Rußlands Kriege
Sonntag, 8. Februar 2026 von Adelinde
Thomas Engelhardt
stellt die Kriege Rußlands im 18., 19. und 20. Jahrhundert zusammen:
Im national-patriotischen Lager Bundes-deutschlands sind Ansichten verbreitet, Rußland könnte möglicherweise einen Beitrag zur Befreiung Deutschlands aus US-amerika-nischer Vormundschaft und Kontrolle leisten.
Die Verfechter dieser Meinung verkennen dabei, daß Politik in erster Linie Interessen-wahrnehmung ist. Darüber hinaus werden mangelnde Geschichtskenntnisse offenbar.
Rußland war in seiner Geschichte nie zu Konsens, Ausgleich und Kooperation bereit. Russische Politik basierte vielmehr stets auf eigener Stärke und Überlegenheit.
Aus russischer Sicht sicherlich vorteilhaft wäre ein Herausbrechen des bundesdeut-schen Staates aus dem westlichen Macht-block. Eine Aufgabe der Mitgliedschaft im NATO-Paktsystem stellt jedoch für den BRD-Staat keine Option dar. Die sog. Westbindung ist oberste Staatsraison.
Für Deutschland wäre es der erste Schritt auf dem Wege der Wiedererlangung der voll-ständigen Souveränität. Voraussetzung eines Austritts aus dem Nordatlantikpakt wäre jedoch ein alternatives Sicherheits- und Bündniskonzept, basierend auf einer von gegenseitiger Achtung dominierten Zusam-menarbeit mit Rußland.
Eine deutsch-russische Verständigung muß vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte jedoch problema-tisch erscheinen. In der gegenwärtigen Ver-fassung kann Deutschland auch kein wirk-licher Partner für Rußland sein.
Aus der Sicht Rußlands taugen die Deut-schen auch nicht zum Juniorpartner. Für die Deutschen muß hieraus folgen, daß die Selbstbefreiung alternativlos ist.
Ein dann möglich (und auch notwendig) erscheinendes neues europäisches Bünd-nissystem, eine Europäische Eidgenos-senschaft, wäre in der Lage, mit Rußland auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln und zu einem Ausgleich zu kommen, d. h. zu einer dauerhaften Verständigung zu gelangen.
In den Jahrzehnten nach dem Großen Krieg, der heute noch als II. Weltkrieg bezeichnet wird, wurde allgemein geurteilt:
„Amerika raubt den Völkern die Seele, Rußland raubt den Völkern die Freiheit“.
Diese zusammenfassende Feststellung gilt bis heute.
In der Geschichtsschreibung nahezu völlig unbeachtet bleibt dennoch die aggressive Politik und die stets expansive Ausrichtung Rußlands in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderten.
So hat sich auch aufgrund sowjetischer Einflußnahme nach 1945 nicht nur in der Bundesrepublik eine Auffassung durchsetzen können, der gemäß ein auf Landraub und Expansion ausgerichtetes Deutsches Reich in verbrecherischer Art und Weise und unter Bruch des zwischen beiden Mächten 1939 abgeschlossenen Nichtangriffsvertrages v. 23. Aug. 1939[1] eine „friedliebende“ Sowjetunion „überfallen“ hätte.
Bei genauerer Betrachtung erweist sich eine solche Geschichts-interpretation freilich als Chimäre, um nicht zu sagen als Geschichts-klitterung.
Denn in der Regel bleiben die bis 1941 erfolgten sowjetischen Aggressionen und Annexionen unberücksichtigt, fallen der Nachrichtenunterdrückung anheim.
Nur diese Entwicklungen und die Abfolge der Einzelereignisse führen aber zum Verständnis einer im Frühjahr 1941 von den Führungs-persönlichkeiten Deutschlands als alternativ-los erscheinenden Entscheidung, die militärische Macht der Sowjetunion zu brechen, das Regime Stalins zu liquidieren und Voraussetzungen zu schaffen, den europäischen Teil Rußlands in den geplanten Großeuropäischen Wirtschaftsraum zu integrieren.[2]
Mit dem Verlust des Großen Krieges im Mai 1945 begannen die Invasionsmächte, die Geschichte in ihrem Sinne umzuschreiben. Dem entspricht die heute gegebene staats-rechtliche Lage Deutschlands, die nur als verheerend und aussichtslos zu charakterisieren ist.
Deutschland befindet sich in einem raben-schwarzen Loch nationaler Knechtseligkeit. Im Zentrum Berlins soll ein abstruses „Denkmal“ an einen Vorgang erinnern, der allenfalls eine Fußnote in den Geschichts-büchern verdienen würde, und die Sieges-denkmäler der östlichen Macht mitten in Berlin und an vielen anderen Orten sind Beleg, wie sehr die Deutschen den Ideologien der Invasionsmächte erlegen sind, die heute als „Befreier“ gelten müssen.
Ein Bundespräsident entblödete sich vor wenigen Jahren nicht,
„zum Gedenken an die sowjetischen Befreier“
an einem dieser zentralen Ehrenmale einen Kranz abzulegen. Im Bewußtsein der bun-desdeutschen Bevölkerung veränderten sich Rußland und die Sowjetunion zu Friedens-mächten. Die Kriegsfurie des Jahres 1945, die sowjetischen Konzentrationslager, die De-portationen von Millionen Deutschen sind aus dem kollektiven Gedächtnis der Deutschen getilgt.
Dieses Bild eines dem Frieden verpflichteten Rußland (das dem eines vorgeblich friedli-chen und sanftmütigen russischen Volkes entspricht)[3], das Bild einer friedliebenden Sowjetunion gilt es, entsprechend den historischen Tatsachen zu korrigieren.
Nach außen (und ebenso in der Innenpro-paganda) stellte sich Rußland und nicht weniger die Sowjetunion in der Vergangen-heit stets als Friedensmacht dar.
Daß die Sowjetunion die auf Expansion orientierte Politik des zaristischen Rußland nicht nur fortsetzte, sondern perfektionierte und ausweitete, ist eine These, die belegt werden muß.
Hinsichtlich der staatsrechtlichen Organi-sation stellte die Sowjetunion als Nachfol-gestaat des Zarenreichs den Zusammen-schluß Rußlands und der von ihm kolonisierten und beherrschten Gebiete dar. Auch diese Interpretation ist eine These, die belegt werden müßte, was hier aber nicht Gegenstand der Betrachtung ist. Nachstehend sollen lediglich Rußlands Kriege und Expansionen seit dem 18. Jahrhundert betrachtet werden.
Historiker differenzieren, wenn sie die Ge-schichte der Sowjetunion darstellen, in der Regel zwischen den Ereignissen und Abläufen des russischen Bürgerkrieges und der Sowje-tisierung der von der Roten Armee eroberten und besetzten Gebiete, die danach de facto annektiert und in den neuen Staatsverband der Union der Sowjetrepubliken[4] eingegliedert wurden.
Letztlich vollzogen die Sowjets, im Bürger-krieg als die „Roten“ bezeichnet, jedoch lediglich die geopolitischen Vorstellungen der russischen Eliten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Diese Tatsache wird jedoch in der Regel außer Acht gelassen.
Eine Geschichte Rußlands soll hier nachstehend nicht Gegenstand der Betrachtung sein.
Ebenso wenig können Einzelaspekte wie beispielsweise der Russische Bürgerkrieg behandelt werden. Lediglich werden Eck-punkte genannt, die die These russischer Expansion der vergangenen 250 Jahre belegen.
Rußland fiel im Verlauf des 19. Jahrhundert aufgrund seiner wirtschaftlichen Rückstän-digkeit gegenüber den anderen europäischen Großmächten zunehmend zurück. Erst im Jahre 1861 – also rund 50 Jahre später als in Preußen – kam es zur Aufhebung der Leibei-genschaft, und die zunächst nur schleppend vorankommende Industrialisierung drang nur langsam bis in die russischen Provinzen bzw. Gouvernements vor.
Die in den ländlichen Gebieten vorherr-schende Armut sowie der verlorene Krimkrieg von 1856 schürten die Unzufriedenheit der Bevölkerung, die sich überwiegend aus der Bauernschaft zusammensetzte.
Einen Ausweg aus den prekären Verhältnissen sahen die Führungsschichten des zaristi-schen Rußland, insbesondere Adel und Militär, in der Expansion des Landes nach Süden und nach Osten.
Aufgrund der beschriebenen Verhältnisse wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-hunderts die kontinentale Ausdehnung des Russischen Reichs über die bestehenden Grenzen hinaus erweitert.
Das mit dieser geplanten Expansion ver-bundene Hauptziel war, neue Absatzmärkte für russische Erzeugnisse zu schaffen, bevor andere Mächte (das Osmanische Reich in der Kaukasusregion, das Vereinigte Königreich (Großbritannien) in Zentralasien, das Kaiserreich China in Turkestan (heute Kasachstan) und Ost-Turkestan und in der Mandschurei bzw. ab 1871 das Deutsche Reich ebenfalls in der Mandschurei ) diese Gebiete an den Grenzen Rußlands vollständig kontrollieren würden.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte Rußland enorme Auslandsschulden angehäuft, und die Expansion und Gebietserweiterungen in Ost-asien (Mandschurei, Ferner Osten) dienten der Aufgabe, mittels Absicherung von Roh-stoffimporten und forcierten Kapital- und Warenexports die Industrialisierung voran zu treiben, die bis zu diesem Zeitpunkt über-wiegend durch Auslandskapital finanziert worden war.
Auf diese Art und Weise sollten langfristig die russischen Auslandsschulden beglichen werden können.
„Die langfristige Erschließung von Ab-satzmärkten und deren Sicherung, die „friedliche Durchdringung“ ökonomisch unentwickelter und machtentleerter Territorien … [dienen] der Stärkung der imperialen Position des Zarenreiches.“[5]
Heute, ein Jahrhundert nach der Liquidierung des Zarenreichs, sieht sich Rußland geopoli-tisch in der Defensive und aufgrund der Ge-bietsverluste als Folge des Zusammenbruchs des sowjetischen Imperiums als Verlierer. Finnland und das Baltikum gehören nicht mehr zum russischen Einflußbereich.
Historisch betrachtet aber waren die Grenzen des russischen Zarenreichs bis zum Jahr 1917 weit über die eigentlichen Grenzen des historischen Rußland hinaus geschoben.
Und in der Zeit der sowjetischen Herrschaft gelang es mittels Ultimaten, Verträgen und militärischer Erpressung oder Besetzung noch einmal, die Grenzen des Imperiums auf Ko-sten der Nachbarstaaten entscheidend zu erweitern.
Nahezu alle Nachbarstaaten wurden zu Gebietsabtretungen gezwungen[6] oder 1944/1945 erobert und besetzt[7] und dann die Grenzen verschoben.
Liste der Eroberungszüge und Kriegshand-lungen der russischen Armee:
1758 Nach einem ersten, vergeblichen Vorstoß russischer Truppen unter dem General Apraksin[8] nach Ostpreußen gelang im Januar 1758 der russischen Armee unter dem Befehl von Wilhelm von Fermor[9] die Eroberung und Besetzung der preußischen Provinz.
