Mann) in die besetzten Gebiete (aus sowjetischer Sicht in die rückwärtigen Gebiete) Deutschlands ein und setzten in rücksichtsloser Art und Weise das Besat-zungsregime durch.

Ihre Hauptaufgabe war im Verbund mit den örtlichen Militärkommandanturen die Ab-sicherung des militärischen Besatzungs-regimes und die Auschaltung jedweden möglichen Widerstands.

Militärkommandaturen, die NKWD-Komman-dostäbe, die SMERSch-Einheiten und die Sonderstäbe und Einsatzgruppen der sowje-tischen Staatssicherheit unterhielten in den besetzten Gebieten jeweils eigene Haftlager, Sammel- und Transportlager (zwecks Depor-tation der Insassen in die Sowjetunion), sog. Filtierungslager und Untersuchungshaftan-stalten und Folter- und Verhörzentren. Allein im besetzten Ostpreußen wurden nach der Eroberung der Provinz drei Konzentrationslager errichtet.

Den heute lebenden Deutschen in West-deutschland, im Gebiet der früheren DDR und in Österreich ist in der Regel nicht bewußt,  daß ihre Urgroßeltern und Großeltern Helden und Opfer zugleich waren. Der Kampf, den die Wehrmacht an der Ostfront führte, hat Westeuropa vor der Besetzung durch die Rote Armee bewahrt und den westlichen Teil des Kontinents vor dem Bolschewismus gerettet.

Es war ein Blutopfer für das Abendland und ein Beitrag zur Erhaltung der europäischen Kultur. Wem aber ist das in dieser Klarheit heute noch bewußt? In der Bundesrepublik und im übrigen Europa? Die Nachkriegs-deutschen, die jetzt bereits weggefallene Erlebnisgeneration, war gegenüber den ideologischen Verzerrungen der eigenen Geschichte noch immun.

Überwiegend wurde diese abgewehrt. Aber kollektiv traumatisiert war diese Generation zur Gegendarstellung und Gegenwehr nicht fähig. Zu groß waren die seelischen Verlet-zungen, zu dramatisch die blutig-barbari-schen Erlebnisse, die mit dem berühmten 8. Mai 1945 ja keineswegs beendet waren.

Das 1945 durch Kriegsgewalt, Massaker und Massentod-Erlebnis, Heimatverlust, Lager-haft, Zwangsarbeit[5] und Deportation er-littene Trauma ist im kollektiven Bewußtsein der Deutschen tief verankert.

Insgesamt etwa 3 Millionen Deutsche und Auslandsdeutsche (z. B. Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, Schwarzmeer-deutsche usw.), davon 800.000 bis 1 Million Frauen aus den sowjetisch besetzten Ge-bieten Deutschlands, wurden zur Zwangs-arbeit in die Sowjetunion deportiert (Todesrate im GuLag etwa 60 % (sic.).[6]

Die totale Kriegsniederlage, die Besetzung des Vaterlandes durch die ausländischen Truppen, der Verlust der Heimat und die Jahre der alliierten Militärdiktatur[7], die geprägt waren vom Zusammenbruch jed-weder Ordnung, von Ohnmacht, Willkür-herrschaft, Rechtlosigkeit, Raub und Aus-plünderung haben unauslöschliche Spuren bei der Erlebnisgeneration hinterlassen, die zudem gemäß offizieller der Zivilgesellchaft oktroyierter Interpretation Befreiung zu sein hatte.

Im gegebenen Zusammenhang wenig beacht-et und ebenso weithin unbekannt ist die große Zahl der Selbstmorde im Zuge der Be-setzung Deutschlands durch die Feind-mächte. Insgesamt etwa 300.000 Deutsche wählten in den Monaten zwischen Janurar bis Mai 1945 den Freitod.

Die überlebenden Zeitzeugen wußten und erlebten hautnah, daß sie nicht befreit, son-dern in enem grausam und rücksichtslos geführten Feldzug besiegt worden waren. Dies ist auch keineswegs eine These, ent-spricht vielmehr den Selbstzeugnissen von Vertretern der Feindmächte.

