Wo die Macht der Mächtigen zur Ohnmacht wird
Donnerstag, 15. Januar 2026 von Adelinde
Sie können versuchen, zu zerstören, zu quälen, das Volk zu belügen – das alles ermöglicht ihnen die von Mutter Natur verliehene Freiheit der Wahl, mit der „Der Mensch das große Wagnis der Schöpfung“ (Mathilde Ludendorff) geworden ist. Der göttliche Wille zur Bewußtheit, der vor unendlichen Zeitläuften aufleuchtete und zur Geschichte der Schöpfung, der Evolution, führte, wollte Bewußtsein seiner selbst.
Das Göttliche ist frei von den Kathegorien, die der gewordenen Erscheinungswelt eigen sind wie Raum, Zeit, Ursächlichkeit. Und nur in dieser Freiheit kann sich die gewordene Menschenseele dem Göttlichen nähern. Sie muß also die Freiheit der Wahl haben, daher – so die Erkenntnis der Philosophin Mathilde Ludendorff – die Unvollkommenheit des Menschen.
Er kann – so sein freier Wille – spontan, also ohne Ursache, wie Gott selbst sich dem Göttlichen hingeben.
War ich doch eine knappe Woche im Spital und erlebte tagtäglich die Güte der mütterlichen Pfle-gerinnen, ob nun die Deutschen, die Chinesin, die Inderin, die Iranerin, die Slowakin – sie alle waren mir in ihrer Warmherzigkeit wie alte Bekannte. Wir trafen uns in der Freude am Gutsein. Niemand mit seiner Bosheit, d.h. seiner Gottferne, hätte diese Welt stören können.
Und so lag auch Frau Müller mit ihren still leuch-tenden Augen im Nebenbett. Und es ergab sich, daß sie erzählte, viele Tiere um sich gehabt zu haben: Ziegen, Schafe, Enten, Gänse, Hühner, Kaninchen … Und immer wenn Besuch kam, löste sich eine der Gänse, Trudi genannt, aus der Tierschar und schick-te sich an, den Besuch zu vertreiben, um Frau Müller zu beschützen.
Eines Tages mußte Frau Müller den Hof verlassen und die Tiere einem Bauernhof übergeben. Nach Wochen und Monaten kam sie zurück zum Bauern-hof. In der Schar der Gänse entdeckte sie auch Trudi. Sie rief: Trudi. Ein Gänsekopf reckte sich aus der Schar und Erkennen und auf ihren Schützling Zu-stürzen war eins. Sie flog ihr auf den Schoß und beide herzten und streichelten einander.
Tier und Mensch waren eingebettet in göttlicher Liebe. Und was zeigt uns denn dies Bild von dem Kind mit der Ziege: göttliches Gutsein, Liebe zu-einander. In Freiheit wächst es ihnen zu, ungewollt, d.h. unverursacht.
Dies alles ereignet sich in Frieden, unangreifbar durch menschliche Schlechtigkeit. Nun wissen wir aus der jüngsten Geschichte, zu welchen Bestialitäten böse Menschen fähig sind, gerade uns Deutschen gegenüber, die wir niemandem was weg-nehmen, wohl aber in Frieden und Freiheit leben wollten. Es wurde uns von habgierigen, neidischen Nachbarn nicht gegönnt.
Aber hatten diese bösen Mächte außer ihren Zerstö-rungen der Lebensgrundlagen und der Seelenge-sundheit der Angegriffenen irgendeine Macht über ihre Seelen? Konnten sie verhindern, daß die Hilfs-bereitschaft der Deutschen untereinander in der Volksnot wuchs? Nein. Das Göttliche in den Menschen ist für die Bösen nicht angreifbar. Hier endet die Macht der „Mächtigen“.
Sehr schön auch in Zeiten, wie wir Deutschen in der Mitte Europas es in Wellen immer wieder erleben mußten, daß die Freiheit der Meinungsäußerung von denen, die die Macht dazu hatten und heute haben, eingeschränkt und verfolgt wird, die Meinungsfrei-heit selbst aber unantastbar im Innern des Menschen weiterbestanden hat. Dazu sehr schön Mathilde Ludendorff:
Am auffälligsten wurde uns die Ohnmacht der Geschichte und ihrer Machtgestalter gegen-über dem Gotterleben, ja sogar gegenüber jeder Überzeugung, wenn wir den Mißerfolg sahen, diese mit Gewalt zu erzwingen.
Der Vergleich des geschichtlichen Schicksals der verschiedenen Weltreligionen zeigte uns diesen Mißerfolg im großen, und die Ge-schichte der Völker erweist ihn uns an allen Ecken im kleinen. Ohnmächtig sind die Machthaber der Geschichte gegenüber der Glaubensüberzeugung, ja jeglicher Über-zeugung und Gesinnung.
Volksweisheit kennt diese Ohnmacht fast in allen Völkern. Märchen, Lieder und Volks-sprüche künden uns in tausenderlei Weise die frohlockende Tatsächlichkeit der Unantast-barkeit der Gesinnung und Überzeugung, der völligen Ohnmacht aller Gewalthaber der Geschichte hierüber:
„Die Gedanken sind frei … und sperrt man mich ein in finsteren Kerker, so sind das doch alles vergebliche Werke, ich bleibe dabei, Gedanken sind frei.“
So sang unser Volk, und so singen die Völker der Erde, solange noch ein Funke Gotterleben in ihnen wach ist, das ihnen diese Tatsäch-lichkeit verrät. Die Blätter der Geschichte melden uns alle törichten Wege, die die Ge-walthaber gingen, um über diese Grenzen der „Gedankenfreiheit“ zu kommen; Verschwie-genheit der Gedanken erreichten sie, ja bei den Schwachen auch Gedankenheuchelei, nie aber etwas anderes.*
*) Mathilde Ludendorff, Die Volksseele und ihre Machtgestalter, 1955, S. 511

