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… so wird Geschichte gezeichnet

Thomas Engelhardt

hat nachgeforscht, um einem umstrittenen Thema einmal tragfähige Grundlagen zu geben. Was ist wahr in Bezug auf die jüdischen DPs (Displaced Persons) 1945 und anderer Völkerschicksale? Hier zeigt er Zahlen, Fakten und Widersprüche sowie die Art auf, wie Politik gemacht und Geschichte gezeichnet wird: 

Die „Dissolution“ und „Dissipation“ des ostmittel- und osteuropäischen Judentums als Folge der Kriegshandlungen des II. Welt-krieges steht seit 1945 im Zeichen einer grotesken Umdeutung dieses Vorganges und gleichzeitig einer quantitativen Überhöhung und ist bis heute Mittelpunkt der Betrachtung und Bewertung des nationalsozialistischen Deutschland.

Seit Kriegsende wird der sog. Holocaust als herausragendstes Einzelereignis des 20. Jahrhunderts stilisiert. Keiner anderen Opfer-gruppe des Großen Krieges wird derart große Aufmerksamkeit zuteil.

Am allerwenigsten den 1945 besiegten Deut-schen, die infolge der Vertreibungen aus dem Sudetenland und Ostdeutschland, aufgrund von Gewaltherrschaft und Siegerterror im Zuge der Besetzung unseres Landes sowie jahrelanger alliierter Militärdiktatur insge-samt 5,5 Millionen Opfer zu beklagen hatten.

Das Werden und Vergehen von Völkern zieht sich als historische Gesetzmäßigkeit durch die gesamte bekannte Geschichte. Im Falle der Juden ist der besondere Umstand gege-ben, daß diese keineswegs wie behauptet „ausgerottet“ wurden.

Von den 450.000 deutschen Juden wanderten bis 1938 etwa 300.000 völlig legal und in der Regel unter Mitnahme ihrer Habe aus. In Österreich lebten 1938 etwa 200.000 Juden, davon ca. 175.000 allein in Wien.

Bis März 1939 wanderten ca. 100.000 aus; zu diesem Zeitpunkt, ein Jahr nach der Vereini-gung mit dem Deutschen Reich, lebten noch 91.000 Juden in Wien. Und bei Kriegsende hielten sich etwa 2 Millionen Juden im be-setzten Deutschland auf, überwiegend in den Westzonen.

Auf dem Gebiet der vier deutschen Besat-zungszonen leben im Mai 1945 insgesamt 75 Mill. Menschen, davon 64 Mill. Deutsche und 11 Millionen Ausländer.[1]

Die sich im Mai 1945 auf restdeutschem Gebiet aufhaltenden 11 Millionen Ausländer wiesen eine sehr unterschiedliche Zusam-mensetzung auf. Diese wurden vom alliierten „Oberen Hauptquartier der Alliierten Expedi-tionsstreitkräfte“ (SHAEF/Supreme Head-quarters, Allied Expeditionary Force) diffe-renzierungslos als Displaced Persons bezeichnet.

Zu den  Displaced Persons zählten:

  • Angehörige ehemaliger Feindstaaten („ex-enemy DPs“) aus Italien, Finnland, Rumänien, Bulgarien und Ungarn.

  • etwa 1 Million Ausländer, die in eigenen Einheiten im Bestand der Deutschen Wehrmacht sowie der Waffen-SS an der Seite Deutschlands kämpften oder eigene Formationen bildeten.

