Zum „dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte“
Mittwoch, 8. April 2026 von Adelinde
Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt.
Die Wahrheit steht von alleine aufrecht.
Thomas Jefferson
Die einstige Reichsreferentin für den Bund Deutscher Mädel (BDM) beim Reichsjugendfüh-rer, Dr. Jutta Rüdiger, hat mit ihrem Sachbuch über die Hit-lerjugend ein breites Panora-ma der Jugendarbeit in der angeblich dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte vor dem inneren Auge ihrer Le-serschaft ausgebreitet, aus dem sie sich ein Bild von der damaligen Zeit machen kann.
Wer die zwölf Jahre des Dritten Reiches nicht selbst miterlebt hat, ist einerseits auf die bösartige und verlogene „Greuelpropaganda“ der Sefton Delmer & Co. angewiesen oder läßt sich von den Miterle-benden aus der Zeit erzählen.
Heutzutage ist die „Greuelpropaganda“ der Sefton Delmer & Co. soweit erfolgreich gediehen, daß viele Deutsche bei sich einen „pawlowschen Reflex“ entwickelt haben, der sie bei objektiv positiver Beurteilung der angeblich „dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte“ zusammenzucken und den Beurteiler in der Schublade „Nazi“ verschwinden läßt.
Adelinde versucht dennoch, Licht in die „dunkelste Zeit“ zu bringen. Wie war es denn wirklich damals?
Ich selbst – Jahrgang 1935 – konnte in die Hitler-Jugend nicht mehr aufgenommen werden, denn vor meinem 10. Geburtstag, dem Eintrittsalter für die Kinder in die NS-Jugendabteilungen, war der Krieg und damit das gesamte NS-System zu Ende. Meine Enttäuschung erklärt sich aus dem, was in den Jugendverbänden HJ und BDM geboten wurde an Geländespielen, Sport und Musik und für ein Kinder- und Jugendherz einfach herrlich war.
Man mag zum NS-System als Ganzem und seiner Zeit stehen, wie man will, doch eins muß klar blei-ben: Die Jugendführung war begeisternd und erfaßte fast alle Jugendlichen des Reiches. Sie gingen frei-willig zur Hitler-Jugend, niemand wurde gezwungen beizutreten. Daneben bestand – vielleicht mit Recht – die Sorge, daß die Hitler-Jugend den Eltern ihre Kinder entfremdete.
Beim Anblick des Buch-Umschlagbildes mit dem Antlitz des freudigen Vertrauens eines BDM-Mädels erlebt der Geschichskundige eine tiefe Sorge um dies junge Mädel, das, wie das aufgenähte Dreieck aus-weist, aus dem Ost-Wartheland stammt.
Was für ein Schicksal wartet auf sie in wenigen Jahren beim Einfall der aufgehetzten, vertierten Rotarmisten der Sowjetunion und auch der Polen nach dem 8. Mai 1945 in Ostdeutschland! In diesem Zeitabschnitt fand das wahre „dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte“ statt:
Die wehrlosen ostdeutschen Frauen und Mädchen erlitten in äußerster Grausamkeit Vergewaltigung, Mord, Totschlag, Vertreibung aus der Heimat.
Hier kann man nur von Glück sagen, daß der Mensch seine Zukunft nicht im Voraus wissen kann. So bleibt ihm die Freiheit des augenblicklichen Erlebens.
Wer von uns belogenen Nachkriegsdeutschen weiß etwas Wahres über die Kultur, die Ideale, die die damalige deutsche Jugend beseelte!
Hochangesehene Künstler jener Zeit nahmen sich auch der Jugend an. Das ist als Tabu-Thema viel-leicht auch in Vergessenheit geraten bzw. werden die Kulturschaffenden mit dem Maßstab der Feinde Deutschlands verleumdet:
Die große ostpreußische Dichterin Agnes Miegel war begeistert dem BDM zugetan.
Die große Pianistin und Beethoven-Interpretin Elly Ney, die ich als junger Mensch in ihrer Güte und Zugewandtheit zu ihrem begeisterten, anhänglichen Publikum noch miterlebt habe, spielte lt. „Rheinische Geschichte“
… Zeit ihres Lebens mit ungeheurer Energie wirklich überall – und in fast allen Lebenslagen: für Arbeiter, Jugendkonzerte für Schüler, für die Wehrmacht, für verwundete Soldaten in Lazaretten, selbst noch in Zeiten häufiger Bombenangriffe, in denen Konzerte durch Fliegeralarm und Zwischenaufenthalte im Bunker unterbrochen werden mußten.
Nach 1945 spielte sie in Gefängnissen, im Durchgangslager Friedland für Kriegsgefangene und Ostvertriebene und auch für das Nationale Olympische Komitee für Deutschland.
Welche eine Wohltäterin! Eine Wohltäterin jedoch im Urteil der Nachkriegszeit an den falschen Menschen, an Deutschen und darunter solchen des NS-Systems:
Nach 1945 war Elly Ney wegen ihrer Rolle im Nationalsozialismus öffentlicher Kritik aus-gesetzt. Am 20.12.1948 und am 9.3.1949 beschloß die Stadtvertretung Bonn ein Auf-trittsverbot, das jedoch am 25.1.1952 wieder aufgehoben wurde.
