Ein neuer Typus Linker begeht den Terroranschlag von Berlin
Samstag, 17. Januar 2026 von Adelinde
Mario Thurnes
analysiert „Die Linke“ in ihren Farbvariationen:
Die Terroristen von Berlin können keine Linken sein. Es muß sich um russische Agenten handeln. So lautet die Reaktion vieler Linker. Die einen heucheln da bewußt, andere glauben das wirklich. Sie leiden unter der Kluft zwischen Selbstbild und einem Typus, der die extreme Linke heute immer stärker dominiert.
In jeder WG lebte früher dieser eine Typ: klein. Ein gewisser Hang zur Schwindsucht. Die Haut gelb vom Rauchen, die Haare nur mittellang, aber maximal ungepflegt. Er saß immer ruhig rum, oft mit den Händen um die Knie. Meist in der Küche. Aber sogar auf Par-tys. Starteten dort Diskussionen, erwachte er zum Leben. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Dann zog er sich in sein Zimmer zurück – um die Klassiker zu lesen und darin die korrekte Antwort auf die Streitfrage zu finden.
Der Typ war seltsam. Die Wahrheit in den Klassikern zu suchen, war indes lange ein konstituierender Moment der deutschen Linken: in den 68ern, aber auch in den K-Gruppen der 1970er und frühen 80er Jahre. Seinen Marx hatte man gelesen zu haben. Und seinen Lenin, seinen Engels, seinen Mao und manche sogar ihren Ho Chi Minh.
Nun muß wahrlich keiner die besagten Klassiker wertschätzen. Aber buchstäblich konnte keiner mitreden, der sie nicht gelesen hatte. Das zwang zur Lektüre, zu Gedächtnis-fleiß und gab dem Spiel Regeln. Absurde zwar, gewiß, aber auch absurde Regeln sind Regeln.
Wer die heutige Linke verstehen will, ihr eigentliches Selbstbild und ihren real exi-stierenden Zustand, der muß an dem Punkt ansetzen, daß heute keiner mehr von ihnen die Klassiker gelesen hat. Das ist bedauerns-werter, als es klingt. Die Lektüre der Klassiker zwang die Linken zum beschriebenen Mindestmaß an Disziplin.
Doch mit dem Wandel der Linken seit 1978, weg von der proletarischen Arbeiterbewe-gung hin zur akademischen Bewegung der Woken und Klimaschützer, ging auch dieses Mindestmaß an Disziplin verloren.
Das ermöglicht einen anderen Typus an Linken. Einen, der einem den seltsamen Schweiger von damals richtig vermissen läßt. Kein Typ, der in einer proletarischen Arbei-terfamilie mit vielen Geschwistern gesell-schaftliche Regeln kennen und verinnerlichen gelernt hat. Sondern das einzige Kind einer über 30 Jahre alten Akademikerin, die nun den Nachwuchs zum Lebenszweck macht. Die fortan am Sandkasten darüber wacht, daß kein anderes Kind ihren Schatz auch nur schief anschaut. Die Lehrer und Dozenten heimsucht, um ihnen zu erklären, daß ihr kleiner Depp nicht dumm, sondern sonder-begabt ist. Und die sich erfolgreich für das Ende der Bundesjugendspiele eingesetzt hat, weil diese Leistungen verlangen und Leistungen ihrem Wonneproppen so gar nicht liegen.
Die Helikopterelternkinder bilden den Kern der heutigen Linken. Die Vorstellung, sich durch hunderte Seiten Marx zu quälen, ist für sie unvorstellbar. Sie müssen ihr Recht nicht mühsam aus einem Klassiker ableiten. Sie haben Recht, wenn einer sich gestört fühlt. Praktischerweise sind der eine immer sie – und das auslegbare Fühlen ist für sie so viel besser als die faktische Welt der Buchstaben in den Klassikern, der Sieger- und Ehrenur-kunden in den Bundesjugendspielen oder der Noten an der Schule. Hier darf Mensch sonderbegabt sein und keiner darf ihm darin widersprechen.
