Entführung Maduros: Chinas stille, harte Antwort auf Washington
Mittwoch, 21. Januar 2026 von Adelinde
Kurt Grötsch:
Entführung Maduros: Chinas stille, harte Antwort auf Washington
21 Jan. 2026 07:00 Uhr – Quelle: https://dert.online/international/267700-entfuehrung-maduros-chinas-stille-harte-antwort-auf-washington
China reagiert auf die Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro nicht mit Worten, sondern mit Macht: Finanz-, Energie- und Lieferketten werden binnen Stunden neu justiert. Der Schlag trifft die USA wirtschaftlich – und markiert einen Wende-punkt auf dem Weg zur multipolaren Weltordnung.
China verurteilte die Entführung und Verlet-zung der Souveränität Venezuelas aufs Schärfste. Ohne großspurige Gesten im Stil von Trump oder Macron hat das Land Schritte unternommen, weil es zu der Einschätzung gelangt ist, daß die USA die Kontrolle über das vene-zolanische Öl zu einem Instrument machen, um Chinas Präsenz in Südamerika einzudämmen und dessen rasche, unum-kehrbare Entwicklung zu behindern.
China hat eine Reihe von Maßnahmen ergrif-fen, die auf die Ökonomie des US-Imperiums abzielen, da die Aggression gegen Venezuela eine Kriegserklärung an das Konzept einer multipolaren Welt und an die BRICS-Staaten darstellt.
Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Entführung von Präsident Nicolás Maduro berief Xi Jinping eine Dringlichkeitssitzung des Ständigen Ausschusses des Politbüros ein, die genau 120 Minuten dauerte. Es gab keine Kommuniqués oder diplomatischen Drohungen, sondern nur die Stille vor dem Sturm, denn dieses Treffen aktivierte das, was chinesische Strategen als „integrierte asymmetrische Reaktion“ bezeichnen, um auf eine Aggression gegen die Partner in der westlichen Hemisphäre zu reagieren, wobei Venezuela der Landekopf für Lateinamerika im „Hinterhof der USA“ ist.
Die erste Phase der chinesischen Reaktion setzte um 9:15 Uhr morgens am 4. Januar ein, als die Volksbank von China diskret die vorübergehende Aussetzung aller Transak-tionen in US-Dollar mit Unternehmen bekannt gab, die Verbindungen zum US-Verteidi-gungssektor haben. Boeing, Lockheed Martin, Raytheon und General Dynamics erwachten mit der Nachricht, daß alle ihre Transaktionen mit China ohne Vorankündigung eingefroren worden waren.
Um 11:43 Uhr desselben Tages verkündete die State Grid Corporation of China, die das größte Stromnetz der Welt kontrolliert, die technische Überprüfung aller ihrer Verträge mit US-Lieferanten von Elektrikausrüstung, was impliziert, daß sich China von der ame-rikanischen Technologie abkoppelt.
Um 14:17 Uhr kündigte die China National Petroleum Corporation, der größte staatliche Ölkonzern der Welt, die strategische Neu-ordnung ihrer globalen Lieferwege an. Das bedeutet, daß die Energiewaffe neu aktiviert wurde, was wiederum die Aufhebung von Öl-Lieferverträgen mit US-Raffinerien im Wert von 47 Milliarden Dollar pro Jahr bedeutet.
Dieses Öl, das zuvor an die Ostküste der USA geliefert wurde, wurde nun nach Indien, Brasilien, Südafrika und andere Partner im Globalen Süden umgeleitet. Dies führte dazu, daß die Ölpreise in einer einzigen Handels-sitzung um 23 Prozent in die Höhe schossen.
Das Wichtigste ist jedoch die strategische Botschaft: China kann die USA im Energie-bereich strangulieren, ohne einen einzigen Schuß abzufeuern.
In einem weiteren Zug führte die China Ocean Shipping Company, die etwa 40 Prozent der globalen Seetransportkapazitäten kontrol-liert, eine sogenannte Optimierung der ope-rativen Routen durch, was bedeutet, daß chinesische Frachtschiffe begonnen haben, die Nutzung amerikanischer Häfen zu vermeiden: Long Beach, Los Angeles, New York und Miami, die für ihre Lieferketten auf die chinesische Seelogistik angewiesen sind, verloren plötzlich 35 Prozent ihres normalen Containerverkehrs – eine Katastrophe für Walmart, Amazon, Target und andere.