Rußland forcierte unter der Herrschaft der Zarin Elisabeth (1709–1762) eine Expansion nach Westen. Hauptziel war der Erwerb Semgallens und des Herzogtums Kurland. Beide Territorien standen unter polnischer Oberhoheit. Für deren Abtretung an Rußland sollte Preußen (Ostpreußen) besetzt werden, um es Polen zum Tausch anzubieten.
Die ostpreußische Bevölkerung wurde ge-zwungen, der Zarin Elisabeth zu huldigen, was den Eindruck verstärkte, daß das Land zum Bestandteil des russischen Staates gemacht wird.
An Amtsgebäuden wurde der preußische Adler durch den russischen ersetzt. Dieser russische Doppeladler fand sich an allen öffentlichen Gebäuden sowie auf amtlichen Siegeln.
Auch alle Zeitungen erschienen im Kopf mit diesem russischen Hoheitszeichen.
Graf Fermor und der als sein Stellvertreter im Köngsberger Schloß residierende Gouver-neur Nikolaus von Korff[10] blieben bis 1762 im Amt. Ostpreußen war in dieser Zeit eine russische Provinz (niemand ahnte, daß sich knapp zweihundert Jahre später die Ge-schichte wiederholen sollte).
Mit der Proklamation v. 16. Juli 1762 wurde der russische Generalleutnant Fedor Voejkov [11] neuer Gouverneur in Ostpreußen.
Am 6. August 1762 erließ Voejkov auf Befehl der Zarin Katharina ein Manifest, in dem der „zuvor geschlossene“ Friede bestätigt und die Einwohner Ostpreußens von ihrem der Kaise-rin Elisabeth geleisteten Treueid entbunden wurden.
Ostpreußen wurde wieder der Herrschaft des preußischen Königs unterstellt.
1761 Der Gouverneur von Sibirien, P. A. Sojmonow, erteilt 1761 den Befehl, das Volk der Ainu auf den Kurilen-Inseln sowie auf der Insel Hokkaidō, das die Russen zu jener Zeit noch als eine der Kurilen-Inseln betrachteten, Rußland gegenüber tributpflichtig zu ma-chen.[12] (1766 weiteten die Russen ihre Kontrolle auch über Iturup und Kunashir aus.)
Um den damals bereits geäußerten Ansprü-chen Japans auf diese beiden Inseln zu entgegnen, stellten die Russen dort im Jahr1768 Pfähle mit der Aufschrift „Kurilen“ auf).
1763 Rußland marschiert mit einer Armee von 15.000 Soldaten in das Herzogtum Kurland und Semgallen ein und erzwingt die Wiedereinsetzung des Herzogs Ernst Johann v. Biron.
Die Unrechtmäßigkeit dieser Intervention wurde von Katharina d. Großen eingeräumt, hielt diese jedoch im Interesse Rußlands geboten (Kurland wird 1795 von Rußland annektiert).
1764 Errichtung eines neues Gouverne-ments Neurußland in den eroberten osmanischen Gebieten (heutige Südukraine)
1766 Rußland übernimmt die Kontrolle auf den beiden südlichen zu Japan gehörenden Kurilen-Inseln Iturup und Kunashir.[13] (1785–86 gelang es den Japanern, die Russen aus Iturup und Kunashir zu verdrängen. Danach erneut eingedrungene Russen wurden von den Japanern im Jahr 1799 vertrieben. 1801 besetzten die Japaner schließlich auch die Insel Urup, wo ab
1795 bis 1807 die russische Siedlung Alexandra existierte.[14]
1768-1774 Russisch-Türkischer Krieg. Rußland annektiert das Gebiet der südlichen Ukraine, die Krim sowie Gebiete im Nord-kaukasus. Im Verlauf des Krieges besetzen russische Truppen die Moldau und die Walachei.[15]
Der Krieg 1768-1774 kennzeichnete das Ende des Osmanischen Reiches als Groß-macht. Rußland nutzte die zunehmende Schwäche des Osmanischen Reiches zugunsten der eigenen Expansion und setzt den Vormarsch bis Bulgarien fort. Nach einem Schlachtensieg in Bulgarien kommt es 1774 zum Frieden von von Kainardschi.[16] Rußland vorverlegt seine Grenze zum Osmanischen Reich. Die neue Grenze verläuft entlang des Flusses Bug (Südlicher Bug).
1772 Erste polnische Teilung: der östliche und nordöstliche Teil Weißrußlands mit Witebsk werden okkupiert und in das Rus-sische Reich eingegliedert.
1783 Annexion des Krim-Khanats und mit Erlaß vom 8. Februar (jul.)/ 19. Februar 1784 (greg.) als Oblast Taurien in das russische Kaiserreich eingegliedert.
1783 Ostgeorgien (Kartlien-Kachetien) wird unterworfen und schließt einen Schutzvertrag mit Rußland. 1801 wurde Kartlien-Kachetien per Dekret des Zaren annektiert und sein Königshaus entthront. Die Regionen im Westen des Landes blieben noch ein Jahr-zehnt lang staatlich unabhängig. Erst 1810 eroberte Rußland das georgische Königreich Imeretien.
1787 Rußland beginnt den 8. Türken-krieg[17], ausgelöst durch die Annexion der Krim durch Katharina II. i. J. 1783.
1792 Im Frieden von Jassy (rumänisch Iași) in der Moldau vom 9. Januar 1792 erkannte das Osmanische Reich den Verlust der Krim und des Nordufers des Schwarzen Meeres bis zum Dnjstr an. Der Dnjestr wird zur neuen Grenze zwischen Rußland und dem Osmani-schen Reich. Die kaukasische Grenze Rußlands blieb der Fluß Kuban.
1793 Zweite polnische Teilung: Weißrußland mit Minsk sowie Polesien, Podolien und der östliche Teil Wolhy-niens (später: Ost-Wolhynien) werden besetzt und in den russischen Staatsverband eingegliedert.
1795 Dritte polnische Teilung: Litauen u. Westwolhynien werden besetzt und in Rußland eingegliedert.
1795 Rußland annektiert das (unter pol-nischer Oberhoheit stehende) Herzogtum Kurland und Semgallen[18]. Kurland wird in eine russische Provinz (Gouvernement Kurland) umgewandelt und bildete neben dem damaligen Gouvernement Estland (dem heutigen Nordteil der Republik Estland) und Livland eines der drei russischen Ostsee-gouvernements, die vom deutsch-baltischen Adel zunächst jeweils autonom verwaltet wurden.
1796 Russisch-Persischer Krieg (3. Krieg mit Persien) Krieg um die Vorherrschaft und den Einfluß im Kaukaus (zeitweilige Besetzung Aserbaidschans)
1796 Bildung zweier neuer Gouvernements Taurien und Neurußland aus den annektier-ten Gebieten des Krim-Khanats
1801 Mit einem Dekret des russischen Zaren wird das georgische Teil-Königreich Kartlien-Kachetien annektiert und das Königshaus entthront.
Die Regionen im Westen Georgiens blieben noch ein Jahrzehnt lang staatlich unabhängig.
1806 Beginn des Russisch-Türkischen Krieges (1806-1812)[19]. Der Krieg endet mit der Annexion Bessarabiens[20] beim Friedensschluß 1812.
1806-1812 7. Russisch-Türkischer Krieg und Frie-den von Bukarest 1812 (28. Mai 1812)
Die Grenze zwischen dem Osmanischen und Russischen Reich verlief ab 1812 nicht mehr am Dnjestr (Dnister), sondern rund 100 km weiter westlich am Pruth. Für diesen Terri-torialgewinn verzichtete Rußland auf die osmanisch beherrschten Donaufürstentümer Moldau (westlich des Pruth) und Walachei.
1804-1813 4. Russisch-Persischer Krieg um die Vorherrschaft im Kaukaus
1810 Rußland erobert und besetzt das georgische Königreich Imeretien.
1812 Besetzung und Annexion Bessara-biens[21] durch Rußland. Das Territorium, formal vom Fürstentum Moldau (osmanischer Vasallenstaat) abgetreten, wird als Gouvernement Bessarabien in das Russische Kaiserreich eingegliedert. Rußland (unter der Regierung Alexanders I.) verschiebt die bis 1812 am Dnjestr verlaufende Grenze zum Osmanischen Reich an den Pruth.
1812 Rußland annektiert infolge des Bukarester Friedens das georgisch-grusinische Königreich Imeretien mit der Hauptstadt Kutaissi im Kaukasus (heute: Georgien/Grusinien).
1813 Frieden von Gulistan: Persien verlor alle seine Territorien nördlich des Flusses Aras mit Ausnahme der Khanate Eriwan und Nachitschewan und erkannte die Autorität Rußlands in diesem Gebiet an.[22] Persien verlor das Recht, mit seinen seinen Kriegs-schiffen auf dem Kaspischen Meer zu segeln, und Rußland erhielt das Alleinrecht, eine Militärflotte auf dem Kaspischen Meer zu stationieren.
Die Georgier, Aserbaidschaner und Dage-staner wurden infolge dieses Vertrages von Gulistan mit Gewalt ins russische Zarenreich integriert.[23]
1813 Einmarsch russischer Truppen und unter russischem Befehl stehender Kosa-kenverbände im Rheinbundstaat Königreich Sachsen.[24]
Nach der Völkerschlacht von Leipzig[25] verbleiben die Russen als Besatzungstruppe in Sachsen, das als besiegte feindliche Macht behandelt wird. Maßgeblich unter russischer Beteiligung wird ein Generalgouvernements Sachsen (1813- 1815) als Teil des sogenann-ten Zentralverwaltungsdepartements und Besatzungsgebiet gegründet.
Dieses „General-Gouvernement der Hohen Verbündeten Mächte“ wurde im Oktober 1813 gebildet und umfaßte das Territorium des sächsischen Staates sowie Sachsen-Altenburg, die preußischen Territorien und beide Fürstentümer Schwarzburg.
Generalgouverneur war von Dez.1813 bis Nov. 1814 der russische Fürst Repnin-Wolkonski, danach besetzten Preußen dieses Amt (Staatsminister von der Beck, Minister Eberhard von der Recke als Zivilgouverneur, zuletzt Friedrich Wilhelm Leopold Freiherr von Gaudi).Der preußische Generalmajor v. Gaudi wurde am 21.06.1815 vom preußischen König zum Präses der Teilungskommission in Dresden berufen. Im Januar 1815 wurden etwa zwei Fünftel des sächsischen Staats-gebietes abgetrennt und in einem neuen preußischen Herzogtum Sachsen zusammengefaßt.[26]
Das Generalgouvernement wurde bereits am 06.06.1815 aufgelöst. Preußen annektier-te mit Duldung Rußlands zwei Fünftel des Staatsgebietes von Sachsen (mit drei Fünftel der Bevölkerung) und bildete im Juni 1815 aus dem Herzogtum Sachsen eine neue preußische Provinz Sachsen, die bis 1944 bestand.