Deutschland und seine Verbündeten mußten besiegt werden. Die „Befreiung“ war nichts weiter als ein Euphemismus, um die eigenen Kriegsverbrechen zu vertuschen und zu verschleiern.

Das Ausmaß der Kriegsniederlage vom Mai 1945 und seine Folgen waren für die kol-lektive Psyche der besiegten Deutschen offensichtlich dermaßen verheerend, daß in der Nachkriegszeit Schweigen herschte. 

Deutschland war verheert, mehr als einhun-dert Städte lagen in Trümmern, große Teile der Industrie und Verkehrsanlagen zerstört. Die Auswirkungen des Krieges führten zu einer noch nie dagewesenen Wohnungnot. In die zerbombten und oft schwer zerstörten Städte strömten in den Monaten nach Kriegsende aus der Gefangenschaft entlas-sene Soldaten, Vertriebene aus den deut-schen Ostprovinzen.

Etwa zwanzig Millionen Deutsche hatten 1945 kein Obdach und mußten in beschädigten Häusern oder Not- und Behelfsunterkünften hausen. Mehr als die Hälfte des Wohnungsbe-standes war zerbombt.

Unter der sich ergebenden katastrophalen Wohnungsnot litten besonders die massen-haft Ausgebomten und die Flüchtlinge aus dem Osten.

Ebenso heute kaum mehr bekannt ist die Tatsache, daß sich von den etwa 64 Millionen den Krieg überlebenden Deutschen im Jahr 1945 die Hälfte (!) nicht in der eigenen Hei-matgemeinde oder Heimatstadt aufhielten.

11 Millionen deutsche Soldaten befanden sich bei Kriegsende in Gefangenschaft der Kriegs-sieger[8], 2 ½ Millionen Deutsche harrten noch in den sowjetisch besetzten Ostprovin-zen aus, etwa acht Millionen Ostdeutsche (Ostpreußen, Ostbrandenburger, Pommern, Schlesier) waren im Glauben, bei Kriegsende in die Heimat zurückkehren zu können, nach Mitteldeutschand geflüchtet.

Hinzu kommen die etwa 9 Millionen aus Westdeutschland in den letzten beiden Kriegsjahren in die sicherer erscheinenden Aufnahmeorte in Mitteldeutschland und Ostdeutschland Evakuierten, überwiegend Frauen und Kinder. Dazu kommen mehrere Millionen Binnenflüchtlinge im besetzten Deutschland.

Die Deutschen im Frühjahr und Frühsommer waren ein Volk der Ent-wurzelten, der Ent-rechteten, der Herumirrenden. Oberstes Ziel war, den nächsten Tag, die nächste Woche, den kommenden Monat irgendwie zu überleben.

Diese massiven existentiellen Probleme ver-schärften sich  im Winter 1946/1947 noch einmal. In der „Winterkrise“ 1946, als un-gewöhnlich kaltes Wetter und ein Engpaß in der Kohleförderung zusammentrafen, griffen Hunger und Verzweiflung um sich.

Bis Oktober 1946 mußten fast 14 (vierzehn) Millionen Deutsche aus den abgetrennten Ostgebieten, aus dem Sudetenland und den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa in den vier Besatzungszonen untergebracht und zusätzlich zu den Alt-einwohnern versorgt werden (wobei sich die französische Zone dem Flüchtlingsstrom lange verweigerte, so daß dort nur 50.000 Vertriebene eine neue Heimat fanden).

Darüber hinaus gab es mehr als neun Millionen während der Kriegszeit aus den bombengefährdeten Ballungsräumen in Westdeutschland nach Mittel- und Ost-deutschland in (vermeintliche) Sicherheit gebrachte Menschen (überwiegend Frauen und Kinder), bis 1945 offiziell als  Evakuierte bezeichnet, die in den letzten Wochen bei Kriegsende in den Mahlstrom der sowjeti-schen Vernichtungsorgie gerieten und sich nach Kriegsende zum Teil in ihre (sehr oft zerstörten) Heimatorte durchschlugen.