Eine große Pianistin, die den Menschenseelen die Musik und namentlich die Beethovens nahegebracht hatte, durfte bei Regime-Wechsel plötzlich nach Meinung der neuen Machthaber nicht mehr geehrt werden. Wie kennzeichnet das doch das Nachkriegs-regime in Deutschland! Schämt euch!
Doch wird daran Charlotte Knobloch ihren gewich-tigen Anteil gehabt haben. Nach dem Tutzinger Jugendbeirat sagte Knobloch – weitab von künst-lerischem Schaffen, dafür umso rassistisch-poli-tischer:*
*) Quelle: Q1
Elly Ney war nicht nur Profiteurin des Nationalsozialismus, sie hat das braune Gedankengut auch aktiv vertreten.
Eine unverschämte Behauptung! Und: Das braune Gedankengut – was wird das sein? Knobloch nennt Ney
sozusagen eine Kulturpolitikerin der Nazis, die kein Geheimnis daraus machte, wie sehr sie darunter litt, im selben Umfeld mit jü-dischen Musikern wie Serkin aufzutreten.
Das geht Knobloch eigentlich nichts an. Mit wem und mit wem nicht eine großen Künstlerin wie Elly Ney auftreten mag oder nicht muß ihrem Empfinden überlassen bleiben, aber da es sich hier um Knob-lochs „Einen-der-Ihren“ handelt, wurde es hier zu einem der derzeit größtdenkbaren Verbrechen: Antisemitismus!
Elly Ney habe doch wahr und wahrhaftig lieber für die Hitlerjugend, den Bund Deutscher Mädel, die SA und SS gespielt, heißt es in dem Text.
Als Überlebende der Shoah empfinde ich es als Hohn, wenn eine überzeugte National-sozialistin wie Elly Ney weiterhin als Ehren-bürgerin von Tutzing gewürdigt wird.
Ist Tutzing ein jüdischer Ortsteil, so daß eine Jüdin da mitzureden hat? Aber der Tutzinger Gemeinderat unterwirft sich:
Jedenfalls können wir uns freuen, daß Elly Ney sich einst der Jugend zugewandt und ihr die Kultur unserer großen Musiker, besonders Beethovens, nahegebracht hat. Die Musikpflege spielte in der Hitler-Jugend überhaupt eine hervorragende Rolle. Wolfgang Stumme erklärt in der Schrift „Musik in Jugend und Volk“, 1935/36:
Die Musikarbeit hat sich zur besonderen Aufgabe gestellt, eine breite musikalische Volkskultur zu schaffen, die die einzig tragfeste Grundlage für jede aktive Musik-pflege, für jedes Kunstverständnis überhaupt abgeben kann.
Und in „Musikpolitik als Führungsaufgabe“ schreibt Stumme:
Eine verantwortliche Musikpolitik wird sich vor allen zeitbedingten Modeerscheinungen hüten. Sie wird auf die höchsten Werte zielen und das im Alltag Entstehende und Verge-hende nicht höher werten, als notwendig ist.
Dr. Jutta Rüdiger weist auf die damalige „Grundlage aller Musikarbeit“ hin,
das gemeinsame Singen, ohne das es keine Veranstaltung der Jugend gab, sei es Sport, Wandern, Heimabend, Fest oder Feier.
Darüber hinaus wurde das Instrumentalspiel gefördert.
Eine Werbeaktion „Lernt Instrumente spielen“ wurde von der Reichsjugendführung vom 15.-21.11.1937 veranlaßt. Viele Sendungen des Jugendfunks unterstützten diese Wer-bung. Namhafte Künstler förderten die Wer-beaktion durch Aufrufe. So unter anderen Hermann Abendroth, Paul Graener, Wilhelm Furtwängler, Eugen Jochum, Edwin Fischer, Elly Ney, Wilhelm Kempff, Peter Raabe, Karl Schuricht.
Nach heutiger Maßgabe also alles „Rechtsextre-misten“, „Nazis“! Das Ideal der Musikarbeit war etwas, was heute in den Untergang befördert wurde durch Adornos Beat, der allenthalben aus Häusern und Autos lärmt und mit der Musikindustrie er-staunlich große Schichten des einst hochgebildeten Deutschen Volkes erfaßt hat. Die Meisterkonzerte für die Hitler-Jugend hatten ein anderes Ethos:
Die Meisterkonzerte sollen als außeror-dentliche musikalische Ereignisse einen Einbruch in die Gleichgültigkeit und In-teressenlosigkeit gegenüber der musika-lischen Darbietung bewirken:
Sie sollen mit einer vollendeten Interpretation großer Musik den jungen Menschen, der we-nig oder vielleicht noch nie ein Konzert be-suchte, vor eine unantastbare künstlerische Leistung stellen und damit bisher brachlie-gende Erlebniskräfte in ihm ansprechen. – Dabei muß der Grundsatz der Freiwilligkeit gewahrt bleiben, Konzertbesuch darf nicht formationsweise befohlen werden.
Hier ein Beispiel des von der Hitler-Jugend Erarbeiteten und Gebotenen:


