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Iran, „Land der Arier“

Thomas Engelhardt

berichtet über das Schicksal des Iran:

Die Änderung des Staatsnamens erfolgte 1935. Bis 1935 hieß das Land Persien.

Bis Mitte der 1930er-Jahre wurde das erneuerte Deutschland zum wichtigsten Partner des in dieser Zeit ebenfalls nach Erneuerung und Aufbruch strebenden Iran. Abgesehen von den unmittelbaren Verbün-deten Deutschlands (Italien, Japan, ab 1940/41 Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Slowakei, Finnland, Türkei) war der Iran einer der wichtigsten Partner des Deutschen Reichs.

Die heutige politische Gemengelage im Iran von einem behaglichen Schreibtisch im Aus-land aus zu beurteilen, muß problematisch, zumindest schwierig erscheinen.

Die islamische Revolution des Jahres 1979 war von breiten Bevölkerungsschichten ge-tragen. Inititiert wurde diese gegen das da-malige Schah-Regime gerichtete Aufstands-bewegung jedoch von Akademikern und Intellektuellen.

Der Schah wurde von den Iranern als Büttel insbesondere der US-Amerikaner erkannt und durchschaut.

Man muß in diesem Zusammenhang stets die Frage stellen, weshalb die Massen einen Herrschaftswechsel wollen.

„Revolution ist, wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen“.

Dies ist eine treffende Beschreibung der Bedingungen für einen Umsturz, der dann tiefgreifende gesellschaftliche Veränderun-gen herbeiführt bzw. zur Folge hat (in der Regel gekennzeichnet von einem vorüber-gehenden Machtvakuum und einem Elitenwechsel).

Das bedeutet, daß eine Revolution ausbricht, wenn die herrschenden Eliten und Führungs-schichten unfähig sind, zu regieren, und die Massen (das Volk) nicht länger bereit sind, sich schurigeln, bevormunden, ausbeuten und unterdrücken zu lassen.

Wie in jedem Staat zerfällt auch die Bevöl-kerung des Iran in unterschiedliche soziale Schichten und Milieus, die wiederum unter-schiedliche und voneinander abweichende politische, weltanschauliche bzw. religiöse Anschaungen vertreten, wenngleich der schiitische Islam dominierend ist (aber auch dieser zerfällt in einzelne Richtungen, Flügel und Schulen).

Etwa 90 % der Gläubigen im Iran bekennen sich zur Richtung der sog. Zwölfer-Schia, nur 10% zum sunnitischen Islam. Der Anteil der Christen liegt bei etwa 2 %.

Darüber hinaus weist der Iran hinsichtlich der Bevölkerungszusammensetzung eine hohe Heterogenität auf: Etwa 30 % der Bevölkerung sind ethnische Türken (Aserbeidschaner), 10 % Kurden. Die indogermanischen Perser ma-chen lediglich einen Anteil von etwa 50-55  % der heute etwa 90  Millionen zählenden iranischen Bevölkerung aus (sic.).

 (Gesamtbevölkerung 1990: 56 Mill. Einw., 2010: 75 Mill. Einw.).

Eine bedeutende ethnische Minderheit sind die im Südosten lebenden Belutschen, die zu-dem auch religiöser Verfolgung ausgesetzt sind (die Belutschen, hauptsächlich in Belutschistan in Pakistan lebend, sind Sunniten!).

Ebenso ist die zahlenmäßig nicht unbedeu-tende arabische Minderheit (entlang der Grenze zum Irak) zu nennen. Etwa 2 Mill. Iraner leben heute im Ausland; überwiegend handelt es sich um politische Flüchtlinge bzw. Verfolgte des Mullah-Regimes.

Die iranische Revolution des Jahres 1979 hatte doppelten Charakter. Im Westen wird sie bis heute nur als „islamische Revolution“ wahrgenommen. Aber sie war mehr als das. Es war eine nationale und eine soziale Revolution.

Wichtigstes Ziel war die Wiedergewinnung der nationalen Souveränität. Gleichzeitig handelte es sich um eine soziale Revolution. Wichtig-stes Ergebnis war die Enteignung des sich größtenteils in aserbeidschanischem Besitz befindlichen Großgrundbesitzes.

Mit der Revolution von 1979 wurde dieser sich in der Hand ethnischer Türken befin-dende Großgrundbesitz enteignet und klei-nen persichstämmigen Landeigentümern oder Pächtern übergeben.