Millionen Menschen hatten darüber hinaus in der unmittebaren Nachkriegszeit über eine lange Zeit keinen Zugang zu Trinkwasser, keinen Brennstoff, kein Gas, keine Elektrizität zur Verfügung.

Der strenge Winter 1946/1947 wurde so zur Katastrophe: Ernährung, Energieversorgung und Verkehr – drei ohnehin voneinander ab-hängige, aber auch jeweils für sich allein genommen lebenswichtige Größen – brachen vollständig zusammen.[9]

Die Säuglings- und Kindersterblichkeit stieg massiv an und war in den Westzonen aber erheblich größer als in der SBZ.[10] 1947 lag die Säuglingssterblichkeit doppelt so hoch wie 1939; Krankheiten wie Rachitis und Tu-berkulose grassierten in allen vier Besat-zungszonen.

In einigen Regionen des besetzten Deutschland schnellte die Säuglings-sterblichkeit auf 65 bis 90 %. Im ebenfalls besetzten Österreich[11] starben von 1000 Neugeborenen 1946 im ersten Lebensjahr 160 (heute sind es fünf). Für die unmittelbare Nachkriegszeit galt für die österreichischen Deutschen „Mitgehangen-mitgefangen“.

Im Kältewinter 1946/47 waren 70 % der Kinder deutschlandweit unterernährt. Bei 20 % aller Todesfälle waren Infektionskrank-heiten die Ursache, meist TBC oder Gehirn-hautentzündung. [1]

[1]Keith Lowe: Der wilde Kontinent. Euroa in den Jahren der Anarchie 1943-1950. Stuttgart: Klett-Cotta, 2014.

[2]NKWD = Abkürzung für das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (Narodny Kommissariat Wnutrennich Del) der Sowjetunion, in das auch der sowjetische Geheimdienst eingegliedert war.

[3]NKGB = Volkskommissariat für Staatssicherheit (bis 1941 GUGB, russisch für: Hauptverwaltung für Staatssicher-heit), ab 15. März 1946 MGB (= Ministerium für Staatssicherheit).

[4]SMERSch, 1943 in Vorbereitung auf die Invasion in Deutschland von Stalin gegründeter milit. Geheimdienst mit der Aufgabe, „Verräter, Spione und kriminelle Elemente“ dingfest zu machen und zu vernichten. Die SMERSch war eine der brutalsten Terrororganisationen des stalinfaschistischen Gewaltregimes.

[5]Noch 1948 waren 3,4 Millionen Deutsche in Zwangsarbeitslager der Kriegssieger, die heute „Befreier“ genannt werden müssen, gefangen !!!

[6]Vgl. Freya Klier: Verschleppt ans Ende der Welt: Schicksale deutscher Frauen in sowjetischen Arbeitslagern.         ( 5. Aufl.). – München: Ullstein, 2000. Daniela Hendel: Die Deportationen deutscher Frauen und Mädchen in der Sowjetunion 1944/1945. Berlin 2008 (hrsg. vom Bund der Stalinistisch Verfolgten Fördervein e. V.).

[7]Den alliierten Militärdiktaturen fielen in der SBZ 600.000 Deutsche, in den Westzonen 800.000 Deutsche zum Opfer. Qu.: Autorenkollektiv: Großdeutschland am Galgen. o. O. u. o. J. [ca. 2005] (im Bestand Deutschland-Erbe. Steiner Archiv Zeitgeschichte/Publizistische Archive, 31241 Ilsede).

[8]Davon etwa 7,7 Millionen Gefangene im Gewahrsam der westlichen Mächte, gehalten, etwa 3,3 Millionen in sowjetische Gefangenschaft.