  • sowjetische Kriegsgefangene und Kriegsgefangene der Armeen der westlichen Kriegsgegner (sog. Alliierte)

  • italienische Militärinternierte

  • Lagerhäftlinge (bundesdeutsches Neusprech: „KZ-Häftlinge“)

  • polnische Landarbeiter und Landarbeiterinnen, die deutschlandweit zum Einsatz kamen

  • Vertragsarbeiter aus westlichen Ländern, insbesondere aus Frankreich

  • Fremdarbeiter aus Weißrußland und der Ukraine sowie aus Rußland (Ostarbeiter aus den besetzten Gebieten der UdSSR). Der Arbeitseinsatz dieser meist weibli-chen Arbeitskräfte beruhte dem Grundsatz nach auf Freiwilligkeit; die Fremdarbeiter zahlten in die Renten-versicherung ein, unterlagen allen Bestimmungen der deutschen Sozial- und Unfallversicherung. Der Begriff Zwangsarbeiter wurde als ideologischer Terminus nach 1945 in die Geschichts-schreibung eingeführt, um den Arbeits-einsatz ausländischer Arbeitskräfte im Reich an sich zu kriminalisieren und zu diffamieren und eine juristische Hand-habe gegenüber den Verantwortlichen zu konstruieren, die die Rekrutierung der Arbeitskräfte organisierten und für den Einsatz im Reichsgebiet verantwortlich waren.

  • sowjetische DPs (Bürger der UdSSR) wegen der vertraglichen Vereinbarun-gen über ihre Repatriierung auf der Konferenz von Jalta[2]

  • Juden (jüdische sog. DPs (= „Displaced Persons“).

Die Zahl der jüdischen Displaced Persons wird heute in der Literatur je nach politischer Tendenz sehr unterschiedlich angegeben. Um ein extremes Negativbeispiel aufzuzeigen:

In dem Beitrag von Ulrich Herbert: 1945. Displaced Persons, Flüchtlinge, Vertriebene, in: Andreas Fahrmeir (Hrsg.):

Deutschland. Globalgeschichte einer Nation. C. H. Beck, München, 2020, ebda S. 654-658, nennt der Autor die Zahl von „etwa 60.000 Juden“, die bei Kriegsende  in den Westzonen gezählt wurden, sowie 100.000 Juden, die bis Ende 1946 aus Osteuropa, vor allem aus Polen gekommen seien.

Wörtlich führt er aus: „Im Gebiet der Westzo-nen wurden bei Kriegsende etwa 60.000 Juden gezählt, bis Ende 1946 kamen aus Osteuropa, vor allem aus Polen, etwa 100.000 weitere hinzu.“

Auch diese Zahlenangaben sind ungenau bis unzutreffend. In der veröffentlichten Literatur werden davon abweichend andere Zahlen ge-nannt. Demnach flüchteten allein im Oktober 1946 141.000 polnische Juden und bis 1950 weitere 200.000 Juden ebenfalls aus Polen.[3]

In dem Wikipedia-Artikel „Alija Bet“[4] werden davon abweichend 250.000 jüdische DPs genannt:

„Rund 250.000 Juden, häufig im Zustand extremer Unterernährung und Auszeh-rung, waren nach ihrer Befreiung aus Konzentrationslagern oder Verstecken zunächst so genannte Displaced Persons, die sich einige Zeit in DP-Lagern, die Briten und US-Amerikaner in ihren Be-satzungszonen eingerichtet hatten, aufhielten, oder gelangten aus osteuro-päischen Staaten mit der Untergrundbe-wegung Brichah[5] nach Palästina.“

Interessanterweise kommentieren die diese Zahlen nennenden Autoren an keiner Stelle den offensichtlichen Widerspruch zwischen der im Raum stehenden „offensichtlichen Tatsache“ der behaupteten Totalauslöschung des polnischen Judentums in der Zeit der deutschen Besatzung 1939-1945 und dieser relativ hohen Zahl jüdischer Einwohner im Nachkriegspolen.

Denn es ist davon auszugehen, daß zwischen 1945-1950 keineswegs alle polnischen Juden das Land verließen. In dem Wikipedia-Beitrag „Geschichte der Juden in Polen“ werden zu-dem auch die tatsächlichen Zahlen minimie-rende Angaben gemacht. Demnach lebten 1945/1946 nur etwa 200.000 Juden in Polen. Wörtlich:

„Am Höhepunkt der Nachkriegszeit lebten 180.000 bis 240.000 Juden in Polen, vor allem in Warschau, Łódź, Krakau und Breslau.“

Da bis 1950 fast 500.000 Juden aus Polen in die deutschen Besatzungszonen flüchteten, wird deutlich, wie zuverlässig (um nicht zu sagen falsch!) alle heute kolportierten Zah-lenangaben über jüdische Bevölkerungs-zahlen und insbesondere jüdische Opfer in der Zeit zwischen 1939 bis 1945 sein müssen.          