1817-1864 Kaukasuskriege Rußlands. In den Kaukasuskriegen unterwarf die russische Armee das nördliche Gebiet des Kaukasus und annektiert diese Gebiete.[27] Mehrere Kaukasusvölker werden unterworfen (Tscherkessen, Adygen, Tschetschenen, Balkaren, Karatscheier, Abasinen, Abchasen, Dagestaner)[28]
Der Kaukasuskrieg endete mit der Vertrei-bung von mehreren hunderttausend Menschen ins Osmanische Reich, die sich auf dem Territorium der heutigen Türkei, Syriens, Jordaniens, Israels, Ägyptens und anderer nahöstlicher Staaten ansiedelten.
1821 Rußland besetzt erneut die Donau-fürstentümer Moldau und Walachei, die, formal Vasallenstaaten des Osmanischen Reiches, seit dem Frieden von Kainardschi (1774) zunehmendem russischem Einfluß erliegen.
1826-1828 5. Russisch-Persischer Krieg[29]
1828 Russisch-Türkischen Krieges 1828–1829)
Während des Krieges (1828–1829) besetzten russische Truppen die Walachei und die Moldau.
1828 Friede von Turkmantschai: Rußland annektiert die persischen Khanate Jerewan (heute Armenien) und Nachitschewan (heute zu Aserbaidschan).[30]
1829 Frieden von Adrianopel (14.09.1829). Rußland gewinnt nahezu die gesamte Do-naumündung sowie große Teile Armeniens. Die Donaufürstentümer, Vasallenstaaten des Osmanischen Reiches, erlangen die vollstän-dige Autonomie. Die Machtbefugnisse Rußlands werden zunehmend ausgebaut, während die Rechte der Pforte einschränkt und diejenigen der beiden Fürstentümer eliminiert werden. Im weiteren Verlauf werden die einheimischen Fürsten zu russischen Statthaltern degradiert, die für alle inneren Verwaltungsangelegenheiten Befehle direkt aus Sankt Petersburg erhielten.
um 1850 Mit dem aggressiven Vordringen Rußlands im östlichen Sibirien gelangte auch die zum Kaiserreich China gehörende Mand-schurei in die Interessensphäre des Zarenreichs.
1853- 1856 Krimkrieg. Der Krieg begann als neunter Russisch-Türkischer Krieg, in den die westeuropäischen Mächte eingriffen, um eine Gebietserweiterung Rußlands auf Kosten des geschwächten Osmanischen Reichs zu verhindern.[31]
1855 Vertrag von Shimoda zwischen Ruß-land und Japan v. 7. Febr. 1855. Der Vertrag legte den Verlauf der russisch-japanischen Grenze fest: Die Kurilen-Inseln nördlich von und einschließlich Urup wurden zu russi-schem Territorium, die Inseln südlich von und einschließlich Etorofu[32] zu japanischem Gebiet erklärt. Die Insel Sachalin wurde gemeinsamer Besitz.
1858 Vertrag von Aigun v. 28. Mai 1858. Rußland nötigte China in diesem Vertrag das gesamte Gebiet nördlich des Amur ab. China wurde damit gezwungen, mehr als 500.000 km² seines mandschurischen Territoriums an Rußland abzutreten.[33] Damit fällt die sog. Äußere Mandschurei[34] endgültig an Rußland.
1860 Pekinger Konvention u. Vertrag v. Peking v. 18. Oktober 1860[35]
Rußland annektiert zusätzlich das Küsten-gebiet aus dem östlich vom Ussuri gelegenen nordöstlichen Teil der chinesischen Provinz Jilin und den am unteren Amur gelegenen nördlichen Teil der chinesischen Provinz Heilongjiang.[36] Noch im selben Jahr ließ Zar Alexander II. im Süden des neu erworbenen Gebietes den russischen Marinehafen Wladiwostok (= „Beherrsche den Osten“) gründen.
1866 Beginn der Unterwerfung des usbeki-schen Emirats Buchara unter russische Herrschaft. In der Schlacht von Irdschar v. 20. Mai 1866 wurde die Streitmacht des Emirats vernichtet.
1868 Nach der Unterwerfung der Kasak-Kirgisen (heute Kasachen) erfolgt die Gründung und Errichtung eines General-gouvernements Turkestan.[37]
In der Auseinandersetzung mit China um Dominanz, Einfluß und Kontrolle Zentral-asiens hatte Rußland die Expansion nach Süden beschlossen und voran gebracht.
1868-1873 Vollständige und endgültige Eroberung und Besetzung der usbekischen Staaten Emirat Buchara, Khanat Chiwa und Khanat Kokand. Buchara und Chiwa bleiben formal selbständig, unterstehen als Protek-torate jedoch russischer Schutzherrschaft.[38]
Kokand wird annektiert, Samarkand russisch besetzt.
1875 Vertrag von St. Petersburg. Erwerb von Sachalin durch Rußland. Der Vertrag von Sankt Petersburg wurde 1875 zwischen Japan und Rußland geschlossen. In diesem ver-zichtete Japan auf die Insel Sachalin zugunsten der Kurilen bis zur Halbinsel Kamtschatka.
1876 Besetzung des heutigen Kirgisien (Kirgistan) und Eingliederung in das Generalgouvernement Turkestan (Oblast Fergana u. Oblast Semiretschje)
1878 Frieden von San Stefano (3.03.1878)[39]
1878 Im Gefolge des Russisch-Türkischen Krieges annektiert Rußland Gebiete des Osmanischen Reiches: das Gebiet von Kars (Provinz Kars, Osmanisch-Armenien), die Provinz Ardahan und Batumi (Adscharien) (Friedensvertrag von San Stefano v. 3. März 1878).[40]
1894 Russische Truppen erobern und be-setzen das Gebiet des heutigen Turkmenien (Turkmenistan) und gliedern das Territorium in das Generalgouvernement Turkestan ein (Turkmenistan bildete einen Oblast Transkaspien).
1898 Besetzung der nördlichen Mandschurei durch Rußland und Gründung der Stadt Har-bin als Bahnstation der zwischen 1897-1903 gebauten Transmandschurischen Eisenbahn, der kürzesten Verbindung zwischen Tschita (Transbaikal-Region) an der Transsibiri-schen Eisenbahn und Wladiwostok[41]
1903 Aufmarsch und Bereitstellung russi-scher Truppen in der Mandschurei und in Korea aufgrund drohender Konfrontation mit Japan.
1905 Rußland muß aufgrund des Friedens-vertrages von Portsmouth v. 5. September 1905, der den Russisch-japanischen Krieg beendet, die Mandschurei räumen. Jedoch behält sich Rußland trotz des verlorenen Krieges Territorial- und Hoheitsrechte vor und sichert den Behalt der Mandschurischen Eisenbahn.
1911 Infolge der chinesischen Xinhai-Revolution spaltete sich das damals als Äußere Mongolei (heute: Mongolei) bezeich-nete Gebiet, zu dem auch die Provinz Tannu-Urjanchai gehörte, vom Kaiserreich China ab. Unterstützt durch Rußland bildete sich eine separatistische Bewegung, die am 15. Februar 1912 die Unabhängigkeit von Tuwa unter dem Namen „Republik Urjanchai“ proklamierte.[42]
1914 Im April 1914 errichtete das Russische Kaiserreich auf dem größten Teil des tuwi-nischen Gebietes das „Protektorat Urjanchajski Kraj“ (Урянхайский край, Region Urjanchai), um die dort ansässigen Händler und die rund 4.000 russischen Siedler zu schützen.
Zur Verwaltung des Gebietes[43] gründeten die Beauftragten der russischen Regierung die Siedlung Belozarsk (russisch Белоцарск, Weiße Stadt des Zaren).
1917 leben 12.000–15.000 russische Siedler und 60.000 Tuwiner in diesem Gebiet.
1914 Wie in den Vorkriegsplanungen vor-gesehen, versammelte die deutsche Oberste Heeresleitung nach der Kriegserklärung an Rußland (1. August 1914) im Osten zunächst nur einen einzigen Großverband, die 8. Armee (10 1/2 Infanterie-Divisionen, 1 Kavallerie-Division) in Ostpreußen.
Mit dem am 17. August 1914 beginnenden Eindringen der russischen 1. Armee nach Ostpreußen setzten im Osten die Operationen von strategischer Bedeutung ein (vgl. Gefecht bei Stallupönen: 17. August 1914 östlich von Stallupönen, wenige Kilometer westlich der bei Eydtkuhnen verlaufenden deutsch-russischen Grenze).
Die russische 2. Armee überschritt die deutsche Grenze zwei Tage später. Nach der deutschen Niederlage bei Gumbinnen (19.–20. August) wurden der Oberbefehlshaber und der Stabschef der 8. Armee, die in einem Telefongespräch mit der OHL be-zweifelt hatten, daß die Weichsellinie zu halten sein würde, abgelöst und durch Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff ersetzt.
Gleichzeitig entschied Moltke, die 8. Armee durch zwei aus dem Westen abzuziehende Armeekorps zu verstärken. Noch bevor diese Truppen eintrafen, konnte die 8. Armee die russische 2. Armee in der Schlacht bei Tan-nenberg (23.–31. August 1914) fast voll-ständig zerschlagen. Wenig später unterlag in der Schlacht an den Masurischen Seen (8.–10. September) auch die russische Armee, die sich anschließend über die Grenze zurückzog.
Damit war der russische Vorstoß gegen Ostpreußen gescheitert.
Von der kurzen russischen Besetzung Ost-preußens blieben nur Königsberg und fünf Landkreise verschont. Die Schäden waren enorm: 39 Städte und etwa 1900 Dörfer waren verwüstet. 1.491 Zivilisten waren während der russischen Besatzung getötet worden, so wurden beim Massaker von Abschwangen 65 Zivilisten von russischen Truppen erschossen.
Allein aus den masurischen Kreisen Ostpreußens wurden 2.713 Zivilisten deportiert.
Die deutsche Kriegsschadenskommission bezifferte die eingetretenen Sachschäden mit 1,5 Milliarden Goldmark.
1919 Besetzung Weißrußlands durch die Rote Armee und Liquidierung der Weißrussischen Volksrepublik.[44]
1919-1921 Sowjetisch-polnischer Krieg. Die Rote Armee rückt bis vor die Tore Warschaus vor.
13.-25. August 1920 Schlacht von Warschau, Niederlage der Roten Armee. Der Krieg endet mit dem Frieden von Riga 1921.
1920 Besetzung der Ukraine, Januar 1920 Liquidierung der Ukrainischen Volksrepu-blik, Ausrufung einer Ukrainischen Sowjetrepublik und 1922 Anschluß an die Sowjetunion[45]
1920 Die Rote Armee besetzt nach der Schlacht um Buchara v. 28. Aug. 1920 das ab 1917 wieder selbständige Emirat Buchara und unterwirft das Land sowjetrussischer Herrschaft.
1920 Annexion der mittelasiatischen Staaten Khanat Chiwa und Emirat Buchara durch Sowjet-Rußland; Auflösung dieser Staaten und Eingliederung in die Volksre-publik Choresmien[46], danach in die Turkestanische Sowjetrepublik[47]
1921 Friedensvertrag von Riga v. 18. März 1921. Durch diesen Vertrag gewinnt Polen einen erheblichen Gebietszuwachs. Sowjet-Rußland verzichtet mit diesem Vertrag auf einen großen Teil der in den polnischen Teilungen 1772, 1793 und 1795 gewonnenen Gebiete.