Im Westen sind diese Vorgänge nicht be-kannt, und bis heute werden die Mullahs ausschließlich dämonisiert. Daß das Regime andererseits rücksichtslos gegen seine Gegner vorgeht, soll hier nicht thematisiert und nicht kritisiert werden. Jahrzehntelang galt das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Verhältnisse anderer Staaten.

Die Innenpolitik Irans kann nur vor dem Hintergrund seiner Geschichte verstanden werden. In den Kriegen mit dem russischen Zarenreich verlor der Iran die Kaukasusre-gion, und die zahlreichen Konflikte mit Großbritannien führen dazu, daß Persien Afghanistan als neuen Nachbarstaat aner-kennen und Gebiete abtreten mußte.

Im I. Weltkriegs kam es zu Ernte- und Le-bensmittelkonfiskationen durch England und in der Folge zu schweren Hungersnöten und Seuchen. Ca. 40 % der Bevölkerung kam ums Leben (zwischen 1917 und 1921 starben im Iran ca. 2 Mill. Menschen, ein Viertel der da-maligen Gesamtvölkerung).

Am 7. April 1920 marschierte die sowjetische Rote Armee in die iranische Region Aserbaid-schan ein, wo am 23. Juni 1920 in Täbris (Persisch-Aserbedschan) eine Sowjetrepublik Aserbeidschan gegründet wurde, die Demo-kratische Republik Aserbaidschan. Diese überstand aber den Abzug der Sowjets nicht und wurde bereits am 14. September 1920 von Regierungstruppen liquidiert, ihre Führer wurden hingerichtet.

Ebenfalls mit sowjetischer Hilfe wurde am 5. Juni 1920 die Persische Sozialistische Sowjet-republik proklamiert, gestützt auf rund 2.000 sowjetische Rotarmisten unter einem sowjeti-schen Militärgouverneur sowie die bolschewi-stische Kaspi-Flotte im Kaspischen Meer. Zusätzlich wurde eine Iranische Rote Armee gegründet.

Eine weitere Sowjetrepublik, die Sozialistische Sowjetrepublik Iran (Sowjetrepublik Gilan) war eine 1920 in der nordpersischen Provinz Giland nach sowjetrussischem Vorbild errich-tete und gegründete Räterepublik am Kaspi-schen Meer (1921 aufgelöst).

Vor Beginn des II. Weltkrieges wurde das nationalsozialistische Deutschland der wichtigste Partner Irans. Die gegenseitigen Beziehungen waren von gegenseitigem Respekt, gemeinsamen Interessen und Freundschaft gekennzeichnet.

Nach Ausbruch des II. Weltkrieges verlangte Großbritannien den Eintritt Irans in den Krieg auf Seiten der Alliierten und die Ausweisung der aller deutschen Berater.

Um den Zugriff auf die iranischen Ölvor-kommen und um den Nachschub für mili-tärisches Material an die Sowjetunion über die Transiranische Eisenbahn und das Kaspische Meer (und weiter über die Wolga nach Stalingrad!!!) zu sichern, begann am 25. August 1941 (ohne Kriegserklärung !!!) der Einmarsch britischer Truppen und der sowjetischen Roten Armee.

Der Widerstand der iranischen Armee brach bereits nach 48 Stunden zusammen. Briten und Sowjets okkupierten das gesamte Land und teilten es in zwei Besatzungsgebiete. Auch Teheran wurde faktisch geteilt (deshalb auch die Konferenz von Teheran in dieser besetzten Stadt!!!).

1980 begann der Irak, aufgehetzt und verdeckt unterstützt durch die US-Ameri-kaner, einen Krieg gegen Iran (Erster Golfkrieg). In diesem Krieg (1980-1988) verlor das Land mehr als 1 Million Soldaten.

Der Iran hat mithin gute Gründe, dem Westen nicht zu trauen. In einer anderen politischen Weltordnung wäre der Iran sicherlich einer der wichtigsten Verbündeten Deutschlands. Derzeit erscheinen derlei Überlegungen mangels Substanz jedoch gegenstandslos.

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KWHugo
KWHugo
3 Stunden zuvor

Weiß einer, daß nach der Besetzung durch die Russen und Engländer 1945 die Russen das Staatseigentum des Irans an Gold stillschweigend mitgehen ließen? Warum ist darüber nichts zu hören? Stecken die beiden Kräfte womöglich unter einer Decke? Meine Rede.

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