„Forschungen“ zu diesem Thema müssen immer wieder nur dazu dienen, die jüdischen Opferzahlen nach Möglichkeit nach oben zu korrigieren und die vorgeblich einzigartige und untilgbare Schuld Deutschlands und der Deutschen zu einem sog. Jahrtausend-Er-eignis stilisierten Vorgang für alle Zeiten unangreifbar zu machen.

Quellenangaben für die von Ulrich Herbert (siehe oben) genannten im übrigen falschen Zahlen nennt der Autor nicht. Ihm ist jedoch zugute zu halten, überhaupt diese beiden Fakten zu nennen, die in der Regel, weil zum gängig gezeichneten Geschichtsbild in Wi-derspruch stehend, unterschlagen, tabuisiert, nicht genannt werden.

Wenn überhaupt, werden die Zahlenangaben gröblichst verfälscht. Man kann fast stets von einer Zehnerpotenz ausgehen, wenn es sich um nichtdeutsche Opfer handelt. Das heißt die tatsächlichen Opferzahlen werden ten-denziell verzehnfacht, die deutschen Opfer fast immer um den Faktor 10 vermindert.

Lies also beispielsweise statt 100.000 Bom-benopfer tatsächlich 1.000.000. Im Falle von Dresden statt 30.000 Opfer des 13. Februar 1945 300.000.

Mangels genauer Quellen und überlieferter Statistiken muß es naturgemäß schwerfallen, genaue Zahlenangaben auch hinsichtlich der sich im Jahr 1945 im besetzten Reichsgebiet aufhaltenden jüdischen DPs anzugeben.

Da insbesondere die US-Amerikaner alle relevanten deutschen Behördenunterlagen beschlagnahmten und als Beuteakten in die Vereinigten Staaten verbrachten, sind sie der historischen Forschung entzogen (und sollen auch entzogen bleiben!).

Selbst unter der Maßgabe aber, die Akten wären zugängig, wäre wohl keiner der bundes-deutschen Historiker bereit und in der Lage sich einem dermaßen brisanten Thema zuzuwenden.

Das zu erwartende Forschungsergebnis wür-de die akademische Karriere beenden und die berufliche Existenz vernichten (denn es darf nicht vergessen werden, bundesdeutsche Hochschullehrer und Universitätsprofessoren und Dozenten sind in erster Linie Beamte und dem Staat verpflichtet!).

Ulrich Herbert schreibt weiter: Noch im Früh-jahr 1947 hielten sich etwa 70.000 jüdische Displaced Persons in Deutschland auf. Auch diese Zahl  ist falsch. Darüber hinaus ist festzustellen, daß 1947 Deutschland nicht existierte.

Das Land war besetzt, in Zonen aufgeteilt, wesentliche Gebiete bereits förmlich annek-tiert, andere standen formal unter fremder Verwaltung. Das Territorium Deutschland war mit einem dichten Netz von Lagern der ver-schiedensten Art überzogen: Folter- und Untersuchungszentren in allen vier Besat-zungszonen, Filtrierungslager und Sammel-lager aller Geheim- und Nachrichtendienste sowohl  der westlichen Alliierten als auch der Sowjets.

Im August 1945 wurden in den besetzten Westzonen noch etwa 2 Millionen DPs ge-zählt. Überwiegend waren das Juden. Denn der Großteil der sich im Mai 1945 in den Westzonen aufhaltenden Westeuropäer wurde innerhalb weniger Wochen nach Kriegsende repatriiert, zum Teil von den alliierten Besatzungsbehörden.