Eine Folge des Vertrages ist die Teilung Weißrußlands. Der westliche Teil fällt an Polen, der östliche Teil mit Minsk wird faktisch von Sowjet-Rußland annektiert, bildet formal eine Weißrussische Sowjet-republik (100.000 km²), der 1924 und 1926 administrativ westrussische Gebiete (Gomel, Mogilev/Mogiljow, Witebsk) angegliedert werden.
1921 10.000 Soldaten der Roten Armee marschieren in die Äußere Mongolei[48] ein und unterwerfen das Land ab dem 3. Juli 1921. Die Hauptstadt Urga[49] wird besetzt und am Juli 1921 wird die formale Unab-hängigkeit der Äußeren Mongolei verkündet.
Das Land bleibt jahrzehntelang sowjetisch besetzt und ist als Satellitenstaat faktisch ein Teil der Sowjetunion, lediglich nominell selbständig (Ausrufung der sog. Mongoli-schen Volksrepublik am 26. Nov. 1924)[50], erlag jedoch vollständiger und umfassender Sowjetisierung.
1934: Einmarsch der Roten Armee in Ost-Turkestan . Der Einmarsch diente der direkten Einflußnahme auf die weitere politische Entwicklung in diesem riesigen Territorium (1.665.000 km²) und der Etablierung eines dem der Sowjetunion vergleichbaren politischen Systems mit dem Ziel, Ostturkestan zu annektieren und in den Staatsverband der Sowjetunion zu integrieren.[51]
1937: 2. Intervention und Einmarsch der Roten Armee in Ost-Turkestan. Nach der sowjetischen Intervention 1937 und der Unterdrückung von tunganischen und uigurischen Rebellen im Süden von Xinjiang und der Liquidation der 36. Tungan-Division und der 6. Uigurischen Division zog die sowjetische Regierung nur einen Teil der Truppen ab. Ein Regiment des Ministerium für Innere Angelegenheiten verblieb in Kumul, um eine mögliche Offensive der japanischen Armee abzuwehren, die bereits die Innere Mongolei erobert hatte.
Am 26. November 1940 schloß Sheng Shicai[52] eine Übereinkunft mit der UdSSR, die den Sowjets weitere Konzessionen in Ostturkestan (Xinjiang) auf 50 Jahre garan-tierte, inklusive Gebieten, die an Indien und Tibet angrenzten. Dadurch wurde Xinjiang fast komplett unter politische und wirt-schaftliche Kontrolle der UdSSR gestellt.[53]
1939 Infolge des Zusammenbruchs des polnischen Staates im Sept. 1939 wurde das Territorium Westgaliziens Teil des General-gouvernements für die besetzten polnischen Gebiete, damals inoffiziell auch als „Neben-land des Deutschen Reiches“ bezeichnet, und bildete den Distrikt Krakau. Ostgalizien dagegen wurde 1939 von der Sowjetunion annektiert, in die Ukrainische Sowjetrepublik eingegliedert und verblieb bis 1941 im Machtbereich Stalins.[54]
1939 Ultimatum an Rumänien in Bezug auf die Abtretung Bessarabiens. Am 24. August 1939, eine Woche vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, schlossen Deutschland und die Sowjetunion den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurden die territorialen Interessenbereiche der beiden Staaten in Ost- und Südosteuropa und in Skandinavien festgelegt.
In diesem Zusatzprotokoll war zwar nur die Rede von Bessarabien, aber die Sowjetunion besetzte am 28. Juni 1940 neben dem Territorium Bessarabiens auch den nördli-chen Teil der Bukowina.
Dem voraus gegangen war ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum zur Abtretung, dem Rumänien kampflos nachkam. Nach der Besetzung des Territoriums durch die Rote Armee wurden 250.000 rumänischsprachige Moldauer nach Zentralasien und Sibirien deportiert.
Von der Verfolgung waren nur die Bessa-rabiendeutschen ausgenommen, die unter dem Schutz des Deutschen Reichs standen und bis November 1940 als sog. Vertrags-umsiedler ausgesiedelt wurden.
1939 Polnisch-sowjetischer Krieg 1939[55]. Vom 17.-22. Sept. 1939 besetzte die Rote Armee Ostpolen (200.000 km²), faktisch fast genau die östliche Hälfte des bis dahin exi-stierenden polnischen Staates. Die sowjeti-sche Besetzung Ostpolens, der Kresy, begann mit dem Einmarsch der Roten Armee am 17. September 1939, nachdem deutsche Truppen am 1. Sept. 1939 die deutsch-polnische Grenze überschritten und die polnischen Hauptstreitkräfte bei Kutno eingekesselt hatten. Die letzten regulären polnischen Einheiten kapitulierten am 6. Oktober 1939. Sofort nach der Besetzung Ostpolens setzten Repressionsmaßnahmen des sowjetischen Geheimdienstes ein.
Von 1939 bis 1941 wurden in Ostpolen insgesamt etwa 110.000 Menschen verhaf-tet. Das Schicksal der Häftlinge verlief unterschiedlich und ist teils nicht vollständig geklärt. Die bekannten Opfer sind z. B. ca. 40.000 Menschen, die in das Arbeitslager Workuta verschleppt wurden; eine andere Gruppe, ca. 7300 Zivilisten, wurde nach einigen Monaten in Gefängnissen in Weißrußland und der Ukraine, im Frühling 1940 in Bykiwnja (bei Kiew) und in Kurapaty (bei Minsk) ermordet. Weitere ca. 10.000 wurden im Sommer 1941 bei der Evakuierung der Gefängnisse ermordet.
Im Zuge der Sowjetisierung der annektierten polnischen Gebiete wurden mehrere hun-derttausend polnische Staatsbürger gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Zwischen Februar 1940 und Juni 1941 wurden – nach Lage der Akten des NKWD – in vier großen Wellen insgesamt 330.000 Personen nach Sibirien und Zentralasien deportiert.
Bis 1993 wurde in der polnischen Forschung geschätzt, daß 800.000 bis 1,2 Millionen Menschen deportiert worden seien. Diese Angaben werden nach Öffnung der sowje-tischen Archive heute als überhöht angesehen, erscheinen dennoch wahrscheinlich.[56]
1939 Estland: Am 24. Sept. 1939 verlangte die Sowjetunion von Estland ultimativ die Erlaubnis, in Estland Militärbasen einrichten zu dürfen. Zugleich versprach die Sowjet-union, die estnische Souveränität nicht antasten zu wollen. Für den Fall der Weigerung drohte sie mit einem Angriff. Solche Forderungen ergingen auch an Lettland und Litauen, sowie an Finnland. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatte die Sowjetunion entlang der estnischen und lettischen Grenze insgesamt 437.235 Mann, 2.635 Geschütze und 3.052 Panzer stationiert. Gleichzeitig blockierte die Rote Flotte den Zugang zur See, und sowjetische Flugzeuge drangen in den estnischen Luftraum ein.
Unter diesem militärischen Druck und im Vertrauen auf das Versprechen, die eigene Souveränität behalten zu dürfen, akzeptierte die estnische Regierung das Ultimatum. Am 28. Sept. 1939 unterzeichneten Estland und die Sowjetunion einen Vertrag über „gegen-seitige Hilfeleistung“.
Auch Lettland und Litauen unterwarfen sich den sowjetischen Forderungen.
Lediglich Finnland lehnte ab und wurde in-folgedessen 1940 von der Sowjetunion angegriffen, konnte seine Unabhängigkeit jedoch auf Kosten von Gebietsverlusten behaupten. Die Sowjetunion arbeitete dennoch Pläne zur vollständigen Annexion der beiden Baltenstaaten, Litauens und Finnlands aus.
Mit der Direktive Nr. 02622 vom 9. Juni 1940 wurden Vorbereitungen für einen Angriff der Roten Armee auf Estland eingeleitet. Das Land wurde zu Land, zur See und zur Luft blockiert. Am 14. Juni 1940 schoß die sowjetische Luft-waffe das finnische Passagierflugzeug Kaleva ab, das auf dem Weg von Tallinn nach Helsinki war.
Am selben Tag stellte die Sowjetunion Litauen ein Ultimatum. Ein solches erging an Estland am 16. Juni 1940. Es forderte den baltischen Staat dazu auf, die Stationierung weiterer 100.000 sowjetischer Soldaten zuzulassen und eine prosowjetische Regierung zu bilden.
Noch bevor die estnische Regierung dem Ultimatum zustimmte, hatten bereitste-hende Militärverbände die Grenze bereits überschritten. Die nunmehr 115.000 im Land befindlichen sowjetischen Soldaten besetzten umgehend Bahnhöfe, Häfen und Flughäfen, sowie Postämter und Verwal-tungsgebäude und übernahmen dort jeweils die Kontrolle.
Damit hatte Estland seine Unabhängigkeit de facto bereits am 17. Juni 1940 verloren.
1939 Ultimatum an Lettland v. 5. Okt. 1939 zur Abtretung von Marinehäfen an die Rote Armee. Die Sowjetunion zwang Lettland ein Beistands- und Stützpunktabkommen auf, das der lettische Außenminister Vilhelms Munters am 5. Oktober 1939 unterzeichnen mußte.
Unter sowjetischem Druck Abschluß eines Beistandspakt mit der Sowjetunion und Zulassung der Stationierung sowjetischer Truppen im Land.
1939/1940 Finnisch-sowjetischer Krieg (Finnischer Winterkrieg), 30. Nov. 1939 bis zum März 1940, finnisch-sowjetischer Krieg.
Durch den Friedensvertrag v. 13. März 1940 verlor Finnland große Teile Kareliens, darunter die gesamte Landenge und große Gebiete nördlich des Ladogasees.
Rund 420.000 Finnen flohen aus den verlorenen Gebieten und mußten von staatlicher Seite bei einer Neuansiedlung unterstützt werden. Mit den abgetretenen Gebieten verlor das Land rund zehn Prozent seiner Agrarwirtschaft und Industrie.
1940: Juni 1940: Ultimatum der Sowjetunion an Litauen, Rücktritt von Präsident Antanas Smetona,
17.06.1940 Einmarsch der Roten Armee, Eingliederung des Landes in die UdSSR Nach dem sowjetischen Ultimatum erlegte die Sowjetunion Litauen am 10. Okt.1939 einen Scheinvertrag auf, der das Ende der Souveränität Litauens bedeutete. Litauen wurde das zuvor polnisch und ab September 1939 sowjetisch besetzte Gebiet von Vilnius einschließlich der Stadt Vilnius zuerkannt, und die Sowjetunion konnte zum angeblichen Schutz Litauens erste Truppen in Litauen stationieren und acht Flugplätze einrichten.
Am 15. Juni 1940 marschierte schließlich die Rote Armee in Litauen ein und annektierte das Land. Nach der Aggression wurde die Regierung Litauens nun durch moskautreue Personen wie Antanas Sniečkus ersetzt, die Litauische Sozialistische Republik erklärt und um Aufnahme in die Sowjetunion „ersucht“. Am 3. August 1940 trat die neugegründete „Litauische Sozialistische Sowjetrepublik“ der Union der Sowjetstaaten bei.[57]
1940 Einmarsch der Roten Armee in Lettland am 17. Juni 1940. Die Regierung hatte dem Einmarsch zwar am 16. Juni unter Druck zugestimmt, war danach jedoch zurückgetreten, Präsident Kārlis Ulmanis verhängte daraufhin am 18. Juni den Ausnahmezustand.
Am 20. Juni 1940 ernannte Ulmanis den sozialdemokratischen Professor Augusts Kirhenšteins zum Ministerpräsi-denten und Außenminister. Es folgte die Annexion des Landes und Eingliederung in die Sowjetunion als „Lettische Sozialistische Sowjetrepublik“.
Ulmanis rief die Letten dazu auf, keinen Widerstand zu leisten, der aufgrund der militärischen Übermacht der Sowjets ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Noch heute ist der Satz
„Ich werde an meinem Platz bleiben und ihr werdet an Eurem Platz bleiben“
aus seiner Rundfunkansprache zu Beginn der Okkupation vielen Letten bekannt. Obwohl Ulmanis nach Informationen des US-Außen-ministeriums die Erlaubnis zur Ausreise in die Schweiz erhalten habe, wurde er von den Sowjets verhaftet und deportiert. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Näheres über sein weiteres Schicksal bekannt:
Ulmanis starb demnach während des Zweiten Weltkrieges in einem Gefängnis in Krasno-wodsk, dem heutigen Türkmenbaşy, in Turkmenistan.
Etwa 35.000 Letten wurden 1940 bis 1941 nach Sibirien deportiert, davon allein 15.000 in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 1941. Ein Drittel der in jener Nacht deportierten Letten waren Juden.
Nov. 1940 Besuch des sowjetischen Außenministers Wjatscheslaw Molotow.[58]
In der Geschichtsschreibung bleiben die von dem sowjetischen Außenminister Wjat-scheslaw Molotow bei seinem Besuch im November 1940 in Berlin Adolf Hitler gegenüber formulierten Territorialforderungen und Ansprüche der sowjetischen Seite hinsichtlich Einflußzonen auf dem Balkan und in Skandinavien in der Regel unberücksichtigt. Molotow hatte namens der Sowjetunion den Anspruch auf die Kontrolle in Skandinavien und Finnland erhoben und den gesamten Balkan sowie den Bosporus und die Dardanellen als sowjetische Einflußzone deklariert. Damit wären die Ausgänge in die Nordsee und in das Mittelmeer sowjetischer Kontrolle erlegen.
Darüber hinaus forderte Molotow im Auftrag Stalins Korrekturen an der 1939 infolge der Teilung Polens entstandenen Ostgrenze zwischen der Sowjetunion und Deutschland.
Diese unannehmbaren und weitreichenden territorialen Forderungen waren für Deutschland nicht hinnehmbar, jedoch ein Indiz für die expansive Ausrichtung des Riesenlandes im Osten und einer der Gründe für die Vorbereitung des Einmarsches in die UdSSR ein Jahr später.
Am 26. Nov. 1940 ging in Berlin eine sowje-tische Zusage ein, das geplante Abkommen mit dem Dreimächtepakt Deutschland-Italien-Japan unter bestimmten Vorausset-zungen anzunehmen. Die sowjetischen Forderungen waren der Rückzug der Wehrmacht aus Finnland und die Einräumung von Stützpunkten der Roten Armee am Bosporus und an den Dardanellen. Von Japan wurde der Verzicht auf seine Öl- und Kohle-Konzessionsrechte in Nord-Sachalin verlangt. Darüber hinaus definierte die UdSSR den gesamten Raum südlich von Batumi[59] und Baku[60] als sowjetische Einflußzone.
1944 Die formal selbständige Tuwinische Republik (Tannu-Tuwa)[61] wird Teil der Sowjetunion.
1944 Erster Vorstoß der Roten Armee auf deutsches Gebiet im Rahmen der Memeler Operation (5.-22.10.1944). Die Schlacht von Memel (bzw. gemäß russischer Geschichts-schreibung die Memeler Angriffsoperation) führte zur Belagerung von Memel (22.10.1944 bis 27.01.1945).
Die Schlacht begann, als die Rote Armee Anfang Oktober 1944 ihre Offensive gegen die ostpreußische Hafenstadt Memel startete. Die Offensive trieb die verbliebenen deut-schen Streitkräfte im Gebiet des heutigen Litauens und Lettlands in einen kleinen Brückenkopf in Memel (jetzt Klaipėda Memel) und dessen Hafen zurück. Danach kam es zu einer dreimonatigen Belagerung, der Brückenkopf von Memel konnte von den sowjetischen Truppen erst im Zuge der Ostpreußischen Offensive im Januar 1945 eingenommen werden.
1944 Zweiter Vorstoß der Roten Armee auf das Territorium Ostpreußens (16.-30.10.1944) In der Gumbinnen-Goldaper Operation (16. bis 30. Oktober 1944) dringt die Rote Armee mehr als 50 km weit auf ostpreußisches Gebiet ein und besetzt zeitweise das Gebiet der Kreise Schloßberg (Pillkallen), Ebenrode (Stallüpönen) sowie den Ostteil des Kreises Gumbinnen. Insgesamt besetzt die Rote Armee etwa 2.000 km². Die sowjetischen Verluste betrugen 17.000 Mann, die Deutsche Wehrmacht verlor 40.000 Soldaten.
Am 21. Oktober 1944 kam es zum Massaker von Nemmersdorf (heute Majakowskoje, Nord-Ostpreußen, Oblast Kaliningrad).
1945 Dritter Vorstoß auf das deutsche Reichsgebiet: Schlacht um Ostpreußen 13. Januar bis April 1945.
Den deutschen Verteidigern, etwa 580.000 Soldaten (3. Panzerarmee unter Erhard Raus und der 4. Armee unter Friedrich Hoßbach (ab 30. Januar unter Friedrich-Wilhelm Müller) und 200.000 Angehörige des Volkssturms, standen die 2. Weißrussische Front unter Konstantin Rokos-sowski, die 3. Weißrus-sische Front unter Iwan Tschernjachowski (ab 20. Februar unter Alexander Wassilewski) und die 43. Armee der 1. Baltischen Front unter Hovhannes Baghramjan mit einer Gesamtstär-ke von 1,67 Mio. Soldaten, 25.000 Geschützen, 3.000 Panzern und 3.000 Flugzeugen gegenüber.
Die Rote Armee führte sechs Teiloperationen durch: die Insterburg–Königsberger, Mlawa–Elbinger, Heilsberger, Braunsberger, Sam-lander und die Königsberger Operation (ab 6. April 1944 Schlacht um Königsberg).
Die deutschen Verteidigungsstreitkräften bestanden aus 41 Divisionen und 6 Brigaden mit 8.200 Geschützen, 700 Panzern und 700 Flugzeugen. Ihnen gegenüber standen die 2. Weißrussische Front unter Konstantin Rokos-sowski, die 3. Weißrussische Front unter Iwan Tschernjachowski (ab 20. Februar unter Alexander Wassilewski) und die 43. Armee der 1. Baltischen Front unter Hovhannes Baghramjan mit einer Gesamtstärke von 1,67 Mill. Soldaten, 25.000 Geschützen, 3.000 Panzern und 3.000 Flugzeugen.
Am 9. April fällt Königsberg, Pillau wird am 25. April erobert.
Die Rote Armee eroberte Ostpreußen, ver-nichtete nach eigenen Angaben 25 deutsche Divisionen vollständig (weitere 12 verloren 50 bis 70 Prozent ihrer Stärke) und nahm 220.000 deutsche Soldaten gefangen. Große Mengen an Kriegsgerät, etwa 5.000 Geschütze, 400 Panzer und 300 Flugzeuge wurden erbeutet oder zerstört. Nach sowjetischen Angaben verlor die Rote Armee 584.774 Soldaten (davon 126.464 Gefallene), 3.525 Panzer und Selbstfahrlafetten und 1.450 Flugzeuge. Die deutschen Verluste allein in der Schlacht um Königsberg beliefen sich 135.000 Soldaten (42.000 deutsche Soldaten waren gefallen und weitere 92.000 gingen in sowjetische Gefangenschaft).
Die deutschen Gesamtverluste können nur geschätzt werden, da die Deutsche Wehr-macht ab dem 31. Januar 1945 nicht mehr in der Lage war, die eigenen Verluste zu erfas-sen und Gefallenenmeldungen anzufertigen. Es ist von insgesamt 150.000-200.000 deutschen Gefallenen allein in den Kämpfen um Ostpreußen auszugehen. Von den 660.000 in Ostpreußen zurückgebliebenen deutsche Einwohnern (etwa 25 % der Gesamtbevölkerung) fallen bis Mitte des Jahres 1947 450.000 der Besatzungsherrschaft zum Opfer.
Allein in Ostpreußen existieren drei sow-jetische Konzentrationslager, darüber hinaus mehrere Haft- und Zwangsarbeitslager. Die Insassen gehen an den Haftbedingungen, an unzureichender Ernährung, fehlender medizinischer Versorgung, an Übergriffen und Folterungen zugrunde.
Erschießungen von Zivilisten im gesamten Besatzungsgebiet sind an der Tagesordnung.
Etwa 120.000 Zivilisten werden in das Innere der Sowjetunion deportiert oder in eines der Sammel-, Filtrierungs- und Transport-Lager der drei sowjetischen Geheimdienste eingewiesen.[62] Die sowjetischen Geheim-dienste NKWD/MWD und Smersch führten mit Beginn der Besatzungsherrschaft in Ostpreußen (sowie in der gesamten SBZ) in Anwendung des geheimen Stalin‘schen Befehls Nr. 00315 Massenverhaftungen „gefährlicher Deutscher“ zwecks Einlieferung in Speziallager durch.
Im deutschen Sprachgebrauch wurden diese sowjetischen Dienste allgemein „GPU“ genannt. Die Bezeichnung war durch den Propagandafilm GPU von Karl Ritter aus dem Jahr 1942 populär.[63] Alleine die sog. Inneren Truppen des NKWD, die den Kampf-truppen der Roten Armee nach den Troß-Verbänden in der dritten Welle folgten, umfaßten etwa 500.000 Mann (49 Divi-sionen). Diese waren die eigentlichen Träger des Besatzungsterrors und der Massenverhaftungen, von denen der größte Teil der deutschen Zivilisten betroffen war.[64]
1945 Die Sowjetunion erhebt Anspruch auf die Insel Fehmarn, um diese an die SBZ angliedern und die Ostseeausgänge kon-trollieren und sperren zu können.[65]
1945 Am 20. September wurden die beiden großen Inseln der Südkurilen in Iturup und Kunashir umbenannt und 1946 von der Sowjetunion an-nektiert.[66] Die japanische Bevölkerung von etwa 17.300 Menschen wurde bis zum Frühling 1946 vertrieben. Ebenfalls sowjetischer Kontrolle unterworfen wird Shikotan und die Habomai-Inselgruppe.[67]
1946 Die Sowjetunion annektiert den nördlichen Teil von Ostpreußen[68] und gliedert das Gebiet als Oblast Kaliningrad in die Russische Föderation (Russische Sowjetrepublik) ein.