Diese Unternehmen, die für den Import von in China hergestellten Produkten in amerikani-sche Häfen auf chinesische Schiffe angewie-sen sind, sahen ihre Lieferketten innerhalb weniger Stunden teilweise zusammenbrechen.
Das Beeindruckendste an all diesen Maßnah-men war das „Timing“: Die zeitgleiche Umset-zung löste einen Dominoeffekt aus, der die wirtschaftlichen Auswirkungen exponentiell verstärkte. Es war keine schrittweise Steige-rung, sondern ein systemischer Schock, der darauf ausgerichtet war, die Reaktionsfä-higkeit der USA auszuhebeln.
Die US-Regierung hatte den Schlag noch nicht vollständig verdaut, als China ein neues Maßnahmenpaket aktivierte: die Mobilisie-rung des Globalen Südens. Um 16:22 Uhr desselben Tages, dem 4. Januar, bot der chinesische Außenminister Wang Yi Brasilien, Indien, Südafrika, Iran, Türkei, Indonesien und 23 weiteren Ländern sofortige bevor-zugte Handelsbedingungen für jedes Land an, das sich öffentlich dazu verpflichtete, keine venezolanische Regierung anzuer-kennen, die durch die kriminelle Hand der USA an die Macht gelangen sollte.
In weniger als 24 Stunden hatten 19 Länder das Angebot angenommen. Brasilien war das Erste, gefolgt von Indien, Südafrika und Mexiko. Und das ist die praktische Verwirk-lichung der multipolaren Welt in Aktion. China hat eine sofortige Anti-US-Koalition unter Einsatz der Waffe der wirtschaftlichen Anreize erreicht.
Die Krönung kam am 5. Januar, als Peking die Finanzwaffe aktivierte: Das chinesische grenzüberschreitende Interbanken-Zahl-ungs-system kündigte an, daß es seine operative Kapazität erweitern werde, um jede globale Transaktion aufzunehmen, die das von Washington kontrollierte SWIFT-System umgehen wolle. Das bedeutet, daß China eine voll funktionsfähige Alternative zum westli-chen Finanzsystem für die Welt bereitgestellt hat.
Jedes Land, jedes Unternehmen und jede Bank, die ohne Abhängigkeit von der US-amerikanischen Finanzinfrastruktur Ge-schäfte tätigen möchte, kann das chinesische System nutzen, das um 97 Prozent billiger und schneller ist.
Die Reaktion war umgehend und massiv: In den ersten 48 Stunden nach Inbetriebnahme wurden Transaktionen im Wert von 89 Milli-arden Dollar abgewickelt. Zentralbanken aus 34 Ländern eröffneten operative Konten im chinesischen System, was eine beschleunigte Entdollarisierung einer der wichtigsten Finanzierungsquellen der USA bedeutet.
An der technologischen Front kündigte China, das 60 Prozent der weltweiten Produktion von Seltenen Erden kontrolliert, die für die Herstellung von Halbleitern und elektronischen Bauteilen unerläßlich sind, vorübergehende Exportbeschränkungen für Seltene Erden in alle Länder an, die die Entführung von Präsident Nicolás Maduro unterstützt hatten.
Apple, Microsoft, Google, Intel – alle US-Technologiegiganten, die für kritische Komponenten auf chinesische Zulieferketten angewiesen sind, haben Angst, daß ihre Produktionssysteme innerhalb weniger Wochen kollabieren könnten. Jeder Schritt Chinas trifft das wirtschaftliche Herz des US-Imperiums.
„Was tut China für Venezuela?“, fragen Freunde und Feinde der Regierung. Das oben Ausgeführte ist die Erklärung, daß China handelt, ohne den Krieg zu erklären.
Übersetzt aus dem Spanischen von Olga Espín
Kurt Grötsch ist deutscher Wissenschaftler und Forscher, Professor und Dozent an europäischen und internationalen Univer-sitäten, Gründer mehrerer Kulturinsti-tutionen, Mitbegründer und Vizepräsident von „Cátedra China sowie Botschafter der Minzu University of China“.