Ein Teil kehrte auf eigene Faust in die auslän-dischen Heimatorte zurück. Überliefert ist, daß es an vielen Orten zu Übergriffen von Ausländern gegenüber Deutschen kam. In der britischen Besatzungszone gingen insbeson-dere die Schotten scharf gegen plündernde und mordende Polenbanden vor. In einigen Städten kam es zu Übergriffen von DPs gegenüber ehemaligen Lagerleitern und Werkschutzleuten.

Ende 1948 lebten etwa 500.000 jüdische DPs in den speziell von den Westalliierten einge-richteten fast 100 DP-Lagern nur für Juden, davon 79 in der US-Zone und 16 in der briti-schen Zone (insgesamt existierten in den Besatzungszonen ab 1945 mehr als 450 DP-Lager). (Der Autor Ulrich Herbert nennt die Zahl von 438.000 nichtjüdischen (!) DPs im Jahre 1948 !).

Erst im Jahre 1957 verließen die letzten jüdischen DPs das Lager Föhrenwald in Oberbayern; das Lager wurde 1958 geschlos-sen (allein in diesem Lager lebten im Januar 1946 5.300 jüdische DPs).[6]

Im DP-Lager Feldafing lebten im Dez. 1946 etwa 4.000 Juden. Es gab große jüdische DP-Lager, deren Insassenzahl größer als die der benachbarten deutschen Gemeinden waren!

Ohne die Existenz der DP-Lager in den be-setzten Gebieten Deutschlands und das in diesen Lagern vorhandene Menschenreservoir wäre die Gründung des Staates Israel 1948 aussichtslos gewesen.

Die jüdische Bevölkerung in Palästina stieg bis 1948 auf 650.000 Juden an, vornehmlich infolge der Zuwanderung aus Europa:[7]

1948  102.000 Einwanderer (davon 76.500 aus Europa)

1949  240.000     „

1950  170.500     “       (davon 81.000 aus Europa)

1951  175.000     „

Dem DP-Lager Föhrenwald angegliedert war auch eine Barackensiedlung nahe Königsdorf, das ehemalige Hochlandlager. Dort wurden von der zionistischen und paramilitärischen Hagana unter Billigung der amerikanischen Besatzungsmacht Personen zu Offizieren ausgebildet, welche dabei auf die erwartba-ren Auseinandersetzungen mit den Palästi-nensern um die Staatsgründung Israels vor-bereitet wurden. In Föhrenwald lebte im Jan. 1946 5.300 Juden, im Dez. 1946 etwa 4.000 Juden.[8]

Für die überwerwiegende Mehrheit der Be-wohner der DP-Lager kam eine Repatriierung in ihre Herkunftsländer oder ein Verbleiben in den Besatzungszonen Deutschlands nicht in Frage. Die meisten Bewohner verfolgten das Ziel einer Auswanderung nach Israel (zu-nächst noch britisches Mandatsgebiet) be-ziehungsweise in die Vereinigten Staaten oder Kanada.

Bei den Zahlenangaben ist der oben bereits genannte Autor Ulrich Herbert höchst unge-nau. So benennt er die Zahl der deutschen Vertreibungsopfer mit 500.000. Wörtlich führt er aus:

„Die Zahl der dabei Umgekommenen ist schwer zu ermitteln. Der Tod von etwa 500.000 bei Flucht und Vertreibung aus den Ländern Mittel- und Südosteuropas umgekommenen Deutschen läßt sich im Einzelnen nachweisen. Das Schicksal von weiteren 1,2 Millionen Menschen ist ungewiß.“

Nein, ist es nicht. In Ostdeutschland lebten bis zur sowjetischen Invasion, die bereits im Oktober 1944 mit dem ersten Angriff in Ostpreußen begann (Stichwort Nemmersdorf) 9,5 Millionen Deutsche.

In der SBZ (Mitteldeutschland) lebten Ende 1945 3,5 Millionen Flüchtlinge und Vertrie-bene (davon 1,2 Millionen aus dem Sudeten-land), in die Westzonen gelangten 4,9 Millionen Vertriebene. Der Rest wurde erschossen, erschlagen, in den Lagern zu Tode gemartert.