Das Gebiet wird entsiedelt und entvölkert.[69] Die 1947 noch lebenden 146.000 Ostpreußen werden in die SBZ ausgesiedelt.[70]
Im Juli 1945 wird der Besondere Militärbezirk Königsberg (Osobnij wojennij okrug Kenigsbergskaja oblast) gebildet. Am 7. April 1946 erfolgt die Bildung einer neuen russischen Gebietseinheit Kenigsbergskaja oblast[71] und deren Angliederung an die Russische Föderation (RSFSR, Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik).
Am 4. Juli 1946 wurde Königsberg in Kali-ningrad umbenannt. Gleichzeitig erfolgte die Bildung des Oblast Kaliningrad (Kaliningradskaja oblast, „Kaliningrader Gebiet“) und durch Beschluß des Präsidiums des Obersten Sowjets erfolgt die förmliche Eingliederung des Gebietes in die Russische Föderation.[72] Dieser formaljuristische Akt schloß den Prozeß der Annexion deutschen Staatsgebietes ab.[73]
Die neue Namensgebung im Juli 1946 war der Auftakt, um im gesamten Gebiet die Namen der Städte und Dörfer zu russifizieren (bzw. sowjetisieren).[74]
Nord-Ostpreußen blieb bis zum Ende des Kalten Krieges militärisches Sperrgebiet. Das Territorium beherbergte bis zu 250.000 Soldaten der sowjetischen Armee und galt neben dem Gebiet Mitteldeutschlands (DDR) als das Gebiet mit der höchsten Militärdichte in Europa. Der Ostseehafen Pillau (Baltijsk) war Haupthafen und Hauptquartier der sowjetischen Ostseeflotte.[75]
1956 Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn. Der eigentliche Volksaufstand dauerte vom Okt. bis zum 4. Nov. 1956, als die sowjetische Armee mit überlegenen Kräf-ten einmarschierte und eine moskautreue Regierung einsetzte. Bis zum 16. November hatte sie dann das gesamte Land unter Kontrolle. Die Zeit danach war von Verfol-gungen und Niederschlagung der letzten Widerstand leistenden Gruppen gekennzeichnet.
Insgesamt forderte der Einmarsch in Ungarn mehr als 3000 Zivilopfer.
1968 Einmarsch in die Tschechoslowakei (Niederschlagung des „Prager Frühling“). In der Nacht vom 20. auf den 21. Aug. 1968 rücken Truppen von fünf Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakische Sozi-alistische Republik (CSSR) ein. Damit werden die als „Prager Frühling“ bezeichneten Reformversuche der kommunistischen Partei der CSSR gewaltsam beendet. In der Nacht zum 21. August 1968 marschierten etwa eine halbe Million Soldaten der Sowjetunion, n
Polens, Ungarns und Bulgariens in die Tschechoslowakei ein und besetzten innerhalb von wenigen Stunden alle strategisch wichtigen Positionen des Landes. Es handelte sich um die größte Militäroperation in Europa seit 1945.
1979 Afghanistan. Am 25. Dezember 1979 überschritten die ersten Einheiten der für den Afghanistan-Einsatz neu gebildeten sowjeti-schen 40. Armee unter Marschall Sergei Sokolow sowie die 5. und 108. Motorisierte Schützendivision bei Termiz und Kuschka die Grenze nach Afghanistan. Gleichzeitig wurden 7000 Elitesoldaten der 103. Witebsker Luftlandedivision nach Kabul und Bagram eingeflogen. Am ersten Tag der Invasion kamen bei einem Absturz eines Militärtransportflugzeuges vom Typ Il-76 an einem Berg nahe Kanzak (nordöstlich von Kabul) der Pilot, 37 Fallschirmjäger und neun weitere Soldaten ums Leben.
1994-1996 Tschetschenien: 11. Dez. 1994 – 31. Aug. 1996 1. Tschetschenienkrieg
Noch vor Auflösung der Sowjetunion am 26. Dezember 1991 erklärte der tschetschenische Präsident Dschochar Dudajew am 1. Nov. 1991 die Unabhängigkeit des Landes. Am 11. Dez. 1994 erteilte Präsident Boris Jelzin schließlich den Befehl zur militärischen Intervention, obwohl der tschetschenische Präsident Dudajew Verhandlungsbereitschaft signalisiert hatte.
1999-2009 Tschetschenien: bis April 2009 2. Tschetschenienkrieg. Am 1. Oktober 1999 marschierte die russische Armee unter Bruch des Abkommens von Chassawjurt er-neut in Tschetschenien ein, um die aus der Sicht Rußlands kriminelle und die Rebellen unterstützende Regierung von Aslan Maschadow von der Macht zu entfernen.
Schon bald eroberte die Armee den Großteil des tschetschenischen Flachlandes und die Hauptstadt Grosny.
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Literatur
Dietrich Geyer: Der russische Imperialismus. Studien über den Zusammenhang von innerer und auswärtiger Politik 1860–1914 (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 27). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1977.
Philipp W. Fabry: Die Sowjetunion und das Dritte Reich: Eine dokumentierte Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1933 bis 1941 (Prolegomena von Ernst Deuerlein). Stuttgart-Degerloch: Seewald, 1971.
Nachtrag
Das russische Imperium hat seit dem 16. Jahrhundert expandiert, aber der Schlüsselbegriff ist am ehesten Pragmatismus. Neue Territorien wurden auf sehr unterschiedliche Weise angeschlossen, es gab neben gewaltsamer Einnahme auch Verträge und Kooperationen mit lokalen Eliten. Der jetzige Vernichtungskrieg gegen die Ukraine steht also ganz und gar nicht in der damaligen Motivation, neben der Erweiterung des eigenen Territoriums auch Arbeitskräfte und Steuerzahler dazuzugewinnen.
[1] Nichtangriffsvertrages v. 23. Aug. 1939, ratifiziert am 24.08.1939 in Moskau. Diesem heute meist als Molotow-Ribbentrop-Pakt oder auch als Hitler-Stalin-Pakt verächtlich gemachtem bilaterale Vertrag folgte der am 28. Sept. 1939 abgeschlossene Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag (ratifiziert am 15. Dez. 1939), der ein Zusatzprotokoll zur gegenseitigen Abgrenzung der jeweiligen Interessengebiete beinhaltete (nicht wie immer behauptet die Aufteilung Polens, die sich jedoch aus dem Vertragsinhalt zwangsläufig ergeben sollte). Aufgrund dieses Vertrages wurde eine Korrektur der vereinbarten Demarkationslinie festgelegt. Infolgedessen fiel Litauen in die Interessenzone der Sowjetunion. Das geheime Zusatzprotokoll hatte „für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung“ vorgesehen, den westlichen Teil des polnischen Staates sowie Litauen der deutschen Interessensphäre zuzuordnen, Ostpolen, Finnland, Estland, Lettland und das zu Rumänien gehörende Bessarabien dagegen der sowjetischen Kontrolle. Im September 1939, nach Beginn des Zweiten Weltkrieges kam es jedoch zu einer Revision dieses deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages. sowie einer Abänderung der Interessenzonen. Litauen gelangte dadurch in das Interessengebiet der Sowjetunion. [Die Verträge wurden im Reichsgesetzblatt veröffentlicht : RGBl 1939 II, S. 968 f. u. RGBl. 1940 II, S. 4 f.].
[2] 1941 erfolgte in Dresden die Gründung des Instituts für europäische Großraumwirtschaft unter der Leitung von Werner Daitz (* 1884, † 1945), zunächst als Zentralinstitut für nationale Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft e.V., ab 1942 Zentralforschungsinstitut für nationale Wirtschaftsordnung und Großraumwirtschaft. Bereits 1938 hatte W. Daitz die Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft mit Sitz in Dresden gegründet.
[3] Oft zu hören und zu lesen ist auch von der Seelenverwandtschaft der Deutschen und der Russen. Diese Legende läßt sich durch nichts begründen.
[4] Als Union der sozialistischen Sowjetrepubliken am 30. Dez. 1922 gegründet. Gründerstaaten: Sowjet-Rußland (einschl. Turkestan und Kirgisische (= Kasachische) Autonome Republik), Ukrainische Sowjetrepublik, Weißrussische Sowjetrepublik, Transkaukasische Föderative Sowjetrepublik.
[5] Qu.: Dietrich Geyer, Der russische Imperialismus. Studien über den Zusammenhang von innerer und auswärtiger Politik 1860-1914 (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 27). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1977.
[6] Gebietsabtretungen leisteten Finnland, Polen, die Slowakei, Ungarn (Karpatoukraine), Rumänien. Litauen, Estland und Lettland wurden annektiert, ebenso die Moldau (Bessarabien, jetzt Moldauische Republik).
[7]Sowjetische Besatzungszone Deutschlands, Polen, Tschechei, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien.
[8]Graf Stepan Fjodorowitsch Apraxin (Apraksin), * 1702, † 1758, Feldmarschall der russischen Armee.
[9]Wilhelm Graf von Fermor , * 1702, † 1771, russischer General und 1758-1772 Generalgouverneur in Ostpreußen.
[10]Nikolaus Friedrich von Korff , *1710, † 1766
[11]Generalleutnant Fedor Matv. Voejkov, * 1703, † 1778, russischer General deutschbaltischer Abstammung.
[12]Die nördlichen Kurilen standen zu diesem Zeitpunkt bereits unter russischer Verwaltung.
[13]Um den damals bereits geäußerten Ansprüchen Japans auf diese beiden Inseln zu entgegnen, stellten die Russen 1768 Pfähle mit der Aufschrift „Kurilen“ auf. 1785–86 gelang es den Japanern, die Russen aus Iturup und Kunashir zu verdrängen. Danach erneut eingedrungene Russen wurden von den Japanern 1799 vertrieben. 1801 besetzten die Japaner schließlich auch Urup, wo sich von 1795 bis 1807 die russische Siedlung Alexandra befand.
[14]Vgl. 1855, Vertrag von Shimoda.
[15]Fürstentümer im heutigen Rumänien, die als formal unabhängige Vasallenstaaten des Osmanischen Reiches von diesem kontrolliert wurden.
[16]Friede von Küçük Kaynarca (Küçük Kaynarci) v. 10. Juli (jul. )/ 21. Juli 1774 (greg.) beendet den Russisch-Türkischen Krieg. In dem in Kajnardscha (bulgarisch Кайнарджа), im heutigen Nordost-Bulgarien geschlossenen Vertrag anerkannte das Osmanische Reich die militärische Niederlage und trat die südliche Ukraine mit den Mündungen von Bug, Dnjepr und Don an das Russische Kaiserreich sowie ab Gebiete nördlich des Kaukasus an Rußland ab. Das Khanat der Krim wurde vom Osmanischen Reich unabhängig, jedoch im Jahr 1783 von Rußland annektiert.
[17]Russisch-Österreichischer Türkenkrieg 1787–1792.
[18]Das Gebiet dieses Herzogtums ist heute ein Teil von Lettland.