Das war – zugegeben – eine recht lange Brücke. Aber wer die Gefühlslage der linken Terroristen von Berlin verstehen will, muß über diese Brücke gehen. Denn der Konflikt, der ihrem Anschlag voranging, ist nicht neu in der Linken.
Die heutigen Linken beantworten ihn nur anders als früher. Der entscheidende Unter-schied ist die emotionale Disposition, die keine Disziplin mehr kennt – etwa die Lektüre der Klassiker – sondern die nur noch der narzisstischen Selbstverwirklichung, Selbst-verherrlichung und Selbstvergötterung der identitären Politik folgt.
Der Konflikt um das Proletariat als Opfer war entscheidend für die RAF. Deren erste terro-ristische Tat nach dem Ausbruch ihres Füh-rers Andreas Baader war am 29. September 1970 der „Dreierschlag“. Auf einen Schlag überfielen sie in West-Berlin drei Banken. Die Taktik, daß dieses Vorgehen die Polizei über-fordern würde, ging auf. Eigentlich hätten es vier Banken sein sollen. Doch in der vierten vorgesehenen Filiale wurden an dem Tag Bauarbeiten durchgeführt. Also verzichtete die RAF auf einen Überfall dort. Sie wollten die Arbeiter nicht gefährden. Weil diese Proletarier waren. Das wäre mit den Klassikern nicht vereinbar gewesen.
Nach dem „Dreierschlag“ gab es durchaus Sympathien in Teilen der Bevölkerung. 20 bis 30 Prozent fanden die Banküberfälle laut Umfragen gar nicht schlecht. Also immerhin um die 15 Millionen Bürger. Doch die RAF konnte mit dem Konflikt, Proletarier zu scho-nen, nicht lange umgehen. Als erstes war da der Umgang mit Polizisten. Immerhin auch Arbeiter.
Ulrike Meinhof, 1970 noch die geistige Führerin der RAF, schrieb früh ein Pamphlet, in dem sie Polizisten zu „Bullen“ machte, die keine Proletarier, sondern Teil des faschisti-schen Unterdrückungsapparats seien.
„Und natürlich kann geschossen werden.“
Entmenschlichung des Feindes, um den Feind vernichten zu können. In dieser Strategie finden sich alle Linken letztlich über alle Generationen und Grenzen vereint.
Als die ersten „Bullen“ tatsächlich erschossen waren, gingen die Sympathien für den Terror rasch zurück. Je mehr Opfer in diesem Terror starben, desto stärker wurde der „Kampf“ der RAF einer von „Sechs gegen 60 Millionen“, wie es der Schriftsteller Heinrich Böll seinerzeit beschrieb. Die allerletzte Chance auf eine tragfähige Basis in der Bevölkerung schwand für die linken „Befreiungskämpfer“ im „Deutschen Herbst“ 1977.
Eine palästinensische Mörderbande – schon damals der Verbündete deutscher Linker – bot der RAF an, sie könnten eine Botschaft besetzen oder ein Flugzeug entführen, um den Führer der deutschen Genossen, Andreas Baader, aus dem Knast von Stuttgart-Stamm-heim zu erpressen. Die deutschen Genossen entschieden sich für die Entführung der „Landshut“.
Mallorca-Touristen als Opfer. Eine Friseur-gesellin, der ein Terrorist am Beginn der Nacht sagte, morgen früh werde sie sterben. Der sie dann an die Tür zwang und ihr die Pistole an den Kopf hielt, um das Auftanken des Flugzeugs zu erzwingen.
Das war von den Klassikern nicht mehr gedeckt. So konnte die Befreiung der Unterdrückten unmöglich aussehen. Das waren nur noch arabische Nationalisten und Sozialisten aus Deutschland im Machtrausch. Nach den Bildern von der Landshut hatte die „Befreiung der Massen“ in Deutschland nie wieder eine Chance auf Anerkennung in den besagten Massen. Nicht mal in Teilen davon. Wenige Monate später fand in West-Berlin der „Tunix-Kongreß“ statt, auf dem die Linken die Massen aufgaben, und sich der identitären Politik zuwandten.