Von den 600.000 Ostpreußen, die nicht ge-flüchtet waren (Ostpreußen hatte 1945 2,1 Mill. Einwohner) waren bis Mitte 1946 450.000 an Hunger, Krankheiten, Entbeh-rungen gestorben oder schlichtweg ermordet worden.

Der Autor Ulrich Herbert setzt hier fort, was seit 1945 billige Masche ist. Bekannte Fakten und Zahlen infrage stellen, anzweifeln, als unsicher charakterisieren.

Sicher ist immer nur, daß die „verbrecheri-schen Nazis“ 6 Millionen Juden ermordeten. Diese Zahl muß als völlig sicher gelten, obwohl belastbare Quellen überwiegend fehlen und einschlägige Forschungen der vergangenen Jahrzehnte zu völlig neuen Betrachtungen kamen.

Fritjof Meyer und sein Beitrag „Die Zahl der Opfer von Auschwitz“, in: Osteuropa, 5/2002, S. 631 ff. sei hier genannt.

Nachtrag:

Drei historische Beispiele von Massenmorden müssen genannt werden, um die Überhöhung jüdischer Opfer in der Zeit zwischen 1939 bis 1945 deutlich zu machen:

1.

In der Zeit des Abbasiden-Kalifats[9] wurden etwa zwei Millionen afrikanische Sklaven ins Zweistromland deportiert. Dort legten diese in jahrzehntelanger Fronarbeit das Schwemmland des Schatt-El-Arab trocken und errichteten in einem Gebiet von etwa 1000 km² bis heute zumindest in Resten erhaltene Wasserbauwerke (Sperranlagen, Kanäle, Staudämme).

Die für die Arbeitssklaven herrschenden unmenschlichen Bedingungen mündeten in einem gewaltigen Aufstand (sog. Aufstand der Zandsch). Die die gesamte Region erfas-sende Revolte beendete das Trocken-Legen der Sümpfe und währte vom Jahre 869 bis 883. Die vom Kalifen in Bagdad organisierten Versuche, den Aufstand niederuschlagen, scheiterten an der Kampfkraft der Zandsch. Vielmehr erzielten diese im Jahr 871 einen großen Erfolg, als sie Basra eroberten und völlig zerstörten. Unter den Einwohnern richtete das Sklavenheer ein Massaker an und zwang die Überlebenden selbst in die Sklaverei.

Ein Jahrzehnt später wurden die sich selbst organisierenden aufständischen Sklaven jedoch mit brutaler militärischer Gewalt besiegt. Truppen des Kalifs Abu l-Abbas Ahmad al-Mu‘tamid ala-Illah[10] beendeten auf brutale und erbarmungslose Art und Weise die Erhebung. Etwa 1 bis 2 Millionen Afrikaner wurden in kurzer Zeit massakriert.

2.

Im heutigen Iran (bis 1935: Persien) lieferten die Briten in den Jahren 1914 bis 1919 etwa zehn Millionen Menschen (sic.) – das waren 40 % der Gesamtbevölkerung des damaligen Persien (!!!) – einem grausamen Hungertod aus, weil Großbritannien zur Eintreibung von Staatsschulden Persiens die gesamten Ernten in Land rücksichtslos konfiszierte (Persien war zu dieser Zeit faktisch ein britisches Protektorat).[11]

3.

Der Vorgang wiederholte sich im II. Weltkrieg, als eine Hungersnot in Bengalen (jetzt zwi-schen Indien und Ostbengalen/Bangladesch geteilt) etwa 4-5 Millionen Opfer kostete.