[19]Auslöser des 7. Russisch-Türkischen Krieges war die russische Besetzung der unter osmanischem Einfluss stehenden Fürstentümer Moldau und Walachei 1806. Konstantinopel erklärte daraufhin dem Russischen Reich am 24. Dezember 1806 den Krieg. 1812 war der russische Zar zur Vermeidung eines Zweifrontenkrieges zu einem raschen Frieden gezwungen, denn der Einmarsch Napoleons I. nach Rußland stand bevor.
[20]Besarabien (abgeleitet von Besarab, dem walachischen Fürstengeschlecht Basarab).
[21]Bis 1812 zum (rumänischen) Fürstentum Moldau (unter osmanischer Schutzherrschaft stehend) gehörig.
[22]Dieses Gebiet schloss ein: alle Städte und Dörfer von Dagestan, alle Städte und Dörfer von Georgien, die alle an der Küste des Schwarzen Meeres angesiedelten Städte und Dörfer einschlossen, namentlich in Mingrelien, Abchasien, Gurien, Imeretien; alle Städte und Dörfer des heutigen Aserbaidschan, einschließlich aller Orte an der Küste des Kaspischen Meeres, namentlich in den Khanaten Baku, Quba, Derbent, Schirwa, Karabach, Gandscha, Scheki u. Talysch einschließlich der Festung Lenkoran sowie Mugan (etwa heutiger Rayon Biləsuvar).
[23]Der heutige Staat Iran betrachtete 2013 offiziell diesen Vertrag sowie den Frieden von Turkmantschai als die erniedrigendsten Verträge, die er je unterzeichnete.
[24]Sachsen war seit 1806 Mitgliedstaat der Rheinischen Konföderation.
[25]16.- 19.10.1813.
[26]Zeitgleich existierten infolgedessen zwei politische Territorien, die den Namen Sachsen für sich beanspruchten.
Das Königreich Sachsen (seit 1806 als Königreich in der Rheinbund-Föderation) sowie das preußische Herzogtum Sachsen (seit Jan. 1815).[27]Im Krieg im Nordwestkaukasus wurden die Feldzüge Ort für Ort und Tal für Tal durchgeführt. Erst im Mai/Juni 1864 wurden die letzten Hochgebirgsregionen von der russischen Armee erobert. Der Krieg wurde insgesamt erbittert und grausam geführt. 1859–61 wurde der drittletzte Tscherkessen-Stamm der Abadsechen im Kaukasus erobert, wobei die eroberten Orte zerstört wurden. Seit Anfang 1862 ging die russische Armee dazu über, ausnahmslos alle noch zu erobernden Ortschaften niederzubrennen und abzureißen. Am tragischsten waren die Kämpfe am Ende des Krieges im Mai/Juni 1864, als sich die Bewohner der Dörfer in vier Flusstälern vollständig bewaffneten – Männer, Frauen, Kinder und Alte – mit der Absicht, sich nicht zu ergeben, sondern bis zum Tod zu kämpfen, was den russischen Sieg zu einem Massaker machte. Dabei wurden vier ubychischen und sads-abchasischen Unterstämme der Pßchu, Achzipsou, Aibgo und Dschigit (Tscherkessen und Abchasen) faktisch ausgelöscht. Bei aller Tragik dieses Massakers werden bis heute von Historikern verschiedene Meinungen vertreten, inwieweit es sich um einen beabsichtigten Völkermord handelte.
[28]Die Tscherkessen sind ein Sammelname für eine Volksgruppe, die in mehrere kleine Völkerschaften und Stämme
zersplittert ist. Die Dagestaner bilden keine in sich geschlossen Volksgruppe. Die größten Völkerschaften sind die
Awaren und die Darginer.
[29]Die Briten versuchten zu dieser Zeit, Rußlands Expansion in Zentralasien zu behindern und übten Druck auf den
Schah von Persien aus, der russischen Expansion militärisch zu begegnen.
[30]Persien anerkannte mit diesem Vertrag Kapitulationsrechte von russischen Staatsbürgern in Persien. Konkret bedeutete dies, dass es keinem persischen Staatsbediensteten erlaubt war, das Gebäude eines russischen Staatsbürgers in Persien zu betreten, ohne zuvor eine Genehmigung bei der russischen Botschaft eingeholt zu haben. Sämtliche rechtlichen Ansprüche an russische Staatsbürger unterlagen der russischen Rechtsprechung.
Nach Artikel 10 durfte Rußland Konsuln dorthin entsenden, wo es dies auf dem Territorium der Perser wünschte. Ferner wurde Persien auferlegt von Rußland konzipierte Wirtschaftsverträge zu schließen.
In der 1827 kampflos den Russen übergebenen Stadt Choy, die heute in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan liegt, wurde nach Friedensschluss eine 3.000 Mann starke russische Garnison stationiert, um eine Garantie für die Zahlung der Kriegsentschädigung zu haben.
[31]Die westliche Bezeichnung „Krimkrieg“ – mit der Verortung nach seinem Haupt-Kriegsschauplatz der Halbinsel Krim – wird seiner weltumspannenden Ausmaße und seiner großen Bedeutung für Europa, Rußland und Orient nicht gerecht. Der in Rußland verwendete Name „Orientalischer Krieg“ verknüpft ihn zumindest mit der Orientalischen Frage, welche sich auf die Bereiche Balkan bis Jerusalem und Konstantinopel bis Kaukasus lokalisieren lässt. Der Zerfall des Osmanen-Reiches schuf internationale Probleme. Die Betitelung als ein weiterer „Türkisch-Russischer Krieg“, wie sie sich in vielen türkischen Quellen findet, berücksichtigt die massive Beteiligung des Westens nicht. Der Krimkrieg kann als Vorform des Ersten Weltkrieges angesehen werden.
Kriegsschauplätze waren neben der Krim Transkaukasien, der Ferne Osten, der Ostseeraum, das Weiße Meer und die Barentsee.
[32]Jetzt: Iturup.
[33]Im Jahr1903, 45 Jahre nach dem Erwerb durch Rußland, gliederte sich die die Äußere Mandschurei in die beiden Regionen „Amurski Obwod“ und „Provincia Nadmorska“, jetzt: Oblast Amur (330.00 km², 864.458 Einw.) am oberen und mittleren Amur u. Südhälfte der Region Chabarowsk (ca. 4000.000 km², ca. 1 Mill. Einw.
(Region Chabarowsk heute insgesamt 790.000 km², 1.412.260 Einw., davon der größere Teil im Amur-Tal ansässig.
[34]Der Begriff Mandschurei wird heute nur noch auf das Territorium der früheren Inneren Mandschurei, d.h. den bei
China verbleibenden Teil, angewendet.
[35]Die Pekinger Konvention setzte sich aus drei Einzelverträgen zusammen, die China als die sog. Ungleichen Verträge
bezeichnet. Die Volksrepublik China anerkennt die Gebietsabtretungen seitens des Kaiserreichs China nicht an, ohne bis heute Rückgabeforderungen zu erheben.
[36]Jetzt: Region Primorje (164.700 km², 2.019.529 Einw.) mit Wladiwostok.
[37]Das Generalgouvernement Turkestan bestand aus dem Oblast Syrdarja, dem Oblast Semiretschje, dem Emirat Buchara, dem Khanat Chiwa, (beide jetzt Usbekistan), 1899 wird der Oblast Transkaspien (heute Turkmenistan) angegliedert.
[38]Das Emirat Buchara wird im Jahr 1868 russisches Protektorat, das Khanat Chiwa 1873.
[39]Der Frieden von San Stefano (heute Yeşilköy am Marmarameer, im Westen Istanbuls) beendete am 19. Februar (jul.) / 3. März 1878 (greg.) den Russisch-Türkischen Krieg 1877–1878. Eine Folge des Krieges war die Unabhängigkeit Bulgariens, das jedoch geteilt wurde. Nordbulgarien, unter russischem Einfluss, erlangte ausgestattet mit einem
Sonderstatus die formale Unabhängigkeit als bulgarischer Staat (Bulgarien), vleibt jedoch gegenüber der Pforte
tributpflichtig. Südbulgarien (= Rumelien) verbleibt als autonome Provinz Ostrumelien beim Osmanischen Reich.
[40]Kars und Ardhan fallen aufgrund des Vertrages von Kars (13.10.1921) an die Türkei zurück.
[41]Gesamtstrecke Tschita-Hulun Buir (Innere Mongolei)-Harbin (Heilongjiang)-Wladiwostok = 2.100 km
[42]Vgl. 1944, Tannu-Tuwa.
[43]Das Territorium umfasste 65.000 km².
[44]Die Grenzen der Weißrussischen Volksrepublik stimmen mit der Grenzziehung der heutigen Republik Weißrußland
nur teilweise überein. Kartendarstellung: https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Frussische_Volksrepublik#/media/Datei:BNR_(Ruthienie_Blanche)_Map_1918.jpg
[45]Vgl. Fußn. 4.
[46]Die Volksrepublik Choresmien bestand von 1920-1925 und wurde danach aufgeteilt. Eingegliederte Teile fielen
an die neu gebildeten Sowjetrepubliken Usbekistan und Turkmenien.
[47]Die Turkestanische Autonome Sowjetrepublik wurde 1924 aufgelöst und bis 1925 direkt von Moskau aus regiert.
[48]Die Äußere Mongolei war wie die Innere Mongolei ein Teil Chinas, genoss jedoch ab 1915 Autonomiestatus.
Die Äußere Mongolei galt als Teil des Interessengebietes Rußlands in Zentralasien.
[49]Urga jetzt: Ulaanbaatar /Ulan Bator).
[50]In der Zeit des sowjetischen Stalinfaschismus wurden etwa 10 % der Bevölkerung Opfer des kommunistischen Terrors, u.a. wurde der gesamte buddhistische Klerus liquidiert und das Land vollständig russifiziert (u.a. auch durch Einführung des kyrillischen Alphabets). Insgesamt spricht die Forschung heute von mehr als 100.000 Opfern,
wahrscheinlich ist die Zahl sogar noch deutlich höher. In einem Land, das in den 1930er Jahren nur etwa 800.000 Einwohner zählte, kann dabei kaum eine Familie verschont geblieben sein. Die Verfolgungs- und Terrormaßnahmen wurden von Moskau aus gesteuert, das starken Druck auf mongolische Funktionäre ausübte.
[51]Eine von der Sowjetunion unterstützte Republik Ostturkestan existierte vom Nov. 1944 bis zum 20. Okt. 1949.
[52]Sheng Shicai , * 1897, † 1970, De-facto-Gouverneur von Ostturkestan.
[53]Stalins Plan war die Ausrufung einer Ostturkestanischen Sowjetrepublik und deren Eingliederung in die Sowjet-
union.
[54]Die Rote Armee hatte ab 17. Sept. 1939 Ostpolen, insgesamt 200.000 km², darunter Ostgalizien, besetzt.
[55]Am 1. September 1939 begann mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Polen der II. Weltkrieg.
