Ilse Aigner, Charlotte Knobloch und die Bavaria
Freitag, 18. Juli 2025 von Adelinde |
Reinhard Heuschneider
bringt in seiner Abhandlung hier eine Karikatur der politischen Wirklichkeit in Bayern, wie sie sich kein Deutscher vor Jahrzehnten hätte ausdenken können. Unfaßbar – aber, Frau Knobloch & Co.: Bedenken Sie, der Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht.
Dieser Tage feierte die bayerische Politkaste den 80. Jahrestag der Israelitischen Kultus-gemeinde in Bayern, gleichzeitig den 40. Jahrestag, an dem Charlotte Knobloch Präsidentin dieser Kultusgemeinde von München und Oberbayern ist.
Markus Söders Laudatio beim Festakt in der Münchner Hauptsynagoge „Ohel Jakob“ galt in erster Linie Charlotte Knobloch, die ein „un-verzichtbares Gewissen für Bayern“ sei und „neue Hoffnung und Vergebung gebracht“ habe; ansonsten „würdigte (er) die Kraft der jüdischen Menschen, daß sie nach einem solchen Leid – ‚in Abwesenheit Gottes‘ – wieder neu anfingen und die Kultusgemeinde aufbauten.“1
Wie immer beschwört der bayerische Mini-sterpräsident das gebetsmühlenartige Mantra der Vergangenheit und blendet die Gegen-wart aus; das erspart ihm die Frage nach der Abwesenheit Gottes in Palästina.
Überhaupt vermittelte Söder den Eindruck, als wolle er Bayern zu einem zweiten Israel um-gestalten, denn „für das Gedenken und Erinnern“, das seiner Meinung nach noch immer viel zu wenig ist,
„wäre München auch ein geeigneter Ort für eine Außenstelle der internationalen Holocaust-Gedenkstätte Vad Vashem.“2
Das Leben der nunmehr 92 Jahre alten Charlotte Knobloch biegt sich vor Ämtern, Würden, Orden, Preisen und Laudationen. Nachfolgend nur einige ihrer Aktivitäten.
– Seit 1985 ist sie die Präsidentin der Israe-lischen Kultusgemeinde München und Oberbayern;
– jahrelang war sie Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses (WJC) sowie Vizepräsidentin des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC);
– von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentral-rats der Juden in Deutschland, dessen Vize-präsidentin sie vorher war.
– Sie ist Schirmherrin für jüdische Begabten-förderung.
– 2006 schlug sie einen bundesweit flächen-deckenden Islamunterricht vor, „damit mus-limische Kinder nicht von ‚Haßpredigern‘ indoktriniert würden.“3
Deutsche (Schul)kinder brauchen keine Haß-prediger, die schickt man in die Konzentra-tionlager-Museen, wo sie, wegen fehlendem eigenen Geschichtswissen, gegen das eigene Volk indoktriniert werden.
Sie wies die Bundesregierung an, was diese gegen den Israel angeblich bedrohenden Iran am besten zu tun habe und tadelte den deut-schen Papst Benedikt XVI., dessen christliches Verständnis sie als Diskriminierung und Aus-grenzung des Judentums geißelte.
Am 23. Januar 2019, anläßlich der Ehrung der NS-Opfer im bayerischen Landtag (deutsche Opfer sind von Gedenken ausgeschlossen), zog sie gegen die AfD vom Leder, wofür sie von Alice Weidel im Bundestag zurechtge-wiesen wurde, Charlotte Knobloch habe sich
„wirklich entblödet, im Bayerischen Landtag eine Gedenkveranstaltung für geschmacklose Parteipolitik zu mißbrauchen.“4
Diese Kritik fand der Landtagsvizepräsident Karl Freller (der übrigens auch Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten ist) „skandalös“; er mache sich Sorgen, „welcher Geist hier wieder wach werde.“5
Während der Zeit der Inquisition wurden dem Delinquenten zur Warnung die Folterinstru-mente gezeigt, heute soll das offenbar mit dem Zeigen der Auschwitzkeule erreicht werden.
Kurzum, Charlotte Knobloch ist aus der Münchner Politik nicht mehr wegzudenken, mehr noch, sie ist fester Bestandteil des Maximilianeums.
Und da wären wir wieder bei dem Festakt in der Synagoge Ohel Jakob, den man sich in etwa vorstellen kann wie eine Zeremonie im alten Rom, wo dem Imperator gehuldigt wird, nur mit dem Unterschied, daß niemand hinter Charlotte Knobloch steht, der ihr zuruft:
„Bedenke, daß du ein Mensch bist!“
Söder war nur einer der zahlreichen Hosianna-Sänger, alle aufzufüh-ren wäre müßig. Daher wollen wir nur einen Blick werfen auf Ilse Aigner, die Präsidentin des Bayerischen Land-tags, die es nicht dabei bewenden ließ, die aktive jüdische Greisin als
„Lichtgestalt und Mut-Macherin“6
zu preisen, die
„auch unserem Land eine Richtung gegeben“
hat, sondern sie gar als
„unsere jüdische Bavaria“7
in überirdische Sphären zu rücken. Obgleich bei Themen dieser Art ohnehin nur noch mit Superlativen um sich geschmissen wird, mußte diese Hypersteigerung der bayrischen Landtagspräsidentin denn doch die Lach-muskeln über Gebühr strapazieren.