Auch die Linken, die ein Bekennerschreiben zum Terror von Berlin über Indymedia verbreitet haben, haben sich diesem Konflikt gestellt. Auf ihre Weise: dumm, faul und oberflächlich. Von jemandem, der aggressiv und ein Leistungsverweigerer ist. Einer, der von seiner Helikoptermutter gelernt hat, daß an seinem Scheitern alle, wirklich alle, schuld sind, nur er nicht. Einer, für den es dann nur noch ein kleiner Schritt ist, sich an allen anderen zu rächen. Egal wie.
Natürlich heißt es in dem Bekennerschreiben nicht, daß die Gruppe andere bestrafen will, weil es denen mutmaßlich besser geht als ihnen. Kein mieser, neidischer Drecksack würde sich selbst einen miesen, neidischen Drecksack nennen. Also macht er, was schon seine Mutter getan hat: Er erfindet eine Son-derbegabung. Einen höheren Zweck, dem er dient, was ihn zum höheren Wesen macht. Man wollte mit der Tat die Reichen treffen – des alten Sounds wegen. Und gegen die Zerstörung des Klimas ein Zeichen setzen – des Zeitgeistes wegen. Zwar ist der Klima-hype vorbei. Aber bis solch eine Erkenntnis bei Linken ankommt, dauert es ein wenig.
Wären Linke auf der Höhe der Zeit, müßten sie keine miesen, neidischen Drecksäcke sein, die sich an anderen fürs eigene Versagen rächen.
Russische Geheimdienstleute sollen den Terroranschlag auf die Berliner Stromver-sorgung durchgeführt haben. Bei grün-linken Berufspolitikern ist das eine pragmatische Zwecklüge. Doch bei vielen Linken, vor allem bei älteren Linken, ist das ein ehrlich gefühl-ter Zweifel. Einer, der auf dem Unterschied zwischen dem Selbstbild beruht, das sie von der Linken haben – und der linken Realität. Einem Selbstbild, in dem Linke die Reichen bestehlen und das Geld den Armen schenken. Und keine sind, die aus miesen, dummen Drecksäcken besteht, die Familien, Alten und Armen Strom und Heizung nehmen, während draußen Minustemperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit herrschen.
Daß Rußland die deutschen Extremen unter-wandert hat und Agenten in die extrem linke wie in die extrem rechte Szene einge-schleust hat, ist durchaus wahrscheinlich. Umso verwerflicher, wie wenig BND, Verfas-sungsschutz, BKA und LKA Berlin nach nunmehr 15 Jahren über die „Vulkangruppe“ wissen, die sich zu dem Berliner Terror-anschlag bekannt hat. Doch auch ganz ohne russische Agenten finden solche Gruppen genug Zulauf. Vom Typus dummer, aggressiver Leistungsverweigerer mit dem Bedürfnis, sich über die eigene Existenz zu belügen, gibt es in Berlin mehr als genug.
Wären die Folgen des linken Terroranschlags nicht so bitter, gäbe es noch etwas Lustiges. Das Hilfsargument, hinter der „Vulkangruppe“ müßten russische Agenten stecken. Denn deutsche Linke würden niemals so viele Rechtschreibfehler begehen. Da ist es noch. Das alte Selbstbild – das des kundigen Lesers der Klassiker. Und nicht von dem kleinen Schulversager, der das Diktat verhauen hat. Aber nur, weil er sonderbegabt ist und sich gegen die kapitalistische Unterdrückung durch die Rechtschreibung wehrt. Der Typus, der den Terror von Berlin verantwortet, ist der des verzogenen Helikopterelternkindes, das zu dumm und zu asozial ist, um die Folgen seiner Tat vorher einschätzen zu können.
Die LINKEN in der DDR waren ANDERE Linke als die, die heute im Bundestag sitzen !!! Die DDR-Linken hätten niemals im zweiten Wahlgang einen Merz, wie geschehen, zum Bundeskanzler gewählt !