Deutschland forderte aufgrund des bestehenden Bündnisvertrages am 3. September die Sowjetunion auf, ebenfalls in den unabhängigen polnischen Staat einzumarschieren. Stalin und Molotow zögerten noch bis zum 17. September mit der Besetzung Ostpolens, um nicht die Rolle des Aggressors mit Hitler zu teilen, sondern in der Geschichts-propaganda als „Friedensmacht“ aufzutreten und um die Reaktionen Frankreichs und Großbritanniens abwarten zu können, welche eine Garantieerklärung für die territoriale Unversehrtheit Polens abgegeben hatten.
[56]Qu.: Philipp Ther: Deutsche und polnische Vertriebene. Gesellschaft und Vertriebenenpolitik in der SBZ/DDR und in Polen 1945–1956. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, S. 36, 71.
[57]Anm.: Am 15. Juni 1940 erhielt Merkys das Präsidentenamt von Antanas Smetona vor dessen Flucht nach Deutschland. Er übte es bis zum 17. Juni 1940 bei der Okkupation aus, als er unter sowjetischem Druck zurücktreten musste. Merkys versuchte nach Schweden zu fliehen, aber wurde im Flughafen Riga vom NKWD verhaftet und am 17. Juli 1940 mit seiner Familie nach Sibirien deportiert. 1952 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren im Gefängnis Wladimir verurteilt. 1955 starb Merkys im Behindertenhaus des Dorfes Malenki in der Oblast Wladimir.
[58]Wjatscheslaw Molotow, * 1890, † 1986, war 1939-1949 Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten (sowjetischer Außenminister u. 1941–1946 Erster Stellvertretender Vorsitzender des Rates der Volkskommissare.
Die aus 65 Mitgliedern bestehende sowjetische Delegation, darunter fünf stellvertr. Minister, traf am 12. Nov. 1940 auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin ein.
- Molotow verhandelte zwei Mal mit Adolf Hitler sowie mit dem Außenminister Joachim von Ribbentrop.
Gespräche wurden darüber hinaus mit Hermann Göring und Rudolf Heß geführt.
[59]Hauptstadt von Adscharien, einer Teilrepublik von Georgien.
[60]Hauptstadt von Sowjet-Aserbaidschan.
[61]Bis 1911 gehörte Tannu-Tuwa zur Äußeren Mongolei und stand mit dieser unter chinesischer Oberhoheit.
Am 14. Aug. 1921 erklärten russische Siedler mit Unterstützung der Roten Armee die Unabhängigkeit der „Volksrepublik Tuwa“ und proklamierten 1922 die Republik Tannu-Tuwa. 1944 wurde das Gebiet Teil der Sowjetunion, zunächst als Autonome Oblast Tuwa, 1962 als Tuwinische ASSR; seit 1992 ist Tuwa (auch Tuwinien) eine autonome Republik im südlichen Teil des sibirischen Rußland.
[62](1) Staatskommissariat für Staatssicherheti (NKGB, ab 1946 MGB), (2) SMERSch (ein von Stalin in Vorbereitung der Invasion auf deutsches Gebiet am 19.04.1943 gegründeter milit- Geheimdienst), (3) Volkskomissariat für Inneres (NKWD).
[63]GPU (eigtl. OGPU) war bis 1934 die Bezeichnung der stalinschen Geheimpolizei (= Vereinigte staatliche politische Verwaltung, russisch abgek. OGPU).
[64]Automatischer Verhaftung unterlagen alle Funktionsträger und Mitglieder der NSdAP und ihrer Gliederungen,
uneingeschränkt und differenzierungslos alle Träger von Uniformen, alle Offiziere der Deutschen Wehrmacht, alle
Angehörigen der Waffen-SS, der Sicherheits-, Ordnungs- und Schutzpolizei, Verwaltungsbeamte, Behördenleiter,
Journalisten, Redakteure, Publizisten, Autoren, Herausgeber, Verleger, Unternehmer, Firmeneigentümer, Juristen,
Staatsanwälte, Richter, Leiter und Angehörige von Leitungsgremien von Verbänden, Behörden, Institutionen, Vereinigungen. Körperschaften usw. usf. Darüber hinaus unterlagen auch dieFamilienangehörigen dieser als
„gefährliche Deutsche“ klassifizierten Personen der Inhaftierung.
Die Such- und Fahndungsliste der sowjetischen Geheimdienste umfasste annähernd 1 Million Namen.
[65]Einem Briten haben die Fehmaraner es zu verdanken, dass ihre Insel nach dem 2. Weltkrieg nicht der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen wurde und somit zur DDR gehört hätte. So geht es aus den Memoiren des Lord Strang of Stonesfield (* 1893, † 1978) hervor. Der Krieg war noch nicht beendet, doch Deutschland längst geschlagen, als die Alliierten sich über die Aufteilung Deutschlands Gedanken machten. Die „Ständige Konferenz“ befasste sich dann mit der Umsetzung der im Februar 1945 beschlossenen Aufteilung in vier Besatzungszonen. Erst 1956 erfuhren die Fehmaraner, wie knapp sie offenbar dem „real existierenden Sozialismus“ entgangen waren. Sir William Strang Baron of Stonesfield gab seine Memoiren „Home and abroad“ heraus. Darin schildert er, wie er in den Verhandlungen 1945 als britischer Unterhändler dem russischen Abgesandten Fjodor Gusew gegenüber stand, der energisch die strategisch wichtige Insel Fehmarn für die sowjetische Besatzungszone einforderte. Der amerikanische Diplomat George Whinant hielt sich in diesen Verhandlungen zurück.
Auf Seite 207 seiner Memoiren berichtete Lord Strang of Stonesfield: „Als wir die Grenzen der Besatzungszonen in Deutschland diskutierten, versuchte Gusew zwei Monate lang die Einbeziehung der Ostseeinsel Fehmarn in die sowjetische Besatzungszone.“ Lord Strang schreibt in seinen Memoiren: „Die Ostseeinsel Fehmarn ist immer ein fester Bestandteil Schleswig-Holsteins gewesen und gehört als solche nach dem Jaltaer Abkommen ohne jeden Zweifel zu dem Großbritannien zugestandenen Besatzungsgebiet.“ Strang sorgte sich, dass die Sowjetunion weiter nach Dänemark vordringen könnte. „Ich widersetzte mich, auch, wenn das Foreign Office mich ermächtigt hatte, nachzugeben. Ich fuhr fort, standhaft zu bleiben, und eines Tages ließ Gusew die Forderung unschuldig fallen, als ob sie ihm nie etwas bedeutet hätte.[66]Am 2. Febr. 1946 wurden die vier Südkurilen-Inseln vom Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR zu
sowjetischem Hoheitsgebiet erklärt und damit förmlich annektiert.
[67] Anm.: Die Habomai-Inselgruppe gehört im geographischen Sinne nicht zu den
Kurilen, wird im politischen Sprachgebrauch jedoch seit 1945 zu den Südkurilen gezählt.
Japan bezeichnet diese vier Inseln zusammenfassend als Nördliche Territorien.
[68]Nord-Ostpreußen 15.100 km²
[69]In Nord-Ostpreußen (etwa so groß wie das heutige Bundesland Thüringen) existierten etwa 4.800 Ortschaften, Dörfer und dörfliche Siedlungen. 2.280 Ortschaften existieren nicht mehr. 2.520 Orte und Dörfer wurden umbenannt, teilweise zusammengelegt oder eingemeindet.
Von den einst 224 Kirchen in Nordostpreußen sind 91 vollständig verschwunden, 67 Gotteshäuser befinden sich im Zustand stark fortgeschrittenen Verfalls und existieren nur noch als Ruinen.
[70]Ostpreußen hatte den höchsten Blutzoll von allen durch die Feindmächte eroberten deutschen Ländern zu zahlen.
Beim Einmarsch der Roten Armee und während der Flucht aus Ostpreußen sind (geschätzt) 200.000-300.000 Menschen umgekommen. Zum Zeitpunkt der Besetzung Ostpreußen verblieben etwa 650.000 Ostpreußen in der
Provinz, in der Regel vom schnellen Vorrücken der feindlichen Truppen überrollt. Von diesen etwa 650.000
Ostpreußen überlebten bis Mitte 1947 nur etwa 140.000.
Durch den Geheimbefehl des Ministerrats vom 11. 10. 1947 – Nr. 3547 – 1169 s „Über die Umsiedlung der Deutschen aus dem Oblast Kaliningrad der RSFSR in die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands“ verließen bis 1948 insgesamt 102.125 Deutsche zwangsweise das sowjetische Gebiet Nord-Ostpreußen.
[71]Ukas (Erlass) des Präsidiums des Obersten Sowjet vom 7. April 1946.
[72]Ukas (Erlass) des Präsidiums des Obersten Sowjet vom 4. Juli 1946
[73]Diese formaljuristische Eingliederung Nord-Ostpreußens durch Rußland widerspricht dennoch dem geltenden Völkerrecht, stellt demzufolge einen Unrechtsakt dar.
[74]Bei den Umbenennungen orientierte man sich an ideologischen Vorgaben, an der Sowjetunion und an dem gerade beendeten Krieg. Tilsit wurde in Sowjetsk und Pillau in Baltijsk umbenannt. Aus Gilge wurde Matrosowo (Matrosendorf), aus Heinrichswalde wurde Slawsk (= „ruhmreicher Ort“). Soldaten und Offiziere der Roten Armee, die sich beim Angriff auf Ostpreußen im Winter 1945 ausgezeichnet hatten und gefallen waren, wurden geehrt, indem man ostpreußischen Städten ihren Namen gab. So wurde Neuhausen im Kreis Königsberg-Land nach dem beim Angriff auf Pillau gefallenen Generalmajor Stepan Gurjew, Kommandeur des 19. Garde-Schützen-Korps, in Gurjewsk umbenannt. Stallupönen/Ebenrode erhielt den Namen Nesterov nach einem in Ostpreußen gefallenen stellvertretenden Korpskommandeur. Gumbinnen wurde nach dem Hauptmann Gussew umbenannt, aus Heiligenbeil wurde Mamonowo nach dem Führer des 331. Schützenregiments Nikolai Mamonow, dem hier ein Einbruch in stark befestigte deutsche Stellungen gelungen war, und Insterburg wurde nach Armeegeneral Tschernjachowski benannt, Oberbefehlshaber der 3. Weißrussischen Front, der hier sein Hauptquartier hatte und in der Nähe der Stadt Mehlsack gefallen war. Das berühmte Trakehnen wurde in Jasnaja Poljana (so hieß das Gut von Leo Tolstoi), aus Allenburg wurde Druschba (= Freundschaft), aus Gerdauen wurde Schelesnodoroschny (= Stadt der Eisenbahn). Die Stadt Tapiau hieß jetzt Gwardejsk, die „Stadt der Garde“. Namenspate für Preußisch Eylau wurde Fürst Pjotr Bagration, der 1807 in dieser Stadt dem Angriff Napoleons widerstand und der später in der Schlacht bei Borodino fiel.
Qu.: http://www.ostpreussen.net/index.php (abgerufen 18.03.2022).
[75]Der Oblast Kaliningrad hat für Rußland unverändert große Bedeutung als Militärstützpunkt sowie als eisfreier Ostseehafen. In Kaliningrad ist heute die größte Fischereiflotte Rußlands stationiert. 1990 wurde das Königsberger Gebiet zur Sonderwirtschaftszone erklärt.