[9]Infolge der US-amerikanischen und britischen Bombardements in der letzten Phase des Krieges wurde das deutsche Verkehrs- und Transportsystem planmäßig und gründlich zerstört. Die industriellen Anlagen hatten dagegen den Bombenkrieg insgesamt besser überstanden. Die Eisenbahn, die den weitaus überwiegenden Anteil an den Verkehrs- und Transportleistungen aufzubringen hatte, verfügte 1945!) zwar noch über 22.800 Lokomotiven (gegenüber 23.500 im gesamten Reichsgebiet im Jahre 1939), von denen aber nur weniger als die Hälfte in betriebsfähigem Zustand waren. Die wichtigsten Strecken, Tunnel und Brücken waren jedoch zerstört oder beschädigt. In der britischen Zone waren im Mai 1945 von rund 13.000 Streckenkilometern nur 1.000 befahrbar, in der französischen Zone von 5.667 Kilometern nur 500. Die zerstörten Strecken konnten zwar ziemlich schnell wieder instand gesetzt werden, das rollende Material befand sich jedoch zum großen Teil in sehr mangelhaftem Zustand. Hinzu kam, daß die Reparaturbetriebe der Reichsbahn ungünstig verteilt waren (sie lagen überwiegend in der amerikanischen und britischen Zone) und an Materialmangel litten. Im Winter 1946/47, als die Binnenwasserstraßen wegen des Frostes vollständig ausfielen, wurde die Transportkrise vorübergehend zum schlimmsten Engpaß der deutschen Wirtschaft überhaupt.

[10]Die allgemeine Kindersterblichkeit lag bis 1946/1947 in der SBZ jedoch höher als in den Westzonen. Während in den Westzonen  1946 rund 97 Kinder je 1.000 Lebendgeborene das erste Lebensjahr nicht erreichten, lag dieser Wert im Osten Deutschlands (SBZ) bei über 130 Säuglingen.

[11]Österreich und ebenso Wien, die nach Berlin zweitgrößte Stadt des bis 1945 bestehenden Großdeutschland, war wie das deutsche Restgebiet in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

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Doris Mahlberg
37 Minuten zuvor

Wie schön, daß ein britischer Autor das Ausmaß der materiellen und moralischen Verwüstungen in der Nachkriegszeit in einem Buch deutlich gemacht hat. Hat dieser britische Autor auch nur ein Mal darauf hingewiesen, daß man die alleinige Verantwortung für die gigantische Zerstörung Deutschlands und Europas sowie das unfaßbare Elend und Leid des Krieges vor die Tür Englands legen muß?? Ich kenne das Buch von Mr. Lowe nicht, und ich möchte es auch nicht kennen, und wissen Sie, Herr Engelhardt, warum ich es nicht kennen möchte? Weil ich jedem Briten eine w a h r e Erkenntnis über den 2. WK und die schreckliche Zeit danach abspreche!! Denn wenn es etwas gibt, was die Angelsachsen noch besser können, als Völker zu morden und andere Länder auszuplündern, dann ist es lügen, lügen, lügen!! Und während sie in Nürnberg logen wie gedruckt und sich unser Land zur Beute gemacht haben, führten sie ihre menschenverachtenden Kolonialkriege in anderen Teilen der Welt weiter.

„Mit Greueltaten haben wir den Krieg begonnen, mit Greueltaten haben wir den Krieg gewonnen und jetzt fangen wir erst richtig damit an.“ Wir alle kennen diese Worte des Abschaums der Menschheit namens Sefton Delmer.

In 25 Jahren, in denen ich regelmäßig in England war, habe ich nicht einen Briten getroffen, der sich zu der großen Schuld Englands bekennen konnte. Im Gegenteil!

Liebe Adelinde, ich würde mich freuen, wenn Du zum Tag der Kapitulation Deutschlands noch einmal meinen dreiteiligen Artikel „Ich klage euch an, ihr bestialischen Sieger“ Teil 1 bis 3 veröffentlichen würdest. Im 3. Teil befasse ich mich mit der Verschleppung deutscher Frauen und Mädchen in die Arbeitslager, und welche unmenschlichen Grausamkeiten sie erdulden mußten. Und das alles nur, weil ein versoffener britischer Mistkerl eine stetig wachsende deutsche Wirtschaftsmacht nicht ertragen konnte.

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