Churchill verantwortete im Jahr 1943 die Vernichtung und den Abtransport von Nahrungsmitteln aus Bengalen durch die Briten mit der Folge von anderthalb (?) bis vier Millionen, nach anderen Angaben vier bis fünf Millionen Hungertoten.[12]  Dazu sagte er in purer Menschenverachtung:

Angesichts des gigantischen weltweiten Zusammenpralls ist der Hunger in Bengalen eine zu vernachlässigende Größe.[13]

Nach Churchills Aussage seien die Hindus ein

bestialisches Volk mit einer bestiali-schen Religion“ „ein widerliches Volk“, ihr Aussterben sei längst fällig

und er wünschte, sie durch ein paar Bomber auszulöschen.[14] (diese Aussagen finden sich in seinen Tagebüchern!).

Ursache der Hungerkatastrophe in Bengalen, die heute totgeschwiegen wird, war eine Dürre. Zum anderen war nach dem Fall von Singapur die britische Kronkolonie Burma im März 1942 von den Japanern erobert worden, so daß die Reis-Importe, mit denen Bengalen zu Friedenszeiten versorgt worden war, nicht mehr zur Verfügung standen.

Während der Hungersnot war es Englands einziges Interesse, die Versorgung der britisch-indischen Armee und des britischen Mutterlandes sicherzustellen. Die einzige Antwort Churchills auf ein Telegramm des Vizekönigs Archibald Wavell, in dem dieser die Freigabe von Nahrungsmittelspeichern erbat, war die Frage gewesen, warum Gandhi denn nicht auch verhungert sei [sic].

Vorräte in anderen Provinzen Britisch-Indiens wurden aus eigennützigen Beweggründen Großbritanniens nicht freigegeben. Ebenso sperrte Churchill die zur Verfügung stehen-den Schiffseinheiten für den Transport von Reis aus anderen Anbaugebieten Britisch-Indiens bzw. anderen Anbauländern nach Bengalen, weil diese angeblich für Militär-transporte benötigt würden.

Diese Fakten hindern bundesdeutsche und ausländische Geschichtsschreiber nicht, Adolf Hitler oder etwa Heinrich Himmler bis heute als Teufel in Menschengestalt zu bezeichnen und als regel-rechtes Schreckgespenst an die Wand zu malen, einen Kriegsverbrecher wie Churchill aber als einen der größten Politiker des 20. Jahrhunderts zu verklären. So wird Politik gemacht und so wird Geschichte gezeichnet.[15]

______________

Anmerkungen

[1] Davon waren 2,2 Millionen Russen und sowjetische Bürger nichtrussischer Herkunft, die in den Formationen der Deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS dienten, sowie 2,2 Millionen Juden (Deportierte und ehemalige Lagerhäftlinge; die Zahl aller -überwiegend ausländischen – Lagerinsassen betrug im August 1944 524.000, diese wuchs bis Januar 1945 auf  714.000 Häftlinge und Zwangsarbeiter.

[2]  Zu diesem Personenkreis wurden auch die Volksdeutschen (Rußlanddeutsche) gezählt, die sog. Administrativum-Siedler aus den schwarzmeerdeutschen Siedlungsgebieten westlich des Dnjepr, insgesamt etwa 250.000 Deutsche.

Als Administrativumsiedler wurden die Volksdeutschen bezeichnet, die nach einer Anordnung der Militär- und Zivilverwaltung des Dritten Reiches in den besetzten Gebieten der UdSSR (Reichskommissariat Ukraine, rumänisches Transnistrien) ohne einen zwischenstaatlichen Vertrag in den Jahren 1942 bis 1944 in den Warthegau oder ins Altreich umgesiedelt wurden. Fast alle von ihnen hatten bis Kriegsende die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen bekommen. Gemäß sowjetischer Auffassung handelte es sich um sowjetische Bürger (und Vaterlandsverräter) (sic.).

[3]  Qu.:  Alfred Gottwaldt u. a. (Hrsg.): NS-Gewaltherrschaft, Berlin 2005, S. 360 f.