Wer ist die Bavaria? Wie wikipedia richtig schreibt, ist es
„die weibliche Symbolgestalt und welt-liche Patronin Bayerns und tritt als personifizierte Allegorie für das Staats-gebilde Bayern in verschiedenen Formen und Ausprägungen auf. Sie stellt damit das säkulare Gegenstück zu Maria als religiöser Patrona Bavariae dar.“
Der wegen seines Nationalstolzes und glü-henden deutschen Patriotismus’ weithin be-kannte Ludwig I. war von 1825 bis 1848 König von Bayern, berühmt als der Bauherr u. a. der Walhalla bei Regensburg sowie der Befreiungshalle in Kelheim, ließ in den Jahren 1843 – 1850 in München die kolossale Bron-zestatue der Bavaria, in baulicher Einheit mit der Ruhmeshalle, errichten.
Der begnadete Architekt Leo von Klenze plante die auf der Theresienhöhe errichtete Ruhmeshalle, eine dreiflügelige Säulenhalle nach dem Vorbild antiker Kolossalaltäre, während die davor stehende Bavaria nach einem Modell von Ludwig Michael von Schwanthaler von Ferdinand von Miller in Bronze gegossen wurde; 18,52 Meter hoch und 78 Tonnen schwer.
Die Gestaltung dieser weltlichen Patronin Bayerns ist nicht antik, wie die Ruhmeshalle, sondern gewissermaßen völkisch-deutsch:
– Sie hält keinen Lorbeerkranz in ihrer aus-gestreckten linken Hand, sondern einen Eichenkranz; die Eiche gilt als speziell deutscher Baum.
– Ihr Gewand ist altgermanische Kleidung:
„Das bis zu den Füßen reichende, hemdartige Kleid wurde sehr einfach drapiert und zusammen mit einem darübergeworfenen Bärenfell gegürtet, was der Figur nach Schwanthalers Ansicht einen typisch ‚teutschen‘ Charakter verlieh.“8
Es bleibt das Geheimnis von Ilse Aigner, wie aus Charlotte Knobloch, die gesteht:
„Israel ist meine geistige Heimat“9 und „dort habe ich Familie“10
„unsere jüdische Bavaria“ werden konnte. Abstruser, überkandidelter geht es wohl nicht mehr. Auch wenn sich die Landtagspräsi-dentin gerne im bayerischen Dirndl zeigt –, ein „folkloristisches Outfit“ macht noch keine unverfälschte, bodenständige Bayerin.
Doch in diesem Bayernland, das landschaft-lich ein Gottesgarten ist, politisch aber bereits unangenehm an Israel erinnert, hat so mancher Mensch mit Merkwürdigkeiten bzw. Absurditäten zu kämpfen, so auch meine Wenigkeit.
In einem Offenen Brief an den o. g. Karl Freller hatte ich einst Charlotte Knobloch – nein, nicht als „unsere jüdische Bavaria“ über alle Maßen verherrlicht, sondern nachvoll-ziehbar und wohl kaum übertrieben, als
„ungekrönte bayerische Regentin“
bezeichnet. Dennoch wurde, abgesehen von weiteren meiner Aussagen, auch diese von der Staatsanwaltschaft Deggendorf als straf-rechtlich relevant in der gegen mich erhobe-nen Anklageschrift (Az.: 12 Js 2663/20) aufgeführt.
Ich halte die Chancen für denkbar gering, daß die bayerische Regierung auf den Boden der Tatsachen zurückkehrt und sich klar darüber wird und danach handelt:
Die Bayern sind ein deutscher und kein israe-lischer Stamm!
Trotzdem oder gerade deshalb appelliere ich, sie möge sich endlich der Bayernhymne besinnen:
Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, weiß und blau!Gott mit dir, dem Bayernvolke,
daß wir, uns’rer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen uns’res Glückes Herd!
Daß mit Deutschlands Bruderstämmen
einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewahre
unser Banner, weiß und blau!____________
Anmerkungen
1Taz, 16. 07. 2025
2https://www.instagram.com/p/DMI05huonrB/
3https://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_Knobloch
4Ebenda
5Ebenda
6Taz, 16. 07. 2025
7Ebenda
8https://de.wikipedia.org/wiki/Bavaria
9Deutschlandfunk, 13. 04. 2008
10Ebenda