[4]  Alija Bet war der Codename für die Einwanderung tausender Juden aus Europa in das britische Mandatsgebiet Palästina von 1934 bis zur Staatsgründung Israels 1948. Da die britische Regierung für die Einwanderung von Juden (Alijjah) strikte Quoten festgelegt hatte bzw. zeitweise jede Einwanderung vollständig verboten hatte, war die Einwanderung jenseits der Quoten nach britischem Recht illegal.

[5]  Bricha (auch: Beriha, Brichah etc.; hebr. בריחה = „Flucht“) war die Bezeichnung für eine organisierte Untergrundbewegung, die zwischen 1944 und 1948 Hunderttausende Juden aus Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei, Rumänien, Jugoslawien und der Sowjetunion die Flucht und die illegale Einwanderung nach Palästina ermöglichte, unmittelbar vor Gründung des Staates Israel. Qu.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bricha

[6]  Mit der Zeit kamen immer mehr überlebende Juden nach Föhrenwald, so daß das Lager im September 1945 von der amerikanischen Militärverwaltung zum „Jewish Displaced Person Center“ erklärt wurde. Von den dort Lebenden wurde die Siedlung „Schtetl“ genannt. Gesprochen wurde in der Siedlung Jiddisch, das nahezu alle Bewohner sprachen. Für Deutsche war der Zutritt zum gesamten „Schtetl“ verboten. Bis November 1951 stand das Lager unter amerikanischer Verwaltung. Das DP-Lager Föhrenwald gilt als letztes Schtetl klassischer Art in Europa. Das Lager Föhrenwald wurde (ab November 1945) in weitgehender Selbstverwaltung von einem lokalen Rat unter dem Vorsitz von Henry Cohen geleitet.

[7]  Qu.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alija#Die_erste_Alija

[8]  Vgl. Fußn. 5.

[9]  Islamisches Großreich, das von 750 bis 1258 existierte und von der Dynastie der Abbasiden regiert wurde. Es entstand nach einem Aufstand, der die Umayyaden stürzte, und hatte Bagdad als seine Hauptstadt. Das Kalifat erlebte eine Blütezeit als Zentrum von Wissenschaft, Kultur und Handel, zerfiel aber schließlich im 13. Jahrhundert.

[10]  * 842/844; † 15. Oktober 892, von 870 bis zu seinem Tod der fünfzehnte Kalif aus der Dynastie der Abbasiden.

[11]  Qu.: Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021.

[12]Die genaue Zahl der Opfer dieser von Churchill veranlaßten Hungerkatastrophe wurde nie ermittelt.

[13]Qu.: Domenico Losurdo: Kampf um die Geschichte. Der historische Revisionismus und seine Mythen : Nolte, Furet und die anderen  (aus dem Ital. von Erdmute Brielmayer). Köln : PapyRossa-Verlag, 2007.

[14]   Winston Churchill, Tagebücher: John Colville: Downing Street Tagebücher 1939 – 1945. Berlin: Siedler, 1988.

[15]«Ein Kriegsverbrecher ist einer, der eines Kriegsverbrechens rechtskräftig überführt ist. Ein Sieger aber ist nie ein Kriegsverbrecher, weil niemand da ist, ihn anzuklagen.»

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Dr. Gunther Kümel
8 Stunden zuvor

Dem Autor muß großer Dank ausgesprochen werden für diese schwierige und ausführliche Analyse.

Mir ist die Zahl der Juden unklar geblieben. Wenn es bei Kriegsende 2,2 Mill. Juden in Deutschland gab und danach nur einige zehntausend oder hunderttausend „aus Polen eingewandert“ sind, wo kamen die 2,2 Mill.Juden her? Aus den Lagern wohl nicht, denn die „beherbergten zu Kriegsende nur 750.000“.

Und wo sind sie geblieben?? Nach Palästina ausgewandert wohl nicht, denn die Bevölkerung dort betrug „650.000“. In andere Staaten einzuwandern, war schwierig bis unmöglich (wie zur Zeit der Evian-Konferenz. Sind sie etwa großteils im total zerstörten Deutschland geblieben? Und haben zusammen mit den Deutschen das Land wieder aufgebaut?

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